„Gestatten? Ali B., Fettnäpfchendetektrice!“

Es gab bereits Situationen in meinem bisherigen Leben, da man mich nach meinem Beruf fragte. Und es gab darunter schon Momente, da mir auf der Zunge lag, zu sagen: „Ich arbeite als Fettnäpfchendetektor bzw. -detektrice. Und das quasi rund um die Uhr und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Bisher habe ich nur stets vergessen, eine Visitenkarte, heutzutage ganz modern „business card“ genannt, zu verteilen, wie das so viele Leute heutzutage tun, selbst wenn sie nur dazu abgestellt sind, städtische Toiletten zu reinigen. Oder Vergleichbares.

Ich gebe es ungern zu, aber ich bin ein Großmaul. Manchmal zumindest. Und ich tendiere dazu, übers Ziel hinauszuschießen. Es gab schon Leute, die das als „liebenswert“ bezeichneten. Ich selber gehöre nicht dazu. Ich finde es furchtbar. Denn ich muss mit den Konsequenzen leben.

Meine Tätigkeit beherrsche ich aus dem Effeff. Und das fing schon im frühen Kleinkindalter an, als ich einer meiner Tanten auf die Frage, ob wir denn nicht ihrer Mutter, die in der Wohnung unter meiner Tante lebte, einen kleinen Besuch abstatten wollten, ganz unverblümt und im gestandenen Alter von drei Jahren sagte: „Nein. Ich mag deine Mama nicht.“ Meine Tante, in etwa genauso empfindlich wie ich, und das, obwohl wir nicht einmal blutsverwandt sind, meinte: „Aber warum denn nicht?“ Und da brach es aus mir heraus: „Ich mag deine Mama nicht. Meine Mama mag deine Mama auch nicht!“ Und das wahrscheinlich im Brustton absoluter Überzeugung, das sei so richtig. Wahrscheinlich annähernd empört aufgrund des Vorschlags, die Mutter meiner Tante zu besuchen!

Ich kann mich an den Ausspruch zwar nicht ganz so genau erinnern, und auch erst Jahre später erwähnte man ihn, nachdem meine Mutter sich gewundert hatte, was die Mutter meiner Tante eigentlich gegen sie habe, die sich meiner Mutter gegenüber stets auffallend reserviert benahm. Muttern konnte sich das gar nicht erklären. Und ich stand immer nur freundlich lächelnd als kleines, blondes Mädchen, das kein Wässerchen trüben kann, daneben. Wahrscheinlich hatte ich das Ereignis an sich tatsächlich verdrängt, denn wie ich hinterher hörte, hatte es ob meiner Aussage einen Höllenkrach zwischen meinem Onkel (blutsverwandt) und meiner Tante (nicht blutsverwandt) gegeben … Und ich ertrage Krach nicht. Da gibt es nur eines: verdrängen.

Wahrscheinlich war mir gar nicht klar gewesen, was ich da heraufbeschworen hatte. Kleine Kinder sind ja meist sehr direkt und unbedingt. Denn als meine Mutter, vorsichtig von meiner Oma, die von alldem wusste, eingeweiht, davon erfuhr, stand sie kurz vor einem Zusammenbruch. Nicht wirklich, aber sie war völlig entgeistert: Jemand, der von ihr abstammte, sollte so etwas gesagt haben? So ganz unverblümt und obendrein verfälscht?

Denn meine Mutter hatte zwar in der Tat mal eine Äußerung getätigt, aber wohl nur in dem Sinne, als sie anmerkte, sie sei nicht ganz auf einer Wellenlänge mit der Mutter meiner Tante. Eigentlich hatte sie nur gesagt: „Manchmal verstehe ich sie nicht so ganz. Aber das geht ihr umgekehrt sicherlich genauso.“ Ich war damals wohl eine noch nicht ganz so gute Übersetzerin, denn ich übersetzte es mit: „Meine Mama kann deine Mama nicht leiden. Und ich deswegen auch nicht!“

Ich war bereits 10, als ich erfuhr, was ich damals unglaublicher Weise gesagt haben sollte und konnte es zunächst selber nicht glauben. Zum Glück aber habe ich mich danach sehr gut mit „Tante Elise“, der Mutter meiner Tante, verstanden. Nicht zuletzt dank Tobby. Tobby war ein netter Rauhhaardackel, der Tante Elise gehörte. Ein wenig zu rund gefüttert und wie eine Nackenrolle aussehend, aber vom Wesen her eine echte „Seele“, der eine Brücke zu schlagen imstande war, weil er trotz seines bisweilen nervenden schrillen Bellens so liebenswert war. Übrigens schlug er die Brücke auch zu meiner tierlieben Mutter, und so konnte das grauenhafte Missverständnis von damals ausgeräumt werden, denn meine Mutter sprach es direkt an, Tante Elise musste dann selber lachen, und die Sache war aus der Welt. Übrigens haben meine Eltern speziell in meiner Gegenwart als Kind danach sehr darauf geachtet, was sie so sagten. Feind hörte mit! 😉 Dabei war ich ein sehr loyaler „Feind“ und meinte es nie böse. Ich war nur oft viel zu ehrlich und tendierte als Kind zu übertriebener Interpretation. 😉

Ich gebe zu, bis heute leide ich unter dieser Schwäche. Manchmal platze ich einfach mit Dingen heraus, die andere zwar denken, aber niemals sagen würden. Eigentlich will ich sie ja auch nicht sagen, aber es passiert oft einfach. Und schon hat man etwas gesagt, das man eigentlich gar nicht in dieser Absolutheit meint.

Und ich scheine genau zu merken, wo Schwachpunkte sind. Zumindest unbewusst, denn nicht selten tappe ich exakt in das Fettnäpfchen, die Sache, die eigentlich nicht angesprochen werden darf. Niemals. Doof nur, wenn man zuvor nicht aufgeklärt wurde, wo die Schwachpunkte beim jeweiligen Gegenüber liegen. Es ist mir schon passiert, dass man mich zwar aufklären wollte, ich aber dem Aufklärungsversuch zuvorkam und – noch bevor man Vorsichtsmaßnahmen einleiten konnte – schon in medias res gegangen war. Da ich bisweilen ein sehr gründlicher Mensch bin, auch noch mit Nachdruck, schlimmstenfalls bohrenden Nachfragen. (Ich wäre geeignet für eine investigative Tätigkeit bei der Zeitung mit den riesigen vier Buchstaben. Oder als Steuerfahnder – ich sage es ungern.)

Bei alledem bin ich eigentlich alles andere als unsensibel. Ich schieße nur – wie gesagt – im Eifer des Gefechts bisweilen über das Ziel hinaus. Einen Vorteil hat das Ganze: Ich habe gelernt, mich zu entschuldigen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, muss aber gekonnt sein, wenn man so ist wie ich. Ich kann es inzwischen, ohne dass es zur halbseiden-leichtfertigen Routine geworden wäre. Beileibe nicht, denn ich leide immer sehr, wenn ich merke, dass ich jemandem, ohne es wirklich zu wollen, auf die Füße getreten bin. Sogar bei Leuten, die ich nicht so mag. Noch schlimmer aber bei Menschen, die ich wirklich sehr schätze, mag oder gar sehr mag. Es ist mir schon passiert, dass ich an einem Freitag jemandem etwas Grauenhaftes im Eifer des Gefechts um die Ohren gehauen hatte, nach Feierabend dann definitiv merkte, ich war zu weit gegangen und dann das ganze Wochenende grübelte und mich selbst verfluchte. Es gab Momente, da habe ich sogar geweint, weil ich mich selbst so furchtbar fand. Zumal mir so etwas nicht selten bei Leuten passiert, die ich sehr mag.

Ein grässliches und unvergessenes Erlebnis aus meiner Schulzeit war, als mein Französisch-LK-Lehrer beschlossen hatte, in der letzten Stunde vor den schriftlichen Abiprüfungen mit dem ganzen Kurs ein nettes Frühstück im Kursraum zu veranstalten. Ich hatte literweise Kaffee mitgebracht, der vor Ort nicht gekocht werden konnte. Ich hatte ihn extra stark gekocht, damit man daraus echt französischen Café au lait machen konnte – auch Milch hatte ich dabei, ebenfalls wohltemperiert. Andere hatten Aufschnitt mitgebracht, Käse, Wurst, „confiture“, „miel“, Baguette (nicht etwa Brötchen – wir waren schließlich der Französisch-Leistungskurs! 😉 ), und Monsieur Faubourg hatte einen „gâteau basque“ beigesteuert, den wohl seine Frau gebacken hatte, obwohl M. Faubourg aus Lille und nicht dem Baskenland stammte. Es war nett, wir haben viel gelacht.

Bis zu dem Moment, da Monsieur Faubourg einen entscheidenden Fehler machte. Den Fehler habe ich mir gemerkt und ihn sehr viel später als Dozentin an der Uni niemals gemacht. Denn Monsieur Faubourg meinte in einer kleinen Pause: „So. Nun sind wir also am Ende dieser zweieinhalb bzw. drei Jahre angekommen. Was hat Ihnen denn an dem LK gut gefallen. Und was nicht?“

Ehrlich gestanden: Da ich dies gerade schreibe, rollen sich mir noch immer die Fußnägel hoch, nach all den Jahren, in denen ich selber als Dozentin gearbeitet habe. Das ist eine Unfrage! Die stellt man nicht! Nicht zu diesem Zeitpunkt. Besser, man fragt zwischendurch immer mal wieder, ob denn alles okay sei bzw. ob und was man noch verbessern könne. Da ist der Druck nicht ganz so groß, Kritik verteilt sich besser, wenn vorhanden. Und der Mann hatte eine pädagogisch-didaktische Zusatzausbildung! Und fragt so etwas zum Ende des Kurses! Aaah!

Es kam, wie es kommen musste. Es kam wenig Lob, sehr, sehr wenig. Aber es kam – einem Tsunami nicht unähnlich – sehr viel Kritik, teils berechtigt, aber unfair vermittelt. Von Leuten, die sonst eine große Klappe hatten, aber offenbar lange mit ihrer Meinung hinterm Berg gehalten hatten. Eine Sache, mit der ich nicht gut zurechtkomme. Wenn Kritik, dann bitte zeitnah, deutlich, aber fair und freundlich, wenigstens höflich. Hier prasselten Ungeheuerlichkeiten auf M. Faubourg ein, mit dem ich mich öfter gezofft hatte, aber stets im fairen Rahmen. Und wir mochten einander.

Gegen meine sonstige Angewohnheit aber verhielt ich mich still, aber man konnte mir wohl ansehen, dass ich mit dem Gesagten nicht in jedem Falle d’accord war. Ich sagte absichtlich nichts, weil ich mich über einiges so aufregte, dass mir klar war, ich würde wahrscheinlich nickelig werden, würde ich mich direkt dazu äußern. Im Anschluss wollte ich mich bei M. Faubourg für den fachlich hervorragenden Unterricht bedanken – ich wollte nicht Bestandteil dessen sein, was man heutzutage wohl als Shitstorm bezeichnen würde. Und ich dachte, M. Faubourg hätte das verstanden.

Aber da fragte er, dessen Miene immer unsicherer geworden war, ausgerechnet mich: „Mademoiselle Ali – was sagen Sie denn dazu?“ O nein! Ich bin beileibe keine Opportunistin, aber in der Position zwischen den Stühlen kann es verdammt unbequem sein, und so gab ich erst eine vage Auskunft, ich hätte den Kurs nicht zuletzt fachlich sehr schön und fundiert gefunden und sehr viel gelernt. Und ich warf M. Faubourg einen deutlichen Blick zu, der besagte: „Das muss reichen! Nicht weiter fragen!“ Aber mein Signal kam beim sonst so sensiblen Lehrer nicht an. Er bohrte weiter: „Was sagen Sie denn zu dem und dem Vorwurf?“ Ich beschwichtigte, redete wie ein Moderator (jeder, der mich kennt, weiß, dass mir das gar nicht so leichtfällt), aber dann passierte etwas, und ich spürte es kommen. Da war doch etwas, was mich selber immer gestört hatte! Massiv gestört. Es kam wie eine Welle, und ich versuchte, mich darauf zu konzentrieren, das Ganze bloß nicht auszusprechen. Das fällt mir schwer. Und hier gelang es nicht, denn auf einmal platzte ich heraus: „Was mich allerdings sehr gestört hat, und das wirklich nachhaltig, ist, dass Sie bei der Rückgabe von Klausuren immer geguckt haben, wer besonders nervös war. Und dann sind Sie mit dem Klausurenstapel in der Hand immer durch die Klasse gegangen, und wenn Sie sahen, dass der, dessen Klausur ganz oben lag, besonders aufgeregt und nervös war, haben Sie dessen Klausur wieder ganz nach unten getan, um noch mehr Anspannung zu erzeugen. Das ist Psychoterror!“

Kaum ausgesprochen, herrschte Schweigen in der Klasse, und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Psychoterror! Das Wort hing im Raum, als hätte ich M. Faubourg des Mordes bezichtigt! Es hing nicht nur – es schien von den Wänden widerzuhallen: „Psychoterror!“ – „Psychoterror!“ – „Psychoterror!“ O Gott! Das war viel schlimmer als alles, was zuvor gesagt worden war!

Immerhin bewahrte ich Haltung, da ich dachte: „Schlimmer kann es nicht kommen – jetzt steh auch gefälligst dazu und sitz gerade. Schultern zurück, Kopp hoch!“ M. Faubourg sagte kein Wort. Zunächst. Aber sein Gesicht sah aus, als wäre gerade ein Falltor hinuntergerauscht. Mindestens eine Jalousie. Dann meinte er: „Ah, ja. Nun, dann würde ich sagen, dass wir das Ganze hier beenden. Vielen Dank!“ Scheiße! Ali, der Stimmungs- und Frühstückskiller … Mitten hineingelatscht, besser,  -geflankt in ein Fettnäpfchen, das so groß war, dass eine ganze Rotte adulter Wildschweine es als Suhle hätte nutzen können … Und ich – obendrein noch sehenden Auges – mitten hinein!

Ich versuchte, mit M. Faubourg zu sprechen, aber er meinte nur knapp: „Excusez-moi, Mademoiselle Ali, aber ich muss leider weg. Ein Termin.“ O nein! Zwar hatte ich mich öfter mit ihm „anne Köppe“ gehabt, aber da hatte er hinterher gegrinst und war gesprächs- und diskussionsbereit gewesen. Hier nicht. Und wortlos und abrupt verließ er den Raum. Kurz darauf gratulierten mir Leute, die mir sonst eher fremd waren, bedankten sich für den, wie sie meinten, „genialen Ausspruch“, während ich wie betäubt dastand und das Wort „Psychoterror“ in meinem Kopf dräuend nachhallte. Mir tat das wirklich sehr leid, denn mal abgesehen von dieser Schwäche, die tatsächlich etwas leise Sadistisches an sich hatte, war M. Faubourg ein sehr guter Lehrer gewesen. Es gab Lehrer in meiner Schulzeit, da der Vorwurf eher gepasst hätte.

Mit ganz schlechtem Gewissen ging ich nach Hause. Meine Mutter lachte sich halbtot, als ich ihr erzählte, was passiert sei. Sie kannte den Lehrer und meinte: „Schadet dem gar nicht!“ Mein Vater hingegen meinte: „Ali! Ich schätze zwar deine deutlichen Ansprachen, wenngleich nicht immer, aber so etwas vor den Abiklausuren zu machen, ist vielleicht nicht ganz so günstig.“ Ach, du Schreck! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Ich war doch generell entsetzt über meinen Ausspruch.

Mein Vater riet mir, M. Faubourg anzurufen und – wenn auch möglicherweise gegen meine Überzeugung – mich zu entschuldigen. Aber wie peinlich war das denn? Mir ging es doch wirklich in erster Linie darum, dass ich überreagiert hatte, nicht um die Abiklausur! Und so diskutierte ich mit meinem Vater, das sei doch großer Mist, da ich so wie eine Opportunistin aussähe, die ich nicht sei. Mein Vater rang die Hände und verdrehte die Augen. Er meinte: „In der Hinsicht musst du noch viel lernen! Ruf da jetzt an!“

Zum Glück wurde mir die Entscheidung abgenommen, da das Telefon klingelte. Meine Mutter ging dran, meldete sich, und ich hörte, wie sie sprach. Dann kam sie zu meinem Vater und mir und meinte: „Ali? Monsieur Faubourg möchte dich gern sprechen.“ O Gott! Ich machte mich auf alles Mögliche gefasst, Vorwürfe in erster Linie.

Aber wie erstaunt war ich, als mein Französischlehrer total zerknirscht klang, sich seinerseits bei mir entschuldigte und total verunsichert war! „Bin ich wirklich so ein ‚monstre‘?“ fragte er. „Ich habe wohl die Situation falsch eingeschätzt – ich meinte es nicht böse, wenn ich die Klausuren zurückgab.“ – „Wären Sie mir nicht zuvorgekommen, hätte ich Sie wohl angerufen. Ich möchte mich entschuldigen. Mein Ausspruch war zu hart. Zwar habe ich mich wirklich mehrfach geärgert, aber mein Ausspruch war überzogen, und das tut mir sehr leid, denn alles in allem hat mir der Kurs durchaus gefallen. Sie hätten mich aber auch besser nicht angesprochen! Sie wissen doch, dass ich meinen Mund nicht halten kann, wenn mich etwas stört. Aber hier habe ich den Mund gehalten, weil so viel schon gesagt worden war, was mir leidtat, denn wenn es so störend gewesen wäre, hätte man Sie auch eher darauf ansprechen können! Das wäre nur fair gewesen. Ich fand das unangenehm und peinlich, und da wollte ich lieber gar nichts sagen.“ – „Und dann habe ich Sie gedrängt …“ – „Ja. Und dabei kommt bei mir meist nichts Gutes heraus.“ – „Da bin ich wohl selber schuld – ich kenne Sie jetzt immerhin schon seit drei Jahren und weiß es eigentlich besser.“ – „Ja, das hat mich auch gewundert. Ich habe doch deutliche Signale gegeben.“ – „Ja. Aber ganz ehrlich, Ali, Sie müssen sich nicht entschuldigen – ich fand Ihren Ausspruch eigentlich eher erhellend. Die anderen Sachen haben mich viel mehr getroffen – Sie waren nur eben der Höhepunkt.“ – „Den Sie selber heraufbeschworen haben – ich hätte von mir aus nichts gesagt, da mich dieser Sturm der Empörung am Ende des Kurses selber nervte.“ – „Ich weiß. Ich habe gerade lange mit meiner Frau darüber gesprochen, die ja auch Lehrerin ist, und die riet mir dann, Sie anzurufen, als ich ihr sagte, Sie wären die Einzige gewesen, die nach dem Kurs noch mit mir hätte sprechen wollen. Ich fand die anderen Sachen so enttäuschend, die mir da gesagt wurden. Keiner von denen, die da sprachen, ist je zu mir gekommen und hat Kritik geübt. Sie immer, und das sehr deutlich. Daher: Ihren Ausspruch habe ich deutlich gehört, werde Konsequenzen daraus ziehen und nie wieder Schüler quälen, wenn es auch nie so gemeint war.“ – „Vielen Dank – dann ist ja alles in Ordnung.“ – „Denken Sie denn auch so wie die anderen, teilen Sie deren Ansicht?“ – „Nein. Nur bedingt, eher nicht. Ich hatte den Eindruck, einige hätten sich gefreut, endlich mal vom Leder ziehen zu können, nachdem sie das vorher nicht getan haben – aus welchem Grund auch immer. Und die, die sonst sehr direkt sind, haben alle den Mund gehalten und waren zum Teil auch peinlich berührt von dem, was da gesagt wurde. Sie hätten nur diese Frage, ob uns der Kurs gefallen habe, nie stellen dürfen!“ – „Das mache ich auch nie wieder. Lieber frage ich zwischendurch mal nach. Aber ich bedanke mich für das Gespräch – das hat mir sehr geholfen. Sie sind zwar eine manchmal etwas unbequeme Schülerin, aber geradeheraus und fair. Wenn auch manchmal krass. Aber das finde ich absolut okay, weil ich zu wissen glaube, wie Sie das meinen, denn Sie sind zwar manchmal sehr unverblümt, aber niemals hinterhältig.“ Mal ehrlich: Wie sollte das auch gehen, wenn man kein Blatt vor den Mund  nimmt und das Herz auf der Zunge trägt? Da gibt es gar keine Gelegenheit, hinterhältig zu sein. 😉

Puh – ich war erleichtert. Doch mit einigem Anstand aus der Schweinesuhle entkommen, in die ich gar nicht gewollt hatte.

Auch sonst bin ich manchmal sehr spontan in meinen Äußerungen. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich laut rief: „Ach, du Scheiße! Sieh doch nur diese Lampe/Couch/Farbe! Wer kauft denn so etwas? Ich würde das nie tun – erzeugt bei mir Brechreiz. Total geschmacklos!“ Und dann gab es da irgendwie immer jemanden, der meinte: „Ääh, ich habe diese Lampe/Couch zu Hause.“ Oder: „Das ist meine Lieblingsfarbe!“ Wurgs!

Es gibt in meinem Leben immer wieder unschöne Momente, da ich mir die Zunge entweder abschneiden oder abbeißen möchte. Kennt Ihr das vielleicht auch? Bitte sagt ja! 😉

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