„Geiz ist geil“? Nein – niemals!

Wie alle Menschen, habe auch ich diverse Macken. Selbstredend, denn würde ich etwas anderes glauben, hätte ich gleich noch mindestens eine Macke mehr: Mangel an Realitätssinn, Hybris, auch Überheblichkeit genannt, oder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung im schlimmsten Falle. Habe ich aber zum Glück nicht. Denn ich glaube beileibe nicht daran, fehlerlos zu sein, zumal ich mir manchmal sogar Schuhe anziehe, die mir gar nicht passen. Im übertragenen Sinne, natürlich. 😉 Meine bisweilen etwas lautere Art könnte Menschen, die nicht genau hinsehen, vielleicht dazu verleiten, etwas anderes zu denken, aber – mal ehrlich – wenn man genau hinsieht, merkt man schnell, dass ich eigentlich bisweilen sogar eher schüchtern bin. Kommt halt nur nicht so gut an, die Schüchternheit, und da muss man manchmal den Sturm nach vorne wagen und diese weitere Schwäche ein bisschen tarnen. 😉

Immerhin kann man mir eine der – aus meiner Sicht – schlimmsten Macken nicht vorwerfen: Geiz. Geiz ist absolut „ungeil“, hat irgendwie immer damit zu tun, dass man anderen nichts gönnen mag, finde ich. Geht aus meiner Perspektive gar nicht. Und man kann den Katholiken alles Mögliche vorwerfen – und das mit Recht! -, aber die haben den Geiz zu einem der sieben Hauptlaster, umgangssprachlich auch als Sieben Todsünden bekannt, ernannt. Ausnahmsweise bin ich da mal geneigt, Verständnis aufzubringen.

Es fing schon in der Grundschule an, dass Geiz mich extrem nervte. Wurden Klassenarbeiten geschrieben, gab es Schüler, die um sich herum Bücher aufbauten, diese aufstellten, damit ihr Banknachbar auf gar keinen Fall abschreiben konnte. Um Himmels willen – bloß nix abgeben! Alles meins! Ich fand das total bescheuert, und es stellte sich absurder Weise heraus, dass diejenigen, die sich samt ihrem sagenhaften Können von anderen abschirmen wollten, leistungsmäßig eher in dem Bereich aufhielten, da man sagen konnte: „Er/sie hat sich stets bemüht.“ 😉 Man muss fast ein wenig grinsen, wenn man dieses interessante Phänomen betrachtet. 😉

Von mir durften andere gern abschreiben. Warum auch nicht? Wer in Mathe von mir abschrieb, war selber schuld. Und in anderen Fächern, in denen ich zufälligerweise gut war, fiel mir doch kein Stein aus der Krone, wenn jemand meinte, unbedingt von mir abschreiben zu wollen. Da war ich immer großzügig und bin das auch heute noch. Als Fan der Eigenverantwortung bin ich der Ansicht, dass jeder selber wissen müsse, ob er das Risiko eingehen solle, auf die Fertigkeiten eines anderen so zu vertrauen. Man muss immer realistisch bleiben – jeder kann ja auch mal einen schlechten Tag haben. 😉

Hatte ein Kind Süßigkeiten dabei, war es normal, dass es davon abgab. Beim nächsten Mal würde es dann von jemand anderem ebenso bedacht werden, der heute Nutznießer war. Aber auch hier gab es wieder Kinder, die sich eher eine Hand hätten abhacken lassen, als zu teilen. Man fragte sich, warum sie die Sachen, die sie gar nicht teilen wollten, in die Schule mitschleppten. War es etwa eine frühe „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“-Marotte? „Sehr her, was ich alles habe – und ihr ni-hicht!“ Ich mag so etwas nicht, und hier war der Geiz auch noch mit Häme verbunden.

Nichts gegen Sparsamkeit, wohlgemerkt. Man sollte schon darauf achten, nicht zu übertreiben, wenn die Mittel nicht so üppig bemessen sind. Sage ich so hübsch daher … 😉 Aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass auch ich nicht immer übermäßig an meinem Geld klebe. 😉 Aber zum Glück bin ich in der Lage, immer einen Ausgleich zu schaffen. Darauf kommt es im Grunde auch an – es geht ja nicht darum, sich stets jede kleine Freude zu versagen. Oder auch mal eine größere. 😉

Einer unserer Vorgesetzten ist – zuerst war es nicht zu bemerken – leider auch extrem geizig. Und er kokettiert damit auch noch, wundert sich jedoch inzwischen, warum niemand mehr lacht, wenn die Kokettiererei von neuem einsetzt. Nun, es sollte ihn eigentlich nicht wundern, denn Kürzungen bei einigen kommen nicht so gut an, vor allem dann nicht, wenn auf der anderen Seite Menschen, die es nicht so dringend nötig hätten wie die, bei denen gekürzt wird, durchaus in jedweder Hinsicht befördert werden. Obwohl auch das ihm wohl Bauchschmerzen bereitet. Nicht jedoch wegen derer, die dadurch benachteiligt werden, weil an ihnen ja das eingespart werden muss, was man anderen zugesteht …

Noch gar nicht lange da ist dieser Vorgesetzte, hat sich jedoch schon einen ziemlich unguten Ruf erarbeitet. Klar, normal, wenn Einsparungen ins Haus stehen – aber er übertreibt es maßlos. Und dann auch noch dieses Kokettieren, als sei sein Geiz eine Tugend. Da hat er wohl etwas ganz gründlich missverstanden.

Und so kam es, dass auch ich ein wenig geizig wurde. Nicht vollumfänglich und nicht dauerhaft, natürlich, in Bezug auf diesen Vorgesetzten allerdings wohl durchaus konsequenter. Denn ich bin nicht mehr so überschwänglich, nicht mehr so fröhlich ihm gegenüber. Stets höflich zwar, aber mit fröhlicher Freundlichkeit geize ich nun auch. Ihm gegenüber, wohlgemerkt, und das merkt er wohl auch. Neulich hatte er mich mal wieder, obwohl ich einen Termin bei ihm hatte, der auch für ihn wichtig war, zugunsten einer anderen Mitarbeiterin, die kurz zuvor befördert worden war und derzeit im Ranking sehr hoch liegt, versetzt. Nicht, dass ich mich um den Termin gerissen hätte, aber würde aufgrund dessen etwas nicht wie gewünscht klappen, möge man mal raten, wer dann die Schuld trüge. Klar, ich natürlich. Sehe ich nicht ein.

Am nächsten Tag, als ich zur Arbeit kam, grüßte ich höflich und setzte mich dann an meinen Platz. Der Vorgesetzte entschuldigte sich derart devot, dass ich mich verarscht fühlte. Ich sagte daher auch nichts, denn alles, was ich hätte sagen können, wäre nicht mehrheitsfähig gewesen. 😉 Ich grinste nur, und da entblödete sich der Vorgesetzte nicht, zu sagen: „Frau B. – darf ich Ihnen einen Kaffee holen?“ – „Lassen Sie nur. Das mache ich gerne selber.“ – „Aber ich dachte …“ – „Ja. Dass ich dann vergessen würde, dass Sie mich einmal mehr und wie so oft versetzt haben, während ich mit Ihnen doch die Organisation dieser Tagung absprechen muss, die immer näher rückt und gut organisiert sein muss, damit wir uns nicht blamieren. Es ist zwar nicht so, dass ich das nicht auch alleine prima hinbekäme, aber Sie haben ja immer besondere Vorstellungen. Und nun dachten Sie, ich wäre nicht mehr brüskiert, wenn Sie mir einen Kaffee holen. Nicht wahr?“ – „Äh, ja …“ – „Nein. Ich hole mir meinen Kaffee gerne selber. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich bin kein kleines Kind, das man mit derartigen Dingen einlullen kann. Dazu bin ich zu alt, und dazu bin ich zu intelligent. Sorry für das Eigenlob, aber Sie scheinen mich zu unterschätzen. Ich bin gestern extra länger geblieben, um dann doch wieder einmal hintanstehen zu müssen. Lassen wir das mit dem Kaffee, bitte.“

Ich hatte das Ganze sehr höflich und lächelnd geäußert, aber mein Vorgesetzter starrte mich an, als hätte ich etwas ganz Ungeheuerliches getan. Hatte ich aber nicht – ich hatte ihm einfach nur gesagt, wie so etwas ankommt. Und nicht nur bei mir.

In den letzten Tagen schien er wiederholt um Sympathie zu buhlen. Gestern sagte er gar zu mir: „Frau B. – Sie haben ja richtig gute Laune!“ – „Danke. Die habe ich durchaus oft. Vielleicht merken Sie es nicht immer so, aber ich habe durchaus oft gute Laune.“ – „Äh, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.“ – „Es ist schon gut.“

Und heute machte er wieder Witze über seinen sprichwörtlichen Geiz, als einige Kollegen bei Janine und mir im Büro standen. Kam gar nicht gut an, denn es reagierte keiner. Wirklich niemand, nur verstummte die Unterhaltung. Janine drehte sich sogar weg.

Die Tagung ist inzwischen wunderbar durchorganisiert. Noch besser wäre es gewesen, hätte der Vorgesetzte auf die Leute gehört, die sich mit so etwas auskennen. 😉 Denn ein Buffet im Tagungsraum aufbauen zu lassen, während die Tagung noch läuft, hielten die involvierten Personen inklusive meiner Wenigkeit für nicht ganz so günstig. Es vor dem Sitzungsraum aufzubauen, wäre sicherlich besser gewesen. Aber das wollte der Vorgesetzte nicht, machte stattdessen den Vorschlag in meine Richtung, das Buffet mengenmäßig noch einzudampfen – dann nehme es auch nicht soviel Platz weg … Es sei ohnehin ja alles so teuer.

Ich sagte daraufhin: „Wenn Sie das machen, wird es ein bisschen peinlich. Und ich will dafür auch nicht meinen Kopf hinhalten – ich kenne solche Tagungen und die Bewirtung ganz anders.“ – „Aber es ist doch ohnehin alles so teuer!“ Der Caterer, der danebenstand, und ich warfen einander nur Blicke zu. Der Caterer griff sich sogar an die Stirn, und ich meinte dann vermittelnd: „Man kann auch am falschen Ende sparen. Beim Catering sollte man dies tunlichst vermeiden. Ich würde mich freuen, würden Sie auf uns hören – weder Herr S., noch ich machen so etwas zum ersten Mal.“ Allerdings muss ich gestehen: Auch ich hätte mir liebend gern an die Stirn gegriffen.

Nun hoffe ich, dass alles klappe – vor allem buffetmäßig … Denn wenn auch bei Tagungen die Inhalte wichtiger sind oder sein sollten: Es zahlt sich nie aus, bei der Bewirtung „einen Igel in der Tasche“ zu haben. 😉

Und auch sonst nicht – man macht sich keine Freunde. Und meinen Kaffee hole ich weiterhin selbst. Dann ist er wenigstens so, wie ich ihn haben will. 😉

Geiz ist niemals geil. Nur spießig, kleinlich und peinlich.

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