On handling cats

Manchmal ergibt sich aus einem Thema ein weiteres – „von Hölzken auf Stöcksken kommen“ nennt man das hier, wo ich lebe.

Und kürzlich erwähnte ich meine ehemalige Katze Sally, ein wirklich reizendes Tier, das ich als Notfall aufgenommen hatte. Nur vorübergehend, leider, denn sie war wirklich süß. Aber sie hat ein gutes Zuhause gefunden, wo man sich den ganzen Tag um sie kümmern und sie hätscheln konnte, was mir nicht möglich gewesen war. Und da waren auch „Gleichgesinnte“ – andere Thaikatzen, wie man den alten Typ Siamkatze heutzutage nennt. Quasi Seelenverwandte, allesamt feinfühlig. Bei mir hatte Sally es mit einer sehr selbstbewussten und eigenwilligen Hauskatze, Nellie, einer Europäisch Kurzhaar, zu tun, die das sensible Thai-Tier dominierte, worunter es bisweilen litt. Das war ein nicht haltbarer Zustand gewesen, aber ich weinte, als ich die kleine Sally abgeben musste.

Am ersten Abend hatte sie sich unter einem Heizkörper versteckt und mir und dem Rest der Welt die Kehrseite zugewandt, ganz unter dem Motto, das auch Kleinkinder bisweilen verfolgen: „Wenn ich die alle nicht sehe, sehen die mich auch nicht.“ Ich ließ sie in Ruhe, ich weiß, wie es ist, wenn man fremd und unglücklich ist. Sie war abgegeben worden, nach Jahren von ihren Vorbesitzern im Stich gelassen worden. Für eine Siam- oder Thaikatze grauenhaft, da sie – anders, als andere Katzen – sehr personenbezogen sind, weniger ortsgebunden als andere Katzen. Darin, so erzählte mir die Tierärztin, bei der ich wenige Tage später mit Sally aufschlug, ähnelten sie mehr Hunden. Und so litt die arme, kleine Katze unter der Trennung von denen, die sie so schmählich im Stich gelassen hatten. (Umso schlimmer, dass sie bei mir auch nur vorübergehend sein konnte. Mein Trost war, dass sie danach wirklich ein festes Zuhause hatte, wo sie sich auch wohlfühlte.)

Sie kam den ganzen Abend nicht unter dem Heizkörper hervor. Ich hatte ihr etwas zu fressen und zu trinken hingestellt, was ich gegen Nellie noch verteidigen musste. Es fing schon gut an …

Irgendwann ging ich ins Bett, und auch Nellie hatte sich zurückgezogen. Und da ging es los, kaum, dass das Licht ausgegangen war. Ich hörte jemanden unruhig durch die Wohnung irren. Zunächst leise, aber dann ging es los: Wehgeschrei und lautes Klagen waren zu hören. Es zerriss mir fast das Herz – die arme Kleine war so rastlos und unglücklich! Dabei kann man nur schwerlich ruhig im Bett liegenbleiben. An Schlaf war eh nicht zu denken, denn das Klagen einer Siamkatze ist wirklich furchtbar. Furchtbar laut. Ich stand wieder auf und eilte zu dem kleinen Klageweib. Mit ruhigen, freundlichen Worten sprach ich leise auf die Katze ein, die – eng an den Boden gedrückt – ruhelos durch die Wohnung irrte. Ich beschloss, mich im Wohnzimmer in einen Sessel zu setzen und etwas Musik zu hören. Leise, natürlich, denn das Tier musste nicht noch zusätzlich verschreckt werden. Und so hörte ich Eric Clapton. Bei „Lay down, Sally“ kam das kleine Klageweib in meine Nähe, und dann kam es zu mir und sprang auf meinen Schoß! Mit allem hatte ich gerechnet, damit nicht. Und ich sang leise und beruhigend mit, während die kleine Katze sich in meine Arme drückte und leise schnurrte. Da sie einen total bescheuerten Namen hatte, auf den sie laut Aussage der Vorbesitzer eh nicht hörte, bekam sie von mir in dieser Minute einen neuen: Sally. Passte auch zu „Nellie“ (wenngleich es das einzige war, in dem die beiden zusammenpassten).

Fortan war Sally stets in meiner Nähe. Nachts schlich sie immer ins Schlafzimmer, und wurde ich morgens wach, lag stets etwas Pelziges neben meinem linken Bein unter der Bettdecke. Wurde sie dann wach, streckte sie sich erst einmal ausgiebig, und dabei spießte sie mir ihre Krallen ins linke Bein … Aaah! Jeden Morgen dasselbe. Wer danach nicht hellwach ist, ist mit großer Wahrscheinlichkeit tot. 😉

Nellie passte das alles gar nicht. Sally lag abends immer auf meinem Schoß, wenn ich fernsah. Nellie schlich dann immer um uns herum, mit böser Miene. Ihr Blick ein einziger Vorwurf. Einmal setzte ich Sally neben mir auf der Couch ab, stand auf und ging zu Nellie. „Du darfst dich doch auch auf meinen Schoß setzen, aber das willst du ja nie,“, sagte ich zu ihr und streckte meine Hand aus, um sie zu streicheln. Ein Fehler. Denn mit Vorwurf im Blick holte sie blitzschnell aus und verpasste mir eine tiefe Schramme an der Hand. „Siehst du, du bist aber auch eine Kratzbürste!“ sagte ich zu ihr. „Aber ich mag dich trotzdem, und das weißt du auch ganz genau.“ Nellie starrte mich eigensinnig an. Meine Mutter meinte angesichts ihres manchmal etwas sperrigen Wesens mehrfach: „Wie der Herr, so ’s Gescherr.“ Na, danke auch! 😉

Nellie kam immer morgens beim ersten Lichtstrahl zu mir – sehr, sehr angenehm im Hochsommer, wenn es so früh hell wird -, sprang ins Bett, setzte sich neben mein rechtes Ohr und plärrte unentwegt laut: „Miau!“ hinein. Das mir! Ich bin ja bekanntermaßen kein Morgenmensch … Reagierte ich nicht wie gewünscht, fing sie an, an meinen Haaren zu zupfen. Enervierend hoch drei, und meist erhob ich mich dann mit halbgeschlossenen Augen, ging in die Küche und öffnete eine Dose Katzenfutter. Meist irgendeine Sorte mit Fisch. Riecht morgens um 5, halb 6 besonders streng, aber Nellie drehte immer halb durch vor Glück. 😉 Sie lief in Achten um meine Füße, brachte mich nicht selten fast zu Fall, und die Gefahr war erst dann vorüber, wenn ich den Futternapf vor ihr abgestellt hatte. Sie war abgelenkt, und ich konnte unbemerkt wieder ins Bett verschwinden. Ah, wunderbar – schlafen!

„Miau!“ dröhnte es rechts neben meinem Ohr. Was denn nun schon wieder? Hatte ich kein Recht darauf, zu dieser unsäglich frühen Stunde einfach das zu tun, was jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand tun möchte? Offenbar nicht, denn nun wollte Nellie bespaßt und beschmust werden. Ich kraulte sie und spielte mit ihr, und das in der Hoffnung, bald wieder meine Ruhe zu haben und einfach schlafen zu können. Nellie würde sich binnen kurzer Zeit auch wieder zurückziehen, und dann … Doch da! Aus war es mit meiner Hoffnung, denn Nellie hatte Sally unter der Bettdecke entdeckt! Vor Wut kreischend, fauchend und spuckend drosch sie auf ihre Widersacherin ein, die sich ihrerseits mit Zähnen und Krallen zur Wehr setzte. Und ich mittendrin! Zwischen zwei kreischenden und dreschenden Furien, die ohne Rücksicht auf Verluste verbissen-brutal gegeneinander kämpften. Und ich schwöre, die Verluste waren allesamt auf meiner Seite! 😉 Denn noch heute künden zwei kleine Narben an meinem linken Oberschenkel von lange vergangenen Scharmützeln um die Vormachtstellung und meine Gunst … 😉 Das waren richtig tiefe Kratzer gewesen. So wünscht man sich einen Sonntagmorgen …

Das Verletzungsrisiko, das von Katzen ausgeht, ist besonders groß, wenn ein Tierarztbesuch ansteht und unvermeidlich ist. Habt ihr schon einmal versucht, eine Katze in ihre Transportbox zu setzen? Ich gebe euch den guten Rat: Zieht euch Gartenhandschuhe an! Und tragt Oberteile mit langen Ärmeln und auf keinen Fall kurze Hosen oder Röcke! Am besten ältere Klamotten, an denen euer Herz nicht so hängt. Optimal wäre ein Schutzanzug, ähnlich denen, die die Kollegen im Institut für Gießereikunde immer trugen, die mit Magnesium arbeiteten und Gussproben machten. Die sahen immer aus, als wollten sie eine Weltraummission antreten. Ist bei Magnesium aber unumgänglich. Und so etwas wäre für die Verbringung von Katzen in Transportboxen auch angemessen. 😉

Wie oft habe ich daran teilhaben dürfen, an diesem Vorgang, den man gerne hinter sich hat. Auch bei Bekannten hatte ich mehrfach aktiv mitgewirkt, wenn deren Samtpfoten (ha! „Samtpfoten“!) transportfähig gemacht und verpackt werden mussten. Man muss sehr schnell sein und sehr, sehr konsequent. Und unerschrocken. Für sehr schmerzempfindliche Menschen absolut nicht zu empfehlen. Meist sitzt das Tier dann fauchend und schimpfend in der Box, während man selber mit Wasserstoffperoxid oder anderen Wunddesinfektionsmitteln und Verbandmaterial die zahlreichen Scharten an Händen und Armen behandelt, ebenfalls schimpfend. Und nicht selten muss man danach auch die Wohnung wieder aufräumen, denn aus dem Regal herausgerissene Bücher, zerbrochene Tassen und weitere Objekte dieser Art liegen wildverstreut herum und legen Zeugnis ab von einer wilden Flucht in Regale, über Tische und Stühle. 😉

Beim Tierarzt selber habe ich verschiedene Varianten mit Nellie und Sally erlebt. Nellie saß laut schimpfend in der Transportbox, während wir im Wartezimmer warteten. Jeder vorbeilaufende Hund wurde angefaucht und mit den Pfoten bedroht – am liebsten hätte Nellie sie alle zerfleischt. Hätte man sie nur gelassen! 😉 Im Behandlungszimmer quoll sie dann voller Zorn aus ihrem Behältnis, drohte erneut mit den Pfoten und musste gebändigt werden. Ich glaube, die Tierärztin war immer sehr froh, wenn Nellies Behandlung beendet war und sie wieder in ihrem Hochsicherheitsgefängnis saß. 😉

Sally hingegen hatte zwar im Bus auf dem Weg zur Praxis laut geklagt, verstummte aber völlig, sobald wir die Schwelle zur Tierarztpraxis überschritten hatten. Ich nahm im Wartezimmer Platz, stellte den Transportbehälter vor meine Füße. Vorsichtig blickte ich hinein: Ein Paar großer, blauer Augen starrte mich an. Ein gewisser Vorwurf war darin zu erkennen. Doch da! Da kam jemand mit einem großen Hund an der Leine ins Wartezimmer. Der Hund war sehr nervös und stürzte ungebremst auf meine Transportbox zu. Arme Sally! Sie erstarrte komplett und lag danach in der Box, als sei sie eine Statue. Total starr – atmete sie überhaupt noch?

„Nun ja,“, dachte ich, „es hat einen Vorteil. Sie wird sich ganz ruhig aus ihrer Box nehmen lassen, anders als Nellie.“ Aber ich hatte mich geirrt. Sally erwachte wieder zum Leben, als die Tierarzthelferin die Transportbox öffnete und nach ihr griff. Man kann nicht sagen, dass sie um sich schlug oder sonstwie aggressiv geworden wäre. Nein. Ihr Verhalten erinnerte mich eher an Cartoons. Denn sie spreizte alle vier Beine ab und krallte sich von innen an ihrem Transportbehälter fest. Sie wusste genau, dass man sie so nicht herausnehmen konnte! Verbissen und zäh ihre Ehre verteidigend, nicht aggressiv. Sowohl Helferin, als auch Tierärztin mussten lachen. „Das ist ja eine süße Kleine!“ rief die Ärztin, und zu dritt lösten wir behutsam Sallys kleine Krallen von der Transportbox. Leise klagend ließ sie sich dann untersuchen. Und als man sie in den Transportbehälter zurücksetzte, drehte sie uns allen ihre Rückseite zu. Eindeutig gekränkt ob der erniedrigenden Behandlung. Sogar ein Fieberthermometer hatte man ihr in die Kehrseite gesteckt! Mit entsetzter Miene hatte sich die arme Katze danach umgedreht. Demütigend.

Zu Hause verschwand sie zunächst. Sie hatte ihr Gesicht verloren – eins der schlimmsten Dinge für eine Katze. (Ich weiß das, ich bin Sternzeichen Löwe … 😉 ) Aber zum Glück besann sie sich relativ schnell wieder und lag dann beim Fernsehen wieder auf meinem Schoß, leise schnurrend und mir ab und an über die Hand leckend.

Sie mochte mich, daran bestand kein Zweifel. Ich mochte sie auch. So sehr, dass ich ihr eines Tages sogar das Fliegen beibrachte. Das aber eher unfreiwillig. Was war passiert?

Es war ein Sonntagmorgen, und ich war am Samstagabend auf einer Party gewesen. Es war ein langer Abend gewesen. 😉 Aber ich konnte ja ausschlafen. Doch irgendwann wurde ich langsam wach. Etwas stimmte nicht. Ich bekam kaum Luft, wie ich mit noch geschlossenen Augen feststellte. „Zuviel geraucht,“, dachte ich – aber dass das gleich solche Auswirkungen haben würde … Und was war das für ein komisches, brummendes Geräusch? Ich fühlte mich sehr, sehr schlecht, hatte einen offenbar ziemlich heftigen Kater. Ich öffnete mühsam die Augen – und schrie los! Denn meine grünen Augen hatten in ein Paar blauer Augen gestarrt, das sich nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt befunden hatte. Hatte, denn ich hatte mich schwungvoll aufgesetzt und das Wesen, das da auf meiner Brust gelegen hatte, laut und panisch schreiend aus dem Bett befördert, quasi fliegend. Tolle Art, geweckt zu werden – Superidee! 😉

Arme Sally! Sie hatte es doch nur gut gemeint, wollte wohl in meiner Nähe sein und hatte sich auf meine Brust gelegt, sanft schnurrend. Ich hatte die unangenehmen Nebenwirkungen auf einen Kater geschoben – dabei war es eine Katze! Und die hatte ich so schmählich aus dem Bett geworfen, wenn auch nicht mit Absicht. Armes Tier. Zum Glück war sie mir nicht lange böse. 😉

Katzen sind ganz reizende Tiere. Kommt man mit Einkäufen nach Hause, miauen sie schon liebreizend hinter der Wohnungstür, und dann begrüßen sie einen inbrünstig, während man die Einkaufstüten abstellt. Rührend, die kleinen Kerlchen! Doch dann muss man feststellen, dass das eigentliche Objekt des Interesses keineswegs man selber ist, denn sobald die Einkaufstüten auf dem Boden stehen, wird man sang- und klanglos stehengelassen, und die kleinen Köpfe verschwinden neugierig in den Tüten. Es könnte ja Kochschinken darin sein! 😉 Daran muss man sich gewöhnen. 😉

Auch an Kratzspuren, dort, wo sie ihre Krallen wetzen. Meine beiden waren so rücksichtsvoll, das an Stellen zu machen, wo man es nicht so sah. (Netterweise benutzten sie die Tischböcke, auf denen meine Schreibtischplatte lag – ganz oben an den Tischböcken, dicht unter der Tischplatte, waren zahlreiche Scharten.) Es sei denn, man warf sich auf den Bauch. Aber wer macht das schon?

Ein wenig lästig ist es, wenn man am PC sitzt und die Katze gebannt neben dem Monitor kauert und jedes Mal, wenn sich darauf etwas bewegt, gegen den Bildschirm springt und mit den Pfoten nach dem vermeintlichen Lebewesen, das sich da bewegt, schlägt. Das kann ein bisschen nerven. 😉 Auch brauchen sie meist ganz dringend Zuwendung, wenn man gerade am PC sitzt und schreibt. Dauernd latschen sie über die Tastatur, auf der man zu tippen versucht, drücken schnurrend ihre Köpfchen gegen den eigenen Kopf und – stören.

„On handling cats“ schrieb ich. Aber das ist eigentlich falsch. Es müsste heißen: „On being handled by cats“ – „Wie man von Katzen gehandhabt wird“, nicht, wie man sie handhabt. Ich denke, das beschreibt es am besten. 😉

Aber wer könnte ihnen böse sein? Sie sind nun einmal so. Ich konnte jedenfalls nie böse sein – dazu waren sie zu charmant und liebenswert, eindeutig positiv. Und sie beide zusammengenommen waren irgendwie wie meine beiden Seiten, denn jeder Mensch hat ja bekanntermaßen mehrere Seiten oder Nuancen, Facetten. Nellie repräsentierte meine eher vordergründige Seite: lauter, dreister, eher haudegenmäßig wirkend, ein Frotzelkopp und auf ihre Rechte pochend. Manche Menschen halten mich daher für unsensibel. Meine andere Seite, die man nur kennenlernt, wenn man mich genauer beobachtet, wurde durch Sally verkörpert: durchaus sehr sensibel. Vorsichtig darin, wem sie ihr Vertrauen schenkte. Offenbar hatte sie mich aber sehr schnell durchschaut, da sie so schnell zu mir Vertrauen fasste. Mir tut es heute noch weh, dass ich sie nicht behalten konnte. Als hätte ich sie verraten. 🙁

Aber wenn ihr einen angenehmen tierischen Hausgenossen sucht, ist eine Katze nicht verkehrt. Wenn ihr eine ruhige Katze wollt, die nicht viel „spricht“, solltet ihr allerdings keine Siam- oder Thaikatze nehmen, denn die sind sehr, sehr „redselig“. 😉 Nicht jeder mag das … 😉

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