Merry Christmas! Weihnachtsfeiern im Dienst …

Nachdem ich seit gestern von mir behaupten kann, quasi aus Ruinen auferstanden zu sein, fuhr ich heute fieberfrei, aber noch immer ein bisschen schlapp zur Arbeit. Ich fuhr daher auch etwas weniger dynamisch als sonst, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Ein bisschen blöd fühlte ich mich, weil ich just heute – am Tage der Weihnachtsfeier für die gesamte Belegschaft – zurückkam.  Irgendwie sieht so etwas immer ein bisschen komisch aus, finde ich zumindest, denn am Tage der Gesamtbelegschafts-Weihnachtsfeier wird nicht übermäßig viel gearbeitet. Da bin ich ein bisschen eigen. Hängt aber mit einer gewissen Lebenserfahrung zusammen, ebenso der Kenntnis einiger Personalmitarbeiter im Allgemeinen. (Bei uns arbeiten nur nette.) 😉

Betriebsfeiern sind ja ohnehin ein Kapitel für sich. 😉 Manchmal entstehen daraus merkwürdige Dinge.  Speziell dann, wenn etwas zu viel Alkohol im Spiel war. Manchmal gibt es ein böses Erwachen. Gut, das ist mir zumindest auf Betriebsfeiern noch nie passiert, aber es soll Leute geben, die dann in der Folgezeit gesenkten Hauptes durch den Betrieb gingen, mit einem bestimmten Kollegen oder einer bestimmten Kollegin lieber nicht mehr kommunizierten oder ihn oder sie betont fröhlich begrüßten, wenn auch nur von Weitem. 😉 Man musste ja irgendwie die Form und das Gesicht wahren, zumal es schon ganz merkwürdige „Kombinationen“ gab. 😉 Aber – wie gesagt – von Betriebsfeiern kenne ich so etwas von mir nicht. Nicht von diesen. 😉

In unserem Betrieb besteht zumindest auf der Weihnachtsfeier dieses Risiko nur bedingt, denn wenn ich mich auch immer freue, manche Kollegen, die in einer anderen Abteilung arbeiten, mal wiederzusehen, so muss ich doch leider sagen: Unsere Belegschafts-Weihnachtsfeier Ende November ist immer ziemlich dröge.

Man steht herum, isst einen Keks und wartet auf die Gulaschsuppe oder was sonst so angeboten wird. Kaum angeliefert, stürzen sich die meisten darauf bzw. stellen sich – so wie in der Kantine – in eine Schlange und schieben und drängeln, bis sie an der Reihe sind. Liebe Leute, möchte man manchmal rufen, es ist eine Gulaschsuppe, und es sind große Mengen davon da!

Oft geht dann auch schon das Genörgel los … Die Nörgler bemängeln die Suppe, die sie zu Hause weit besser zubereitet hätten, das Fleisch sei von minderer Qualität, und die Brötchen erst! Nein, also so etwas! (Ich arbeite im öffentlichen Dienst …)

Über die vielen verschiedenen Kuchen, die bereitstehen, spricht man höchstens hinter vorgehaltener Hand, denn die werden von Mitarbeitern – meist Mitarbeiterinnen – selber gebacken und gespendet. Da ich Backen hasse, wird es niemals einen von mir gebackenen Kuchen auf dieser wundersamen Weihnachtsfeier geben. Ich berichtete ja schon von meinen letzten Muffins, die ein Ex-Kollege als Türstopper bezeichnete. Ich war zerknirscht, aber übelgenommen habe ich es ihm nicht, denn a) waren es „Türstopper“, b) mochte ich den Kollegen. Hätte das jemand anderes gesagt, je nach Beliebtheitsgrad, wäre ich sicherlich weniger gnädig gewesen. 😉 Es gibt einige Menschen, die bei einer solchen Äußerung sicherlich bis zum Jüngsten Gericht bei mir verschissen hätten … 😉

Und dann steht man da in der Cafeteria, in der ein Klangteppich wie einem Bienenstock entsprungen herrscht, und das in einem immensen Geräuschpegel. Allüberall stehen Menschen mit Tassen, in denen entweder Kaffee, Kinderpunsch oder echter Glühwein ist. Oder mit Biergläsern. Manche trinken auch Wasser oder Cola.

Janine und ich waren mit dem Auto da, und mir fiel auch erst, als ich den kleinen Monty auf dem Mitarbeiterparkplatz großzügig geparkt hatte, wieder ein, dass ja heute die wundervolle Weihnachtsfeier sei. Die übersteht man kaum ohne wenigstens einen Glühwein …

Janine nölte auch herum: „Mist – ich bin mit dem Auto da! Hatte ich glatt vergessen! Aber einen kleinen Glühwein können wir ja wohl trinken.“

Doch wehe, wenn sie losgelassen … Wir tranken nicht nur einen Glühwein. Ich trank zwei. Zwar waren die Tassen recht klein, aber nach dem zweiten, nach dem ich aufhören wollte, kam Kollege Oliver, riss mir meine Tasse, besser, das Tässchen, aus der Hand und rannte zum Auffüllen. Nun gut, es war ja noch früh am Tage. Janine bekam da bereits den vierten, aber ihre Tassen waren auch nicht ganz voll gewesen … Es war aber in dieser Gruppe auch wirklich recht nett, auch wenn die Weihnachtsfeier ansonsten eher … dröge war. Nach dem dritten Tässchen fühlte ich mich wie auf Wolken, was albern ist, da ich ansonsten durchaus mehr vertrage. Allerdings bin ich, wenn ich Alkohol trinke, Biertrinkerin. Das ist wenigstens solide. 😉 Dieses süße Gebräu wirkte grauenhaft, und so sagte ich zu Olli: „Olli, sei ein Schatz, und hole mir bitte ein Wasser.“ Was? „Sei ein Schatz“? So etwas sage ich sonst nie! Ich bin doch keine Tussi! 😉 Schon gar nicht schicke ich gern Mitmenschen herum! Wo hatten die den Glühwein her? Diese drei lächerlich kleinen Tassen davon schienen merkwürdige Eigenschaften in mir zutage zu bringen! Olli, der selber überirdisch grinste, legte den Arm um mich und meinte: „Lass uns lieber singen!“ Und – ich sage es ungern – dann standen wir da Arm in Arm und sangen: „Und dann erschuf der liebe Gott die Mädchen aus dem Kohlenpott“ … Ging es schlimmer? Ja. Denn als wir gerade voller Inbrunst erneut den Refrain sangen, kam mein Chef herein. 😉 Und der ist nicht aus dem Pott und versteht auch die Art der Menschen hier nicht so …

Janine rief aus vollem Herzen ziemlich enthemmt: „Ach, du Scheiße, Ali! Da ist dein Chef!“ Ja. Das hatte ich auch schon gesehen … Olli lachte, lief auf meinen Chef zu und meinte: „Wollen Sie mitsingen?“ Mein Chef wollte nicht, lachte aber auch, wenn auch etwas gezwungen. Super! Wahrscheinlich dachte er: „Aha. Da ist Frau B. den ersten Tag nach Krankschreibung wieder da und verwandelt sich binnen kurzem zum Ballermannwesen, singt hier mit diesem langhaarigen Bombenleger fragwürdige Lieder.“ Das zumindest traute ich ihm zu. Und so holte ich mir gleich zwei Flaschen Wasser. 😉 Schade, es war gerade recht lustig gewesen. Manchmal stören Chefs wirklich! 😉

Janine meinte dann: „Da kommt auch noch mein Chef. Ich glaube, wir gehen besser, bevor noch etwas Furchtbares passiert.“ – „Wieso? Was ist?“ – „Mir ist sooo schlecht! Was für ein Höllenglühwein ist das?“ – „Ich habe keine Ahnung, aber in der Tat wäre es vielleicht besser, wenn wir einfach gingen.“

Und wir schlingerten – zumindest fühlten wir uns so – in unser Büro. Janine jammerte, ihr sei so schlecht, und ich kochte einen schwarzen Tee. Und wir haben dann sehr, sehr viel Wasser und Kaffee getrunken, in den vielen Stunden, die wir da am Arbeitsplatz verharrten, bis wir dann nach Hause fuhren. Uns beiden ging es nicht so gut, denn heute hatte es neben der obligatorischen Gulaschsuppe auch noch Grünkohl gegeben. Und der verträgt sich mit Glühwein gar nicht gut, wie ich feststellte, als ich zwischendurch zur Toilette eilte, deren Außentür normalerweise nie schließt, während meiner Erkrankung aber wohl repariert worden war. Ich brach mir fast die Finger, als ich sie mit Schwung aufschubsen wollte … 😉

Zur Strafe stand ich auch noch im Stau, denn heute spielt Schalke zu Hause. Janine stand sicher auch im Stau – sie war kurz nach mir gefahren.

Morgen frage ich erst einmal die Organisatoren, aus welcher Quelle dieser Glühwein kam. Denn ein Gebräu, das solch grauenvolle Wirkung trotz recht geringer Menge erzielt, dass ich mit einem Kollegen lauthals: „Und dann erschuf der liebe Gott die Mädchen aus dem Kohlenpott“ singe, ein Lied, das ich unter normalen Bedingungen niemals singen würde, kann nicht von dieser Welt sein … 😉

Euch einen schönen Abend! 🙂