Die Letzten werden die Ersten sein oder: Warum ich kein Fan der Squadra Azzurra bin …

Heute ist ein nicht ganz so „stressiger“ Fußballtag. Hoffe ich. Zumindest gibt es nur zwei Spiele, und ich werde mir wohl Schweiz-Frankreich ansehen. Rumänien-Albanien müsste ich auch via Livestream verfolgen, und – ich hoffe, es nimmt mir keiner übel! – irgendwie finde ich das Spiel SUI-FRA doch interessanter.

Tja, der gestrige Tag war mal wieder ein Schuss in den Ofen – ganze 0 (in Worten: null) Punkte für mich, und ich frage mich nun ernsthaft, was mit den Portugiesen los sei, denn nachdem die ersten beiden Spiele gestern für mich schon wenig günstig ausgegangen waren, hatte ich meine Hoffnungen auf Portugal gesetzt. Und dann 0:0! Ich stand schließlich auf dem vorletzten Platz – vor Heide, von der ich mich offenbar gar nicht trennen kann und die bis dato erfolgreich ihren letzten Platz standhaft verteidigt. Und auf diesem herausragenden Platz kann ich sie doch unmöglich allein lassen! 😉

Bei einem vorsichtigen Blick vorhin staunte ich: Wie durch Zauberhand war ich auf den vor-vorletzten Platz quasi katapultiert worden! Wie das? Heute gab es noch kein Spiel! Aber dann wurde ich gewahr, dass es ja auch noch die tollen Bonusfragen gibt, die ich vor EM-Start im Schweiße meines Angesichts beantwortet hatte – und eine sogar, wie sich nun herausstellte, ganz richtig. „Wer gewinnt die Gruppe E?“ So lautete sie, und ich habe sie mit „Italien“ beantwortet und dafür vier Punkte bekommen. Ha! Seht her – Ali ist doch nicht so blöd! 😉 Ich gebe zu, es war auch ein vergleichsweise wenig riskanter Tipp … Aber irgendwie muss man sich ja über Wasser halten. Dabei bin ich nun wirklich kein Fan der Squadra Azzurra.

Spätestens seit der EM 2000 ist das so. Und das mit Grund. Neben einer gewissen Theatralik bei den Spielern damals gibt es auch einen eher sekundären Grund dafür. Denn am zweiten Juli, dem Finaltag, waren Giacomo und ich in unserer Stammkneipe, um das wichtige Spiel dort zu verfolgen. Dass man mich dort überhaupt noch hineinließ, war ein Wunder, war ich doch bei einem Vorrundenspiel dort schon sehr unangenehm aufgefallen, als ich die Stirn hatte, für England zu sein, als die Three Lions gegen Deutschland spielten … Was mich dazu gebracht hat, weiß ich heute auch nicht mehr – ich weiß nur noch, dass mir dieses ganze Platzhirschgebaren der anwesenden Herren empfindlich auf die Nerven ging, denn für diese war Deutschland per se Europameister. Und dann das! England gewann, und Deutschland flog wenig später bereits während der Gruppenphase aus dem Wettkampf. Ich glaube, am liebsten hätten mich die damals Anwesenden gelyncht. Der einzige Trost: Auch England schaffte es letzten Endes nicht, und gemeinsam mit der deutschen Nationalelf hieß es auch für sie, nur noch als Zuschauer aktiv zu sein.

Nun, an jenem zweiten Juli spielten Frankreich und Italien gegeneinander. Die Stimmung in der Kneipe war trotz des deutschen Debakels gespannt, die Luft brannte förmlich. Die meisten waren für Frankreich, der Rest für Italien, darunter Giacomo und ich. Es war für mich ziemlich klar, denn Giacomo ist Italiener, und irgendwie identifizierte ich mich selber mehr damit als mit den Franzosen. Und – ehrlich gestanden – ich hätte mir auch gar nicht vorstellen mögen, was ich mir hätte anhören müssen, hätte ich zu den Franzosen gehalten … 😉 Da war es gut, dass ich – wie ich es damals empfand – die Wahl zwischen Pest und Cholera hatte. Heute sehe ich das anders.

Das Spiel begann. Giacomo war sehr aufgeregt, und es gab Szenen, da hielt es ihn kaum auf seinem Stuhl, und entfesselt schrie er die Azzurri an: „Vai! Vai!“ Oder: „Dai!“, „Su!“ und „Forza!“ An Engagement fehlte es gewiss nicht, jedenfalls nicht bei Giacomo. Aber der saß ja auch bequem und musste nicht selber spielen. 😉

Lange Zeit sah es auch so aus, als würden die Italiener Europameister. Aber dann – o Gott! – der Ausgleich! In der Nachspielzeit, und dann folgte die Verlängerung. Giacomo stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch, und allmählich begann ich, mir Sorgen um ihn zu machen. Und dann das Golden Goal!  Die Équipe Tricolore war Europameister!

Ich sah mich schon einmal vorsichtig um – ob wohl ein Arzt anwesend war? Denn Giacomo regte sich besorgniserregend auf, und er schrie, der schwedische Schiri sei doch wohl gekauft! Ich habe den Namen des Schiris nie wieder vergessen … Um den machte ich mir auch ein wenig Sorgen, denn es gab außer Giacomo wohl noch ganz viele andere Italiener, die dem Herrn die Beulenpest an den Hals wünschten oder am liebsten selber Hand angelegt hätten, um dafür zu sorgen, dass er nie wieder als Schiri würde arbeiten können … 😉

Giacomo stand – wie es aussah – kurz vor einem Herzinfarkt. Ich sprach vorsichtig und behutsam mit ihm, versuchte, ihn zu beruhigen. Und nicht nur ich – auch zahlreiche andere Anwesende starteten diesen Versuch und meinten, sie fänden es auch nicht schön oder fair, aber es sei nun einmal so. Aber ich glaube, er hat es gar nicht gehört – ein Italiener, in seiner italienischen Ehre gekränkt. 😉

Zum Glück wurde er dann ruhiger. Allerdings auch das wieder besorgniserregend, denn er fiel in eine Art katatonischen Zustand. Zumindest verhielt er sich so, sprach kein Wort, reagierte nicht auf Berührungen und Ansprache, starrte vor sich hin, und dies in einer Weise, als würde er am liebsten die ganze Welt erwürgen. Schweigend stand er schließlich auf, zahlte und wollte gehen. Nicht etwa, dass er mich beachtet hätte – die Squadra Azzurra hatte verloren … Dumm nur, dass draußen extremer Regen fiel – wahre Sturzfluten kamen vom Himmel, einige Straßen überschwemmt. Da konnte er nicht gehen und saß bockig wie ein Kind auf der obersten Stufe der Treppe im Eingang. Man brachte ihm ein Alt. Immerhin – das trank er dann, nachdem er zunächst weiterhin den „Katatoniker“ gegeben hatte. Gruselig. Immerhin aber war auf diese Weise kein Streit möglich, obwohl ich ihm einige Dinge sagte, auf die er normalerweise recht giftig reagiert hätte. Aber mir war das wirklich zu blöd. Auch ich fand den Ausgang nicht sonderlich schön, aber musste man sich denn so anstellen? (Gut, ich bin keine Italienerin, und ich könne das auch gar nicht so nachempfinden – so Giacomos Worte später … 😉 )

Am nächsten Tag benahm er sich wieder ganz normal. Aber ich bin seither keine Freundin der italienischen Nationalmannschaft mehr. So etwas prägt. 😉

Und nun drücke ich den Franzosen für das Spiel die Daumen. Nicht ganz uneigennützig. Ich gebe es zu. Es hängt mit meinen Tipps zusammen, die auch die Bonusfragen betreffen. Euch ebenfalls einen spannenden Fußballabend! 🙂

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