„Ali’s got a brand-new car …“ – Abschied von Scotty

Heute hatte ich einen Termin beim Autohaus „meines Vertrauens“. Obwohl dieses Autohaus in der letzten Zeit einiges an Vertrauen meinerseits eingebüßt hat, seit Scotty, mein silberfarbener Toyota Auris, glaubte, seine Ecken und Kanten – und nicht gerade geringfügige solche – immer häufiger zum Ausdruck bringen zu müssen … Man macht sich damit nicht immer beliebt. Ich weiß, wovon ich spreche. 😉

Sicherheitshalber waren meine Eltern mit, zumal sie mir ja Kredit gewähren, den ich peu à peu und zu günstigeren Bedingungen als den vom Autohaus angebotenen zurückzahlen darf. Speziell meine Mutter ist bei solchen Dingen immer sehr hilfreich, da sie sich kein X für ein U vormachen lässt. Ich auch nicht, aber ich habe ja schon beim ersten Mal ein bisschen danebengelegen und vom Autokauf in etwa so viel Ahnung wie ein Hamster von Infinitesimalrechnung. (Wobei ich hierbei zugeben muss, dass möglicherweise der Hamster selbst dabei sogar besser abschneiden würde als ich, denn er würde in seiner Mangelbefähigung sicherlich süßer aussehen als ich. 😉 )

Auch bei Scottys Kauf war Muttern dabei gewesen, und wie erstaunt war ich, die ich ein bisschen beschämt war, dass der Kauf nicht der beste gewesen war, wofür ich mir die Schuld gab, als sie in Sack und Asche ging und meinte, sie hätte mich zu einem Wagen mit gruseligem Getriebe gebracht, da sie mir das Angebot nahegelegt hatte. Und da heute zwei Wagen zur Auswahl standen, die Scottys Kaufpreis mehr oder minder überstiegen, meinte sie: „Ali, nimm ruhig den Automatikwagen, auch wenn der erheblich teurer ist. Mach dir keine Gedanken darum. Immerhin bin ich dafür verantwortlich, dass du einen Wagen mit solch einem unsicheren Kantonisten von Getriebe bekommen hast.“ Ich sah sie überrascht an – so hatte ich das nicht gesehen und sehe das auch jetzt noch nicht so. Und ich widersprach auch gleich: „Nein, das war doch letzten Endes meine Entscheidung. Du kannst doch nichts dafür!“ – „Egal. Wenn dir der Automatikwagen mehr zusagt, nimmst du den, und basta.“

Nun gut. Auch wenn ich die Sache noch immer anders sah. Ich wollte die Autos erst einmal ansehen. Und der Chef persönlich brachte uns hin. Zunächst zu einem Ford Fiesta, einem weißen Dreitürer mit Schaltgetriebe. Ich durfte mich hineinsetzen und befand, dass der Wagen, obwohl er als Standardmodell vorgestellt wurde, doch innen prima sei. Ich brauche keinen Schnickschnack bei der Innenausstattung, der unter Umständen nur fehleranfällig ist. Sobald ich drinsitze, ist ja Innenausstattung vorhanden, die durchaus fehleranfällig ist – wozu da noch ein Übermaß an weiteren Fehlerquellen? (Gut, abgesehen von der nichtvorhandenen Ein- und Ausparkhilfe – die wäre schon nicht schlecht gewesen. Aber will ich Autofahren oder mich auf elektronische Hilfen verlassen, bis sie mich – Fehlerquelle – verlassen? Früher ging es doch auch ohne.)

Allein die Farbe gefiel mir nicht – ich bin kein Fan weißer Autos. Und da es sich um eine Tageszulassung handelte, um ein neues Auto, ein spezielles Angebot des Händlers – im Grunde eine Art „Lockvogelangebot“ –, fragte ich, ob es den nur in Weiß gebe. Nicht alle zu lockenden Kunden mögen Weiß. Und da sagte der Verkäufer: „Nein, den gibt es auch noch in einem schönen Blau.“ – „Blau!“ – „Ja. Mögen Sie kein Blau?“ – „Im Gegenteil! Das ist meine Lieblingsfarbe! Wenn ich dieses Angebot nehme, dann auf alle Fälle ein blaues Fahrzeug.“ – „Ich zeige Ihnen erst einmal den Automatikwagen.“

Als wir zu dem Automatikwagen, ebenfalls ein Ford Fiesta, aber gebraucht, schritten, warnte der Verkäufer bereits vor: „Der ist zwar auch blau, aber es ist ein recht spezielles Blau.“ Und er nannte die Farbbezeichnung: „Der Wagen ist arubablau.“ Ich dachte an die Karibik, wo ich immerhin einmal in meinem bisherigen Leben gewesen bin – nur kein Neid, es war ein All-inclusive-Urlaub -, und ich rief mir die Farbe des Karibischen Meeres ins Gedächtnis. Also ein eher leuchtendes Blau. Und da standen wir auch schon vor dem Automatik-Fiesta, und die Erste, die die Sprache wiederfand, war meine Mutter: „Nun ja, damit wird man wenigstens nicht übersehen.“ Meine Mutter hat ein Faible für Sarkasmus. Habe ich wohl von ihr geerbt.

Ich konnte erst gar nichts sagen, rieb mir die Augen. Die Farbe blendete mich. Sie erinnerte mich an den Glasreiniger in der Sprühflasche, den ich immer verwende. Und an einen echt ekelhaften Likör. Blue Curaçao, um ganz präzise zu sein. Immerhin: Bei Nebel würde ich sicherlich sogar ohne Nebelscheinwerfer und -schlussleuchte zu sehen sein, würde ich mich für diesen Fünftürer entscheiden.

Es sprach einiges dafür und einiges dagegen. Dafür sprach, dass er immerhin 105 PS, während der Standard-Fiesta nur 60 PS hat – aber klar, es ist ein Automatikwagen, und untermotorisierte Automatikwagen sind nur eines: bescheuert. Finde ich jedenfalls. Die Automatik an sich sprach für ihn. Auch die Tatsache, dass es ein Fünftürer ist. Dagegen sprach, dass es ein Gebrauchtwagen ist, dessen Besitzer ihn bei einem Kilometerstand von 8000 km abgegeben hat, er auf einer Autobörse vom Händler gekauft wurde, weswegen ich erneut möglicherweise die Katze im Sack kaufen würde. Der Verkäufer sagte, er könne leider nichts zur Verkaufsmotivation des Vorbesitzers sagen, und ich warf vorlaut ein: „Vielleicht gefiel ihm die Farbe nicht mehr.“ Sogar, als ich im Auto saß, blendete sie mich.

Ein weiterer Nachteil: Es gibt nur ein Jahr Garantie. Für den Schaltwagen fünf Jahre. Aber der Automatik-Wählhebel schien mich zu hypnotisieren, und der innere Schweinehund sprach zu mir: „Bedenke, es ist ein Automatikwagen mit Doppelkupplungsgetriebe! Er hat 105 PS. Du magst Schaltgetriebe nicht sonderlich. Und bedenke, du hast mal einen Unfall und fällst eine Böschung hinunter – mit dieser Farbe wirst du schnell gefunden! Sie ist zwar etwas schrill, aber es ist Perleffekt, den du so magst, und du findest deinen Wagen immer wieder, auch wenn du irgendwann halb senil dein Kennzeichen vergessen hast. Nimm ihn!“

Ich rief den Schweinehund zur Ordnung, riss meine Augen von dem Wählhebel und glaubte beinahe, das Geräusch zu hören, das entsteht, wenn man einen Saugnapf von der Oberfläche, auf die man ihn gepresst hat, ablöst. Dann atmete ich tief durch, stieg aus, warf noch einen Blick auf die vielen Türen des Wagens … Dann noch einen auf die Farbe. Und dann hörte ich mich sagen: „Ich nehme den Schaltwagen. In Blau.“ Huch! War ich das gewesen?

Aber es war mir ernst. Die Vorteile überwogen, auch wenn ich Fünftürer lieber mag, ebenso Automatikgetriebe. Auf der anderen Seite: Ich habe weder Kinder, noch Hunde, für die ich dringend einen Fünftürer brauchte. Und irgendwie werden das Schaltgetriebe und ich uns schon zusammenraufen. Ich kann ja damit fahren, kein Problem. Ich mag es nur nicht besonders. Aber es wird schon werden. 😉 Und zu meiner Freude sah ich dann auch, dass es sich um ein „schnödes“ Fünfganggetriebe handelt.

Und nun wird „Number Two“, wie der Neue bis dato heißt, also ein Ford Fiesta in Blazer-Blau (schönes Dunkelblau), mit nur 60 PS, in Standardausführung und einem Schaltgetriebe sein. Mit nicht-höhenverstellbarem Sitz. Muttern monierte das, aber der Verkäufer meinte zu mir: „Sie sind ja nicht übermäßig klein.“ – „Nein, nur normal klein.“ Da lachte der ansonsten recht gelackt wirkende Mann, und er meinte: „Sorry, das war nicht böse gemeint.“ – „Nee, von mir auch nicht. Ich weiß, dass ich keine Riesin bin. Mir ist wichtiger, dass das Lenkrad in zwei Ebenen verstellbar ist und man den Sitz nach vorn verstellen kann.“ – „Das trifft beides zu.“ – „Na, dann werden wir doch handelseinig.“

Danach folgten die Formalien. Scotty wurde in Zahlung genommen, Number Two soll ab Dienstag mein Auto sein. Ein neues Kennzeichen musste natürlich her. Der immer zugänglicher werdende Verkäufer meinte: „Frau B. – wir schauen gleich mal nach einem Kennzeichen, das Ihnen gefällt. Ihr bisheriges können Sie natürlich behalten, aber dazu müssen wir den Toyota erst einmal stilllegen, und dann dauert das Ganze erheblich länger.“ Ich meinte, so sehr hänge mein Herz nicht an meinem bisherigen Kennzeichen. Nur das „AB“ an zweiter Stelle solle, bitte, bleiben. Und auf Anhieb fand Herr Haase dann etwas, das mir gefiel und reservierte es beim Straßenverkehrsamt gleich. Von vier Ziffern bin ich auf zwei geschrumpft. Eine ungerade Zahl. Ich mag ungerade Zahlen lieber als gerade – keine Ahnung, woher das kommt. 😉 Ich glaube, Herr Haase hatte sich auf eine längere Suche eingestellt, aber ich rief gleich beim ersten Vorschlag: „Nehme ich!“ Herr Haase sah etwas erleichtert aus. Immerhin hatte er Muttern und mich nun schon seit über einer Stunde beim Diskutieren erlebt. Nicht über das Kennzeichen. Mehr so allgemein. Und ich glaube, er fürchtete sich ein wenig, mit seinen Vorschlägen erneute Diskussionen anzukurbeln, warum und wieso überhaupt dies oder das besser sei. Mama und ich führen über die absurdesten Dinge Diskussionen, und Herr Haase kannte so etwas offenbar nicht. Oder er kannte es nur zu gut und fürchtete es. 😉

Dann ging es um die Versicherung. Bis dato, ergo seit dreieinhalb Monaten, ist mein Auto bei einer Coburger Versicherung versichert. Hatte ich online gemacht. Herr Haase bot an, ein gegebenenfalls besseres Angebot zu haben. Bei einer Versicherung aus Nürnberg. Ich grinste und meinte: „Irgendwie lande ich immer bei fränkischen Versicherungen!“ Herr Haase grinste und meinte: „Haben Sie etwas gegen Franken?“ – „Ich? Beileibe nicht! Ganz im Gegenteil!“ Und da meinte er: „Franken ist wunderschön! Waren Sie schon einmal dort? Ich mag die Menschen dort auch sehr gern.“ Mama und ich lachten uns halb schlapp, und ich erklärte dem erstaunten Herrn Haase, er habe eine Vollblutfränkin und ein partiell fränkisches Ruhrgebietsgewächs vor sich sitzen. Da lachte er auch und meinte: „Okay. Ich bin offenbar umzingelt. Aber wir kommen ja auch gut miteinander klar. Oder nicht?“ Vorlaut rief ich: „Also, ich habe keine Einwände.“ Mama meinte: „Heute sind Sie erheblich netter als kürzlich – heute keine Einwände.“ Zum Glück fasste der aus Hannover stammende Verkäufer das richtig auf und lachte mit. Und das wirkte sogar überzeugend. Denn im Erstgespräch kürzlich war er nicht sonderlich nett gewesen. Vielleicht aber hatte er auch einen schlechten Tag gehabt. Und möglicherweise hatte er gedacht, wir wollten Scotty zurückgeben und ausschließlich die Kohle zurück. Macht ja kein Geschäftsmann freiwillig. Er hat dann aber immerhin verstanden, dass wir ein alternatives Fahrzeug durchaus nehmen würden. Und nun herrschte eitel Freude. 😉

Erfreulicherweise musste Number Two gar nicht erst bestellt werden, und ich konnte heute schon einen ersten Blick auf mein neues – und das im wahrsten Sinne, wer hätte das gedacht! – Auto werfen. „Aha, du bist das also“ dachte ich, als ich den durchaus netten, kleinen Gesellen sah, der da ganz unbedarft auf der Rückseite des Autohauses vor einigen Autokumpels stand, die wie er alle zum Verkauf standen. Er ja nun nicht mehr. Er ist verkauft.

Ein wenig peinlich war mir, als Muttern meinte: „Und, Ali? Wie soll dein neues Auto heißen? Scotty geht ja nun nicht mehr.“ Ich schluckte, wollte gerade etwas sagen, das in etwa so geklungen hätte: „Ja, Herr Haase – das kennen Sie sicherlich: Frauen geben Autos gerne Namen!“ Da lächelte Herr Haase und meinte: „Der Name eines Autos ergibt sich in der Regel in dem Moment, da man etwa zehn Minuten mit ihm gefahren ist.“ Ich starrte ihn verblüfft an und meinte: „Geben Männer Autos auch Namen, oder kennen Sie das von Ihren weiblichen Kunden oder Ihrer Frau?“ – „Ach, Frau B. – es ist doch ganz natürlich, dass man Dingen Namen gibt. Das finde ich auch nett.“ – „Ja, ich eigentlich auch. Zumal es die Hemmung vergrößert, den Wagen sorglos in Klump zu fahren!“ Da lachte Herr Haase heftig und meinte: „Sie scheinen mir recht pragmatisch zu sein.“ – „Ich versuche es zumindest Tag für Tag.“

Er bot mir dann noch an, am kommenden Dienstag, wenn ich Scotty ab- bzw. ausliefere und den neuen Wagen abhole, ein paar Runden mit mir zu fahren, damit ich mich an den Wagen gewöhnen könne. Das fand ich prima, und so meinte ich: „Gern. Aber wappnen Sie sich. Oder nehmen Sie am besten einen Sturzhelm mit.“ – „Sehen Sie, das meine ich: pragmatisch. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass das notwendig sei.“ – „Ich auch nicht. Aber machen Sie sich auf einiges gefasst!“ – „Mache ich. Aber ich glaube, Sie unterschätzen sich.“ – „Das ist mein Markenzeichen. Und da Sie vorhin erzählt haben, dass Sie drei Kinder haben, werde ich mich besonders in Acht nehmen. Sie können ruhig mit mir und dem Schaltwagen fahren.“ – „Nichts anderes hatte ich erwartet.“ Warten wir es ab … 😉

Und nun sitze ich hier und habe derzeit im Grunde zwei Autos. Wer hätte das gedacht, noch vor einem Jahr? Da war nicht einmal an ein Auto zu denken.

Auf alle Fälle wird der kleine Scotty bis Dienstagmorgen hier vor dem Haus stehenbleiben. Nicht, dass ich auf dem Weg zur Arbeit noch einen Unfall habe …

Und mein neuer Wagen wird sicherlich auch nicht dauerhaft Number Two heißen. Gemäß der Theorie Herrn Haases, ein Wagen erhalte seinen Namen in den ersten zehn Minuten nach erstmaligem Losfahren, läuft Number Two unter Umständen Gefahr, auf ewig „Arschloch“ oder „Saftsack“ zu heißen. 😉 Andererseits werde ich mich sicherlich im Zaum halten, wenn Herr Haase wirklich mit mir mitfährt. 😉

Um den kleinen Scotty tut es mir leid. Ich werde mich sicherlich nicht ganz leicht von ihm losreißen können, wie ich mich kenne. Mein erstes Auto immerhin. 🙂

Bye, bye, Scotty … vermutlich …

Scottys Tage scheinen gezählt – zumindest bei mir …

Da habe ich in meinem „hohen“ Alter nun seit dreieinhalb Monaten mein erstes Auto – und schon sieht es aus, als stünde das zweite ins Haus! 😉

Zumindest dann, wenn man dem „freundlichen“ Herrn in der Zentrale des Autohauses glauben mag, in dem Scotty gekauft wurde, der nach längeren, zähen Verhandlungen zugesagt hat, morgen ein alternatives Angebot zu machen. Da Scottys Getriebe – wie schon erwähnt – kein echtes Automatikgetriebe ist und in den letzten Wochen immer heftigere Probleme bereitete, scheint es angeraten, den kleinen – bis aufs Getriebe durchaus liebenswerten – Kerl ab-, genauer: zurückzugeben.

Seit die Probleme verstärkt auftraten, habe ich mich in zahlreichen Toyota-Foren im Internet herumgetrieben. Und alle, die einen Wagen mit einem vergleichbaren Getriebe fahren und sich dort austauschten, waren massiv genervt, kurz davor, den derart angetriebenen Wagen wieder zu verkaufen, zweifelten, wiewohl langjährig geübte Fahrer, an ihrer Fahrbefähigung (es waren alles Männer, und die sind ja bekanntermaßen ohnehin die besseren Fahrer …), oder sie hatten den Verkauf schon hinter sich und teilten der noch geplagten Nachwelt mit, dass das die beste Entscheidung überhaupt gewesen sei. Auch war die Tendenz erkennbar, dass alles eher schlimmer als besser werde, neue Einstellungen oder Reparaturen durch die KFZ-Werkstatt nur kurzfristig Besserung gebracht hätten und man nunmehr die Schnauze voll habe. Das stand da wortwörtlich und unterstreicht den Ernst der Lage. 😉

Der „freundliche“ Herr in der Zentrale des Autohauses sagte zähneknirschend zu, ein Angebot für einen anderen Wagen zu machen. Ich bin gespannt. Es wird wohl ein Wagen mit manuellem Getriebe werden, ein Schaltwagen. Meine Freude ist groß, aber alles ist derzeit besser als das hier. Ich sage es wirklich ungern, aber ich muss es sagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Ford werde, wenn das Ganze denn so kommt, ist nicht gering. Oder ein Opel. Ja – und das mir! 😉 Aber dreieinhalb Monate mit dem kleinen Toyota, der so oft versagte, haben mich geläutert, und inzwischen sage ich: „Ja! Man reiche mir, bitte, bitte einen Ford oder einen Opel! Hauptsache, er fährt sich normal und ohne unberechenbare Aktionen.“

Schon neulich hatte es ein Gespräch mit dem Meister einer alteingesessenen Toyota-Werkstatt gegeben. Ich hatte Bedenken, er könne sagen, es läge an mir. Doch nichts dergleichen, denn der Meister gab unumwunden zu, dass der Fehler im Getriebe an sich liege – mein Wagen sei kein Einzelfall, und das Getriebe hätte schon langjährige Fahrer fast zur Verzweiflung und in Adrenalinschübe getrieben (immerhin treibt es etwas, wenn auch nur den kalten Schweiß auf die Stirn …). Auch ihm sei unverständlich, warum man dieses Getriebe überhaupt noch einbaue. Nun ja – da sind wir schon zu zweit. Und wenn ich mir die Aussagen in den Toyota-Foren so ansehe, kommen noch ganz viele Menschen hinzu … Sehr viele Menschen – ich habe die einzelnen Beschwerden nicht gezählt. Aber da war ich noch einigermaßen guten Mutes … Das bin ich nun nicht mehr.

Gerade habe ich – ich bin eine sentimentale Socke – einen Blick aus dem Küchenfenster auf den kleinen Scotty geworfen, der so freundlich und silbrigglänzend vor dem Haus steht, ahnungslos. Aber was sage ich da? Das ist ein Auto und kein Hund oder Pferd! 😉

Dennoch – es tut mir trotz unserer bis dato kurzen Bekanntschaft weh, den kleinen Kerl wegzugeben. Er wäre ideal – mit einem anderen Getriebe. Ein bisschen traurig bin ich – so viele Abschiede schon dieses Jahr, und darin bin ich ganz, ganz schlecht.

Aber vielleicht überlegt es sich der Herr aus dem Autohaus ja noch einmal anders. Das hoffe ich nicht für ihn, denn ansonsten werde ich darauf dringen, dass er mal eine größere Runde mit dem kleinen Toyota drehe. 😉 Er kann ihn auch gern mal für ein paar Tage haben.

Ich berichte dann weiter, sollte ich einen neuen Wagen haben – bei meinem „Glück“ nicht nur mit einem Schaltgetriebe, sondern noch in einer richtig schicken Farbe, wie zum Beispiel Ockergelb oder so. Am besten noch ein Opel …

Ich werte es nicht als Zufall, dass mir heute, als ich mit Scotty auf dem Heimweg war, meine Auffrisch-Fahrlehrerin Jeannette mit Fluffy, dem Stufenheck-Audi A3 und einem Schüler entgegenkam. Fluffy ist ein Schaltwagen, und in all den dreieinhalb Monaten ist mir kein einziger Fahrschulwagen von Jeannettes Fahrschule begegnet. Ich bin abergläubisch – das ist doch ein Zeichen! 😉

Drückt mir die Daumen!

Hurra! Ich bin auf Platz 21! ;-)

Ich bin mir inzwischen ganz sicher, dass ich nie wieder an einer Tipprunde teilnehmen werde. Warum? Nun, in den letzten Tagen pendelte ich ständig zwischen Platz 23, 22, 21, 20 und 19 hin und her. Ich vertraue ja noch immer auf das große Liebesglück, denn so viel Pech im Spiel muss doch einfach Glück in der Liebe nach sich ziehen. 😉

Heute habe ich bis dato immerhin vier Punkte eingeheimst, gestern fünf. Es hätten mehr sein können, hätte ich nur nicht den Fehler gemacht, zwischendurch zwei Tipps noch einmal zu ändern. Und beide zu meinem Nachteil. Ich bin offenbar nicht für Tipprunden geboren. Und fragt mich nie, welche Lottozahlen Ihr tippen sollt! 😉

Immerhin scheine ich einen relativ guten Instinkt zu haben, denn die Tippkollegen, die ich heute hinter mir gelassen habe, haben derart realitätsfern getippt, dass bei mir zumindest wieder leise Hoffnung aufkam. Und nachdem ich seit gestern die Plätze 20, 22 und 23 eingenommen habe, bin ich inzwischen – einmal mehr – wieder auf Platz 21. Das wird sich aber sicherlich im nächsten Spiel ändern …

Kann mir jemand bis allerspätestens 20:59 h einen wirklich guten und von Sachkenntnis geprägten Tipp für Ungarn : Belgien geben? 😉

„Klassentreffen-Syndrom“

Vor einigen Tagen hatte ich – wie ich fand – eine glänzende Idee, als ich mich auf Facebook aufhielt und auf zwei alte Bekannte aus Aachen stieß. Spontan warf ich die Idee in den Raum, man könne sich doch mal um der alten Zeiten willen eben dort treffen und einige Orte besuchen, an denen man früher öfter abhing.

Freddy, ein Ex von mir, Michael und Florian fanden die Idee auch gut. Michael antwortete, er sei noch im Tanzkurs, werde aber später an unserem Gruppenchat teilnehmen. Florian musste noch grillen, und so unterhielt ich mich zunächst allein mit Freddy. Es war recht lustig, und ich dachte, die geplante Réunion in Aachen werde sicherlich der Hit. 😉

Dann kam Michael hinzu – offenbar hatte er für diesen Tag ausgetanzt. Ab diesem Zeitpunkt schwenkte der Ton schon mehr in die Richtung: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“, und mir wurde wieder klar, warum ich so ungern Klassen- und Abi-Jahrgangstreffen besuche.

Es wurden aber auch alte Erinnerungen wach, denn Freddy und Michael überboten sich gegenseitig im Reißen von Witzen, die ich früher schon nicht ganz so geistreich gefunden hatte. Ja, ich weiß – es klingt nicht nett, obwohl die beiden es ja eigentlich sind, aber bei platten Witzen verstehe ich keinen Spaß. 😉 Offenbar war der Gruppenchat so eine Art Verjüngungskur für die beiden. Florian wirkte beruhigend normal – ein Trost.

Richtig schön wurde es, als Michael ganz spontan Freddy fragte, ob er in der Wahl seiner Freundinnen noch immer so wahl- und anspruchslos sei. Gut, er hat es anders ausgedrückt, aber ich war doch recht irritiert, war ich doch über ein Jahr mit Freddy liiert gewesen, und ich unterscheide mich durchaus von einem nicht geringen Teil der Freddy’schen Ex-Freundinnen. Freddy ist halt eine schillernde Gestalt – wir hatten überhaupt nicht zusammengepasst. Nettes Kompliment, vor allem, wenn man bedenkt, mit wem Michael über Jahre liiert gewesen war: einer Kommilitonin von mir, die allgemein als etwas „merkwürdig“ gegolten hatte. Und so warf ich nur ein ironisches: „Danke“ in den Chat. Da erst fiel Michael auf, dass ich ja zu Freddys Verflossenen gehöre, und so entschuldigte er sich. Na, also – ging doch! 😉

Der Chat nahm an Fahrt auf, die Witze wurden flacher. Ich weiß, ich klinge sicherlich furchtbar arrogant, aber so meine ich es gar nicht. Alle drei sind total nett, nur stellte ich es mir ein wenig anstrengend vor, einen ganzen Abend mit solchen Witzen zu verbringen, die im Minutentakt im Chat abgesondert wurden.

Florian gegenüber äußerte ich mich in einem separaten Chat dahingehend, dass ich gegebenenfalls doch vielleicht lieber zu Hause bliebe – in verschiedener Hinsicht (unter anderem der „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“-Hinsicht) könne ich da nicht mithalten, und ich wisse daher momentan nicht, ob ich das wolle. Es ist nun einmal dieses Klassentreffen-Phänomen. Und das war auch noch meine Idee gewesen! 😉

Florian meinte, er bringe doch seine Frau Mona mit, und dann könnte ich mich doch mit ihr unterhalten oder etwas machen. Aha. Wir hatten also auch schon ein „Damenprogramm“, wie es aus Vereinen mit ausschließlich männlicher „Besetzung“ bekannt ist. Während sich die Männer die Kante geben, Zoten reißen und sich wie echte Kerle fühlen, gehen die zugehörigen Damen dann nett zusammen ins Theater, Musical oder sonst eine Kulturveranstaltung, die die Herren hinsichtlich der Damen für angemessen halten. So will es das Protokoll. 😉 Und keine der Damen hat gefälligst etwas dagegen zu haben, sondern brav mitzugehen. Auch das sieht das Protokoll so vor. 😉

Absolut nichts gegen Mona, die ich sehr mag und schon lange nicht gesehen habe. Einzig dieser „Damenprogramm“-Aspekt ist nicht so meins. „Damenprogramm“ und „Katzentisch“ – das geht alles in dieselbe Richtung.

Und so überlege ich, ob ich vielleicht statt am 28. Juli, dem Tag des „Klassentreffens“, schon am 27. anreise, mich lieber mit Florian und Mona allein treffe und dann wieder abreise.

Wieder etwas gelernt: Nostalgische Wiedervereinigungen sind schön, da so viele alte Erinnerungen wiederaufleben. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass nicht alle alten Erinnerungen einem angenehm sind. Und seien es nur flache Witze und „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“-Gebaren. Oder eine bisweilen schwer bezähmbare Neigung zur Kritik. 😉 Nicht wahr? Man selber ist ja auch Teil dieser Erinnerungen, sowohl angenehm, als auch weniger angenehm. Denn so ehrlich muss man auch mit sich selber sein.

Ich bin auf alle Fälle verschnupft. Nein, nicht im übertragenen Sinne. Ich leide seit Donnerstagabend unter einer heftigen Erkältung im reinsten Sinne. Fieber, Halsschmerzen – und das bei um die 30 Grad Außentemperatur. Wahrscheinlich die Strafe für mein ungebührliches Anti-Damenprogramm-Gezicke. 😉

Scotty in Gefahr!

Bevor ich auf das eigentliche Thema komme, muss ich Abbitte leisten: Sorry an Ronaldo für meinen fiesen Beitrag kürzlich. Heute war es anders. Was für ein Spiel gegen Ungarn! Völlig falsch hatte ich getippt. Aber das war mir egal – ich freute mich über ein endlich mal schönes Spiel! 🙂 Okay, Ronaldo finde ich noch immer unsympathisch und arrogant – aber das Spiel hat mir gefallen. Endlich mal was los auf dem Rasen! 🙂 Ich gestehe, für die Ungarn freute es mich mehr … Ich kann nicht anders. 😉

Doch nun zum eigentlichen Thema.

Mein Auto, ein Toyota Auris, macht mir in den letzten Wochen nicht unbedingt viel Freude. Ich habe es jetzt seit drei Monaten, und ich mag es sehr. Es sieht nett aus, ist nicht zu klein, aber auch nicht zu groß, sondern wie für mich geschaffen. Es ist übersichtlich und einfach sympathisch. Finde ich. Und sogar mit seiner Farbe – Medium Silver Metallic – habe ich mich abgefunden. Sie ist recht unempfindlich, man sieht Schmutz nicht sofort – sie ist eine dankbare Farbe. Nie wieder werde ich – anders als in puncto Ronaldo – etwas Fieses über silberfarbene Autos sagen! Zumindest dann nicht, wenn als Gebrauchtwagen erworben und der Käufer die Farbe nicht aktiv aussuchen konnte. Denn – und dazu stehe ich! – könnte ich mir einen Neuwagen leisten, wäre der gewiss nicht silberfarben! 😉 Metallic ja, aber nicht unbedingt silbern.

Alles am kleinen Scotty passt zu mir. Alles. Bis auf das verdammte Getriebe, und das – ihr werdet mir Recht geben – ist zusammen mit dem Motor die Seele eines Autos.

Ich wollte einen Automatikwagen. Ich kann ohne Probleme mit einem Schaltgetriebe fahren, bin das in meiner Autofahrer-Historie auch meist. Aber ich mag es nicht sonderlich, zumal ich meist innerstädtisch fahre. Mich nervt bei Stop and Go das ewige Geschalte, und nachdem ich heute wieder in einem Feierabendverkehr-Stau stand, dachte ich mir: „Alles ist besser als ein Schaltgetriebe! Fast alles …“ Nun, die Meinungen gehen da auseinander – ich weiß das. Auch Schaltwagen haben ihre Vorteile. Nimmt man den Fuß vom Gas, verzögern sie umgehend – ich muss immer bremsen, und das schon recht frühzeitig, damit das Getriebe auch rechtzeitig reagiere.

Das Problem ist nur, dass ich keine echte Automatik habe. Keine Wandlerautomatik, geschweige denn, ein moderneres Automatikgetriebe. Scotty verfügt über ein MMT-Getriebe, ein automatisiertes Schaltgetriebe, und damit stets gelassen unterwegs zu sein, bedarf einer gewissen Kaltblütigkeit.

Nach drei Monaten mit meinem Auto dachte ich, ich hätte mir diese inzwischen angeeignet. Ich muss das differenzieren: Ich fahre inzwischen so begeistert, dass ich mir kaum erklären kann, wie ich je ohne Auto auskommen konnte. Wann immer ich das Auto stehenlassen muss, versetzt es mir einen kleinen Stich, und jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit fahren muss, freue ich mich, dass ich endlich wieder fahren darf. 😉 Hätte man mir dies vor einem, sogar noch Dreiviertel- oder halbem Jahr erklärt, hätte ich wahrscheinlich schallend gelacht, mir an die Stirn getippt und denjenigen, der das gesagt hätte, für komplett wahnsinnig erklärt. Bis vor einem halben Jahr war ich die perfekte Beifahrerin. Nur dabei, statt mittendrin.

Inzwischen ärgere ich mich über Wahnsinnige hinter dem Steuer, die im dicksten Stadtverkehr wiederholte und hochfrequente Spurwechsel vornehmen, als seien sie auf der Flucht oder als werde eine neue Staffel von „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ gedreht, eine Serie, die ich seit ihrem Beginn nicht so richtig toll … Aber lassen wir das. Sorry, sollte ich jemandem auf die Füße getreten sein. Wir haben hier ja zum Glück Meinungsfreiheit. 😉

In den letzten vier Wochen hat der kleine Toyota mir Sorgen bereitet. Sein Fake-Automatikgetriebe ist schuld. Denn ich fuhr vor etwa drei oder vier Wochen – erleichtert, dass endlich Feierabend war – von der Arbeit nach Hause. Da in meiner Stadt diverse Baustellen bestehen, musste ich am Nordring wiederholt bremsen, kurzfristig wieder Gas geben, erneut bremsen – einige Leute vor mir hatten wohl vergessen, wo das Gaspedal ist. Zumindest kam es einem so vor. Und als ich endlich Gas geben konnte und dies auch – durch des Wagens Eigenheiten schon vorgewarnt – schon extra feinfühlig tat, tat sich gar nichts. Doch! Es tat sich etwas. Der Zeiger des Drehzahlmessers schnellte ungeahnt in den Bereich zwischen 4 und 5, und der Motor heulte dramatisch auf. Dies allerdings, ohne jedwede Beschleunigung und damit Vorwärtsbewegung zu erzeugen. Okay, kannte ich schon – das würde sich gleich geben, würde ich nur den rechten Fuß zunächst vom Gas weglassen. Tat ich. Dann gab ich ganz, ganz vorsichtig Gas – hatte sonst immer geholfen. Hier nicht. Der Motor heulte, und ich tuckerte ohne Aussicht auf Beschleunigung über eine der am stärksten befahrenen Kreuzungen hier in dieser Stadt. Ich muss sagen, selten habe ich einen derartigen Adrenalinschub erlebt! Scotty schwächelte, wusste offenbar nicht, was er denn nach dem ewigen Hin und Her tun solle. Ich kam irgendwie über die Kreuzung, und jenseits dieser berappelte sich mein Wagen bzw. dessen Getriebe wieder. Aber das konnte es doch nicht sein!

Ich beschloss, das Ganze zu beobachten, zumal ein Bekannter von mir, gelernter KfZ-Mechaniker, seine Lehre noch dazu in einer Toyota-Werkstatt gemacht, mir heftig dazu riet, jedoch auch dazu, bei gehäufterem Auftreten dieses spannenden Phänomens meine Vertragswerkstatt aufzusuchen.

Mir steckte der Schreck noch in den Gliedern, aber danach benahm sich der Wagen wochenlang völlig korrekt und anständig. Bis ich letzte Woche zu meinen Eltern nach D. fuhr. Auch da wieder jemand vor mir, der sich nicht entscheiden konnte, ob er anhalten oder doch lieber Gas geben wollte – dauerndes Gasgeben und Bremsen. Mein Vordermann fuhr schließlich rechts heran, und ich rang dann, als ich endlich Gas geben konnte, mit dem Getriebe meines Wagens, der erneut völlig überfragt zu sein schien, was nun zu tun sei. Ich blieb erstaunlich ruhig auf dieser Strecke, da man 70 fahren darf und die meisten Fahrer – inklusive meiner Wenigkeit – das auch wollen. Bis ich in den Rückspiegel sah. Denn auf meiner hinteren Stoßstange hing ein Sattelschlepper! Wahnsinnig groß wirkte seine Front in meinem Innenspiegel, und ich staune noch jetzt, wie ich so ruhig bleiben konnte, als er auch noch aufblendete! Ich glaube, am liebsten hätte er mich einfach von der Straße gekickt! 😉 Ich gestehe, dass ich, hätte mein Wagen sich nicht wie annähernd festgetackert verhalten und wäre er nicht nur geringfügig vorwärts gefahren – eher ersterbend dahingeschlichen – auch am liebsten ausgestiegen wäre und dasselbe mit ihm getan hätte!

Aber da berappelte er sich wieder, und ich konnte dann wieder zügig weiterfahren.

Inzwischen aber haben sich massive Zweifel aufgetan. Ich mag den Wagen an sich sehr, aber ich kann mich auf das Getriebe offenbar nicht verlassen, noch dazu, da der Meister der benachbarten Toyota-Werkstatt zugab, dass das, was ich da nun schon zweifach mitgemacht habe, bei Fahrzeugen mit diesem Getriebe oft vorkomme und man nichts dagegen tun könne. Auf die Autobahn würde ich damit nicht fahren. Ich befürchte, ich werde mich beim Verkäufer beschweren müssen, der vieles im Dunkeln ließ, was, so der Meister der Toyota-Werkstatt hier vor Ort, meist erst nach einigen Wochen aufträte. Super!

Ich weiß nun nicht, was in der nächsten Zeit passieren wird. Ich mag mich eigentlich im schlimmsten Falle auch nicht von Scotty trennen, aber diese Eigenheiten, die er an den Tag legt, sind nicht sonderlich vertrauenerweckend.

Ich bin gespannt, was der Verkäufer sagt. Sicherlich nichts Gutes. Möglich aber auch, dass ich demnächst ein anderes Auto haben werde. Wahrscheinlich dann wohl einen Schaltwagen … Die sind leichter und günstiger zu bekommen. Schade …

Dräuende Katastrophe: Ali rettet ihren Arbeitgeber

Heute kam eine Vorgesetzte zu mir. Sie hatte keinen Termin bei meinem Chef, und ich sah sie großäugig an und fragte: „Kann ich etwas für Sie tun? Haben Sie einen Termin mit dem Chef gemacht?“ Die Worte: „Von dem ich nichts weiß“ verkniff ich mir. Aus zweierlei Gründen. Denn a) wollte ich nicht so frech klingen, b) bin ich eigentlich immer ganz zufrieden, wenn mein Chef nur hinreichend beschäftigt ist.

Frau Strauß meinte aber zu mir: „Ich bin Ihretwegen hier, Frau B.!“ – „Meinetwegen?“ staunte ich. Das konnte nichts Gutes sein – was hatte ich mir zuschulden kommen lassen? Aber Frau Strauß lächelte. Vielleicht war es nicht ganz so schlimm. Und sie sah mich an, als wäre Weihnachten und als hätte sie endlich das Pony, das ich mir als Kind so herzzerreißend gewünscht hatte, nur kurz um die Ecke geparkt. So sah ich auch auf die Tür hinter ihr – sicherlich würde alsbald solch ein Pferdchen zur Tür hereingetrabt kommen und mir fröhlich entgegenwiehern! 😉 Jahre zu spät, aber immerhin.

Doch Frau Strauß meinte nur: „Frau B. – wären Sie nicht gewesen, hätte es hier eine Katastrophe gegeben!“ Wie das? Ich dachte, die größte Katastrophe sei ich höchstselbst! 😉 Oder so manch anderer Mitarbeiter, unter Umständen sogar als Vorgesetzter tätig. Oder dies eben auch gerade nicht. Ich beschloss, einfach zu lächeln. Ganz entspannt.

Und da meinte sie: „Hätten Sie neulich nicht bemerkt, dass in der Damentoilette bei den Informatikern im ersten Stock etwas nicht stimmte, hätte es hier eine größere Katastrophe gegeben!“

Ah, ja.

Aber es stimmte. Da hatte ich neulich hektisch den Ort mehr oder minder großer Privatsphäre aufgesucht und war schon beim Eintreten über etwas „gestolpert“, das ungewohnt war. Ein Geräusch. Genauer: ein Blubbern. Ein unheilschwangeres Blubbern. Ich war unerschrocken zur vierten Kabine gegangen, der hintersten. Aus der dritten blubberte es. Nun ja, dahin wollte ich ja nicht. Aber aufgrund einer gewissen Vorahnung, eher Erfahrung, betätigte ich, bevor ich ernsthaft tätig wurde, testhalber die Spülung der vierten Toilette. Und das Grauen nahm seinen Lauf, denn ich löste einen Wasserschwall aus, der einen stetig steigenden Wasserstand in der Toilette auslöste, während das Geblubber im Nebenklo richtig bedrohlich zu klingen begann. Das Wasser in Toilette 4 stieg und stieg, und ich zog mich auf den Gang zurück. Ein gewisser Abstand bzw. Vorsprung vor der Flutung schien mir sinnvoll. Sehr, sehr knapp unter dem WC-Sitz kam die Flut zum Stehen …

Ich zog es vor, diesen Ort zu verlassen und lieber ein anderes Örtchen zu nutzen. Dann rief ich Frau Strauß an und berichtete, es gäbe da wohl ein Betätigungsfeld im ersten Stock bei den Informatikern in der Damentoilette. Exakt dort, wo wir vor Monaten schon einmal eine schlimme Überschwemmung gehabt hatten, eine sehr unappetitliche Überschwemmung.

Und heute kam Frau Strauß eigens vorbei und dankte mir. Sie sagte, die Rohrreinigungsfirma, die man zu Hilfe gerufen hätte, hätte geschlagene zwei Tage gebraucht, die Verstopfung zu beseitigen. Hätte niemand es bemerkt, hätten wir sicherlich eine erheblich schlimmere Überschwemmung als die zuvor dagewesene erlitten. Und da wolle sie mir danken. Das fand ich nett.

Allein Janine sah mich an, als wünschte sie mir die Beulenpest! Nun ja – nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht hatte, grinste ich und fragte mich, ob es wirklich opportun gewesen sei, Bescheid zu geben. Wenn es sich wirklich um eine Katastrophe gehandelt hätte, wäre es vielleicht besser gewesen, nichts zu sagen … Vielleicht hätten wir ja „katastrophenfrei“ bekommen! 😉

Nun überlege ich, wie ich mich im Folgefall wohl verhalten solle … 😉 Aber ich weiß es schon jetzt: Ich würde erneut Alarm schlagen. Schon der Kollegen aus der Haustechnik wegen, die als Erste mit dem Unangenehmen zu tun bekommen.

Und nun sitze ich hier und warte auf meine Auszeichnung. Denn immerhin habe ich die Infrastruktur gerettet. Ob ich eine Urkunde bekomme? 😉

Da seht ihr es: Ich bin total wichtig bei meinem Arbeitgeber! Und das schon, wenn ich nur zum Klo gehen will … 😉

Frankreich lieben lernen

Ich hatte ja schon immer ein kleines Problem mit Frankreich. Schon immer? Nein, eigentlich eher, seit ich den Französisch-LK bei Monsieur Faubourg hatte [alle Namen geändert, die Pseudonyme aber niemals grundlos gewählt], der alles Französische in den Himmel hob und speziell mir damit gewaltig auf die Nerven fiel. Er beabsichtigte anderes, als er bei mir auslöste, und ich vermute, ein nicht geringer Teil meiner LK-Kameraden hat oder hatte ein ähnliches Problem mit Frankreich. Bis auf die a priori Besessenen.

Mehrfach hatte ich Frankreich bereist, und – ich muss es zugeben – es hatte mir eigentlich immer gefallen. Irgendwie. Aber da war immer etwas, das mich daran hinderte, ein echtes Lob auszusprechen. Es lag wohl wirklich an M. Faubourg aus Lille, den ich – wurde er intolerant – wiederholt fragte, ob er eigentlich wirklich Franzose oder nicht eher Süd-Belgier sei. Danach war er immer ganz zahm, wenn er auch behauptete, ich sei ein Nagel zu seinem – speziell durch mich initiiert – viel zu früh heimgesuchten Sarg.

Ich war bereits mehrfach in Paris nebst Vorstädten gewesen, da ich nicht immer nur privat, sondern auch beruflich nach Frankreich musste. Als Siebzehnjährige im Baskenland gewesen – wunderschön, und ich kann es nur empfehlen! 2011 hatte ich das Elsass besucht und in Strasbourg, wo wir Quartier bezogen hatten, mit bissigen kleinen Hunden zu tun bekommen, die knapp hinter dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – was die Hunde wohl nicht wussten – ausgerechnet mich bissen, obwohl mein Ex Dirk an der Attacke schuld war (Näheres gern auf Anfrage), da er einem der kleinen Hunde die Zuneigung verweigert hatte, und das mit den Worten: „Ich mag keine Hunde! Weg mit euch!“ Ich frage mich noch heute, warum ausgerechnet ich zum Ziel der beiden kleinen Kerle wurde, deren einen ich noch ungestört hatte streicheln können, nachdem dieses Verdikt gefallen war! Eigentlich ungerecht, zumal Dirk, als wir schon rannten, was ich normalerweise niemals tun würde und – was ich normalerweise noch weniger tun würde – mit meiner Tasche nach der impertinenten kleinen Hündin schlug, die mir – ja, mir! – an den Fersen hing, hineinbiss und mich wirklich bissig verfolgte und mir wehtat, überhaupt nicht begriff, was Sache war und in welche Situation er uns, besser: mich gebracht hatte! Ich hatte doch gar nichts getan! Im Gegenteil – ich war freundlich zu den beiden apricotfarbenen und gelockten Hündchen gewesen! Dirk war der Arsch! Aber wen verfolgten die kleinen Arschgeigen? Ja, nee – ist klar! Hätte mir vorher jemand erzählt, ich würde mal nach Hunden schlagen, und sei es nur mit einer Tasche, hätte ich mir diesen Menschen sicherlich vorgeknöpft und ihn gefragt, was er gerade geraucht, getrunken oder sonstwie konsumiert hätte. Auch hätte ich wohl jeden als Deppen betitelt, der vor Hunden wegrennt – jeder weiß doch, dass das deren Jagdtrieb nur anstachelt. In jener Situation damals stand ich ungelogen unter Schock: zu Unrecht gebissen, obwohl ich die Rolle des „good cop“ innehatte, reagierte ich völlig anders als sonst.

Richtig schlimm war, dass mehrere Anwohner die kleine, fiese Hündin, die nur mich biss, auch noch anfeuerten! Im Elsass scheint die alte Feindschaft zwischen Deutschen und Franzosen vor allem bei älteren Menschen noch zu leben. Nur traf es mich doppelt ungerecht! Ich war zu allen freundlich, da ich mich ja als Gast sah. Dirk war da anders, und er schrie mich an, warum ich denn nicht schneller liefe.

Am Ende der Straße sank ich irgendwann mit dem Hintern auf ein Gartenmäuerchen – inzwischen fühlte sich die freche kleine Hündin nicht mehr zuständig, nachdem ich sie derart wütend angeschrien hatte, dass sie wohl selber überrascht war und die Verfolgung eingestellt hatte. Dirk motzte und meinte: „Was setzst du dich denn jetzt hier hin?“ Ich zog nur wortlos mein rechtes Hosenbein hoch – darunter eine recht raumgreifende Quetschwunde in „bleu et rouge“, und das mit einigen Abschürfungen und sogar Zahnabdrücken. Dirk staunte: „Was ist das denn?!?“ Ich erklärte, die Hunde hätten mich gebissen – das hatte er gar nicht mitbekommen, schon gar nicht, dass er der Auslöser dafür gewesen war. Dann brach ich in Tränen aus – es war so ungerecht: Ich mag Hunde, werde aber aufgrund der deutlichen Ablehnung meines Begleiters gebissen. Und der kapiert nicht einmal die Situation! Dafür wollte er mich danach unbedingt zu einem Arzt bringen! „Bist du gegen Tetanus geimpft?“ – „Bist du es?“ – „Nein.“ – „Dann ist es ja gut, dass nur ich gebissen wurde: Ich bin es.“ Wie besorgt er auf einmal war! Noch heute bin ich ein wenig verärgert – vielleicht hätte er sich vorher etwas vorsichtiger benehmen können. Aber das war seine Sache ja nie …

Das war 2011. Danach war ich nicht mehr in Frankreich. Erst letztes Jahr wieder. Zusammen mit Meike. Sie wollte Urlaub machen, ich auch. Beide derzeit allein, und wir verstanden einander eigentlich immer recht gut. Warum also nicht? Und so fuhren wir gen Frankreich – eine Woche lang. Im August.

Eigentlich hatten wir hauptsächlich in die Normandie gewollt. Normandie! Die hatte ich immer nur am Rande berührt, wenn ich in Frankreich gewesen war. Aber so schöne Dinge kommen aus der Normandie – speziell die drei wunderbaren C: Camembert, Cidre und Calvados! Und ich wollte unbedingt einen der Strände besuchen, die beim D-Day eine so große Rolle gespielt hatten.

Wir fuhren los, die Sonne schien. Die Sonne schien auch noch in Belgien. Warum auch nicht?

Wir überquerten die belgisch-französische Grenze. Das Wetter wurde immer schlechter, und als wir im ersten normannischen Ort unserer Reise ankamen, hatten wir schon mehrere tiefe Pfützen auf verschiedenen Straßen überquert, auf die durch Schilder mit der Aufschrift: „Gare! Inondation!“ aufmerksam gemacht wurde.

Bei grauem Himmel und bereits fallenden Regentropfen größeren Kalibers schleppten wir unser Gepäck ins Hotel. Abends dann im Nachbarort essen. Von Starkregen zwar nicht überrascht, aber überwältigt, und ich habe zuvor niemals derart durchnässt in einem Restaurant zu Abend gegessen.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter, nahmen Quartier, besuchten den „Gold Beach“ und Bayeux, für mich als Anglistin besonders interessant. Auf der Rückfahrt nach einem wunderbaren Abendessen noch mitten im dunklen Hinterland mit fast leerem Tank auf der Suche nach einer Tankstelle … Keine von uns hatte auf die Tankfüllung geachtet – es war aber auch trotz des Regens zu schön.

Weiter ging’s am nächsten Tag. Immer noch Dauerregen, auch Landregen genannt, und so besuchten wir Mont-Saint-Michel. Natürlich durchnässt, denn es schüttete wie aus Eimern. Zum Glück war Meike so klug gewesen, bereits am zweiten Morgen umzubuchen, noch in Étretat, unserer ersten Station. Und so waren wir nur eine Nacht am Folgeort geblieben, besuchten aber von dort Saint-Malo, wo ich sofort hinziehen würde, aßen dort zu Abend. Ausnahmsweise nicht durchnässt. 😉 Nur gab es da ein Problem mit dem Parkautomaten, der partout weder Kreditkarte, noch Bargeld von uns akzeptieren wollte. Einem sehr netten französischen Paar, speziell der männliche Part mit einem wunderbar sarkastischen Humor ausgestattet, obwohl er uns für Engländerinnen hielt, was aus französischer Perspektive einer Beleidigung gleichkommt, haben wir zu verdanken, dass wir überhaupt von dem Parkplatz wegkamen. Als die beiden mitbekamen, dass wir sie durchaus verstanden, waren sie gleich noch netter. 😉

Am nächsten Tag ging es weiter nach La Rochelle. Das lag viel weiter südlich, als wir eigentlich hatten fahren wollen. Aber wir fuhren dem guten Wetter hinterher. Doof nur, dass es am ersten und einzigen Abend in La Rochelle wie aus Eimern schüttete. Aber schön war es trotzdem! Wir saßen vor einem Bistro unter einem riesigen Sonnenschirm, auf den der Regen pladderte, und wir aßen wunderbares französisches Essen und tranken Wein dazu. Danach störte mich auch der große Wasserfleck an der Decke meines „appartements“ nicht mehr. Und am nächsten Tag strahlte die Sonne vom Himmel – was wollte man mehr?

Nicht zu vergessen die Île de Ré, wo wir zuvor gewesen waren, „moûles frites“ gegessen, Wein getrunken und umherflaniert waren, Esel in Hosen gesehen hatten, ebenso „Tourists go home!“-Graffiti. Und das Fort de la Prée hatten wir dort besucht. Alles schön und entspannt.

Am nächsten Morgen in La Rochelle strahlte die Sonne vom Himmel, und wir flanierten durch die Stadt, die hinsichtlich ihrer Bauwerke so anders aussah als die Normandie – man merkte, man war erheblich südlicher. Viel Geld ausgegeben, aber nur für schöne Dinge. 😉 Und ich glaube, wir sind beide ungern wieder weggefahren – es war so schön dort!

Doch da, wohin wir als Nächstes fuhren, war es auch schön. Zurück gen Norden ging es, nach Chinon in der Touraine. Wir besuchten die „Forteresse Royale de Chinon“, und ich bewunderte Meike, die so viel durchtrainierter war als ich – sie schaffte auch den Auf- bzw. Abstieg in einen weiteren der Türme, als ich schon, nach Luft schnappend, nach zweien aufgab. Meike ist Nichtraucherin. 😉 Ich blickte lieber von oben auf die Landschaft und die Vienne, die unterhalb der Festung gemächlich dahinfloss …

Das Hotel war klasse, obwohl eine Spinne in meinem Zimmer war und es keinen Aufzug gab. Wir aßen abends in einem schönen Restaurant „coq au vin“, dann saßen wir noch auf dem Marktplatz vor unserem Hotel und tranken Wein.

Am nächsten Tag ging es weiter durch die Champagne gen Reims. Meiner Mutter hätte die Landschaft sicherlich sehr gefallen – sie kommt aus einem Weinanbaugebiet. Mir gefiel sie auch, aber es gab sehr viel davon. Haufenweise Landschaft mit Weinbergen. Und viele kleine Orte. Sonst: nichts. Doch dann tauchte sie mitten im Nichts vor uns auf: eine Stadt! Genauer: Reims. Wie eine Oase mitten in den Weinbergen. Nach all der Landschaft war ich ganz aufgeregt – vor uns Zivilisation, so schön die Landschaft auch gewesen war, aber irgendwann hatte ich gedacht, dass es nur mehr Weinberge gebe, keine Orte mehr. Ich bin das nicht gewohnt – ich komme aus einer Metropolregion. 😉

Zunächst steuerten wir „Leclerc“ an, einen riesigen Supermarkt. Dort fand ich, was mir noch fehlte. Ein französisches Kochbuch war das Erste, das in den Einkaufswagen wanderte. Nicht, dass ich nicht schon mehrere französische Kochbücher besäße und nicht schon am Mont-Saint-Michel eines gekauft hätte … 😉 Dann folgten einige Schreibblocks und Kladden mit originalfranzösischer Lineatur – ich kaufe auch hier in Deutschland gern „Clairefontaine“-Hefte und -Collegeblocks. Französisches Duschgel, französischer Kaffee für meine „Bodum Original French Press“ (und ich habe selten so guten Kaffee getrunken, hätte erheblich mehr davon in Frankreich kaufen sollen, denn er erinnerte mich an meinen ersten Aufenthalt in „la douce France“ im Baskenland vor vielen Jahren), französischer Senf, französische Café-au-lait-Schalen folgten. Und bunte Wassergläser! Ich liebe Buntglas, habe eine unerklärliche Schwäche dafür. Ich habe eine leise Ahnung, woran es liegen könnte. 😉

Das Hotel war interessant. Mein Zimmer war ganz in Violett gehalten, in einem der oberen Stockwerke, und der Blick aus dem Fenster war wenig attraktiv, da ich auf Dächer und Abzugs- und Lüftungsvorrichtungen blickte. Doch Meike hatte es weit schlimmer getroffen. Ihr Zimmer, ganz in Gelb gehalten, blickte auf einen finsteren Innenhof hinaus, so finster, dass es kaum zu beschreiben ist. Ich bot ihr an, zu tauschen, aber sie war höflich und meinte, das störe sie nicht. Nicht so sehr. 😉 (Nein, nichts gegen das Hotel – es war gut. Bis auf Meikes Zimmer, okay. 😉 )

Wir „flohen“ schnell in die Stadt, wo das Leben tobte. Weit mussten wir nicht gehen, denn einer der Vorzüge des Hotels war, dass es zentral gelegen war. Wir gingen zur Kathedrale, dann suchten wir ein Restaurant. Da es sehr warm war, konnten wir draußen sitzen. Die Stimmung in Reims ließ mich überlegen, dass es für mich problematisch wäre, zu entscheiden, in welcher der Städte, die wir besucht hatten, ich wohl am liebsten leben würde. Ich weiß es bis heute nicht, aber Reims hätte sehr gute Chancen, obwohl es – anders, als die anderen Orte, außer Chinon – nicht am Meer liegt oder in der Nähe des Meeres. Und ich liebe das Meer … 🙂

Am nächsten Tag ging es nach Hause. Die einwöchige „Tour de France“ war beendet. Aber ich denke immer gern daran zurück. 🙂

Die Letzten werden die Ersten sein oder: Warum ich kein Fan der Squadra Azzurra bin …

Heute ist ein nicht ganz so „stressiger“ Fußballtag. Hoffe ich. Zumindest gibt es nur zwei Spiele, und ich werde mir wohl Schweiz-Frankreich ansehen. Rumänien-Albanien müsste ich auch via Livestream verfolgen, und – ich hoffe, es nimmt mir keiner übel! – irgendwie finde ich das Spiel SUI-FRA doch interessanter.

Tja, der gestrige Tag war mal wieder ein Schuss in den Ofen – ganze 0 (in Worten: null) Punkte für mich, und ich frage mich nun ernsthaft, was mit den Portugiesen los sei, denn nachdem die ersten beiden Spiele gestern für mich schon wenig günstig ausgegangen waren, hatte ich meine Hoffnungen auf Portugal gesetzt. Und dann 0:0! Ich stand schließlich auf dem vorletzten Platz – vor Heide, von der ich mich offenbar gar nicht trennen kann und die bis dato erfolgreich ihren letzten Platz standhaft verteidigt. Und auf diesem herausragenden Platz kann ich sie doch unmöglich allein lassen! 😉

Bei einem vorsichtigen Blick vorhin staunte ich: Wie durch Zauberhand war ich auf den vor-vorletzten Platz quasi katapultiert worden! Wie das? Heute gab es noch kein Spiel! Aber dann wurde ich gewahr, dass es ja auch noch die tollen Bonusfragen gibt, die ich vor EM-Start im Schweiße meines Angesichts beantwortet hatte – und eine sogar, wie sich nun herausstellte, ganz richtig. „Wer gewinnt die Gruppe E?“ So lautete sie, und ich habe sie mit „Italien“ beantwortet und dafür vier Punkte bekommen. Ha! Seht her – Ali ist doch nicht so blöd! 😉 Ich gebe zu, es war auch ein vergleichsweise wenig riskanter Tipp … Aber irgendwie muss man sich ja über Wasser halten. Dabei bin ich nun wirklich kein Fan der Squadra Azzurra.

Spätestens seit der EM 2000 ist das so. Und das mit Grund. Neben einer gewissen Theatralik bei den Spielern damals gibt es auch einen eher sekundären Grund dafür. Denn am zweiten Juli, dem Finaltag, waren Giacomo und ich in unserer Stammkneipe, um das wichtige Spiel dort zu verfolgen. Dass man mich dort überhaupt noch hineinließ, war ein Wunder, war ich doch bei einem Vorrundenspiel dort schon sehr unangenehm aufgefallen, als ich die Stirn hatte, für England zu sein, als die Three Lions gegen Deutschland spielten … Was mich dazu gebracht hat, weiß ich heute auch nicht mehr – ich weiß nur noch, dass mir dieses ganze Platzhirschgebaren der anwesenden Herren empfindlich auf die Nerven ging, denn für diese war Deutschland per se Europameister. Und dann das! England gewann, und Deutschland flog wenig später bereits während der Gruppenphase aus dem Wettkampf. Ich glaube, am liebsten hätten mich die damals Anwesenden gelyncht. Der einzige Trost: Auch England schaffte es letzten Endes nicht, und gemeinsam mit der deutschen Nationalelf hieß es auch für sie, nur noch als Zuschauer aktiv zu sein.

Nun, an jenem zweiten Juli spielten Frankreich und Italien gegeneinander. Die Stimmung in der Kneipe war trotz des deutschen Debakels gespannt, die Luft brannte förmlich. Die meisten waren für Frankreich, der Rest für Italien, darunter Giacomo und ich. Es war für mich ziemlich klar, denn Giacomo ist Italiener, und irgendwie identifizierte ich mich selber mehr damit als mit den Franzosen. Und – ehrlich gestanden – ich hätte mir auch gar nicht vorstellen mögen, was ich mir hätte anhören müssen, hätte ich zu den Franzosen gehalten … 😉 Da war es gut, dass ich – wie ich es damals empfand – die Wahl zwischen Pest und Cholera hatte. Heute sehe ich das anders.

Das Spiel begann. Giacomo war sehr aufgeregt, und es gab Szenen, da hielt es ihn kaum auf seinem Stuhl, und entfesselt schrie er die Azzurri an: „Vai! Vai!“ Oder: „Dai!“, „Su!“ und „Forza!“ An Engagement fehlte es gewiss nicht, jedenfalls nicht bei Giacomo. Aber der saß ja auch bequem und musste nicht selber spielen. 😉

Lange Zeit sah es auch so aus, als würden die Italiener Europameister. Aber dann – o Gott! – der Ausgleich! In der Nachspielzeit, und dann folgte die Verlängerung. Giacomo stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch, und allmählich begann ich, mir Sorgen um ihn zu machen. Und dann das Golden Goal!  Die Équipe Tricolore war Europameister!

Ich sah mich schon einmal vorsichtig um – ob wohl ein Arzt anwesend war? Denn Giacomo regte sich besorgniserregend auf, und er schrie, der schwedische Schiri sei doch wohl gekauft! Ich habe den Namen des Schiris nie wieder vergessen … Um den machte ich mir auch ein wenig Sorgen, denn es gab außer Giacomo wohl noch ganz viele andere Italiener, die dem Herrn die Beulenpest an den Hals wünschten oder am liebsten selber Hand angelegt hätten, um dafür zu sorgen, dass er nie wieder als Schiri würde arbeiten können … 😉

Giacomo stand – wie es aussah – kurz vor einem Herzinfarkt. Ich sprach vorsichtig und behutsam mit ihm, versuchte, ihn zu beruhigen. Und nicht nur ich – auch zahlreiche andere Anwesende starteten diesen Versuch und meinten, sie fänden es auch nicht schön oder fair, aber es sei nun einmal so. Aber ich glaube, er hat es gar nicht gehört – ein Italiener, in seiner italienischen Ehre gekränkt. 😉

Zum Glück wurde er dann ruhiger. Allerdings auch das wieder besorgniserregend, denn er fiel in eine Art katatonischen Zustand. Zumindest verhielt er sich so, sprach kein Wort, reagierte nicht auf Berührungen und Ansprache, starrte vor sich hin, und dies in einer Weise, als würde er am liebsten die ganze Welt erwürgen. Schweigend stand er schließlich auf, zahlte und wollte gehen. Nicht etwa, dass er mich beachtet hätte – die Squadra Azzurra hatte verloren … Dumm nur, dass draußen extremer Regen fiel – wahre Sturzfluten kamen vom Himmel, einige Straßen überschwemmt. Da konnte er nicht gehen und saß bockig wie ein Kind auf der obersten Stufe der Treppe im Eingang. Man brachte ihm ein Alt. Immerhin – das trank er dann, nachdem er zunächst weiterhin den „Katatoniker“ gegeben hatte. Gruselig. Immerhin aber war auf diese Weise kein Streit möglich, obwohl ich ihm einige Dinge sagte, auf die er normalerweise recht giftig reagiert hätte. Aber mir war das wirklich zu blöd. Auch ich fand den Ausgang nicht sonderlich schön, aber musste man sich denn so anstellen? (Gut, ich bin keine Italienerin, und ich könne das auch gar nicht so nachempfinden – so Giacomos Worte später … 😉 )

Am nächsten Tag benahm er sich wieder ganz normal. Aber ich bin seither keine Freundin der italienischen Nationalmannschaft mehr. So etwas prägt. 😉

Und nun drücke ich den Franzosen für das Spiel die Daumen. Nicht ganz uneigennützig. Ich gebe es zu. Es hängt mit meinen Tipps zusammen, die auch die Bonusfragen betreffen. Euch ebenfalls einen spannenden Fußballabend! 🙂

Über das korrekte Leben und Heilsversprechungen

Ich werde nie vergessen, wie meine frühere Hausärztin in Aachen mal zu mir sagte: „Frau B.: Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Den Satz von ihr habe ich nie vergessen. Wir kannten einander recht gut, duzten einander später auch, und sie wusste, dass ich bisweilen zum Grübeln tendiere, mir oft Schuhe anziehe, die mir gar nicht passen. Und dass Konflikte nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören – im Gegenteil. Es mag auf Menschen befremdlich wirken, die mich alltäglich erleben, denn sie würden denken, dass das ja gar nicht stimmen könne – nach außen wirke ich wohl ganz anders. Ja, klar, ich weiß, dass es ohne Konflikte nicht geht, auch, dass man seine Meinung sagen muss, wenn eine Sache unerträglich ist – und das tue ich auch. Je häufiger und ärgerlicher, desto weniger erträglich eine Sache. Das Erfreuliche daran: Das tue ich nicht nur, wenn es um mich geht. Sonst könnte man und müsste auch ich mir vorwerfen, mich in Selbstmitleid zu suhlen. Das tue ich aber nicht. Es ist nur einfach nicht auszuhalten, wenn schwere Ungerechtigkeit geschieht, egal, gegen wen. Das bereitet bisweilen ungelogen körperliche Beschwerden, und in solchen Zeiten häufen sich bei mir unter anderem Migräneanfälle oder Magenbeschwerden.

Doch weg vom allzu Ernsten, denn: Man kann ja etwas dagegen tun. Nein, nicht gegen die Ungerechtigkeit an sich vielleicht, so aber doch gegen Migräne, Magen- und sonstige Beschwerden. Man kann sogar prophylaktisch tätig werden!

Das ist bei mir natürlich ein bisschen problematischer, denn ich bin Raucherin und tue mich mit dem Aufhören schwer. Klassisches Zitat: „Das Rauchen aufzugeben, ist ganz einfach. Ich habe es schon hundertmal gemacht.“ Da fängt das Elend schon an. Das Rauchen ist an allem Möglichen schuld – vor allem, wenn man meine Mutter reden hört. Einmal monatlich auftretende Bauchschmerzen? „Kommt alles vom Rauchen.“ Migräne? „Kommt alles vom Rauchen.“ Ungeliebter Arbeitsplatz? „Kommt vom Rauchen.“ Sehnenscheidenentzündung? „Rauchen.“ Liebeskummer? „Rauchen.“ Wunderbar, wie einfach das Leben wäre, würde ich nur nicht rauchen …

Ein früherer Chef meinte einmal, als er hörte, dass ich mir beim Friseur Strähnchen machen lasse: „Nein, Frau B.! Lassen Sie das! Das ist krebserregend!“ Ah, ja. Derselbe Chef warnte mich auch vor den finsteren Auswirkungen von Kontaktlinsen – was damit alles passieren könne! Wir fassen zusammen: Ich würde wohl superglücklich durch die Welt wandeln, würde ich nichtrauchend und mit fad-aschblondem Haar und einer reizenden Nickelbrille einherschreiten! 😉 Ich werde es mir in etwas über einem halben Jahr am Silvesterabend ganz, ganz fest fürs kommende Jahr vornehmen.

Glücklicherweise gibt es so viele Dinge, mit denen man das Gewissen zumindest ein bisschen beruhigen kann: hochwertige Lebensmittel und sonstige Gebrauchsgüter dieser Art. Gut, sie machen zwar die Auswirkungen von Nikotin, Teer, sonstigen finsteren Substanzen, die sich erst in den Zigaretten und dann in der Lunge befinden, nicht ungeschehen, und auch die Gefahr, die von Haarfärbemitteln und bösen Kontaktlinsen ausgeht, bleibt unverändert bestehen, aber zumindest an einer anderen Stelle kann man sagen: „Ha! Seht ihr! Ich bin ein bewusster Konsument!“

Und Industrie und Handel machen es uns ja heutzutage auch ganz leicht. Es begann vor diversen Jahren, als ich in einen Supermarkt ging und Joghurt kaufen wollte. Naturjoghurt natürlich, nicht diesen Schnickschnack mit Früchten wie zum Beispiel Erd- oder Himbeeren, deren Authentizität Zweifel aufkommen lässt. Und da stand ich vor dem Kühlregal und las an mehreren Stellen den Begriff „probiotisch“. Aha. Spannend. Und diese Joghurts sollten die Crème de la crème sein – absolut gesund. Ich wunderte mich über den Begriff „probiotisch“, der eigentlich nur „für das Leben“ bedeutet. Klar – für das Leben! Aber wenn dies das Alleinstellungsmerkmal jener Joghurtsorten war: Was waren dann die anderen Sorten? Nicht für das Leben, ergo keine Lebensmittel? Nichtsdestotrotz kaufte ich eine Viererpackung des Wundermittels und probierte zu Hause. Außer, dass der Joghurt wie eingeschlafene Füße und erschreckend muffig schmeckte, fand ich nichts Besonderes daran. Mal abgesehen vom Preis – der Joghurt war mehr als doppelt so teuer gewesen wie konventioneller Naturjoghurt. Nur war der konventionelle Joghurt ausverkauft gewesen, weswegen ich überhaupt nur auf den Hightech-Joghurt ausgewichen war, da ich eine „Joghurt-jetzt-sofort“-Attacke hatte.

Ich probierte danach noch weitere probiotische Joghurts und auch einen probiotischen Quark – auch das eine Riesenenttäuschung und -ernüchterung. Und noch schlimmer kam es, als ich las, wie die reizenden Mikroorganismen, die einen stinknormalen Joghurt zu einem herausragenden und lebensverlängernden Wundermittel machen sollen, „geerntet“ werden. Vor allem, woraus man sie gewinnt. Bah! Und da regen sich Leute darüber auf, dass in der Erdbeerjoghurtproduktion Holz bzw. Sägespäne als Aromalieferant benutzt werden! Wenn sie erst wüssten, woraus die putzigen probiotischen Mikroorganismen gewonnen werden … 😉

Hinzu kam, dass man die Wirksamkeit der Probiotika schon relativ früh in Frage stellte, da viele dieser wertvollen Mikroorganismen die Magenpassage gar nicht überstehen oder spätestens im Dünndarm quasi von den „Eingeborenen“ niedergemetzelt werden, bevor sie eine wie auch immer geartete Wirkung entfalten können. Gewissermaßen nicht einmal „killed in action“, sondern „before“. Von mir aus dürfen gerne überzeugte Probiotik-Anhänger weiterhin überhöhte Preise für Produkte fraglicher Effizienz bezahlen – ich nicht. Ich, anerkannter „danger seeker“, kaufe weiterhin ganz leichtsinnig konventionellen Naturjoghurt. Aber irgendwie habe ich auch den Eindruck, dass Probiotik gar nicht mehr so en vogue sei …

Seit einigen Jahren grassiert nämlich die Laktoseintoleranz wie dazumal die Pest. Merkwürdigerweise wussten vor diesem Trend viele Leute gar nicht, was das eigentlich sei – inzwischen ist gefühlt die halbe Bevölkerung laktoseintolerant. Offenbar handelt es sich um eine Epidemie … Ich frage mich, ob die sich wirklich alle darauf haben testen lassen oder ob das Ganze nicht – wie ein modisches Accessoire – getragen werde. Ich will nichts unterstellen, aber ich hege bisweilen mikroorganismengroße Zweifel daran, dass so viele Menschen auf einen Schlag … Und wie einst die probiotischen Bedarfsartikel übervölkern nun laktosefreie Lebensmittel die Supermarktregale – zu entsprechenden Preisen, versteht sich. Neulich musste ich im Supermarkt lange suchen, um stinknormalen Joghurt zu finden. Ist das denn normal?

Ich musste mich selber mal auf Laktoseintoleranz testen lassen, und ich weiß noch, wie ich bangte, ich könne davon befallen sein – ich liebe Milchprodukte, und ich liebe Rohmilchkäse. Stundenlang saß ich dort, alle halbe Stunde wurde mir nach dem frühmorgendlichen einmaligen „Genuss“ von 400 ml Milchzucker-in-Wasser-Lösung Blut aus sämtlichen Fingerkuppen der linken Hand nacheinander entnommen, bis ich entnervt meinte: „Wie gut, dass ich nicht Geige spiele – das wäre dann heute nix mit Üben.“ Zum Glück fiel der Test negativ aus – der Rohmilchkäse war für mich gerettet. Und so frage ich mich wirklich, ob denn alle, die für sich postulieren, laktoseintolerant zu sein, auch wirklich solch einen Test gemacht haben. 😉 Ich habe auch schon einige dieser Leute gefragt. Die Antwort war jedes Mal die gleiche: „Ach, da gibt’s einen Test? Ich habe das selber herausgefunden. Man muss nur in sich hineinhorchen. Das ist doch auch normal – die meisten Menschen sind laktoseintolerant.“ Nun, ich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass die meisten Menschen diese Intoleranz aufweisen. Aber nichtsdestotrotz gibt es nun ganz viele überteuerte Lebensmittel. Auch ich musste die mal zwangsweise mitessen – im Urlaub mit einer laktoseintoleranten Bekannten. Die ist aber wirklich intolerant (und nicht nur Milchzucker betreffend), ärztlich getestet, und dagegen ist nichts zu sagen. Warum wir aber alle, wie sie, laktosefreie Milchprodukte zu uns nehmen mussten, sah ich nicht so ganz ein. Angeblich schmeckten die genauso gut wie die milchzuckerhaltigen. Eine Lüge. 😉

Auch die Aufschrift „Bio“ bereitet ein ruhiges Gewissen, nicht wahr? Ich denke, darüber muss ich gar nichts sagen – es bestehen berechtigte Zweifel, dass auch überall, wo „Bio“ draufsteht, Bio drin ist. Da kann man nur hoffen, denn nicht alle Leute haben die Zeit oder die Gelegenheit, einen Hofladen aufzusuchen, wo die Chance, wirkliches Bio-Gemüse, -Obst und -Fleisch zu bekommen, recht hoch ist.

Ich habe mir neulich ein echtes Bio-Shampoo gekauft. Weg mit den ganzen bösen chemischen Substanzen, von vielen Leuten abgelehnt, die irgendwie vergessen zu haben scheinen, dass die gesamte Natur aus Chemie besteht. 😉 Aber ich denke auch, man muss nicht die ganz große chemische Keule verwenden, und so kaufte ich ein gar wunderbares Bio-Shampoo mit Wildrosenduft (sicherlich aus echten Wildrosen gewonnen – und ich liebe Rosen … ). Was soll ich sagen? Ich habe ein gutes Gewissen. Aber mein Haar hat unter der Benutzung des Naturwerkes seinen Glanz eingebüßt, ist nach jeder Wäsche stumpf – und vom Durchkämmen wollen wir lieber gar nicht sprechen. Immerhin wird das Haar sauber, und das ist auch der Grund, warum ich das Shampoo nicht weggeworfen habe oder zum Händewaschen benutze. Blöd ist halt nur, dass ich nun – um das stumpfe und widerspenstige Haar durchkämmen zu können – ein Pflegespray benutzen muss, das man nach dem Waschen auf das nasse, sperrige Haar sprüht, auf dass es leicht kämmbar werde. Darin enthalten: chemische Keule. Sehr wirksam, das Bio-Shampoo, und offenbar nur für Trägerinnen extremer Kurzhaarfrisuren oder Fakire geeignet.

Nicht alles ist schlecht – es gibt auch viele gute Sachen. Aber eben auch viel Geldschneiderei, und da sollte man immer gut aufpassen, dass man nicht auf wunderbare Heilsversprechungen hereinfällt. Ich muss es gestehen: Mir gelingt das beileibe nicht immer. 😉

Und nun werde ich mal in mich hineinhorchen, ob da nicht irgendwelche Zeichen seien, dass mein Körper mir etwas mitteilen wolle. Oh! Da ist etwas! Mein Magen knurrt. Zeit fürs Mittagessen. Natürlich ganz gesund und auf Gemüsebasis. Bio-Gemüse, versteht sich.

Meine Chancen vergrößern sich mehr und mehr

Was soll ich sagen? Meine Chancen haben sich nach diesem Fußballabend eklatant vergrößert.

Nein. Nicht auf den Sieg. Vielmehr auf alsbald ins Haus stehendes Liebesglück (zur Erinnerung: „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“) sowie den Deppenpreis dieses Tippspiels. Ein denkwürdiger Fußballtag.

Es begann damit, dass Russland gegen die Slowakei 1:2 verlor. Ich hatte da wohl die Position der Zahlen vertauscht … Aber ich bin ja manchmal doch relativ optimistisch, und so dachte ich: „Es gibt heute ja noch zwei Spiele!“

Spiel Numero 2 bekam ich gar nicht ganz mit – ich musste nach der Arbeit noch einkaufen. Rumänien gegen die Schweiz, und der Fall war doch wohl klar: Ich wollte gutmütig sein und tippte 1:2 für die Schweiz.

Als ich meinen Wagen mal wieder am Arsch der Welt hatte parken müssen, weil vor dem Haus viele Ortsfremde und Nachbarn parkten, die bequeme Garagen hinter dem Haus haben, die mir später beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster in all ihrer geräumigen Leere hämisch entgegengrinsten, raste ich mit einem Teil der Einkäufe – sechs Literflaschen Mineralwasser stehen noch in Scottys Kofferraum, da zu schwer für die weite Strecke zum Haus – eilig zum Haus, schloss mit fliegenden Händen die Haustür auf und stürmte in den ersten Stock, wo ich mit ebenso fliegenden Fingern die Wohnungstür links aufschloss, in die Wohnung stürzte und dort erst einmal alles fallenließ. Fernseher und PC an …

Was war, bitte, das? 1:0 für Rumänien? Eins zu… war ja okay – aber was machte die Null da? Nun ja – das Spiel war ja noch nicht zu Ende …

Und es blieb auch nicht bei „zu null“. Immerhin schoss die Schweiz noch ein Tor. Aber es hätte ja noch ein weiteres Tor für die Schweiz hergemusst. Keinen einzigen Punkt gab es für mich. Platz 22. Wie gehabt.

Ärgerlich, aber es gab ja noch ein Spiel: Frankreich gegen Albanien. Und da war der Fall doch klar! Oder?

O Gott! Wider meine sonstigen Gewohnheiten hatte ich extrem optimistisch 3:0 getippt. Und ich saß gequält vor dem Fernseher, denn zunächst gab es nicht einmal ein Tor! Erst in der zweiten Halbzeit schoss Frankreich ziemlich spät ein Tor … Und dann noch eins! Hurra! Immerhin zwei wundervolle Punkte für mich!

Und dann war das Spiel zu Ende. Und ich checkte die Tippübersicht. Zunächst war das schwierig, da die Seite nicht zu erreichen war. Kein Wunder – mein Weggang von Platz 22 hatte wohl alles gesprengt oder lahmgelegt. So groß die Überraschung!

Und wie groß war die Überraschung für mich, als endlich die Seite wieder aufzurufen war! Ich war endlich weg von Platz 22! Wirklich und wahrhaftig! Ich hatte es geschafft.

Und nun hoffe ich auf morgen und die nächsten Tage. Denn ich muss nun nicht mehr von Platz 22 weg. Nein. Ich muss von Platz 23 weg. Denn mein Wunsch hat sich erfüllt. „Weg von Platz 22“ war mein Wunsch gewesen, der mir auch prompt erfüllt worden ist. Ich fühlte mich doch ziemlich verarscht.

Merkt euch eines: Wenn ihr Wünsche äußert, müsst ihr das so präzise wie möglich angehen. Nicht nur: „Weg von hier“, sondern ganz präzise sagen: „Weg von hier und nach oben!“ Ich kann mich aber damit trösten, dass so etwas schon vielen Menschen passiert ist. Zum Beispiel dann, wenn sie dringend den Arbeitgeber wechseln wollten: „Bloß weg von hier – alles andere ist besser!“ Nein. Es kann bisweilen schlimmer kommen. Nehmt euch ein Beispiel an mir. 😉

Zum Glück ist alles nicht so dramatisch, wie es sich hier liest: Es mag sich lesen, als sei ich vom Ehrgeiz zerfressen. In Wirklichkeit finde ich die ganze Sache eher komisch – so etwas passiert auch nur mir! (Stimmt auch nicht, aber es kommt mir bisweilen so vor.) Aber ich sitze hier und lache – das Ganze macht Spaß, wozu es auch da ist, und ich finde es irgendwie grottenkomisch. 🙂 Außerdem sind Heide und ich wieder in einer Gruppe. Der Gruppe der Zweitschlechtesten. 😉

Ich fand Ronaldo ja schon immer ein bisschen überschätzt …

Unglaublich! Ich bin immer noch auf Platz 22! Dabei hatte ich fest damit gerechnet, zumindest heute aus dem Tal der Tränen herauszukommen, nachdem meine Kollegin Heide, selber auf Platz 24 der Tipp-Liste befindlich, heute am Telefon schon zu mir sagte: „Finde ich ja nett, Ali, dass wir beide am Ende der Liste ein bisschen kuscheln.“ Na, toll! Ich mag Heide wirklich sehr, aber kuscheln? 😉

Warum um alles in der Welt spielt denn keiner so, wie vorhergesagt? Und was ist mit den Portugiesen los? Alle irgendwie krank, verletzt?

Versteht mich nicht falsch: Ich finde klasse, wie Island gespielt hat – ich bin ein Fan von Underdogs, speziell von von anderen dazu ernannten. Aber ich bin dank dieser Underdogs noch immer auf Platz 22! So geht das doch nicht! 😉

Schon zuvor war ich einigermaßen geschockt gewesen, als Österreich-Ungarn ganz gegen meinen überzeugten 1:0-Tipp völlig „falsch“ 0:2 endete. Auch da freute es mich für die Ungarn, die ganz despektierlich als „Punktelieferanten“ bezeichnet worden waren. Und dann so etwas!

Ich glaube, ich sollte mein Tippverhalten völlig umstellen und immer auf die Underdogs setzen. Nur kenne ich meinen Hang zum „Glück“: Kaum setze ich auf die bis dato siegreichen „Verlierer“, wendet sich das Blatt wieder. Oder sehe ich das zu negativ? 😉 Ich will doch nur einfach diesen Tippversager-Trostpreis vermeiden.

Ich hab’s! Ich tippe so blöd, dass ich meinen 22. Platz immer verteidige. Wenn man relativ weit unten steht, sollte man das Wenige, das man hat, auf alle Fälle verteidigen. Sollte ich eigentlich inzwischen gelernt haben.

Und Kuscheln mit Heide ist auch abgesagt: Die ist nach einer sehr kurzen Erholungsphase in der Gruppe um Kollegen Frederik und mich – beide gleichermaßen schlecht – soeben wieder auf Platz 24 gestürzt. Gut, der Sturz war nicht allzu heftig, nur zwei Plätze … 😉 Ich bin gespannt auf den morgigen Tag, werde aber gegebenenfalls doch meine bereits abgegebenen Tipps noch einmal überdenken. Und wahrscheinlich nicht nur das …

Auf „gutem“ Wege

Wenn es so weitergeht, werde ich wohl in der nächsten Zeit total viel Glück in der Liebe haben. Zumindest dann, wenn man der Redensart „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“ Glauben schenkt, denn ich arbeite mich zielsicher auf Platz 24 in der Liste der 24 EM-Tipper vor. Nun ja, Glück in der Liebe wäre ja in meiner Situation durchaus nicht verkehrt – könnte irgendwann auch mal wieder sein. Da sah und sieht es derzeit mauer als mau aus. Aber wenn man der Redensart glaubt … (Defätistisch, wie ich bin, glaube ich aber eher daran, dass diese nur deswegen erfunden wurde, um den Verlierer bei Laune zu halten. ;-))

Dafür aber ist der Tipp-Deppenpreis schon in Sichtweite – ist doch auch was Schönes. Ich setze daher meine Hoffnung auf die heutigen Spiele. Und die EM dauert ja auch noch ein wenig an – bis zu deren Ende habe ich es dann ganz sicher auf den letzten Platz geschafft …

Immerhin habe ich es gestern endlich fertiggebracht, in die Toyota-Werkstatt zu kommen, ein Unterfangen, das bereits letzte und vorletzte Woche auf meinem Plan stand, aber es war immer etwas dazwischengekommen. Nichts Schlimmes, ich brauchte nur einen Lackstift in „Medium Silver Metallic“, um endlich diesen kleinen Schaden an meiner linken hinteren Tür zu beheben, der mich ja vor einiger Zeit, nicht von mir verursacht, ereilt hat. Sollte man ja so nicht lassen. Wenn es in den nächsten Tagen mal nicht regnet, mache ich mich ans Werk. Mein Vater hat mir schon erklärt, wie das Ganze funktioniere, indem er mir en détail erläuterte, wie ich vorzugehen hätte. Als er noch weiter ausholen wollte, mir die Handhabung des Lackstifts zu erläutern, unterbrach ich ihn freundlich: „Ich bin eine Frau!“ – „Ja, und?“ – „Mit Lack kenne ich mich aus.“ Und ich streckte meinem Vater meine Hände hin, deren Nägel in einem dezenten Bleu, passend zur Kleidung, lackiert waren. Das schien ihn nicht ganz zu überzeugen, aber vom Prinzip her ist es doch wohl nicht gänzlich anders.

Auf der Fahrt zur Werkstatt muss ich ins Projekt „Verkehrserziehung von Laien für Laien“ geraten sein, denn auf einer der Hauptverkehrsstraßen hier in meinem Stadtteil eierte – es tut mir leid – ein Opel aufreizend lahm vor mir her und zwang mich dazu, auf dieser Straße, auf der 50 erlaubt ist, knapp unter 40 zu fahren, was zur Folge hatte, dass er und die hinter ihm Fahrenden ungelogen jede Rotphase mitnahmen, die mitzunehmen war. Erneut ein Fall, da ich hoffte, der vor mir Fahrende beherrsche nicht die Kunst des Von-den-Lippen-Ablesens, denn ich fluchte ein wenig. Wo 50 erlaubt ist und die Verkehrsdichte diese Geschwindigkeit auch zulässt, sollte man doch auch 50 fahren, weil sonst alles ins Stocken gerät. Aber es gibt sie ja überall – die selbsternannten Volks- und Verkehrserzieher, und hier war ich wohl an einen solchen geraten. Und die Werkstatt schloss um 17 Uhr ihre Tore … Ich machte drei Kreuze, als der Opel abbog. Und so bin ich nun im Besitz eines Sets für 8,41 €, bestehend aus „Basecoat“ in oben genanntem Silber, sowie „Clear lacquer“. Habe gleich meine Fingernägel damit lackiert, damit sie zum Auto passen … (Nein, nicht wirklich – ganz so verrückt bin ich nicht. 😉 )

Heute Abend geht es mit Fußball weiter, und vielleicht bewege ich mich dann doch mal wieder ein bisschen aufwärts. But I will have to fight an uphill battle … 😉

Vorbilder

Manchmal im Leben wird man gefragt, ob man Vorbilder, gar Idole, habe. Ich hatte damit immer ein kleines Problem – ich hatte eigentlich nie so recht eines. Kein echtes, fixes, mal abgesehen von meinen Eltern, die ja für alle Kinder in gewisser Weise ein Vorbild sind. Und abgesehen von Oma Margareta, die das nach wie vor für mich ganz speziell ist.

Im zarten Alter von elf oder zwölf Jahren lernte ich dann jemanden kennen, der heute mein Vorbild ist, obwohl wir im Grunde rein gar nichts gemeinsam haben, abgesehen von der Tatsache, dass wir beide Frauen sind. Mein Vorbild vielmehr war es, denn sie ist schon lange tot.

Ich lag mit einer schlimmen Bronchitis und Fieber krank im Bett. Alle Bücher waren bereits gelesen, andere Beschäftigungsmöglichkeiten waren aufgrund der Erkrankung nur erschwert möglich. Meinem Vater tat das leid, und als er einmal in die Stadt fahren musste, um Besorgungen zu machen, ging er in eine Buchhandlung. Er wusste, wie gerne ich lese. Und nach seiner Rückkehr nach Hause kam er in mein Zimmer und hielt ein Buch in der Hand. Ein Taschenbuch. Er wirkte fast ein wenig verlegen, als er meinte: „Ich habe leider den ersten Band nicht bekommen – das sind eigentlich zwei Bände. Aber es wird dir sicherlich gefallen.“ Und er berichtete, dass es um eine amerikanische Familie gehe, eine Familie mit zwölf Kindern, und die Handlung spiele in den 1920ern. Er erklärte, der Vater sei Ingenieur gewesen, Spezialist für Rationalisierung und Arbeitsoptimierung inklusive Zeitstudien.

Ich hörte nur „Ingenieur“, und da mein Vater selber Ingenieur ist und ich von klein auf stets dergestalt mit technischen Erklärungen, Lehrstunden und weiteren Dingen dieser Art konfrontiert worden war, dass es manchmal etwas nervend wurde, dachte ich: „O Gott! Nun auch noch im Krankenbett! Und die Handlung spielt auch noch in der Urzeit!“ Aber da ich sehr an meinem Vater hänge und mich rührte, dass er in der Stadt extra an mich gedacht hatte, las ich das Buch an. Etwas zögerlich zunächst. Und dann legte ich es nicht mehr aus der Hand, denn es war nicht nur interessant, sondern fesselnd. Ein so liebenswertes Buch war es, dass ich ganz traurig war, als ich es ausgelesen hatte. Man mag es nun für verrückt halten, aber ich las es direkt noch einmal. Mein Vater hatte einen Elfmeter getroffen.

Jahre später entdeckte ich bei meinem Ex Richie den ersten Band und las ihn auch an einem Stück durch. An einer Stelle liefen mir dann sogar Tränen übers Gesicht, so sehr hatte ich mich mit dieser Familie „angefreundet“: gegen Ende des ersten Bandes, als der Vater ganz plötzlich und unerwartet stirbt. Band zwei hatte kurz nach dessen Tod eingesetzt, und obwohl ich ja wusste, was Sache war, berührte mich das Ganze doch sehr. Denn: Es ist alles authentisch. Diese Familie, die so sympathisch und tüchtig war, gab es wirklich: die Familie Gilbreth. Nach den Büchern sind in den 50ern zwei Filme gedreht worden – „Cheaper By The Dozen“ und „Belles on Their Toes“, zu Deutsch: „Im Dutzend billiger“ und „Aus Kindern werden Leute“.

Mein spezielles Vorbild kommt aus dieser Familie und wurde aufgrund höherer Gewalt zu deren Oberhaupt: Lillian E. Moller Gilbreth, die Mutter des Dutzends. Ihr seht, wir haben schon an dieser Stelle rein gar nichts gemein, denn ich habe nicht einmal ein einzelnes Kind. Geschweige denn ein rundes Dutzend.

Und doch ist sie mein Vorbild, denn sie hatte es gar nicht leicht, als ihr Mann gestorben war und sie ihre Kinder allein durchbringen musste. Da sie selber Psychologin und Ingenieurin war und stets mit ihrem Mann zusammengearbeitet hatte, übernahm sie seine Aufgaben, um die Firma weiterzuführen und die Familie zu ernähren, den Kindern ein Studium zu ermöglichen, wie es stets ihr und ihres Mannes Wunsch gewesen war. Aber man machte es ihr trotz ihrer Kenntnisse, ihrer Intelligenz und ihres gesunden Menschenverstandes nicht leicht. Kein Wunder in dieser Zeit, denn sie war ja eine Frau, und die konnten doch nur kochen, backen, gegebenenfalls Klavier spielen, sticken, stricken, häkeln und Kinder bekommen und erziehen. So dachte man wohl.

Aber Lillian Gilbreth hat gekämpft. In erster Linie für den Erhalt ihrer Familie, denn wäre sie gescheitert, hätte die Familie nicht zusammenbleiben können, und die Kinder hätten zwar nicht im Heim, aber bei Verwandten untergebracht werden müssen, etwas, das Lillian Gilbreth um fast jeden Preis verhindern wollte. Nur im absoluten Notfall wollte sie das akzeptieren – die Kinder sahen es genauso. Schlimm genug, dass der Vater so plötzlich gestorben war – man hielt zusammen, um nicht auseinandergerissen zu werden.

Aber auch die Firma ihres Mannes, der ja ein gefragter Experte war, musste weiterbestehen. Sie verfügte über die gleiche Expertise, aber man nahm sie nicht für voll, belächelte sie in den „Roaring Twenties“.

Geschafft hat sie es durch Beharrlichkeit, ihre Kenntnisse und ihren offenbar ungebrochenen Willen. Und damit überzeugte sie auch die ärgsten Zweifler. Und so erlangte sie nicht nur den Grad eines PhD, sondern wurde damit auch noch Professorin an der Purdue University, dem New Jersey Institute of Technology und an der University of Wisconsin-Madison.

Mein Vater berichtete immer voller Hochachtung, wie er als Student an der RWTH einen Gastvortrag besucht habe, den Lillian Gilbreth, schon recht alt, dort gehalten hätte. Sie sei eine sehr beeindruckende Persönlichkeit gewesen, und er ziehe den Hut vor ihrer Leistung. „Eine echte Ingenieurin mit sehr viel Stil und Autorität.“ So sagte er immer.

Aber dass mein Vater sie quasi persönlich „kannte“, habe ich erst lange nach seinem Buchmitbringsel erfahren. Das machte das Ganze natürlich noch viel interessanter.

Lillian Gilbreth und ich haben im Grunde rein gar nichts gemeinsam. Aber sie ist ein Vorbild, da sie nie aufgab. Und sie ist für mich im Hinblick auf Emanzipation ein echtes Vorbild, da sie das Prinzip nicht nur verstanden hatte, sondern auch lebte. Und das bereits vor dem Tod ihres Mannes. In den Goldenen Zwanzigern. Keine bloße Umkehrung von Vorzeichen, die keinerlei Fortschritt bringen würde; nur, dass dann die andere Gruppe sich die Rosinen herauspicken würde, statt der bisherigen. Das war wohl nicht ihre Linie. Sie hat es rigoros durchgezogen, doch wohl nicht nur, weil sie musste. Offenbar eine echte Persönlichkeit. Und da ich das so bewundernswert finde, hängt schon seit längerer Zeit ein Foto von ihr an meiner Büro-Pinnwand. Als dezente Mahnung, niemals aufzugeben, ganz gleich, was für ein Murks über einen hereinbricht. 🙂

Und damit ähneln meine beiden speziellen Vorbilder einander. Und noch etwas: Knöpft eure Blusen und Hemden immer von unten nach oben zu. Spart Zeit. Und wenn ihr das nächste Mal einen Tret-Mülleimer oder einen Handmixer benutzt, denkt an Lillian Gilbreth: Wäre sie nicht gewesen, hätten beide Dinge von jemand anderem erfunden werden müssen. Und nicht nur die. 🙂

Suche dringend Tipp-Berater …

Der heutige Tag der EM ist bis dato ein heftiger Schlag ins Kontor gewesen. Warum? Weil ich zu konventionell getippt habe, wie mein Schwager sagen würde. Von Platz 8, den ich inzwischen eingenommen hatte, auf Platz 18 abgestürzt. Die Kroaten unter-, die Türken überschätzt und – überhaupt nicht risikofreudig – 1:1 getippt. Mir graut daher schon vor den nächsten beiden Spielen. 😉 Weiß der Henker, ob ich danach nicht auf Platz 24 liege.

Janine liegt dagegen derzeit auf Platz 2. Wahrscheinlich weiß sie gar nichts davon, weil sie sich gar nicht für Fußball interessiert, eher nolens-volens mitgemacht und sich überdies auch noch bei den Tipps Unterstützung von ihrem fußballbegeisterten Chef geholt hat. Ich habe alles allein gemacht. So sieht es jetzt auch aus. 😉

Ich glaube, ich sollte mir auch einen Berater suchen. Meldet euch zahlreich – aber nur, wenn ihr Ahnung von Fußball habt! Auf meinen Schwager setze ich da lieber nicht. Der rät stets zu völlig unkonventionellen Tipps – und das kann erst recht böse enden. 😉

Ich habe jedenfalls beschlossen, mir Polen-Nordirland nicht anzusehen, sondern lasse mir gerade ein Bad ein. In meiner Eckbadewanne werde ich gleich ganz relaxt liegen, denn solch ein Bad entspannt die Nerven, und man rauft sich nicht dauernd die Haare. Vor 21 Uhr sollte ich auch noch einmal zur Tanke gehen – mein Zigarettenvorrat geht empfindlich zur Neige, und ich befürchte, für Deutschland-Ukraine brauche ich mehr Zigaretten, als ich noch besitze. Rauchen beruhigt ja angeblich auch die Nerven, und ich rege mich beim Fußball immer so auf. 😉 Und das noch erheblich mehr, wenn ich Mitglied einer Tipprunde bin und keiner so spielt, wie ich getippt habe – Frechheit! 😉

Ich tauche daher erst einmal ab. Falls ihr noch echte Tipps für mich für 21 Uhr habt: immer her damit. 😉

23:07: Platz 20. Muss ich noch mehr sagen?

Das fängt ja schon gut an …

Die EM hat gerade erst begonnen, und ich liege mit meinem ersten Tipp schon ziemlich falsch. Ich vermute jedoch, ich bin nicht die Einzige, die für Frankreich und gegen Rumänien 2:0 tippte … Gerade fiel der verdammte Ausgleich zum 1:1.

Nun bleibt mir nur noch, darauf zu hoffen, dass es nicht bei dem Unentschieden bleibe. Ein 2:1 wäre doch schön. Noch viel besser ein 3:1. Dann würden wenigstens meine Tendenz und die Tordifferenz stimmen. Was zum Henker ist denn mit den Franzosen los? Hallo? Ich habe auf euch gesetzt! 😉

Und nun ist das Eröffnungsspiel vorbei. 2:1 – immerhin etwas. Zwei Punkte für mich. Ein 3:1 wäre mir lieber gewesen – drei Punkte. Ein kurzer Blick in die Tippübersicht …

Hallo? Was ist das denn? Ich teile mir den sechsten Platz mit achtzehn weiteren Tippern – von insgesamt vierundzwanzig! Einige davon hatten – wie ich – 2:0 getippt. Genauso reingefallen … Janine sogar vor mir – die hat weniger Ahnung von Fußball als ich und wollte sich auch das Eröffnungsspiel gar nicht ansehen! Liegt auf Platz 4, hatte 1:0 getippt, was mir viel zu knapp vorgekommen war … Typisch! 😉

Und nun überlege ich, ob ich an meinen anderen Tipps für heute noch etwas ändern solle … Aber man kann Dinge ja auch verschlimmbessern, nicht wahr? Und es geht hier ja nicht um Leben und Tod. Aber irgendwie hat mich doch das Jagdfieber gepackt, ein gewisser Ehrgeiz. Wie ist eigentlich die Schweiz so drauf? 😉

Aaah – das Jagdfieber hat mich am Wickel! 😉 Dabei geht es mir doch im Grunde nur darum, nicht Letzte zu werden. Da bekommt man immer so einen doofen Verarschungs-Trostpreis für die deppertsten Tipps. Aber die EM dauert ja noch ein wenig, und ich habe noch viel Zeit, meine wohldurchdachten Tipps abzuändern und damit die Wahrscheinlichkeit, den doofen Verarschungs-Trostpreis zu ergattern, zu erhöhen. Heute wird aber erst einmal ausgiebig Fußball geschaut! 🙂 Und ich verspreche, bei einem unliebsamen Ergebnis – aus meiner Perspektive – nicht den Fernseher aus dem Fenster zu werfen, wie mein bester Freund Fridolin mal erlebte, als er bei einer EM oder WM arglos in Aachen in eine Straße bog und in einem der dort stehenden Häuser im zweiten Stock ein Fenster aufgerissen und ein Fernseher unter lautem Geschrei und Fluchen hinausgeschleudert wurde – ohne Rücksicht auf etwaige Passanten. Deutschland hatte wohl nicht so gut gespielt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Nein, so etwas mache ich nicht. Ich bin ja stets gelassen …

Und jetzt habe ich bei Albanien-Schweiz sogar total richtig getippt – 0:1! Vier Punkte! Ha! 🙂

Mein Fazit für den heutigen Tag: Dringend bereits abgegebene Tipps noch einmal überdenken. Da hatte ich Wales glatt unterschätzt und einen viel zu vorsichtigen Tipp abgegeben. Zu Recht keine Punkte.

Und ein weiteres Fazit: Es ist nicht nur notwendig, einigermaßen realistisch zu tippen. Man sollte auch Trivia kennen, was EM und WM sowie die jeweilig spielenden Nationalmannschaften anbelangt. Hätte ich mich mehr um diese sekundären Informationen gekümmert, hätte ich England-Russland nicht falsch getippt, sondern gewusst, dass England – wie der Kommentator am Ende des Spiels sagte – keine Auftaktspiele gewinne. 😉 Ich gebe zu, als das 1:0 fiel, habe ich gejubelt. Und dann in der Nachspielzeit der Ausgleich … Nicht, dass ich es den Russen nicht gönnte, aber meine tollen drei Punkte für meinen falschen 2:1-Tipp waren dahin … Ich sagte ja: Mir fehlen manch triviale Kenntnisse. Aber es ist auch schwierig: Mein Gehirn ist bereits mit so vielen anderen Informationen vollgestopft – ein großer Teil davon wirklich ganz waaahnsinnig wichtig … 😉

Und heute, inzwischen Sonntag, um 21:00 h heißt es: Daumen drücken! Aber vorher sollte ich vielleicht noch einmal mit meinem Schwager telefonieren, der mich am gestrigen Abend anrief, und mir einige Infos holen. Der arme Kerl – der Fernseher war durch meine fußballunbegeisterte Schwester okkupiert, und er verfolgte den Spielverlauf lediglich am Handy. Aber er hat ja eine Schwägerin, die Fußball guckt, mit der er sich zumindest telefonisch austauschen kann. Helge schalt mich auch gleich für meinen – wie er meinte – viel zu vorsichtigen Standardtipp. Da müsse man viel unkonventioneller vorgehen. Er selbst habe bei einem Tippspiel einst aufgrund eines mutigen Tipps eine größere Geldsumme verloren. Das überzeugte mich natürlich sofort! Und ich bedauerte, im Gegensatz zu ihm könne ich mir derartigen Mut finanziell nicht leisten. Aber Helge ist in Ordnung. Ein Vollblut-Fußballfan, und so gab ich ihm noch einen Standardtipp: „Wenn Stephanie irgendeine Krimiserie sehen will: Warum siehst du dir die Spiele nicht am PC an?“ – „Des is vielleicht a gude Idee,“, antwortete er (er stammt aus Bayern), „Stephanie steht nicht auf Fußball.“ Ich vermute, sie „rächt“ sich dafür, dass sie früher so oft nicht im TV sehen konnte, was sie sehen wollte, wenn EM oder WM war. Der Fernseher war dann von meiner Mutter und mir blockiert … Armer Helge! 😉

Grundsätzliches, Mücken, Geckos, Zahnärzte und Piloten-Sonnenbrillen

Heute früh wachte ich völlig verspannt auf. Kein Wunder – mal wieder auf der Couch eingeschlafen. Inzwischen frage ich mich, wozu ich eigentlich dieses andere Zimmer habe, das sich „Schlafzimmer“ nennt und in dem ein einigermaßen kommodes Bett steht (brauche dringend neue Matratze). Eine Zweizimmerwohnung wäre beim Kauf sicherlich um einiges günstiger gewesen.

Vielleicht liegt es auch an meiner Studienzeit, dass ich Wohn- und Schlafzimmer irgendwie als unverbrüchliche Einheit betrachte. Wir hatten ja damals nichts … Nicht einmal ein getrenntes Wohn- und Schlafzimmer! Das war alles eins!

Wie auch immer: Ich wachte heute früh auf und war von Schmerz erfüllt. Speziell in der linken Schulter wütete er, und ich verfluchte einmal mehr, dass ich so selten aus Fehlern lerne. Das sieht man auch an meiner bisherigen Partnerwahl.

Immerhin war ich früh wach und ebenso früh zur Abfahrt gen Arbeit bereit. Man muss immer pragmatisch denken – auch die finstersten Misshelligkeiten haben eine gute Seite! 😉 Leise grummelnd fuhr ich los, mich dann und wann am rechten, wie am linken Arm kratzend. Auch im Brustbereich und – an einer roten Ampel – an beiden Fesselgelenken.

Denn gestern müssen nächtens Mücken über mich hergefallen sein. Betrachtet man die Stiche und Auswirkungen, muss es sich um Mücken in Elefantengröße gehandelt haben, die die Redensart „aus einer Mücke einen Elefanten machen“ ad absurdum führen. Es kommt halt immer auf die Größe einer Mücke an, und als ich letztens auf dem Balkon saß, nichts Böses ahnend, dann ein extrem unangenehmes Gefühl am linken Bein erlitt, wild um mich schlug und anschließend eine Mücke in Größe einer halbwüchsigen Mehlschwalbe davonfliegen sah, wusste ich: Auch Redensarten sind irgendwann aufgrund des Fortschritts der Technik überholt.

Heute las ich dann in einer überregional aktiven Zeitung mit drei Buchstaben eine passende Artikelüberschrift: Es ging um die Frage, ob manche Menschen bevorzugt von Mücken heimgesucht würden. Ich stutzte. Wozu der Artikel? Warum fragt man nicht mich? Ich weiß es genau! Ja, manche Menschen werden bevorzugt von Mücken heimgesucht! Ein Urlaub in der DomRep, einer in Finnland, hat mich – ganz ohne „wissenschaftliche“ Studie – zu dieser Erkenntnis gebracht. In beiden Urlauben, zwischen denen zehn Jahre lagen, wachte ich morgens immer mit Mückenstichen auf, deren Zahl mich schwindeln machte. Hat von euch schon einmal jemand rund 80 Stiche gezählt? Wohlgemerkt: nur an zwei Beinen! Relativ kurzen Beinen, nicht dem gesamten Körper! Und das, während mein damaliger Partner sich jammernd beklagte, dass er einen ganz, ganz schlimmen Mückenstich am Arm … Lassen wir das – das führt nur zu Unfrieden.

Ich erinnere mich, dass mein Ex Frank, mit dem ich in der DomRep war, am vorvorletzten Morgen unseres Urlaubs jubelnd zu mir ans Bett trat und meinte: „Dein Mückenproblem ist Geschichte! Wir haben einen Gecko im Zimmer!“ Ich starrte ihn an, aufgewühlt. Mir war nicht ganz klar, was das größere oder kleinere Problem für mich sein sollte: Die Mücken waren das Grauen. Jedoch die Vorstellung, nachts, während ich schliefe, würde ein Gecko über mein Gesicht latschen, war … ja, was eigentlich? Schlimmer oder nicht? Es gab so viele verschiedene Gecko-Arten dort! Da gab es die kleinen, sehr schlanken und wieselflinken Geckos in dunkler Färbung mit wahlweise roten oder türkisfarbenen Streifen auf dem Rücken. Dann noch ganz dunkle. Und ockerfarbene, größere Tiere. Und – die hätte ich ungern im Zimmer gehabt – eine eher fleischig-voluminös aussehende, erheblich größere Art in einem leuchtenden Grün! Gott oder wer auch immer behüte! Bitte nicht so einen! Dann lieber Mückenstiche.

Frank meinte: „Steh auf, und sieh ihn dir an – er sitzt am Vorhang!“ Ich blickte zum Vorhang. Der hing da ganz normal, dehnte sich nicht bis zum Boden, war auch nicht in Gefahr, abzureißen. Das Exemplar war also nicht besonders schwer. Und so trat ich an den Vorhang, sah den winzigen, goldgelb gestreiften Gecko, der sich starr wie eine Sphinx daran festkrallte und mich kalten Blickes betrachtete. Ich drehte mich zu Frank um, den ich ebenso kalten Blickes maß, und meinte: „Das ist nicht dein Ernst! Das ist nicht die Lösung meines Problems! Das ist ein Gecko-Baby! Wenn das eine Mücke gefressen hat, ist es pappsatt!“ – „Oooch! Ich dachte, du würdest dich freuen!“ Naja, ich freute mich ja auch. Das Gecko-Baby war sehr süß, und ich taufte es „Gordon“. Und ich freute mich noch mehr, als ich sah, wie es nach einer Mücke schnappte. Leider knapp vorbei. Offenbar übte es noch. Und so schmierte ich mich weiterhin mit Mückenschutzmittel ein, glaubte jedoch, abends beim Einschlafen eine Art Kichern zu hören. Wohl von den Mücken.

Auch die finnischen Mücken haben über dieses Mittel nur gelacht. Mein Ex Dirk, mit dem ich zehn Jahre später in Finnland war, war völlig mückenstichfrei, während ich stets geplagt und mich wie ein Affe kratzend am Frühstückstisch saß … Und nun hier, bei den ersten wärmeren Tagen, das Gleiche. Der Tag fing nicht gut an. Aber es gibt ja Schlimmeres.

Bei der Arbeit angekommen, checkte ich meine Mails, sowohl dienstlich, wie privat, und ich warf einen Blick in mein Blog. Ah! Immerhin heute schon eine Lesung – offenbar nächtens. Wahrscheinlich da, als die Mücken über mich herfielen!

Geht es euch, die ihr auch bloggt, bisweilen auch so? Ihr schreibt neue Beiträge, dass die Finger glühen, und dann lesen eure wenigen Besucher immer uralte Beiträge? Und immer dieselben! Ich habe gerade im letzten halben Jahr immer wieder das interessante Phänomen, dass einige Beiträge, die ich selber gar nicht so toll finde, wiederholt gelesen werden. Und es sind keineswegs Beiträge, die so spektakulär wären, dass ernsthaft Menschen hingehen und nach deren Schlag- oder Stichwörtern googeln würden. Ich würde es nicht tun. Und das teilweise auch spätabends oder nachts! Aber da es noch früh am Tage war, beschloss ich, darüber nicht nachzudenken, sondern mir stattdessen lieber einen Kaffee zu holen. Außerdem freue ich mich sehr über Leser, wundere mich halt manchmal nur, welche Beiträge besonders frequentiert sind.

Der Arbeitstag langweilig, nichts Besonderes. Um kurz vor 4 verließ ich die heimelige Stätte und fuhr nach Hause. Ich hatte noch einen Zahnarzttermin. Wurzelbehandlung. Also vom Feinsten. Inzwischen war es wieder recht warm und schwül geworden, und so wurde ich recht energisch, als der Zahnarzt, nachdem der Wurzelkanal immer noch Zicken machte, beschloss, mir eine Spritze direkt in denselben zu verabreichen. „Nein! Auf gar keinen Fall!“ rief ich energisch. „Nicht in den Kanal!“ Ich wusste, was das bedeutet. Sekundenbruchteile dauert es zwar nur, aber das sind Schmerzen, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Schon dreimal mitgemacht – jedes Mal mussten Arzt und Helferin mich an beiden Schultern mit einigem Kraftaufwand festhalten, weil ich sonst vom Stuhl abgehoben hätte. Nicht heute. Der Arzt hatte ein Einsehen, und ich bekam eine konventionelle Anästhesie. Und dann dauerte die Behandlung zum Glück auch nicht lange, denn sie war trotz allem recht schmerzhaft.

Auf dem Rückweg ging ich an der Packstation vorbei, wo eine Bestellung meiner harrte. Und die war dann auch der Ausgleich für erlittene Pein: eine Piloten-Sonnenbrille. Mit grüngrauen Gläsern. War schon immer mein Wunsch gewesen, hatte aber nur darauf gewartet, dass ich mal wieder einen Frustkauf tätigen müsse.

Allzu viel Frust darf ich in der nächsten Zeit aber nicht haben. Eine neue Waschmaschine muss her.

Achtung: (Erst-)Helfersyndrom!

Es ist jetzt knapp viereinhalb Jahre her, dass ich mich überzeugt habe, bei meinem Arbeitgeber als Ersthelferin tätig zu werden. Lange hatte ich mich dagegen gesträubt, weil Ex-Kollege Birger stets insistierend auf mich einredete, ich müsse aber auch … Schließlich sei auch er Ersthelfer!

Im Prinzip wäre ich ja gerne Ersthelferin geworden, allein, mich störte dieses Insistieren und Fordern sehr, da ich Dinge gern selbst entscheide. Und so wurde ich erst viel später Ersthelferin, als ich eigentlich gewollt hatte. Nur sollte Birger nicht glauben, ich machte es seiner „Überzeugungs“arbeit wegen. Und eines Tages, etwa vier Monate vor einem Ersthelfer-Einstiegslehrgang, überraschte ich ihn damit, dass ich sagte, ich hätte mich für den Lehrgang angemeldet. Da war er begeistert und meinte: „Habe ich dich endlich überzeugt!“ – „Nein. Du hast mich nicht einmal überreden können. Das war meine eigene Entscheidung. Und ich hätte mich schon viel eher dazu entschieden, hättest du mich nicht dauernd genötigt. So etwas schreckt ab.“

Tatsache ist, dass ich immer schon einen sozialen Beruf gewollt hatte, was aber nicht umsetzbar gewesen war, da man anderes von mir erwartete. Und eine weitere Tatsache: Ich helfe durchaus gern, und das ganz freiwillig und ohne Hintergedanken. Das war der Grund für meine Entscheidung. Hinzu kam, dass ich weiß, dass viele Menschen zwar Hilfe in Notsituationen wünschen, aber ungern freiwillig solche Aufgaben übernehmen. Und zum Dritten finde ich, kann gar nicht schaden, zu wissen, was man generell in Notsituationen tun kann und muss. Denn moralisch – oder besser: ethisch – zur Hilfe verpflichtet ist ja im Grunde jeder, vor dessen Augen jemand zusammenbricht, verunglückt oder sonstwie zu Schaden kommt. Und da ich durchaus pragmatisch denke und oft auch so handle, dachte ich mir, es sei besser, dann mehr oder weniger genau zu wissen, was man tue, statt ohne Anleitung zur Tat zu schreiten. Mangel an Anleitung erhöht die Hemmschwelle, und die ist in solchen Fällen möglichst rasch zu überwinden, denn nicht selten ist Eile geboten.

Heute stand ein neuerliches Ersthelfer-Training an, das nach der Grundausbildung alle zwei Jahre für dienstlich bestellte Ersthelfer stattfindet. Das letzte, anno 2014, hatte an einem kühlen, regnerischen fünften Juni, einem Donnerstag, stattgefunden. Heute hingegen war der wohl schwülste Tag der letzten Zeit, und ich ging bereits mit gemischten Gefühlen hin. Ich bin ja nun inzwischen kein echtes Greenhorn mehr, und ich weiß, was da alles trainiert wird. Durchaus schweißtreibende und anstrengende Dinge. Und da ich selber bei solch schwüler Witterung öfter ein kleines Kreislaufproblem habe, dachte ich: „Am Ende brauchen wir den Dummy gar nicht, sondern du liegst dann da auf der Decke in der Mitte und wirst schlimmstenfalls reanimiert.“

Zugegeben, keine schönen Gedanken, und ich schob sie rasch beiseite, als ich morgens mit Scotty zu meiner Arbeitsstelle fuhr. Ich war nicht übermäßig früh da, und als ich gerade mit fliegenden Fingern im Büro die wichtigsten Dinge des Tagesgeschäfts vorbereitete, stand meine Kollegin Anna, mit der ich von 2004 bis 2005 in einem Büro gesessen hatte, in der Tür und meinte: „Na, Ali – fertig?“ – „Fast!“ – „Ich warte auf dich. Der Ausbilder vom letzten Mal hat doch gesagt, wir arbeiteten so gut im Team, und das war auch lustig.“ O ja. Ich erinnerte mich. 😉

Wir gingen dann zusammen in den Sitzungsraum, in dem die Maßnahme stattfinden sollte, fanden zwei Plätze nebeneinander und frotzelten etwas mit unserem Hausmeister herum, der ebenfalls Ersthelfer ist. Der Ausbilder vom Roten Kreuz, der vorne im Raum stand, ließ seinen Blick über unsere Gruppe schweifen, und ich dachte: „Der denkt jetzt sicher: ‚Na, bei den Öffentlicher-Dienst-Hanseln erwarte ich besser nicht zuviel‘!“

Vorweggenommen: Es war das beste Training, das ich bisher erleben durfte. Der Ausbilder, ein Rheinländer, war witzig und – wie viele Ausbilder dieses Bereichs – Sarkastiker. Sehr schön. Es war keine Minute langweilig, und wir mussten auch keine fiesen Bilder von noch fieseren Verletzungen ansehen. Keine von Arbeitsmaschinen abgerissenen Arme mit zickzackförmigen Abrisskanten, keine offenen Frakturen, aus denen die Knochen gelblich-weiß herausragen, keine ekelhaft aussehenden Augenverletzungen und keine Verbrennungen zweiten und – noch schlimmer! – dritten Grades.

Nachdem er uns erklärt hatte, dass die Ersthelferausbildung sich seit 2014/2015 grundlegend anders ausgerichtet habe, stellten wir zu unserer Überraschung fest, dass sich die neuen Bestimmungen stark auf Erste Hilfe im Straßenverkehr ausgeweitet hatten – etwas, das ich sehr gut fand. Denn die Maßnahmen, die man als Ersthelfer ergreifen muss, sind in geschlossenen Räumen zwar nicht anders als auf der Straße, aber auf der Straße kommen ja noch diverse Dinge hinzu, die zu beachten sind, in den bisherigen Trainingseinheiten aber eher theoretisch und am Rande behandelt wurden. (Bis auf das Entfernen eines Motorradhelms vom Kopf eines Verunglückten. Da habe ich mich – feige, ich gebe es zu! – bis dato immer zurückgehalten, aber gut zugesehen und -gehört.)

Nach diesen Präliminarien durften wir zunächst im Sitzungsraum üben, wie man einen Verletzten aus einem Auto berge. Zwei nebeneinandergestellte Stühle dienten als Fahrer- und Beifahrersitz. Aber diese „praktischen“ Übungen entpuppten sich als „graue Theorie“, als wir nach einer kleinen Pause, zu drei handlichen Gruppen zusammengefasst, in brüllender Hitze vor dem Haupteingang meines Arbeitgebers an einem realen Auto drei verschiedene Unfallszenarien proben mussten. (Hinterher bescheinigte der Ausbilder mir eine ausgeprägte schauspielerische Begabung: Keiner habe so schön die Bewusstlose auf dem Beifahrersitz gemimt. Ebenso hätte ich eine wunderbare Fahrerin abgegeben, die eine stark blutende Kopfverletzung habe. Ihm hatte wohl imponiert, wie ich rief: „Hören Sie, machen Sie hin und diskutieren Sie nicht – mir suppt die Brühe schon in die Augen! Soll ich Ihnen vielleicht helfen?“ Da hatten meine Kollegen gerade eine bereits benutzte Mullbinde mit Wundauflage mühsam aufgerollt, statt einfach eine neue zu nehmen! 😉 Und der Dritte kam nicht „in time“ in die Einmal-Latexhandschuhe! Aber immerhin redete er die ganze Zeit beruhigend auf mich ein – ganz wichtig bei der Ersthilfe, wenn der Verletzte ansprechbar ist. By the way: Die Kolleginnen, die die Mullbinde aufrollten, mag ich beide, und wir verstehen einander gut – aber von der sparsamen Truppe zu sein, kann sich gerade im Ersthilfe-Fall böse rächen … )

Immerhin gelang es ihnen dann, mich vom Auto wegzuschleppen und auf eine Unterlage zu betten. Und je nach Situation wurde ich entweder in die stabile Seitenlage gebracht (da, als ich „bewusstlos“, aber mit normaler Atmung und Puls war), oder meine Beine wurden hochgelagert, ebenso mein Kopf abgestützt (schlimm blutende Wunde am inneren Unterarm mit Druckverband und einsetzendem Schwindel nebst zu harter Unterlage unter dem Kopf, was den Mangel an Wohlbefinden verstärkte – laut „Regieanweisung“). Am schlimmsten war, dass wir auch noch immer frieren „mussten“, weswegen wir – bei den heutigen Temperaturen reine Folter! – auch noch in eine Rettungsdecke gepackt wurden, eine dieser auf einer Seite gold-, auf der anderen Seite silberfarbenen Folien! Ich gestehe: Als ich zum dritten Male in brüllender Hitze in eine dieser „Decken“ gewickelt wurde, schwanden mir irgendwann, als ich flach auf der Unterlage lag und in den strahlend blauen Himmel blickte, tatsächlich fast die Sinne, aber ich dachte mir nur: „Der Ausbilder ist Rettungssanitäter. Es kann im Grunde gar nichts passieren.“ Danach musste ich dann als Helferin agieren – trotz aller Verantwortung heute die angenehmere Aufgabe, da der Teil: „Rettungsdecke, passiver Part“ wegfällt. 😉 Und ich habe voller Elan meiner Kollegin Claudia, die, ebenfalls schauspielerisch begabt, schreiend hinter dem Fahrersitz saß – „stark blutende Unterarmwunde“ – einen Druckverband angelegt.

Nach der Mittagspause ging es weiter, denn das „Schlimmste“ stand an: Reanimationsübung. Und wir arbeiteten im fliegenden Wechsel an einem Dummy, an dem wir – ebenfalls im Wechsel, hier: 30:2 – Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung üben mussten. Sowohl allein als auch mit einem Zweit-Ersthelfer, der mit dem rettenden Defibrillator, kurz: „Defi“, zu Hilfe eilte. 😉

Beim letzten Training hatten wir nur Mund-zu-Nase-Beatmung üben dürfen. Schwierig, schwierig, kann ich nur sagen. Mund-zu-Mund ging erheblich leichter. Zumindest am Dummy. (Und mit der Anweisung des Ausbilders, wir sollten uns einfach vorstellen, einen Zungenkuss verabreichen zu wollen – so müsse man den Mund ansetzen. Naja, wenn’s weiter nichts war … 😉 ) Man musste nur seine Nase zuhalten und dann pointiert und mit Nachdruck beatmen. Dann wieder 30x pumpen. Wo, war leicht zu erkennen – zumindest am Dummy, denn der zeigte eindeutige Nutzungserscheinungen am Brustbein. 😉

Zwei der teilnehmenden Damen hatten heute weiter ausgeschnittene Oberteile an. Eine davon war ich, und schon bei der Kollegin Dorothee hatte ich mit Sorge gesehen, dass sie sowohl bei der von ihr verabreichten Herzdruckmassage wie auch der Beatmung des Dummys mehr zeigte, als ihr wohl bewusst war. Und Anna grinste mich von nebenan auch noch an und meinte: „Bin ich froh, dass ich heute ein Poloshirt angezogen habe!“ Ich grinste schief, und da fiel Annas Blick auf mein Dekolleté, und sie erlitt einen Lachanfall. Ich lachte auch, und da rief der Ausbilder, der leider alles mitbekam: „Worüber lachen Sie denn da gerade?“ Anna rief vorlaut: „Über Frau B.s Ausschnitt!“ Ich lachte auch – ich kann durchaus über mich selber lachen. Und so habe ich vor den Augen sämtlicher männlicher Teilnehmer auch pflichtschuldigst reanimiert, pries jedoch in diesem Falle den Umstand, dass ich Rechtshänderin bin und daher links vom Dummy kniete, sämtliche männlichen Teilnehmer in meinem Rücken. 😉 Immerhin lobte mich der Ausbilder (er saß links von mir, die ich am Boden kniete und herzdruckmassierte und beatmete, auf einem Stuhl) – das sähe doch prima aus, was ich da machte … 😉

Alles in allem ein sehr gelungenes Training, wenn ich auch zwischenzeitlich aufgrund der Hitze und Schwüle selber kurz vor dem Knockout stand, vor allem bei der letzten Übung, als ich eine Verletzte mimen musste, die sich bei einer Arbeit einen Finger amputiert habe. Wie da an mir herumgerissen wurde, ging auf keine Kuhhaut! Mein rechter Arm wurde in die Höhe gerissen, um die Blutung, die – nach einer Weile – dann doch noch eingesetzt habe, möglichst gering zu halten, während ich: „Habt ihr meinen Finger gefunden und gekühlt?“ rief. Man wertete meine durchaus nachvollziehbare Frage wohl als Auswirkung eines Schocks und brachte mich schneller, als ich „Hallo!“ rufen konnte, in Schocklage, legte meine Beine hoch, hielt meinen Arm so hoch, dass es schmerzte, und dann wickelte man mir – der plötzlich einsetzenden starken „Blutung“ wegen – noch einen Verband um den „Stumpf“. Da wurde mir tatsächlich etwas flau … 😉

Aber als ich meinen Kollegen Ralf, den Hausmeister, der vorgeblich unter einer unangenehmen Augenverletzung aufgrund eines größeren Glassplitters, der – ebenso vorgeblich – frontal in seinem Auge stak, litt, zusätzlich unter starkem Nasenbluten, mit einem Verband um beide Augen, durch eine noch zusammengerollte Mullbinde auf seiner Nase auf Abstand zum Augapfel gehalten, sowie einem Icepack im Nacken dasitzen sah, kam ich rasch wieder zu mir – der sah ja noch bescheuerter aus als ich! Und ich musste lachen. Gleich ging es mir wieder gut. 😉

Wirklich eine gelungene Veranstaltung, und ich fühle mich gleich viel sicherer, falls doch mal der Fall der Fälle eintreten sollte. Viel dazugelernt, und das in netter Atmosphäre. Eindeutig zum Nachmachen geeignet – ich kann es nur jedem empfehlen. 🙂 Sogar die Kollegin Dorothee, die ich bisher nicht so mochte, entpuppte sich als durchaus sympathischer Mensch. Ihr ging es umgekehrt mit mir wohl ähnlich. Also: Nachmachen! 😉

„My home is my castle“ – Studentenwohnungen

Ich weiß nicht, wie es heute um Studentenwohnungen bestellt ist. Ich halte mich derzeit selten in solchen auf. Manche Studis leben in Wohnheimen, andere bei Mama und Papa, und wieder andere haben eigene Wohnungen. So wie ich damals in Aachen.

Darüber war ich auch froh und dankbar. Man fühlte sich gleich erwachsener. 😉 In einem Wohnheim hätte ich mich wahrscheinlich eher interniert gefühlt, was zwar Quatsch ist, aber gegen Gefühle und Empfindungen ist ja meist kein Kraut gewachsen. Weiterhin bei meinen Eltern zu leben, widerstrebte mir auch sehr. Nichts gegen meine Eltern, aber mit meinem Abitur war der Lebensabschnitt für mich abgeschlossen, in dem ich bei meinen Eltern lebte. Man konnte einander ja auch so sehen. Wäre es nicht anders möglich gewesen, gut! Aber ich kam gar nicht auf die Idee, in Bochum, Dortmund oder Münster zu studieren. Das Ende der Schulzeit war für mich ein echter Einschnitt, und ich wollte weg aus dem Ruhrgebiet. Zumindest temporär, denn ich bin ja wieder da … 😉

Meine erste Wohnung in Aachen war allerdings ein echter Kompromiss, denn ich sollte sie mit meiner Schwester bewohnen, die jedoch zunächst zwei Urlaubssemester hatte – das nennt man heute wohl „Sabbatical“. Gefiel mir gar nicht – ich hätte lieber etwas für mich allein gehabt. Stephanie und ich sind so verschieden – wie sollte das gutgehen? (Ich nehme mal vorweg: Es ging nicht gut.)

Die Wohnung war interessant: Im vierten Stock eines alten Hauses in Aachen-Nord in der Nähe der Jülicher Straße gelegen, hätte jeder Brandschutzbeauftragte die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Es handelte sich um eine mit sehr viel Holz ausgebaute Dachwohnung, die im Brandfalle eine Brandfalle gewesen wäre. Nicht ihr einziger Nachteil. Die Elektrik in dieser Wohnung ließ meinen Vater, der sich um die Installation sämtlicher Elektrogeräte und Lampen kümmerte, mehrfach – völlig ungewohnt – laute Flüche absondern. Ebenso die rhetorische Frage, ob die Elektrik von einem potentiellen Massenmörder installiert worden sei. Und er sparte nicht mit Warnungen, wohl aber durchaus zu Recht. Kopfschüttelnd stand er da, betrachtete besorgt das viele Holz, mit dem die Wohnung ausgebaut worden war und meinte: „Man kann nur beten, dass es hier nie brennen möge!“ Mich wundert noch heute, wie Papa, der ein technischer Bedenkenträger ist, damals je in den Schlaf kam. 😉

Trotz aller massiver Sicherheitsrisiken war es eine gemütliche Wohnung mit einer Wohnküche, zwei Zimmern und einem Bad mit Badewanne. Blöd nur, dass in der Wohnküche nur ein Dachfenster und eine Dachgaube mit Fenstern mit Einfachverglasung waren. War es sehr stürmisch und man saß am Küchentisch, wehten einem mehr oder minder sacht die Haare, da die Fenster wohl nicht ganz dicht waren.

Ein Vorteil dieser Wohnung war, dass man, wohnte man dort, sehr fit war. Denn es waren 77 oder 78 Stufen zu bewältigen, wenn man von oben nach unten oder von unten nach oben wollte. Und: Es gab eine Putzfrau fürs Treppenhaus.

Nachdem Stephanie zurückgekehrt war, stellte sich rasch heraus, dass ein Zusammenleben unserer zwei Wenigkeiten in einer vergleichsweise kleinen Wohnung unmöglich war: zu verschieden die Charaktere und Gewohnheiten. Und so suchte ich mir leicht genervt etwas Neues …

Meine zweite Wohnung war eher zentral gelegen, in der Region Innenstadt-Westviertel, nicht weit vom Westpark entfernt, wo wir im Sommer gegrillt haben. Als ich die Wohnung besichtigte, wies mich die Vormieterin auf das Glück des nahe gelegenen Parks hin und meinte: „Und ganz toll ist, dass ich hier mal Fledermäuse in der Wohnung hatte, in einem Sommer! Die sind wohl vom Westpark gekommen. Das war faszinierend.“

Au ja! Fledermäuse in der Wohnung – auch für mich eine ganz tolle Vorstellung … Nichts gegen die Tiere, aber ich wäre aus dem Schreien wohl nicht herausgekommen, hätte ich abends vor der Glotze gesessen und die Tiere wären mit ihren ledrigen Schwingen um mich herumgeflattert … Aber ich kann mich meist gut beherrschen, lächelte fröhlich und meinte: „Interessant!“ Im Geiste notierte ich: „Fenster abends unbedingt schließen!“

Diese Wohnung war eigentlich keine „Wohnung“, sondern ein Einzimmer-Apartment. Größter Nachteil: Das Bad war auf dem Treppenflur, und ich musste es mit dem Nachbarn teilen. Aber ich kannte den Nachbarn durch einen Bekannten, und mit Udo kam ich auch gut klar. Leider zog er nach Beendigung seines Studiums aus, und der Nachbar, der dann einzog, war badtechnisch ein einziges Ärgernis. Klappte den Toilettensitz nicht wieder hinunter, da er lieber im Stehen … Nun ja. Wenn er wenigstens das Bad geputzt hätte! Machte er aber auch nicht, um die Hinterlassenschaften durfte ich mich dann kümmern. Und Einsicht war von ihm auch nicht zu erwarten – er war von Beruf Sohn, wie sich bei Besuchen seiner Eltern herausstellte. Und dann zog auch noch seine Freundin ins Haus – die war wohl hauptberuflich Tochter. Hatte aber ein eigenes Bad. Die beiden passten zusammen wie Arsch auf Eimer, wie man hierzulande sagt.

Immerhin lag das Apartment mit seiner 3,50 m hohen und stuckverzierten Decke in der „Beletage“ im ersten Stock, hatte die höchste Decke und die größten Fenster. Was aber wiederum ein Nachteil war, denn ich bin nicht sonderlich groß, und Fensterputzen war im Grunde immer mit Lebensgefahr verbunden. Daher putzte ich die Fenster auch nicht übermäßig oft, da ich jedes Mal in der Gefahr schwebte, abzustürzen, wenn ich mich auf der Leiter ganz nach oben begeben musste, neben mir die Fensteröffnung, darunter die Straße.

Ein weiterer Vorteil, über den ich mich zunächst gefreut hatte, entpuppte sich als Nachteil. Die Wohnung lag nur etwa fünf Minuten vom Institut entfernt, in dem ich mein Hauptfach studierte. Und nur etwa zehn Minuten vom Institut entfernt, in dem ich für mein zweites Nebenfach eingeschrieben war. Wunderbar! Ich würde nie wieder zu spät kommen! Dachte ich. Die Realität sah so aus: Ich bin nie so oft zu spät gekommen wie in der Zeit, in der ich dort wohnte! Man denkt, man könne ja bequem morgens etwas länger liegenbleiben, aber dann übertreibt man es im Bewusstsein, dass es ja nur fünf Minuten … Und schon ist man viel zu spät.

Auch Pausen zwischen einzelnen Lehrveranstaltungen können so zur Falle werden. Als ich noch weiter entfernt im Nordviertel gewohnt hatte, ging ich zwischen den Veranstaltungen entweder in die Bibliothek oder in die Stadt. Die Bibliothekslösung war eindeutig die bessere, da man dort ja „in medias res“ war und weniger abgelenkt wurde. Ging man in die Stadt, vor allem zur Weihnachtsmarktzeit, konnte man schon einmal spontan entscheiden, dass es ja kein Beinbruch sei, die Shakespeare-Vorlesung mal auszulassen, weil man Interessanteres in der Stadt gefunden hatte. Und nun mit der Wohnung vor der „Arbeitsstätte“ war es oft so, dass ich zwischendurch nach Hause ging und dann die Couch doch sehr bequem war. Das geschah zwar nicht übermäßig oft, aber ich hatte immer ein schlechtes Gewissen und dachte: „Wärest du im Nordviertel geblieben, wäre das nicht passiert.“

Und dann zog meine Schwester aus Aachen weg – sie hatte ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Nach meinem Auszug war sie zu ihrem damaligen Freund in dessen Wohnung gezogen. Und nun zogen die beiden aus. Ich übernahm die Wohnung, da diese immerhin ein richtiges Zimmer und eine Küche sowie Bad hatte. Zurück ins Nordviertel.

Ansonsten war auch diese Wohnung interessant: Sie verfügte im doppelten Sinne über schräge Wände. Eine Dachwohnung. Warum im doppelten Sinne? Nun ja, es gab nicht nur Dachschrägen, sondern die Wände waren auch in sich irgendwie schief und krumm. Möbel aufzustellen, war nicht ganz so einfach – man musste etwas unterstellen. Dennoch hatte ich immer ein ungutes Gefühl, wenn ich meinen Kleiderschrank öffnete und der sich trotz untergestellter Holzkeile dabei stets sanft nach vorne neigte. Man musste ihn sehr behutsam öffnen. Eines Tages, so war mir bewusst, würde ich sicherlich von ihm erschlagen werden.

Die Fußböden waren im Wohn-/Schlafzimmer so krumm, dass man bequem Murmeln hätte spielen können. Von der Dusche wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Die war so ungünstig installiert, dass der Abfluss regelmäßig verstopfte, trotz penibler Entfernung jeglicher Haare nach dem Duschen. Aber mindestens einmal im Jahr musste ein Installateur mit einer Spirale her, der stets beteuerte, derjenige, der die Dusche installiert hätte, sei verantwortlich und die Installation idiotisch.

Besonders toll waren die Nachtspeicheröfen. Keine Ahnung, wie alt die waren, aber der Elektriker, den ich einmal wegen eines defekten Lüfters rufen musste, versicherte mir, die seien komplett asbestfrei. Jaja …

Nachtspeicheröfen in Kombination mit unzureichender Wärmedämmung sind übrigens auch sehr spannend. Als ich eines Wintermorgens erwachte und ins Bad gehen wollte, warf ich einen Blick aus dem Fenster, um zu sehen, wie das Wetter sei. Aber was war das? Gitterstäbe? Knast? Ich war irritiert. Die Gitterstäbe stellten sich als Eiszapfen heraus – mörderisch spitze Eiszapfen beeindruckender Länge, von denen ich diverse Exemplare in den Folgetagen bewundern durfte.

Ein weiterer „Nachteil“ der Wohnung bestand in der räumlichen Nähe zur Firma Z. Bekannt für Marmeladen und Nussnougataufstriche, sowie weitere süße Produkte. Ein echter Nachteil war das durchaus nicht – nix gegen Z.! Nur an Tagen, an denen schokoladenhaltige Produkte gefertigt wurden, war es nicht ganz so toll, aber dafür kann die Firma nichts. Schokolade schmeckt sehr gut, wenn sie denn einmal fertig produziert ist. Sie riecht für meine Begriffe nur nicht ganz so gut, wenn sie produktionstechnisch be- oder verarbeitet wird. Ein bisschen wie verbrannte Pappe – man möge mir den Vergleich verzeihen. An solchen Tagen war es geraten, die Fenster geschlossen zu halten, und man freute sich auf den nächsten Termin, an dem Erdbeermarmelade produziert wurde. Das roch erheblich besser. Und oft roch man gar nicht, dass die Fabrik in der Nähe war. Nur dann, wenn der Wind ungünstig wehte. Blöd war nur, wenn ich meine hermetisch abgeschlossene Wohnung verließ, um zur Arbeit zu gehen, wo ich dann hoffte, auf „frischere“ Luft zu treffen und dann die Firma L. in Nähe meines Arbeitsplatzes bei ungünstig stehendem Wind produzierte – die ist weltberühmt für ihre … Schokolade.

Doch trotz ihrer Eigenheiten war diese Wohnung auch recht gemütlich. Das einzig Ungenießbare war Frau Stelzmann aus dem Hochparterre – aber davon habe ich ja schon einmal erzählt.

Alle meine Aachener Wohnungen waren im Grunde echte „Butzen“. Zwei davon Dachgeschosswohnungen, nachträglich ausgebaut, nicht komfortabel, sondern eher schnell, damit man sie an Studenten vermieten konnte. Aber trotz der Geschäftstüchtigkeit ihrer Besitzer hatten sie einen gewissen Charme, und manchmal, wenn ich an sie denke, werde ich ein bisschen wehmütig.

Wahrscheinlich liegt das aber weniger an den Wohnungen. Mehr an der Zeit.

Requiem für eine Waschmaschine

Methusalem heißt sie, gehörte meiner im Dezember 2011 leider verstorbenen Oma (von mir aus hätte sie ewig leben sollen) – meine Waschmaschine. Sie hat mir seit meiner Studienzeit in Aachen treue Dienste geleistet und war – wie auch meine Oma – hart im Nehmen, durchhaltefähig und zäh. Man muss ihr Alter bedenken.

Eigentlich hatte meine Schwester Stephanie sie quasi von meiner Oma „geerbt“, die damals allerdings noch lebte. Sie hatte sich lediglich eine neue, komfortablere Maschine gekauft. Als Stephanie dann aus Aachen wegzog und ich ihre Wohnung übernahm, die durch im Wohn- und Schlafzimmer leicht schiefe Wände und Fußböden charmierte, auf denen man Murmeln hätte spielen können, sowie eine Dusche, die etwa einmal im Jahr den Besuch eines Installateurs zwingend erforderlich machte, überließ sie mir netterweise die Waschmaschine, die wunderbar funktionierte – ein echter Standard-Frontlader. Kein Schnickschnack, ein einfaches Modell. AquaSpar-System? Was ist das? Aber Schonschleudern – neben vielen anderen Programmen -, das konnte sie auch schon.

Vorher hatte ich immer in den Waschsalon gemusst, wollte ich waschen. Oder meine Eltern besuchen. Aber ich finde es immer etwas komisch, die Eltern zu besuchen und dann einen Riesensack Schmutzwäsche mitzubringen. Das sieht immer ein bisschen so aus, als führe man nur der Wäsche wegen hin …

Über die Besuche im Waschsalon werde ich sicherlich mal separat etwas schreiben – das war bisweilen ziemlich interessant. Manchmal auch schräg oder gar eklig. Aber darüber nicht an dieser Stelle.

So war es ein immenser Fortschritt, nun in der eigenen Küche waschen zu können. Luxus pur für mich kleine Studentin: kein elendes Schleppen mehr zum Bahnhof (Besuch bei den Eltern) oder in den Waschsalon, der nicht direkt vor meiner Haustür lag.

Jahrelang wusch die Maschine zu voller Zufriedenheit in allen möglichen Temperaturen und Programmen. Sie zog von Aachen mit mir ins Niederbergische Land, arbeitete auch dort hervorragend – die Luftveränderung hatte ihr nicht geschadet. Und von dort zog sie schließlich in diese Stadt und in dieser noch zweimal um.

Hier, wo sie und ich jetzt leben, fing sie an, etwas wunderlich zu werden – aber das ist im Alter wohl normal. Vielleicht nimmt sie es auch übel, dass sie hier im Keller stehen muss, statt in Küche oder Bad, ihren bisherigen Aufenthaltsorten. Also in meiner Nähe. Vielleicht vermisst sie das oder fürchtet sich allein im Keller, wo ich mich nicht oft aufhalte. Möglich ist alles.

Bereits im Spätherbst/Winter 2013 – ich wohnte noch nicht lange hier – schien sie etwas depressiv zu werden. Eines Samstagnachmittags hatte ich sie mit 60-Grad-Wäsche in Betrieb genommen, war dann noch rasch einkaufen gegangen und dann in meine Wohnung zurückgekehrt. Ich saß im Wohnzimmer, als ich plötzlich kreischende Geräusche und ein Poltern hörte, das von unten zu kommen schien. O je! War meine alte Nachbarin etwa gestürzt?

Ich rannte die Treppen hinunter. Bei der Nachbarin alles in Ordnung. Da dachte ich an die Waschmaschine und rannte in den Waschkeller. Aber was war das? Da hing meine Maschine absturzgefährdet über der Kante des Podests, auf dem sie sonst immer brav und ganz gerade gestanden hatte! Was war passiert?

Mir wurde klar, dass ich großes Glück gehabt hatte. Die Maschine hätte auch vom Podest stürzen können, Keller überschwemmt – das war zum Glück nicht geschehen. Und so wuchtete ich mit großem Kraftaufwand das schwere Ding wieder zur Gänze zurück aufs Podest. Sowas hatte sie noch nie gemacht! Fühlte sie sich im Keller einsam? Vernachlässigt? Hatte sie sich umbringen und zu Tode stürzen wollen? Man weiß es nicht.

Ich vermutete, dass sie durch eine Unwucht in Bewegung geraten war und sich hüpfend auf die gefährliche Kante zubewegt hatte. Machte die Sache aber auch nicht besser. Mir graute vor dem nächsten Waschgang. Wer wusste, was dabei passieren würde … Und ich achtete doch schon immer beim Beladen darauf, Unwuchten zu vermeiden. Offenbar lässt sich so etwas aber nicht immer vermeiden.

Mein Vater kam und schaffte durch eine am Podest fixierte Vorrichtung Abhilfe. Danach wusch meine Maschine brav und unbewegt. Sie hatte ja nun auch Aufmerksamkeit bekommen. 😉

In der letzten Zeit fing sie jedoch etwas zu zicken an. Brach Waschprogramme mittendrin ab, und ich musste dann durch die Wahl anderer Programme zusehen, wie ich die Wäsche sauber bekam. Klappte bis dato.

Aber heute hat sie sich etwas Neues ausgedacht. Als ich in den Keller kam, um die Wäsche aus ihrem Bauch herauszuholen, gab sie vor, das Programm zu Ende geführt zu haben. Aber die Maschine hatte gelogen! Denn sie hatte nicht abgepumpt und auch nicht geschleudert. Ich musste manuell das Schleuderprogramm anwählen, und das zog sie dann auch durch. Allerdings drangen merkwürdige Geräusche aus ihrem Inneren, die ich von ihr noch nie gehört hatte. Sang sie eine Art Sterbearie?

Immerhin war der Schleudergang schließlich beendet, und ich wartete mehr oder minder geduldig darauf, dass ich die Tür öffnen konnte. Das dauert nach Beenden des Wasch- und Schleuderprogramms etwa eine Minute. Aber das Lämpchen, das immer dann erlischt, sobald die Tür geöffnet werden kann, leuchtete mir frech entgegen und wollte nicht ausgehen! Die Maschine verweigerte die Herausgabe meiner Wäsche!

Mir wurde etwas mulmig, und ich sah mich schon beim Nachbarn klingeln, um diesen um Hilfe zu bitten, meine Slips und sonstige Dessous aus der Maschine zu befreien. Der hätte sicherlich seine helle Freude daran gehabt. Ich weniger. Ich bin absolut nicht prüde, aber dass ausgerechnet der Nachbar meine Dessous sehen sollte, gefiel mir ganz und gar nicht. Und so überlegte ich, ob ich vielleicht eine Brechstange besäße. Nein. Und mir widerstrebte auch, die Maschine mutwillig noch mehr zu beschädigen.

Ich probierte einige Tricks. Keiner funktionierte – höhnisch leuchtete mir das Lämpchen weiter entgegen, als wolle es sich über mich lustig machen. Ich gab auf und versuchte es mit einem weiteren Schleudergang. Und siehe da! Als der beendet und das Programm durchgelaufen war, hatte die Maschine Erbarmen und gestattete die Wäscheentnahme. Ich war erleichtert.

Ein bisschen traurig bin ich – ich muss mich wohl von meiner alten Weggefährtin trennen. Aber sie ist sehr alt, und das ist der Lauf der Welt. Trotzdem – wir haben gemeinsam so viel durchgemacht … 😉

Und nun werde ich wohl googeln und nach einem neuen Modell Ausschau halten. Am besten mit AquaSpar-System.

„Seid ihr auch alle da?“ – Willkommen im Kasperltheater!

Ich will ganz ehrlich sein: Auf diese Idee brachte mich meine inzwischen allseits bekannte Kollegin Janine, die inzwischen seit knapp eineinhalb Jahren mit mir Büro und Sorgen teilt, als sie heute ausrief: „In was für einem Kasperltheater bin ich hier eigentlich gelandet?“

Sie hatte heute nicht ihren besten Tag, und es ging ihr nicht so gut. Und so rannte ich gleich hin, als ich sie rufen hörte, als sie pflichtbewusst gerade das Kaffeegeschirr aus dem Sitzungsraum abräumte und dabei diesen Schrei der Verzweiflung absonderte. Vor Publikum bloßgestellt von ihrem Chef, der sich dabei noch witzig fand – das Publikum übrigens nicht, noch weniger Janine -, halb krank und mies drauf, obwohl ich ihr schon einiges abnahm.

Ich kenne das, bin aber schon länger dabei und denke mir oft, dass es gut sei, dass Janines gute und schlechte Tage meinen guten und schlechten Tagen trotz aller Parallelen offenbar gegenläufig sind. So sind wir beide immerhin in der Lage, an schlechten Tagen die jeweils andere wiederaufzubauen. 😉 Nein, wir arbeiten nicht im Steinbruch, wenn es auch so klingen mag. Wir arbeiten eher im öffentlichen Bereich und mit vielen Menschen, die viel auf ihre Geradlinigkeit halten. Manche Menschen verwechseln Geradlinigkeit aber auch bisweilen mit Ignoranz.

Janines „Kasperltheater“-Assoziation brachte mich auf eine Idee, und ich dachte darüber nach, wer denn nun aus dem realen Umfeld im „Kasperltheater“-Ensemble wer oder was sei …

Das Krokodil hatte ich schnell ausgemacht, bin mir inzwischen aber nicht mehr ganz sicher, ob nicht der Teufel viel besser passe. Ich grüble noch immer … Und Grübeln ist nie gut, denn ich habe soeben festgestellt, dass die in jedem „Kasperltheater“-Ensemble vorhandenen Figuren, die so plakativ das Negative darstellen, bezüglich unseres Arbeitgebers derzeit möglicherweise doppelt besetzt werden müssten. 😉 Und ich meine damit gar nicht einmal die Reserve-, ergo zweite Besetzung. Bei uns müsste es sogar noch eine dritte Besetzung geben. So für alle Fälle.

Hingegen scheinen die Ordnungsfiguren derzeit schwach besetzt … Immerhin habe ich einen „Seppel“ ausgemacht. 😉 Steht für das Gute, lässt sich aber leicht beeinflussen. Leider. Ist nämlich menschlich ein sehr netter Kerl.

Ich frage mich nur gerade, wer „Kasperl“ sei. Hmmm … Scheint niemand ganz oben zu sein. In unserem Kasperltheater scheint alles irgendwie „topsy-turvy“ zu sein. Nichts passt so recht zum klassischen Vorbild. Bis auf „Seppel“. Und das Krokodil bzw. den Teufel. Räuber, Hexe und Zauberer wüsste ich auch recht schnell zu besetzen. 😉 Ebenso die Großmutter, Gretel und sonstige Stimmen der Vernunft, die jedoch bisweilen ungehört verklingen …

Wo Janine und ich sind, wollt ihr wissen? Hmmm … Wenn ich so drüber nachdenke, sind wir für Geradlinigkeit, Wertschätzung und Gerechtigkeit. Also auf Seite der Guten. Nur leider nicht im Segment der Ordnungs- und Obrigkeitsfiguren. 😉 Natürlich ginge dann alles viel gerechter zu! 😉 Ich glaube, für Leute wie Janine und mich gibt es keine Entsprechung im klassischen „Kasperltheater“-Ensemble. Denn da wurde Gerechtigkeit geschaffen – koste sie, was sie wolle. Und das Krokodil wurde gezüchtigt und verzog sich auch immer peinlich berührt. Ebenso die anderen bösen Elemente. Mehrere zünftige Schläge mit der Pritsche, die das Kasperl immer mit sich trug, reichten. Aber da ich ja nicht weiß, wer bei uns das Kasperl ist, gibt es auch weder Pritsche, noch Maßregelungen.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen kleinen Exkurs. Ich hatte heute einen „interessanten“ Arbeitstag, und da verwundert es nicht, wenn man dann irgendwann der Phantasie freien Lauf lässt. 😉

Ich für meinen Teil hoffe weiter auf des Kaspers Eintreffen, und wenn ich dabei schwarz werde … 😉

Und mir ist klar, dass meine Betrachtungen rein subjektiv sind. Vielleicht sind Janine und ich ja aus Sicht anderer Leute auch „das Krokodil“ – man weiß es nicht. 😉 Aber dazu sind wir viel zu harmlos. Im Ernst. 😉

Für J. T. – die ich nur zu gut verstehe.