„Seid ihr auch alle da?“ – Willkommen im Kasperltheater!

Ich will ganz ehrlich sein: Auf diese Idee brachte mich meine inzwischen allseits bekannte Kollegin Janine, die inzwischen seit knapp eineinhalb Jahren mit mir Büro und Sorgen teilt, als sie heute ausrief: „In was für einem Kasperltheater bin ich hier eigentlich gelandet?“

Sie hatte heute nicht ihren besten Tag, und es ging ihr nicht so gut. Und so rannte ich gleich hin, als ich sie rufen hörte, als sie pflichtbewusst gerade das Kaffeegeschirr aus dem Sitzungsraum abräumte und dabei diesen Schrei der Verzweiflung absonderte. Vor Publikum bloßgestellt von ihrem Chef, der sich dabei noch witzig fand – das Publikum übrigens nicht, noch weniger Janine -, halb krank und mies drauf, obwohl ich ihr schon einiges abnahm.

Ich kenne das, bin aber schon länger dabei und denke mir oft, dass es gut sei, dass Janines gute und schlechte Tage meinen guten und schlechten Tagen trotz aller Parallelen offenbar gegenläufig sind. So sind wir beide immerhin in der Lage, an schlechten Tagen die jeweils andere wiederaufzubauen. 😉 Nein, wir arbeiten nicht im Steinbruch, wenn es auch so klingen mag. Wir arbeiten eher im öffentlichen Bereich und mit vielen Menschen, die viel auf ihre Geradlinigkeit halten. Manche Menschen verwechseln Geradlinigkeit aber auch bisweilen mit Ignoranz.

Janines „Kasperltheater“-Assoziation brachte mich auf eine Idee, und ich dachte darüber nach, wer denn nun aus dem realen Umfeld im „Kasperltheater“-Ensemble wer oder was sei …

Das Krokodil hatte ich schnell ausgemacht, bin mir inzwischen aber nicht mehr ganz sicher, ob nicht der Teufel viel besser passe. Ich grüble noch immer … Und Grübeln ist nie gut, denn ich habe soeben festgestellt, dass die in jedem „Kasperltheater“-Ensemble vorhandenen Figuren, die so plakativ das Negative darstellen, bezüglich unseres Arbeitgebers derzeit möglicherweise doppelt besetzt werden müssten. 😉 Und ich meine damit gar nicht einmal die Reserve-, ergo zweite Besetzung. Bei uns müsste es sogar noch eine dritte Besetzung geben. So für alle Fälle.

Hingegen scheinen die Ordnungsfiguren derzeit schwach besetzt … Immerhin habe ich einen „Seppel“ ausgemacht. 😉 Steht für das Gute, lässt sich aber leicht beeinflussen. Leider. Ist nämlich menschlich ein sehr netter Kerl.

Ich frage mich nur gerade, wer „Kasperl“ sei. Hmmm … Scheint niemand ganz oben zu sein. In unserem Kasperltheater scheint alles irgendwie „topsy-turvy“ zu sein. Nichts passt so recht zum klassischen Vorbild. Bis auf „Seppel“. Und das Krokodil bzw. den Teufel. Räuber, Hexe und Zauberer wüsste ich auch recht schnell zu besetzen. 😉 Ebenso die Großmutter, Gretel und sonstige Stimmen der Vernunft, die jedoch bisweilen ungehört verklingen …

Wo Janine und ich sind, wollt ihr wissen? Hmmm … Wenn ich so drüber nachdenke, sind wir für Geradlinigkeit, Wertschätzung und Gerechtigkeit. Also auf Seite der Guten. Nur leider nicht im Segment der Ordnungs- und Obrigkeitsfiguren. 😉 Natürlich ginge dann alles viel gerechter zu! 😉 Ich glaube, für Leute wie Janine und mich gibt es keine Entsprechung im klassischen „Kasperltheater“-Ensemble. Denn da wurde Gerechtigkeit geschaffen – koste sie, was sie wolle. Und das Krokodil wurde gezüchtigt und verzog sich auch immer peinlich berührt. Ebenso die anderen bösen Elemente. Mehrere zünftige Schläge mit der Pritsche, die das Kasperl immer mit sich trug, reichten. Aber da ich ja nicht weiß, wer bei uns das Kasperl ist, gibt es auch weder Pritsche, noch Maßregelungen.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen kleinen Exkurs. Ich hatte heute einen „interessanten“ Arbeitstag, und da verwundert es nicht, wenn man dann irgendwann der Phantasie freien Lauf lässt. 😉

Ich für meinen Teil hoffe weiter auf des Kaspers Eintreffen, und wenn ich dabei schwarz werde … 😉

Und mir ist klar, dass meine Betrachtungen rein subjektiv sind. Vielleicht sind Janine und ich ja aus Sicht anderer Leute auch „das Krokodil“ – man weiß es nicht. 😉 Aber dazu sind wir viel zu harmlos. Im Ernst. 😉

Für J. T. – die ich nur zu gut verstehe.

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