Ein wunderbarer Urlaubstag – Oder: Ali sieht rot

Soeben – es ist inzwischen späterer Nachmittag – bin ich mitsamt Auto nach Hause zurückgekehrt, das ich um kurz vor 10 Uhr verlassen hatte. Früher als geplant. Später als sonst, wenn ich zur Arbeit muss.

Gestern hatte ich einen ziemlich miesen Tag gehabt, denn am schon ziemlich späten Montagabend hatte mich meine beste Freundin – zumindest die, die offenbar am meisten an mir hängt – heimgesucht: Sie heißt Migräne, und ich fürchte sie sehr. Eigentlich hatte ich mit ihr gar nicht gerechnet, denn ich hatte am Montag den ganzen Tag ganz normale Kopfschmerzen gehabt, um die ich für gewöhnlich nicht viel Aufhebens mache, da ich eine weit schlimmere Variante kenne – eben meine „gute“ Freundin Migräne. Und normalerweise habe ich, wenn ich Kopfschmerzen habe, entweder ganz ordinäre Kopfschmerzen oder aber Migräne. Nicht jedoch beides an einem Tag. Wieder eine neue Erfahrung vom Stamme: „Nichts ist unmöglich“.

Gestern ging daher gar nichts, und an eine Fahrt ins Büro war gar nicht zu denken. Ich wäre gar nicht bis dorthin gekommen. Und so tippte ich mit großen Mühen und – wie ich erst später sah – einigen frevelhaften Fehlern eine Nachricht für Kollegin Janine, die ich ihr per WhatsApp schickte. Ich denke, sie wird sich sehr gefreut haben … 😉 Aber was sollte ich tun? Schlimmer war der Anruf bei meinem Zahnarzt, um den Termin, den ich – natürlich – auch gestern hatte, zu verschieben. Kein Mensch, der Migräne nicht kennt, kann sich vorstellen, wie mühsam es ist, ein sinnstiftendes Telefonat zu führen, wenn man gerade eine Migräneattacke hat und nicht klar denken kann. Aber es glückte dann, und nun sehe ich meinen Zahnarzt und der meinen behandlungswürdigen Zahn erst am kommenden Dienstag um kurz nach 8.

Nachdem ich in der Lage gewesen war, eine Schmerztablette zu nehmen, ging es bergauf – zum Glück war es kein über Gebühr heftiger Anfall gewesen. Abends überstand ich sogar ein Telefonat mit meiner Schwester, obwohl sie viel redete, was mich gestern ein wenig nervös machte. Aber wir haben dann sogar noch gelacht. 😉

Heute hatte ich einen Tag Urlaub. Dennoch war geplant, dass ich zu meinem Arbeitgeber fahren würde, denn dort fand ein „Zeitzeugen“-Termin mit Presse und allem Zipp und Zapp statt, an dem mein Vater, der jahrzehntelang an dieser Institution als Professor tätig gewesen war, teilnehmen sollte. Papa ist nun auch schon ein bisschen älter, und manchmal ist er ein bisschen unkonzentriert, zumal er ohnehin ein Mensch ist, der oft in Gedanken ist. Kurz: Sowohl Stephanie als auch ich machen uns immer Sorgen, wenn er allein mit dem Auto unterwegs ist.

Es war geplant, dass meine Mutter ihn hinfahren sollte. Ich wollte ihn dann mit Scotty gegen Mittag abholen und die etwa 20 Kilometer lange Strecke zu meinem Elternhaus fahren. Papa wollte es erst gar nicht annehmen, freute sich aber riesig, dass seine „Jüngste“, wie er mich gern nennt, als hätte er ein ganzes Mädchenpensionat und nicht „nur“ zwei bisweilen widerspenstige und unterschiedliche Schwestern großgezogen, ihn nach Hause fahren wollte. Noch dazu, da die „Jüngste“ sich jahrelang aus Angst gegen das Autofahren gesperrt hatte.

Doch alles kam anders. Denn gegen 9 Uhr rief Stephanie mich an und berichtete, Muttern sei krank und könne Papa nicht fahren, wie sie soeben erfahren hätte, als sie mit ihm telefoniert hatte. Der wolle nun selber fahren. Wie gesagt: Wir machen uns da inzwischen manchmal etwas Sorgen, und so musste sie gar nicht mehr sagen. Ich meinte: „Ich mache mich schnell fertig, dann fahre ich los und hole ihn in D. ab.“ – „Ach, danke – das beruhigt mich.“ Wir beendeten das Gespräch, und ich rief Papa an, dem ich in knappen Worten verklickerte: „Ich gehe jetzt schnell unter die Dusche, mache mich fertig, und dann komme ich und hole dich ab.“ – „Aber das musst du doch nicht! Ich kann gut selber …“ – „Ich mache mich jetzt fertig und hole dich ab.“ Punkt. Keine langen Diskussionen. Die Zeit drängte.

Ich saß um 10 vor 10 im Auto und fuhr los. War ja alles gar kein Problem. Dachte ich. Aber es fing quasi schon vor der Haustür an … Ich gebe zu, ich bin bisweilen ein wenig ungeduldig, aber es kann einen auch nerven, wenn man aufgrund der Gemächlichkeit anderer Leute Rot sieht, die, ganz vorne an der Ampel, noch von den letzten Resten deren Grünphase profitieren, nachdem sie verzweifelt und lange das Gaspedal gesucht zu haben scheinen, das – wie üblich – rechts ist, weil sie sich vorher lieber angeregt und weltvergessen mit dem Beifahrer unterhalten haben und man selber dann nur wenige Meter fahren kann, bis die Ampel wieder auf Rot schaltet. Sowas macht mich wirklich ärgerlich. Denn die Fahrer dahinter sehen darauf erst gelb, dann wieder rot, und der Durchsatz an einer Ampel ist aufgrund der besonders „Gelassenen“ dann relativ gering. Besonders schön, wenn man dahinter ist und nicht gemütlich durch die Gegend tuckern kann, sondern tatsächlich einen Termin hat. (Ich gebe zu, nach meiner sehr langen Fahrabstinenz klinge ich wie ein Großmaul – aber allmählich wird mir wieder klar, warum ich so ungern gefahren bin. Und ich halte mich nun wirklich selber für ziemlich fehlbar, aber wenigstens sehe ich zu, dass ich möglichst nicht zu einem Verkehrshindernis werde.)

Es wurde leider nicht besser, sondern schlimmer. Auf einer der Hauptstraßen hier, auf die ich dann endlich abbog, dröselte – es tut mir wirklich leid, das sagen zu müssen – ein Rentnerehepaar in seinem Opel Corsa vor mir her. Mit einer Geschwindigkeit, die zwischen 35 und 40 Stundenkilometern rangierte und changierte. Da, wo man 50 fahren darf – und weithin alles frei nach vorn! Warum? Irgendwann dann fuhr „Vattern“ endlich 50, ich desgleichen. Aber er muss über die eigene überschallähnliche Geschwindigkeit so erschrocken gewesen sein, dass er kurz darauf eine Vollbremsung machte. Ich desgleichen – mir blieb nichts anderes übrig. Immerhin konnte ich so mal wieder meine Hupe betätigen. Die hat Vattern dann wohl so erschreckt, dass er erst einmal zur Gänze stehenblieb. Ich beschloss, nie wieder zu hupen …

Als er dann wieder weiterfuhr, schlichen wir erneut mit knapp 40, und inzwischen hatte sich hinter dem Corsa bereits ein eklatanter Rückstau gebildet. Ich hielt ständig Ausschau nach Möglichkeiten, zu überholen. Als endlich eine da war und ich schon links blinkend hinter ihm ausscheren wollte, bog er plötzlich – ohne Blinker – links ab. Danke für den Adrenalinschub, guter Mann! Und ich mache mir Sorgen um meinen Vater, der trotz seines Alters um Klassen besser fährt!

Die weitere Strecke war so gestaltet, dass ich mich alsbald fragte, ob mir irgendjemand etwas Böses wolle: ein Unfall, ein liegengebliebenes Auto, das die Straße zu großen Teilen versperrte, Leute, die mich schnitten, um die Spur zu wechseln und dann schlichen, so dass ich von einer Rotphase zur nächsten eierte. Als ich erneut an einer roten Ampel stehenbleiben musste, holte ich mein Handy aus der Tasche und rief Kollegin Sybille an, um mitzuteilen, dass ein Teilnehmer der „Zeitzeugen“-Veranstaltung, die sie mitorganisiert hatte, wohl einen Tick später käme, denn ich sei gerade auf dem Weg, meinen Vater abzuholen – es sei verkehrstechnisch grauenhaft. Als ich das sagte, fiel mein Blick in den Rückspiegel, und ich sah neongelb-blau: Hinter mir die Polizei … Und ich mit dem Handy am Ohr … Ich rief nur: „Sybille, ich muss Schluss machen!“ Und schnell warf ich das Mobiltelefon in meine Tasche und blickte ganz unschuldig drein (das kann ich gut). Zum Glück hatten die Polizisten wohl Tomaten auf den Augen oder beide Augen zugedrückt. Rückblickend muss ich jedoch sagen, es hätte mich gar nicht mehr gewundert, hätte ich rechts heranfahren müssen. 😉 (An dieser Stelle: Niemals mit dem Handy herumhantieren, wenn ihr fahrt! Ich mache das sonst nie – das war ein Notfall, und nachdem ich die Polizei hinter mir gesehen hatte, war mir noch klarer als ohnedies, dass das nie wieder passieren würde. Nur mit Freisprechanlage.)

Endlich durch Hassel hindurch und auf die 224 abgebogen. Endlich schneller fahren – es war ja auch Zeit. Doch was war das? Wieso fuhren der LKW und der PKW, auf dem „Pelzmanufaktur“ stand, vor mir plötzlich so langsam? Ach, da stand ein Schild: „50“! Und kurz dahinter dann „30“ und ein Baustellenschild. Und dann blieben wir alle stehen. An einer Baustellenampel. Und ihr wisst, was das bedeutet …

Gefühlte Stunden später ging es endlich weiter. Es durfte 70 gefahren werden, sowohl LKW, als auch „Pelzmanufaktur“-PKW, als auch mein PKW fuhren schneller. Hatten wohl alle Termine. Bis dann diese blöde, raumgreifende Landmaschine am Horizont auftauchte … Erneut eierten wir lahmarschig hinterdrein, doch zum Glück war der LKW vor uns, der uns, als kein Gegenverkehr kam, den Weg freimachte, indem er überholte. 😉 „Pelzmanufaktur“ und Scotty hinterher! (Schon immer fand ich, dass ein LKW vor einem nicht ausschließlich als Ärgernis fungiere, sondern auch Vorteile mit sich bringen könne … 😉 )

In D. gab es dann noch einen weiteren, vermeidbaren Rückstau, weil ein Bus vor uns war, der gerade an einer Haltestelle hielt, rechts blinkte und die nächsten Nachfolgenden sich nicht trauten, an ihm vorbeizufahren. Ich gebe zu, Geduld ist nicht meine stärkste Seite, aber die Zeit drängte nun wirklich sehr … Als der Rückstau bis auf die nächste Kreuzung reichte, fuhr der Bus endlich wieder los …

Ich kam quasi auf zwei Rädern vor meinem Elternhaus an. Hupte. Es tat sich nichts. Ich stieg aus und klingelte an der Tür. Ging zurück zum Auto. Wartete. Da ging schließlich die Tür auf, und meine Mutter erschien. Es tat mir leid, sie war extra aufgestanden und hatte doch relativ hohes Fieber. Sie teilte mir mit: „Papa ist schon weg.“ – „Wie: weg? Womit?“ – „Mit dem Auto.“ – „Nein!“ – „Ja, es ist doch viel zu spät!“ – „Ja, weiß ich auch. Ich bin um kurz vor 10 los!“ – „Kann ich mir nicht vorstellen – da hättest du ja längst hier sein müssen!“ Aaaaah! Ich kam gar nicht mehr dazu, ihr zu sagen, dass ich bereits hinsichtlich Verspätung Bescheid gegeben hätte. Vergaß sogar, ihr gute Besserung zu wünschen (habe ich später nachgeholt), denn ich war schon wieder unterwegs. Immerhin nun nicht mehr in ganz so großer Eile – sogar tanken konnte ich noch. Ich wollte auch meinen Vater nicht einholen. Aber zu meinem Arbeitgeber wollte ich doch. Wie gesagt: Nicht ohne Grund machen Stephanie und ich uns etwas Sorgen, wenn mein Vater allein mit dem Auto unterwegs ist – inzwischen. Denn er ist nicht mehr der Jüngste und leidet unter einer Form von Apnoe, die zwar behandelt wird, schläft bisweilen aber trotzdem im Sitzen ein. Und wir hängen sehr an Papa. 🙂

Ich nahm diesmal eine andere Strecke, kam auch zügig bei meinem Arbeitgeber an – der Parkplatz ziemlich voll. Ich parke aber ohnehin immer ziemlich weit hinten, und als ich nach einem Parkplatz suchte, sah ich da das Auto meiner Eltern stehen. Papa war gut angekommen! Immerhin. Ihr mögt nun denken, dass ich vielleicht übertriebe, aber wenn man – in schlechten Phasen – sieht, wie jemand sogar in unbequemer Sitzhaltung wieder und wieder einschläft, ist es besser zu verstehen. Es tut mir auch immer leid, ich komme mir manchmal vor wie ein Schwein, denn mein Vater ist immer ein umsichtiger Fahrer gewesen. Aber man wird nicht jünger, und dann noch diese Apnoe – da macht man sich dann tatsächlich Sorgen.

Ich ging in Janines und mein Büro, trank einen Kaffee, erklärte Sybille meinen kryptischen Anruf. Sie lachte und meinte: „Kein Problem – ich dachte mir schon so etwas.“ Na, denn. 😉

Und dann habe ich gewartet, bis diese Veranstaltung vorbei war, die bis 13 Uhr dauern sollte. Bis Sybille mir sagte: „Du, die eigentliche Veranstaltung ist schon vorbei – die sind jetzt alle in der Kantine essen.“ Da bin ich dann doch lieber losgestocht und habe auf dem Parkplatz auf meinen Vater gewartet. Denn ich dachte mir: „Er wird nach dem Interview und dem Essen müde sein. Da fahre ich vielleicht besser hinter ihm her.“ Ja, ich weiß – wirkt gluckenhaft. Aber – siehe oben.

Und als er dann endlich am Parkplatz ankam, war er sehr erstaunt, mich zu sehen. Erstaunt, aber sehr erfreut. 🙂 Und ich fuhr dann hinter ihm her. Hat ihm nicht gefallen. Ehrlich gestanden: Mir auch nicht. Denn ich fuhr zum zweiten Male an diesem – meinem freien! – Tag nach D.! 😉 Ich hätte zwar nicht eingreifen können, wäre etwas gewesen, aber wäre er eingenickt und Schlangenlinien gefahren, hätte ich wenigstens hupen können. Das kann ich ja par excellence! 😉 Mir war allerdings auch klar, dass er besonders aufmerksam sein würde, wenn er wusste, seine „Jüngste“ fuhr hinter ihm her. Die, die nie gern gefahren ist.

Und ich musste zu meiner Überraschung feststellen, dass nicht nur die weiblichen Mitglieder meiner Familie sehr dynamisch und bisweilen einen Tick zu schnell fahren: Papa Karl-Heinz fuhr mir mit seinen etwas über 80 Lenzen bisweilen fast davon! 😉 Ob Absicht dahintersteckte? 😉

Ich bin heute insgesamt viermal zwischen D. und G. hin- und hergefahren. Unterwegs getankt, was auch nötig war. Auf dem Heimweg über die 224 noch eingekauft und glücklich wieder daheim. Außer Fahren und Warten heute wenig gemacht. (Hätte man mir das vor etwa einem halben Jahr gesagt, hätte ich mir an die Stirn getippt.) So müssen sich Chauffeure und sonstige Berufskraftfahrer fühlen. Gut, wenn man das mal mitbekommt. Aber das gute Gefühl, dass alle gut zu Hause gelandet sind. Und, nein, ich bin keine Glucke! Es gibt wirklich Gründe für die Hin- und Hergurkerei. 😉

Und ich war immer diejenige, die sich über komplett unnütze Fahrten aufregte, vor allem dann, wenn mal wieder ein illegales Rennen stattgefunden hatte: „Haben die alle zuviel Geld?“ Nun ja … Wenn ich zumindest zwei der heutigen Fahrten so betrachte … Aber lassen wir das! 😉

Für Papa. Ich weiß, Dir hat das heute gar nicht gefallen. Aber ich habe mich gar nicht anders verhalten als Du Dich Stephanie und mir gegenüber früher. Und das sogar, als wir gerade schon volljährig waren. Es geschah aus Sorge. Das heute auch. Die Zeichen kehren sich nur um. 😉 Und es ist wirklich lieb gemeint, wenn es auch vielleicht anders wirken mag.

Endlich mal wieder eine Tipprunde! ;-)

Die EM naht, und ich bin schon ganz aufgeregt! Man sieht es mir von außen nicht an, aber ich mag Fußball. Offenbar ein Erbe von meiner Mutter, gewiss nicht meinem Vater, der Fußball so wenig leiden kann, dass er meist abfällig darüber spricht. Stephanie, meine Schwester, kann diesem Sport auch nicht viel abgewinnen. Meine Mutter und ich sind es, die seit meinen Kleinkindzeiten immer vor dem Fernseher saßen, wenn „so richtig wichtige“ Spiele anstanden. Bundesligaspiele verfolgte Mama immer aus dem Augenwinkel, und sie war erstaunlich gut informiert, wenn sie auch nicht an den jeweiligen Spieltagen gebannt die Spiele verfolgte. Aber sie hatte ein Auge darauf. Bei EM oder WM aber gab es – meine Eltern haben nur einen Fernseher – keine Frage, was angesehen werden würde. „Tatort“? Nee. Der „Tatort“ war im jeweiligen Stadion, und ich saß hoffend, bangend und/oder jubelnd mit Muttern vor dem Fernseher, während Papa und Stephanie nur die Köpfe schüttelten und sich dann ebenso kopfschüttelnd anderen Tätigkeiten widmeten.

Als ich vor einigen Tagen meine Mutter auf die EM ansprach und fragte, ob sie denn da auch mitfiebern würde, meinte sie nur: „Ja, klar. Aber es ist ja alles ein bisschen überschattet. Wollen wir hoffen, dass nichts passiere!“ Muss man ja leider inzwischen irgendwie einkalkulieren, aber versteht mich, bitte, nicht falsch! Ich hoffe auf eine friedliche EM.

Heute ereilte mich eine Mail an meinem Arbeitsplatz. Sie kam vom Kollegen Alexander, der eingefleischter MSV-Fan ist, Fan des Zebra-Clubs, dem ich nicht allzu viel abgewinnen kann – ich berichtete bereits. Alexander ist ein netter Kollege, und ihm kann ich nicht einmal die Zebra-Zugehörigkeit übelnehmen, obwohl ich kürzlich im Relegations-Hinspiel heftig Würzburg die Daumen drückte, da ich persönlich den Zebra-Verein nicht mag. (Man möge raten, wem ich im Rückspiel die Daumen drücke … 😉 ) Aber Alexander kann ich sein MSV-Fantum nicht übelnehmen – zu nett ist er, zu fair, denn er drückt auch anderen die Daumen, hofft aber immer irgendwie. Und so habe ich mich über den Würzburg-Sieg gefreut, aber simultan tat es mir für Alexander leid. Aber warten wir das Rückspiel ab …

Wie auch immer: Alexander ist Fußballfan. Und so schickte er heute eine Mail an Interessierte, am „EM-Tippspiel“ teilzunehmen. Auch an mich. Auch an Janine, die mit Fußball gar nichts am Kopp hat, die ich aber heute zumindest schon überredet habe, mitzumachen, denn ich mache natürlich mit. 😉 Meinen Einsatz in Gestalt eines „tientje“, zehn Euro, habe ich auch schon geleistet. Über meinen „Tippnamen“ war Alexander gar nicht begeistert, denn ich hatte mich „Ali0408“ genannt, und so änderte ich den Namen in meinen echten Namen ab … 😉

Anno 2008 hatte ich das erste Mal am „Bundesliga-Tippspiel“ teilgenommen, das – unter Regie Alexanders – bei meinem Arbeitgeber stattgefunden hatte. Es hatte mir einen Riesenspaß gemacht. Mitmachen war alles – an Gewinnen dachte ich gar nicht. Aber zwischendurch startete ich immer wieder durch, und so lag ich nie am Ende, sondern manchmal eher ziemlich weit vorn. So weit vorn, dass sich die eingefleischten Fußballkenner, allesamt männlichen Geschlechts, sich mehr als einmal ärgerten, dass da so ein doofer Newcomer, noch dazu eine Frau, so weit vorne lag. Einer der mittippenden Kollegen nannte mich daraufhin stets nur „Hoffenheim“, gemäß dem Verein, der damals auch senkrechtstarterähnlich und gänzlich unerwartet ziemlich weit vorne in der BuLi-Tabelle lag (breiten wir heute den Mantel des Schweigens darüber … 😉 ). Ich mochte diesen Spitznamen nicht, da ich den Verein nicht sonderlich mochte. Es gibt einige Vereine, die ich lieber mag. Nein, nicht den BVB, auch nicht die Bayern. Andererseits passte der Name angesichts meiner Tippergebnisse, allesamt mehr durch Intuition, denn Sachkenntnis geprägt, ergo mit mehr Glück als Sachverstand erzielt, besser zu mir als jeder andere.

Irgendwann dann rutschte ich gnadenlos ab. Keiner glaubte mehr, dass ich mich davon noch einmal erholen könne. Überrundet von Kollegen und Kolleginnen, die noch weniger Ahnung von Fußball haben als ich … Schmach und Schande! 😉

Das Wunder geschah dann in den letzten Spieltagen. Da erholte ich mich auf wundersame Weise, tippte wie eine junge Göttin, und das – ich muss es zugeben – durchaus nicht völlig ohne Sinn und Verstand, sondern mit einem gewissen Kalkül. Und als dann die Saison nebst Relegationsspielen beendet war, fand die BuLi-Siegerfeier statt. Gewinner: drei Frauen. Ich hatte es zwar nicht mehr auf Platz 1 geschafft, stand auf dem Treppchen aber immerhin auf Platz 2. 😉 Zusammen mit den Kolleginnen Sabrina und Annette. Einfach nur schön! 🙂 Und wie sich die mittippenden Männer geärgert haben! 😉 Die hatten immer genölt, dass Frauen ja eh keine Ahnung hätten und dass Fußball ein absolut verstandesmäßiges Ding sei – da könnten Frauen eh nicht mithalten. Nun ja … 😉

Es freut mich jedenfalls, dass ich nun wieder mitmache. Egal, wie es ausgeht. Ich muss nur morgen Janine noch ein wenig „bearbeiten“. Die war noch nicht ganz überzeugt, heute. Sie versteht auch nicht so ganz, wie man begeistert Fußball verfolgen kann. Da muss ich wohl noch ein bisschen nachlegen. 😉 Aber es macht einfach mehr Spaß, wenn der ganze Flur mittippt. 😉

Drückt mir die Daumen! 😉

Serien-Vorlieben und die schauerlichen Konsequenzen

Mein TV-Konsumverhalten ist sehr unterschiedlich aufgestellt und umspannt ein relativ breites Spektrum. Heute habe ich – natürlich – Fußball geguckt. Das DFB-Pokalfinale stand an. Zum Ausgang werde ich mich nicht äußern – da bin ich an dieser Stelle „die Schweiz“, wie eine Bekannte das nennt. 😉 Ergo verhalte ich mich – fällt mir normalerweise schwer – neutral. Ich habe zwar meine ganz eigene Meinung zum Ausgang, aber ich werde mich dazu nicht äußern. 😉 Nur eines kann ich verraten: Ich bin Fan weder des FC Bayern München, noch des BVB (von mir auch, ich gestehe es, oft mit Augenzwinkern „die falsche Borussia“ genannt – man hat mich deswegen schon öfter kritisiert, was mich, auch das gebe ich zu, nicht sonderlich kratzt). Auf alle Fälle hatte ich einen mehr oder weniger spannenden Abend.

Ansonsten sehe ich sehr gern Dokus. Fundierte Dokus, nicht unbedingt „zdf-history“. Ich bin ein echter Doku-Fan. Daneben mag ich gut gemachte und geistreiche Komödien, französische Filme mit viel Sarkasmus, englische Filme mit viel Sarkasmus, jegliche Filme, die sarkastisch-augenzwinkernd und geistreich-originell sind. Ich liebe gute Thriller und Horrorfilme. Letztere haben nur den Nachteil, dass ich oft danach nicht schlafen kann oder Alpträume habe. 😉 Aber ich vertrete die Ansicht, dass, wo gehobelt werde, Späne fallen und man Risiken auf sich nehmen müsse. Da muss ich dann eben durch. 😉

Ich liebe Monty Python, und ich besitze sogar alle Folgen von „Monty Python’s Flying Circus“ auf DVD. (Als ich anno 2003 mein Zwergkaninchen bekam, überlegte ich sogar zuerst, es „Monty“ zu nennen, da in einem Monty-Python-Film, „Monty Python and the Holy Grail“, auch ein Kaninchen eine wichtige Rolle spielt. 😉 Aber da war es noch so klein, dass nur echte Fachleute hätten erkennen können, was es nun eigentlich sei – und so musste ein neutraler Name her, bis sich herausstellte, dass ich einen kleinen Rammler – ja, die heißen wirklich so – im Hause hatte. 😉 )

Monty Python und vergleichbar Absurdes steht immer dann an, wenn ich einen besonders grotesken Tag hatte, weil ich der Meinung bin, Absurdem müsse mit Absurdem begegnet werden. Das ist so, wie wenn man ein oder mehrere Gegenfeuer legt, um einen Brand zu stoppen bzw. andere Brände zu verhüten. Bei „Monty Python’s Life of Brian“ kann ich fast die Dialoge mitsprechen – auf Deutsch und auf Englisch. Am besten aber immer noch diverse Flying-Circus-Folgen, so zum Beispiel: „How to recognise different types of trees from quite a long way away“: „Number 1: the larch. The larch! The … larch.”

Ich gebe zu, das wirkt schriftlich rein gar nicht – man muss es sehen und hören und offenbar einen Sinn für total Absurdes und schräge Komik haben. Davon habe ich reichlich – ich würde das Alltagsleben wahrscheinlich sonst nicht vergleichsweise unbeschadet überstehen. 😉 Wie ich es schon sagte: Gegenfeuer. 😉

Auch Filme von Quentin Tarantino befinden sich unter meinen Favoriten. Ich finde nicht alle gut, aber einige wirklich sehr. Ich gebe zu, es hat ein bisschen gedauert, bis ich soweit war, das sagen zu können. 😉 Ich hinke halt fast jedem Hype hinterher und entdecke echte „Kultfilme“ meist erst später als meinen Favoriten zugehörig, als der allgemeine Hype vorgab. So ging es mir auch mit „The Big Lebowski“. 😉 Ich verliebe mich auch nie auf den ersten Blick – da muss ein Zusammenhang bestehen. 😉 Aber wenn ich mich verliebe, dann richtig und mit Verve.

Und ich liebe englische Krimis. Schon seit Jahren. Mein Favorit hier: „Lewis“ – einfach nur klasse. Eine latente Ironie, auch Selbstironie, ist vorhanden, und die Fälle sind fast immer spannend. Und obendrein spielt das Ganze in Oxford. Was will man mehr? Ich bin anerkannte Großbritannien-und-Irland-Anhängerin. 😉

Vor Jahren auch entdeckte ich, dass skandinavische Krimis mich sehr fesseln. Es begann harmlos mit den beiden Schweden, „Kommissar Beck“ und „Kommissar Wallander“, ging über den Norweger „Varg Veum“, auf Deutsch: „Der Wolf“, bis hin zur dänischen „Kommissarin Lund“ aus Kopenhagen. Gerade Letztere fesselte mich Sonntag für Sonntag abends an den Fernseher – zumindest in Staffel 1. Staffel 2 fand ich dann nicht so toll wie Staffel 1, und als Staffel 3 gesendet wurde, hatte sich leider gerade mein alter Fernseher final verabschiedet. Und ich kam gar nicht auf die Idee, mir das Ganze am PC anzusehen.

Staffel 3 habe ich mir neulich als DVD-Sammlung zugelegt. Und da ich irgendwann auch eine Folge von „Die Brücke – Transit in den Tod“ gesehen hatte, habe ich davon auch die erste Staffel bestellt.

Und damit ging es los: „Die Brücke“ gefiel mir sogar noch besser als Sarah Lund. Vielleicht liegt es daran, dass ich auch ein großer Skandinavien-Fan bin und hier sogar eine dänisch-schwedische Polizeikooperation stattfindet – in Kopenhagen und Malmö, beide durch die Öresundbrücke miteinander verbunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich schon über diese Brücke gefahren bin, von Schweden nach Dänemark, mich diese Brücke – wie alle imposanten Bauwerke, speziell Brücken – faszinierte, zumal sie im Nebel auch noch sehr verwunschen wirkt. Und ich habe eine Schwäche für alles, was irgendwie verwunschen und geheimnisvoll wirkt. 😉 In jedem Falle ist sie ein sehr imposantes Bauwerk, das zwei Länder verbindet, die ich obendrein mag.

Und eben auch skandinavische Krimis. Wer noch nie in Skandinavien war, wird bei Betrachtung sicherlich denken, alles dort sei düster, farbreduziert und trostlos. Ich weiß es zum Glück besser, weiß, dass die Menschen dort sehr ausgelassen und fröhlich sein können, gastfreundlich und keineswegs alle depressiv oder mit dem Asperger-Syndrom behaftet. Auch, dass die Farben dort nicht so trüb sind, wie in den Filmen oft zu sehen. Und es lauert auch nicht hinter jedem Baum ein fieser Serienmörder, der Leichen zerstückelt, auf der Öresundbrücke eine tote Frau, die sich beim Abtransport dann als mittendurchgesägt erweist und sich in der Gerichtsmedizin in Malmö dann auch noch herausstellt, dass es sich um den Oberkörper einer schwedischen Politikerin und den Unterleib nebst Beinen einer dänischen Prostituierten handelt. Die Bilder sind bisweilen sehr drastisch, und man sollte vielleicht zuvor bereits gegessen haben. Es sei denn, man will ohnehin etwas abnehmen. 😉

Auch rate ich dringend, sich derartige Krimis nur dann anzusehen, wenn es einem total gut geht. Oder so schlecht, dass man bei Betrachtung der Filme dann denkt: „Puh! Und ich dachte, mir ginge es beschissen! Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt! Hey, mir geht’s ja richtig gut!“ Gleich geht es einem besser. Nicht ansehen, wenn die eigene Stimmung eher ambivalent ist – das könnte sich ungünstig auswirken. 😉 Ich weiß, wovon ich spreche. 😉 Skandinavische Krimis sind irgendwie immer sehr düster.

Aber spannend! 🙂 Und so habe ich in der letzten Woche die erste Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ gesehen, bin morgens teilweise recht müde zur Arbeit gefahren, wo ich dann immer verärgert zur Kenntnis nahm, dass ich keine Streichhölzer dabeihatte, meine Augen offenzuhalten, wenn mal gerade weniger zu tun war. 😉 Zwar bin ich Raucherin, benutze aber immer Feuerzeuge zum Anzünden meiner Zigaretten. By the way: Wo ist eigentlich mein heißgeliebtes Zippo hin … ?

Aber irgendwann ist auch eine 5 DVD lange Serie „ausgesehen“. Zum Glück gab es ja Staffel 2, die ich in der letzten Woche bestellte. Am Mittwoch sollte sie in der DHL-Packstation sein, und ich zitterte zwar nicht entzugmäßig, als sich bis zum Nachmittag noch keine Mail-Benachrichtigung oder etwas auf meinem Smartphone getan hatte, aber ich war doch ein bisschen … nervös. Ich wollte doch wissen, wie es weiterging! Kann man doch verstehen. Oder? 😉

Endlich dann irgendwann am Nachmittag die erlösende Nachricht: In der DHL-Packstation unweit meiner Wohnung war etwas eingeliefert worden! Nach der Arbeit fuhr ich nach Hause, parkte den Wagen und ging dann in annäherndem Laufschritt zur Packstation. Und – was für ein Glück – darin wirklich Staffel 2! 😉

An der laboriere ich gerade, und da mir das DFB-Pokalfinale dazwischenkam, wird es wohl eine sehr, sehr lange Nacht werden …

Erschreckenderweise gibt es auch noch Staffel 3. Leider ohne Kim Bodnia, den ich schon in „In China essen sie Hunde“, einem dänischen Film, so klasse fand. Aber ich befürchte, selbst dessen Fehlen werde mich nicht daran hindern, auch noch Staffel 3 zu bestellen. 😉 Schlaflose Nächte also auch in der nächsten oder übernächsten Woche. Ich glaube, das nennt man Suchtverhalten. 😉

Ich nenne es lieber euphemistisch „Begeisterung“. Denn es reicht ja schon, dass ich rauche. Was aber mache ich, wenn ich auch mit Staffel 3 fertig bin?  Staffel 4 sei zwar schon in Arbeit, hieß es, aber weiß der Henker, wann sie herauskommt …  Ach, ja – manche Vorlieben erzeugen aber auch einen Stress! 😉

Von Pflanzen, Tieren und Kindern: Alis schwarzer Daumen

Ich glaube, manchmal unterschätze ich mich. Ich bin daran gewöhnt, dass andere mich bisweilen fälschlicherweise unterschätzen, und so tendiere ich bei Dingen, bei denen ich bisher wirklich nicht so ein glückliches Händchen bewiesen habe, auch dazu.

Pflanzen, zum Beispiel, sind so eine Sache. Ich sage ja immer, dass ich einen „schwarzen Daumen“ hätte. Das ist keineswegs so gut wie ein Schwarzer Gürtel in Karate oder Taekwondo – ganz im Gegenteil. Eher angelehnt an den „grünen Daumen“, den man den echten Fachleuten in puncto Pflanzen nachsagt, bei denen auch eine noch so verschrumpelte Orchidee – in Panik hingebracht, weil man selber deren Aufzucht und Pflege offenbar nicht gewachsen ist und das arme Gewächs sich nun quält, binnen einer Stunde aufblüht, die kleinen Arme reckt und: „Yes, I can!“ ruft. Bis man es dann wieder abholt …

Ich sage immer, und das nicht ohne Grund, dass man mir Kinder und Tiere bringen könne – mit denen komme ich hervorragend klar. Dafür habe ich offenbar tatsächlich eine Art Händchen. Ich erinnere mich an einen Abend, damals noch in Aachen, als ich an der RWTH arbeitete, an dem mein Kollege Frederic, unsere Hiwi-Gruppe und ich mal im Park am Eurogress grillen wollten und Frederic seine beiden kleinen Töchter, Maria und Katharina, mitbrachte. Die beiden wohnten mit Mama und Papa am Rande des Parks im Erdgeschoss einer wunderschönen Jugendstil-Villa. Beide total süß und damals etwa viereinhalb, Mariechen, und knapp drei Jahre alt, Kathi.

Wir alle waren etwas überrascht, dass die beiden kleinen Mädchen auch mitkamen, aber Frederic meinte nur: „Als sie hörten, dass Ali hier sei, waren sie nicht zu bremsen. Ich hoffe, das stört euch nicht!“ Nein. Wie könnten zwei kleine Mädchen stören? 🙂 Und die beiden klebten die ganze Zeit an mir – sie kannten mich bereits, und aus Gründen, die mir damals selber nicht so ganz erklärlich erschienen, hatten die beiden kleinen Hühner einen Narren an mir gefressen. Ich erzählte ihnen Geschichten, während meine Kollegen um uns herum Bier tranken, rauchten und Würstchen und Steaks aßen. Ich kam gar nicht zum Biertrinken, Rauchen und Essen! 😉 Stattdessen sang ich Lieder mit den kleinen Hühnern, die mein Onkel Christian, seines Zeichens Grund- und Volksschullehrer im schönen Franken, mir als Kind beigebracht hatte. Sehr gut kam der „Seeschlangen-Song“ an. 😉 Der kommt bei Kindern immer gut an. 😉 Und es war auch gut, dass ich als Kind das Buch „So viele Tage, wie das Jahr hat: 365 Gedichte für Kinder und Kenner“, verinnerlicht hatte – zunächst vorgelesen von Muttern, später selber erforscht. Ein wunderschönes Buch mit lauter Gedichten, herausgegeben von James Krüss. Ich bin mit James Krüss quasi groß geworden und noch heute ein Fan. Vor allem, wenn ich mir ansehe, was man Kindern heute zum Teil so vorsetzt.

Kurz: Ich war bis etwa 21 h die Nüchternste von uns allen, und für eine Raucherin war ich total tapfer gewesen, denn ich kam nicht dazu, auch nur eine Zigarette zu rauchen. 😉 Die beiden kleinen Weiber hatten mich bis dahin okkupiert, an meinem Hals gehangen, auf meinem Schoß gesessen, wir waren um die Wette gerannt (die Hühner hatten – erstaunlich, obwohl ich doch längere Beine hatte – immer gewonnen … 😉 ), Verstecken gespielt, wobei ich sie nie fand (obwohl sie doch so gut sichtbar immer nur hinter Bäumen versteckt waren … 😉 ), und ich hatte diverse Kindergedichte von James Krüss, Josef Guggenmos, Peter Hacks und sogar Christian Morgenstern rezitiert, die ich seit meiner Kindheit auswendig kann, was zur Folge hatte, dass die kleine Kathi wieder und wieder schrie: „Nochmal den Elefanten!“ Denn der kleinen Kathi Lieblingstiere, wie sie mir im Vertrauen verriet, waren Enten und Elefanten – eine hervorragende Kombination! 😉

Demgegenüber erwärmte Mariechen sich mehr für „Das Huhn und der Karpfen“, war aber nicht ganz sicher, ob ihr nicht das „Möwenlied“ von Morgenstern lieber war, dessen Anfang sie schon zum leisen Lachen brachte: „Die Möwen sehen alle aus, als ob sie ‚Emma‘ hießen […]“ Das war auch eher ein Maria-Gedicht, denn die Kleine war anders als die impulsive Kathi, nachdenklicher und ruhiger. Kathi sehr selbstbewusst, Maria dagegen eher ruhig und etwas unsicher, weshalb ich mit ihr auch ganz anders umging als mit der selbstsicheren Kathi. Für beide hatte ich offenbar jeweils die richtigen Gedichte und Lieder auf Lager gehabt. Danke, Onkel Christian und Mama. 😉 Gegen 20:15 h lagen die beiden Mädels schlafend in meinem Arm, und Frederic meinte: „Ich bringe sie nach Hause – dann hast du auch endlich Ruhe.“ Und er nahm das kleine Mariechen auf den Arm, wovon auch Kathi wach wurde. Und sie schrie: „Nein! Ich will, dass Ali mitkommt!“ Davon wurde auch Maria wieder wach und wollte dann auch, dass ich mitkäme. Natürlich ging ich mit. Und ich musste dann noch einmal: „Ein Elefant marschiert durchs Land und trampelt durch die Saaten […]“ wie auch „Das Huhn und der Karpfen“ rezitieren: „Auf einer Meierei, da war einmal ein braves Huhn […]“. Und zum guten Schluss noch einmal den „Seeschlangen-Song“ singen. Zumindest die erste Strophe, denn im Laufe dieser schliefen die beiden Kleinen auch schon ein.

Und danach dann richtig grillen. 😉 Aber es war auch zuvor schon ein sehr netter Abend gewesen.

Zurück zu den Pflanzen, deren Freundin ich offenbar nie war. Meine Palme explodiert seit einiger Zeit, als wolle sie mir beweisen, dass meine Selbsteinschätzung völlig falsch sei. Von der Azalee, die meine Mutter mir vor knapp drei Jahren geschenkt hat und die noch immer lebt, ganz zu schweigen. Seit jüngster Zeit habe ich zwei Topfrosen auf dem Balkon, die jeden Tag tüchtig gegossen werden müssen – was habe ich mir nur angetan? Ich bin doch bisweilen etwas vergesslich. 😉

Es ist mir letztes Jahr etwas passiert, was ein wenig unheimlich ist. Ich hatte 2013 zu meinem Geburtstag im August von einer Kollegin einen kleinen Christusdorn geschenkt bekommen. Das ist bis dahin noch nicht unheimlich. Der kleine Christusdorn blühte, wuchs auch. Bis meine Kollegin ins Krankenhaus kam und man Krebs diagnostizierte. Da stagnierte alles, obwohl ich weiterhin goss, hegte und pflegte, so gut ich es vermochte (was, zugegeben, nicht sehr gut ist, aber immer gut gemeint). Die Pflanze wollte und wollte nicht weiterwachsen. Meine Kollegin, die ich immer „Sabinchen“ nenne, obwohl sie eine ausgewachsene Sabine war, nur halt ein paar Jahre jünger als ich, wurde operiert, alles schien gut. Sie kam zurück zur Arbeit. Es schien alles geschafft. Dann brach sie bei der Arbeit zusammen. Und dann ging alles Schlag auf Schlag. Sabinchen ist Anfang März letzten Jahres gestorben – ich habe es bis heute nicht vergessen und werde das sicherlich auch nie.

Der kleine Christusdorn, den sie mir geschenkt hatte, welkte vor sich hin, sah zwischendurch richtig fies aus. Als wäre er von Schimmel befallen. Ich hatte ihn mehrfach in der Hand, um ihn wegzuwerfen, aber ich brachte es nicht übers Herz. Das war doch das Letzte gewesen, das Sabinchen, das ich so lange gekannt und gemocht hatte, mir geschenkt hatte. Das konnte ich nicht wegwerfen.

Eines Abends, ich hatte länger bei der Arbeit zu tun gehabt, war ich so spät dran, dass die Putzfrau, die für unseren Abschnitt zuständig ist, bereits eintraf, um die Büros zu putzen. Eine sehr nette und liebe Frau aus Kasachstan. Ich hatte mich schon bisweilen zuvor recht lange mit ihr unterhalten. An jenem Abend deutete sie auf den kleinen Christusdorn und meinte: „Sollten Sie wäägwäärfffän. Iiist kchchapuut.“ – „Ich weiß. Ich kann es aber nicht.“ – „Warrruuum? Soll iiichchch maachchen?“ – „Das ist lieb. Aber ich kann ihn nicht wegwerfen. Geben Sie ihm und mir noch den Rest der Woche. Dann dürfen Sie ihn wegwerfen. Ich kann es nicht.“ Und ich erzählte ihr, warum. Sie nickte und meinte, das könne sie verstehen. Wir würden ihm noch diese Woche geben. Und wir vereinbarten, dass sie ihn dann diskret entsorgen würde, da ich es nicht übers Herz brachte.

Als ich am nächsten Tag zur Arbeit kam, hatte ich wenig Zeit und kein Auge für die Pflanze. Aber am folgenden Tag dafür umso mehr … Denn als ich in einer freien Minute nach links blickte, stand da der kleine Christusdorn wie eh und je. Aber – was war das? Da hatte er Triebe angesetzt! Quasi über Nacht! Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter …

Und ich wandte mich an Janine, die, noch ziemlich neu damals, mehrfach gemeint hatte, warum ich das schimmelnde Pflanzenteil nicht einfach entsorgte. Ich hatte ihr dann auch erklärt, warum mir das schwerfalle, und sie hatte gemeint, das würde sie verstehen. Ich hatte ihr auch von dem Angebot der Putzfrau erzählt. Und nun wies ich auf das so plötzlich treibende – und knospende! – Gewächs hin. Janine fiel fast vom Stuhl. Und sie meinte: „Da hattest du es doch vorgestern schon in der Hand und wolltest es wegwerfen, und als du meintest, du könnest es nicht und es auf die Fensterbank zurückstelltest, habe ich – ich gebe es zu! – erst gedacht: ‚Jetzt spinnt sie! Das Ding ist doch tot!‘ Und nun so etwas! Ehrlich gesagt, das ist mir etwas unheimlich, Ali …“ Ja. War es mir auch. Es erinnerte mich so an mein Zwergkaninchen „Muffin“, das auch einmal, zweijährig, zwischen Tod und Leben gehangen hatte und ich, da es inzwischen mehr vegetierte als lebte, trotz zahlreicher, kostenintensiver Tierarztbesuche, zu ihm gesagt hatte: „Übermorgen gehen wir wieder zum Tierarzt. Und wenn es dann immer noch so schlimm ist, dass du so leidest, ist es möglicherweise das letzte Mal.“ Klingt herzlos, aber der kleine Fratz war schon mit teuren Medikamenten behandelt worden, gehätschelt, und nichts war besser geworden. Und als ich ihm das sagte, hatte ich ihn wie ein Baby auf dem Arm und lief im Wohnzimmer auf und ab, während Tränen in sein Fell tropften. Was soll ich sagen? Zwei Tage später sprang er zwar nicht wie ein Gummiball durch die Gegend, aber er war viel fröhlicher, kam mir entgegengesprungen, und seitdem ging es bergauf.

Als ich der Putzfrau an diesem Abend den Christusdorn zeigte, bekreuzigte sie sich. Und dann meinte sie: „Iiist äätwas uunchaimlichch. Abärrr ist gutt so! Chatt wohl saine Grrruund. Iiist Zaichchen fürrr Sie, glauube ichch – iist allääs gutt mit kchlaine Kchollegiin. Wiiill, dass Ihnen gäät gutt.“ Nun ja, ein Aberglaube. Aber ein netter. 🙂

Inzwischen mache ich mir im Büro Gedanken darüber, ob man vielleicht anbauen solle, denn inzwischen ist der „kleine“ Christusdorn quasi explodiert, und mehrere Ableger von ihm streben in die Höhe und die Breite. Ich muss wohl alsbald einige neue Töpfe mitbringen und Umtopfarbeiten vornehmen. Und solltet ihr jemals in der Zeitung lesen: „Blonde Büroangestellte von Pflanze erstickt!“, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass es sich dabei um meine Wenigkeit handelt.

Gebt nie auf! Und lasst euch nie etwas einreden – vor allem nicht, dass ihr irgendetwas nicht könntet. Bei mir gedeihen inzwischen sogar Pflanzen! 😉

Andererseits frage ich mich gerade: Wieso kleben die Blätter meiner Azalee und die neuen Triebe meines Rosmarins in der Küche eigentlich so gewaltsam am Fenster, als wollten sie es durchbrechen? Und wieso streben die neuen Triebe meiner Palme im Wohnzimmer so stark gen Balkontür? Wachsen die vielleicht nur so stark in die jeweiligen Richtungen, um vor mir zu fliehen? Bloß weg hier? 😉 Offenbar habe ich doch einen schwarzen Daumen … 😉 Oder? 😉

In memoriam Sabine A. – Dein Christusdorn wächst, gedeiht und blüht. Ich hätte Dich aber auch ohne ihn nicht vergessen, Süße! 🙂

 

 

 

Ein Elefant marschiert durchs Land 

Ein Elefant marschiert durchs Land
und trampelt durch die Saaten.
Er ist von Laub und Wiesenheu
so groß und kühn geraten.

Es brechen Baum und Gartenzaun
vor seinem festen Tritte.
Heut kam er durch das Tulpenfeld
zu mir mit einer Bitte.

Er trug ein weißes Kreidestück
in seinem langen Rüssel
und schrieb damit ans Scheunentor:
„Sie, geht es hier nach Brüssel?“

Ich gab ihm einen Apfel
und zeigte ihm die Autobahn.
Da kann er sich nicht irren
und richtet wenig an.

(Josef Guggenmos)

 

Das Huhn und der Karpfen

Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner tun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob’s ein Wunder sei!

Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen saß
Und stillvergnügt sein Futter fraß,
Der hörte das Geschrei:
Wie’s kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob’s ein Wunder sei!

Da sprach der Karpfen: „Ei!
Alljährlich leg‘ ich ’ne Million
Und rühm‘ mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte –
Was gäb’s für ein Geschrei!“

(Heinrich Seidel)

 

Gelbe Autos und sechster Sinn – ein ganz normaler Freitag

 

Heute war mal wieder einer jener Tage, die doof beginnen, aber dann doch nett werden. Netter zumindest.

Denn ich wachte gegen 03:22 h nachts auf meiner Couch auf – ich werde es nie lernen. Auf dem Bildschirm meines Fernsehers war das Startmenü einer DVD zu sehen, Teil 4 einer Serie, und die dräuend-unheimliche Musik, die zur Serie dazugehört, hatte mich bis in den Traum verfolgt und lief quasi in einem infinite loop, einer Endlosschleife. Kein Wunder, dass ich da einen Alptraum gehabt hatte. Protagonistin war ich gewesen. Antagonist eine Spinne, eine große Spinne, die sich in meinem Wohnzimmer häuslich niedergelassen hatte. Potthässlich war das Viech, rosa mit schwarzen Beinen, und es verhieß nichts Gutes. Sogar große Gefahr ging von ihm aus – zumindest erschien dies im Traum als unumstößliches Faktum. Und das akzeptiert man im Traum ja fraglos, da alles irgendwie logisch erscheint. 😉 (Obwohl ich auch in Träumen schon manchmal stutzig wurde, wenn es gar zu heftig wurde, und selbst im Traum dachte: „Das ist jetzt eigentlich nicht ganz logisch.“ Aber das hier war etwas anderes.)

Und so habe ich, als ich um 03:22 h wach wurde, auch erst einmal hektisch Ausschau gehalten, ob irgendwo im Wohnzimmer eine Spinne sei. 😉 War aber nicht der Fall, und so schaltete ich DVD-Player und Fernseher aus und begab mich ins Schlafzimmer. Ich war doch sehr müde …

Es ist immer wieder ein interessantes Phänomen: Ich kann todmüde sogar im Sitzen auf der Couch einschlafen, wie es in sehr, sehr stressigen beruflichen Phasen schon vorgekommen, aber nicht die Norm ist, wenn ich auf der Couch einschlafe: Kaum gehe ich, todmüde, ins Bett, bin ich plötzlich hellwach und kann nicht mehr einschlafen. So auch hier. Ich wälzte mich von rechts nach links und wieder zurück. Gegen halb 6 stand ich wieder auf – es hatte ja doch keinen Sinn. Ging ins Bad, tat, was zu tun war, und dann setzte ich mich – nach einem vorsichtigen Blick, ob nicht doch irgendwo eine rosa-schwarze oder sonstwie gefärbte Spinne sein könne – an meinen PC, beantwortete Mails, deren Beantwortung ausstand, las ein wenig in der Online-Version der Zeitung mit den drei Buchstaben, die hier, wo ich lebe, von Bedeutung ist, und dann machte ich mich fertig für die Arbeit.

Eigentlich hatte ich heute mit der Straßenbahn und dem Bus zur Arbeit und wieder zurück fahren wollen, da ich um 17:00 h noch einen Zahnarzttermin hatte. Wurzelbehandlung – aber ich bin ja ein „alter Hase“, und so etwas kann mich kaum aufregen. Da wollte ich doch lieber mit dem ÖPNV fahren, denn rund um die Praxis sieht es schlecht um Parkplätze bestellt aus.

Dann dachte ich: „Wie doof ist das denn? Wenn du mit dem ÖPNV fährst, musst du um kurz nach 16:00 h von der Arbeit los. Dann kannst du auch mit dem Auto fahren, denn die Praxis ist ja nicht weit entfernt. Fährst um kurz nach vier los, parkst – hoffentlich – vor dem Haus hier und läufst dann eben schnell zum Zahnarzt.“

Die Wahrheit ist: Es tut mir immer in der Seele weh, den kleinen Scotty, wie ich mein Auto mit Grund getauft habe, stehenzulassen. Kaum zu glauben, aber wahr! Noch vor einem halben Jahr hätte man mich wohl zu einem Auto prügeln müssen, um mich dazu zu bringen, es – selber – zu fahren. Und das wahrscheinlich mit tränenumflorten Augen. 😉 Heute finde ich es ganz furchtbar, wenn ich – gezwungenermaßen – mal nicht mit dem Auto fahren kann. Dass ich überhaupt auf die Idee kam, mit Bussen und Bahnen fahren zu wollen! Das grenzte an Verrat! 😉 Und heute früh um kurz vor 7 war mir gar nicht mehr klar, wie ich überhaupt auf diese Idee hatte kommen können. 😉

Ergo ging ich auch gegen 07:45 h, mit dem Autoschlüssel klimpernd, aus dem Haus, schwang mich in den Toyota und betätigte erst einmal die Scheibenwaschanlage vorn und hinten, da man im Moment sonst nur gelb sieht – blöde Birkenpollen!  Scotty selber ist im Moment eher „greige“ getönt, silbergrau-beige. Anlehnen sollte man sich an ihn nicht. Ein Fall für die Waschstraße, aber kaum wieder draußen, ist die Karre wieder mit Pollen überzogen. (Hat jemand eine Ahnung, wie lange speziell diese doofen Birkenpollen fliegen? 😉 )

Ich fuhr los, als hätte ich all die Jahre, in denen ich de facto nicht gefahren bin, nichts anderes gemacht, als zu fahren. Wie gut, dass ich nicht die Straßenbahn genommen habe, denn da hatte ich neulich, als es sich gar nicht vermeiden ließ, ein extrem doofes Erlebnis gehabt: Als ich einstieg, war die Bahn relativ voll gewesen, und sogar die Klappsitze gegenüber dem Kinderwagen- und Fahrradtransportbereich waren besetzt gewesen. Einer davon mit einer unglaublich dicken Frau. Es war nicht so, dass sie nicht einen etwas kommoderen Platz hätte bekommen können, denn weiter hinten und vorn waren noch Plätze frei, die nicht so fragil gebaut waren. (Es mag fies klingen, ist aber gar nicht so gemeint, doch habe ich schon oft beobachtet, dass sich just sehr, sehr massige und voluminöse Personen gern auf die Klappsitze setzen. Kann mir jemand dieses Phänomen mal erklären? Die sind auch nicht breiter und schon gar nicht bequemer als die regulären Sitze …)

Gut, nun könnte man mir vorwerfen, warum ich mich denn nicht auf diese gesetzt hätte. 😉 Aber ich dachte: „Zur Not stehst du eben die Strecke – ist ja nun auch kein Problem.“ Doch dann wurde eben der Klappsitz frei, auf dem die sehr dicke Frau gesessen hatte. Es hätte mir eigentlich eine Warnung sein sollen, dass er – der Sitz – schon ein so trauriges Geräusch absonderte, als die Dame sich erhob. Aber ich achtete nicht darauf – es war noch früh am Tag – und nahm Platz.

Zunächst ging auch alles gut, bis der Fahrer etwas stärker bremsen musste. Da machte es nur: „Knack!“, und ich saß eine Etage tiefer … 😉 Nett die Blicke, die mich trafen – klar, ich bin die Schuldige gewesen, nicht etwa die Leute zuvor, die zu schwer für den fragilen Sitz gewesen waren … 😉 Ein Wunder, dass ich mir nicht das Steißbein gebrochen habe! 😉 Aber ich lachte dann lieber, wenn ich auch den Rest des Tages und die Tage darauf ein wenig Schmerzen hatte, wenn ich mein Hinterteil auf einem Stuhl absetzte. Ehrlich gestanden, wundert es mich bis heute, dass die Verkehrsgesellschaft, die hier und in der Nachbarstadt tätig ist, mich nicht regresspflichtig machte. 😉 Seitdem fahre ich noch weniger gern mit dem ÖPNV – wer könnte es mir verdenken?

Auf der Fahrt zur Arbeit heute war nicht übermäßig viel Störendes zu beklagen. Einzig, dass ein Mädel, den Blick fest auf sein Smartphone gerichtet und mit Stöpseln in den Ohren – leider ein wandelndes Klischee -, mir auf der Vom-Stein-Straße fast vors Auto lief, da es, ohne nach rechts und links zu blicken, einfach auf die Straße latschte. Klar, es war ja auch ganz allein auf der Welt … Ich musste scharf bremsen und betätigte zum zweiten Male die Hupe im Ernstfall, seit ich Scotty besitze. Ich gebe zu, meine Hand ruhte etwas länger auf der Hupe, denn das Mädel bekam zunächst gar nichts mit … Als ich dann durchaus durchgängig und energisch hupte, warf es mir einen Blick zu, und aus dem sprach: „Wie kannst du mich stören, wenn ich hier doch gerade Musik hörend einherwandle?“ Am liebsten – ich gebe es zu – wäre ich ausgestiegen und hätte ihr links und rechts eine geknallt. Würde ich zwar nie machen, aber ich würde auch niemals das Bedürfnis dazu leugnen. 😉

Zur Entspannung, als Gräfin Koks endlich gemächlich aus meiner Reichweite verschwunden war, hörte ich Musik. Mir war nach Gianna Nannini. Nicht jedermanns Geschmack, ich weiß, und auch ich bevorzuge die schnelleren Lieder von ihr. Und das auch nicht immer, aber hier passte es. Und so hörte ich das zwar schon recht alte, aber sehr schnelle „Avventuriera“ – perfekt zum Autofahren! 😉 Fand ich. (Noch dazu, wenn ich fahre, denn das heißt „Abenteurerin“ … 😉 ) Führt nur dazu, dass man etwas schneller fährt. 😉 Danach kam eines meiner Lieblingslieder: „Meravigliosa Creatura“, was übersetzt soviel wie „Wunderbares Wesen“ heißt. Ein eher hymnisches Lied, aber wunderschön und mit Erinnerungen behaftet. 😉

Und auf dem Nordring ertappte ich mich dabei, dass ich laut mitsang: „Meravigliosa creatura, un bacio lento / Meravigliosa paura d’averti accanto / All’improvviso tu scendi nel paradiso […]“ Zum Glück verstehe ich, was ich da sang, auch wenn es derzeit keine Person gibt, die ich da besingen könnte. Und so besang ich mich halt selber – manchmal muss man sich auch selber Komplimente machen, wenn es sonst keiner tut. 😉 (Ganz allmählich entwickle ich mich zur Lebenskünstlerin. 😉 ) Und einmal mehr erkannte ich, dass es doch Vorteile hat, dass ich vier Jahre mit einem Italiener, Giacomo, liiert gewesen war, obwohl diese vier Jahre wohl mit die stressigsten meines Lebens gewesen sind. 😉 Aber immerhin bin ich zumindest in Ansätzen des Italienischen mächtig. 😉 Ich kann sogar bei Gianna Nannini mitsingen und mich selber auf Italienisch loben! 😉

Bei der Arbeit war es heute sehr, sehr warm. Janines und mein Büro geht gen Süden und verfügt über keine Klimaanlage … 😉 Und so saßen wir heute genervt im Büro, machten, was zu machen war, aber ich gestehe, allzu motiviert waren wir nicht.

Gegen 16:10 h machte ich mich, nachdem ich noch brav meine Zähne geputzt hatte, auf den Weg. Und ich fand sogar vor dem Haus noch einen Parkplatz! Ist ja auch nicht immer der Fall. Und so begab ich mich zum Zahnarzt.

Ich war die letzte Patientin, wie man mir mitteilte, als ich meine Tasche, auf der vielfach „Nürnberg“ steht, auf einem Hocker im grünen Behandlungszimmer abstellte. Komischerweise hatte ich kurz zuvor noch gedacht: „Möglicherweise fragt Dr. C., was du mit Nürnberg am Hut hast.“ Kaum gedacht, schon gelacht und gar nicht gewusst, wie ich auf so etwas kam, denn noch nie hat mein Zahnarzt mich auf meine Taschen, obwohl durchaus häufig mit Aufschriften besetzt, angesprochen. Wie kam ich überhaupt auf die Idee?

Ich nahm auf dem Behandlungsstuhl Platz, man legte mir das obligatorische Papierlätzchen um. Und da kam auch schon der Maestro, reichte mir die Hand und begrüßte mich. Dann blickte er in die Richtung, wo meine Tasche stand. Und dann meinte er: „Frau B., stehen Sie in irgendeiner Beziehung zu Nürnberg? Nein, oder? Das ist Zufall.“ – „Doch! Zwar nicht direkt zu Nürnberg, aber zu Franken. Meine Mutter ist Fränkin! Und ich habe da etwa ein Viertel meiner Kindheit verbracht!“ – „Nein! Das gibt es ja nicht!“ – „Wieso?“ formte ich das Wort um das zahnmedizinische Instrument und den Speichelsauger herum, die bereits beide an meinem wurzelbehandlungswürdigen Schneidezahn im Unterkiefer ihre Arbeit aufgenommen hatten. Dr. C. unterbrach seine restaurative Tätigkeit und meinte: „Meine Frau kommt aus Fürth.“ Ich rief: „Ach – das ist aber sympathisch!“ Dr. C. lachte. Und dann meinte er: „Nun ja … Fränkinnen sind ja etwas … nun ja – oft etwas ruhiger. Aber sehr energisch. Und willensstark.“ Ich lachte. Ich wusste, was er meinte. Und da sagte er auch schon: „Frau B. – ich habe im Grunde zu Hause nichts zu sagen.“ Ich lachte noch mehr. Ruhig, aber energisch. Sehr, sehr willensstark. 😉 O ja. 😉

„Warum lachen Sie denn jetzt so, Frau B.?“ Gerne hätte ich ja gesagt: „Und da das so ist, dass Sie zu Hause nichts zu sagen haben, leben Sie sich jetzt in der Praxis aus, oder?“ Aber da wurde schon wieder an meinem Zahn gearbeitet. Und so lachte ich nur leise in mich hinein. Obwohl: So leise war das Lachen gar nicht. Eigentlich klang es sogar recht dreckig. 😉 Und so unterbrach Dr. C. seine Tätigkeit und meinte grinsend: „Das scheint Ihnen irgendwie Freude zu bereiten, Frau B.!“ – „Aber nein – ich habe nur gerade darüber nachgedacht, dass Sie und mein Vater einander sicherlich sehr gut verstehen würden.“ – „Nicht wahr, Ihre Mutter hat auch das Sagen, oder?“ – „Ääh, nun ja, in vielerlei Dingen sicherlich schon. Sollten Sie je in Erwägung ziehen, eine Selbsthilfegruppe für nichtfränkische Männer, die mit einer Fränkin verheiratet sind, zu gründen, sagen Sie mir bitte Bescheid. Ich melde meinen Vater dann auch an.“ Da lachte Dr. C. heftig und meinte: „Gut, zu wissen, dass es Gesinnungsgenossen gibt.“ – „Na, also – alles wird gut!“ – „Wie ist das denn mit Ihnen? Sie sind sicher wie Ihr Vater, oder?“ Ich musste erneut lachen. Und dann meinte ich: „Den Zahn muss ich Ihnen ziehen, Herr Dr. C.! Auch wenn das normalerweise Ihre Aufgabe ist. Ich bin meiner Mutter sehr ähnlich.“ – „Auch in Beziehungen?“ – „Nur, wenn der Partner völlig anders ist als ich und es zu heftigen Reibungspunkten kommt.“ – „Dann fahren Sie die Krallen aus?“ – „Nur im Notfall.“ – „Aha. Dann sind Sie wohl wirklich recht fränkisch geprägt.“ – „Wahrscheinlich. Aber mit Reden kommt man oft weiter. Wenn dann allerdings alles beim Alten bleibt … nun ja. Aber ich hoffe, Sie behandeln mich trotzdem möglichst schmerzfrei!“

Das tat er dann, und zum Abschied meinte ich: „Schöne Grüße an Ihre Frau, unbekannterweise!“ Und Dr. C. meinte: „Danke. Schöne Grüße an Ihren Vater! Ebenfalls unbekannterweise.“ Und dann meinte er: „Faszinierend – ich hatte geglaubt, meine Frau sei die einzige Fränkin hier in der Region.“ – „Aber nein. Sie hat Bundesgenossinnen.“ Da lachte er. Und so wurde der anfänglich komische Tag doch noch recht nett.

Obwohl ich am 24. erneut zum Zahnarzt muss. Ein Fall von Karies aufgrund einer nicht ganz abschließenden Krone. Aber ich bin ja Kummer gewohnt … 😉 Und es ist auch alles etwas leichter, seit ich weiß, Frau C., der ich nie begegnet bin, kommt auch aus Franken. Eine Art Silberstreif am Horizont. 😉

„Gestatten? Ali B., Fettnäpfchendetektrice!“

Es gab bereits Situationen in meinem bisherigen Leben, da man mich nach meinem Beruf fragte. Und es gab darunter schon Momente, da mir auf der Zunge lag, zu sagen: „Ich arbeite als Fettnäpfchendetektor bzw. -detektrice. Und das quasi rund um die Uhr und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Bisher habe ich nur stets vergessen, eine Visitenkarte, heutzutage ganz modern „business card“ genannt, zu verteilen, wie das so viele Leute heutzutage tun, selbst wenn sie nur dazu abgestellt sind, städtische Toiletten zu reinigen. Oder Vergleichbares.

Ich gebe es ungern zu, aber ich bin ein Großmaul. Manchmal zumindest. Und ich tendiere dazu, übers Ziel hinauszuschießen. Es gab schon Leute, die das als „liebenswert“ bezeichneten. Ich selber gehöre nicht dazu. Ich finde es furchtbar. Denn ich muss mit den Konsequenzen leben.

Meine Tätigkeit beherrsche ich aus dem Effeff. Und das fing schon im frühen Kleinkindalter an, als ich einer meiner Tanten auf die Frage, ob wir denn nicht ihrer Mutter, die in der Wohnung unter meiner Tante lebte, einen kleinen Besuch abstatten wollten, ganz unverblümt und im gestandenen Alter von drei Jahren sagte: „Nein. Ich mag deine Mama nicht.“ Meine Tante, in etwa genauso empfindlich wie ich, und das, obwohl wir nicht einmal blutsverwandt sind, meinte: „Aber warum denn nicht?“ Und da brach es aus mir heraus: „Ich mag deine Mama nicht. Meine Mama mag deine Mama auch nicht!“ Und das wahrscheinlich im Brustton absoluter Überzeugung, das sei so richtig. Wahrscheinlich annähernd empört aufgrund des Vorschlags, die Mutter meiner Tante zu besuchen!

Ich kann mich an den Ausspruch zwar nicht ganz so genau erinnern, und auch erst Jahre später erwähnte man ihn, nachdem meine Mutter sich gewundert hatte, was die Mutter meiner Tante eigentlich gegen sie habe, die sich meiner Mutter gegenüber stets auffallend reserviert benahm. Muttern konnte sich das gar nicht erklären. Und ich stand immer nur freundlich lächelnd als kleines, blondes Mädchen, das kein Wässerchen trüben kann, daneben. Wahrscheinlich hatte ich das Ereignis an sich tatsächlich verdrängt, denn wie ich hinterher hörte, hatte es ob meiner Aussage einen Höllenkrach zwischen meinem Onkel (blutsverwandt) und meiner Tante (nicht blutsverwandt) gegeben … Und ich ertrage Krach nicht. Da gibt es nur eines: verdrängen.

Wahrscheinlich war mir gar nicht klar gewesen, was ich da heraufbeschworen hatte. Kleine Kinder sind ja meist sehr direkt und unbedingt. Denn als meine Mutter, vorsichtig von meiner Oma, die von alldem wusste, eingeweiht, davon erfuhr, stand sie kurz vor einem Zusammenbruch. Nicht wirklich, aber sie war völlig entgeistert: Jemand, der von ihr abstammte, sollte so etwas gesagt haben? So ganz unverblümt und obendrein verfälscht?

Denn meine Mutter hatte zwar in der Tat mal eine Äußerung getätigt, aber wohl nur in dem Sinne, als sie anmerkte, sie sei nicht ganz auf einer Wellenlänge mit der Mutter meiner Tante. Eigentlich hatte sie nur gesagt: „Manchmal verstehe ich sie nicht so ganz. Aber das geht ihr umgekehrt sicherlich genauso.“ Ich war damals wohl eine noch nicht ganz so gute Übersetzerin, denn ich übersetzte es mit: „Meine Mama kann deine Mama nicht leiden. Und ich deswegen auch nicht!“

Ich war bereits 10, als ich erfuhr, was ich damals unglaublicher Weise gesagt haben sollte und konnte es zunächst selber nicht glauben. Zum Glück aber habe ich mich danach sehr gut mit „Tante Elise“, der Mutter meiner Tante, verstanden. Nicht zuletzt dank Tobby. Tobby war ein netter Rauhhaardackel, der Tante Elise gehörte. Ein wenig zu rund gefüttert und wie eine Nackenrolle aussehend, aber vom Wesen her eine echte „Seele“, der eine Brücke zu schlagen imstande war, weil er trotz seines bisweilen nervenden schrillen Bellens so liebenswert war. Übrigens schlug er die Brücke auch zu meiner tierlieben Mutter, und so konnte das grauenhafte Missverständnis von damals ausgeräumt werden, denn meine Mutter sprach es direkt an, Tante Elise musste dann selber lachen, und die Sache war aus der Welt. Übrigens haben meine Eltern speziell in meiner Gegenwart als Kind danach sehr darauf geachtet, was sie so sagten. Feind hörte mit! 😉 Dabei war ich ein sehr loyaler „Feind“ und meinte es nie böse. Ich war nur oft viel zu ehrlich und tendierte als Kind zu übertriebener Interpretation. 😉

Ich gebe zu, bis heute leide ich unter dieser Schwäche. Manchmal platze ich einfach mit Dingen heraus, die andere zwar denken, aber niemals sagen würden. Eigentlich will ich sie ja auch nicht sagen, aber es passiert oft einfach. Und schon hat man etwas gesagt, das man eigentlich gar nicht in dieser Absolutheit meint.

Und ich scheine genau zu merken, wo Schwachpunkte sind. Zumindest unbewusst, denn nicht selten tappe ich exakt in das Fettnäpfchen, die Sache, die eigentlich nicht angesprochen werden darf. Niemals. Doof nur, wenn man zuvor nicht aufgeklärt wurde, wo die Schwachpunkte beim jeweiligen Gegenüber liegen. Es ist mir schon passiert, dass man mich zwar aufklären wollte, ich aber dem Aufklärungsversuch zuvorkam und – noch bevor man Vorsichtsmaßnahmen einleiten konnte – schon in medias res gegangen war. Da ich bisweilen ein sehr gründlicher Mensch bin, auch noch mit Nachdruck, schlimmstenfalls bohrenden Nachfragen. (Ich wäre geeignet für eine investigative Tätigkeit bei der Zeitung mit den riesigen vier Buchstaben. Oder als Steuerfahnder – ich sage es ungern.)

Bei alledem bin ich eigentlich alles andere als unsensibel. Ich schieße nur – wie gesagt – im Eifer des Gefechts bisweilen über das Ziel hinaus. Einen Vorteil hat das Ganze: Ich habe gelernt, mich zu entschuldigen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, muss aber gekonnt sein, wenn man so ist wie ich. Ich kann es inzwischen, ohne dass es zur halbseiden-leichtfertigen Routine geworden wäre. Beileibe nicht, denn ich leide immer sehr, wenn ich merke, dass ich jemandem, ohne es wirklich zu wollen, auf die Füße getreten bin. Sogar bei Leuten, die ich nicht so mag. Noch schlimmer aber bei Menschen, die ich wirklich sehr schätze, mag oder gar sehr mag. Es ist mir schon passiert, dass ich an einem Freitag jemandem etwas Grauenhaftes im Eifer des Gefechts um die Ohren gehauen hatte, nach Feierabend dann definitiv merkte, ich war zu weit gegangen und dann das ganze Wochenende grübelte und mich selbst verfluchte. Es gab Momente, da habe ich sogar geweint, weil ich mich selbst so furchtbar fand. Zumal mir so etwas nicht selten bei Leuten passiert, die ich sehr mag.

Ein grässliches und unvergessenes Erlebnis aus meiner Schulzeit war, als mein Französisch-LK-Lehrer beschlossen hatte, in der letzten Stunde vor den schriftlichen Abiprüfungen mit dem ganzen Kurs ein nettes Frühstück im Kursraum zu veranstalten. Ich hatte literweise Kaffee mitgebracht, der vor Ort nicht gekocht werden konnte. Ich hatte ihn extra stark gekocht, damit man daraus echt französischen Café au lait machen konnte – auch Milch hatte ich dabei, ebenfalls wohltemperiert. Andere hatten Aufschnitt mitgebracht, Käse, Wurst, „confiture“, „miel“, Baguette (nicht etwa Brötchen – wir waren schließlich der Französisch-Leistungskurs! 😉 ), und Monsieur Faubourg hatte einen „gâteau basque“ beigesteuert, den wohl seine Frau gebacken hatte, obwohl M. Faubourg aus Lille und nicht dem Baskenland stammte. Es war nett, wir haben viel gelacht.

Bis zu dem Moment, da Monsieur Faubourg einen entscheidenden Fehler machte. Den Fehler habe ich mir gemerkt und ihn sehr viel später als Dozentin an der Uni niemals gemacht. Denn Monsieur Faubourg meinte in einer kleinen Pause: „So. Nun sind wir also am Ende dieser zweieinhalb bzw. drei Jahre angekommen. Was hat Ihnen denn an dem LK gut gefallen. Und was nicht?“

Ehrlich gestanden: Da ich dies gerade schreibe, rollen sich mir noch immer die Fußnägel hoch, nach all den Jahren, in denen ich selber als Dozentin gearbeitet habe. Das ist eine Unfrage! Die stellt man nicht! Nicht zu diesem Zeitpunkt. Besser, man fragt zwischendurch immer mal wieder, ob denn alles okay sei bzw. ob und was man noch verbessern könne. Da ist der Druck nicht ganz so groß, Kritik verteilt sich besser, wenn vorhanden. Und der Mann hatte eine pädagogisch-didaktische Zusatzausbildung! Und fragt so etwas zum Ende des Kurses! Aaah!

Es kam, wie es kommen musste. Es kam wenig Lob, sehr, sehr wenig. Aber es kam – einem Tsunami nicht unähnlich – sehr viel Kritik, teils berechtigt, aber unfair vermittelt. Von Leuten, die sonst eine große Klappe hatten, aber offenbar lange mit ihrer Meinung hinterm Berg gehalten hatten. Eine Sache, mit der ich nicht gut zurechtkomme. Wenn Kritik, dann bitte zeitnah, deutlich, aber fair und freundlich, wenigstens höflich. Hier prasselten Ungeheuerlichkeiten auf M. Faubourg ein, mit dem ich mich öfter gezofft hatte, aber stets im fairen Rahmen. Und wir mochten einander.

Gegen meine sonstige Angewohnheit aber verhielt ich mich still, aber man konnte mir wohl ansehen, dass ich mit dem Gesagten nicht in jedem Falle d’accord war. Ich sagte absichtlich nichts, weil ich mich über einiges so aufregte, dass mir klar war, ich würde wahrscheinlich nickelig werden, würde ich mich direkt dazu äußern. Im Anschluss wollte ich mich bei M. Faubourg für den fachlich hervorragenden Unterricht bedanken – ich wollte nicht Bestandteil dessen sein, was man heutzutage wohl als Shitstorm bezeichnen würde. Und ich dachte, M. Faubourg hätte das verstanden.

Aber da fragte er, dessen Miene immer unsicherer geworden war, ausgerechnet mich: „Mademoiselle Ali – was sagen Sie denn dazu?“ O nein! Ich bin beileibe keine Opportunistin, aber in der Position zwischen den Stühlen kann es verdammt unbequem sein, und so gab ich erst eine vage Auskunft, ich hätte den Kurs nicht zuletzt fachlich sehr schön und fundiert gefunden und sehr viel gelernt. Und ich warf M. Faubourg einen deutlichen Blick zu, der besagte: „Das muss reichen! Nicht weiter fragen!“ Aber mein Signal kam beim sonst so sensiblen Lehrer nicht an. Er bohrte weiter: „Was sagen Sie denn zu dem und dem Vorwurf?“ Ich beschwichtigte, redete wie ein Moderator (jeder, der mich kennt, weiß, dass mir das gar nicht so leichtfällt), aber dann passierte etwas, und ich spürte es kommen. Da war doch etwas, was mich selber immer gestört hatte! Massiv gestört. Es kam wie eine Welle, und ich versuchte, mich darauf zu konzentrieren, das Ganze bloß nicht auszusprechen. Das fällt mir schwer. Und hier gelang es nicht, denn auf einmal platzte ich heraus: „Was mich allerdings sehr gestört hat, und das wirklich nachhaltig, ist, dass Sie bei der Rückgabe von Klausuren immer geguckt haben, wer besonders nervös war. Und dann sind Sie mit dem Klausurenstapel in der Hand immer durch die Klasse gegangen, und wenn Sie sahen, dass der, dessen Klausur ganz oben lag, besonders aufgeregt und nervös war, haben Sie dessen Klausur wieder ganz nach unten getan, um noch mehr Anspannung zu erzeugen. Das ist Psychoterror!“

Kaum ausgesprochen, herrschte Schweigen in der Klasse, und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Psychoterror! Das Wort hing im Raum, als hätte ich M. Faubourg des Mordes bezichtigt! Es hing nicht nur – es schien von den Wänden widerzuhallen: „Psychoterror!“ – „Psychoterror!“ – „Psychoterror!“ O Gott! Das war viel schlimmer als alles, was zuvor gesagt worden war!

Immerhin bewahrte ich Haltung, da ich dachte: „Schlimmer kann es nicht kommen – jetzt steh auch gefälligst dazu und sitz gerade. Schultern zurück, Kopp hoch!“ M. Faubourg sagte kein Wort. Zunächst. Aber sein Gesicht sah aus, als wäre gerade ein Falltor hinuntergerauscht. Mindestens eine Jalousie. Dann meinte er: „Ah, ja. Nun, dann würde ich sagen, dass wir das Ganze hier beenden. Vielen Dank!“ Scheiße! Ali, der Stimmungs- und Frühstückskiller … Mitten hineingelatscht, besser,  -geflankt in ein Fettnäpfchen, das so groß war, dass eine ganze Rotte adulter Wildschweine es als Suhle hätte nutzen können … Und ich – obendrein noch sehenden Auges – mitten hinein!

Ich versuchte, mit M. Faubourg zu sprechen, aber er meinte nur knapp: „Excusez-moi, Mademoiselle Ali, aber ich muss leider weg. Ein Termin.“ O nein! Zwar hatte ich mich öfter mit ihm „anne Köppe“ gehabt, aber da hatte er hinterher gegrinst und war gesprächs- und diskussionsbereit gewesen. Hier nicht. Und wortlos und abrupt verließ er den Raum. Kurz darauf gratulierten mir Leute, die mir sonst eher fremd waren, bedankten sich für den, wie sie meinten, „genialen Ausspruch“, während ich wie betäubt dastand und das Wort „Psychoterror“ in meinem Kopf dräuend nachhallte. Mir tat das wirklich sehr leid, denn mal abgesehen von dieser Schwäche, die tatsächlich etwas leise Sadistisches an sich hatte, war M. Faubourg ein sehr guter Lehrer gewesen. Es gab Lehrer in meiner Schulzeit, da der Vorwurf eher gepasst hätte.

Mit ganz schlechtem Gewissen ging ich nach Hause. Meine Mutter lachte sich halbtot, als ich ihr erzählte, was passiert sei. Sie kannte den Lehrer und meinte: „Schadet dem gar nicht!“ Mein Vater hingegen meinte: „Ali! Ich schätze zwar deine deutlichen Ansprachen, wenngleich nicht immer, aber so etwas vor den Abiklausuren zu machen, ist vielleicht nicht ganz so günstig.“ Ach, du Schreck! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Ich war doch generell entsetzt über meinen Ausspruch.

Mein Vater riet mir, M. Faubourg anzurufen und – wenn auch möglicherweise gegen meine Überzeugung – mich zu entschuldigen. Aber wie peinlich war das denn? Mir ging es doch wirklich in erster Linie darum, dass ich überreagiert hatte, nicht um die Abiklausur! Und so diskutierte ich mit meinem Vater, das sei doch großer Mist, da ich so wie eine Opportunistin aussähe, die ich nicht sei. Mein Vater rang die Hände und verdrehte die Augen. Er meinte: „In der Hinsicht musst du noch viel lernen! Ruf da jetzt an!“

Zum Glück wurde mir die Entscheidung abgenommen, da das Telefon klingelte. Meine Mutter ging dran, meldete sich, und ich hörte, wie sie sprach. Dann kam sie zu meinem Vater und mir und meinte: „Ali? Monsieur Faubourg möchte dich gern sprechen.“ O Gott! Ich machte mich auf alles Mögliche gefasst, Vorwürfe in erster Linie.

Aber wie erstaunt war ich, als mein Französischlehrer total zerknirscht klang, sich seinerseits bei mir entschuldigte und total verunsichert war! „Bin ich wirklich so ein ‚monstre‘?“ fragte er. „Ich habe wohl die Situation falsch eingeschätzt – ich meinte es nicht böse, wenn ich die Klausuren zurückgab.“ – „Wären Sie mir nicht zuvorgekommen, hätte ich Sie wohl angerufen. Ich möchte mich entschuldigen. Mein Ausspruch war zu hart. Zwar habe ich mich wirklich mehrfach geärgert, aber mein Ausspruch war überzogen, und das tut mir sehr leid, denn alles in allem hat mir der Kurs durchaus gefallen. Sie hätten mich aber auch besser nicht angesprochen! Sie wissen doch, dass ich meinen Mund nicht halten kann, wenn mich etwas stört. Aber hier habe ich den Mund gehalten, weil so viel schon gesagt worden war, was mir leidtat, denn wenn es so störend gewesen wäre, hätte man Sie auch eher darauf ansprechen können! Das wäre nur fair gewesen. Ich fand das unangenehm und peinlich, und da wollte ich lieber gar nichts sagen.“ – „Und dann habe ich Sie gedrängt …“ – „Ja. Und dabei kommt bei mir meist nichts Gutes heraus.“ – „Da bin ich wohl selber schuld – ich kenne Sie jetzt immerhin schon seit drei Jahren und weiß es eigentlich besser.“ – „Ja, das hat mich auch gewundert. Ich habe doch deutliche Signale gegeben.“ – „Ja. Aber ganz ehrlich, Ali, Sie müssen sich nicht entschuldigen – ich fand Ihren Ausspruch eigentlich eher erhellend. Die anderen Sachen haben mich viel mehr getroffen – Sie waren nur eben der Höhepunkt.“ – „Den Sie selber heraufbeschworen haben – ich hätte von mir aus nichts gesagt, da mich dieser Sturm der Empörung am Ende des Kurses selber nervte.“ – „Ich weiß. Ich habe gerade lange mit meiner Frau darüber gesprochen, die ja auch Lehrerin ist, und die riet mir dann, Sie anzurufen, als ich ihr sagte, Sie wären die Einzige gewesen, die nach dem Kurs noch mit mir hätte sprechen wollen. Ich fand die anderen Sachen so enttäuschend, die mir da gesagt wurden. Keiner von denen, die da sprachen, ist je zu mir gekommen und hat Kritik geübt. Sie immer, und das sehr deutlich. Daher: Ihren Ausspruch habe ich deutlich gehört, werde Konsequenzen daraus ziehen und nie wieder Schüler quälen, wenn es auch nie so gemeint war.“ – „Vielen Dank – dann ist ja alles in Ordnung.“ – „Denken Sie denn auch so wie die anderen, teilen Sie deren Ansicht?“ – „Nein. Nur bedingt, eher nicht. Ich hatte den Eindruck, einige hätten sich gefreut, endlich mal vom Leder ziehen zu können, nachdem sie das vorher nicht getan haben – aus welchem Grund auch immer. Und die, die sonst sehr direkt sind, haben alle den Mund gehalten und waren zum Teil auch peinlich berührt von dem, was da gesagt wurde. Sie hätten nur diese Frage, ob uns der Kurs gefallen habe, nie stellen dürfen!“ – „Das mache ich auch nie wieder. Lieber frage ich zwischendurch mal nach. Aber ich bedanke mich für das Gespräch – das hat mir sehr geholfen. Sie sind zwar eine manchmal etwas unbequeme Schülerin, aber geradeheraus und fair. Wenn auch manchmal krass. Aber das finde ich absolut okay, weil ich zu wissen glaube, wie Sie das meinen, denn Sie sind zwar manchmal sehr unverblümt, aber niemals hinterhältig.“ Mal ehrlich: Wie sollte das auch gehen, wenn man kein Blatt vor den Mund  nimmt und das Herz auf der Zunge trägt? Da gibt es gar keine Gelegenheit, hinterhältig zu sein. 😉

Puh – ich war erleichtert. Doch mit einigem Anstand aus der Schweinesuhle entkommen, in die ich gar nicht gewollt hatte.

Auch sonst bin ich manchmal sehr spontan in meinen Äußerungen. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich laut rief: „Ach, du Scheiße! Sieh doch nur diese Lampe/Couch/Farbe! Wer kauft denn so etwas? Ich würde das nie tun – erzeugt bei mir Brechreiz. Total geschmacklos!“ Und dann gab es da irgendwie immer jemanden, der meinte: „Ääh, ich habe diese Lampe/Couch zu Hause.“ Oder: „Das ist meine Lieblingsfarbe!“ Wurgs!

Es gibt in meinem Leben immer wieder unschöne Momente, da ich mir die Zunge entweder abschneiden oder abbeißen möchte. Kennt Ihr das vielleicht auch? Bitte sagt ja! 😉

Kleines Anhängsel, große Unterschiede – und doch soviel gemeinsam! :-)

Man behauptete einst, sofort hören zu können, aus welcher Region Deutschlands ich stamme, wenn man mich sprechen höre. Ich war erstaunt, denn nicht wenige Menschen haben mir schon gesagt, dass man dies bei mir eben nicht höre, da ich – zumindest offiziell – hochdeutsch spreche. Und auch sonst maximal mehr oder minder „gefärbt“, je nachdem, wo in meinen drei „Heimaten“ ich mich gerade befinde. Bin ich in Franken, klingt’s bei mir durchaus fränkisch, und einst habe ich meinen Ex Dirk verblüfft, als wir anno 2006 für eine Woche in Bamberg weilten. Normalerweise geht das mit der fränkischen Einfärbung – mal stärker, mal schwächer – erst ab dem zweiten Tag bei mir los, doch damals kamen wir im Brauereigasthof „Fässla“ (hochdeutsch: „Fässchen“) an, wo wir ein Zimmer reserviert hatten, und die Dame an der Rezeption war mir so sympathisch, dass ich – ich war selber überrascht – ihre Frage, ob wir den Schlüssel für den hauseigenen abgeschlossenen Parkplatz benötigten, wie folgt beantwortete: „Naa, dangge, dees brraung mer fei ned. Mer ham fei goa ka Audo ned.“ (Man beachte die doppelte Verneinung. 😉 ) Die Dame freute sich, während Dirk mich anstarrte, als wäre ich soeben vom Mars eingeflogen und gelandet. Und als wir in unser Zimmer gingen, fragte er verunsichert: „Sprichst du jetzt immer so?“ – „Nur mit Leuten, die mir sympathisch sind.“ – „Wieso sprichst du dann mit mir hochdeutsch?“ Ich lachte und meinte: „Weil du mich sonst gegebenenfalls nicht verstehst.“

Hier im Ruhrgebiet spreche ich bisweilen etwas ruhrdeutsch gefärbt. Aber nicht stark und auch nur, wenn ich mich auf Augenhöhe mit jemandem befinde und privat zum Spaß. Ex-Kollege Birger sprach ein relativ starkes Ruhrdeutsch, und wenn er seinen Namen nannte, klang das immer wie: „Biiiaageeaa“. Nix gegen Bier, aber in dem Zusammenhang ging es mir – ich muss es leider gestehen – immer auf die Nerven: „Hiiiaaa iiiss deaa Biiiaageeaa!“ Ich glaube, es lag daran, dass Birger und ich einfach völlig inkompatibel waren, und da er auch noch den Chef mimen wollte, ging mir auch das mir ansonsten sehr sympathische Ruhrdeutsch auf den Senkel. Es kommt immer darauf an, wer einen Dia- oder Regiolekt spricht. So meine Erkenntnis.

In Aachen habe ich mir viele Dinge nicht angewöhnt, da Öcher Platt für meine – und auch andere – Ohren vergleichsweise furchtbar klingt. Einzig die Tatsache, dass ich das R nach einiger Zeit stark guttural aussprach, so dass es wie ein CH wie in „lachen“ klang, das aber sogar nach hellen Vokalen, ist zu verbuchen. So schickte ich aus dem Urlaub „Kachten“ und gratulierte zum „vichchten“ Jahrestag. Das tue ich noch heute, so dass ich mitten im Ruhrgebiet schon von einem Rheinländer als „typische“ Rheinländerin identifiziert wurde. (Streng geographisch gesehen bin ich das sogar, zumindest im Hinblick auf meinen „Gebuchtsocht“. 😉 )

Doch zurück. Bei alldem erstaunte mich etwas, dass man mir anhöre, woher ich komme, wie mir einst jemand mitteilte. Ich fragte erstaunt nach, und er meinte: „Du sprichst hochdeutsch, und es ist auch nur ein ganz kleiner Aspekt, an dem man deine Herkunft erkennt. Ein total kleiner Aspekt.“ Und er fügte grinsend hinzu: „Ne?“

Jetzt war alles klar, und ich lachte. In der Tat – den Ruhri erkennt man am „Ne?“, was als Refrainfrage oder Frageanhängsel, im Englischen „question tag“, bekannt ist. Eine dem hochdeutschen „Nicht wahr?“ entsprechende nachgestellte Bestätigungs- oder Rückversicherungsfrage.

Aber ein wenig differenzieren muss man das: Man erkennt den Ruhri aus dem westlichen Teil des Ruhrgebiets an der – häufigen – Verwendung von „ne?“. Denn der „östliche Ruhri“ sagt das nicht. In und um Dortmund und anderen östlich gelegenen Ruhrgebietsorten sagt man gefälligst „woll?“.

Wenn ihr mich fragt: „Woll“ geht gar nicht! Da sind sich die westlichen Ruhris auch einig. „Woll“! Klingt für westliche Ruhri-Ohren gruselig und gibt Anlass zu Lästereien. „Ach, die mit ihrem Woll!“ heißt es dann spöttisch. Separatismus! Linguistisch begründeter Separatismus, und das mitten im Pott! Wer hätte das gedacht? 😉 Glaubt ihr nicht? Issabbaso. Kann man doch auch nachvollziehen, ne?

(Da ich seltener mit östlichen Ruhris zu tun habe, ist mir leider nicht bekannt, ob die Woll-Fraktion sich ebenso despektierlich über das schwungvolle „Ne?“ äußere. Wäre aber ganz schön unverschämt, ne? 😉 )

Dieses Phänomen gibt es selbstverständlich auch in anderen Teilen Deutschlands. So bin ich aus Süddeutschland auch mit dem Frageanhängsel „gell“ vertraut. Sofern nicht im Übermaß verwendet, klingt es für meine Ohren eher sympathisch. Aber man ist da natürlich auch immer subjektiv. 😉

Gruseliges auch wieder aus Aachen. Was dem östlichen Ruhri sein „Woll“, ist dem Öcher sein „Wa“! „Klasse Wetter, wa?“ angesichts strahlenden Sonnenscheins klingt irgendwie … naja. Aber wie gesagt: rein subjektiv. Allerdings spötteln auch hier wieder einige, netterweise aber sogar Öcher selbst. So heißt es, man merke, dass man sich im Aachener und nicht etwa in einem anderen Spielcasino befinde, daran, dass es dort nicht „Rien ne va plus“ heiße, sondern: „Rien ne plus, wa!“

(Ja, auch die Öcher können über sich selber lachen – manchmal. Das spiegelt sich auch in der altbekannten Frage wider, die da lautet: „Woran merkt der Aachener, dass es Sommer wird?“ Antwort: „Der Regen wird wärmer.“ 😉 Wer je etwas länger in Aachen war, weiß um die Berechtigung dieses Spruchs.)

„Wa“ habe ich mir nie angewöhnt. Klingt nicht schön, ne?

Unschön klang für meine Ohren auch das „Göi“, das ich im Heimatort meines Ex-Freundes Freddy am Mittelrhein so oft hörte. „Göi“ hat einfach keinen schönen Klang, und wenn es einem einmal aufgefallen ist, vor allem als unangenehme Lautabfolge, hat man keine Chance mehr, es zu überhören. Das ist so ähnlich, wie wenn man das Geräusch nicht ausstehen kann, das beim Fingerknacken entsteht. Macht jemand das dauernd und es ist einem einmal zu Bewusstsein gedrungen, kann es ziemlich an den Nerven reißen. Oder Nasehochziehen. Oder ständiges Räuspern. Oder unproduktives Hüsteln. (Ich könnte hier noch stundenlang weitermachen … Nein, ich bin gar nicht so intolerant, wie es scheinen mag – ich bin nur leider etwas geräuschempfindlich, quasi ein „Geräusch-Sensibelchen“ … Und mir ist auch klar, dass ich selber ebenfalls für andere unangenehme Angewohnheiten habe – ganz sicher. 😉 ) Waren Freddy und ich in seinem Heimatort, versuchte ich, so zu kommunizieren, dass es nach Möglichkeit vermeidbar war, dass das Gegenüber „göi“ sagte. Was natürlich kompletter Schwachsinn ist, denn diese Frageanhängsel sind ja ein gewisser Automatismus. 😉

Neulich regte sich ein nicht aus dem Ruhrgebiet stammender Vorgesetzter auf: „Wenn ich schon dieses dauernde ‚Ne?‘ höre!“ Er schien es ernst zu meinen, und Janine und ich, die wir ganz automatisch oft diese Refrainfrage stellen, weil uns das eben in Fleisch und Blut übergegangen ist, sahen einander erschrocken an. Dann ärgerten wir uns – kommt hierher und moniert die hier üblichen Angewohnheiten. Kann ja wieder gehen, wenn es ihm nicht passt, so wie ich auch leichten Herzens dem Mittelrhein, so schön es dort ist, den Rücken wieder kehrte. Und so sagten Janine und ich bestimmt eine Woche lang sehr geziert und provokant: „Nicht wahr?“ Das fiel dann wohl auch dem Vorgesetzten auf. Seitdem hat er sich nie wieder über „ne?“ beschwert.  Na also – geht doch! 😉

Als ich noch ein Kind war, sah ich mal zusammen mit meiner Mutter einen kitschigen 50er-Jahre-Film, genauer: eine ganze Trilogie. Superkitschig, und ich sah ihn hauptsächlich wegen eines Teils der Hauptdarsteller: Ponys. Es handelte sich um die „Immenhof“-Filme. Kitschige, (zum Schluss jedes Films zum Glück wieder) heile Postkartenwelt, und ganz grausam war es, wenn gesungen wurde. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass diese Filme auch etwas Liebenswertes haben. 😉

Wir saßen da Weihnachten vor dem Fernseher, und irgendwann rief meine Mutter leicht genervt: „Wenn die eine noch einmal ‚nöch?‘ sagt, schreie ich. Die sagt das dauernd – das ist ja nicht zum Aushalten!“ Es handelte sich um die Filmfigur Dick, die eigentlich Barbara hieß, und tatsächlich! Kaum hatte meine Mutter es ausgesprochen, kam direkt im Anschluss erneut dreimal „nöch?“. (Meine Mutter hat allerdings nicht, wie versprochen, geschrien, sondern nur genervt die Augen verdreht. 😉 ) Ich war ein wenig ärgerlich, denn nun hatte Muttern mich angefixt, und immer, wenn „Dick“ den Mund öffnete, wappnete ich mich für das nächste „Nöch?“ – das dann auch immer prompt kam. Es fällt schwer, sich dabei noch auf die Handlung zu konzentrieren. Andererseits ist diese in den drei Filmen auch nicht ganz so schwierig nachzuvollziehen – stets ist das Ponygestüt vom Bankrott bedroht und wird, quasi im letzten Moment, wundersamer Weise gerettet – , so dass Mutterns Aktion nicht so schlimm war. 😉

Auch in anderen Ländern gibt es diese Frageanhängsel – warum sollte es sie auch nicht geben? „N’est-ce pas?“, „non è vero?“, „isn’t it?“ bzw. „is it?“, “don’t you?”, “do you?” oder Vergleichbares und – man höre und staune – im Japanischen “ne?”. (Schon immer war mir klar, dass Ruhris ein weltoffenes Völkchen seien … 😉  Naja, zumindest die „Ne?“-Fraktion, wie es scheint. 😉 )

Und so verbrachte ich vor Jahren einmal einen amüsanten Abend in Köln, wo ich mich mit einem Bekannten getroffen hatte, der aus der Schweiz stammte. Eigentlich mit zwei Bekannten – der andere kam aus Bonn -, aber der Bonner hatte sich irgendwann verabschiedet, weil er wohl mit dem Schweizer nicht so recht harmonierte. Wir saßen dann im „Früh“ und unterhielten uns angeregt. Und da lernte ich ausgiebig ein typisches Schweizer Frageanhängsel kennen, denn Patrick beendete fast jeden Satz mit: „Oddrr?“ Ich gestehe, das ist gewöhnungsbedürftig, aber ich fand es witzig, und auch die Leute am Nachbartisch amüsierten sich. Allerdings nicht nur über „oddrr?“, denn ich hörte, wie einer meinte: „Zum Brüllen! Der eine schließt fast jeden Satz mit ‚oddrr?‘ ab, die andere mit ‚ne?‘. Da weiß man doch sofort, woher die Leute stammen.“ Na, wunderbar, da hatten wir, ohne es zu merken, einander dauernd „oddrr?“ und „ne?“ um die Ohren gehauen – schon enttarnt. 😉 Oddrr? (Ich hörte hinterher von meinem Bonner Bekannten, er habe „dieses ewige ‚Oddrr?‘“ nicht ertragen und sei daher gegangen … 😉 Kenne ich. Göi? 😉 )

Mein Fazit: Manche regionalen Sprachphänomene können einem bisweilen auf die Nerven gehen. Und das gilt natürlich für alle Seiten. Aber sie haben auch etwas Liebenswertes. Sogar „göi?“. Irgendwie. 😉 Und solange die „Ne?“- und die „Woll?“-Fraktion keinen Sezessionskrieg vom Zaun brechen, ist doch alles gut. Es reicht doch schon die ewige Rivalität zwischen Schalke und dem BVB. Ne? 😉

Und falls ihr beim Lesen des Titels geglaubt haben solltet, ich würde über die Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein schreiben: Also wirklich! Da hätte ich doch nicht von einem kleinen Anhängsel geschrieben! Ich weiß doch, was sich gehört … 😉

Hurra! Endlich mal Referrer-Spam!

Nein, ich bin nicht verrückt geworden – jedenfalls nicht verrückter als zuvor -, und ich freue mich auch nicht über Referrer-Spam. Ich drücke mangelnde Begeisterung nur manchmal durch Ironie aus. Das gehört zu mir wie das Amen in die Kirche.

Gestern hatte ich gerade einen Eintrag gepostet, und es stellten sich auch gleich ein paar Leser ein, über die ich mich, wie üblich, sehr freute. Dann verließ ich meinen PC für eine Weile.

Als ich zurückkehrte und die Seite aktualisierte, gab es ein paar Seitenaufrufe mehr. Mehr, als ich an einem Feiertag erwartet hatte. Merkwürdigerweise aus Slowenien und den Vereinigten Staaten. Nun ja, das passiert schon einmal, dass ich in meiner Statistik Aufrufe aus Ländern entdecke, bei denen mir eher merkwürdig erscheint, dass da jemand bewusst meine Seite anklickt, um sich diese wirklich anzusehen. Länder, in denen Deutsch nicht unbedingt zu den gängigen Verkehrssprachen zählt. (Gut, manche Menschen verschleiern ihre Identität auch auf diese Weise, das ist mir bewusst.) Ich hatte sogar schon die Europäische Union in meiner Liste – ziemlich schräg. Da es aber nur zwei, drei Klicks waren, fand ich das Ganze noch durchaus akzeptabel. 😉

Doch dann explodierte mein Blog! Ratz-fatz hatte ich zehn Aufrufe aus Slowenien, acht aus den USA. Und dann 20 bzw. 15. Und dann ging es so weiter …

„Ach, du Scheiße! Referrer-Spam!“ dachte ich. Ich hatte schon öfter davon gehört, war bis dato aber selber nicht befallen gewesen – zumindest nicht in diesem Maße. Lästig sei dies, hatte es geheißen. O ja, das kann ich bestätigen. Es erfreut einen keineswegs, auf diese Weise die Aufrufzahlen in die Höhe schnellen zu sehen. Und die Zahl der – vermeintlichen – Besucher.

Genervt konnte ich zusehen, wie in der Statistik der Balken für den gestrigen Tag sprungartig wuchs. Bei 96 – vermeintlichen – Besuchern hörte der Spuk schließlich auf. Ich atmete auf. Zwischenzeitlich hatte ich das Netz durchforstet, wie man sich davor schützen könne, denn ich hätte schon gern eine zumindest in Ansätzen realistische Statistik. Ich hoffe, so etwas wie gestern kommt jetzt nicht mehr in dem Maße vor … 😉 Denn auf diese Weise macht das Bloggen nicht ganz so viel Spaß.

Ali mag’s sauer

In meiner Familie ist es legendär, dass ich seit jeher ein Faible für alles habe, was sauer ist. Abgesehen von Menschen, die dies sind, es sei denn, zu Recht.

Das zeigte sich schon im frühen Kleinkindstadium. Standen Gewürz- oder Senfgurken oder – noch besser – eingelegte Silberzwiebeln auf dem Tisch, gab es für mich kein Halten mehr, und jegliches andere Essen trat in den Hintergrund und wurde schmählich von mir missachtet (es sei denn, es gab Roastbeef, das noch heute zu meinen Lieblings-Aufschnittsorten gehört – da machte ich dann eine Ausnahme; und bei Rollmöpsen …). Ich war nahezu süchtig nach eingelegten, sauren Gemüsen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 😉 Allerdings muss dabei eine gewisse Konsistenz gegeben sein: Gurken müssen gefälligst knackig sein – daher kaufe ich meist auch Cornichons. Es muss – sofern je nach Gemüsesorte möglich – ein gewisser Biss dabei sein. Eine zu weich gekochte Gewürzgurke ist einfach nur eins: bah! Ähnlich enttäuschend wie ein Pfirsich, der von außen wunderschön saftig aussieht, sich dann aber als Rohrkrepierer erweist, wenn man hineinbeißt, und er ist pelzig. Igitt! Esse ich zwar auch, weil alles andere Verschwendung von Lebensmitteln wäre, aber das Vergnügen ist erheblich geringer.

Jedenfalls fiel ich bereits als Kleinkind stets über derartige Konserven her.

Diese Vorliebe konnte bisweilen zu Problemen führen, zu wahren Horrorszenarien. Meine arme Schwester Stephanie hat aufgrund eines solchen Szenarios quasi ein Kindheitstrauma erlitten. Ich allerdings auch. Und das zu Weihnachten!

Es war Heiligabend in meinem vermutlich zweiten Lebensjahr. Wie wir alle wissen, war früher ja alles besser, und so gab es damals auch viel schönere Weihnachtssüßigkeiten als heute. Vor allem gab es ganz tolle Sachen aus Marzipan! Nicht nur die paar Standardfiguren, die ich heute so vorfinde, Schweine, Bananen, Kartoffeln, Möhren und Äpfel, sondern eine Vielzahl an Obst- und Gemüsesorten aus Marzipan, Rollmöpse aus Marzipan, ja, sogar belegte Brötchen aus Marzipan gab es! Die hatten es meiner Schwester, die Marzipan liebt, besonders angetan. Und so wünschte sie sich zu Weihnachten für ihren Kaufladen ein ganzes Sortiment an Marzipanfiguren.

Als endlich Bescherung war, prangten viele Geschenke auf dem großen Wohnzimmertisch. Doch Stephanie hatte nur Augen für die Marzipanfrüchte und -gemüse. Die hatte sie sich so sehr gewünscht! Leider jedoch sah auch ich als erstes das große Marzipansortiment, das ja gar nicht für mich bestimmt war, und darin ganz besonders ein Teil: eine Gurke!

Sicherlich hat meine Mutter im nächsten Moment bereut, auch eine Marzipangurke in das Konvolut aufzunehmen, denn schneller, als man von mir erwartet hatte, schoss ich auf den Tisch zu, dabei laut und begeistert: „Gocken!“ rufend. „Gurken“ konnte ich noch nicht richtig artikulieren, aber jeder wusste, was ich meinte. Und ehe irgendjemand eingreifen konnte, so überraschend war der Sturm auf die Marzipangurke gekommen, packte ich sie kindlich-grobmotorisch und biss hinein. Aber welche Ernüchterung! Statt knackiger Säure bestand dieser Gurken-Fake aus einer pappigen Masse, einer süßen, pappigen Masse obendrein!

Es geht die Sage, dass sich interessante Entwicklungsstufen in meinem Gesicht abzeichneten: Das Spektrum reichte von strahlender Begeisterung am einen bis zu heftiger Skepsis und größtmöglicher Irritation am anderen Ende. „Nee Gocken?“ fragte ich wohl mit maximaler Erschütterung in der Stimme, dabei zunächst ratlos die Marzipangurke und dann hilfesuchend meine Mutter anstarrend, während meine Schwester in großem Entsetzen und protestierend daneben stand. „Nee Gocken?“ wiederholte ich, was mit: „Was ist das denn für eine Scheiße – ist das etwa gar keine Gurke?“ oder:  „Wollt ihr mich verarschen?“ zu übersetzen ist.

Meine Mutter konnte leider ihren erzieherischen Pflichten in dem Moment nur unzureichend gerecht werden, da sie lachen musste und sich kaum noch halten konnte. Leider das völlig falsche Signal, wenn auch verständlich (ich hätte an ihrer Stelle leider auch garantiert lachen müssen). Denn nun stürzte ich mich blitzschnell – ich vermute, zu Testzwecken – auch noch auf die anderen Marzipanfiguren, einen kleinen Blumenkohl, eine Banane und so fort, die ich jeweils anbiss und dann empört und frustriert fallenließ. Zum Glück griff meine Mutter dann sehr energisch ein, und zumindest zwei oder drei Figuren blieben intakt. Dafür aber heulten zwei Kinder, und das am Heiligen Abend. 😉 Stephanie, weil ihr schönes Geschenk zerstört war, ich, weil nichts so schmeckte, wie es aussah. Fröhliche Weihnachten! Zwar hat meine Schwester dann Ersatz bekommen, aber die eigentliche Freude war zerstört, und das durch mich. Zur Strafe hat sie mir diese Geschichte auch noch Jahre, Jahrzehnte später immer wieder aufs Butterbrot geschmiert, so dass ich vor einigen Jahren dazu übergegangen bin, ihr zu jedem Geburtstag im Oktober und zu Weihnachten neben dem Hauptgeschenk diverse Marzipanfiguren zu schenken, stets von einem ironischen Augenzwinkern begleitet. Versteht ihr, warum meine Schwester darauf bisweilen etwas grummelig reagiert? Es sind doch gewissermaßen Reparationsleistungen, und ich möchte mir nicht nachsagen lassen, ich zahlte nicht für durch mich entstandenen Schaden … 😉 (Wenn mir auch klar ist, dass der damalige Schaden kaum wiedergutzumachen ist. Eigentlich gar nicht.)

Meine Vorliebe für Saures hat allerdings auch meinem Ex Richie direkt zu Beginn unserer Beziehung einmal den Angstschweiß auf die Stirn getrieben und unheilvolle Minuten beschert. Wir waren übers Wochenende in seinem Elternhaus in Neuss, weil dort am Samstag eine Party stattfand. Richies Mutter weilte in Bayern, wo ihr Lebensgefährte lebte, weswegen sie viel Zeit dort verbrachte, und wir hatten das große Haus für uns allein. Am Freitagabend wollten wir uns etwas zu essen machen, und so gingen wir in den Vorratskeller, da der Kühlschrank ja so gut wie leer war. In einem der Regale entdeckte ich ein Glas „Tomatenpaprika“, eingelegte Paprika. Genial! Und so fragte ich Richie, ob wir das Glas öffnen könnten. „Ja, klar, nimm dir, was du gern essen möchtest,“, antwortete er. Und mit diversen Dingen und zwei Flaschen Bier saßen wir dann vor dem Fernseher, weil wir uns eine Serie ansehen wollten. Ich öffnete das Paprikaglas, fragte Richie, ob er auch etwas von dessen Inhalt wolle, aber er verneinte, das sei nicht so sein Ding. Ich konnte also das ganze Glas leermachen – sehr schön. Aber da meinte Richie: „Du kannst doch nicht immer wieder mit der Gabel da hineingehen – das wird doch schlecht, wenn wir es wieder zumachen und in den Kühlschrank stellen!“ – „Wie: das wird schlecht? Wieso sollte das schlecht werden?“ fragte ich. Der Ahnungslose! Als würde ich auch nur ein Fitzelchen übrig lassen! 😉 Das sagte ich ihm dann auch, und da meinte er noch: „Dann ist es ja gut.“

Einige Minuten vergingen, in denen ich es bereits hinter Richies Stirn arbeiten sah, zumal er mehrfach irritiert zu mir herüberblickte, als ich gerade den Rest Paprika aus dem großen Glas verspeiste und mein Bedauern kundtat, dass es nun schon leer sei. Aber zunächst sagte er nichts.

Bis ich fragte, ob vielleicht auch noch saure Gurken im Vorratskeller wären. Da sah er mich maximal aufgescheucht an und meinte: „Ääh, wieso jetzt auch noch saure Gurken? Das ist doch nicht normal. Du bist doch wohl nicht etwa schwanger?“ Seine Stimme zitterte, und ich habe nie wieder einen derart panischen Gesichtsausdruck bei ihm gesehen. 😉

Ich zögerte etwas mit der Antwort, zog meine Augenbrauen hoch, seufzte und gab mir Mühe, selber etwas ratlos auszusehen. Ich gebe zu, ich bin manchmal etwas gemein. 😉 Richie rief panisch: „Aber wir sind doch erst seit einem Monat zusammen!“ – „Ja, und? Meinst du nicht, dass vier Wochen dazu völlig ausreichen?“ – „Was meinst du damit? Du willst doch jetzt wohl nicht wirklich sagen …“ Seine Stimme brach, und da platzte ich dann heraus, weil ich nicht mehr an mich halten konnte, und ich lachte laut und beruhigte ihn: „Nein, keine Sorge. Das ist bei mir normal, und ich möchte wetten, sollte ich mal schwanger sein, esse ich sicher dauernd Pudding oder so einen süßen Mist, was sonst nicht zu meinen Vorlieben zählt. Keine Angst!“

Das hat ihn dann beruhigt, und er meinte, er habe noch nie einen Menschen kennengelernt, der ein großes Glas eingelegten Paprikas mal eben leeren und dann noch nach sauren Gurken verlangen würde. Dennoch hat er mich im Wiederholungsfall doch immer ein bisschen verunsichert von der Seite angesehen – so ganz schien er dem Braten nicht zu trauen.

In jedem Falle verhält es sich bei mir so: Wenn ihr mir eine Freude machen wollt, schenkt mir keine Pralinen oder sonstige Süßigkeiten. Eine echte Freude macht ihr mir eher mit einem Glas eingelegten Herings oder sauer eingelegten Gemüsen. Und mein bester Freund Fridolin und seine Frau haben mir mal eine riesige Freude gemacht, indem sie mir ein Päckchen schickten, in dem neben anderen Sachen auch ein Glas selbstgemachten Ketchups enthalten war. Kein normaler Ketchup nur aus Tomaten, sondern Ananas-Ketchup. Der war absolut klasse, und ich habe mich riesig gefreut. Ebenso über die Chili-Gurken. Fridolin kennt mich halt schon seit vielen Jahren. 😉

Meine Weihnachts-Marzipanfiguren-Testserie hatte übrigens zur Folge, dass ich lange Zeit Marzipan verabscheute. Erst langsam hat sich diese Abneigung gelegt, und heute bin ich ein erklärter Marzipan-Fan. Nur nicht so oft, weil ich lieber Herzhaftes esse. Ihr seht: Auch Kindheitstraumata kann man überwinden. 😉

Und über meine Senfsucht schreibe ich ein anderes Mal. 😉

An alle Arbeitgeber: „Achtung! Die Fußball-EM naht!“

Ich habe einen noch relativ neuen Chef. Ich mag meinen Chef, aber manchmal kommt er mir vor, als käme er von einem anderen Stern. Mag sein, dass es daran liegt, dass er nicht aus dem Ruhrgebiet kommt. Ich versuche schon dauernd, ihm beizubringen, wie die Seele des Gemeinen Pottmenschen so ticke. Bis dato erfolglos. Ich habe es bisher nicht einmal geschafft, ihm ein: „Muss …“ zu entlocken, in leicht melancholisch-resigniertem Tonfall, wie es hier so üblich ist, wenn’s gerade nicht so toll ist, wenn ich nach seinem Befinden frage, das – zumindest sieht es bisweilen so aus – gegebenenfalls nicht so wohlgeleitet ist. Da sagt er immer: „Ach, Frau B.!“ Oder: „Naja …“ Zum markigen „Muss!“ hat er sich noch nicht durchringen können. Wie soll er hierzulande nur bestehen? Bis dato wirkt er wie ein Fremdkörper. Dabei lasse ich kaum etwas unversucht, ihn zu integrieren. 😉

Als ich es mit Fußball versuchte, stellte sich Furchtbares heraus: Mein Chef bevorzugt den 1. FC Köln! Ihr wisst schon: den Verein mit „Hennes“, dem Geißbock. 😉 Ich bin in keiner Weise Köln-Fan, weder fußballtechnisch, noch sonstwie. Das durfte ich bisher immer laut sagen, seit meinem neuen Chef muss ich die Klappe halten – schlimm genug. 😉 Dabei wirkt mein Chef sogar fußballtechnisch irgendwie, als käme er aus einer anderen Welt, obwohl er vorgibt, Fan eines „Clubs“ zu sein. Kenne ich so gar nicht – ich komme aus einer Fußballregion und Fußballstadt, und da ist man eher markig-direkt. Mein Chef ist weit von so etwas entfernt, behauptet aber immer, er schätze meine direkte Art. Möglich auch, dass er ein bisschen Angst vor mir hat, weil ich so direkt bin. 😉

Und da ich so direkt bin, wies ich kürzlich darauf hin, dass ja nun die Fußball-EM nahe. Ich grinste, als ich ihm dies mitteilte, und das in der Hoffnung, der Groschen falle umgehend. Aber mein Chef meinte: „Was wollen Sie mir damit sagen, Frau B.?“

Einmal mehr stellte ich fest: „Nicht pottkompatibel.“ Unter all meinen Chefs hier ist mir so etwas noch nie passiert. Nur eine Kollegin hatte sich einst, 2006 zur WM, recht ignorant gezeigt, als sie mehrere Termine vereinbart hatte, die dann allesamt nicht zum Tragen kamen, da die Teilnehmer mitteilten, dass das doch nicht gehe, da zum genannten Zeitpunkt gerade eine interessante WM-Begegnung stattfinde. Die Kollegin hatte sich damals sehr verständnislos gezeigt und mich gefragt, ob ich das für möglich hielte. Ich meinte nur: „Was? Du hast ernsthaft da einen Termin vereinbaren wollen?“ – „Ja, wieso denn nicht?“ – „Da ist ein Spiel!“ – „Bist du auch so bescheuert?“ – „Das nicht, eher informiert. Und ich gucke selber Fußball.“ Die Kollegin nahm daraufhin Abstand von mir. Es bedrückte mich nicht sonderlich.

Mein Chef schaltete nicht, und da teilte ich ihm mit, dass es doch recht mitarbeiterfreundlich wäre, zumindest bei wirklich brisanten Begegnungen ein wenig Rücksicht walten zu lassen. „Woher wissen Sie das, Frau B.?“ – „Nun, ich arbeite hier schon seit ein paar Jahren.“ Mein Chef starrte mich an, als hätte ich gerade gestanden, Kokain zu schnupfen. (Als könnte ich mir das von meinem Gehalt leisten … 😉 )
Und dann meinte er: „Mal schauen, wie ich damit umgehe und ob ich da Freiräume gestatte.“ Ich sagte: „Das obliegt allein Ihnen.“ Und ich zog mich lächelnd zurück.

Ich selber bin da eher großzügig. Vor zwei Jahren, anno 2014, war die letzte WM. Ich erinnere mich, dass schon einige Viertelfinalspiele dieser Meisterschaft an mir vorbeigezogen waren, ohne dass ich einen funktionsfähigen Fernseher zur Verfügung gehabt hätte – ein Unding. Eine meiner Tanten hatte Mitleid und schenkte mir einen Fernseher, so dass zumindest andere Viertelfinalspiele, das Halbfinale und dann das Finale nicht ungesehen an mir vorbeigingen. Ich gestehe, beim Finale habe ich sie verflucht! Denn da saß ich irgendwann unruhig vor dem Fernseher, beide Hände vor die Augen gepresst, zwischen deren Fingern ich bisweilen hindurchblickte. Ich wollte zwar nicht all das Grauen sehen, das Entscheidende aber dann doch. Und dann wartete nur noch alles auf den Abpfiff, auch ich, und der Schiri ließ sich Zeit. Ich musste mich zu meinem Grauen dabei ertappen, dass ich irgendwann affektinkontinent den Fernseher anschrie: „Pfeif endlich ab, du Arsch!“ Ich meinte den Schiri, natürlich, der dann auch irgendwann abpfiff. Danach ging draußen das Inferno los, denn Deutschland war Weltmeister.

Am nächsten Tag, einem Montag, musste ich zur TU der Nachbarstadt, weil ich meinen vollen Seminartag hatte. Gleich morgens ging es los mit dem Englischseminar für Städteplaner. Erstaunt war ich, dass so viele Leute anwesend waren, vornehmlich Frauen. Aber auch diverse Männer saßen dort. Offenbar nur wenige Fußballfans. 😉

Es war die letzte Stunde, und es gab nicht mehr viel zu tun, und so endete die Stunde recht schnell. Kurz vor Ende ging die Hörsaaltür auf, und zwei Gestalten betraten den Saal. Ich musste zweimal hinsehen, um sie als Studenten meiner Veranstaltung zu erkennen: Zwei mehr oder minder „abgerissene“ Gestalten mit Augen wie Schlitzen betraten den Hörsaal, die recht strengen Geruch verbreiteten. Beim zweiten Hinsehen sah ich: Es waren Yannick und Lars! Zwei nette junge Männer, die wirklich gute Studis gewesen waren. Nur heute völlig derangiert, wenn auch grinsend. 😉

Ich grinste auch, und dann meinte ich: „Yannick! Lars! Sie hier! Und das am heutigen Tage! Sie sind ja echte Helden! Kommen viel zu spät, und dann noch, wenn ich gerade die letzte Sitzung beendet habe! Aber ich finde nett, dass Sie überhaupt gekommen sind – als echte Fußballfans. Hut ab!“

Die grinsenden Gestalten, die ich auf der Straße nicht erkannt hätte, näherten sich mir und meinten: „Wir wollten doch die Evaluationsbögen für Ihre Veranstaltung abliefern. Wir fanden Ihr Seminar toll!“ – „Danke! Übrigens, Yannick, Sie haben da Lippenstift im Gesicht.“ – „Echt? Okay, kann sein – ich erinnere mich nicht so genau …“ Ich lachte schallend, und da meinte Yannick: „Sie lachen! Sie haben offenbar Verständnis – Sie sind echt eine coole Dozentin!“ – „Ich war auch mal Studentin.“ – „Cool!“ Und Yannick wollte mich in den Arm nehmen … Da meinte ich allerdings: „Nehmen Sie es bitte nicht persönlich – aber Sie riechen ein bisschen streng. Kann es sein, dass Sie die Nacht durchgefeiert haben?“ – „Hmmm, ja, ehrlich gestanden … Aber wir wollten Ihnen doch die Evaluationsbögen bringen. Wir sind extra noch einmal zu Hause vorbeigegangen! Riecht man das wirklich?“ – „Ja. Macht aber nix – kommen Sie mal her …“ Und dann drückten mich die beiden Zuspätkommer. Sie stanken zum Himmel, hatten Fahnen bis dorthinaus, aber wer wäre ich denn, mich zimperlich anzustellen, wenn man mir so einen netten Abschied entbieten wollte? 😉 Und – wie gesagt – ich war selber mal Studentin. 😉

Ich bin offenbar cooler als mein Chef, der sich lange Gedanken zum Verhalten im Europameisterschaft-Fall machen will … 😉 Ich habe ihm noch nicht verraten, dass ich auch zu denen zähle, die möglichst viele interessante Spiele sehen wollen. Das halte ich noch offen, wenn es hart auf hart kommen sollte … 😉 Ich zähle aber auf meinen Chef, der zwar die Pott-Mentalität (noch) nicht beherrscht, aber ansonsten wirklich nett ist. 🙂

Der Spatz in der Hand …

Falls ihr euch je vornehmen solltet, ein Blog zu betreiben, richtet euch darauf ein, dass es manches Mal eure eigentlichen Pläne durchkreuzen könnte. Zumindest, wenn ihr so seid wie ich.

Seit 2014 habe ich dieses Blog hier nun, aber bis auf das Header-Bild habe ich eigentlich nie etwas verändert. Und nun fand ich, es sei an der Zeit. Zugegeben, so viel hat sich auch nicht geändert. Aber immerhin habe ich heute fast den ganzen Tag damit verbracht … 😉 Dabei hatte ich mir so viele andere Dinge vorgenommen! 😉 (Das passiert mir leider häufiger.)

Aber heute früh, ich war bereits um halb sechs wach – wie praktisch an einem Sonntag! -, fand ich, es gehe eindeutig nicht, dass ich mir häufiger mal neue Klamotten und Ohrringe und solche Dinge kaufe, während mein Blog, das so viel von mir erzählt, immer im selben Outfit erscheine. Und so machte ich mich ans Werk … 😉

Offenbar aber war ich doch noch nicht richtig wach, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt, ein neues Analyse-Tool müsse her, und so nahm ich ein klitzekleines Upgrade vor, das allerdings kostenpflichtig war. Und damit ging der Stress auch schon los … 😉

Denn ich installierte das neue Tool, und es schien auch prima zu laufen. Zumindest die Installation. Wunderbar. Und da alles so hübsch funktioniert hatte, stürzte ich mich auf die neuen Themes, denn meine Seite sollte ja völlig anders, quasi revolutionär werden – jawoll! 😉

Und was für schicke Themes es da gab! Ich probierte aus, verwarf, probierte weiter. Aber mit dem Theme allein war es nicht getan, denn da gab es ja noch die ganzen Anpassungen wie Schrift, Farben und so weiter, und so fort … Spannend, was für Möglichkeiten man mit einem kurzentschlossen (und noch im Halbschlaf befindlich) durchgeführten kostenpflichtigen Upgrade auf einmal hatte! Und so vergingen die Stunden, während derer meine Seite mal rot mit zentralem Header-Bild erschien, dann wieder blau mit einem Bild eher seitlich, grün, lila, grau – sogar gelb! Aber irgendwie gefiel mir nichts so richtig, und die Farbenvielfalt verwirrte mich vollends – es war einfach zuviel des Guten. Zum Glück hat niemand mitbekommen, dass meine Seite sich im Minutentakt wie ein Chamäleon verhielt (vieles sieht man nämlich in der Vorschau nicht so, wie es dann hinterher aussieht) – denn es las niemand. 🙁

Gegen Nachmittag prüfte ich das neue Tool – ganz professionell mit dem Tag Assistant. Oha, was war das? Ein Fehler? Wie das? Ich hatte mich exakt an die Installationsvorgaben gehalten … Ich deinstallierte, installierte nach einigen Modifikationen dann erneut. Der Tag Assistant präsentierte ebenfalls erneut Fehlermeldungen. Ich war genervt, versuchte weitere Korrekturmaßnahmen. Resultat: Fehlermeldungen …

Irgendwann war ich kurz davor, den Support anzuschreiben, damit der mir – verdammt nochmal! – zu Hilfe eilen möge. 😉 Das war gegen 16:30 h. Doch in dem Moment ging mir auf, dass ich dieses blöde Tool gar nicht so dringend brauche. Im Änderungswahn war mir das gar nicht so bewusst gewesen, aber nun, auf dem Höhepunkt des Genervtseins, wurde es mir klar.

Und so ging ich auf meine Website, suchte dort im Backend „Tarif“, wurde fündig – und ebenso kurzentschlossen, aber erheblich wacher, stornierte ich das Upgrade wieder. Wozu Geld bezahlen für einen Webauftritt, der einem nicht hundertprozentig gefällt, darüber hinaus für ein blödes Tool, das nicht so funktionieren will, wie es soll?

Ratz-fatz war alles rückgängig gemacht, und ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich den Rechnungsbetrag wieder auf meinem Konto habe. 😉

Ich habe also den ganzen Tag damit verbracht, mein Blog anders zu gestalten, verwirrt ob der Vielfalt der Möglichkeiten, die sich mir boten und habe all die Dinge nicht getan, die ich eigentlich tun wollte. Ein wahrhaft gelungener Tag. 😉

Und so habe ich nun bei den kostenlosen Themes eines gefunden, das mir besser gefiel als die meisten kostenpflichtigen. Die ganze Zeit, die ich mit Ausprobieren vertan habe, hätte ich sinnvoller verbringen können. Nun ja – wir machen alle mal Fehler. 😉 Und zu meiner heutigen Aktion kann man nur sagen: Alles für die Katz! 😉

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Gelernt habe ich aber einmal mehr, dass man auch die kleinen Dinge des Lebens schätzen sollte – wie ein kostenfreies Blog mit weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Zu viele davon verwirren eh nur. 😉