Mein herkömmlicher „Carrier“ hat eine Kundin verloren

Da ich Zugfahren hasse, bin ich bis dato in meine „Heimat No. 2“ immer geflogen. Ergo gen Nürnberg. Die Airline, mit der ich flog, gehörte und gehört eher dem Billigsektor an und ist nach der Bundeshauptstadt benannt. Bis auf einige Petitessen war ich bis dato immer einigermaßen zufrieden. Sie war auf alle Fälle günstiger und schneller als die Deutsche Bahn AG, und ich reise meist eher kurzfristig gen Bayern bzw. Franken. Kurzentschlossen und nur für kurze Zeit. Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, hier falle mir die Decke auf den Kopf. Wenn ich mal weg muss. Da muss der Wechsel schnell sein, und lange Zugfahrten eignen sich da nicht. Ein kurzes Eintauchen in eine eher unbeschwerte Mentalität muss her – was bietet sich da mehr an als Fliegen? 😉 (Ja, ich weiß, auch in Franken gibt es Beschwerliches, denn da leben auch Menschen – aber für einen Tapetenwechsel ist Franken einfach nur mehr als geeignet. Schon der Küche wegen. 😉 )

Ich buchte also letzte Woche sehr kurzentschlossen ein Hotel in Bamberg. Für zwei Nächte über Ostern. Meine Eltern haben zwar eine Wohnung dort, und sie hätten mich auch aufgenommen, aber zwei, drei Nächte auf der Couch? Hmmm … Und meine Eltern wollen auch ihre Ruhe. Und ich bin gerne unabhängig.

Ich wurde fündig im Hotel „Central“, unweit der Wohnung meiner Eltern mitten in der Stadt. Als die Unterkunft gesichert war, suchte ich nach einem Flug gen Nürnberg. Wurde fündig und buchte. Da ich die Airline kannte, machte ich den Fehler, nicht das Kleingedruckte zu lesen. Denn offenbar hat sich einiges geändert, wie ich nach erfolgter Buchung dann feststellte. Inklusive nur ein vergleichsweise kleines Handgepäckstück. Stornierung des Fluges aber nur gegen Geld. Da ich – ich gebe es zu – nicht in der Lage bin, drei Tage mit kleinem Handgepäck von maximal 6 kg Gewicht zu verbringen, musste ich heute für 15,- Euro meinen kleinen Trolley nachbuchen. Schon die Sitzplatzreservierung hatte hin und rück mit 30,- Euro unverschämt zu Buche geschlagen. Aber ich habe gern einen festen Sitzplatz und lasse mich ungern plazieren. Eine meiner Eigenheiten. Aber die Reservierung war auch ganz plötzlich unverschämt teurer geworden, was ich zähneknirschend akzeptierte. Nun aber auch noch dieser Gepäck-Aufpreis – das war frech!

Ich kenne mich. Ich habe in Bamberg einige Präferenzen, Geschäfte betreffend. Zum Beispiel wäre da mein Lieblings-Antiquariat, kurz hinter dem Alten Rathaus gelegen, das mitten in der Regnitz steht. Jedes Mal gehe ich an diesen magischen Ort, der wie eine uralte Bibliothek wirkt: Knarrende Dielen mit abgetretenen Teppichen, überall Stufen, Schwellen und Stolperfallen, mannshohe Bücherregale, echte Schätze darin. Nicht allenthalben, aber oft entdeckt man Spannendes, das man, wenn erschwinglich, unmöglich dort stehenlassen kann. 😉 Ich komme aus Bamberg immer mit diversen Büchern zurück. Das Antiquariat ist stets wie eine Wundertüte, eine Überraschung, und dem konnte ich als Kind schon nicht widerstehen. Und ich bin ein Bücherwurm. 😉 Und habe ein Faible für Antiquariate. Die alten Bücher sind viel spannender als neue. Wer mag darin gelesen haben? Was für Schicksale verstecken sich dahinter?

Es gibt diverse Antiquariate in Bamberg. Eines – nicht weit von meinem Favoriten entfernt – hat mich schon als Kleinkind mit außergewöhnlichen Büchern versorgt: das Antiquariat „Murr“ an der Unteren Brücke. Da war eine sehr gute Freundin meiner Oma werktätig, die Tochter des Firmengründers, deren Bruder das Antiquariat übernommen hatte. Tante Beate brachte Stephanie und mir immer wieder Bücher mit. Als wir klein waren, waren es Kinderbücher, die nicht jeder hatte. Je älter wir wurden, desto anspruchsvoller das Programm. Mit 14 bekam ich ein Buch von Tante Beate, das mich faszinierte, obwohl es nicht dem entsprach, was man mit 14 so liest. Ich hatte auch erst einige Anfangsschwierigkeiten, aber dann las ich es in einem durch, damals im Sommer im „Neptun“, dem Freibad und Schwimmverein, in dem Oma Mitglied war und man nicht nur schwamm, sondern auch so etwas wie eine gewisse Bräune erwarb. Ich vor allem Sommersprossen. 😉 Es war von Selma Lagerlöf. Und es war nicht „Nils Holgersson“. 🙂 „Eine Herrenhofsage“ hieß es, und es steht noch heute in einem meiner Bücherregale. Ebenso der Band „Schwedische Märchen“, auch ein Geschenk Tante Beates einige Jahre zuvor. Im Grunde war Tante Beate „schuld“ an meiner Vorliebe für Skandinavien und – weitestgehend – auch Literatur. Das war zwar in meiner Familie auch wichtig, aber Tante Beate leistete dem Ganzen entscheidenden Vorschub. 😉

Dennoch suche ich meist das andere große Antiquariat auf, denn „Murr“ ist vor allem auf alte Kupferstiche spezialisiert. Und da komme ich eben meist mit einer Vielzahl Büchern wieder heraus – unmöglich mit nur kleinem Handgepäck! 😉

Und dann soll ich meiner Kollegin Janine eine Flasche „AEcht Schlenkerla Rauchbier“ mitbringen. Eine Halbliter-Glasflasche mit Inhalt. Geht nur in einem Trolley. Außerdem plane ich, für mich neben Büchern auch noch anderes mitzubringen: Gelbwurst, zum Beispiel. Gibt es hier nicht, ist seit Kleinkindzeiten meine Lieblingswurst. Oder „a Virddala“, ein Viertel dieses wundervollen Bauernbrots, wie es in den kleinen Bauerndörfern um Bamberg herum gebacken wird. Ich hasse ja normalerweise Kümmel als Gewürz. Es ist komplett inkonsequent, aber in diesen annähernd wagenradgroßen, runden Bauernbroten mag ich ihn. Es kommt wohl – wie so oft – auf den Kontext an. 😉

Ein weiteres echtes Bamberger Produkt, das ich sehr liebe, kann ich nicht mitbringen, denn das kann man nur frisch essen: „a echt’s Bambercher Hörnla“, ein Hörnchen aus Plunderteig mit viel Butter, einem Croissant ähnlich, nur viel besser. Ich habe schon sehr gute Croissants in Frankreich gegessen, aber keines kam an ein „Bambercher Hörnla“ heran – das muss man selber probieren. 🙂 Das erste „Hörnla“ kaufe ich mir immer, wenn ich in Bamberg am Bahnhof ankomme, von Nürnberg kommend, wo ich mit dem Flieger gelandet bin. Das kann man nicht „exportieren“, da es nur frisch schmeckt.

Wie auch immer: Ich brauche meinen Trolley, und ich bin richtig sauer, dass ich dafür 15,- Euro Aufpreis zahlen muss, seit neuestem. Frechheit! Und weiß der Henker, was meine Mutter mir wieder alles mitgibt. Sie weiß um meine kulinarischen Vorlieben, da ich diesbezüglich eindeutig süddeutsch geprägt bin. Beim letzten Mal reiste ich mit einer eingeschweißten Portion „Blaue Zipfel“ zurück: fränkischen Bratwürsten, in einem Sud aus Essig, Wein, Karotten, Zwiebeln und Wacholderbeeren eingelegt, die ich zu Hause nur noch erwärmen musste. Hatte ich schon mehrfach selber zubereitet, was aber erheblich aufwendiger war. Klingt nach einem komischen Gericht, nicht wahr? Schmeckt aber hervorragend. Solltet ihr je auf die Idee kommen, das Ganze mal zu probieren: Haltet nie beim Garvorgang eure Nase über den Topf! Der stechende Sud wird euch die Tränen in die Augen und die Nase treiben. 😉 Aber es schmeckt hervorragend, was sogar mein Ex Giacomo sehr überrascht meinte, der zunächst sehr skeptisch zugesehen hatte, was ich da anfertigte und sich über den intensiven Essig-Wein-Geruch in seiner Wohnung beschwerte. 😉

Eine Sache, die mir hier sehr fehlt, kann ich auch nicht mitbringen: Karpfen. Ich bin ein eingeschworener Karpfen-Fan, aber den kann ich nur essen, wenn ich in Franken bin. Hier grenzt es an Hohe Kunst, einen akzeptablen Karpfen zu bekommen. Aber so weiß ich wenigstens, was ich am Ostersonntag essen werde: Karpfen blau. 😉 Und wieder werde ich mit den zahllosen widerspenstigen Gräten kämpfen, die solch ein Fisch enthält. Egal – das ist es wert. 🙂

Vielleicht bringe ich auch noch einen Bocksbeutel mit. Frankenwein. In jedem Falle brauche ich meinen Trolley, und ich habe einen ziemlichen Hals auf die Airline, die seit neuestem eine Gebühr für normales Gepäck erhebt. Und ich habe beschlossen, mit denen nie wieder zu fliegen. Vielleicht ein Ansporn, mich mit „Scotty“ doch mal auf die Autobahn zu begeben. Natürlich nur im Sport-Modus, mit dem es sich viel komfortabler fährt. 😉

Aber erst einmal fliege ich am Samstag um zehn vor 9 morgens von Düsseldorf Richtung Nürnberg. Und ich weiß schon jetzt, dass ich auf dem Rückflug in Nürnberg den Duty-free-Shop aufsuchen werde … Hoffentlich hat der nicht wieder Inventur … Das wäre nicht auszudenken. 😉

Am Donnerstag werde ich mir abends das typische Bamberger Gründonnerstags-Essen machen: Spiegelei mit Salzkartoffeln und Spinat. Als Kind gehasst, heute geliebt – so ändert sich der Geschmack. Und die Bundeshauptstadt-Airline kann mich dann auch mal – ich freue mich jedenfalls auf Bamberg! 🙂