Rundumerneuerung

Heute hatte ich Urlaub, einen Tag. Und ich wollte so viel machen und schaffen. Aber irgendwie kommt es oft anders … 😉

Nichtsdestotrotz habe ich heute eine Menge gemacht. Schön ausgeschlafen zunächst einmal – ganz wichtig. Mich dann zurechtgemacht und meinen Friseur angerufen, ob gerade ein Zeitfenster für die Wiederherstellung meiner sogenannten Frisur bestehe. Man sagte: „Frau B., kommen Sie doch am besten so gegen Viertel vor 12.“ Das passte. Denn ich war heute mit Stephanie, meiner Schwester, zum Mittagessen verabredet. In einem Etablissement, von Stephanie immer liebevoll als „Ballerbude“ bezeichnet. Wahlweise auch als „Massenabfütterung“ im Hinblick auf asiatisch inspiriertes Essen. Denn, so Stephanie, die asiatischen Bedienungen würden sich sicherlich bei der Vorstellung einen Ast lachen, dass hiesige Gäste das, was dort gereicht wird, unter Umständen für originalasiatisch halten. Es ist – wie nicht ungewöhnlich – doch sehr auf den hiesigen Geschmack und die Vorstellung ausgerichtet, die man sich hier von typisch asiatischem Essen macht. Mir ist das bewusst, aber auch egal, denn das Essen schmeckt, und ich erhebe gar nicht den Anspruch, originalasiatisch zu essen. Wenn ich das will, besuche ich ein Restaurant, das authentische asiatische Speisen anbietet.

Gegen 12:50 h sah ich perfekt geschnitten und frisiert aus, und ich rief rasch Stephanie an, dass ich gerade erst den Salon verlassen hätte und sicherlich einige Minuten später einträfe. Sie meinte, dies sei kein Problem, und sie würde dann schon einmal mit dem Buffet beginnen, wenn ich nichts dagegen hätte. Sie habe Hunger. Kein Problem für mich, aber ich sauste doch recht schnell per pedes nach Hause und fuhr dann mit Monty los, denn nicht nur ich sollte heute rundumerneuert werden – auch er.

Ich muss gestehen, dass ich mich seiner Optik in den letzten Wochen schon ein wenig geschämt hatte, denn er war derart schmutzig, dass jeder, der sich gegen ihn gelehnt hätte, sicherlich Anspruch auf Schadenersatz hätte erheben können. 😉 Und so wollten Stephanie und ich nach dem Essen Richtung Waschstraße.

Als Kind war ich immer voller Begeisterung durch Waschstraßen gefahren, auch als Erwachsene noch – jedoch als Beifahrerin. Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich war noch nie selber in eine solche hineingefahren (sonst hätte Monty auch nicht so schmutzig ausgesehen … 😉 ), und es war heute eine Premiere. Und ich hatte bei meinen bisherigen Beifahrer-Waschstraßenbesuchen schon so einiges mitbekommen, was schiefgehen kann. Da ich mich selber nicht für übermäßig geschickt halte, hatte ich die schlimmsten Befürchtungen … 😉 Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits eine gigantische Schlange sich um die Waschstraße winden, weil ich unfähig wäre, den Wagen richtig hineinzufahren … 😉

Doch diese Befürchtungen erwiesen sich – wie so viele ihrer Art – als völlig unbegründet. Stephanie meinte: „Ich fahre mit dir mit. Tschaka – du schaffst das!“ Und sie lachte sich scheckig. Es war gut, dass sie mitfuhr, denn sonst hätte ich jetzt sicherlich keine Antenne mehr auf dem Dach … 😉 Die hätte ich garantiert komplett vergessen … 😉

Und schon standen wir in der Schlange vor der Einfahrt, studierten das reichhaltige Angebot und entschieden uns für das Super-Mega-Absolutely-Bright-Programm. Stephanie hatte gemeint: „So, wie er aussieht, solltest du etwas mehr investieren und dich nicht mit dem Basisprogramm aufhalten.“ Ich gab zurück: „Vielleicht solltest du deinen auch gleich waschen lassen …“ Sie lachte und meinte: „Ich weiß. Der sieht auch schlimm aus.“ Aber ich dachte auch, die Behandlung mit „triple foam“, was auch immer das sein mochte, könne nicht schaden. Triple foam klang schon nach viel besserer Wirkung als zum Beispiel single oder double foam! 😉

Und sachte schoben wir uns vor bis zum Vorsprühbogen. Dort stürzten große Mengen Wassers auf das schmutzige Gefährt, und ich beobachtete, wie der SUV vor uns mit Hochdruck vorgereinigt wurde. Gleich drei Angestellte arbeiteten an dem Vehikel, an dessen Heck ein Aufkleber gemahnte, man komme aus‘m Pott. Und dann sollte der SUV-Fahrer, ein Mann, in die Fördervorrichtung fahren, verfehlte aber eklatant die entsprechende Schiene. Und nicht nur einmal.

„Ach, du Scheiße!“ entfuhr es mir. „Stephie, sieh mal – der kann das nicht. Und das ist ein Mann!“ Stephanie schimpfte: „Was soll das denn? Seit wann solche Töne? Meinst du ernsthaft, Männer wären per Geschlecht die besseren Fahrer?“ – „Nö, eigentlich nicht. Aber der ist sicherlich nicht zum ersten Mal in der Waschstraße und schafft es nicht! Was soll erst mit mir werden?“

Da kamen auch schon die drei reizenden Vorwäscher und wiesen mich ein, um mit der Vorwäsche zu beginnen. Und schon wurde Monty mit Hochdruck bearbeitet, eingeschäumt, und das von einem grinsenden jüngeren Mann, der mir ein Auge zukniff. Ahnte er, dass ich ein absolutes Greenhorn war? 😉 Bis dato hatte ich mich immerhin wacker geschlagen, hatte niemanden umgenietet oder sonstige Fauxpas begangen.

Und dann winkte er mich auf das Förderband. Mit Todesverachtung fuhr ich los … Es würde sich sicherlich gleich hinter mir ein immenser Stau bilden, die Angestellten mich verfluchen, die Waschwilligen in den Autos hinter mir nicht minder …

Aber – es klappte! Beim ersten Mal – damit hatte ich nach dem Gehampel meines Vordermanns gar nicht gerechnet! Motor aus, Leerlauf, und schon wurden wir sachte vorwärts befördert, während triple foam auf uns einstürzte. Der heißt so, weil er dreifarbig ist … 😉 Ich hoffte, dass er auch tatsächlich das hielte, was zuvor versprochen worden war. 😉

Dann wurde Monty mit besonders sanften Bürsten, Lappen, Wachs und allem Zipp und Zapp behandelt, trockengeföhnt, und schon standen wir an der Ausfahrt und warteten auf grünes Licht. Ich startete den Motor und fuhr schließlich um eine eigene Erfahrung reicher aus der Waschstraße, hin zum nächsten Powersauger! Damit saugte ich all das lästige Laub, das sich auf meiner Fußmatte befand, in den Orkus. 😉 Allerdings erst, nachdem ich wieder sehen konnte, denn Monty blendete mich! Und wie er duftete! Fast hatte ich den Eindruck, er sei selber ganz erleichtert und stolz. 😉 Aber man kann es auch übertreiben.

Danach machten Stephanie und ich einen Gewaltmarsch durch den Stadtwald und den Park, fuhren noch in ein Gartencenter – meine Palme harrt noch immer der Umtopfung, und da musste spezielle Palmenerde her -, dann zu einem Discounter, in dem sich gerade meine halbe Nachbarschaft aufzuhalten schien. Herr H. rief: „Hallo, Frau B. – da treffe ich unsere hübscheste Nachbarin tatsächlich mal beim Einkaufen!“ Und er kniff mir ein Auge zu. Ich zwinkerte zurück und bedankte mich für das Kompliment – das fand ich mal richtig nett. 🙂 Und sogar Herr E. winkte mir zu – er ist sonst immer ein wenig verhuscht. Wahrscheinlich strahlte ich große Zuversicht aus – endlich alles rundumerneuert. 😉

Ein rundum erfolgreicher Tag, wenn mir auch jetzt die Füße wehtun vom Gewaltmarsch. Dass Stephanie auch immer so übertreiben muss … 😉

Das, was ich heute zu Hause schaffen wollte, habe ich nicht geschafft, sehe aber wieder wie ein Mensch aus, und Monty ist sauber und duftet. Wenn das nix ist! 😉

Wehe, es regnet morgen … 😉

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