„Keine Ahnung, was die hier ins Essen tun!“ Oder: Wie man unfreiwillig zum „Raser“ wird …

Heute war ich mit meiner Familie verabredet. Meine Schwester Stephanie ist gerade dort zu Besuch, und ich sehe sie recht selten. Da war es doch nett, dass man anfragte, ob ich denn nicht heute mal vorbeikommen wolle.

Ich fuhr frühzeitig hin, da es noch einen kleinen Brunch geben sollte. Aber wirklich nur einen kleinen, wie meine Mutter sagte, denn schließlich wollten sie und mein Vater uns abends noch zum Essen einladen – auswärts. Das Wetter war schön, ich guter Laune, als ich losfuhr. Unterwegs fuhr ich noch zu einem Discounter – ich hatte kein Mineralwasser mehr im Haus, und auch Milch fehlte, sowie einige Kleinigkeiten wie Toilettenpapier. 😉

Nach dem Discounterbesuch war meine Laune nicht mehr ganz so gut. Offenbar waren nur Egozentriker unterwegs, die mitten im Gang mehrere Einkaufswagen so stehenlassen, dass keiner mehr durchkommt. Lassen einen nicht an die Ware, die man begutachten möchte und benehmen sich so, als wären sie allein auf der Welt. Oder so, als wäre der Discounter ihr zweites Wohnzimmer. Nur eine Kasse geöffnet, und es dauerte lange, bis eine weitere geöffnet wurde. Es dauerte ziemlich lange, bis ich den Discounter wieder verlassen konnte. Jetzt musste ich mich aber ins Zeug legen – ich hatte versprochen, pünktlich zu sein. 😉

Baustellen und rote Welle waren meine stetigen Wegbegleiter. Warum nur war ich nicht über Hassel gefahren? (Wahrscheinlich, weil ich die Strecke nicht so mag … 😉 )

Ich schaffte es, einigermaßen pünktlich bei meinen Eltern anzukommen, und dann saßen wir auf der Terrasse, und meine Schwester und ich überboten uns darin, einander zu unterbrechen und redeten so viel, dass meine Mutter sich irgendwann mit der Hand gegen die Stirn fasste und meinte, das sei doch recht anstrengend, und sie sei das gar nicht mehr so gewohnt … 😉 Mein Vater behauptete, er müsse dringend noch etwas recherchieren und rettete sich in sein Arbeitszimmer. Auch er hatte recht erschöpft ausgesehen, als meine Schwester und ich unter Beweis stellten, dass wir beide voll funktionsfähige und schier unermüdliche Sprechwerkzeuge unser eigen nennen dürfen. 😉

Am frühen Abend ging es dann nach B. zum Essen. Da das Restaurant quasi an meinem Heimweg liegt, fuhr meine Schwester mit meinen Eltern voraus, ich hinterher. Wozu noch einmal nach D. zurückfahren?

Ich weiß gar nicht, warum wir da überhaupt noch zum Essen hinfahren. 😉 Denn jedes Mal, wenn ich mit meiner Familie dort bin, sagt meine Mutter: „Irgendwie finde ich das Essen hier nicht besonders gut!“ – „Warum sitzen wir dann schon wieder hier?“ – „Weil es hier recht nett ist.“ Nun ja – immerhin. Die Atmosphäre scheint zu stimmen – das ist doch auch viel wert. 😉

Ein wenig dauerte es, bis wir uns alle entschieden hatten. Ich tue mich mit Entscheidungen ja ohnehin manchmal schwer. Aber ich wollte dann das „mediterrane Pfannengemüse“ – mir war nicht so nach Fleisch. Höchstens Fisch, aber die Gerichte, die in der Karte standen, waren nicht so mein Fall.

Dafür bestellte Muttern sich das gedünstete Kabeljaufilet in Senf-Sahne-Sauce. Ich sah sie an und meinte: „Senf-Sahne-Sauce? Bist du sicher?“ Nicht, dass ich sie ihr nicht gegönnt hätte. Aber ich weiß, dass meine Mutter – wie auch ich – solch fettige Saucen, fettiges Essen generell nicht gut verträgt. Wie sich das äußert? 😉 Nun ja, zumeist darin, dass Muttern und/oder ich kurz oder direkt nach dem Essen in einer paradox scheinenden Mischung aus Eile und vorsichtigem Zögern aufstehen und uns in die Gefilde begeben, von denen man speziell in Restaurants hofft, sie mögen sauber sein. Denn es pressiert, wie man in Süddeutschland so reizend sagt. 😉

Ich wollte auf Nummer Sicher gehen mit meinem Gemüse. Auch Stephanie bestellte das „mediterrane“ Gericht, das sich dann als interessante „Crossover“-Küche entpuppte. Denn mir war noch gar nicht bewusst gewesen, dass Sojasauce eine typisch mediterrane Zutat sei. Höchstens in asiatischen Restaurants, die sich in Ländern im Mittelmeerraum niedergelassen haben … 😉 Aber es schmeckte nicht schlecht, und es war nicht fettig. Zumindest sah es nicht so aus.

Muttern war mit dem Kabeljau nicht ganz zufrieden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei ja wohl ein Witz, meinte sie und deutete auf das in der Tat recht kindlich wirkende Stück Fisch auf ihrem Teller, um das eine gelblich-sahnige Sauce drapiert war. Sah ziemlich fettig aus. Dafür gab es für sie als Ausgleich zur kleineren Fischportion Salzkartoffeln für geschätzt drei Personen, und sie meinte: „Die machen hier die Gäste mit Kartoffeln satt, nicht mit dem Hauptgericht. Die nehmen wohl den Begriff ‚Sättigungsbeilage‘ sehr wörtlich. Ich frage mich, warum wir hier eigentlich immer wieder hingehen … Aber, naja, es ist ja recht schön hier.“ Das stimmte, und so aßen wir brav, was auf den Tisch gekommen war.

Kaum hatten meine Mutter und ich das Besteck niedergelegt, während mein Vater und meine Schwester noch aßen, fingen wir auch schon an, unruhig auf unseren Stühlen herumzurutschen. Natürlich ganz dezent. Und schon stupste Mama mich an und meinte: „Lässt du mich mal raus?“ – „Ja. Aber ich komme besser mal gleich mit.“ – „Wie? Du hattest doch nur Gemüse!“ – „Ja. Das Gemüse trog wohl – war fettiger, als ich dachte. Oder ich vertrage diese ur-mediterrane Sojasauce nicht.“ Meine Mutter lachte.

Und schon erhoben wir uns vorsichtig und begaben uns mindestens ebenso vorsichtig in die unteren Gefilde … Mama lamentierte, so etwas hätte sie in den einfacheren Brauerei- und Bauerngasthöfen in Franken nie, und sie räsonierte: „Keine Ahnung, was die hier ins Essen tun!“ Ich wusste es auch nicht. Aber offenbar handelt es sich um etwas, das ich auch nicht vertrage. 😉

Wieder zurückgekehrt, beglich mein Vater gerade die Rechnung. Mama und ich waren darob recht erleichtert – irgendwie wollten wir beide nach Hause … Reine Erfahrungswerte. 😉

Und wir gingen zum Parkplatz, wobei ich meinte: „Das wird lustig. Die allererste Fahrt mit Monty im Dunkeln. Hoffentlich finde ich überhaupt das Fahrlicht!“ (Nein, natürlich wusste ich, wo man das Fahrlicht einschaltet, aber es war in der Tat die allererste Fahrt im Dunkeln, und im Dunkeln sehe ich nicht so gut.) Meine Mutter starrte mich an und meinte: „Wie – fährst du nie mit Licht?“ – „Nein, ich bin bisher ja immer im Hellen gefahren, und ich habe Tagfahrlicht.“

Aber alles klappte – natürlich. Man dürfte mich ja sonst wirklich nicht auf den Straßenverkehr loslassen. Und ich fuhr hinter meiner Schwester und meinen Eltern her, und irgendwann bogen sie rechts ab, ich links.

Was dann passierte, war spannend: Ein gewisser Drang suchte mich heim, und im ersten Moment dachte ich, ich müsse rechts heranfahren. Aber nicht in dieser Gegend, in der alles stockfinster ist. So stockfinster, dass ich Montys Zentralverriegelung aktiviert hatte – in solch sinistren Gegenden ist das weniger unerklärbarer Panik, sondern begründeter Vorsicht geschuldet.

Anhalten ging gar nicht, und so war Eile geboten. 😉 Ich fuhr erheblich schneller, als erlaubt war, nachdem ich festgestellt hatte, dass ich im Dunkeln erheblich besser sehe, als angenommen. Und es waren auch nicht so viele Leute unterwegs.

Mit quietschenden Reifen bog ich in Gl. in eine zu dem Zeitpunkt völlig leere Kreuzung links ein – da muss man zu anderen Zeiten manchmal richtig lange warten. Ich überholte sogar noch einen haltenden Bus an einer Engstelle, der schon recht lange mit Warnblinkanlage dort stand und gerade seine Türen schloss. Normalerweise hätte ich wohl eher hinter ihm gewartet, aber das empfahl sich hier so gar nicht. Rasch durch den Kreisverkehr und rechts abgebogen – und weiter ging es, schneller, als erlaubt …

Ich hatte das Radio an, und ich empfand es als blanken Zynismus, als ein schon ziemlich altes Lied aus den 80ern/90ern anfing. „Under Pressure“ von David Bowie und Freddy Mercury … Wie für mich bestellt. Oder um mich zu verarschen. Ich vermute Letzteres. In Wirklichkeit war es wohl purer Zufall. 😉

Quasi auf zwei Rädern kam ich zu Hause an, fand schnell einen Parkplatz. Mir graute vor dem Aussteigen. Denn beim Fahren sitzt man ja naturgemäß, und Sitzen erleichtert die Situation … 😉 Ich konzentrierte mich ganz stark darauf, einfach auszusteigen und zum Haus zu gehen – der Weg schien so weit. 😉

Aber ich schaffte es, und in einer Art merkwürdigen Stakkatos ging ich zum Haus. Die Tür, die eigentlich geschlossen sein sollte, erst kürzlich aufgerüstet, um Einbrechern Paroli zu bieten, war nur angelehnt. Wunderbar! Lieber ausgeraubt als alles andere, was in meiner Situation hätte passieren können … 😉

Gerade noch rechtzeitig schaffte ich den Weg. Und frage mich einmal mehr, warum meine Familie und ich immer wieder in dieses Restaurant gehen. Und warum ich so viele absurde Sachen geerbt habe. Ich meine, mein Opa hatte ein absolutes Gehör und war ein hervorragender Kaufmann. Ich tue mich mit Kaufmännischem schwer, und von einem sensibel-absoluten Gehör bin ich weit entfernt. Dafür habe ich offenbar andere Sensibilitäten geerbt …

Recht herzlichen Dank! 😉

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