Wenn man um Viertel nach sieben morgens schon mit der Polizei telefonieren muss …

Dann kann der Tag nicht wirklich gut werden.

Heute früh erwachte ich mit verstopfter Nase und fiesen Gliederschmerzen. Es hatte sich leise angekündigt. Aber wegen solcher Petitessen bleibt man der Arbeit nicht fern. Nun wirklich nicht.

Mein Seminar in der Uni fiel heute sowieso aus, und so musste ich wenigstens nicht mit den Bazillenschleudern Straßenbahn, Bus und S-Bahn fahren. 😉 Sondern mit Monty, der vor dem Haus stand.

Als ich einen ersten Blick nach draußen warf, traf mich fast der Schlag: Alles glitzerte, und Montys Scheiben sahen aus wie Milchglas. Nun ja, es hatte gefroren letzte Nacht. Da würde ich mich etwas sputen müssen, denn es sah nicht gerade einfach aus, den kleinen, gefrosteten Wagen zumindest im Scheibenbereich fahrbereit zu machen, und ich dankte meiner Voraussicht, zumindest einen Scheibenenteiser gekauft zu haben. Ebenso einen wunderschönen Eiskratzer in Schwarz, mit zwei Minions drauf. Uni gab es die leider nicht …

Ich stürzte ins Bad, duschte, wusch meine Haare, machte mich fertig. Zwischendurch habe ich sogar noch mein Mittagessen zubereitet, das auf dem Herd munter vor sich hin brodelte.

Bei einem neuerlichen Blick aus dem Fenster – ich hoffte, die Temperaturen mögen ruckartig gestiegen sein (nein, nicht wirklich …) – sah ich einen Nachbarn, der mit laufendem Motor verzweifelt versuchte, sein Auto zu enteisen. Einige Leute waren auf der Straße unterwegs. Unter anderem auch eine Dame mit langen, schwarzen, gelockten Haaren in einer weißen Winterjacke, eine Kippe in der linken, ihr Smartphone in der rechten Hand, Ear-ins in beiden Ohren. Sie ging von Auto zu Auto, und bei manchen, speziell denen, die neuer waren, blieb sie stehen und hackte irgendetwas in ihr Handy.

Sie blieb ruckartig auch bei meinem kleinen Monty stehen, zu dem sie wohl besonders viel zu tippen hatte. Jedenfalls sah sie ihn sich ganz genau an, ging vor, zurück, wieder vor, tippte mit der Fußspitze gegen seine neuen Winterreifen, und dabei tippte sie eifrig und gekonnt etwas in ihr Smartphone. Ich ging ans Fenster, riss es auf und rief: „He! Was machen Sie da?“ Sie blickte erschrocken hoch und gab umgehend Fersengeld.

Ich muss gestehen, ich war anfangs etwas verunsichert. Vielleicht irrte ich mich ja, und sie war einer jener Menschen, die ohne ihr Smartphone kaum existieren können. Ihre Vor- und Rückwärtsbewegungen irritierten mich, aber richtig fuchtig wurde ich, als sie gegen die Reifen trat. Wohl, um zu testen, wie diese beschaffen seien. Und da wurde ich richtig sauer! In der mehr oder minder näheren Umgebung sind schon einige Autos geknackt und gestohlen worden – ich riss das Fenster auf. Und die Dame ging sehr zügig weg, als ich sehr laut und zornig fragte, was sie da mache.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, deren Hobby es ist, bei der Polizei anzurufen. Ganz und gar nicht. Ich rang kurz mit mir, rief dann aber an. Um mir anzuhören, ich hätte einen Fehler gemacht. War mir auch klar, wie ich auch gleich sagte: „Ja, ich weiß, ich ärgere mich auch. Ich hätte mich nicht bemerkbar machen dürfen, sondern hätte gleich Sie anrufen müssen. Weiß ich auch, und es ärgert mich auch, dass ich es nicht so gemacht habe.“ Ich muss sehr zerknirscht geklungen haben, denn der diensthabende Beamte meinte gleich: „Nein, Frau B. – das ist ja nur zu verständlich. Niemand bleibt in so einer Situation ruhig. Vermutlich haben Sie in Ihrer Siedlung jetzt auch erst einmal Ruhe, weil die Frau bemerkt hat, dass sie beobachtet wurde. Aber wenn Sie so etwas noch einmal sehen, …“ – „… rufe ich umgehend die Polizei.“ – „Rufen Sie gleich die 110 an.“ – „Ja, okay, mache ich.“

Dann musste ich trotz Scheibenenteiser noch ein wenig kratzen, fuhr dann aber schwungvoll los und kam gleichzeitig mit Kollegin Saskia an, die ich sehr mag. Wir parkten nebeneinander und beanspruchten drei Parkboxen, wie es auf dem Mitarbeiterplatz so üblich ist, weil die Parkboxen so eng sind. 😉

Der Arbeitstag war gruselig langweilig, aber ich recherchierte eifrig, ob es in meinem Stadtteil in meiner Nähe eine freie Garage oder einen freien Stellplatz gebe. Ich mag nach heute mein Auto nur noch ungern an der Straße parken …

Mein Hausverwalter versprach, mir weiterzuhelfen. Wollen wir das Beste hoffen, denn ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn ich morgens auf die Straße komme, und da, wo ich mein Auto geparkt hatte, klafft eine mehr oder minder große Lücke … 😉 Ich glaube, ich würde ziemlich sauer werden.

Das hätte ich vor einem Jahr auch nicht gedacht. Vielleicht hätte ich keine Auffrisch-Fahrstunden nehmen sollen. Eigentum verpflichtet nicht nur. Bisweilen belastet es sogar. 😉

Euch einen schönen Abend! 🙂