Mein baldiges Wiedersehen mit Jeannette … Oder: Warum ich Esel so mag

Ehrlich gestanden: Mir zittern schon jetzt ein wenig die Knie vor dem nächsten „dienstlichen“ Treffen mit Jeannette, die, wie diejenigen wissen, die mich kennen und vielleicht sogar ab und an mal hier lesen oder zumindest zwei, drei flüchtige Blicke werfen, meine Auffrisch-Fahrlehrerin aus dem letzten Jahr ist.

Nicht, dass ich mich vor Jeannette fürchtete – bewahre, nein! Sie ist total klasse, im Dienst sehr gelassen und ruhig, privat aber sehr lebhaft. Und das ist auch prima, denn wir verstehen einander gut. 🙂 (Und das, obwohl ich sowohl bei den dienstlichen Zusammentreffen, als auch privat alles andere als gelassen und ruhig bin. Bei den dienstlichen Treffen gleiche ich einem hektischen Nervenbündel, privat hört man mich schon von Weitem, wenn ich mich unterhalte. 😉 )

Die näheren Umstände unseres „dienstlichen“ Wiedersehens ergeben sich daraus, dass ich bis dato ja noch immer einen großen Bogen um Autobahnen mache – es sei denn, ich bin Beifahrerin. Es ist keine Feigheit, die mich bisher diesen großen Bogen machen lässt; es ist wirkliche Angst. Oder Furcht. Jedenfalls etwas, das nicht so leicht und with a wink and a smile abzustellen ist. Wenn man bedenkt, dass ich schon immer ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Autofahren – zum selbsttätigen Autofahren durch meine Person, wohlgemerkt – hatte, ist es eigentlich schon eine gewisse Leistung, dass ich seit letztem Jahr überhaupt wieder fahre. Es ist aber in vordringlicher Linie Jeannette zu verdanken – nachdem ich meinen inneren Schweinehund wirklich mit Mühe zu Boden gerungen hatte. (Und mein innerer Schweinehund ist – wäre er ein echter Hund – mindestens ein Mastiff. 😉 )

Denn Jeannette ist total cool in ihrem Beruf. Nichts scheint sie umhauen zu können, und es wird während der Arbeit viel gelacht. Das Beste ist: Nichts muss einem peinlich sein, und sie spricht eine ähnliche Sprache wie ich. Nein, nicht Deutsch – das sowieso -, sondern sehr direkt. Das hilft schon einmal ungemein.

Zwar hatten mehrere nähere Verwandte mir mit mehr oder weniger Nachdruck schon angeboten, doch mit ihnen auf die Autobahn zu fahren, aber aufgrund meiner „Fahrphobie“ ist es mir lieber, mit einem Vollprofi zu fahren, der obendrein rechts auch noch einen Satz Pedale hat, tagein, tagaus mit mehr oder minder blutigen Anfängern umherfährt und vom Beifahrersitz besser lenkt als mancher vom Fahrersitz aus. 😉 Und offenbar Nerven aus Stahl hat. 😉 In Fällen notwendiger massiver Überwindung wie in meinem ist es günstiger, sich einem Profi anzuvertrauen, und man sollte dem kleinen Schisshasen auch das ihm eigene Tempo lassen und nicht drängeln. Speziell dann, wenn der schon selber mit sich hadert. Nicht immer handelt es sich bei Zögern um Unwillen oder Faulheit.

Ich halte das zumindest in meinen Seminaren so und bin damit auch bei verunsicherten Studis immer gut gefahren. Noch nie habe ich verstanden, warum manche Eltern oder Lehrer den zu bildenden Nachwuchs oft drängen, wenn eine Blockade vorliegt. Das ist kontraproduktiv und führt nur dazu, dass sich etwaige Ängste vergrößern. Der Druck muss von innen kommen, nicht von außen. Kommt er von der betroffenen Person selber, ist er besser dosiert, und der eigene Wille ist maßgebend. Kommt er von außen, vergrößert das möglicherweise die schon vorhandene Unsicherheit, und der Betroffene fühlt sich nicht eben besser. Um es mal so zu sagen. 😉

Da die Fragen nach meiner noch ausstehenden Autobahntätigkeit immer häufiger wurden, habe ich mich am Samstag mit Jeannette in einem bekannten Sozialen Medium darauf verständigt, dass ich mich diese Woche wegen zwei, drei Autobahnstunden – vielleicht werden es auch mehr – bei ihr melden werde. Ich schrieb: „Ich melde mich dann nächste Woche mal wegen Autobahnstunden – da habe ich immer noch zuviel Schiss!“ Sie schrieb zurück: „Super – ich freue mich schon!“ Ich dachte: „Das ist sicher Ironie.“ Als ich diesen Verdacht äußerte, wies Jeannette diesen empört zurück: „Ali! Ich fahre sehr gern mit dir und bin schon auf deine allerneuesten Flüche gespannt!“ – „Also doch Ironie!“ schrieb ich zwinkernd zurück, aber sie meinte: „Nein, nur ein bisschen Spaß. Keinen Kopp machen – alles wird gut, du wirst sehen!“

Und sie lockte mich mit der Aussicht völlig neuer Fahrschulwagen. Allesamt Audis! Zwei neue A3 – und im Juli komme auch noch ein Q3! Falls ich mal mit einem größeren Wagen fahren wolle. „Geschäftstüchtig!“ schrieb ich grinsend zurück, gab aber zu, dass das vielleicht gar nicht so verkehrt sei, für den Fall, dass ich mal mit einem anderen Wagen fahren müsse. Einem größeren.

Da die Woche heute erst angefangen hat, habe ich noch nicht mit Jeannette telefoniert. Ich plane das für morgen. Oder übermorgen. Oder so … Aber auf alle Fälle diese Woche! 😉

Warum ich Esel so gern mag? Das sind sehr kluge Tiere, obwohl sie immer wieder und völlig zu Unrecht als dumm hingestellt werden, weil sie bisweilen sehr stur sind. Oder zumindest so wirken. Dabei ist es oft vielmehr Klug- und nicht Sturheit, die sie so unnachgiebig erscheinen lässt. Sie scheinen zu wissen, was sie können und was nicht. Und im letzteren Falle bleiben sie wie einbetoniert stehen und bewegen sich keinen Millimeter weiter. Zum Beispiel, was das Schwimmen anbelangt.

Esel haben im Vergleich zu Pferden relativ kurze Beine, einen ganz anderen Schwerpunkt und sind anerkannter Weise nicht die besten Schwimmer. Wollte man sie in lange vergangenen Zeiten, als sie in vielen Gebieten noch verstärkt als Trag- und Transporttiere verwendet wurden, dazu bringen, Wasserströme zu überqueren, musste man feststellen, dass sie wie festgetackert stehenblieben, sobald sie das Wasser sahen, während Pferde ohne Probleme hindurchwateten oder -schwammen. Oder in Panik wegrannten. Nichts half, wenn so ein langohriger Geselle beschlossen hatte: „Bis hierher und nicht weiter!“ Schlagen, Schimpfen und Drohen brachte nichts. Keinen Millimeter weiter! Und so musste man kleine Stege für die Esel bauen, die über die Ströme führten. Daher der Begriff Eselsbrücke. Ein sehr sinnvolles Hilfsmittel, wenn sonst nichts weiterführte. 😉

Ich scheine mit Eseln etwas gemein zu haben – und das sehe ich durchweg positiv. 😉 Pferde würden wegrennen, da Fluchttiere, die bei Angst davonrennen. Esel reagieren ganz anders, wenn sie Angst haben – sie bleiben stehen und bewegen sich nicht mehr. Es nützt nichts, sie zu sanktionieren, zumindest nicht dahingehend, dass sie machen, was der Eselsführer will. Und wenn der Eselsführer ebenso klug wie der Esel ist, baut er ihm eine Brücke. 😉

Und deswegen werde ich auch Jeannette erneut zu Rate ziehen. Sie kann auch mit Eseln umgehen. 😉 Morgen rufe ich sie an. Oder übermorgen. 😉

Ein Esel

Es stand vor eines Hauses Tor
ein Esel mit gespitztem Ohr,
der käute sich sein Bündel Heu
gedankenvoll und still entzwei.

Nun kommen da und bleiben stehn
der naseweisen Buben zween,
die auch sogleich, indem sie lachen,
verhaßte Redensarten machen,
womit man denn bezwecken wollte,
daß sich der Esel ärgern sollte.

Doch dieser hocherfahrne Greis
beschrieb nur einen halben Kreis,
verhielt sich stumm und zeigte itzt
die Seite, wo der Wedel sitzt.


Wilhelm Busch

(der Esel offenbar auch mochte … 😉 )

Drückt mir die Daumen – mir graut jetzt schon … 😉

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