Dräuende Katastrophe: Ali rettet ihren Arbeitgeber

Heute kam eine Vorgesetzte zu mir. Sie hatte keinen Termin bei meinem Chef, und ich sah sie großäugig an und fragte: „Kann ich etwas für Sie tun? Haben Sie einen Termin mit dem Chef gemacht?“ Die Worte: „Von dem ich nichts weiß“ verkniff ich mir. Aus zweierlei Gründen. Denn a) wollte ich nicht so frech klingen, b) bin ich eigentlich immer ganz zufrieden, wenn mein Chef nur hinreichend beschäftigt ist.

Frau Strauß meinte aber zu mir: „Ich bin Ihretwegen hier, Frau B.!“ – „Meinetwegen?“ staunte ich. Das konnte nichts Gutes sein – was hatte ich mir zuschulden kommen lassen? Aber Frau Strauß lächelte. Vielleicht war es nicht ganz so schlimm. Und sie sah mich an, als wäre Weihnachten und als hätte sie endlich das Pony, das ich mir als Kind so herzzerreißend gewünscht hatte, nur kurz um die Ecke geparkt. So sah ich auch auf die Tür hinter ihr – sicherlich würde alsbald solch ein Pferdchen zur Tür hereingetrabt kommen und mir fröhlich entgegenwiehern! 😉 Jahre zu spät, aber immerhin.

Doch Frau Strauß meinte nur: „Frau B. – wären Sie nicht gewesen, hätte es hier eine Katastrophe gegeben!“ Wie das? Ich dachte, die größte Katastrophe sei ich höchstselbst! 😉 Oder so manch anderer Mitarbeiter, unter Umständen sogar als Vorgesetzter tätig. Oder dies eben auch gerade nicht. Ich beschloss, einfach zu lächeln. Ganz entspannt.

Und da meinte sie: „Hätten Sie neulich nicht bemerkt, dass in der Damentoilette bei den Informatikern im ersten Stock etwas nicht stimmte, hätte es hier eine größere Katastrophe gegeben!“

Ah, ja.

Aber es stimmte. Da hatte ich neulich hektisch den Ort mehr oder minder großer Privatsphäre aufgesucht und war schon beim Eintreten über etwas „gestolpert“, das ungewohnt war. Ein Geräusch. Genauer: ein Blubbern. Ein unheilschwangeres Blubbern. Ich war unerschrocken zur vierten Kabine gegangen, der hintersten. Aus der dritten blubberte es. Nun ja, dahin wollte ich ja nicht. Aber aufgrund einer gewissen Vorahnung, eher Erfahrung, betätigte ich, bevor ich ernsthaft tätig wurde, testhalber die Spülung der vierten Toilette. Und das Grauen nahm seinen Lauf, denn ich löste einen Wasserschwall aus, der einen stetig steigenden Wasserstand in der Toilette auslöste, während das Geblubber im Nebenklo richtig bedrohlich zu klingen begann. Das Wasser in Toilette 4 stieg und stieg, und ich zog mich auf den Gang zurück. Ein gewisser Abstand bzw. Vorsprung vor der Flutung schien mir sinnvoll. Sehr, sehr knapp unter dem WC-Sitz kam die Flut zum Stehen …

Ich zog es vor, diesen Ort zu verlassen und lieber ein anderes Örtchen zu nutzen. Dann rief ich Frau Strauß an und berichtete, es gäbe da wohl ein Betätigungsfeld im ersten Stock bei den Informatikern in der Damentoilette. Exakt dort, wo wir vor Monaten schon einmal eine schlimme Überschwemmung gehabt hatten, eine sehr unappetitliche Überschwemmung.

Und heute kam Frau Strauß eigens vorbei und dankte mir. Sie sagte, die Rohrreinigungsfirma, die man zu Hilfe gerufen hätte, hätte geschlagene zwei Tage gebraucht, die Verstopfung zu beseitigen. Hätte niemand es bemerkt, hätten wir sicherlich eine erheblich schlimmere Überschwemmung als die zuvor dagewesene erlitten. Und da wolle sie mir danken. Das fand ich nett.

Allein Janine sah mich an, als wünschte sie mir die Beulenpest! Nun ja – nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht hatte, grinste ich und fragte mich, ob es wirklich opportun gewesen sei, Bescheid zu geben. Wenn es sich wirklich um eine Katastrophe gehandelt hätte, wäre es vielleicht besser gewesen, nichts zu sagen … Vielleicht hätten wir ja „katastrophenfrei“ bekommen! 😉

Nun überlege ich, wie ich mich im Folgefall wohl verhalten solle … 😉 Aber ich weiß es schon jetzt: Ich würde erneut Alarm schlagen. Schon der Kollegen aus der Haustechnik wegen, die als Erste mit dem Unangenehmen zu tun bekommen.

Und nun sitze ich hier und warte auf meine Auszeichnung. Denn immerhin habe ich die Infrastruktur gerettet. Ob ich eine Urkunde bekomme? 😉

Da seht ihr es: Ich bin total wichtig bei meinem Arbeitgeber! Und das schon, wenn ich nur zum Klo gehen will … 😉

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