Serien-Vorlieben und die schauerlichen Konsequenzen

Mein TV-Konsumverhalten ist sehr unterschiedlich aufgestellt und umspannt ein relativ breites Spektrum. Heute habe ich – natürlich – Fußball geguckt. Das DFB-Pokalfinale stand an. Zum Ausgang werde ich mich nicht äußern – da bin ich an dieser Stelle „die Schweiz“, wie eine Bekannte das nennt. 😉 Ergo verhalte ich mich – fällt mir normalerweise schwer – neutral. Ich habe zwar meine ganz eigene Meinung zum Ausgang, aber ich werde mich dazu nicht äußern. 😉 Nur eines kann ich verraten: Ich bin Fan weder des FC Bayern München, noch des BVB (von mir auch, ich gestehe es, oft mit Augenzwinkern „die falsche Borussia“ genannt – man hat mich deswegen schon öfter kritisiert, was mich, auch das gebe ich zu, nicht sonderlich kratzt). Auf alle Fälle hatte ich einen mehr oder weniger spannenden Abend.

Ansonsten sehe ich sehr gern Dokus. Fundierte Dokus, nicht unbedingt „zdf-history“. Ich bin ein echter Doku-Fan. Daneben mag ich gut gemachte und geistreiche Komödien, französische Filme mit viel Sarkasmus, englische Filme mit viel Sarkasmus, jegliche Filme, die sarkastisch-augenzwinkernd und geistreich-originell sind. Ich liebe gute Thriller und Horrorfilme. Letztere haben nur den Nachteil, dass ich oft danach nicht schlafen kann oder Alpträume habe. 😉 Aber ich vertrete die Ansicht, dass, wo gehobelt werde, Späne fallen und man Risiken auf sich nehmen müsse. Da muss ich dann eben durch. 😉

Ich liebe Monty Python, und ich besitze sogar alle Folgen von „Monty Python’s Flying Circus“ auf DVD. (Als ich anno 2003 mein Zwergkaninchen bekam, überlegte ich sogar zuerst, es „Monty“ zu nennen, da in einem Monty-Python-Film, „Monty Python and the Holy Grail“, auch ein Kaninchen eine wichtige Rolle spielt. 😉 Aber da war es noch so klein, dass nur echte Fachleute hätten erkennen können, was es nun eigentlich sei – und so musste ein neutraler Name her, bis sich herausstellte, dass ich einen kleinen Rammler – ja, die heißen wirklich so – im Hause hatte. 😉 )

Monty Python und vergleichbar Absurdes steht immer dann an, wenn ich einen besonders grotesken Tag hatte, weil ich der Meinung bin, Absurdem müsse mit Absurdem begegnet werden. Das ist so, wie wenn man ein oder mehrere Gegenfeuer legt, um einen Brand zu stoppen bzw. andere Brände zu verhüten. Bei „Monty Python’s Life of Brian“ kann ich fast die Dialoge mitsprechen – auf Deutsch und auf Englisch. Am besten aber immer noch diverse Flying-Circus-Folgen, so zum Beispiel: „How to recognise different types of trees from quite a long way away“: „Number 1: the larch. The larch! The … larch.”

Ich gebe zu, das wirkt schriftlich rein gar nicht – man muss es sehen und hören und offenbar einen Sinn für total Absurdes und schräge Komik haben. Davon habe ich reichlich – ich würde das Alltagsleben wahrscheinlich sonst nicht vergleichsweise unbeschadet überstehen. 😉 Wie ich es schon sagte: Gegenfeuer. 😉

Auch Filme von Quentin Tarantino befinden sich unter meinen Favoriten. Ich finde nicht alle gut, aber einige wirklich sehr. Ich gebe zu, es hat ein bisschen gedauert, bis ich soweit war, das sagen zu können. 😉 Ich hinke halt fast jedem Hype hinterher und entdecke echte „Kultfilme“ meist erst später als meinen Favoriten zugehörig, als der allgemeine Hype vorgab. So ging es mir auch mit „The Big Lebowski“. 😉 Ich verliebe mich auch nie auf den ersten Blick – da muss ein Zusammenhang bestehen. 😉 Aber wenn ich mich verliebe, dann richtig und mit Verve.

Und ich liebe englische Krimis. Schon seit Jahren. Mein Favorit hier: „Lewis“ – einfach nur klasse. Eine latente Ironie, auch Selbstironie, ist vorhanden, und die Fälle sind fast immer spannend. Und obendrein spielt das Ganze in Oxford. Was will man mehr? Ich bin anerkannte Großbritannien-und-Irland-Anhängerin. 😉

Vor Jahren auch entdeckte ich, dass skandinavische Krimis mich sehr fesseln. Es begann harmlos mit den beiden Schweden, „Kommissar Beck“ und „Kommissar Wallander“, ging über den Norweger „Varg Veum“, auf Deutsch: „Der Wolf“, bis hin zur dänischen „Kommissarin Lund“ aus Kopenhagen. Gerade Letztere fesselte mich Sonntag für Sonntag abends an den Fernseher – zumindest in Staffel 1. Staffel 2 fand ich dann nicht so toll wie Staffel 1, und als Staffel 3 gesendet wurde, hatte sich leider gerade mein alter Fernseher final verabschiedet. Und ich kam gar nicht auf die Idee, mir das Ganze am PC anzusehen.

Staffel 3 habe ich mir neulich als DVD-Sammlung zugelegt. Und da ich irgendwann auch eine Folge von „Die Brücke – Transit in den Tod“ gesehen hatte, habe ich davon auch die erste Staffel bestellt.

Und damit ging es los: „Die Brücke“ gefiel mir sogar noch besser als Sarah Lund. Vielleicht liegt es daran, dass ich auch ein großer Skandinavien-Fan bin und hier sogar eine dänisch-schwedische Polizeikooperation stattfindet – in Kopenhagen und Malmö, beide durch die Öresundbrücke miteinander verbunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich schon über diese Brücke gefahren bin, von Schweden nach Dänemark, mich diese Brücke – wie alle imposanten Bauwerke, speziell Brücken – faszinierte, zumal sie im Nebel auch noch sehr verwunschen wirkt. Und ich habe eine Schwäche für alles, was irgendwie verwunschen und geheimnisvoll wirkt. 😉 In jedem Falle ist sie ein sehr imposantes Bauwerk, das zwei Länder verbindet, die ich obendrein mag.

Und eben auch skandinavische Krimis. Wer noch nie in Skandinavien war, wird bei Betrachtung sicherlich denken, alles dort sei düster, farbreduziert und trostlos. Ich weiß es zum Glück besser, weiß, dass die Menschen dort sehr ausgelassen und fröhlich sein können, gastfreundlich und keineswegs alle depressiv oder mit dem Asperger-Syndrom behaftet. Auch, dass die Farben dort nicht so trüb sind, wie in den Filmen oft zu sehen. Und es lauert auch nicht hinter jedem Baum ein fieser Serienmörder, der Leichen zerstückelt, auf der Öresundbrücke eine tote Frau, die sich beim Abtransport dann als mittendurchgesägt erweist und sich in der Gerichtsmedizin in Malmö dann auch noch herausstellt, dass es sich um den Oberkörper einer schwedischen Politikerin und den Unterleib nebst Beinen einer dänischen Prostituierten handelt. Die Bilder sind bisweilen sehr drastisch, und man sollte vielleicht zuvor bereits gegessen haben. Es sei denn, man will ohnehin etwas abnehmen. 😉

Auch rate ich dringend, sich derartige Krimis nur dann anzusehen, wenn es einem total gut geht. Oder so schlecht, dass man bei Betrachtung der Filme dann denkt: „Puh! Und ich dachte, mir ginge es beschissen! Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt! Hey, mir geht’s ja richtig gut!“ Gleich geht es einem besser. Nicht ansehen, wenn die eigene Stimmung eher ambivalent ist – das könnte sich ungünstig auswirken. 😉 Ich weiß, wovon ich spreche. 😉 Skandinavische Krimis sind irgendwie immer sehr düster.

Aber spannend! 🙂 Und so habe ich in der letzten Woche die erste Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ gesehen, bin morgens teilweise recht müde zur Arbeit gefahren, wo ich dann immer verärgert zur Kenntnis nahm, dass ich keine Streichhölzer dabeihatte, meine Augen offenzuhalten, wenn mal gerade weniger zu tun war. 😉 Zwar bin ich Raucherin, benutze aber immer Feuerzeuge zum Anzünden meiner Zigaretten. By the way: Wo ist eigentlich mein heißgeliebtes Zippo hin … ?

Aber irgendwann ist auch eine 5 DVD lange Serie „ausgesehen“. Zum Glück gab es ja Staffel 2, die ich in der letzten Woche bestellte. Am Mittwoch sollte sie in der DHL-Packstation sein, und ich zitterte zwar nicht entzugmäßig, als sich bis zum Nachmittag noch keine Mail-Benachrichtigung oder etwas auf meinem Smartphone getan hatte, aber ich war doch ein bisschen … nervös. Ich wollte doch wissen, wie es weiterging! Kann man doch verstehen. Oder? 😉

Endlich dann irgendwann am Nachmittag die erlösende Nachricht: In der DHL-Packstation unweit meiner Wohnung war etwas eingeliefert worden! Nach der Arbeit fuhr ich nach Hause, parkte den Wagen und ging dann in annäherndem Laufschritt zur Packstation. Und – was für ein Glück – darin wirklich Staffel 2! 😉

An der laboriere ich gerade, und da mir das DFB-Pokalfinale dazwischenkam, wird es wohl eine sehr, sehr lange Nacht werden …

Erschreckenderweise gibt es auch noch Staffel 3. Leider ohne Kim Bodnia, den ich schon in „In China essen sie Hunde“, einem dänischen Film, so klasse fand. Aber ich befürchte, selbst dessen Fehlen werde mich nicht daran hindern, auch noch Staffel 3 zu bestellen. 😉 Schlaflose Nächte also auch in der nächsten oder übernächsten Woche. Ich glaube, das nennt man Suchtverhalten. 😉

Ich nenne es lieber euphemistisch „Begeisterung“. Denn es reicht ja schon, dass ich rauche. Was aber mache ich, wenn ich auch mit Staffel 3 fertig bin?  Staffel 4 sei zwar schon in Arbeit, hieß es, aber weiß der Henker, wann sie herauskommt …  Ach, ja – manche Vorlieben erzeugen aber auch einen Stress! 😉

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