Sie tut’s schon wieder …

Zwar hatte ich vor einiger Zeit beschlossen, mich etwas einzuschränken, was Ehrenämter bei meinem Arbeitgeber anbelangt, aber offenbar bin ich da sehr inkonsequent.

Nichts gegen Ehrenämter an sich – behüte! Ich finde prima, wenn man sich sozial betätigt. Nur frage ich mich in diesem speziellen Falle schon manches Mal in einer ruhigen Minute, wo hier die Ehre bleibe. Denn zwar wird man für die Dauer der Fortbildungen – maximal ein halber Tag im Falle des Ersthelfertrainings – freigestellt, aber dass man sich engagiert, wird ganz selbstverständlich angenommen. Zum wirklich schweißtreibenden Ersthelfertraining gibt es nicht einmal Getränke – die müssen wir auch noch selber mitbringen. Dabei profitiert der Arbeitgeber doch davon, dass Mitarbeiter sich freiwillig bereiterklären, zum Beispiel als Ersthelfer tätig zu werden. Und – nein! – ich will keinen roten Teppich dafür. Aber das alles als selbstverständlich zu betrachten, gefällt mir auch nicht. Ich glaube, ich bin auch nicht die Einzige. 😉 Ich denke jedoch, das ist anderswo auch nicht anders.

Morgen früh findet wieder einmal ein Training statt, das dem Bereich Brandschutz zuzuordnen ist. Erst ein mit maximal einer Stunde veranschlagter theoretischer Teil, von dem ich vermute – ich versuche stets, realistisch zu sein – , dass er sicherlich erheblich länger andauern werde. Vielleicht sogar doppelt so lange. Denn unser Brandschutzbeauftragter ist zwar total nett, aber auch sehr redselig und kommt von Hölzken auf Stöcksken, wenn er einmal warmgelaufen ist – und dann sind da auch noch immer die üblichen Verdächtigen. 😉 Das sind Kollegen, die immer 150%-ig sein wollen, was nicht selten dazu führt, dass die abstrusesten und unwahrscheinlichsten Fälle erdacht werden und dieselben Fragen etwa drei- bis viermal behandelt werden müssen. Wahrscheinlich, weil die Kollegen beim ersten Mal nicht zuhörten, weil sie gerade einen besonders spektakulären Fall ersonnen, der in unserer Arbeitsumgebung gar nicht vorkommt, so zum Beispiel, weil bei uns nicht mit flüssigem Metall gearbeitet wird. Auch Fettbrände sind in unserer Umgebung eher selten. Zwar sollte man in jedem Falle darüber Bescheid wissen – auch für den Privatgebrauch -, dass man Fett niemals mit Wasser löschen darf, aber man muss wirklich nicht stundenlang darüber diskutieren – schon gar nicht bei einem Auffrischtraining. Denn ich vermute einfach mal, dass sich hinsichtlich Fettbränden in den letzten Jahren nichts Wesentliches geändert habe, was deren Charakteristika und die daraus resultierenden Löschmethoden anbelangt. 😉

Ich gehe mal davon aus, dass der Theorieteil sicherlich um einiges länger dauern werde …

Im praktischen Teil wird uns der Umgang mit verschiedenen Typen von Feuerlöschern beigebracht, und es ist gut, dass mal wieder – für Geneigte – eine solche Übung stattfindet. Die letzte dieser Art, die ich mitmachte, war anno 2008 und sehr lehrreich. In verschiedener Hinsicht.

Denn sie wurde in zwei Gruppen abgehalten, und als ich auf die Teilnehmerliste von Gruppe 1, in der auch ich mich befand, blickte, sah ich, dass hauptsächlich Kollegen und Kolleginnen darin waren, die ich total nett finde. Bis auf eine. Frau Kleine. Die hatte ich schon öfter in unangenehmer Weise erlebt, denn sie ist krankhaft neugierig und weiß immer alles. Glaubt Frau Kleine. Darüber hinaus hat sie sich mehrfach als sehr unkollegial erwiesen. So sehr, dass eine Kollegin, die wirklich extrem verständnisvoll und kompromissfähig war, sie nicht mehr grüßte. Und wenn die schon nicht mehr grüßte, wollte das was heißen.

Ich gebe zu, ich wirke vielleicht manchmal etwas gnaden- und kompromisslos in meinem Urteil, aber das bin ich eigentlich gar nicht. Aber es gibt einige, wenige Ausnahmen – und dazu zählt Frau Kleine. Zum Glück musste ich mich aber nicht als alleiniger Motzkopp fühlen, da auch eine ganze Reihe anderer Kollegen aus meiner Gruppe zu stöhnen begann, als sie sahen, dass Frau Kleine auch in der Gruppe war.

Der Kurs begann mit der Theorie. Die beiden Ausbilder machten die Sache großartig, zügig und so, dass jeder begriff, was Sache sei. Und wir wären auch ziemlich schnell mit all dem fertig gewesen, was sie vorgesehen hatten – wäre Frau Kleine nicht gewesen. Sie wiederholte immer wieder das von den Ausbildern Gesagte und tat so, als wäre es auf ihrem Mist gewachsen. Verstanden schien sie es jedoch nicht in jedem Falle zu haben, denn die Fragen, die sie stellte, bewiesen, dass es mit dem Grundverständnis gehapert hatte. Einige begannen bereits, gequält zu stöhnen, und selbst die Ausbilder wirkten gar nicht mehr so souverän, als Frau Kleine sich in die Runde drehte und uns allen überlegen erklärte: „Fett darf man nie mit Wasser löschen – merken Sie sich das!“ Als hätte sie diese Weisheit gerade selbst herausgefunden. Da entfleuchte mir – ich schwöre, das war nicht geplant gewesen! – der Satz: „Frau Kleine! Das wissen wir! Und das haben die beiden Herren auch vor Ihnen schon gesagt.“ Da schwieg sie, und Kollegin Christiane, die neben ihr saß, grinste.

Bereits ein wenig erschöpft, begaben wir uns dann auf die Wiese hinter einem der Gebäude, wo diverse Gerätschaften installiert worden waren, mit denen man verschiedene Arten von Bränden simulieren konnte. Unter anderem demonstrierte man uns, was passiere, wenn eine Spraydose mit Treibgas explodiere. Eindrucksvoll. Leider auch sehr laut – ich bin doch so geräuschempfindlich. 😉

Noch eindrucksvoller jedoch die Fettexplosion, die man uns demonstrierte: Ein Liter Sonnenblumenöl über seinen Brennpunkt erhitzt, und dann stürzte von oben eine recht geringe Menge Wassers in den Behälter mit dem brennenden Öl. Einen Sekundenbruchteil lang schien sich nichts zu tun – der Bruchteil, in dem das Wasser in dem Fett verdampfte -, aber dann gab es eine Explosion mit einer Stichflamme, die ich auf etwa fünf bis acht Meter schätzte. Zwar war klar gewesen, was passieren würde – sagt einem ja auch irgendwie der gesunde Menschenverstand -, aber ich schrie dennoch: „Hui! O mein Gott!“ und sprang vor Schreck etwa einen Meter zurück. Zum Glück, denn sonst wäre Frau Kleine auf mich gesprungen, die vor mir gestanden hatte. („Stehe ich Ihnen im Weg, möchten Sie nach vorne, Frau B.?“ – „Aber nein, ich sehe gut von hier aus. Ich stehe bei so etwas lieber etwas weiter hinten.“ – „Warum?“ – „Nun, es wird hier gleich eine Explosion geben.“ – „Meinen Sie?“ – „Äääh, ja.“ Seit meinem ersten Arbeitstag in einem metallverarbeitenden Institut der RWTH stehe ich bei so etwas lieber weiter hinten, als mir in einem der Gießlabore flüssiges Aluminium entgegenflog, was, so Kollege Frederic lässig, „schon mal vorkommen“ konnte. Da hatte ich auch einen riesigen Satz gemacht, denn trotz Baumwoll-Schutzkittels und Schutzbrille war mir nicht ganz wohl gewesen … 😉 )

Alle waren schwer beeindruckt von der Fettexplosion. Kaum einer sagte etwas. Kaum einer. Nur Frau Kleine meinte: „Ach, du meine Güte! Das ist ja furchtbar! Stellen Sie sich mal vor, Frau B., wenn man vor der Friteuse steht, und die explodiert! Da muss man ja die ganze Küche renovieren lassen!“

Ich starrte sie irritiert an, und auch die anderen standen mit offenen Mündern da – was für ein Kommentar! Die Küche renovieren – das war Frau Kleines einzige Sorge? Und so platzte ich heraus: „Frau Kleine! Wenn Sie vor einer explodierenden Friteuse stehen, dann ist Ihnen Ihre Küche sowas von egal, denn danach liegen Sie auf der Intensivstation für Schwerstverbrannte oder gleich auf dem Friedhof!“ Sie starrte mich entsetzt an: „Waaas?“ – „Ja, was hatten Sie denn gedacht?“ rief einer der Ausbilder. „Da machen Sie nicht mehr viel. Sie hatten doch vorhin selber Ihre Kollegen, denen das allerdings schon klar war, belehrt, dass man Fett niemals mit Wasser löschen dürfe, oder?“

Der weitere Verlauf des Kurses war dann entspannt, und Frau Kleine erwies sich als echtes Löschtalent, speziell bei unserer letzten Übung. Ich zog meinen Hut vor ihr, dass sie diese – das Löschen einer brennenden Person, natürlich durch einen Dummy dargestellt – so gut hinbekam, wo ich zwar nicht scheiterte, aber gar nicht erst antrat. Ich hatte mich bereits beim Löschen eines brennenden Papierkorbes mit einem wasserbasierten Feuerlöscher, sowie beim Löschen eines brennenden Computermonitors mit CO2 verausgabt. Ehrlich gestanden: Mir war ein wenig schlecht, denn das T-Shirt, das der Dummy trug, wurde, um es in Brand zu setzen, immer wieder mit Brennspiritus getränkt. Und es gibt einige Gerüche, von denen mir echt schlecht wird, wozu auch Brennspiritus gehört. Da dachte ich mir, es wäre wohl besser, auf diese sehr körpernahe Übung zu verzichten. Nicht, dass ich am Ende noch ohnmächtig daliegen würde und erstversorgt oder gar gelöscht werden müsste! 😉

Ich bin mir aber sicher, dass ich eine brennende Person auch ohne diese Übung durchaus löschen könnte. Sogar Frau Kleine. 😉 Aber der war fies, wirklich. 😉

Nun harre ich gespannt der Dinge, die da morgen kommen werden. Zum Glück ist Anna dabei, meine frühere Bürogenossin, mit der ich ja schon sämtliche Ersthelfertrainings absolviert habe. Von daher weiß ich jetzt schon: Es wird lustig werden. 😉

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