Schon wieder ein Jahr um – oder: Manchmal können Träume echt erhellend sein!

Die Menschen, die mich wirklich kennen – und das sind beileibe nicht viele – wissen, dass es zwei fixe Tage im Jahr gibt, an die ich mit großen Schwierigkeiten herantrete. Da ist zum einen Silvester zu nennen. Zum anderen das, was morgen wieder dran ist: mein Geburtstag.

Speziell bei Letztgenanntem bin ich schon Tage zuvor nicht ganz ich selbst. Warum? Ich habe keine Ahnung. Bis zu meinem Fünfundzwanzigsten (inklusive) war alles easy. Aber seitdem habe ich eine echte Geburtstagsaversion entwickelt. Nein, an meinem Fünfundzwanzigsten ist nichts Schlimmes passiert – ich habe selber keine Ahnung, woher das Phänomen rührt.

Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Letztes Jahr fand ich mich schon schlimm. Ich wollte meinen Geburtstag, an dem ich arbeiten musste, mit den Kollegen feiern. Zusammen mit Janine, die nur einen Monat vor mir Geburtstag hat. Haben wir auch gemacht, aber das Zuvor war grauenhaft, denn irgendetwas muss mit mir durchgegangen sein, da ich plötzlich eigentlich gar nicht mehr feiern wollte. Und geschenkt schon gleich gar nichts! Gut, ich hatte letztes Jahr auch eine etwas schwierige Phase, da ich zur gleichen Zeit meinen geliebten Nebenjob, der emotionale Haupttätigkeit gewesen war, aufgeben musste.

Als mir dann auch noch ein Kollege absagte, den ich sehr mochte, war ich drauf und dran, den ganzen Murks wieder abzusagen. Ich war so zickig, wie ich mich selber noch nie erlebt hatte. Ich bin normalerweise nicht zickig – höchstens in Notfällen -, und so schon gar nicht. Es war grauenhaft.

Heute war es bei der Arbeit nicht besser. Als mein Chef mich angesichts meines morgigen Urlaubstages fragte: „Was machen Sie denn morgen Schönes, Frau B.?“, obwohl ihn das erfahrungsgemäß nicht für fünf Cent interessiert, er hier aber – realiter nichtvorhandenes – Interesse signalisieren wollte, schnappte ich: „Ich gehe zum Friseur! Das ist überfällig!“ Mein Chef zuckte zusammen, und inzwischen habe ich bisweilen den Verdacht, dass er etwas Angst vor mir habe. Gut so. Vor Janine scheint er sich auch zu fürchten – die ist bisweilen ebenso schnippisch wie ich manchmal. Noch besser. 😉

Nach Feierabend fuhr ich nach Hause, fand einen Parkplatz vor dem Haus, und da ich etwas müde war, legte ich mich auf die Couch und schlief ein.

Als ich wach wurde, war alles anders. Ich erwachte im Haus meiner Eltern, in meinem dortigen Zimmer. Dem, das ich lange verlassen zu haben wähnte. Ich hatte lange Haare, fusselig, so wie damals, als ich mir von niemandem sagen ließ, dass mir kürzere Haare besser stehen würden. Was hatte ich da überhaupt an? Das sah so verdammt nach den 80ern, 90ern aus! Und wieso rief meine Mutter von unten: „Ali! Komm runter! Rainer ist da!“? Welcher Rainer?

Kennt ihr die Situation in Träumen, da ihr irgendwie wisst, dass das, was ihr da gerade erlebt, ein Traum ist? Zumindest dringt bisweilen eure jeweilige Realität durch. So auch hier, denn ich dachte: „Rainer? Das muss ein Traum sein!“ Und kurz darauf dachte ich: „Bitte lass es einen Traum sein! Wir sind hier doch nicht in einer blöden 80er-, 90er-Bodyswitch-Komödie!“ Aber es war alles so real.

Ich war wieder 17. Und es war nicht schön. Meine Mutter rief noch immer aus dem Erdgeschoss, dass Rainer da sei, und ich dachte: „Scheiße!“ (Man muss dazusagen, dass Rainer, mein erster Freund, ein recht selbstbewusster Mensch ist, der mir damals immer erklärte, aufgrund seiner exorbitant größeren Lebenserfahrung wisse er grundsätzlich besser, wie die Dinge lägen als ich mit meinen 17 Jahren. Rainer ist – und das auch in der Realität – sechs Jahre älter als ich. Kann alles besser, weiß alles besser, und seit ich ihn kenne, weiß ich – auch wenn es Aberglaube ist – dass, sternzeichenmäßig, Löwe und Löwe ganz und gar nicht zusammenpassen. 😉 Stress hoch drei. Beide wollen selbst bestimmen, einer will das Kommando, der andere nicht kommandiert werden, sondern mehr auf Augenhöhe … Letzterer ich. Alles schon durchgemacht und erfreulicherweise ad acta gelegt, wie ich glaubte. Doch offenbar holt es einen ein …)

Am liebsten hätte ich mich wieder hingelegt und einfach weitergeschlafen. Aber da ging die Tür auf, und Rainer stand im Türrahmen. „Ali! Was soll das? Wir wollten doch aufs Stadtfest! Also mach dich fertig!“ Zürnend stand er in der Tür, jegliche Diskussion im Keim erstickend, die ich vom Zaun brechen wollte, da ich erschreckenderweise gar keine Lust hatte, mit ihm zum Stadtfest zu gehen. „Stadtfest“ – war das nicht ohnehin irgendwie verdammt spießig?

Als ich gerade so hübsch argumentierte, fiel mir auf, dass Rainer mich ganz entsetzt anstarrte. Dann rief er: „Was ist denn mit deinen Haaren los?“ – „Wie? Was soll damit los sein?“ – „Ja, ich bin doch mit einer Blondine zusammen! Deine Haare sind rot!“ – „Ja, klar! Hatte ich doch erzählt! Ich habe sie gefärbt!“ – „Hatte ich das nicht untersagt?“ – „Du hast mir gar nichts zu untersagen!“ – „Ali! Ich hatte das verboten!“ – „Und zu verbieten schon erst recht nicht! Spinnst du?“ – „Ich habe erheblich mehr Lebenserfahrung als du – und es ist sträflich, wenn eine Blondine ihre Haare rot färbt!“ – „Wieso das denn?“ – „Weil ich das sage! Kann man das auswaschen?“ – „Nein. Zum Glück nicht.“

Von unten rief erneut meine Mutter: „Ihr solltet euch allmählich auf den Weg machen, sonst verpasst ihr das Feuerwerk!“ Die Ahnungslose. Feuerwerk hatten wir doch schon hier, und das wegen erröteter Haare. Meiner Haare, wohlgemerkt. Offenbar aber war mir bis dato entgangen, dass die gar nicht mir gehörten, sondern der Verantwortung eines anderen Menschen unterlagen. 😉

Um des lieben Friedens willen brezelte ich mich mitsamt meinen roten Haaren auf, und ab ging es zum Stadtfest. Aber auch das keine Freude, da in der Tat spießig und andauernd von Ermahnungen unterwandert, wenn es ein bisschen lockerer wurde: „Ali! Hör auf, zu lachen – der Typ neben dir starrt dich so begeistert an!“ – „Ali! Du magst doch gar kein Altbier!“ – „Ali! Nur weil du rote Haare hast, worüber wir noch sprechen werden, musst du nicht so herumflirten! Du bist mit mir hier! Da muss ich wohl etwas unternehmen, damit du zur Vernunft kommst!“

Und der Höhepunkt war dann, dass Rainer mir auf dem Stadtfest einen Heiratsantrag machte! Der beinhaltete allerdings, dass ich nie, niemals wieder meine Haare färben dürfe.

Da wachte ich dann auf. Schweißgebadet und nach Luft ringend. Auf meiner Couch und im Hier und Jetzt. Im allerersten Moment war ich noch völlig derangiert, wusste nicht, was real ist und was nicht, aber inzwischen habe ich mich vom Schock erholt.

Du meine Güte!

Was träumt man sich eigentlich bisweilen so zusammen? Viele Dinge aus dem Traum entsprachen der Realität, der damaligen. Nicht, dass ich mir das zurückwünschte, beileibe nicht! Aber warum träumt man so etwas? Noch dazu am Vorabend seines Geburtstages?

Ich weiß es! 😉 Ich soll wohl froh sein, dass es jetzt so ist, wie es ist. Abzüglich einiger Dinge, die mich bekümmern. Aber letzten Endes ist es doch klasse, dass es nicht (mehr) so ist wie in meinem Traum, denn diverse Aspekte stimmen und kamen auch danach – wenn auch mit anderen Personen – so vor. Offenbar wollte „man“, wer auch immer das ist, mir zeigen, dass alles noch viel schlimmer sein könnte. 😉

Und nun werde ich morgen hingehen, meine Haare schneiden und strähnen lassen (wenn auch nicht rot!). Und danach fahre ich einfach zu meinen Eltern und trinke mit denen Kaffee.

Manchmal muss man auf die einfachen Dinge mit der Nase gestoßen werden. 😉

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