Manchmal glaube ich, ich sei in einem Irrenhaus …

Das sage ich öfter, wenn ich bei der Arbeit bin. Ich denke, das werden auch viele andere Arbeitnehmer sagen, und ich bin gewiss nicht die Einzige. 😉 Aber um die Arbeit soll es hier mal nicht gehen. Arbeit habe ich von montags bis freitags genug um die Ohren. 😉

Es ist nur so, dass ich mich kaum noch traue, in die Zeitung zu gucken oder den Fernseher einzuschalten. Allenthalben scheint der Irrsinn zu grassieren – zumindest kommt es mir so vor. Oder bilde ich mir das nur ein? Manche Menschen proklamieren ja, es sei alles nur Einbildung, aber mein Gefühl trügt mich nur selten …

Vorhin musste ich noch einmal in den Supermarkt – ich hatte gestern vergessen, Kaffee zu kaufen, und das geht gar nicht! Auch, wenn ich am Wochenende öfter Tee trinke. Manchmal überfällt mich dann doch der Wunsch nach einer Tasse Kaffee – und dann ist keiner da! Nicht auszudenken.

Es war bereits dunkel, als ich das Haus verließ. Ich bin normalerweise kein ängstlicher Mensch, nicht in dieser Hinsicht. Aber heute fühlte ich mich ein wenig anders, denn in den letzten Tagen wurde in der Zeitung mit den drei Buchstaben wiederholt von „Grusel-Clowns“ berichtet – offenbar derzeit unter Zeitgenossen, die nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, der letzte Schrei -, die harm- und arglose Passanten quasi zu Tode erschrecken. Mehrere Attacken speziell hier in meiner Stadt, wobei bei einem Angriff zwei dieser Geistesgrößen sogar ihr Opfer mit einem Messer verletzten. Nicht nur hier in meiner Stadt, sondern hier in meinem Stadtteil, nur wenige Straßen von meiner Wohnung entfernt. Und es gibt ja immer wieder Zeitgenossen, die das alles so toll finden, dass sie es gleich nachmachen müssen. Ich sagte ja: nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

Und so ging ich vorhin durch die trotz Beleuchtung recht finstere Straße, in der ich lebe, meine geringe Körpergröße dadurch aufwertend, dass ich die Schultern zurückdrückte und sehr aufrecht ging, um größer zu wirken. Gut, das wirkt bei mir nicht so, denn auch voll aufgerichtet bin ich einfach nur … ziemlich klein. 😉 Aber wehe dem Grusel-Clown, der mich erschrecken würde! Falls denn einer käme, versteht sich. Ich halte das Risiko allerdings für gar nicht so gering, denn das Thema ist derzeit total en vogue, und jeden Tag steht leider nicht nur ein Dummer auf … Und manchmal habe ich den Eindruck, speziell hier in dieser Stadt gebe es einen Überhang davon. Aber das bilde ich mir sicherlich nur ein. 😉

Mir kam aber zum Glück nur ein Pulk prolliger Jugendlicher entgegen, die unflätige Dinge riefen, aber nicht mich, sondern einen anderen Jugendlichen meinten, der vor mir herging. Es ist so schön hier – speziell abends. Richtig kuschelig. 😉

Kein Grusel-Clown, auch auf dem Rückweg begegneten mir nur andere Gruselgestalten. 😉 Aber das ist ja hier annähernd normal.

Bei Lektüre der Zeitung kann einem wirklich manchmal angst und bange werden. Die vergangene Woche war da besonders speziell. Ein Mann in Moers von der Polizei erschossen. Die Meldung erschreckte mich ein wenig, dann aber dachte ich: „Naja, das ist ein Einzelfall und kommt nicht täglich vor.“

Als ich am nächsten Tag in die Zeitung blickte, stand dort: „Polizei erschießt Mann in Hagen nach Macheten-Angriff“. Ah, ja. Das zum Thema Einzelfall. Gut, dachte ich mir, Hagen ist ja ständig irgendwie in dieser Zeitung vertreten. Sei es durch blindwütig-blöde Raser, die bei illegalen Rennen Menschen zu Tode fahren, sei es durch andere kriminelle Machenschaften. Schade um Hagen. Da wollte ich auch nicht tot überm Zaun hängen, zumal das Risiko, dort tatsächlich irgendwann tot überm Zaun zu hängen, höher scheint als in manch anderer Stadt. Aber das ist sicherlich auch Einbildung. Wahrscheinlich haben die Schreiberlinge von der Zeitung einfach etwas gegen Hagen … 😉

Ich fragte mich allerdings, warum man in letzter Zeit öfter von Angriffen mit Macheten liest. Habe ich irgendetwas verpasst? Ist es derzeit in, eine Machete zu besitzen, und habe ich diesen Trend wieder einmal verpennt? Sollte ich mir vielleicht auch eine Machete bestellen, oder ist der Trend schon wieder auf dem absteigenden Ast? Fragen über Fragen, und ich bin offenbar mal wieder hoffnungslos altmodisch …

Ganz großartig unter dem Artikel über den in Notwehr getöteten Machetenmann in Hagen einmal mehr die Kommentare der Allesbesserwisser: Ja, hätte man den Typen, der auch auf die Polizisten mit der Machete zurannte und sie bedrohte, denn nicht ins Bein schießen und kampfuntauglich machen können? „Fragen!“ („Fragen!“ ist ein Zitat einer grünen Politikerin, die allen Ernstes dergestalt twitterte, als kürzlich im beschaulichen Franken ein Gewalttäter mit einer Axt in einem Zug gleich vier Leute fast massakrierte, später noch eine arglose Frau, die nur mit ihrem Hund spazierengehen wollte. Sie wollte genau wissen, ob man den jungen Mann nicht durch einen Schuss ins Bein kampfunfähig hätte machen können …) „Fragen!“ scheint bei einigen Menschen echt total gut angekommen zu sein, und so las ich dieses „klassische“ Zitat auch gleich mehrfach bei denen, die das Hätte-man-den-denn-nicht-ins-Bein-schießen-können-Mantra treudoof wiederholten, die Ausbildung der Polizei, die für uns alle den Kopp hinhalten muss, in Frage stellten, selber aber wohl noch nie eine Waffe in der Hand gehalten haben und hübsch vom rosa Sofa aus Urteile fällen. Solche Leute liebe ich ganz besonders. Ich habe vor vielen Jahren mal mit lediglich einer Luftpistole auf unbewegte und unbelebte Ziele geschossen und war froh, dass ich tatsächlich mehrfach traf. Aber wohl mit mehr Glück als Können und mit entsprechender Konzentration und viel Zeit. Zeit, die die Polizistin, die den Gewalttäter mit der Machete in Notwehr erschoss, gewiss nicht hatte, zumal ihr Ziel unberechenbar war und auf sie zurannte. Und dann kommen da die, die sicherlich auch die besten Fußballspieler sind und bei Bundesliga- und anderen Spielen mit Chips und Bier auf der Couch sitzen und: „Lauf, du faule Sau!“ gen Fernseher brüllen, um dann festzustellen, sie selber würden das viiiel besser hinbekommen.

Und dann noch diese Meldungen über Wahnsinnige, die Deutschland für eine GmbH halten, das Grundgesetz nicht anerkennen und von denen neulich einer einen jungen Polizisten erschossen hat. Mir tat das in der Seele weh – ein noch junger Mann von einem Irren getötet! Und erschreckender Weise scheint es davon nicht wenige zu geben. Einer bezeichnet sich gar als „König von Deutschland“ – da wird einem echt angst und bange. Das ist schlimmer, als „König von Mallorca“ zu sein, was schon peinlich genug ist – das ist richtig schlimm.

Ist es da ein Wunder, dass ich den Eindruck habe, in einem Irrenhaus zu leben? Oder bilde ich mir das nur ein? War das schon immer so, und habe ich es einfach nicht bemerkt?

Fragen!

😉

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