Ali kocht vor Wut… ein Curry! ;-)

Zugegeben, der Artikel gestern in der Zeitung hat mich wirklich sehr wütend gemacht. Aber man muss irgendwie zumindest versuchen, negative Energie zu kanalisieren, und das in möglichst positive Richtung. Und was empfiehlt sich da mehr als… Kochen? 😉 Wohlgemerkt: Kochen. Nicht Essen. Essen kommt später. 😉

Ich musste ja ohnehin heute etwas Essbares zur Arbeit mitnehmen, denn die Kantine ist vergleichsweise teuer. Und ich hatte so viel Gemüse im Haus. Ebenso ein tolles Kochbuch mit dem Titel: Currys. Das hatte ich mir schon vor einiger Zeit gekauft. Ich liebe Currys, und es gibt so viele tolle Rezepte. Auch in diesem Kochbuch, und sogleich durchforstete ich mit dem Buch in der Hand, das ich schon fast auswendig kenne, obwohl ich noch nie ein Rezept nachgekocht hatte, meine Vorräte. Was passte zu welchem Rezept?

Heraus kam ein Linsencurry mit verschiedenen Gemüsesorten. Eigentlich war es auf gelbe Linsen ausgerichtet, aber ich hatte nur rote Linsen im Haus. Gelb oder rot – völlig wurscht! Hauptsache, schnell garende Linsen! 😉

Bei den Gewürzen, die im Rezept standen, würde ich wohl auf das eine oder andere verzichten müssen. Kurkuma! Wer hat standardmäßig Kurkuma im Haus? 😉 Aber zu meinem großen Erstaunen hielt ich, als ich den Schrank mit meinen Gewürzen sichtete, alsbald ein brandneues Streudöschen von „Westmann“ in der Hand, auf dem Kurkuma, gemahlen zu lesen war. Knallgelb war das noch verschweißte Döschen, genau wie das Gewürz. Wow! Ich bin echt gut ausgestattet, was Gewürze anbelangt, und ich war selber sehr überrascht über das unerwartete Kurkumavorkommen. Doch als ich – ebenso unerwartet – auf ein Döschen mit Garam Masala stieß, eine ebenfalls der indischen Küche entstammende Gewürzmischung, fiel es mir wieder ein: Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit endlich mal eines der Rezepte aus dem Kochbuch nachkochen wollen und hatte zumindest schon einmal passende Gewürze besorgt. 😉 Rosenpaprika, Kreuzkümmel, Chiligewürz – die habe ich eh immer im Haus, zumal Kreuzkümmel ein wichtiger Bestandteil von Chili con carne ist. 😉 Bis dato war ich nur nie dazu gekommen oder hatte verbaselt, meinem Plan Folge zu leisten.

Ghee stand im Rezept. Also geklärte Butter. Viel zuviel Aufwand, und so holte ich das Butterschmalz, das es neulich im Discounter im Angebot gab, aus dem Kühlschrank, gab davon etwas in meine hochwertige Bratpfanne, ein Geschenk von Muttern zum Einzug, da der Anblick meiner alten Bratpfanne annähernd Tränen in ihren Augen erzeugte und sie sagen ließ: „Da haben wir Stephanie so teure Töpfe und Pfannen geschenkt, die sie kaum benutzt, weil sie nicht gern kocht! Und du kannst kochen und machst das auch noch gern – und hast solch eine Pfanne! Das geht nicht!“ Und sie sackte die alte Pfanne ein, weil es in D. in einem Haushaltsladen eine „Tausche alte gegen neue Bratpfanne“-Aktion gab. Und heraus kam dann dieses Glanzstück. Ich will gar nicht wissen, wieviel Mama trotz des Tauschs noch drauflegen musste … 😉 Und ich behandle die Pfanne immer mit großem Respekt, würde sie nie in die Spülmaschine stellen oder zu stark erhitzen. Das mag sie nämlich nicht und rächt sich mit Einbrennungen in der Beschichtung. 😉 So die Verkäuferin zu Muttern, die mir das auch gleich weitergab. Darauf achte ich auch immer. Ich weiß, wieviel gutes Kochgeschirr kostet. An mein Traumgeschirr von „Le Creuset“ werde ich sicherlich nie herankommen, aber auch andere Geschirre sollte man mit einer gewissen Sorgfalt behandeln, wenn sie lange halten sollen. 😉

Während das Butterschmalz in der Pfanne ganz sachte erwärmt wurde, wusch ich schon einmal grüne Bohnen, Kirschtomaten und eine Aubergine. Dann putzte ich die Bohnen und Tomaten, drittelte sie, und dann schnitt ich die Aubergine in kleinere Würfel. Dazu kamen noch ein paar frische Champignons, die ich ebenfalls liebevoll-energisch kleinschnitt.

Und dann war das Butterschmalz heiß genug, und ich gab die im Rezept angegebenen Mengen an Gewürzen hinein und röstete sie an. Dann die abgespülten roten Linsen und reichlich Wasser. Später dann noch die Gemüse, und alles wurde auf kleiner Flamme schön gedünstet. Abends um kurz vor halb elf zog ein lieblich-exotischer Duft nicht nur durch meine Küche, sondern die ganze Wohnung, und heute früh konnte ich sogar noch Spuren davon im Treppenhaus feststellen, zumal ein Nachbar mich ansprach, der die Zeitung holen wollte: „Sie scheinen gern zu kochen, Frau B.!“ Ich dachte erst, er wolle mir sagen: „Und das ziemlich spät – um diese Uhrzeit kocht kein anständiger Mensch in diesem Haus! Nur Sie mal wieder!“ 😉 Und so sagte ich: „Ja, ich war ein bisschen spät dran, und ich hoffe, es hat Sie nicht gestört.“ – „Aber nein! Ich frage mich nur, was Sie gekocht haben. Das roch so gut! Erbsensuppe war es sicherlich nicht. Was war es denn?“ – „Ein indisches Curry.“ – „Ja, es roch auch so exotisch, aber sehr angenehm. Ich habe mir dann gleich noch ein Bütterken gemacht, weil ich Hunger bekam.“ – „Ich kann Ihnen gerne das Rezept geben.“ – „Würden Sie das machen? Das wäre nett! Meine Frau kennt an Gewürzen nur Salz und Pfeffer.“ Ich lachte. Er redete wie meine Mutter, die stets das Fehlen verschiedenster Kräuter und Gewürze in der westfälischen Küche kritisiert. Nix gegen die westfälische Küche, wohlgemerkt! Aber in der Tat hat sie keinen allzu ausgeprägten Kräuter- und Gewürzreichtum zu vermerken. Schmeckt halt auf ihre Art gut, und meine Mutter liebt „Möhren durcheinander“ sehr, die sie erst hier kennengelernt hat. Aber man will ja nicht jeden Tag das Gleiche essen.

Zum Nachbarn sagte ich: „Es sieht verboten aus, schmeckt aber hervorragend!“ Und ich holte aus meiner Tasche eine verschließbare Plastikschüssel, in der das Curry gelblich vom Kurkuma vor sich hin ruhte. Er meinte: „Sieht keineswegs schlechter aus als ein urwestfälischer Eintopf. Über das Rezept würde ich mich freuen.“ – „Machen Sie aber noch eine Joghurtsauce dazu – das mildert die Schärfe.“ – „Ach, das ist auch noch scharf?“ – „Ja, durchaus.“ – „Dann möchte ich das Rezept erst recht haben. Ich mag scharfes Essen. Wie machen Sie denn die Joghurtsauce?“ – „Ganz einfach: einen großen Becher Joghurt nehmen, dann etwas Zitronensaft, eine Prise Zucker, aber wirklich nur ein bisschen als Geschmacksverstärker, dann Salz, Pfeffer, Garam Masala, etwas Chiligewürz und Cayennepfeffer, ein bisschen Kurkuma für die Farbe, Rosenpaprika, gemahlenen Kreuzkümmel – was auch ins Curry kommt, nur etwas weniger davon. Nur zum Abrunden.“ – „Muss ich unbedingt meiner Frau sagen. Die wird das sicher auch mögen. Wissense, Frau B. – wir sind halt etwas westfälisch geprägt, und manchmal ist Abwechslung ganz gut.“ Ich grinste. Und er meinte: „Aber Sie sind auch Westfälin. Oder nicht?“ – „Ich bin ein ganz komisches Gemisch.“ – „Ach, ja! Ihre Mutter sagte mal, als sie hier war, sie sei nicht von hier – wahrscheinlich deshalb. Woher kommt sie nochmal?“ – „Aus Franken.“ – „Kocht man da indisch?“ – „Nein, fränkisch.“ – „Aber offenbar recht aufgeschlossen, was Gewürze anbelangt.“ – „Etwas vielfältiger.“ – „Und man traut sich wohl mehr, was neue Gewürze anbelangt.“ – „Mag sein, ich weiß es nicht. Ich bin mit der Küche meiner Mutter aufgewachsen.“ Und da meinte er: „Würden Sie meiner Frau und mir denn, wenn es nicht zuviel verlangt ist, vielleicht mal ein paar fränkische Rezepte zukommen lassen? Wir waren schon öfter in Süddeutschland, auch in Franken, und wir mochten die Küche dort so gern!“ – „Klar, gerne!“ rief ich. Und ich fügte hinzu: „Und da Sie immer so tolle und gute Angebote finden, finden Sie hier sicherlich auch jemanden, der frischen Karpfen auftreiben kann. Typisch fränkisch. Wenn Sie mir da dann mal weiterhelfen würden?“ Mein Nachbar grinste und versprach, er werde sich kümmern.

Und so kam ich heute viel zu spät zur Arbeit. Aber ich hatte ein tolles Mittagessen. Und kann nur empfehlen: Wenn ihr mal total wütend seid – fangt an, zu kochen! Es kommen unter Umständen wirklich tolle Sachen dabei heraus. Und als ich vorhin der Frau meines Nachbarn auf der Treppe begegnete, sprach sie mich gleich an, und ich gab ihr das bereits vorbereitete Rezept.

Kochen kann deeskalierend wirken, und offenbar dient es auch der Völkerverständigung. Also – seht zu, und stellt euch an den Herd! 😉

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