Kaffee oder Tee?

Es gibt immer wieder so wunderbare Psychotests, die ich – ebenfalls immer wieder – sehr gern mache. Nicht etwa, weil ich mir daraus ein seriöses Portrait meiner Persönlichkeit erhoffe, aber sie sind meist sehr amüsant. Oft albern, aber manchmal auch wirklich lustig.

So habe ich bereits erfahren, dass ich – man höre und staune! – auch eine „dunkle Seite“ besitze. Wer hätte das gedacht? So etwas Ungewöhnliches – damit hatte ich ja nie gerechnet … 😉

Auch wurde ich schon über die Dinge aufgeklärt, die ich anderen zeige: meinen Sinn für Humor, meine Treue Freunden gegenüber und meine – so hieß es – engagierte Art. Klasse! 😉 Auf der anderen Seite die Dinge, die ich – so sagte es der Test – vor anderen verberge. Da nannte man meinen Schmerz, meine Fantasien und – total cool! – meine „wilde Natur“. 😉 Mich faszinierte meine „wilde Natur“ ganz besonders. Ein toller Test! 😉 Ebenso spannend: Ich sei zu 23% introvertiert und zu 77% extravertiert. Ich frage mich immer, nach welchem Algorithmus so etwas wohl berechnet werde, denn ich hätte die Prozentzahlen etwas anders eingeschätzt. Nun ja, wie ich schon sagte: Solche Tests eignen sich sehr gut zur Unterhaltung.

Etwas ärgerlich aber immer, wenn man sich in solchen Tests wie auch im wahren Leben nur zwischen zwei Positionen entscheiden kann. So etwas geht mir manchmal ein bisschen auf den Senkel, denn es gibt doch so viele Optionen.

Zumindest wird es einem auch oft von außen suggeriert, dass manche Dinge einander ausschlössen. Wer Kaffee mag, trinke Tee nur, wenn er krank sei und solche Sachen. Auf die Frage: „Kaffee oder Tee?“ habe ich schon öfter: „Beides!“ geantwortet und dafür irritierte Blicke geerntet, als hätte ich etwas völlig Psychopathisches von mir gegeben. Ich kann das nicht nachvollziehen. Es gibt Tage, da trinke ich gern Kaffee. An anderen bevorzuge ich Tee, schwarzen Tee, wohlgemerkt. Oder Jasmintee. Ja, es ist sogar möglich, an ein und demselben Tag beide Getränke zu sich zu nehmen! 😉

Hunde- oder Katzenliebhaber? Beides. Ich liebe beide Tierarten gleichermaßen, jede mit ihren ihr eigenen Wesenszügen. Ja, ich weiß, das mag mancher nicht verstehen, da beide Tierarten so völlig unterschiedlich sind – die einen Rudeltiere, die anderen Einzelgänger. Aber auch da wurde ich schon überrascht angeblickt, als hätte ich gesagt: „Kein Problem, ich esse beides.“ Vielleicht liegt meine gleichbemessene Liebe daran, dass beide Tierarten Wesenszüge meiner Persönlichkeit spiegeln? Ich kann nämlich beides: Country und Western! 😉 Ich bin gesellig, aber manchmal brauche ich Zeit für mich allein und bin eher eine Einzelkämpferin. Wie könnte ich mich da wohl so rigoros festlegen? Ist so etwas nicht auch von der Tagesform abhängig?

Vanille oder Schokolade? Hallo, wieso muss ich mich denn zwischen zwei solch schönen Dingen auf nur eines festlegen? Ich mag beide, und man kann sie auch hervorragend kombinieren. 😉 Okay, wenn man mir nun ein Eis spendieren würde, ich aber nur eine Kugel haben dürfte, hätte ich ein kleines Problem … Aber dafür gibt es doch den wunderbaren Kompromiss, der sich Stracciatella nennt! 😉

In einem bekannten Nachrichtenmagazin, das ich lange Zeit abonniert hatte, las ich mal einen Artikel zu Notfallmaßnahmen im Flugzeug. Dort wurde allen Ernstes erwähnt, bei einem Druckabfall im Flieger sollten Mütter mit zwei Kindern die Sauerstoffmaske erst dem ihrer Kinder aufsetzen, das sie mehr liebten. O! Mein! Gott! Zwar musste ich beim Lesen lachen, weil es irgendwie absurd, aber auch erfreulich realistisch wirkte. Eltern behaupten zwar fast immer, sie liebten jedes ihrer Kinder gleichermaßen, aber mal ehrlich: Wie wahrscheinlich ist eine so absolut getätigte Aussage? Ich fand daher die Aussage im Artikel erheblich realistischer, so erschreckend sie auch wirkte. Ich vermute jedoch, hätte ich zwei Kinder, mit denen ich im Flieger Opfer eines Druckabfalls würde, gäbe es hinterher drei erstickte Personen. Mit derlei Entscheidungen – so absolut – tue ich mich in der Tat ein bisschen schwer. Und man hat ja leider nur zwei Hände … Hier geht es ja nicht um Vanille oder Schokolade. Oder Stracciatella. (Nein, realistisch betrachtet, glaube ich, dass alle drei überleben würden – keine Sorge! 😉 )

Es ist nicht so, dass ich unentschlossen wäre – ganz und gar nicht. Ewiges Zaudern hasse ich auch wie die Pest. Mir will nur oft einfach nicht einleuchten, warum man immer nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben soll. Zumindest dann, wenn es noch andere Möglichkeiten gäbe. Also in Nicht-Notfällen.

Nur in einer Sache gibt es für mich keine Alternativen: in einer Beziehung. Aber auch das muss man wieder differenzieren. Wenn eine Beziehung unglücklich ist, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass man eher ein Auge auf Alternativen richtet, oft ganz automatisch. Das ist aber auch wieder ein Sonderfall und nicht der „normale“ Zustand. Da interessieren Alternativen gar nicht. 😉

Bin ich nun vielleicht doch unentschieden, wenn ich – in den schnöden Dingen des Alltags – nicht gerne eingeschränkt entscheiden möchte? Oder bin ich facettenreich? (Ehrlich gestanden: Letzteres zöge ich vor … 😉 )

Nun, wie es auch sei: Das Leben ist zu kurz, um nur die Wahl: „Entweder Vanille oder Schokolade“, „Hund oder Katze“ zu haben – so sehe ich das.

Und in Wirklichkeit esse ich übrigens am liebsten Fruchteis. So! 😉

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