Twice kissed

Heute wurde ich gleich zweimal geküsst – und das als Single. Aber nur kein Neid, auch wenn es wohl an meiner Ausstrahlung lag. 😉 An der Art, in der ich auf die mich dann sehr intensiv Knutschenden zuging. 😉

Heute früh, als ich meinen Arbeitsrechner hochgefahren hatte, verhieß meine Mailbox mit einem erschreckend lauten Signal, dass einige Mails eingegangen seien. Ich hatte gestern – verratet mich nicht! – noch „Simon’s Cat“ geguckt, und das geht ohne Ton ja gar nicht! 😉 Ich hatte nur vergessen, die Lautstärke wieder zurückzufahren. 😉

„Plong!“ machte es, und prompt erschien eine Mail von meinem Kollegen Oliver in der Mailbox. Ich kenne Olli jetzt seit 12 Jahren, verstehe mich hervorragend mit ihm, und ich verstehe auch, wenn er mir Mails schickt, deren Betreff: „Wuff!“ lauten. Die kenne ich jetzt seit fast neun Jahren, und sie bedeuten: „Ich bin heute mit Hund da.“

Ich bin, seit ich bei diesem Arbeitgeber bin, immer zu Olli in die Druckerei gegangen, wenn ich eine Zigarette rauchen und mich mit einem vernünftigen und dabei lässigen Menschen unterhalten wollte. Vor allem dann, wenn mal wieder alles schwierig war. 😉 Meist allerdings zumindest halb dienstlich – der äußere Schein musste ja gewahrt bleiben. 😉 Man kann ja nicht einfach vom Arbeitsplatz abhauen, wenn es einem so stinkt, dass man am liebsten sofort nach Hause gehen und nie wiederkehren möchte. Die Miete muss ja bezahlt werden, und man möchte ja auch seine Arbeit vernünftig erledigen – nur ohne den teilweise auftretenden hausgemachten Stress und die Ignoranz. Und so „hakte“ eben mein Arbeitsplatzdrucker öfter. (Er hakte in der Tat öfter – es war nicht einmal eine Ausrede.) Und kurz darauf saß ich dann immer bei Olli im Büro in der Druckerei, in dem dann auch noch andere Versprengte eintrafen – denen ging es wohl genauso wie mir. 😉 Raucher wie Nichtraucher. Wir wurden mit Kaffee versorgt, durften rauchen, mussten aber nicht. Und seitdem ist die Druckerei, in der man heute wirklich nicht mehr rauchen darf, mein Refugium geworden, wenn’s mal wieder allzu nervend wird und ohnehin etwas Dienstliches anliegt. (Manchmal auch ohne diesen Zusatz, aber sehr, sehr selten.)

Als Olli dann mit Tonja ankam, seinem ersten Hund, hatte ich ganz viele Dienstgeschäfte dort zu verrichten. Man kann das so einrichten. 😉 Tonja war zu süß, als ich sie kennenlernte – gerade 12 Wochen alt. Ein Mix aus Collie, Tervueren und Deutschem Schäferhund. Eine Seele von Hund, und ich liebe Hunde.

Leider ist sie letzten Winter mit nur acht Jahren gestorben. Aber Olli hat im Sinne seiner kleinen Tochter einen neuen Hund angeschafft, auch wenn er immer schluckt, wenn von Tonja die Rede ist. Seit ich das erstmalig mitbekommen habe, vermeide ich die Erwähnung. Das finde ich sehr sympathisch. Man kann weder einen Hund, noch einen Menschen durch einen anderen ersetzen. Man kann nur eine Erweiterung schaffen, etwas Neues hinzufügen. Ein 1:1-Ersatz ist unmöglich.

Dennoch ist „Nicky“ ein wunderbares Tier, und dass er sie mal wieder mitgebracht habe – natürlich wider die neue Hausordnung -, verhieß Ollis heutige Mail mit dem Betreff: „Wuff!“ Sobald Zeit war, eilte ich gen Druckerei, und das erneut dienstlich. Immerhin brauchten wir dringend diese neue Kopierkarte … 😉 Die kleine Nicky, die gar nicht mehr klein ist, lag dösend da, als ich Ollis Büro betrat. Erst einmal Olli begrüßen und drücken. Kaum geschehen, stand Nicky auch schon auf dem Plan, denn wer erdreistete sich da, einfach an ihr vorbeizugehen und ihren Bezugsmenschen zu drücken! 😉
Aber sie war rasch ausgesöhnt, als ich sie packte, knuddelte und mit ihr gar eine Art kleinen Ringkampfs auf dem Teppich ausfocht. Siegerin nach Punkten: ich. 😉 Resultat: Sie gehorchte nicht nur, als ich „Sitz!“, „Platz!“ und „Aus!“ sagte, als sie gerade meine Hand genauer auf Biss- und Kaufestigkeit testen wollte. Sie machte, da es gerade an der Zeit war, sogar einen kleinen Gang mit mir um den Block, vorsichtshalber an der Leine, und parierte sogar auf „Fuß!“ und sonstige Kommandos. Und dann, als ich wieder an meinen Arbeitsplatz zurückgehen musste, wollte sie mich erst nicht gehen lassen, drückte mir aber, als der Abschied sich nicht umgehen ließ, einen dicken Schmatzer ins Gesicht. 😉 Olli meinte: „Wenn ich das nächste Mal Urlaub mache und sie nicht mitnehmen kann: Würdest du sie dann in Pflege nehmen? Das funktioniert ja hervorragend.“ Ich versprach, zur Verfügung zu stehen. Denn ich hätte gern wieder einen eigenen Hund. Geht aber nicht, da ich ja berufstätig bin und die neue Hausordnung verbietet, Hunde zum Arbeitsplatz mitzubringen …

Ja, diese neue Hausordnung … Wie alle Regularien, scheint sie dafür geschaffen, Ausnahmen zu kreieren. 😉 Denn am heutigen Nachmittag lernte ich „Hugh“ kennen. Einen braunen Labrador, genauer: einen Labrador in der Farbe Chocolate. Er gehört der Vorgesetzten, die diese neue Hausordnung aus der Taufe gehoben hat. 😉 In Bedrängnis geraten, da derzeit alle verfügbaren Aufsichtspersonen Urlaub haben und sie selber keinen nehmen konnte, da ihr Stellvertreter überraschend ausfiel, muss sie den lieben „Hugh“ nun zur Arbeit mitbringen.

Ich bin ja ein Fan gebrochener Regeln, die allzu strikt gefasst wurden. Der gesunde Menschenverstand erscheint mir vernünftiger und verheißungsvoller, und dieser ist offenbar der Grund, weswegen „Hugh“ nun jeden Tag mit zur Arbeit kommen darf. 😉

Und diesen „Gesetzesbrecher“ wollte ich nun auch noch kennenlernen. Frau Franck, die Vorgesetzte und Hausordnungsabgeordnete, warnte mich vor: „Wen Hugh mag, den springt er an. Er ist ein liebes Tier und sehr gelehrig, aber das haben wir ihm noch nicht abtrainieren können. Nicht, dass Sie erschrecken!“ (Als würde ich erschrecken, wenn ein Hund mich anspringt! Auf dem Weg ins Untergeschoss musste ich Frau Franck erst einmal erklären, dass ich mit Hunden recht vertraut sei und sie keine Angst haben müsse, dass ich Angst bekäme. Das schien sie zu beruhigen, und so schloss sie ihre Bürotür auf, hinter der Hugh bereits lauerte. 😉 )

Er quoll auch gleich durch den Türspalt, als die Tür geöffnet wurde, brach wie ein Rehbock durchs „Gebüsch“, um laut bellend seine Begeisterung zu bekunden, nicht vergessen worden zu sein. Mich beschnupperte er nur kurz, um dann seiner Freude über die Rückkehr seiner Herrin Ausdruck zu verleihen. Zwischendurch kam er kurz zu mir, schnupperte an mir, schritt um mich herum und wedelte derart heftig, dass ich befürchten muss, blaue Flecken in den Kniekehlen zu bekommen.

Zurück zu Frau Franck eilte er dann, wusste sich vor Freude kaum zu lassen. Ich wiegte mich in Sicherheit. Vielleicht mochte er mich auch einfach nicht so sehr. So etwas soll es ja auch bei Tieren geben.

Doch da! Ehe ich zur Seite springen konnte, warf er sich herum, raste auf mich zu, und ehe ich mich versah, hatte ich auch schon eine Pranke links und die andere rechts auf der Schulter! Und wurde derart abgeknutscht, dass meine Lesebrille fast zu Bruch ging! 😉

Frau Franck war überrascht: „Hoppla – Sie scheint er ganz besonders zu mögen! So heftig hat er noch nie reagiert!“ Und sie zog mich vom Boden wieder hoch, auf dem ich rücklings gelandet war … 😉

Lasst Euch gesagt sein: Die heftigsten Küsse werden von Hunden verabreicht. Sie hauen einen manchmal sogar um. 😉 Aber immer nett gemeint. Nur sollte der liebe Hugh noch etwas an der Performanz arbeiten. 😉

Was habe ich heute gelernt? Immerhin wissen Hunde zu würdigen, wenn man freundlich und aufgeschlossen auf sie zutritt. 😉 Zwar werfen sie einen manchmal zu Boden, aber man hat die Bestätigung, dass man offenbar alles richtig gemacht hat. Eindeutiger als bei Menschen. Da weiß man nie … 😉

Schönen Abend! 🙂

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