Kochen für Anfänger und Fortgeschrittene

Es gibt einige Dinge, die ich gern mache. Dazu gehört unter anderem das Kochen – das macht mir wirklich Spaß. Allerdings auch nur dann, wenn ich nicht für mich allein kochen muss, denn das ist total langweilig.

Jahrelang habe ich wirklich begeistert und enthusiastisch gekocht – keine Herausforderung war mir zu groß. In der letzten Zeit, wobei „in der letzten Zeit“ sehr relativ zu sehen ist, da dieser Zustand schon eine Weile andauert, liegt das Ganze etwas brach. Das ist schade, da ich wirklich gern koche – am liebsten mit mehreren Leuten zusammen.

Bis vor vier, fünf Jahren traf ich mich regelmäßig mit mehreren Bekannten in Erkrath, wo wir alle zusammen kochten und aßen. Meist ziemlich weinlastige Zusammenkünfte, und da lernte ich auch, dass ich Rotwein nicht vertrage, da ich davon nicht selten Migräneanfälle bekomme, aber schön war es irgendwie immer.

Leider ist Giacomo nebst seiner Frau von Erkrath nach München gezogen. Aus war es mit dem Kochen bei ihm. Und richtig aus war es dann mit dem Kochen, als meine letzte Beziehung auseinanderbrach. Für mich selber aufwendig zu kochen, würde mir wohl keine Freude machen. Ich koche zwar, aber weniger aufwendig. Eher praktisch gelagert. Vorher war es auch um anderes gegangen – das Ganze war eher eine Art Ritual und mit viel Freude und Spaß verbunden. Jeder hatte seine Aufgabe. Die, die nicht kochen konnten, mussten dann halt Gemüse kleinschneiden, Zwiebeln schälen und in Würfel oder Ringe schneiden, was für mich extrem bequem war, da ich Zwiebelschneiden hasse. Und nach all dem Aufwand gab es immer ein pompöses Diner, aus mindestens fünf, bisweilen aber sogar sieben Gängen bestehend. Mit Wein und tollen Gesprächen. (Obwohl das jetzt arg weltverbessernd klingt – oft alberten wir auch einfach herum. Und Giacomos Frau ging immer ganz früh schlafen. Besonders früh, als wir als Thema „russische Küche“ auf dem Programm hatten – das gefiel Sabrina gar nicht. Mir dafür umso mehr.)

Zwischen dieser Zeit und der Zeit, da ich Gefallen am Kochen fand, liegen diverse Jahre. Eigentlich hatten mein bester Freund Fridolin und ich gleichzeitig unsere Kochaffinität entdeckt, die ganz frugal ihre Anfänge nahm, als er und ich noch liiert waren – damals in Aachen, ganz zu Anfang. Da hatte er sich eines Tages in den Kopf gesetzt, unbedingt „Rievkooche“ essen zu wollen, denn er kommt aus dem Rheinland. Und er steckte mich an, die ich die Dinger unter „Reibekuchen“, „Gadowwlbaggers“ (von meiner fränkischen Mutter) oder „Rrreiberdatschi“ kenne, und schon stiefelten wir los, kauften in einem Geschäft in der Nähe der Antoniusstraße, in Aachen bekannt als „Puffstraße“, durch die man als Frau besser nicht geht, zunächst eine Reibe mit verschiedenen Funktionen. Das Geschäft war der absolute Brüller – eng und klein, aber bis unter die Decke vollgestopft mit allen möglichen, teils abwegig erscheinenden Haushaltsutensilien. (Meine Frage nach einem Eisbeutel, den man nirgendwo bekam, beantwortete der schon etwas betagte Inhaber damit, dass er ratz-fatz eine endlos scheinende Leiter an ein Regal rollte, flink hinaufkletterte, mitten ins Chaos, oben herumsuchte und mir dann bedauernd bescheinigte: „Leider alle gerade aus!“ Aber er hatte genau gewusst, wo er zu suchen hatte. Neben den Wärmflaschen, die von tief unten auch nicht als solche zu erkennen waren. 😉 )

Im Besitz dieser Nobelreibe kauften wir dann noch einen Sack Kartoffeln und Zwiebeln, und ich gab zu bedenken, meine Mutter gäbe auch noch immer Knoblauch hinein. Das ging gar nicht! Knoblauch in „Rievkooche“! Pfui! Aber Apfelmus musste her – heute würde Fridolin es selber kochen, ich wohl auch -, und dann kaufte Fridolin noch etwas, das bei mir gehobene Augenbrauen verursachte: Apfelkraut! Oder waren es Birnen? Frido – du musst mir helfen! 😉 Von derselben Firma, die den von mir seit Kindesbeinen heißgeliebten, in meiner Familie als „Rübenkraut“ bezeichneten Zuckerrübensirup produziert, dunkelbraun und zäh im Abgang. Ganz hervorragend auf einem Weizenbrötchen mit Butter.

Und beschwingt kehrten wir nach Hause zurück, wo wir dann völlig entfesselt Kartoffeln kurz und klein rieben (ich bin mir nicht ganz sicher, ob nicht einige Fingernagelspäne in den mit Liebe, Eifer, Blut, Schweiß und Tränen zusammengefügten Reibekuchen mitgebacken wurden – meine Fingernägel waren nach dem Reiben jedenfalls geringfügig kürzer …) – sogar ein zufällig vorbeikommender Freund Fridolins beteiligte sich, als Fridos und meine Arme erlahmten. 😉 Er durfte danach auch mitessen.

Später haben wir noch „Filet Wellington“ zubereitet. Ohne Filet, nur mit einem recht zähen Stück Rindfleisch, das aber wie ein echtes „Filet Wellington“ in einem Teigmantel im Ofen gegart. Und die beste Sauce hollandaise habe ich damals produziert, als ich noch nicht wusste, wie heikel Kochen sein kann. Anfängerglück.

Zwei oder drei Jahre später – da waren wir schon längst getrennt, aber gute Freunde geblieben -, schenkte ich Fridolin ein Kochbuch zum Geburtstag: französische Küche. Danach waren Telefonate oder andere Gespräche mit ihm recht eingleisig: „Hallo, Frido, wie geht es, was machst du?“ – „Ich ärgere mich.“ – „Wieso?“ – „Mir ist gerade dieses blöde Clafoutis aus deinem Kochbuch misslungen! Ich hätte keine Aprikosen nehmen sollen – Kirschen wären wohl besser gewesen, wie im Originalrezept!“ – „Ja, das tut mir leid, aber …“ – „Ich überlege, ob ich es noch einmal mit Äpfeln versuchen sollte!“ – „Ja, tu das unbedingt! Übrigens …“ – „Oder mit Birnen.“ – „Birnen mag ich ja nicht so, aber stell dir vor …“ – „Vielleicht gelingt das dann besser.“ Eines stand fest: Fridolin, Sternzeichen Jungfrau und damit besonders genau, hatte seine Passion gefunden. 😉

Irgendwann – ich glaube, ich hatte gerade Liebeskummer – besuchte ich ihn mal wieder. Als er mir die Tür öffnete, meinte er: „Komm schnell herein! Du kannst mir helfen! Ich habe ein Problem.“
O Schreck, er auch? Und ich sagte: „Klar, wie kann ich dir helfen?“

Es stellte sich heraus, er hatte sich in den Kopf gesetzt, einen Serviettenkloß zuzubereiten. Da kam ich doch gerade recht – Serviettenklöße oder -knödel, ursprünglich aus Böhmen stammend, sind mir von klein auf als Bestandteil der bayerischen, aber auch fränkischen Küche vertraut. Man gart Kloßteig in Form einer Wurst in siedendem Wasser. Nach der Garzeit holt man das Gebilde aus dem Wasser, und dann kann man es frisch aufschneiden, oder man lässt es erst stehen und auskühlen, schneidet es dann in Scheiben und brät es in der Pfanne in Butter. Wunderbar!

Leider hielten wir uns etwas zu sehr an die Angaben des Kochbuchs, das Fridolin herangezogen hatte. Das war wohl noch von anno Pief, denn es stand darin, der Kloß müsse „hängend“ bzw. „schwebend“ gegart werden. Und das in einem echten Küchenhandtuch, ergo einem Geschirrtrockentuch. Weiß war unseres, mit feinem, rotem Karomuster. Das gar kein Problem. Aber wie „hängend“ und „schwebend“ erzeugen? Wir rätselten herum, bis mir dann eine unglaublich tolle Konstruktion einfiel, eine Art Seilkonstruktion. Fridolin und ich lachen noch heute darüber, dass wir die Angaben des Kochbuchs bayerischer Herkunft so schräg interpretiert haben. Aber unsere Konstruktion war trotzdem nicht schlecht! 😉 Nur hätten wir es halt einfacher haben können, die Serviettenkloß-Wurst einfach in das siedende Wasser werfen und garziehen lassen sollen. So, wie wir beide heute völlig ungerührt einen Serviettenkloß zubereiten würden. 😉 (Übrigens ganz besonders gut aus altbackenem Laugengebäck, besser als aus altbackenen Weizensemmeln.)

Ich zog ins Niederbergische Land, Fridolin zog nach Frankfurt am Main. Als ich ihn dort anno 2008 – schon wieder mit Liebeskummer – besuchte, haben wir viel gekocht. Miesmuscheln rheinisch – mein Part bestand vor allem im „Entbarten“ der Muscheln. Seitdem bereite ich nur ungern Muscheln zu, esse die lieber im Restaurant. Kaum zu glauben, wie sehr die armen, kleinen Viecher ihre „Bärte“ verteidigen! 😉 Sie den Muscheln zu entreißen, bevor sie ihre Schalen zuklappen und die „Bärte“ damit wie festgetackert fixieren, ist harte Arbeit! 😉

Eine Ente haben wir auch gebraten. Aber unvergessen bleibt mir die abschließende Käseplatte. 😉 Wir hatten verschiedene Käsesorten gekauft, in der Metro. Und da hatte ich auch einen norwegischen Käse entdeckt, dessen Namen ich nie vergessen werde: „Gudbrandsdalsost“. Zu Deutsch: „Gudbrandstalkäse“. Klang harmlos, sah nett aus, wie ein harmloser, kleiner Würfel in netter Verpackung.

Fridolin drapierte alle Käsesorten auf einem Holzbrett, dann wickelte er den kleinen Norweger aus. Ein ockergelbes, würfelförmiges Gebilde kam zum Vorschein, und Fridolin meinte: „Da scheint noch so eine Art Wachspapier drum zu sein.“ Und wir versuchten, das vermeintliche Papier abzustreifen. Es dauerte eine Weile, bis wir begriffen: Das war kein Wachspapier. Das war der Käse an sich. Nun gut, etwas gewöhnungsbedürftig, aber Hauptsache, er schmeckte.

Und wir setzten uns mit neuerlich gefüllten Weingläsern an den Tisch, nahmen zunächst von den uns bekannten Käsesorten. Dann meinte Fridolin: „Ich traue mich – ich probiere jetzt diesen norwegischen Käse!“ Und er schnitt ein größeres Stück davon ab und steckte es in den Mund. Zunächst passierte nichts. Dann sah ich fasziniert, wie er mehrfach die Gesichtsfarbe wechselte. Und als er wieder sprechen konnte und ich: „Und? Und?“ fragte, meinte er nur: „Das solltest du lieber selbst probieren! Dein Käse!“

Das tat ich dann auch. Und auch bei mir ein ähnlicher Effekt. Solch einen Käse hatte ich noch nie gegessen! Ein wahres Geschmacksfeuerwerk, beginnend bei mild-süßlich und karamellartig. Dann ging es Richtung salzig-herzhaft und schien quasi zu explodieren und sekündlich seine Hauptnote zu verändern, um dann wieder bei mild-süßlich-karamellartig zu enden. Hui! Nicht mein Fall. Fridos auch nicht. Ich versprach, den Käse mit nach Hause zu nehmen, habe ihn dann aber – rein zufällig, versteht sich – bei meiner Abreise in der Hektik in Fridolins Kühlschrank vergessen … So ein Ärger! 😉

Während meine Kochkünste derzeit brachliegen, steigern sich Fridolins immer mehr. Er hat inzwischen vielfältige Erfahrungen mit der Garmethode bei Niedertemperatur – ich habe nur einmal einen Wildschweinbraten damit gegart und wäre darüber fast verhungert. Und er arbeitet mit einem Smoker. Ich rauche lieber selber.

Vielleicht sollte ich mal wieder mit Fridolin kochen – es fehlt etwas. Aber ich fürchte, dass ich seinen – Sternzeichen Jungfrau! – Ansprüchen nicht genügen kann. Aber Spaß würde es sicherlich machen. 🙂

Für Fridolin. Es wurde Zeit, dass ich mal was für Dich schreibe. 😉

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