Ali verärgert

Heute war ich erst recht spät bei der Arbeit. Nicht sonderlich gut gelaunt kam ich dort an.
Genauer: Ich hatte mich bereits vor der Fahrt dorthin ärgern müssen. Normalerweise ärgere ich mich, wenn ich mich ärgere, eher bei der Arbeit. Kein gutes Zeichen, wenn das bereits vorher der Fall ist … 😉

Normalerweise mag ich es durchaus gelassen und harmonisch, aber ich kann mich – leider – auch ziemlich aufregen, wenn es ungerecht zugeht oder jemand nicht mitdenkt, weil er nur um sich kreist. (Nun könntet ihr denken, auch ich kreiste allzu stark um mich, wenn ihr dieses Blog hier lest, weil ich selber so oft vorkomme. 😉 Das wäre aber eine drastische Fehleinschätzung, denn hier im Blog geht es zwar um meine Erlebnisse mit dem ganz normalen Wahnsinn, um meine Anschauungen, aber ich sehe mich nicht stets im Mittelpunkt, sondern denke auch viel über andere Menschen nach, helfe ihnen, wenn sie Hilfe brauchen und so fort. Ein Blog dieser Art bringt es mit sich, dass man selber recht zentral erscheint.)

Heute früh hatte ich Anlass, mich aufzuregen. Den gestrigen Blitzmarathon gut überstanden, soweit ich das beurteilen kann – ihr hört von mir, sollte ich unbemerkt doch geblitzt worden sein 😉 -, dachte ich, der heutige Tag werde ganz gefahrlos sein. Und so begab ich mich zu meinem Auto, das an einem anderen Platz als sonst stand, in einer Parklücke im 90°-Winkel zur Straße. Denn gestern waren sämtliche Plätze vor „meinem“ Haus, die ich bevorzuge, da parallel zum Bordstein, besetzt gewesen – zumeist von Auswärtigen. Klar, die müssen auch irgendwo parken, aber meine Freude war nicht allzu groß. Aber etwa 100 Meter weiter fand ich die genannte Parklücke.

Als ich heute früh dort anlangte, sah ich schon mit wenig Begeisterung, dass meine beiden Nachbarn zur Rechten und zur Linken ziemlich auf Tuchfühlung mit meinem Toyota gegangen waren. Sie standen sehr, sehr dicht neben meinem Auto, was bedeutete, am besten einfach gerade rückwärts aus der Lücke zu fahren. Nun, das ist ja kein Problem. Normalerweise. Aber hinter uns stand auf der anderen Seite der ziemlich schmalen Straße parallel zum Bordstein ein SUV. Wie alle SUVs sehr raumgreifend. Meine Freude war sehr, sehr groß … Denn rechts neben mir ein recht langer Kombi, links von mir ein Toyota Yaris – und beide, wie erwähnt, sehr dicht an mir dran. Es ging nur mit schnurgeradem Herausfahren, wie ich schnell feststellte, als mir beim Einschlagen der hintere Kotflügel des Kombis doch arg nahekam bzw. ich ihm. So ging es nicht. Ich setzte zurück in die Parklücke, rangierte weiter und versuchte, andersherum aus der Falle herauszukommen, in der ich saß. 😉 Prompt kam mir der kleine Yaris ins Gehege, und meine Ein- und Ausparkhilfe piepste in den höchsten Tönen, immer hysterischer werdend. Erneuter Versuch zur anderen Seite. Hysterisches Kreischen der Ein- und Ausparkhilfe. Ich fuhr gerade rückwärts, soweit es ging (und das war nicht weit), um dann heftig einzuschlagen. Die Ein-/Ausparkhilfe stand kurz vor dem Durchdrehen, wie es schien und wie sie klang. Ich allmählich auch. Einzig dieser blöde SUV störte, der auch gut und gerne ein paar Meter weiter hätte parken können, wo er niemandem im Weg gewesen wäre. Aber da hätte der Besitzer ja ein paar Meter weiter gehen müssen – das kann man von manchen Leuten ja gar nicht verlangen … 😉

Ich glaube, Rumpelstilzchen hätte von mir lernen können, so wütend war ich, als ich den Wagen wieder zurück in die Parklücke setzte, meine Sachen nahm, den Wagen abschloss und mich Richtung Straßenbahnhaltestelle aufmachte. Ich kam mir vor wie ein geschlagener Krieger.

Unterwegs fiel mir auf, dass ich etwas im Wagen vergessen hatte, und so kehrte ich um. Ich war ohnehin schon ziemlich spät dran – darauf würde es jetzt auch nicht mehr ankommen. Und was für ein Glück! Denn da kam der SUV-Besitzer! Und er schloss sein Auto auf. Ich rief: „Fahren Sie weg?“ – „Ja, wieso?“ – „Das ist gut so, dann kann ich endlich auch aus meiner Parklücke heraus!“ – „Wieso?“ – „Sehen Sie sich das Ganze doch mal an! Wie soll man hier herauskommen, wenn man nur gerade rückwärts aus der Lücke fahren kann, weil die Wagen so dicht nebeneinander stehen, und dann blockiert Ihr Wagen die halbe Straße, die ohnehin schon verdammt schmal ist!“ – „Ach, naja …“ – „Nee! Da hinten wäre genug Platz gewesen – da hätten Sie auch niemanden behindert.“ – „Aber da hätte ich ja weiter gehen müssen – hier war ich direkt vor der Haustür!“ – „Toll! Das ist natürlich die Hauptsache, und es ist völlig unerheblich, ob andere dann nicht ausparken können, die zur Arbeit müssen.“ – „Naja, jetzt fahre ich ja weg.“ Der hatte echt die Ruhe weg, während ich ziemlich sickig war. Und mit einer Langsamkeit, die eine Schnecke wie ein Rennpferd aussehen ließ, fuhr er dann davon. So was mag ich ganz besonders. Erst wie das Zentrum des Universums handeln, andere Menschen beeinträchtigen und die dann noch provokant behandeln.

Nun, immerhin kam ich nun aus der Lücke heraus. Die Verzögerung führte dann dazu, dass ich direkt hinter der Straßenbahn landete und im Schneckentempo die Straße entlang fuhr. Denn überholen wollte ich die Bahn nicht, schon gar nicht nach meinem kürzlich erfolgten Überholmanöver, bei dessen Ausführung ich kurz vor einem Herzschlag stand … 😉

Und dann hatte ich auch noch das Glück, dass ein großer Teil der Ampeln, die an meinem Weg zur Arbeit stehen, rot war. Kurz: Ich sah in zweifacher Hinsicht rot und gedachte des SUV-Fahrers nicht allzu freundlich, ich gebe es zu. 😉

Inzwischen bin ich aber wieder ruhig. Doch generell verärgert mich egozentrisches Verhalten sehr. Das kann ich machen, wenn ich ganz allein bin. Nur: Wann ist man das? Es ist doch immer jemand da, auf den man Rücksicht nehmen sollte. Oder? Ich habe allerdings den Eindruck, das Wort Rücksichtnahme, ebenso wie der Begriff Kompromiss, sei vom Aussterben bedroht. Viele Menschen verstehen gar nicht mehr, was damit gemeint ist, wie es scheint. 😉 Spricht man sie darauf an, werden sie auch noch frech. So mag ich es am liebsten! 😉

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