Mein Freund Murphy ist wirklich ein merkwürdiger Zeitgenosse …

Gestern erst erwähnt, heute schon auf unserer Showbühne! 😉 Murphy, wie er leibt und lebt …

Heute bin ich sehr früh aufgestanden, denn ich wollte „mal richtig früh“ bei der Arbeit sein. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist und ob ich vielleicht, als ich im Bad war, in Wirklichkeit in einem Paralleluniversum war. Jedenfalls war es viel später, als ich angenommen hatte, als ich das Bad verließ. 😉 Mein Zeitgefühl lässt offenbar stark zu wünschen übrig.

Da es gestern und heute sehr kalt war, zog ich einen Kaschmirpullover an, den meine Mutter mir geschenkt hat. Wäre er kein Geschenk gewesen, würde sich auch kein Kaschmirpullover in meinem Haushalt befinden. 😉 Zu teuer. Hält aber wunderbar warm und sieht auch noch schön aus, so schön dunkelgrün. Dazu noch ein passendes Halstuch, fertig war der Lack, zusammen mit Jeans und schwarzen Stiefeln. Da mein Wintermantel, der auch „in die Jahre kommt“, sich gestern als nicht ganz so warm erwiesen hatte, wie ich ihn in Erinnerung gehabt hatte, zog ich lieber meine schwarze Winterjacke von Desigual an, in der ich mich zwar manchmal wie einbetoniert fühle, die aber schön ist. Und vor allem: warm.

Und so machte ich mich auf den Weg. Gestern hatte ich Scotty, meinen Toyota Auris, ein Stück von „meinem“ Haus entfernt parken müssen, da mal wieder alle Parkplätze vor dem Haus besetzt gewesen waren, und das zumeist von Auswärtigen. Okay, die müssen auch irgendwo parken, aber richtig glücklich war ich nicht. Ich war bei meinen Eltern gewesen, um einige Sachen abzuholen, die sie mir, am Sonntag aus Bayern, respektive Franken, zurückgekehrt, mitgebracht hatten, weil sie wussten, mein Herz hängt dran, und die Sachen sind hier großenteils nicht zu bekommen. (Und meine Kollegin Janine hat sich heute sehr über die Flasche „AEcht Schlenkerla Rauchbier“ gefreut. Noch, wie meine Mutter meinte. Denn wenn sie das Bier probiert hat, das wie Katenrauchschinken schmeckt, spricht sie vielleicht nicht mehr mit mir. 😉 )

Anschließend war ich in D. noch in dem REWE-Markt, der erheblich größer und viel besser sortiert ist als andere REWE-Märkte, die ich so kenne. Und mein Kofferraum war halbvoll mit Waren, als ich in meine Straße einbog und hoffte, vor dem Haus … Nein. Klar. Wenn ich mal den halben Kofferraum mit Waren gefüllt habe, stehen vor dem Haus natürlich Autos aus Itzehoe, Groß-Gerau und Passau. (Dem Passauer war aber sofort verziehen – er kommt aus Bayern, noch dazu aus Niederbayern, und da bin ich, ich gebe es ungern zu, nicht ganz neutral. 😉 ) Ich parkte ein ganzes Stück die Straße hinunter – oder hinauf, je nach Perspektive, und dann durfte ich den ganzen Schmonzes bis zum Haus schleppen. Es roch ein wenig nach Murphy. 😉 Denn das ist nicht das erste Mal in dieser Konstellation. 😉 Habe ich nicht viel zu transportieren oder zu tragen, ist vor meinem Haus alles frei. Aber wehe, ich kaufe etwas ausführlicher ein! 😉 Dann gibt es nur noch die „billigen Plätze“.

Heute früh ging ich zu Scotty, stellte erleichtert fest: nicht zugeparkt, was an dieser Stelle öfter vorkommt, weswegen ich ja auch lieber vor dem Haus und parallel zum Bordstein parke. Ich parkte aus, und los ging es. Abgesehen von den üblichen Deppen, die meinen, innerorts 70 oder schneller fahren zu müssen, war es eine sehr entspannte Fahrt, und ich hörte David Bowie. Bei „Where are we now?“ sang ich mit, obwohl ich doch wusste, ich war auf der „Vom-Stein-Straße“. 😉 Als ich gerade den Abschlussrefrain mitsang („As long as there’s sun :|| / As long as there’s rain :|| / As long as there’s fire :|| / As long as there’s me / As long as there’s you“), fädelte ein Idiot ohne Blinker so knapp vor mir links ein – er hatte wohl erst spät bemerkt, dass er ja eigentlich links abbiegen wollte, nachdem er zuvor, was ich gesehen hatte, wohl durch das Handy an seinem Ohr abgelenkt gewesen war -, dass ich richtig heftig bremsen musste. Exakt das sind die Situationen, derentwegen ich nie so gern Auto gefahren bin. Immerhin konnte ich erstmalig ausprobieren, wie meine bzw. Scottys Hupe eigentlich klingt. Klingt gut. Vor allem ist sie laut. Ich gebe zu, ich bin selber erschrocken. Aber immerhin winkte mir der Vordermann eine Art „Sorry“ zu. 😉

Auf dem Nordring hielt ich mich, wie immer, links, und da wir innerorts fuhren, fuhr ich 50. Okay, eigentlich fuhr ich annähernd 60 und bereits zu schnell, aber das war einem Fahrer hinter mir, der die zweispurige Straße mit der Autobahn zu verwechseln schien, auch noch zu langsam, und dann überholte er mich rechts und gestikulierte dabei wild, während er vor mir einscherte. Dann zog er wieder nach rechts. Ich zog auch, und zwar meine Augenbrauen hoch, dann wartete ich auf das Ortsausgangsschild und gab dahinter Gas. Wenn Scotty einmal in Fahrt ist, schaltet und beschleunigt er wie eine Eins. Er scheint nur nicht zu mögen, wenn er aus einem der unteren Gänge plötzlich beschleunigen soll. Ansonsten reagiert er sofort und beschleunigt immens … 😉 Pubertäres Verhalten, aber der andere Fahrer staunte nicht schlecht, als ich wie ein Pfeil an ihm vorbeizog. Als ich längst schon auf der Linksabbiegerspur Richtung Arbeitgeber in einer ganzen Kolonne darauf wartete, dass die Ampel auf Grün schaltete, kam er endlich angekrochen, um rechts von mir weiter geradeaus zu fahren. Ich winkte ihm mit meinem reizendsten Gesichtsausdruck fröhlich zu, aber er zog es vor, blicklos an mir vorbeizufahren. Ich hole offenbar gerade meine KFZ-technische Pubertät nach. 😉 So lange nicht gefahren, und wenn, dann angsterfüllt. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Aber ich verspreche, ich werde künftig ganz brav fahren und niemanden mehr provozieren. 😉 Schon gar keinen Mann am Steuer, der meint, er könne es per naturam besser. 😉

Der Parkplatz war schon ziemlich gut besetzt, als ich gegen 08:40 h eintraf. Ach, herrje – heute war ja „Karrieretag“ und die Bude brechend voll! Um 10 h sollte es losgehen, und schon jetzt sah man, dass heute etwas Besonderes anlag. Ich fand ein ruhigeres Plätzchen, parkte ein, schloss den Wagen ab und ging Richtung Arbeit. Unterwegs wehte ein sehr kalter Wind, der dann auch noch auffrischte, sich zu Böen steigerte und mir fast den Skalp abriss und die Tränen in die Augen trieb, die auch alsbald ihren Weg abwärts nahmen. Wozu eigentlich frisiere und schminke ich mich vor der Arbeit? Mir war klar, im Büro, wo ich mit Janine gemäß meinem Chef ja „ganz exklusiv“ sitze, würde ich mich erst einmal restaurieren müssen. Wie gesagt: Wir sitzen da „ganz exklusiv“, und da kann man nicht wie eine Windsbraut mit zerzausten Haaren sitzen, wenn man sie sich auch nicht selten selber raufen möchte. 😉

Im B-Gebäude stempelte ich mich ein, hoffte, auf dem langen Weg zu meinem Büro im A-Gebäude nicht etwa Cindy Blech zu begegnen, aber die war zum Glück nirgendwo zu sehen. Dafür ein Kollege aus der Abteilung „Liegenschaften“, der im A-Gebäude das geschäftige Treiben überwachte und koordinierte. Als er mich sah, tippte er mit großer Geste auf seine Armbanduhr, aber aus Spaß, und er rief: „Na, also, Frolleinchen – die Kernarbeitszeit hat schon begonnen!“ Ich winkte grinsend ab und rief, die Kernarbeitszeit könne mich mal. „Wo kommen wir denn jetzt her, Frau B.?“ rief er frotzelnd, und ich meinte: „Vom Parkplatz.“ – „Und was haben wir da gemacht?“ – „Lass mich überlegen … Geparkt?“ – „Also hast du inzwischen ein Auto?“ – „Ja, wenn ich da parke, heißt das wohl, dass ich ein Auto habe. Ansonsten wäre ich von der Bushaltestelle und aus der anderen Richtung gekommen, und wir beide wären einander gar nicht begegnet.“ Ich frotzelte, grinste und kniff Jörg ein Auge zu. Mit Jörg verstehe ich mich recht gut. Absolut nicht mein Typ, aber sympathisch, zumal er der erste Mensch ist, den ich kennengelernt habe, der nicht mehr als Ersthelfer arbeiten darf, da er in einer Ersthelfer-Auffrischveranstaltung den Dummy, der zu Reanimationsübungen mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung benutzt wird, kurzerhand ins Dummy-Jenseits befördert hat, da er diesen im Sinne der Reanimationsübung wohl etwas zu stark herzdruckmassiert hatte. Der recht kostenintensive Dummy war danach Schrott, aber wenn man Jörg sieht, weiß man, woran es liegt, denn derjenige, der sich freiwillig mit Jörg anlegen würde, müsste schon debil sein. Ein wirklich sensibler und netter Mensch, aber wo der hinhaut, wächst über Dekaden kein Gras mehr. 😉

Als ich näherkam, sah er mich besorgt an und meinte dann: „Warte mal, Ali – dein Make-up unter dem rechten Auge ist komplett verwischt.“ – „Ja, als ich dich sah, kamen mir die Tränen der Rührung, und ich bin Rechtsäugerin“ – „Nein, im Ernst. Warte mal.“ Und mit den Worten streckte er seine Hand aus, und mir wurde etwas bange. Würde ich nach dem Eingriff noch über ein rechtes Auge verfügen?

Aber welch Wunder! Mit einer Feinfühligkeit, die ihresgleichen sucht, wischte er mit seinem Zeigefinger unter meinem rechten Auge herum! Bevor ich eingreifen konnte, denn ich suche mir die Leute, die mich anfassen dürfen, eigentlich gerne selber aus. Aber meist bin ich völlig perplex, wenn man mich einfach so, ohne in irgendeiner Beziehung zu mir zu stehen, anfasst, und es kam schon vor, dass mir das im Nachhinein ganz und gar nicht unangenehm war, ich im Moment des Geschehens aber zu perplex war, irgendwie sinnstiftend zu reagieren, sondern wahrscheinlich mit weitaufgerissenen Augen dastand. Hat alles seine Gründe. Ein harmloser dieser Gründe ist, dass ich ein sogenannter „visueller“ Mensch bin, ein Augenmensch, der stets Abstand und „Überblick“ benötigt, um Dinge beurteilen zu können. Jegliche Überrumpelung verwirrt mich. (Klingt ein bisschen autistisch, ist es aber nicht. 😉 Ich muss nur immer alles ein bisschen aus der Distanz betrachten, bevor ich mich nähern kann. 😉 )

Jörg meinte zu mir, als ich mich anschickte, die Regie zu übernehmen, nur: „Entschuldige, bitte, aber ich konnte doch ausgerechnet dich nicht hier so herumlaufen lassen – du siehst doch immer so hübsch aus. Sahst du auch schon vorher, aber halt etwas verwischt.“ Ich starrte ihn perplex an – von diversen anderen Menschen hätte ich ein solches Verhalten erwartet, ganz bestimmt nicht von ihm. Schon gar nicht an einem „bad hair day“. Murphy! Der schlägt gerne an schlechten Tagen zu – leider auch mit den ganz falschen Personen.

Ich ging lieber ins Büro. Und Janine und ich gingen heute besonders früh eine rauchen. Da war das Wetter wohl schon umgeschlagen, und ich schwitzte in meiner Winterjacke nebst Kaschmirpullover wie ein Bär – danke, Murphy, für den Wetterwechsel.

Der ganze Tag war irgendwie komisch. Wetterwechsel, erst frieren, dann schwitzen, Kreislaufprobleme. Ich war bereits um 13 h bereit, nach Hause zu fahren. Aber da klingelte das Telefon, und der Kantinenchef war dran, den ich für eine Veranstaltung am nächsten Montag beauftragt hatte, das Catering zu übernehmen. Teilnehmerzahl? Noch nicht bekannt, aber Herr Schmidt muss das Material mit entsprechendem Vorlauf bestellen. Ich meldete mich, und da meinte Herr Schmidt: „Hier Schmidt! Hallo, schöne Frau!“ Ich stutzte, meinte: „Herr Schmidt, ist alles in Ordnung?“ – „Ja, klar, wieso?“ – „Wegen Ihrer Ansprache. ‚Schöne Frau‘! Ha, ha!“ Da wurde Herr Schmidt sehr energisch. Und er meinte: „Warum lachen Sie jetzt? Ich meinte das schon ernst. Wirklich.“ – „Dann bedanke ich mich.“ – „Frau B. – Sie schätzen sich offenbar völlig falsch ein.“ – „Ja, wahrscheinlich.“ Und dann bemühte ich mich, lieber zum Geschäft zu kommen.

Total komischer Tag. „Bad hair day“, ich fühlte mich eigentlich mies. Und dann gleich zweimal so etwas. Hmmm. Offenbar habe ich einfach die falsche Einstellung, oder Murphy wollte mich mal wieder herausfordern. Eigentlich mag ich ihn ja, den Murphy. 😉

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