It’s time to say good-bye …

Tiefschürfende Worte, die ich heute dachte.

Länger hatte ich nun schon darüber gebrütet, wann es soweit sein solle – immer war zuviel zu tun, und man kann doch nicht einfach alles liegenlassen …

Aber heute erkannte ich: Die Zeit ist reif. Und so sagte ich zu meinem Scheitel, den ich im Spiegel betrachtete: „It’s time to say good-bye!“ Der Scheitel nickte. Er sah es ein. Eine kleine Frist hat er noch – bis Freitag. Da habe ich glücklichen Umständen zufolge einen Tag frei, und so werde ich morgens zum Friseur gehen, auf dass die Friseurin dieses lahme Aschblond, in dem sich der herausgewachsene Scheitel präsentiert, verschwinden lasse. Und Schneiden ist auch mal wieder angesagt.

Merkwürdig: Früher waren meine Haare von einem viel helleren Blond, zwischendurch ein paar rötlich schimmernde Haare, dazwischen besonders hellblonde Strähnen – und das ganz von Natur! Und ich war stets unzufrieden! 😉 Heute renne ich zum Friseur, um meine damalige Naturhaarfarbe mittels zweifarbiger Strähnchen künstlich herstellen zu lassen.

Dabei hatte ich früher sehr viel darangesetzt, meine Haare in gewissen Abständen in einer ganz anderen Farbe erstrahlen zu lassen.

Es begann harmlos mit einer Tönung in Haselnussbraun. Die Farbe sah toll aus – auf der Packung. Ich ließ sie lange einwirken, dann spülte ich sie aus und wusch die Haare mit Shampoo. Ich richtete mich wirklich haargenau (!) nach der Bedienungsanleitung, und als ich mich mit deutlich dunkleren, nassen Haaren im Spiegel betrachtete, dachte ich noch: „Nun ja, ein paar Abweichungen mag es immer geben.“ Der Schlag traf mich erst, als ich die Haare trockengefönt hatte: Sie waren keineswegs haselnussbrünett, sondern – rot!

Nix gegen rote Haare – damit habe ich auch experimentiert -, aber ich hatte brünette gewollt! Was war das denn für ein Beschiss? 😉 In meiner Verzweiflung steckte ich den Kopf gleich wieder ins Waschbecken und wusch die Haare noch einmal. Und dann noch einmal. Ein Wunder, dass sie mir unter der rücksichtslosen Behandlung nicht gleich ausfielen …

Etwa zwei Wochen lief ich so herum, dann beließ ich es lieber erst einmal wieder bei meiner Naturfarbe. Meine Familie, alle mit dunkleren Haaren als ich gesegnet, hatte mich ohnehin für verrückt erklärt – „so eine schöne Naturfarbe, und du magst sie nicht!“

Aber irgendwann stach mich erneut der Hafer. Noch immer wollte ich brünett sein, und da brachte meine Schwester Stephanie mich auf eine Idee: „Bei ‚Spinnrad‘ gibt es Haartönungen und -färbungen auf natürlicher Basis. Komm, wir fahren mal hin!“ Und wir fuhren hin, ich kaufte begeistert eine Packung nussbraune Haarfarbe, hergestellt aus gemahlenen Walnussschalen.

Sofort schritt ich zur Tat, machte meine Haare nass, nachdem ich den Inhalt der Packung mit Wasser angerührt hatte, den ich dann sehr großzügig auf den Haaren verteilte. Es gelte, etwas längere Einwirkzeiten einzuhalten, da es sich um ein reines Naturprodukt handle, stand hilfreich auf der Verpackung, und so saß ich geschlagene eineinhalb Stunden mit dem Nussschalenbrei auf meinem Haupt herum. Opfer müssen gebracht werden. 😉

Dann endlich konnte ich das Ganze ausspülen … Und ich blickte in den Spiegel, voll froher Erwartung, endlich brünett zu sein. Was ich sah, war ernüchternd: Eineinhalb Stunden Lebenszeit mit einer blöden Pampe auf dem Kopf verbracht, um danach genauso blond zu sein wie zuvor. Was für ein Mist! Brünett war mir nicht beschieden.

Dann wollte ich es mit dem anderen Naturprodukt und einer anderen Farbe versuchen. Wenn Brünett nicht ging, ging doch sicher … Rot. Und schon riss ich die Packung mit dem Henna auf, schüttete es in die Schüssel und rührte auch dieses Naturprodukt an, das ich großzügig, aber gleichmäßig in meinem Haar verteilte. Einwirken … Stephanie kam hinzu und meinte: „Ich würde das Henna nicht so lange einwirken lassen – das ist recht intensiv.“

Zum Glück hörte ich auf sie. Wer weiß, was sonst passiert wäre … Andererseits: Schlimmer hätte es eigentlich gar nicht kommen können, denn … meine Haare waren derart rot, dass ich fast im Dunkeln leuchtete. Wie der Schein eines Feuers. 😉

Henna und Rot war auch keine gute Wahl, zumal dies zur Folge hatte, dass mein Vater mich nur noch Füchschen nannte …

Lange Zeit lief ich dann wieder in Blond herum, bis mich – da wohnte ich schon in Ratingen – erneut der Wahn anfiel, dunklere Haare haben zu müssen. Und erneut war es eine synthetische Tönung für zu Hause. Die Farbe: Aubergine. Eignete sich angeblich auch für blonde Haare.

Tat es auch. Die erste dunklere Farbe, die mich zwar völlig anders aussehen ließ, aber mir tatsächlich stand! Sogar meine Augenfarbe wirkte ganz anders – viel geheimnisvoller und viel intensiver. (Klar, es war ein gewisser, kühler Rotanteil enthalten.) Diese Farbe behielt ich dann auch eineinhalb Jahre bei. Bis ich sie nicht mehr sehen konnte …

Immerhin musste ich erst Umwege nehmen, um meine Naturfarbe schätzen zu lernen. Das Gemeine ist: Inzwischen muss ich die chemische Keule bemühen, um meine Naturhaarfarbe wiederherzustellen …

Das Leben ist ungerecht. 😉

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