Es wird gespart – koste es, was es wolle!

Seit ich stolze Halterin eines Autos bin – drei Monate lang des kleinen Scotty, seit Juli des noch etwas kleineren Monty –, habe ich festgestellt, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. (Eigentlich war mir dieses Modell durchaus schon früher bekannt, nun umso mehr.) Und so kommt es, dass ich zwar ab Montag Urlaub habe – himmlischer Zustand! -, dieses Jahr aber nicht wegfahre. Ich kann jedoch nicht einmal sagen, dass ich den Urlaub „auf Balkonien“ verbringen werde, denn obwohl wir ja die Hundstage haben, würde ich auf dem Balkon wohl frieren wie ein Mexikanischer Nackthund die meiste Zeit, zumindest in kälteren Gefilden.

Bis dato musste ich mir keine großen Gedanken machen, ob ich vielleicht mal wieder ein Paar neuer Schuhe oder ein neues Oberteil nebst Hose kaufen solle oder nicht. Inzwischen muss ich meinen Monatslohn anders einteilen, denn wenn Monty auch ein sparsamer, kleiner Geselle ist, muss er doch regelmäßig betankt werden, seine Versicherung ist auch nicht gratis, und statt mir neue Schuhe zu kaufen, braucht er demnächst Winterreifen. Geht eindeutig vor – und ich habe ja schon genug Schuhe. Bin ja zum Glück keine Schuhfetischistin.

Letzten Monat habe ich mir überlegt, wie ich denn sinnvoll sparen könne. Seitdem habe ich kein einziges Zeitschriften-Abo mehr. 😉 Alle gekündigt, wobei eine Fachzeitschrift sich etwas sperrig anstellte und mir weismachen wollte, die zum Magazin stets zugehörige CD sei seit jeher separat abgerechnet worden, was nicht stimmte. Denn nachdem ich Magazin und ein weiteres Medium gekündigt hatte, flatterte mir eine Rechnung über 150,- € ins Haus bzw. in die Mailbox. Der Preis für ein weiteres halbes Jahr. Nicht mit mir! Ich schrieb mit knirschenden Zähnen eine zuckersüße Mail, gab mich völlig ahnungslos, als könne ich nicht bis drei zählen, und gab an, ich hätte doch aber alles gekündigt – warum denn nun noch diese hohe Rechnung? Das würde ich ja gar nicht verstehen! Man schrieb zurück, aber das sei doch immer schon so gewesen … Ich staunte. Eigentlich nicht. Da wollten die mir fürs zum Magazin zugehörige Audio-Medium doch glatt noch mal Geld aus den Rippen leiern! Frechheit! Ich schrieb noch süßer und ganz „verzweifelt“ zurück, das sei aber ganz furchtbar und würde mich in eine ebenso furchtbare Bredouille bringen. Resultat: Man nahm die Rechnung zurück, und ich bedankte mich überschwenglich, hatte aber, ich konnte es mir nicht verkneifen, noch den Hinweis, dass das Verfahren ein wenig „intransparent“ sei. Seitdem habe ich nichts mehr von dem Verlag gehört. Aber gut so: Ich hatte erreicht, was ich erreichen wollte.

In einem bekannten Drogeriemarkt, dessen Name aus zwei Buchstaben besteht, war ich auch schon ziemlich lange nicht mehr. Ebensowenig bei der Konkurrenz, denn Drogeriemärkte gehören zu den Geschäften, die zumindest ich nicht besuchen sollte, wenn ich sparen möchte.

Kaum betreten, fällt mir bereits eine absolute Neuheit auf dem Haarpflegeprodukt-Markt ins Auge, und wider jede Vernunft – nein, auch mit diesem vermeintlichen Wundermittel wird aus feinen, glatten Haaren kein Pferdehaar – landet sie nach kurzem Ringen gegen mich selbst in meinem Einkaufswagen. Duschgel! Auch ganz gruselig, eine echte Einkaufsfalle. Zumindest bei mir. Immerhin kann ich sagen, dass ich alle Duschgele auch benutze und aufbrauche. Wegschmeißen gilt nicht. Vielleicht besser erst gar nicht kaufen … 😉

Ganz schlimm die Kosmetikabteilung und hier die Sektion „Nagellacke“. Ich habe neulich versucht, sämtliche Nagellacke zu zählen, die ich besitze. Ich hatte nach Fläschchen No. 10 keine Lust mehr. Eine depressive Verstimmung hatte mich überfallen, das Gefühl, total bescheuert und eine grässliche Verschwenderin zu sein, denn: Möchtet ihr wissen, wie oft ich mit lackierten Nägeln das Haus verlasse? Fragt lieber nicht. Ich bin im Grunde viel zu ungeduldig für Nagellack … Aber ich denke jedes Mal, wenn ein neuer, gaaanz toller Lack in meinem Einkaufswagen landet: „Ab jetzt wird alles anders. Künftig wirst du nie wieder mit unlackierten Nägeln herumlaufen, jetzt, da du diesen supercalifragilisticexpialigetischen Lack entdeckt hast!“ (Tolles Wort, ne? Stammt aus Mary Poppins, falls jemand es nicht gewusst haben sollte. 😉 ) Und ich bin nicht nur zu ungeduldig, sondern habe absolut keine Lust darauf, jeden Tag mit Nagellackentferner und danach erneut mit Nagellack hantieren zu müssen – das Zeug hält ja durchaus nicht immer so lange, wie es vorgibt. (Bis auf das furchtbare Zeug mit Glitzerpartikeln – da braucht man hinterher annähernd eine Schleifmaschine, um das Zeug wieder von den Nägeln abzubekommen.)

Ich bin schon immer ganz froh, wenn sich im Kosmetikbereich zahlreiche Frauen vor den Regalen drängen und den Weg versperren. Wer hat schon Lust, sich seinen Weg zum vermeintlichen Glück mit Gewalt bahnen zu müssen? 😉

Blöd ist nur, dass ich regelmäßig Kochsalz- und Aufbewahrungslösung für meine Kontaktlinsen kaufen muss. Oder zumindest die Kombilösung. Bis ich am Regal fürs Kontaktlinsenzubehör angelangt bin, habe ich schon mehrere neuralgische Punkte passieren müssen, was sich bisweilen am Inhalt meines Einkaufswagens widerspiegelt …

Kürzlich aber war ich sehr stolz auf mich: Ich hatte es geschafft, den Drogeriemarkt zu betreten und – bis auf drei kleine Probefläschchen dreier neuer Sorten meines Lieblings-Duschgel-Herstellers – wirklich nur das in den Wagen zu packen, was ich auch wirklich brauchte. Wahnsinn! Es war der kürzeste – und der langweiligste – Besuch des Drogeriemarktes seit Anbeginn der Geschichtsschreibung. Aber ich fühlte mich so unbeschreiblich vernünftig. Unbezahlbar! 😉

Eine weitere Gattung Geschäft, um die ich künftig einen Bogen mache, sind – man höre und staune! – Schreibwarenläden. Da bin ich auch schon öfter verloren gewesen. Komische Gattung, nicht wahr? Und ich weiß auch nicht, was mich da immer so betört. Ist es der Geruch von Papier? Die Auswahl an Stiften? Ich tippe auf den Duft des Papiers – der hat mich schon als Kleinkind fasziniert, wann immer ich „Papier Pager“ betrat, einen Schreibwarenladen schräg gegenüber der damaligen Wohnung meiner Oma Margareta in Bamberg. Es roch dort immer so gut, und hätte ich als Kleinkind Geld gehabt, hätte ich es sicherlich bei Pager auf den Kopp gehauen. 😉 Der Geruch erinnert mich noch heute an meine Kindheit – sehr angenehm. Ich vermute, Pager ist schuld, dass ich danach in Schreibwarenläden stets in Gefahr schwebte, viel zu viele Sachen – Briefpapier und so fort – zu kaufen. 😉

Ja, und dann ist da noch dieser Kaffeeröster mit den sechs Buchstaben … Um dessen Niederlassungen mache ich auch seit neuestem einen großen Bogen. Nicht, dass ich dort Kaffee kaufen würde! Nein! Den kaufe ich doch lieber im Supermarkt. Aber das Vertrackte an diesem Kaffeeröster ist, dass er stets so viele andere, ganz tolle Dinge anpreist. Eine gewisse Anzahl davon befindet sich in meinem Besitz … Aber seit einiger Zeit meide ich diese Geschäfte und gehe nur noch brav in den Supermarkt oder zum Discounter.

Aber die fallen mir ja auch in den Rücken! Drei der Märkte, die ich regelmäßig aufsuche, haben eine Abteilung des genannten Kaffeerösters mitsamt dem Nicht-Kaffee-Angebot! Eine Frechheit! 😉 Doch inzwischen – ich bin stolz auf mich! – gehe ich blicklos (naja, fast blicklos …) an diesem Bereich vorbei. Völlig egal, was dort angeboten wird. Ich staune über mich selber. 😉

Käufe im Internet sind – fast – tabu für mich. Toll! 🙂

Aber ich sehe es halt so: „Es wird gespart – koste es, was es wolle!“ Und so fahre ich dann im nächsten Jahr wieder in den Urlaub. Vielleicht. Möglicherweise. Ich hoffe es zumindest. 😉

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