„Ich mache nur mal eben …“

Das ist ein Satzanfang, den man oft hört und auch selber äußert. „Ich wasche mal eben die Wäsche“, „Ich fahre mal eben zum Einkaufsmarkt“, „Ich backe nur mal eben schnell ein paar Muffins“ und so fort. (Als ich das letzte Mal Muffins gebacken habe, die mir immer gut gelangen, sind sie missraten, und man bezeichnete sie als „Türstopper“ … 😉 Ich nahm es in dem Falle aber gar nicht übel – außerdem fand ich sie selber völlig missraten. 😉 ) Und dann flutet die Waschmaschine den Keller, der Wagen springt nicht an, oder es fährt einem irgendjemand hinein oder umgekehrt, und beim Backen fackelt unter Umständen die Wohnung ab …

Manche dieser Sätze enden im erfolgreichen Erreichen des angekündigten Ziels, andere ziemlich blöd, andere sogar tragisch, aber mit den tragischen will ich mich jetzt nicht befassen – das könnt ihr euch selber ausmalen.

Nach einem echt miesen Samstag und einem halb verschlafenen Sonntag – ich hatte nachts kaum ein Auge zugetan, weil mein im Sterben liegender Zahn mich nicht zur Ruhe kommen ließ – nahm ich heute ein heißes Bad, was ich sehr gerne tue und weswegen eine Wohnung ohne Badewanne für mich auch eher ein Kompromiss wäre. Die Zahnschmerzen waren immer noch da, aber etwas abgeschwächt, und so dachte ich: „Ab in die Wanne – wenigstens etwas Angenehmes muss sein!“ Genauer: Ich dachte: „Ich nehme mal eben ein Bad.“ Nun, das Bad an sich war auch sehr angenehm, aber als ich aus meiner Eckbadewanne stieg, knickte ich mit dem Fuß um und konnte mich gerade noch abfangen – sonst wäre ich noch richtig mit Schmackes hingeknallt, und da mein Bad relativ eng ist, hätte ich mir möglicherweise noch den Schädel eingeschlagen. So leidet aber nur mein Knöchel, den ich gerade sachgerecht kühle …

Es ist der rechte Knöchel, der ohnehin schon eine leichte „faiblesse“ mit sich bringt, seit ich vor Jahren in Aachen von einem sturztrunkenen Autofahrer mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit totgefahren worden wäre, hätte mein Begleiter mich nicht aufs Heftigste aus der „Schusslinie“ geschubst und wäre er nicht auf die Motorhaube des heranrasenden Wagens gesprungen, weil er nicht mehr rechtzeitig flüchten konnte, so dass ich die Straße mehr oder weniger unkontrolliert entlangschoss und dann auf dieselbe stürzte, wobei ich mir den Knöchel unschön verdrehte. Mitten vor der damaligen Hauptpost. Eine denkwürdige Geschichte, und seitdem ist mein rechter Knöchel ohnehin etwas schwächer als der linke. Und nun zu meinen Zahnschmerzen auch noch ein schmerzender, leicht geschwollener Knöchel. Wunderbar … Und meine Zahnschmerzen verblassen zwar nicht zur Gänze dahinter, erscheinen aber schon gar nicht mehr so schlimm … 😉 Funktioniert offenbar wie bei einem „Gegenfeuer“. Oder so ähnlich. 😉

Nach meinem Bad schleppte ich mich mitsamt der Sechzig-Grad-Wäsche in den Keller, ungeachtet meines Knöchels. Irgendetwas von dem, das ich mir vorgenommen hatte, musste ich doch noch machen, und eigentlich hatte ich gestern zwei Ladungen Wäsche waschen wollen. Im Keller traf ich Frau Wolski, die mir gleich fröhlich zurief: „Ach, Frau B.! Haben Sie auch noch was zu tun! Ich wasche auch gerade.“ Ich hörte es, laut brummte die Wolski’sche Waschmaschine aus dem Waschkeller, die neben meiner Maschine steht. Frau Wolski lachte und meinte: „Endlich wieder richtig waschen! Wir waren ja im Urlaub, fünf Tage, und letzte Woche sind wir wiedergekommen. Aber wir haben uns dann ganz kurzfristig dazu entschieden, noch ein paar Tage dranzuhängen, weil ich ohnehin noch eine Woche Urlaub hatte, und sind in ein Landhotel gefahren. Und da habe ich zwei Tage vorher zu meinem Mann gesagt: ‚Herbert, ich wasche nur eben mal die Wäsche!‘ Und dann das!“ – „Was ist passiert?“ – „Ach, Frau B. – die Maschine hatte einen Motorschaden. Fing erst ganz normal zu waschen an und brach dann zusammen. Und ich stand da mit dem ganzen nassen, halbgewaschenen Scheiß, und wir wollten doch relativ zügig wieder los. Da sagt man so leichthin: ‚Ich wasche nur eben mal …‘ – und dann das! Man verlässt sich wohl zu oft auf Dinge, die vielleicht gar nicht so selbstverständlich sind, wie man denkt.“

Da ist was dran. Und ich sah meine Uralt-Waschmaschine an, die nun neben einer ganz neuen Maschine steht, und sagte in Gedanken zu ihr: „Sei so gut, und lass mich bitte noch nicht im Stich!“ Sie hatte ja auch schon ziemlich geschwächelt, hat aber die Kurve wieder gekriegt. Im Moment könnte ich mir auch keine neue leisten. Angesichts ihres Alters und ihrer altersbedingten Zipperlein komme ich allerdings schon gar nicht mehr auf die Idee, zu sagen: „Ich wasche dann mal eben …“ Vielmehr denke ich bei jedem Waschgang: „Möge alles gutgehen!“ 😉

Immerhin führte das Ganze zu einer sehr netten Unterhaltung mit Frau Wolski. Und meine Maschine hat brav gewaschen. Als wir beide unsere Wäsche aufhängten, meinte ich: „So, ich gehe jetzt noch eben Zigaretten holen und wünsche Ihnen einen schönen Abend.“ Frau Wolski lachte und meinte: „Wünsche ich Ihnen auch – und kommen Sie gut zurück!“ – „Äh, wieso?“ – „Nun ja, angelehnt an das Thema von vorhin: dass man manche Dinge zu selbstverständlich nimmt. Sie sagen, Sie würden ‚noch mal eben Zigaretten holen‘ gehen, so wie ich neulich sagte, ich würde dann ‚mal eben noch waschen‘.“ Ich staunte. Noch nie war mir Frau Wolski derart philosophisch begegnet. Und so kniff ich ihr ein Auge zu und meinte: „Ich mache mich dann mal auf den Weg, um Zigaretten zu holen und hoffe, ich komme gut wieder zurück.“ Sie lachte, ich lachte auch.

Ich gebe zu, manchmal macht mir so etwas ein bisschen Angst, solche unbedachten Sprüche, und dann wird man vielleicht vom Blitz erschlagen, von einem Auto überfahren oder sonstwas. Diese leichthin dahergesagten Äußerungen haben dann so etwas Endgültiges. Und etwas sehr Tragisches. Ich habe selber schon mehrfach erlebt, wie tragisch so etwas sein kann.

Andererseits wäre es noch viel tragischer, würde man sich dauernd über solche Dinge Gedanken machen, und so lasse ich es jetzt auch bleiben. Es überkommt mich sogar ein wenig Amüsement, wenn ich daran denke, wie ich am Freitag im Büro noch gemeint hatte: „Mein Zahnarzt hat mir eine Erinnerung geschickt, dass der nächste Vorsorgetermin anstehe. Ist zwar im Grunde derzeit nicht nötig, aber ich mache mal eben einen Termin!“ Das war am Freitag. Und wir sehen ja, worin es mündete … 😉

Macht euch nicht zu viele Gedanken, das ist Mist. Aber es ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass nichts wirklich selbstverständlich ist. 🙂

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