Grundsätzliches, Mücken, Geckos, Zahnärzte und Piloten-Sonnenbrillen

Heute früh wachte ich völlig verspannt auf. Kein Wunder – mal wieder auf der Couch eingeschlafen. Inzwischen frage ich mich, wozu ich eigentlich dieses andere Zimmer habe, das sich „Schlafzimmer“ nennt und in dem ein einigermaßen kommodes Bett steht (brauche dringend neue Matratze). Eine Zweizimmerwohnung wäre beim Kauf sicherlich um einiges günstiger gewesen.

Vielleicht liegt es auch an meiner Studienzeit, dass ich Wohn- und Schlafzimmer irgendwie als unverbrüchliche Einheit betrachte. Wir hatten ja damals nichts … Nicht einmal ein getrenntes Wohn- und Schlafzimmer! Das war alles eins!

Wie auch immer: Ich wachte heute früh auf und war von Schmerz erfüllt. Speziell in der linken Schulter wütete er, und ich verfluchte einmal mehr, dass ich so selten aus Fehlern lerne. Das sieht man auch an meiner bisherigen Partnerwahl.

Immerhin war ich früh wach und ebenso früh zur Abfahrt gen Arbeit bereit. Man muss immer pragmatisch denken – auch die finstersten Misshelligkeiten haben eine gute Seite! 😉 Leise grummelnd fuhr ich los, mich dann und wann am rechten, wie am linken Arm kratzend. Auch im Brustbereich und – an einer roten Ampel – an beiden Fesselgelenken.

Denn gestern müssen nächtens Mücken über mich hergefallen sein. Betrachtet man die Stiche und Auswirkungen, muss es sich um Mücken in Elefantengröße gehandelt haben, die die Redensart „aus einer Mücke einen Elefanten machen“ ad absurdum führen. Es kommt halt immer auf die Größe einer Mücke an, und als ich letztens auf dem Balkon saß, nichts Böses ahnend, dann ein extrem unangenehmes Gefühl am linken Bein erlitt, wild um mich schlug und anschließend eine Mücke in Größe einer halbwüchsigen Mehlschwalbe davonfliegen sah, wusste ich: Auch Redensarten sind irgendwann aufgrund des Fortschritts der Technik überholt.

Heute las ich dann in einer überregional aktiven Zeitung mit drei Buchstaben eine passende Artikelüberschrift: Es ging um die Frage, ob manche Menschen bevorzugt von Mücken heimgesucht würden. Ich stutzte. Wozu der Artikel? Warum fragt man nicht mich? Ich weiß es genau! Ja, manche Menschen werden bevorzugt von Mücken heimgesucht! Ein Urlaub in der DomRep, einer in Finnland, hat mich – ganz ohne „wissenschaftliche“ Studie – zu dieser Erkenntnis gebracht. In beiden Urlauben, zwischen denen zehn Jahre lagen, wachte ich morgens immer mit Mückenstichen auf, deren Zahl mich schwindeln machte. Hat von euch schon einmal jemand rund 80 Stiche gezählt? Wohlgemerkt: nur an zwei Beinen! Relativ kurzen Beinen, nicht dem gesamten Körper! Und das, während mein damaliger Partner sich jammernd beklagte, dass er einen ganz, ganz schlimmen Mückenstich am Arm … Lassen wir das – das führt nur zu Unfrieden.

Ich erinnere mich, dass mein Ex Frank, mit dem ich in der DomRep war, am vorvorletzten Morgen unseres Urlaubs jubelnd zu mir ans Bett trat und meinte: „Dein Mückenproblem ist Geschichte! Wir haben einen Gecko im Zimmer!“ Ich starrte ihn an, aufgewühlt. Mir war nicht ganz klar, was das größere oder kleinere Problem für mich sein sollte: Die Mücken waren das Grauen. Jedoch die Vorstellung, nachts, während ich schliefe, würde ein Gecko über mein Gesicht latschen, war … ja, was eigentlich? Schlimmer oder nicht? Es gab so viele verschiedene Gecko-Arten dort! Da gab es die kleinen, sehr schlanken und wieselflinken Geckos in dunkler Färbung mit wahlweise roten oder türkisfarbenen Streifen auf dem Rücken. Dann noch ganz dunkle. Und ockerfarbene, größere Tiere. Und – die hätte ich ungern im Zimmer gehabt – eine eher fleischig-voluminös aussehende, erheblich größere Art in einem leuchtenden Grün! Gott oder wer auch immer behüte! Bitte nicht so einen! Dann lieber Mückenstiche.

Frank meinte: „Steh auf, und sieh ihn dir an – er sitzt am Vorhang!“ Ich blickte zum Vorhang. Der hing da ganz normal, dehnte sich nicht bis zum Boden, war auch nicht in Gefahr, abzureißen. Das Exemplar war also nicht besonders schwer. Und so trat ich an den Vorhang, sah den winzigen, goldgelb gestreiften Gecko, der sich starr wie eine Sphinx daran festkrallte und mich kalten Blickes betrachtete. Ich drehte mich zu Frank um, den ich ebenso kalten Blickes maß, und meinte: „Das ist nicht dein Ernst! Das ist nicht die Lösung meines Problems! Das ist ein Gecko-Baby! Wenn das eine Mücke gefressen hat, ist es pappsatt!“ – „Oooch! Ich dachte, du würdest dich freuen!“ Naja, ich freute mich ja auch. Das Gecko-Baby war sehr süß, und ich taufte es „Gordon“. Und ich freute mich noch mehr, als ich sah, wie es nach einer Mücke schnappte. Leider knapp vorbei. Offenbar übte es noch. Und so schmierte ich mich weiterhin mit Mückenschutzmittel ein, glaubte jedoch, abends beim Einschlafen eine Art Kichern zu hören. Wohl von den Mücken.

Auch die finnischen Mücken haben über dieses Mittel nur gelacht. Mein Ex Dirk, mit dem ich zehn Jahre später in Finnland war, war völlig mückenstichfrei, während ich stets geplagt und mich wie ein Affe kratzend am Frühstückstisch saß … Und nun hier, bei den ersten wärmeren Tagen, das Gleiche. Der Tag fing nicht gut an. Aber es gibt ja Schlimmeres.

Bei der Arbeit angekommen, checkte ich meine Mails, sowohl dienstlich, wie privat, und ich warf einen Blick in mein Blog. Ah! Immerhin heute schon eine Lesung – offenbar nächtens. Wahrscheinlich da, als die Mücken über mich herfielen!

Geht es euch, die ihr auch bloggt, bisweilen auch so? Ihr schreibt neue Beiträge, dass die Finger glühen, und dann lesen eure wenigen Besucher immer uralte Beiträge? Und immer dieselben! Ich habe gerade im letzten halben Jahr immer wieder das interessante Phänomen, dass einige Beiträge, die ich selber gar nicht so toll finde, wiederholt gelesen werden. Und es sind keineswegs Beiträge, die so spektakulär wären, dass ernsthaft Menschen hingehen und nach deren Schlag- oder Stichwörtern googeln würden. Ich würde es nicht tun. Und das teilweise auch spätabends oder nachts! Aber da es noch früh am Tage war, beschloss ich, darüber nicht nachzudenken, sondern mir stattdessen lieber einen Kaffee zu holen. Außerdem freue ich mich sehr über Leser, wundere mich halt manchmal nur, welche Beiträge besonders frequentiert sind.

Der Arbeitstag langweilig, nichts Besonderes. Um kurz vor 4 verließ ich die heimelige Stätte und fuhr nach Hause. Ich hatte noch einen Zahnarzttermin. Wurzelbehandlung. Also vom Feinsten. Inzwischen war es wieder recht warm und schwül geworden, und so wurde ich recht energisch, als der Zahnarzt, nachdem der Wurzelkanal immer noch Zicken machte, beschloss, mir eine Spritze direkt in denselben zu verabreichen. „Nein! Auf gar keinen Fall!“ rief ich energisch. „Nicht in den Kanal!“ Ich wusste, was das bedeutet. Sekundenbruchteile dauert es zwar nur, aber das sind Schmerzen, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Schon dreimal mitgemacht – jedes Mal mussten Arzt und Helferin mich an beiden Schultern mit einigem Kraftaufwand festhalten, weil ich sonst vom Stuhl abgehoben hätte. Nicht heute. Der Arzt hatte ein Einsehen, und ich bekam eine konventionelle Anästhesie. Und dann dauerte die Behandlung zum Glück auch nicht lange, denn sie war trotz allem recht schmerzhaft.

Auf dem Rückweg ging ich an der Packstation vorbei, wo eine Bestellung meiner harrte. Und die war dann auch der Ausgleich für erlittene Pein: eine Piloten-Sonnenbrille. Mit grüngrauen Gläsern. War schon immer mein Wunsch gewesen, hatte aber nur darauf gewartet, dass ich mal wieder einen Frustkauf tätigen müsse.

Allzu viel Frust darf ich in der nächsten Zeit aber nicht haben. Eine neue Waschmaschine muss her.

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