Si tacuisses …

Ich stehe ja unglaublich auf schlaue Redensarten und Sprichwörter – vor allem lateinische. Ich berichtete bereits. Speziell dann stehe ich darauf, wenn sie einem als mahnender Sinnspruch mit auf den Weg gegeben werden, wenn man unbeabsichtigt Mist gemacht hat. Heute allerdings schoss mir selber ein solches Sprichwort durch den Kopf, und das gleich morgens um halb acht: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Das klingt komisch und ist Latein. Auf Deutsch heißt es: „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ Will heißen: Dann hätte man dich weiterhin für einen solchen, ergo klugen, Menschen gehalten.

Es muss weit kommen, wenn ich selber mir solche Sinnsprüche vorbete. 😉

Ganz so schlimm war es eigentlich auch wieder nicht, aber typisch Ali. Ich fuhr heute früh, begeistert, dass ich es endlich mal ein wenig eher geschafft hatte, auf den Mitarbeiterparkplatz, nachdem ich die Schranke erneut beim dritten Versuch dazu gebracht hatte, sich zu öffnen. Fuhr mit noch geöffnetem Seitenfenster die Rampe hoch und bog direkt dahinter links ab, um mir dort, ganz vorn, einen Parkplatz zu suchen. Etwas weiter hinten fuhr mir ein Wagen entgegen. Mit Fernlicht. Sehr angebracht – ich war geblendet. Welcher Idiot fährt in solch einer Situation mit Fernlicht? Und so motzte ich stinksauer, weil ich geblendet war: „Ja! Blende mich doch noch weiter, Arschgeige!“ Leider habe ich, wenn ich motze, eine etwas lautere Stimme. Und erst, als ich links von mir jemanden neben seinem Auto stehen sah, der zusammenzuckte, fiel mir auf, dass ich ja das Fenster noch sperrangelweit offen hatte … Wie peinlich! Den Typen hatte ich doch gar nicht gemeint! Im linken Außenspiegel sah ich, dass er mir irritiert hinterherstarrte, als ich lieber schnell weiterfuhr. Zum Glück niemand, den ich kannte … Aber ich dachte mir: „Typisch! Warum konntest du nicht einfach den Mund halten? Oder zumindest vorher das Fenster schließen!“ Und ich ärgerte mich über mich selber, während ich kleinlaut neben dem kleinen, knallroten VW up! einparkte.

Der Arbeitstag zog sich wie Kaugummi. Meine Kollegin Heide kam immerhin vorbei, und das ist dann meist lustig. Als ich ihr von meiner „Arschgeigen“-Geschichte erzählte, lachte sie sich schlapp und meinte: „Es geht schlimmer, Ali! Weißt du, wie oft ich schon mit offenem Fenster gefahren bin, weil ich vergessen hatte, es wieder zuzumachen?“ – „Was ist daran schlimm?“ – „Nun ja, eigentlich nichts. Es sei denn, man fährt an Leuten vorbei, während man gerade inbrünstig irgendein Lied aus dem Radio mitsingt. Die gucken dann immer, als wäre man geisteskrank. Das passiert mir dauernd.“ O Gott! Das fehlt noch auf meiner Liste. Aber ich bin mir sicher, dass mir das auch in absehbarer Zeit passieren wird. 😉

Für 18 Uhr war ich mit Stephanie verabredet, die gerade bei meinen Eltern zu Besuch ist. Sie wollte mich zum Essen einladen. Ein chinesisches Buffet stand mir bevor. Ich liebe ja chinesisches Essen, und so freute ich mich. Sie hatte mir von dem Lokal erzählt und lachend gesagt: „Ist eher so eine Massenabfertigung, aber nicht schlecht.“ Und sie beschrieb mir, etwas ungenau, wo das Lokal sich befinde. Ich meinte, ich wisse, wo das sei.

Wie gut, dass sie dann noch einmal anrief, um mir den Namen des Lokals mitzuteilen. Denn ansonsten hätte ich im „Shi Mei“ gesessen und irgendwann mit den Fingern auf den Tisch getrommelt und geflucht: „Verdammt, wo bleibt die denn?“ Während sie bei „Xiao“ gesessen und mit den Fingern auf den Tisch getrommelt und geflucht hätte: „Verdammt, wo bleibt die denn?“

Gegen 16:15 Uhr hielt mich nichts mehr an meinem Arbeitsplatz, und ich fuhr los. Ich wollte sowieso noch einkaufen, und in der Nähe des Lokals gibt es „Real“. Dahin fuhr ich. Allzu viel Zeit hatte ich nicht, denn ich war mitten in den Feierabendverkehr geraten. Zum Glück wusste ich aber, was ich wollte, und so schleuderte ich die Dinge schnell in meinen Einkaufswagen und eilte zur Kasse. Genauer: zu der Kasse, an der die kürzeste Schlange stand. Nur wenige Leute, in deren Einkaufswagen sich nur relativ wenige Artikel befanden. Eigentlich hätte das schon ein Grund sein sollen, mich woanders anzustellen – das verheißt nämlich nichts Gutes. Aber ich war mit den Gedanken woanders, und vor mir ging auch alles recht zügig.

Bis ein ziemlich junger Mann, der mit einem ebenfalls ziemlich jungen Mädchen hinter mir stand und nur zwei Artikel hatte, mich ansprach: „Entschuldigen Sie, bitte – wir haben nur die zwei Sachen. Dürften wir vielleicht vor?“ Ich blickte auf die beiden Artikel und grinste: „Nun ja, gut. Es scheint ja zu eilen.“ Und ich ließ die beiden vor, die eine Großpackung „durex“-Kondome und eine Flasche „Waldgeist“ auf das Band legten.

Die Frau vor mir ließ angesichts der beiden Artikel die beiden auch noch vor. Und dann, als sie dran waren, geschah es: Irgendetwas stimmte mit dem Preis des etwas größeren Gebindes nicht. 😉 Der Scanner vermeldete einen höheren Preis, als angenommen. Der junge Mann wurde nervös. „Aber die sollten nur neun Euro soundsoviel kosten – die sind im Angebot!“ Das junge Mädchen stand mit rotem Kopf daneben und tat so, als gehörte es nicht dazu und drehte sich schließlich sogar weg. Die Kassiererin guckte sich suchend nach einer Kollegin um, und ich dachte zunächst, sie würde quer durch den Laden brüllen: „Tiiinaaaa! Wat kosten die Kondome?“ Sie tat es nicht, telefonierte dann nur, um einen Kollegen zu finden, der Kenntnis von dem genauen Preis des nützlichen Latexproduktes hatte. Sie musste mehrere Versuche starten – keiner der Kollegen kannte sich aus, und der, der sich auskannte, war gerade in der Pause … Das junge Mädchen sah inzwischen so aus, als wollte es sich am liebsten in Luft auflösen.

Ich musste ein wenig grinsen. Kondome und „Waldgeist“. Die Version mit Sahne. Ein grüner Likör, den ich einmal probiert habe und mir dann vornahm, das sei gleichzeitig das erste und letzte Mal gewesen. Überhaupt Likör! Mit Wodka. Und hier obendrein mit Sahne! Bah! Aber die Kombination der beiden Artikel wirkte interessant, noch dazu in Verbindung mit der Reaktion des Mädels. Die ältere Frau vor mir drehte sich ebenfalls grinsend um und meinte leise: „Kondome und eine Flasche Alkohol. Ist wohl das erste Mal, und der Alkohol soll enthemmend wirken.“ Ich grinste zurück und meinte: „Oder betäubend. Dann empfähle ich aber eher Whisky.“ – „Sehen Sie sich die Kleene doch mal an – zwei Gläser von dem Likör, und die weiß nix mehr.“ – „Psst. Leise! Nicht, dass sie es hören! Es ist doch irgendwie ganz süß.“ Die Frau nickte und grinste.

Die beiden wurden dann zum Informationsschalter geschickt. Den Likör hatten sie bereits bezahlt. Nun ja – ein offenbar nicht ganz unwichtiger Teil zum Erreichen des Ziels zumindest schon einmal vorhanden. Fehlte nur noch der zweite, wichtigere Teil. 😉

Leider konnte ich aber nicht verfolgen, ob sie diesen dann tatsächlich noch bekommen haben, zumindest zu dem Preis, den sie sich vorgestellt hatten. 😉

Ich weiß nicht, was die beiden noch gemacht haben. Ich habe jedenfalls schön mit meiner Schwester gegessen. 😉

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