Nichts ist unmöglich

„Nichts ist unmöglich“ war früher nie mein Motto. Aber ich kann euch versichern: Je mehr Lebenserfahrung ihr ansammelt, umso mehr werdet ihr davon überzeugt, dass Dinge, die ihr früher für undenkbar hieltet, viel wahrscheinlicher werden, sich bisweilen sogar so wandeln, dass ihr gar nicht verstehen könnt, wie es je anders gewesen sein konnte. In ganz finsteren Momenten zweifelt ihr sogar daran, dass ihr je anders empfunden haben könntet als in diesem Moment und heutzutage.

Als Kind fand ich beispielsweise Oliven und Kapern zum Kotzen. „Königsberger Klopse“ mein absolutes Hass-Essen – neben Graupensuppe. Mir erschloss sich nicht, warum man aus gehacktem Kalbfleisch und anderen Zutaten geformte Fleischbällchen in einem Sud kocht, statt sie einfach – wie Frikadellen – in die Pfanne zu hauen und zu braten! Schmeckte viel besser, fand ich. Und das Widerlichste an den gekochten Fleischbällchen war die Sauce! Da waren Kapern drin! Deren Existenz fand ich als Kind ebenso verzichtbar wie die von Zecken. Die quälten nur Tiere, schienen aber sonst zu nichts gut. Und mit Kapern schien es sich – aus meiner Perspektive – ähnlich zu verhalten. Da konnten meine Eltern und Großeltern noch so auf mich einreden, wie toll das doch sei! Ich zog die Nase kraus und machte lange Zähne. Aber da ich dazu erzogen worden war, auch Unliebsames hinzunehmen, aß ich mit Todesverachtung dann auch Königsberger Klopse. Und Dicke Bohnen nach Art meiner Oma Elisabeth, die ich immer nur „Kotzbohnen“ nannte, da ich fand, der Name sei passend.

Oliven fand ich ebenfalls ätzend. Ekelhaft für mich als Kind. Genauso Olivenöl, mit dem ich seit Kleinkindzeiten insofern vertraut bin, als meine Mutter es schon für Salat verwendete, als hierzulande noch keiner zu wissen schien, dass es Olivenöl überhaupt gebe. Ich hasste sowohl Oliven, als auch Olivenöl als Kind. Der Salat schmeckte immer so … komisch. Und ich hasste diese türkisblaue Blechdose, auf der „Olio di Oliva“ stand, darunter „Dante“ und das Profil einer Person abgebildet war, die aussah wie ein Dschinn. Die Dose war eckig, und man musste bei Anbruch zwei Löcher hineinbohren – wie in Kondensmilchdosen. Wann immer meine Mutter sie in die Hand nahm, wusste ich: „Der Salat wird wieder nach Motoröl schmecken!“ So zumindest kam es mir als Kind vor, denn da ich Oliven verabscheute, weil die so „motorölmäßig“ schmeckten, konnte mir Olivenöl auch nicht mehr munden.

Was soll ich sagen? Seit vielen Jahren wünschte ich mir, mich allein von Oliven ernähren zu können, und Olivenöl ist einfach nur wunderbar. Sogar ohne den „Olio di Oliva Dante“-Dschinn, obwohl der doch etwas Markantes und Faszinierendes an sich hatte. 😉 Eigentlich war er auch gar kein Dschinn. 😉

Meine Abneigung gegen Kapern wurde schon vor Jahren von einer sehr energischen und drahtigen Irin geheilt – Kellnerin in einem Fischrestaurant in Galway. Ich bin Lizzy noch heute dankbar, denn Kapern sind total toll! Finde ich jedenfalls. 😉

Allein Graupensuppe steht bei mir noch immer auf dem Index. Ich esse sie, keine Frage, denn es gibt nur wenige Aspekte, die mir verhasster sind als Herumgezicke à la: „Das kann ich nicht essen!“ Käme mir nie in den Sinn, habe ich aber schon oft miterlebt. Man kann eigentlich alles essen, es sei denn, man habe eine Allergie. Wenn das nicht der Fall ist, ist es für mich Anstellerei. Ich mag Graupensuppe nicht, aber ich esse sie. Wenn auch ungern.

Erstmalig verliebt habe ich mich in sehr jungen Jahren. In einen zwölf Jahre älteren Jungen, der so nett war, erstaunlich verständnisvoll damit umzugehen. Wahrscheinlich hat er gar nicht gemerkt, was Sache war und sah mich als eine Art „kleine Schwester“. Dunkelbrünett war er und hatte braune Augen.  Und es sah zunächst so aus, als wäre dies mein „Beuteschema“, bis ich wenige Jahre später plötzlich auf blond und blauäugig stand.

Doch kaum richtig in der Pubertät, schlug wieder das „Brünett-mit-braunen-Augen“-Schema durch. Das hielt auch lange an, reichte bis in meine Studienzeit. Erstaunlicherweise war nur einer meiner Freunde damals brünett und hatte braune Augen – und das hielt noch nicht einmal lange. 😉

Dennoch war ich irgendwie auf diese Kombination gepolt, war sogar so anmaßend, zu sagen: „Blond bin ich selber – also bitte!“. Man sagt ja, dass Mädchen immer ein Abbild ihres Vaters suchen – unbewusst. 😉 Und als dieser noch mehr Haar besaß, war das dunkelbrünett. Und braune Augen hat er auch. 😉

Inzwischen ist es so weit, dass ich gar kein festgezurrtes „Beuteschema“ mehr habe. Offenbar erwachsen geworden. 😉

Inzwischen habe ich erkannt, dass Haar- und Augenfarbe im Grunde völlig irrelevant seien. Auf den Menschen kommt es an, und wenn der einem nicht völlig zuwider ist, besser noch: wenn er einem gefällt, er einen gar fasziniert, ist doch alles prima. Und irgendwie sehen braune Augen oft so austauschbar aus, ganz im Gegensatz zu blauen oder grünen. 😉

Geschmäcker ändern sich mit der Zeit immer wieder, bis man an dem Punkt angelangt ist, dass im Grunde nur der Mensch zählt. Und das ist auch gut so. 🙂

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.