Gut, dass mal jemand durchgreift! Oder: Es ist nur zu eurem Besten …

Leute, die mich schon ein bisschen kennen, wissen, dass ich zu den Menschen gehöre, die ziemlich allergisch auf Gängeleien, Bevormundung und verwandte Themen reagiere. Da kann ich ziemlich ungemütlich werden – und das wünscht sich wahrlich kein Mensch, der auch nur ansatzweise bei Verstand ist. 😉

Gerade in den letzten Jahren müssen Menschen meiner Einstellung ziemlich leiden, denn überall wird reglementiert, verboten, eingeschränkt. Nicht selten ohne Sinn und Verstand und in Schüben dessen, was man wohl blinden Aktionismus nennt. Unvergessen das Gebot, nur in diese hochkomplexe Technik eingewiesene Menschen dürften einen Paternoster benutzen! Ich lache noch immer darüber. Klar – Unfälle hat es schon gegeben, aber doch eher relativ selten. Ein Hinweis darauf, wie solch ein altmodischer, aber charmanter Personenaufzug – auch „Beamtenbagger“ genannt – funktioniert, sollte doch ausreichen. Oder nicht? Aber hier wurde ein Brimborium sondergleichen gestartet – allenthalben wurden Paternoster temporär stillgelegt und dürfen seit ihrer Neuinbetriebnahme auch nur von gründlich eingewiesenen Personen genutzt werden. Da passiert es in ruhigen Minuten schon einmal, dass man sich fragt, ob Paternoster, die man heutzutage mit der Lupe suchen muss, nun wirklich ein derart vordringliches Problem seien.

Einer meiner all-time favourites hinsichtlich solcher Aktionismen ist auch der sogenannte „Veggie day“ in Kantinen und Mensen, kurz: allen Großküchen. Wenn er auf freiwilliger Basis geschieht – prima. Nur: Einige Politiker wollten generell als Standard einführen und Großküchen quasi dazu verdonnern, an einem bestimmten Tag in der Woche ausschließlich vegetarische und/oder vegane Gerichte anzubieten. Hat sich in dieser Form nicht so ganz durchgesetzt … Warum nur?

Ich habe rein gar nichts dagegen, vegetarisch zu essen – ich esse selber vergleichsweise wenig Fleisch und sehr gern vegetarische Gerichte. Von daher: kein Problem. Aber wer will sich denn oktroyieren lassen, dass er an einem bestimmten Tag in der Woche gefälligst fleischlos in der Kantine zu essen habe? Die meisten Leute, die ich kenne, lehnen das ab. Und das, obwohl sie selber durchaus gern vegetarisch essen. Nur hat das eine mit dem anderen nix zu tun. Hier geht es mehr ums Prinzip. Zugegeben, ich mag auch ewige Prinzipienreiter nicht, die sogar bei Bagatellen immer mahnend den Zeigefinger heben, aber es gibt Dinge, die gehen gar nicht. Und dazu gehört – zumindest für mich – eine derartige Bevormundung. Als gäbe es nicht hinreichend andere, wirklich vordringliche Dinge, mit denen sich Politiker mal sinnvoll beschäftigen könnten. (Sorry für die Pauschalisierung.)

Rauchen ist ungesund. Weiß jedes Kind. Auch Raucher. Aber musste es denn unbedingt sein, dass nunmehr der Gastronomie vorgeschrieben wurde, dass sie rauchfrei zu sein habe? Nix gegen rauchfreie Gastronomie – ich finde auch unangenehm, wenn ich im Restaurant sitze und esse, und am Nebentisch raucht ein anderer Gast eine nach der anderen. Aber in der Kneipe? Sollte man da nicht die Möglichkeit geben, die Wirte entscheiden zu lassen, ob sie eine Raucher- oder eine Nichtraucherkneipe haben wollen? Heutzutage wäre es sicherlich nicht so, dass sich dann alle Wirte dafür entschieden, ein Raucherlokal zu führen. Warum also diese Gängelei, die darüber hinaus auch noch scheinheilig ist im Hinblick auf die Tabaksteuer. Nun ja.

Kaum durfte drinnen nicht mehr geraucht werden, gab es schon die nächsten Aufschreie der Empörung. Denn nun standen die Raucher draußen und – pfui Teufel! – rauchten nicht nur, sondern hatten auch noch die Stirn, sich dabei zu unterhalten! 😉 Geht ja gar nicht. Und schon wurden Stimmen laut, die forderten, das Rauchen auch draußen zu verbieten. Zum Glück ist es noch nicht so weit. Aber immer wieder schön, wenn man als Raucher irgendwo draußen steht und raucht. Nicht immer, aber durchaus in schöner Regelmäßigkeit muss man sich Kommentare anhören, oder es wird demonstrativ gehustet, gefolgt von einem herabsetzenden Kommentar. Das allerdings – zugegeben – nur von echten Hardcore-Nichtrauchern. 😉 Denen, die sich auch beim Anblick einer E-Zigarette gleich empören. 😉 Nicht falsch verstehen: Rücksicht muss immer genommen werden, und so rauche ich draußen stets in sehr großem Abstand zu Nichtrauchern. Ja, ich beachte sogar die Windrichtung – ohne Witz. Denn ich möchte niemanden damit belästigen, wenn es sich vermeiden lässt. Es ist mein Laster, nicht das anderer Menschen.

Meine Schwester meinte einmal zum Thema, bei dem wir ganz unterschiedlicher Meinung sind, Folgendes: „Es ist doch nur zu eurem Besten! Man muss euch Raucher vor euch selber schützen!“ Mir fiel fast der Kitt aus der Sonnenbrille. Wie bitte? Zugegeben: Rauchen ist sicherlich alles andere als klug, aber dass es schon so weit gediehen sein soll, Raucher als komplett unzurechnungsfähige Idioten und Gefahr für sich selbst und die Allgemeinheit anzusehen, hatte ich zumindest von meiner Schwester nicht erwartet. Als sie noch sagte, dass man Tabakprodukte generell abschaffen müsse, warf ich kurz das Stichwort Steuer in den Raum. Und dass ich mich ein wenig über sie wunderte. Es gäbe doch auch noch so etwas wie die goldene Mitte. Der Rest des Abends verlief dann eher schweigend. 😉

Inzwischen ist es aber noch besser geworden: Seit Mai ist es jedes Mal ganz spannend, welches Bild sich auf der Packung wohl befinden mag, die man aus dem Automaten zugeteilt oder an der Tankstelle ausgehändigt bekommt. Denn die Gänge- und Heuchelei nimmt seitdem noch ganz andere Formen an – Schockbilder auf den Verpackungen jeglicher Tabakprodukte. Zugegeben – bei einigen graut es einem wirklich. Mein negativer Favorit ist sicherlich das Foto mit dem Loch im Hals eines Patienten, der offensichtlich Kehlkopfkrebs hat. Der Zustand nach der sogenannten Laryngektomie, dem Entfernen des Kehlkopfes. Auf Platz zwei rangiert die Dame, die Blut spuckt. Überschrift: „Rauchen schädigt Ihre Lunge“. Gut, zwar photogeshoppt, sieht aber trotzdem eklig aus. Platz drei: dieser schwarze, nekrotisierende Fuß …

Albern jedoch das Foto, auf dem ein Kleinkind einen Schnuller im Mund hat, in dessen Mitte eine Zigarette steckt, und dies mit dem dezenten Hinweis, dass ein bestimmter Prozentsatz Kinder von Rauchern ebenfalls zu Rauchern werde. Der Hinweis ist zwar nicht verkehrt, wohl aber das Foto wirklich ein bisschen albern.

Ich habe an einigen Personen, ebenfalls meiner Wenigkeit, festgestellt, dass sie viel mehr rauchen, wenn sie eine Packung mit einem wirklich schrecklichen Bild aktuell in Gebrauch haben. Das ist völlig paradox, ich gebe es zu, und es ist auch nicht klug. Eher das Gegenteil. Aber ich vermute, hier spiele das Unterbewusstsein eine gewisse Rolle. Ich glaube nicht, dass diese Bilder viel Nutzen mit sich bringen, aber mal wieder eine hübsche Methode der Bevormundung. Und scheinheilig hoch drei.

Bis dato vermisse ich jedoch derartige Bilder auf Bier- und Weinflaschen, wie auch Spirituosen. Ist das etwa etwas anderes? 😉

Ich für meinen Teil erwäge den Kauf eines Zigarettenetuis. Und bin gespannt, was den sich für uns alle zuständig Fühlenden als Nächstes einfallen wird. Zucker ist ja schon seit längerem im Gespräch … 😉

Nehmt Rücksicht, aber bleibt euch immer selber treu! Auch wenn es sicherlich klüger wäre, das Rauchen aufzugeben. 😉

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