„Scotty“ ist da! Und mein Handy auch wieder … ;-)

Ich muss es leider gestehen: Letzte Nacht habe ich ein wenig unruhig geschlafen. Wenn ich denn schlief. Ich war doch etwas nervös wegen der Abholung meines Autos. Ihr werdet das sicherlich nicht so ganz verstehen, aber – ich muss es wiederholen – für mich ist es wirklich etwas Besonderes, nach so langer Zeit, in der ich mich mit allen vier Extremitäten gegen das Fahren sträubte, selber zu fahren. Noch dazu mit einem eigenen Auto, das meiner in Recklinghausen harrte.

Meine Eltern hatten sich netterweise bereiterklärt, mich dorthin zu bringen, und ich bat meinen Vater, auf der Rückfahrt mit mir zu fahren. Natürlich auf dem Beifahrersitz – fahren wollte ich schon selber. Und so wurde ich gegen 11:15 h abgeholt, und wir fuhren nach RE.

Dort wartete bereits der Autoverkäufer, und ich sah mit einem Blick auch meinen Wagen. Schick sah er aus mit den neuen Nummernschildern, zugelassen und alles fix und fertig. Allerdings parkte er in einer sehr ungünstigen Position auf dem sehr, sehr engen und vollgestellten Hof, und ich betrachtete das Ganze mit Argwohn, bereits darüber sinnierend, dass ich da ja wohl ziemlich rangieren und dann erst einmal „ausholen“ müsse, um aus der Parklücke zu kommen, ohne gleich mehrere andere Fahrzeuge und – ganz schlimm – mein eigenes zu demolieren. Nicht gleich am ersten Tag, bitte. Am besten gar nicht, aber erst recht nicht am ersten Tag …

Herr F., der Verkäufer, freute sich, uns zu sehen, und er erteilte mir erst einmal eine kleine Einweisung. Okay, Blinker, Lichthupe waren am gewohnten Platz am linken Hebel, und – im Gegensatz zu Herrn F. – ich entdeckte auch relativ schnell, wo man Nebelscheinwerfer und -schlussleuchte aktivieren kann, wenn es einmal nötig sein sollte. Ha! Von wegen: „Frauen und Technik“! 😉 Rechter Hebel, wie gewohnt: Scheibenwischer vorn und hinten. Wo man Stand- und Abblendlicht, auch wichtig, einschaltet, entdeckte ich auch sofort. Links vom Fahrersitz am Boden dann der Schalter für den Tankverschluss. Links vorne unten – da, wo ich es auch „gewohnt“ war, der Griff zum Öffnen der Motorhaube. Die Schalter für die elektrischen Fensterheber seitlich innen an der Fahrertür. Und dann noch – vor dem linken Knie quasi – die Regler für die Einstellung der beiden Außenspiegel. Ging doch alles! 😉

Ein Blick unter die Motorhaube, den wir schon bei der Erstbesichtigung getätigt hatten, zeigte dann auch, dass der Wagen in der Tat gerade im Zuge des Kaufs und des Kundenservice frisch über den TÜV gegangen war – sehr schön. Und erfreulicherweise war auch ein Ölwechsel vorgenommen worden. Prima – der Heimfahrt stand fast nichts mehr im Wege. Aber da erklärte Herr F. mir noch die Getriebeautomatik. Denn die ist – anders als beim Audi und dem Wagen meiner Eltern – kein gängiges Automatikgetriebe, sondern eher eine Art Fake, denn es handelt sich um ein automatisiertes Schaltgetriebe. Mir wurscht, Hauptsache, ich kleine Hektikerin muss nicht selber schalten. 😉 Ich kann es zwar, aber ich mag es nicht, auch wenn ich nach meiner Fahrprüfung ausschließlich Schaltwagen gefahren hatte. Ich gehöre zu den Menschen, die – einmal mit einer Automatisierung gefahren – keinen Lustgewinn daraus ziehen, mit einem Schaltknüppel herumzuhantieren, selbst wenn in Übung. Ich will von A nach B und keine Wissenschaft daraus machen. 😉

Wie gesagt: Der Heimfahrt stand – fast – nichts mehr im Wege. Bis auf das Ausparken. Aber ich bin nicht auf den Mund gefallen und genierte mich keineswegs, Herrn F. zu bitten, mir das Auto auszuparken. Das tat er auch, nachdem ich Sitz, Spiegel und Lenkrad auf meine anatomischen Gegebenheiten eingestellt hatte. Zum Abschied drückte er meinen Eltern die Hand. Mich riss er gar in seine Arme, drückte mich begeistert und wünschte mir „allzeit gute Fahrt“. Huch! Was hatte ich getan, dass ich diese Sonderbehandlung verdiente? 😉

Schnell stiegen mein Vater und ich in den Wagen, während meine Mutter ihren Wagen holte. Wir mussten auf sie warten, da sie hinter uns herfahren wollte. Mehr oder minder geduldig wartete ich an der Ausfahrt des Autohauses, bis ich sie angefahren kommen sah. Dann blinkte ich links, tastete mich vor, und da war auch gerade sowohl rechts als auch links alles frei, und ich nahm den Fuß von der Bremse, gab Gas und bog vor meiner Mutter, die mich sinnvoller- und netterweise vorließ, auf diese recht enge, hässliche und recht starkbefahrene Straße ab. Baustellen, verengte Fahrspur – natürlich auf meiner Seite … Als hätte es jemand extra für mich als kleine Übung bestellt! 😉

Es war nach „Walpurga“ mit ihrer schönen, stufenlos agierenden Automatik eine kleine Umstellung, mit dieser MultiMode-Automatik zu fahren. Man gibt Gas, und die Automatik scheint zu überlegen, was nun zu tun sei. Erst einmal scheint wenig zu geschehen, und man fragt sich: „Ziehen wir heute noch einmal?“ Und just in diesem Moment des Zweifels beschließt die Automatik dann: „Jetzt!“ Und dann zieht der Wagen. Und wie! 😉 Beim Anfahren hatte ich mich nämlich gefragt, wo sich die 124 PS wohl versteckt hätten – nun wusste ich es. Hui! 😉 Mein armer Vater griff hektisch nach dem Haltegriff rechts seitlich über seinem Kopf, ich nahm lieber den Fuß etwas vom Gas. Und dann musste ich ohnehin bremsen, denn die nächste Ampel war rot. „Hast du etwa Angst?“ fragte ich meinen Vater, der tapfer meinte: „Aber nein!“ Um ihn abzulenken, pries ich das Lenkrad, das total gut in den Händen liege!

Wir mussten durch das Zentrum von RE, und da war heute eine Menge los. Ich fuhr tapfer, es blieb mir ja auch nichts anderes übrig. Wann immer ich anfuhr und dann beschleunigte, legte die Automatik ihre kleine Meditationsphase ein, um dann plötzlich zu schalten. Gewöhnungsbedürftig, aber ich hatte mich vorher schon im Internet schlau gemacht und wusste, dass das so ganz normal für dieses automatisierte Getriebe sei. „Heute schon genickt?“ fragte ich meinen Papa beim nächsten Anfahren und Beschleunigen und meinte: „Eigentlich klasse. Man muss nicht selber schalten, hat aber bisweilen dieses Schaltwagen-Gefühl. Ich muss mich noch etwas dran gewöhnen, aber sonst und alles in allem fährt er sich angenehm.“

Papa hatte gesagt, wir brauchten das Navi gar nicht – er kenne den Weg genau. Ich glaubte ihm, weil mein Vater ein sehr gründlicher Mensch ist. Er ist aber inzwischen auch schon etwas älter. Und so begab es sich, dass ich heute die krasseste Übungsstunde überhaupt hatte! 😉 Mein Vater sagte mir nämlich erst, wenn es schon fast zu spät war: „Da vorne müssen wir links abbiegen!“ – „Was? Wie? Da muss ich doch auf die andere Spur! Warum sagst du mir das denn nicht eher?!?“ Und ich setzte den linken Blinker, blickte in alle notwendigen Spiegel, vergaß auch den Schulterblick nicht, und netterweise ließen mich auch alle, die bereits auf der richtigen Spur waren, einscheren.

Nach dem dritten Mal hatte ich den kalten Schweiß auf der Stirn stehen … Würde ich wirklich unbeschadet nach GE kommen? Irgendwann verloren wir auch noch meine Mutter … 😉 Und fuhren in die völlig falsche Richtung, denn mein Vater hatte irgendwann gesagt: „Oh! Da hätten wir gerade links abbiegen müssen …“ – „Super, Papa! Wie war das noch: ‚Keine Sorge, ich kenne den Weg wie meine Westentasche‘?“ – „Kein Problem, Alilein! Einfach links einordnen, und dann fährst du, wenn die Ampel grün ist, ganz einfach eine Haarnadelkurve. Es muss nur recht schnell gehen.“ Ich gebe zu, U-Turns sind kein Problem für mich, aber ich hatte mir meine Heimfahrt doch etwas weniger hektisch vorgestellt, und so meinte ich zu meinem Vater: „Jeannette meinte, ich müsse entschleunigt werden – und nun praktiziere ich hier Kamikaze!“ Mein Vater entgegnete knochentrocken: „Kamikaze sollte für ein japanisches Auto ja kein Problem sein.“ Toll. Nur bin ich keine Japanerin … 😉

Die Ampel wurde grün, ich gab Gas, fuhr ein Stück vor und schlug das Lenkrad im Rollen bis zum Anschlag links ein, und das so schnell, wie möglich. Die Reifen quietschten ein wenig, aber im Handumdrehen war ich auf der richtigen Seite und der richtigen Spur. Papa meinte: „Der hat aber einen schönen Wendekreis“, während mir der kalte Schweiß fast in die Augen rann. Als Kontaktlinsenträgerin nicht ganz so angenehm. 😉 Tapfer fuhr ich weiter und bog dann bei der nächsten Möglichkeit rechts ab. Aber was für eine Scheiß-Kurve! Kam mir fast spitzwinklig vor – das Adrenalin hatte gar keine Chance, abgebaut zu werden. 😉 Zwischendurch rief meine Mutter an – wo wir denn eigentlich seien!

Irgendwann trafen wir einander wieder und fuhren dann Richtung GE. Und das zügig. Tempo 80 war auf einem großen Stück als Höchstgeschwindigkeit vorgesehen – ich fuhr 100. Zum Glück fiel es mir auf, und – noch mehr Glück! – es war kein Blitzer an der Strecke. Jeannette hätte mir beide Ohren abgerissen, mein Vater sagte kein Wort. Offenbar entstamme ich einer ganzen Dynastie von Rasern … 😉 Nein, nicht wirklich, aber zumindest meine Mutter, meine Schwester und ich fahren ziemlich „dynamisch“.

Endlich waren wir in meiner Straße angekommen, und ich parkte den Wagen ein. Zum Glück gab es noch einige freie Plätze. Da meinte mein Vater: „So, Ali – Mama und ich wollten dich gern noch nach Schloss Berge einladen, zum Kaffeetrinken.“ Das war ja lieb – eigentlich hätte ich sie einladen müssen, und das sagte ich auch, aber mein Vater meinte, nein, sie würden mich gern einladen – keine Widerrede.

Muttern parkte weiter vorn parallel zum Bordstein, kurz vor dem Haus, in dem ich wohne. Aha! Sie blockierte einen Parkplatz für mich, die hier bisweilen Mangelware sind. 😉 Ich hingegen parkte wieder aus, mein Vater setzte sich nach hinten, meine Mutter nahm auf dem Beifahrersitz Platz, und dann fuhren wir, weil es mir sinnvoll erschien, testhalber den Weg zu meiner Arbeitsstelle. Auf dem Rückweg bzw. dem Weg nach Schloss Berge beschloss ich, noch zu tanken. Kein Problem, am Nordring liegt ja in Fahrtrichtung eine Avia-Tankstelle, in deren Einfahrt ich auch abbog. Es ging leicht bergauf, und ich – an die stufenlose und echte Automatik des Fahrschul-Audis gewöhnt – gab Gas. Hui! Der Wagen bockte, der Motor heulte auf, und ich hatte binnen diesem Sekundenbruchteil gelernt, dass man das mit ihm nicht machen könne. Er erinnerte mich an ein Schulpferd, das ich früher mehr mit Hängen und Würgen geritten hatte … Doch dazu später.

Schnell vollgetankt, ging es problemlos mit dem Wagen weiter nach Schloss Berge. Dort gab es Kaffee und sehr leckere Himbeer-Joghurt-Torte. Anschließend fuhr ich meine Eltern zu ihrem Auto, und praktischerweise konnte ich den freiwerdenden Parkplatz sogleich übernehmen, nachdem ich mich von meinen Eltern verabschiedet hatte. Dann sah ich, dass vor dem vor mir parkenden Wagen noch eine Lücke war, und ich parkte dann lieber dort, näher an meinem Haus. Ich musste mehrfach rangieren, bis der Wagen so in der Lücke stand, wie ich es wollte. Aber es klappte.

Zu Hause angekommen, wollte ich Jeannette eine Nachricht per WhatsApp schicken, dass alles gutgegangen sei. 😉 Sie hatte gestern gemeint: „Alles wird prima laufen, Ali. Du musst dir keinen Kopp machen. Schick mir doch eine Nachricht über WhatsApp, wenn du deinen kleinen Silberpfeil ganz souverän nach Hause gefahren hast.“ Das wollte ich tun. Und ich suchte mein Handy. Ich fand es nicht in meiner Tasche. Ich rief es mit meinem Festnetztelefon an. Ich hörte … nichts. Mir wurde siedend heiß. Ich hatte mein Handy verloren! Auto gewonnen, Handy verloren – wie gewonnen, so zerronnen …

Schnell zu meinem Auto gerannt und dort alles abgesucht. Auf der Rückbank, wo meine Tasche, offen, gestanden hatte, lag es nicht. Im Fußraum auch nicht. Großer Mist! So ein Smartphone verliert man nicht gern. Ich rief meine Eltern an und fragte, ob sie mal in ihrem Auto nachsehen könnten. Die Begeisterung meiner Mutter hielt sich in Grenzen, aber sie sah nach. Und wurde fündig! Es war mir wohl aus der Tasche gerutscht und – so typisch für mich! – in eine schmale Ritze im Rücksitzpolster gerutscht, von wo es in den Kofferraum weitergerutscht war. Zum Glück hat meine Mutter es gefunden. Und nun werde ich wohl morgen nach D. fahren müssen. Aber ich wollte morgen ohnehin ein bisschen fahren – ich muss mich an den „kleinen Silberpfeil“ und seine Besonderheiten ja gewöhnen.

Einen Namen hat er auch schon. Ich habe ihn Scotty getauft, da er mich – siehe oben – an ein ziemlich eigenwilliges Schulpferd dieses Namens aus meiner Zeit als Reitschülerin erinnert. Der echte Scotty – ein Schimmel, natürlich! – biss und schlug, wenn man ihn falsch anpackte. (Mich hat er nie gebissen, hat nie nach mir geschlagen, weil ich großen Respekt vor ihm hatte und freundlich mit ihm umging. Ein wenig schüchtern war ich eher, und das honorierte er, indem er mich aufmunternd anstupste und alles in allem sehr freundlich und lieb mit mir umging.) Beim Reiten überlegte er jedoch stets dreimal, ob er die Schenkel-, Zügel- und Gewichtshilfen auch tatsächlich akzeptieren solle, wenn man noch nicht so in Übung war. Kam er dann zu dem Schluss, dass ihm kein Stein aus der Krone falle und er der kleinen Ali da auf seinem Rücken doch mal eine zünftige Lehrstunde erteilen müsse, raste er los! 😉 Ich sehe gewisse Parallelen zu meinem Auto. 😉 Und somit heißt der „kleine Silberpfeil“ nun Scotty. 🙂

Ich bin gespannt, wie es weitergeht … Hoffentlich nur angenehm! 😉