„Bassd scho!“

Aus meinem „Osterurlaub“ habe ich eine neue Bürotasse mitgebracht. Aus einer Serie, die ich bis dato noch nicht kannte, und das wahrscheinlich deswegen, weil es sie nur in Franken gibt. „Ein Herz für Franken“ heißt sie. Nicht die Bürotasse, die Serie. 😉

Die Tasse an sich ist schlicht, ein normaler Kaffee- oder Teebecher in Weiß mit Henkel, aber es gab vier verschiedene Designs. Einmal auf gelbem Grund die Aufschrift „Schnarrchzabbfm“. Nix für mich, und ich mag auch Gelb nicht sonderlich. Dann in Blau: „Mei Dässla“. Zu zahm. In Rot war das Ganze schon besser: „Allmächd!“ (Ein Ausruf der Überraschung, sowohl bei positiver, wie negativer Überraschung, aber auch Empörung verwendet.) Und auf grünem Hintergrund dann: „Bassd scho!“ Ich schwankte sehr zwischen dem roten „Allmächd!“ und dem grünen „Bassd scho!“ Aber da ich gerade ohnehin mal wieder beschlossen habe, viiiel gelassener zu werden und ja sowieso schon viel fluche, entschied ich mich für das grüne „Bassd scho!“. Grün wirkt ja auch sehr beruhigend, und ich mag diese Farbe durchaus. Nicht ganz so sehr wie Blau, aber es gibt viele schöne Grüntöne.

Gestern früh hatte ich einen Termin bei meinem Hautarzt. Ich beschloss, mit dem ÖPNV hinzufahren, da es um des Arztes Praxis herum einem Sechser im Lotto gleichkommt, einen Parkplatz zu finden. Mit hängender Zunge kam ich um Punkt 08:45 h dort an – für diese Uhrzeit hatte ich einen Termin. Aber es sah so aus, als würde ich mich auf eine längere Wartezeit gefasst machen müssen, da in dieser Praxis, in der es neben dem namensgebenden Arzt noch einige andere angestellte Ärzte gibt, gestern nur eine einzige Ärztin Dienst tat, da der Rest im Urlaub war oder durch Krankheits- und private Gründe nicht arbeiten konnte. Und ich saß und wartete.

Dann rief man mich auf und brachte mich in einen Untersuchungsraum. Dort saß und wartete ich erneut. Ich hasse Warten! Aber ich war ja nicht ohne Grund in der Praxis, und so wartete ich weiterhin …

Dann kam die Ärztin. Und ich erklärte ihr den Grund – eigentlich waren es drei Gründe – meines Besuchs. Die ersten beiden Gründe waren relativ rasch abgearbeitet, und am zehnten Oktober habe ich einen Termin zum Lasern – ein eher kosmetisches Problem unter meinem linken Auge. Ein Rezept war auch schnell ausgestellt, und dann zeigte ich der Ärztin meinen rechten kleinen Finger, an dem sich etwas gebildet hatte, das alles Mögliche hätte sein können. Da wollte ich doch lieber einen Fachmann oder eine Fachfrau draufblicken lassen. Sie sah sich das Ganze sehr intensiv an und meinte dann: „Keine Sorge, ist harmlos. Mache ich Ihnen gleich weg.“ Da wollte ich eigentlich sagen: „Aber nein, wenn es harmlos ist, müssen Sie da gar nichts machen – so schlimm ist es nicht!“ Aber da war sie schon aus dem Raum geeilt und kehrte fünf Minuten später mit einem steril verpackten Instrument zurück, das eigentlich ganz harmlos aussah, wie ein Kugelschreiber. Aber es war eine Kürette, ein Instrument zum Abtragen und Ausschaben von Gewebe … Und sie erklärte mir das Instrument, das eine scharfe und eine stumpfe Seite hat. „Gebe ich Ihnen gleich mit,“, sagte sie in ihrem reizenden Akzent, „aber benutzen Sie bitte erst einmal die stumpfe Seite.“ („Und dann tauchen Sie den Stumpf in siedendes Öl,“, fügte ich in Gedanken hinzu. Niemals würde ich dieses Ding selber benutzen, weder mit der stumpfen, noch mit der scharfen Seite!) „Ich benutze natürlich die scharfe Seite.“ So ihre Worte, und dann griff sie nach meinem unschuldigen kleinen Finger! Ich wollte erst noch protestieren, aber dann fiel mir die Bürotasse in meiner Tasche ein, und ich dachte mir: „Bassd scho!“ 😉 Und geduldig ertrug ich die nicht ganz so angenehme Prozedur und auch die Worte der Ärztin: „Mache ich Ihnen kleine Verband drum – blutet manchmal heftig nach.“ Super. Bassd scho. (Es hat übrigens wirklich etwas heftiger nachgeblutet, und es tat auch danach noch den ganzen Tag ziemlich eklig weh.)

Ich fuhr mit dem ÖPNV zur Arbeit und kam dort erst um zwanzig vor 11 an. Auch gut. Je kürzer der Arbeitstag, desto besser, und ich hatte ja eine Bescheinigung vom Arzt. 😉 Bassd scho.

Dann erklärte mir mein Chef, es tue ihm leid, aber die sowohl Janine als auch mir angekündigte Zulage würde wohl auch im April nicht kommen – der Antrag hänge in der Verwaltung fest. (Wo auch sonst?) Ich lächelte resigniert und hielt ihm meine Bürotasse entgegen: „Bassd scho!“ Mein Chef fragte, was für eine Sprache das sei. Ich zog die Augenbrauen hoch und überlegte, ob ich überhaupt antworten solle. Dann sagte ich resigniert: „Deutsch.“

Es geschahen noch mehrere Dinge, die mich dazu brachten, einfach nur die Bürotasse hochzuhalten und den Verursachern des Grauens die Aufschrift zu lesen zu geben. Ungemein praktisch. Janine meinte: „Ich brauche auch so eine Tasse!“ – „Ja, hätte ich das geahnt, hätte ich dir eine mitgebracht. Ich ärgere mich schon, nicht zwei gekauft zu haben: ‚Allmächd!‘ und ‚Bassd scho!‘!“ – „Würden beide perfekt in unser Büro passen, und wir müssten gar nichts mehr sagen, sondern könnten nur beide Tassen im Wechsel hochhalten und den entsprechenden Leuten die Aufschrift zeigen!“ – „Wenn ich es recht überlege, würde die gelbgrundige Tasse auch passen.“ Janine fragte, was darauf zu lesen sei, und ich meinte: „Schnarrchzabbfm.“ Sie lachte und meinte: „Nachdem unsere Zulage so lange braucht, wäre die Tasse wirklich hervorragend geeignet, wenn uns wieder einmal jemand sagt, ein wichtiger Vorgang dauere länger.“ Genau. 😉

Heute musste ich nach der Arbeit nach D. zu meinem Elternhaus, denn ich habe meinen Eltern, die für Wochen in Bamberg weilen, zugesagt, nach dem Rechten (und Linken) zu sehen. Ich fuhr über Hassel mit der reizenden Slalomstrecke. 😉 (Ich bin übrigens hervorragend im Kurvenfahren. 😉 )

Ich fuhr erstaunlicherweise voller Freude! 😉 Regte mich kaum über drängelnde Idioten hinter mir auf. Auf der Straße gen D., wo man 70 fahren darf, fuhr ich schneller, als erlaubt (hoffentlich war da kein Blitzer!), sang laut mit, denn ich hatte eine CD an. Fahren macht manchmal wirklich Spaß! Und so kam ich in D. an, wo ich in meinem Überschwang fast falsch abgebogen wäre, es zum Glück aber noch rechtzeitig bemerkte, links blinkte und einen sehr knappen Spurwechsel vornahm, als ich sah, der Mercedes schräg hinter mir würde mich hineinlassen. Bassd scho.

Dann musste ich rechts abbiegen und war wohl einem Herrn aus Dinslaken, der mit einem Audi unterwegs war, zu langsam, dabei fuhr ich schon etwas schneller, als die Polizei erlaubte. Und auf relativ kurzer Strecke überholte er mich. Ohne Blinker scherte er dann sehr knapp vor mir wieder ein. Idiot! Und ich wollte mich gerade aufregen – was hatte der Idiot dadurch gewonnen? Dass er vor statt hinter mir an der nächsten roten Ampel stand? Aber dann dachte ich: „Bassd scho! Nicht aufregen.“ Das Einzige, was mich ärgerte, war die Tatsache, dass solch ein Depp sich einen Audi leisten konnte, aber nicht einmal wusste, dass das schicke Fahrzeug über Blinker rechts und links verfügt.

Bei meinen Eltern rasch alles gemacht, was zu machen war, fuhr ich zurück, beschloss aber, noch zu tanken. An einer „Westfalen“-Tankstelle, und ich fuhr gekonnt auf die rechte Seite einer Zapfsäule, tankte so, als hätte ich nie etwas anderes getan, und eilte dann zur Bezahlung. Da fiel mir auf, dass ich etwas vergessen hatte: die Nummer meiner Zapfsäule. Noch bevor ich: „Mist!“ rufen konnte, strahlte mich der Mann an, der neben der Kassiererin hinter dem Tresen stand, und rief: „Ah! Sie haben etwas vergessen, nicht wahr?“ – „Ääh, ja …“ – „Sieht man gleich an Ihrem Blick – Sie haben ja unglaublich schöne, große Augen, vor allem, wenn Sie erschrecken. Es ist die Nummer 5, an der Sie getankt haben.“ Ich grinste und bedankte mich, ärgerte mich auch gar nicht mehr über meine Vergesslichkeit. Bassd scho.

Als ich weiterfuhr, ordnete ich mich einmal mehr falsch ein und landete auf der B225, statt der B224. Aber – „Bassd scho!“ – ich regte mich gar nicht auf, sondern dachte: „Wie neulich. Musst du dir wirklich mal merken. Aber so kannst du mal wieder einen U-Turn üben.“ Man muss das alles pragmatisch sehen. 😉 Und ich fuhr die Marler statt der Bochumer Straße entlang, bis ich die Straße erreichte, wo man ohne viel Hantier und Gegenverkehr rechts abbiegen, dann einen formvollendeten U-Turn und gen D. zurückfahren kann, um dann richtig auf die B224 abzubiegen. So lernt man sein Auto kennen, und der kleine Scotty hat einen wunderbaren Wendekreis. 😉

Ich bog dann richtig ab und beschloss, noch einzukaufen, denn ich hatte schon mehrfach gesehen, dass sich ein sehr großer REWE-Markt dort an der B224 befindet. Fast hätte man es als „routiniert“ bezeichnen können, wie ich da auf den Parkplatz fuhr! Als führe ich seit -zig Jahren ohne Unterlass! 😉 Und zum Glück waren viele Parkboxen frei. Zumindest sah es von weitem so aus.

Als ich näher herankam, sah ich, dass eine ziemlich große Anzahl der Plätze Behindertenparkplätze waren. Und richtig schöne Parkplätze waren zu „Mutter-und-Kind“-Parkplätzen gewidmet. Aber ich fand dennoch einen guten Platz zwischen zwei Autos, und ich parkte, wie es meine Art ist, relativ schwungvoll, aber sicher und gerade ein. Dann eilte ich gen REWE.

Was für eine Auswahl! Der REWE-Markt in meiner Nähe ist ein einziger Witz dagegen. Allerdings hatten sie in der Getränkeabteilung nur große Krombacher-Kisten, keine „Krombacher Elf“, die ich ansonsten gekauft hätte. Nur den kleinen Kasten mit 11 Flaschen Veltins. Aber ich mag kein Veltins. Aber ein Sixpack „Astra“ hatten sie. Eigentlich ein grauenhaftes Bier, aber gewissermaßen Kult – St.-Pauli-Bier, das ich in Hamburg durchaus schätzen gelernt habe. 😉 Das einzig noch vorhandene Sixpack war meins. 😉 Dann noch Mineralwasser in größeren Mengen als sonst – ich war ja mit dem Auto da. 😉 Sonst musste ich immer alles mühsam schleppen und öfter als andere Menschen einkaufen gehen.

Die Obst- und Gemüseabteilung haute mich fast um, und ich musste mich bremsen und habe nun nur Süßkartoffeln, besonders schöne Auberginen, eine Auswahl an Chilischoten und zweieinhalb Kilogramm festkochende Kartoffeln gekauft. Eine Packung Waschpulver, Quark in größeren Mengen und noch so viele Kleinigkeiten, die „mein“ REWE gar nicht hat, wanderten in meinen Einkaufswagen, und ich fragte mich, ob es nun ein Vor- oder ein Nachteil sei, ein Auto zu haben. Denn wenn der Transport so viel bequemer ist: Tendiert man nicht dazu, erheblich mehr und andere Dinge zu kaufen als sonst, da man alles selber schleppen musste? 😉 Aber ich hielt mich nicht lange damit auf: Bassd scho!

An der Kasse saß ein junger Mann, der zuvor zwar freundlich, aber nicht überschwenglich auf seine Kundschaft reagiert hatte. Offenbar strahlte ich etwas anderes aus, denn er strahlte mich an und rief: „Ja, guten Tag! Hatten Sie einen angenehmen Aufenthalt hier?“ Ich starrte ihn an. Er hätte mein Sohn sein können. Und ich hatte heute nicht meinen besten Tag, überdies einen „bad hair day“. Und dann so etwas! Ich fing zu grinsen an und meinte: „Danke, ich werde öfter zum Einkaufen kommen.“ Und ich wurde daraufhin noch viel strahlender bedient. Und abkassiert. Und der junge Mann rief: „Hoffentlich bis bald!“ Ich scheine mich verändert zu haben, seit ich wieder Auto fahre … 😉 Vielleicht liegt es aber einfach auch an meiner „Bassd scho!“-Haltung. 😉

Und in deren Einfluss parkte ich auch aus, obwohl mir eine Frau fast in den Wagen rannte. Sie entschuldigte sich, ich winkte verzeihend. 😉 Dann fuhr ich zurück nach GE, regte mich gar nicht auf, als mich ein dämlicher BMW-Fahrer schnitt. Passte doch alles. 😉 Und ich habe eine wunderbar funktionierende Bremse. 😉

In meiner Straße erwischte ich dann sogar den einzigen noch freien Parkplatz vor dem Haus und parallel zum Bordstein. Ich parkte ein, als hätte ich nie in meinem Leben etwas anderes gemacht, öffnete erstmalig in meinem Leben lässig einen Kofferraum, um meine Einkäufe zu entnehmen, schloss leger den Wagen ab und ging ebenso leger auf meine Haustür zu und nach Hause.

Oben in meiner Wohnung angekommen, hielt ich einen kleinen Moment inne und dachte: „Hätte dir das jemand vor vier Monaten erzählt, hättest du ihn ausgelacht und ihm einen Vogel gezeigt.“ Darauf erst einmal einen Schluck Mineralwasser! Und ich öffnete eine der Flaschen, die ich gekauft hatte. Wuuusch! machte es, und eine Wasserfontäne entströmte der Flasche, die ich so spontan geöffnet hatte. Vielleicht hätte ich sie erst einmal ruhen lassen sollen, denn durch meine nicht unbedingt schwung- und peplose Fahrt war sie wohl etwas in Unruhe geraten. Aber als ich den Küchenfußboden aufwischte, dachte ich nur: „Bassd scho! Passt zum doofen Tag, aber ‚bassd scho‘!“ 😉

Und ich rate euch: Merkt euch diesen Spruch! Damit geht alles gleich viel leichter. Ist wie ein Mantra. 😉