Heute ist zwar Freitag, aber nicht der Dreizehnte! Obwohl man es annehmen könnte …

Heute war nicht mein Tag. Eindeutig. Und gemäß dieser Erkenntnis hätte ich heute besser zu Hause bleiben sollen.

Aber ich hatte anderes vor. Morgens stand ich früh auf, und ich sah im Frühstücksfernsehen, dass man irgendwo in NRW einem Dackelmischling, einem freundlichen, kleinen Gesellen, der in der ganzen Nachbarschaft beliebt und als menschen- und kinderfreundlich bekannt war, fast den Schädel eingeschlagen hatte. Irgendein Arschloch – sorry! – hatte das getan. Mochte wohl Hunde nicht. Kaum zu entschuldigen. Zum Glück rechtzeitig erkannt, konnte der liebe Wicht, der auch danach noch freundlich war, obwohl er einen Plastiktrichter tragen muss, durch eine Not-OP gerettet werden.

Das war heute früh gegen 06:30 h. Vermutlich wäre besser gewesen, hätte ich mich einfach wieder ins Bett gelegt.

Aber so geht es ja nicht – man kann doch nicht so faul sein! Auch nicht im Urlaub. Und so putzte ich mit mehr oder minder viel Elan Fenster. Zumindest die im Schlafzimmer und das der Balkontür. Den Rest hob ich mir für später auf. Erst wollte ich dann doch noch Staub wischen, staubsaugen, ein Bad nehmen und dann einkaufen gehen.

Einige Telefonate kamen dazwischen, und ich bin dann erst gegen 16 Uhr einkaufen gegangen. Da Autofahren viel schädlicher ist, als manch einer sich das vorstellen kann und ich seit meinem Status als Autobesitzerin ein paar Gramm – nicht einmal viele, mich aber störend – zugenommen habe, hatte ich geplant, einen längeren Fußmarsch zu machen. Da ich mich immer um pragmatisches Handeln bemühe, wollte ich das Ganze mit dem Einkaufen verbinden, und so stiefelte ich gegen 16 Uhr mit meinem Rucksack los.

In meiner näheren Wohnumgebung befinden sich einmal REWE, einmal Penny, einmal Aldi und zwei Netto-Märkte. Aber dahin wollte ich nicht. Ich wollte zu Lidl. Und da gibt es doch auch eine Niederlassung in nächster Nähe … So kam es mir zumindest vor.

Rückblickend scheint auch hier einmal mehr schädlich, seit einiger Zeit mit dem Auto zu fahren, denn man tendiert mit dem Auto dazu, Entfernungen zu unterschätzen. Das zumindest stellte ich fest, als ich dann endlich in B. angekommen war – mit hängender Zunge. An der dortigen Lidl-Niederlassung. Es war ein wirklich verdammt weiter Weg gewesen. Erst hatte ich nach schon diversen Kilometern mit Umwegen die Emscher überquert, was ich schon vor der Brücke am Geruch wahrnahm – echte Ruhris erkennen die Emscher schon von weitem, und Zugereiste fragen sich, was da, zum Henker, so stinke! 😉 So schweflig. Echte Ruhris wissen: „Alles klar – hier fließt die Emscher!“ Jener vergewaltigt-begradigte Fluss, der früher mal zu Recht als Kloake galt und seit vielen Jahren ein betoniertes Flussbett hat, weswegen ich als Kind dachte, es handle sich um einen Kanal. 😉 Andererseits kenne ich keinen Kanal, der derartig stinkt und über anthrazitfarbenes Wasser verfügt … 😉

Kurz nach der Emscher der Rhein-Herne-Kanal. Sieht zwar auch nicht gesundheitsfördernd aus, stinkt aber zumindest nicht. Und ich latschte weiter, vorbei an der ZOOM-Erlebniswelt, bis ich bei Lidl angekommen war. Dort staunte ich erst einmal über meine extrem minderentwickelte räumliche Vorstellung. 😉 Und dann kaufte ich ein.

Es war heute recht schwül, und Regen schien ins Haus zu stehen. Und so latschte ich zurück bis zur Straßenbahn-Haltestelle „ZOOM Erlebniswelt“, früher „Zoo“, wo mir die nächste Bahn direkt vor der Nase wegfuhr. Fluchend lud ich meinen wirklich schweren Rucksack erst einmal auf der Bank neben mir ab. Dann wurde mir etwas flau – das schwüle Wetter und der verdammte Kreislauf …

Ich kam dann wieder zu mir, als jemand mir – wenn auch vorsichtig – rechts und links ins Gesicht schlug. „Aua!“ schrie ich. „Was soll das denn?“

„Ach, was für ein Glück! Da sind Sie ja wieder!“ meinte eine Stimme. Ich konzentrierte mich heftig und blickte hoch. Ein Mann stand vor mir und wirkte etwas hilflos. Ich sagte: „Hi!“ Etwas Besseres fiel mir gerade nicht ein. Er fragte: „Wie geht es Ihnen?“ – „Naja, geht so. Warum?“ – „Nun ja, Sie haben sich hier gerade hingesetzt, und dann sind Sie wohl ohnmächtig geworden. Ist alles okay? Soll ich Sie ins Krankenhaus bringen? Oder einen Arzt rufen?“

Ach, du Schande! Ich „liebe“ solche Auftritte! Ist nicht das erste Mal – mein Kreislauf bzw. Blutdruck streikt bisweilen, besonders gern bei schwülem Wetter, weswegen ich den Sommer auch gar nicht soo gern mag. Letztes Jahr bin ich mitten im Sommer in einem SEV-Bus umgekippt – in einem Schienenersatzverkehr-Bus, der die ausfallende Straßenbahn ersetzte. Der Bus war leider nicht klimatisiert, und der Fahrer weigerte sich, die Dachluken zu öffnen. Das führte dann dazu, dass einige Insassen Probleme bekamen und ich umkippte. Große Aufregung offenbar, aber ich kam zum Glück – wie immer – schnell wieder zu mir. Danach waren die Dachluken dann offen …

Ich berappele mich meist schnell wieder, und so meinte ich heute zu dem Mann: „Haben Sie ganz herzlichen Dank, dass Sie geholfen haben. Ist ja heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich. Ich habe bei solchem Wetter bisweilen ein kleines Kreislaufproblem, doch es geht wieder. Aber vielen Dank, dass Sie da waren.“ – „Sind Sie sicher, dass Sie nicht zum Arzt wollen?“ – „Ganz sicher. Ich muss demnächst ohnehin zum Check. Mir geht es wieder gut, aber danke, dass Sie so schnell da waren.“ – „Das ist doch selbstverständlich.“ – „Das sagen Sie!“ In der Bahn hatte er noch ein sehr genaues Auge auf mich, was ich wohl sah und nett fand, aber die Bahn ist voll- und oft überklimatisiert. Keine Chance, dass ich erneut umkippte. 😉

Nur die beiden Hunde in der Bahn, die einander nicht leiden konnten, wären wirklich verzichtbar gewesen, zumal zumindest die Halterin des kleineren Hundes wohl nicht recht wusste, was sie tat, denn als ich aussteigen wollte, stürzte ihr Hund nach vorn und packte mich an der Ferse, wobei er meine Hose beschädigte. Zum Glück war die Halterin einsichtig und auch im Besitz einer gültigen Haftpflichtversicherung … Der Tag wurde immer besser.

Bevor ich nach Hause ging, wollte ich noch Zigaretten an der Aral-Tankstelle kaufen. Ich weiß: gar nicht gut für den Kreislauf, generell nicht gut für die Gesundheit, manchmal aber fürs Gemüt. Und so schritt ich kreislaufstabil gen Verkaufsstelle.

Es kann eigentlich gar nicht so schwierig sein, zwei Packungen Luckies zu kaufen, noch dazu, wenn man die Erste vor Ort … Aber hoppla! Was war das denn?

„Weg da! Ich war zuerst da!“ kreischte man mich von der Seite an, als ich – ich war ungelogen die Erste im Verkaufsraum! – gerade meine Bestellung aufgeben wollte. Die Verkäuferin blickte irritiert drein, ich nach rechts, wo ich in zwei hysterisch wirkende graue Augen blickte. Ein Mann war von rechts herangestürzt, hatte beinahe ein Regal umgeworfen. Nun ja, manche Männer müssen immer die Ersten sein, und das im wahrsten Sinne. 😉 Normalerweise hätte ich mich auf eine Diskussion eingelassen, noch dazu, wenn jemand derart unverschämt ist und sich vordrängeln will. Aber mir gefiel der Blick nicht, den der Mann draufhatte. Der verstand sicher keinen Spaß. Also galt: Finger weg und Maul halten!

Und so meinte ich galant und strahlend: „Aber bitte! Ganz sicher waren Sie als Erster da.“ Die Verkäuferin, eine noch sehr junge Frau, sah mich besorgt an, ich grinste, hob die Schultern und kniff ihr ein Auge zu. He – was sollte heute noch alles passieren! Immerhin war ich an der Straßenbahnhaltestelle schon ohnmächtig geworden. Ich würde mein Schicksal gewiss nicht herausfordern. Und der Mann schien es ja eilig zu haben.

Etwa 20 Minuten später konnte ich dann meine Bestellung aufgeben. Bis dahin hatte „Mr I’m-in-a-hurry!“ mit der armen Kassiererin diskutiert, welches Waschprogramm in der Waschstraße wohl das beste für sein Auto sei! Und egal, was die junge Frau sagte, reagierte der Mann aufgeregt-aggressiv mit den Worten: „Das sagen Sie! Aber ist das auch wirklich das beste Waschprogramm? Mein Auto ist neu und soll nicht irgendwie so 08/15-mäßig gewaschen werden!“ Mir schwante ganz Böses, würde nicht alles zu des Kunden Willen ablaufen, aber ich riss mich zusammen und nickte der Kassiererin immer nur aufmunternd zu. Eine Form der Deeskalation. So bildete ich mir zumindest ein.

Endlich war der Mann überzeugt, bezahlte, bekam – „Extra für Sie!“ – noch ein Tuch zum Nachpolieren seines KFZ-Kunstwerks dazu, und nachdem er noch einen Vortrag gehalten hatte, dass man Autos – wie die gesamte Schöpfung – achten müsse, verließ er den Verkaufsraum, setzte sich in sein Auto und fuhr es zur Waschanlage.

Die junge Kassiererin starrte mich entgeistert an und meinte: „O Gott – was war das denn?“ – „Der untere Teil der Gauß’schen Normalverteilung. Hier in Bezug auf mentale Zustände gesehen.“ Die junge Dame kannte die Gauß’sche Glockenkurve, und sie lachte heftig und meinte: „Danke dafür! Der hat mir echt Angst gemacht!“ – „Ich fand’s klasse, wie Sie ihm versichert haben, das zur normalen Autowäsche und im Preis inbegriffene Tuch sei eine Ausnahme und extra für ihn. Da hat er zu lächeln angefangen.“ Und wir lachten beide erleichtert. Der Typ war nämlich ganz in echt beängstigend gewesen.

Als ich dann von der Tankstelle nach Hause ging, sah ich ihn vor der Waschstraße, wie er etwas aus seinem Kofferraum holte, sich dann hinter sein zu achtendes Auto setzte und etwas tat, das aussah, als meditierte er. Er ließ sich auch gar nicht von dem Fahrer des Autos hinter ihm irritieren, der sicherlich nur „mal eben schnell das Auto waschen“ wollte … Großer Gott – lieber schnell weg! 😉 Sollte ich morgen etwas von einer Geiselnahme an einer Aral-Tankstelle in meinem Stadtteil lesen, würde es mich gar nicht wundern …

Zurück nach Hause hinter einer Frau hergegangen, die Selbstgespräche führte und mich jedes Mal, wenn ich sie überholen wollte, quasi ausbremste. Allmählich frage ich mich, ob es einfach nur am Tag lag oder ich einfach in einer Gegend lebe, in der der Wahnsinn grassiert …

Ich kann nur eines sagen: Als ich zu Hause ankam, warf ich einen Blick auf den vor dem Haus geparkten kleinen Monty und sandte ihm eine Nachricht: „Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich habe derzeit Urlaub, und daher fahre ich dich seltener. Aber ich achte dich sehr!“

Und als ich in meiner Wohnung in der „Belétage“, ergo im ersten Stock, angekommen war, habe ich ganz schnell die Tür hinter mir zugemacht. Und heute ausnahmsweise abgeschlossen. Das schwülwarme Wetter scheint wahrlich nicht allen zu bekommen. Und man kann wohl von Glück sagen, wenn es „nur“ den Kreislauf betrifft … 😉

Manchmal mag man kaum glauben, welch merkwürdige Dinge einem passieren können. Und das an nur einem Tag.

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