Nein! „Scotty“ hat eine Macke!

Nein, ich meine nicht die Macke, die ich bereits beschrieben habe: dass Scotty, mein silberfarbener Toyota Auris, ein recht eigenwilliges Wesen zu haben scheint und gerne mal zickt (dafür funktioniert das Radio nebst CD-Player wunderbar …). Keine Macke im übertragenen Sinne. Er hat eine richtige, seine erste – und ich habe sie nicht verursacht.

Ich kann von mir nicht behaupten, eine Ordnungsfanatikerin oder gar Pedantin zu sein. Zwar hat mein Ex Giacomo vier Jahre lang versucht, mir seinen ihm eigenen Ordnungswahn und seine Pedanterie anzuerziehen, und doch scheiterte er auf ganzer Linie. Bei mir biss er auf Granit. Pedanterie kann ich nicht leiden, und meinem Wesen ist es nicht eigen, dauernd alles abgezirkelt an seinen Platz zu legen, in exakt abgemessenem Abstand, auf dass es „hübsch ordentlich“ sei. Ich gebe zwar zu, dass das durchaus Vorteile hat, da man auf Anhieb alles wiederfindet, was man bisweilen so sucht, aber ich bin da eben etwas anders. Tausendmal rechnete Giacomo, der einst Mathematik und Informatik studiert hatte, mir minutiös vor, wieviel Zeit ich einsparen könne, würde ich auch alles im dafür bestimmten Behälter, am eigens bestimmten Ort in millimetergenauen Abständen und nach einem gewissen System einordnen – er arbeitete damals als Programmierer -, aber ich nannte das unkreativ, phantasie- und geistlos und behauptete, lieber suchte ich bisweilen, gern auch länger, bevor ich mir solch ein Ordnungswahnsystem eigen machte. Und die Zeitersparnis sei es nicht wert, wenn ich, mich an das Wahnsystem gewöhnen müssend, irgendwann selber dem Wahnsinn anheimfiele und unter Haarausfall litte, da ich dauernd entnervt an meinen Haaren risse, weil mich Pedanterie schlichtweg total porös macht und ich dann mit diversen Übersprunghandlungen reagiere (Reißen an den Haaren, Fluchen etc.).

Ich finde im Grunde auch immer alles wieder, was ich suche, nur dauert es manchmal ein wenig länger. Aber die Suche hat so viele wundervolle Überraschungen in petto! Denn manchmal finde ich Dinge wieder, die ich lange verloren wähnte! 😉 Und das ist dann so, als habe man diese Dinge gerade eben neu geschenkt bekommen – unbezahlbar. 😉

Dabei hat auch bei mir alles seinen Platz. Nur wechseln bisweilen die Plätze. 😉 Und da ich stets in Gedanken und zuweilen etwas hektisch bin, merke ich mir die neuen Plätze eben nicht immer.

Was ich aber gar nicht leiden kann, sind Schäden an Dingen, an denen mein Herz hängt …

Heute früh schleppte ich mich gegen 6:45 h aus dem Haus. Seit ich Scotty mein eigen nenne, bin ich immer sehr früh bei der Arbeit. Ich will mich nicht um einen Parkplatz streiten müssen, nur, weil ich so spät bei der Arbeit eintreffe, dass bereits fast alle besetzt sind. Und ich bin noch etwas vorsichtig beim Fahren. Speziell beim Ein- und Ausparken. Außerdem habe ich eine horrende Summe an Minusstunden … 😉

Ich hatte etwas weiter vorne in der Straße geparkt, in einer Parkbox und im 90-Grad-Winkel zur Straße. Zur sehr engen Straße, an deren Seite auch Autos parken. Als ich den Wagen gestern schwungvoll, aber sehr gerade eingeparkt hatte, hatte schräg hinter mir auf der anderen Seite der – wirklich sehr schmalen – Straße ein Transporter gestanden, was ich bereits mit etwas Sorge betrachtet hatte, zumal hinter ihm noch Platz war. Hoffentlich würde niemand noch hinter ihm parken …

Aber als ich heute früh bei meinem Auto ankam, sah ich zu meinem Entsetzen, dass nicht nur meine Nachbarn zur Rechten, wie zur Linken gewechselt hatten. Die von gestern hatten in gebührendem Abstand gestanden. Die neuen Nachbarn, ein BMW und ein Opel, aber schienen meinen kleinen Scotty wohl so sehr zu mögen, dass sie sich quasi an ihn schmiegten. Aber es kam noch schlimmer: Hinter dem Transporter, den ich eingangs erwähnte, stand ein weiterer Transporter! Groß und breit und die ohnehin schon sehr enge Straße hinter mir noch weiter verschmälernd. Es war auch für versiertere Fahrer als mich eine wirklich ziemlich enge Situation.

Vorsichtig öffnete ich meine Fahrertür, ganz, ganz vorsichtig, da der linke Nachbar so dicht danebenstand. Der rechte, der Opel, noch dichter. Ich hoffte, dass ich trotz der Enge auf normalem Wege würde einsteigen können – ansonsten hätte ich den Weg über den Kofferraum nehmen müssen. 😉 Und wer macht das schon gern? 😉 Ich habe zwar einen Fünftürer, aber die hinteren Türen waren nicht weiter zu öffnen als die vorderen … Hätte ich mir die linke hintere Tür da nur mal angesehen! Aber es war noch früh am Tage …

Wie ein Schlangenmensch schlängelte ich mich hinters Lenkrad und warf meine Tasche auf den Rücksitz. Schnallte mich an, trat aufs Bremspedal und ließ den Motor an. Eric Clapton fing sofort an, seine Meinung kundzutun und sang „Knockin‘ on Heaven’s Door“. Ich liebe dieses Lied, aber es erschien mir in meiner derzeitigen Situation irgendwie unpassend. 😉 Dann in den Rückwärtsgang geschaltet und vorsichtig zurückgesetzt, wobei ich das Lenkrad nach rechts einschlug. Ein mit „Knockin‘ on Heaven’s Door“ wenig harmonierendes Geräusch ließ mich aufmerken – ein Piepsen. Stimmt! Scotty hat ja eine Ein- bzw. Ausparkhilfe serienmäßig! Zumindest hinten. Vorn nicht. Und die fing erstaunlich schnell zu piepsen an – kein schönes Geräusch morgens um 6:49 h. Zumal sie immer intensiver und lauter wurde. Ich bremste, stellte den formschönen Wählhebel auf „Vorwärts“ und fuhr in die Ausgangsposition, dabei so weit nach links einschlagend, wie es vertretbar war. Dann wieder auf „Reverse“, rechts eingeschlagen, erneut zurückgesetzt. Piep-piep-piep – wir haben uns alle lieb! Ich fluchte ein bisschen, fuhr wieder vorwärts, dabei so einschlagend, dass ich in einem günstigeren Winkel ausparken konnte. Wie ich hoffte. Allerdings schwebte vor meinem geistigen Auge ein Bild von einem Kran, der meinen kleinen Scotty aus der Parklücke hob … 😉 Außerdem projizierte mein geistiges Auge meinen Kollegen Michael und den Ex-Kollegen Chuck, wie sie beide gesagt hatten: „Ali, kauf dir doch einen Smart – da hast du nie Probleme mit einem Parkplatz.“ Und Chuck hatte noch gesagt: „Oder einen Mini. Der passt zu dir.“ Und ich erinnerte mich, wie ich verächtlich gesagt hatte: „Ich will ein Auto und kein Spielzeug!“ (Obwohl der Mini zu meinen Lieblingsautos zählt … 😉 )  Jaja, Hochmut kommt vor dem Fall … Ich habe dieses Sprichwort schon immer gehasst. Aber es ist eindeutig etwas Wahres dran. 😉

Alternativ war ich kurz davor, den Wagen einfach wieder in seine Parkposition zu bringen, abzuschließen und zur Straßenbahn zu gehen. 😉 Aber wer wäre ich denn, wenn ich feige einfach die Flinte ins Korn werfen würde! Mit wenig schönen Gedanken, den Transporter-Besitzer betreffend, ich gebe es zu, rangierte ich mit Todesverachtung erneut – und es klappte. War aber wirklich eine Sache von wenigen Zentimetern. Immerhin „schrie“ die Ausparkhilfe nicht so penetrant, und ich atmete auf, als ich so auf der Straße stand, dass ich losfahren konnte.

Immerhin war ich nun richtig wach, und ich sang laut mit Eric Clapton mit: „Lay down, Sally and rest you in my arms / Don’t you think you want someone to talk to? / Lay down, Sally, no need to leave so soon / I’ve been trying all night long just to talk to you.”

(Ich mag auch dieses Lied. Es ist dafür verantwortlich, dass eine der beiden Katzen, die ich in den 90ern in Aachen gehabt hatte, eine Thaikatze, ein echter Notfall, den Namen „Sally“ von mir bekam, da sie in der ersten Nacht bei mir so unruhig gewesen war, dass ich schon fast verzweifelte, weil sie so laut und ebenfalls verzweifelt schrie. An Schlaf nicht zu denken, und so stand ich wieder auf, versuchte, das Tier zu beruhigen und schaffte es mit Hilfe von Eric Claptons „Lay down, Sally“. Da kam die kleine Verzweifelte zu mir, schmiegte sich in meine Arme und fing sachte zu schnurren an, während ich das Lied leise mitsang. Schon hatte das treue Tier seinen Namen und ich eine Katze, die wie Pech an mir klebte. Eine echte Seele von Tier, und mir tut es heute noch weh, dass ich sie nicht behalten konnte, obwohl ich es gerne wollte. 🙁 )

Problemlos zur Arbeit gekommen, obwohl ich mich immer wieder frage, warum um alles in der Welt andere Autofahrer wie wild drängeln müssen, obwohl die Höchstgeschwindigkeit 50 ist und auf der Strecke ein Blitzer! Sorry, aber da fahre ich nicht schneller. Sonst gern. Aber wenn ich weiß, dass da ein Blitzer steht, sollen sie mich auf der zweispurigen Straße gern überholen – ich bleibe bei 50. 😉 So wurde dann auch ein Fahrer, der mich ungeduldig überholt hatte, geblitzt. Selber schuld. Ich fahre auch gern schneller, aber doch nicht da, wo ich weiß, dass ich mit einiger Wahrscheinlichkeit geblitzt werde. Oder? 😉

Bei meinem Arbeitgeber parkte ich auf dem Parkplatz, schloss den Wagen ab und strebte meiner anspruchsvollen Arbeit zu. 😉 Um 7:10 h habe ich mich eingestempelt.

Um 16:40 h habe ich mich ausgestempelt und bin nach Hause gefahren. Vor dem Haus parallel zum Bordstein ein prächtiger Parkplatz – sofort okkupiert! 😉 Als ich ausstieg und die linke hintere Tür öffnete, um meine Tasche vom Rücksitz zu klauben, sah ich dann, dass die linke, hintere Tür beschädigt war! Mir blutete das Herz! Ich war das nicht gewesen – ich denke, mir hat einer eine Tür in meine Seite gehauen. Ich bin immer sehr, sehr vorsichtig beim Öffnen der Türen, gehe mit Autos ohnehin um wie mit rohen Eiern. Und nun blutete mir wirklich fast das Herz, als ich sah, was passiert war. Es ist ein geringer Schaden, aber es ärgert mich. Wahrscheinlich war da jemand, der noch wurschtiger ist als ich und der einfach seine Tür trotz geringen Abstands aufgerissen hat, ungeachtet der Tatsache, dass andere Leute vielleicht weniger wurschtig mit ihrem Eigentum umgehen. Da bin ich nämlich tatsächlich heikel. Bücher und Musikinstrumente würde ich nie verleihen. Bücher nicht mehr, zu viele schlechte Erfahrungen. Musikinstrumente per se nicht. Und bei Autos bin ich offenbar ähnlich heikel. 😉

Nun ja.  Es ist hier auf der Straße so eng, dass damit zu rechnen war. Immerhin bin ich nicht diejenige, die verantwortlich ist. Aber ein bisschen weh tut es schon. Ich fange an, Menschen, meist Männer, mehr zu verstehen, die die Krise kriegen, wenn jemand ihrem liebsten Kind, dem Auto, zu nahe getreten ist. Irre. Ich lerne mich ganz neu kennen. 😉

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