Schöner Ausklang eines Tages

Nach drei stressigen ersten Arbeitstagen, an denen ich mich zwingen musste, ruhig zu bleiben, mich mehrfach fragte, was zum Henker eigentlich atmosphärisch los sei und schon glaubte, ein Meteorit rase auf die Erde zu und beeinflusse alles negativ – nein, nicht wirklich, aber es passte gerade so schön -, ist nun soweit alles wieder im Lot. Obwohl ich ja immer vorsichtig bin. 😉

Es war jedenfalls sehr anstrengend heute. Und ich musste um kurz nach 17 Uhr losrasen, da um 18 h meine liebe Kollegin Eun-Mi von der Uni einer benachbarten Stadt anrufen wollte, um mit mir das Programm für meine beiden Seminare im Wintersemester zu besprechen. Denn da leite ich nach einjähriger Pause erneut zumindest zwei Seminare. Es fehlte doch etwas.

Auf dem Parkplatz schoss ein weißes, aus meiner Perspektive kniehohes, Tier auf mich zu, bellte und brachte sich vor Freude fast um und mich gleich fast mit, da es sich gegen meine Schienbeine warf – volle Breitseite. Fast wäre ich gestürzt, konnte mich aber noch rechtzeitig fangen und wurde von Luna, dem weißen Schäferhund, der hier schon mehrfach vorkam, laut winselnd vor Freude begrüßt. Das treue Tier hatte mich immerhin drei Wochen lang nicht gesehen, und so ging ich gleich in die Knie und knuddelte es, wobei ich erklärte, es sei ein besonders liebes und freundliches Tier, und ich hätte es sehr vermisst. Ein Fehler. Denn ich musste danach meine Sonnenbrille putzen, über die das liebe und freundliche Tier voller Begeisterung geleckt hatte, wohl, um sich für das Kompliment zu bedanken. Ich stand wieder auf, sie drängte erneut an mich heran, und ich rief: „Ja, wo isse denn?“ Zugegeben, eine ziemlich alberne Frage, und Luna setzte sich auf ihre Keulen, sah mich irritiert an, und hätte sie sprechen können, hätte sie wohl gesagt: „Direkt vor dir, du dumme Nuss!“

Ulli, der Halter, kam gleich hinterdrein und begrüßte mich mit: „Na, Urlauberin? Wieder im Land?“ – „Ich war gar nicht weg.“ – „Egal, Hauptsache Ruhe, ne?“ – „Ja.“ – „Wie war der Urlaub denn?“ – „Zu kurz.“ – „Aber doch immerhin drei Wochen!“ – „Er hätte ein halbes Jahr andauern können und wäre doch zu kurz gewesen.“ – „Ja, kenne ich noch. Ich bin ja jetzt Rentner, aber das Gefühl kenne ich nur zu gut.“

Wir plauderten ein wenig, aber dann musste ich gehen. Eun-Mis Anruf nahte. Aber ich habe es rechtzeitig geschafft, konnte mir sogar noch etwas Bequemes anziehen, meinen PC starten, denn es handelte sich ja um ein Dienstgespräch, und Eun-Mi hatte mir ganz viele Dateien geschickt, die wir im Verlauf dieser „Fachkonferenz“ durchgehen wollten. Die meisten davon kannte ich schon, die waren mir vertraut, und so dachte ich, ein bisschen müde: „Das Telefonat wird nicht so lange dauern.“

Nicht, dass ich nicht gern mit ihr telefonierte oder mich sonstwie unterhielte! Ich mag sie sehr gern, kenne sie nun seit fast vier Jahren und habe mich auf Anhieb mit ihr verstanden. Sie ist immer nett, freundlich und fröhlich. Und hat den Schalk im Nacken – man kann hervorragend mit ihr herumfrotzeln. Auf Englisch und auf Deutsch.

Letzten Endes redeten wir dann eineinhalb Stunden. Der kürzeste Part bestand in den fachlichen Aspekten. Aber wir redeten über dies und das, stellten fest, dass wir beide Anfang August Geburtstag haben, sie am Tag vor meinem. Und dann meinte sie irgendwann: „Ach, Ali, bin ich so froh, dass du wiederkommst! Dein Nachfolger ist supernett und alles, aber er ist manchmal ein bisschen unorganisiert. Du bist das ganz und gar nicht, bist du immer hervorragend organisiert.“ Ich hätte zu gerne mein Gesicht gesehen, als sie das sagte. Und ich fragte mich, wie chaotisch denn mein Nachfolger gewesen sei, wenn ich als hervorragend organisiert gelte. Ich komme mir immer relativ wurschtig vor, aber offenbar sehen andere Menschen das anders.

Ein sehr, sehr nettes Gespräch. Eun-Mi wurde nicht müde, mir zu sagen, wie sehr sie sich freue, mich wiederzusehen und dass ich wieder als Dozentin arbeiten würde – wir hätten uns doch im Rahmen mehrerer Veranstaltungen, darunter ein working dinner mit mehreren Fachkollegen, immer so gut verstanden. Das stimmte. Irgendwie waren immer sie und ich es gewesen, die – stets nebeneinander sitzend -, für Stimmung gesorgt hatten, und das so, dass ich mir schon Sorgen machte, man könne uns für zu wenig ernsthaft an der Sache interessiert einschätzen. Wir mussten uns wirklich immer bremsen, haben einen ähnlichen Humor und auch ansonsten ganz ähnliche Einstellungen. Und solche Fachbereichskonferenzen oder ein working dinner können manchmal erheblich zu theoretisch werden. 😉

Wir beschlossen, zu Semesterbeginn erst einmal essen zu gehen. Sehr schön. Und dann rief sie: „Endlich wieder im Schoß der Familie, Ali – du wurdest hier wirklich vermisst!“ Da ich so etwas nicht oft höre, hatte ich ein bisschen Pipi in den Augen. 😉 Noch dazu nach diesem stressigen Tag.

Aber wie heißt es so schön? Never give up – never surrender! Und so begebe ich mich nun beruhigt und mit Balsam auf meiner Seele zum Fernseher. Eigentlich könnte ich mal wieder Galaxy Quest gucken, aus dem das Zitat stammt. Wenn ich nur wüsste, wem ich meine DVD geliehen habe … Ihr seht: Ich bin wirklich hervorragend organisiert! 😉

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