Nichts ist unmöglich … Oder: „Ich mache gleich groß.“

Heute war ein richtig aufregender Tag! Ich bin vorhin nach Hause zurückgekehrt, und alles ist anders als zuvor – ich kann es immer noch nicht fassen. Ich habe einen echten „Aufriss“ getätigt. 😉 Würde meine Kollegin Janine, mit der ich heute telefonierte, sagen.

Alles begann zunächst damit, dass die liebe Jeannette mich mitsamt „Walpurga“, „meinem“ inzwischen ins Herz geschlossenen neuen Fahrschul-Audi, um 10:30 h zu Hause abholte. Es ist erstaunlich, wie schnell ich immer abfahrbereit bin, wenn sie mich vor meiner Haustür abholt. 😉 Die Nachbarn – ihr versteht …

Da heute aber Montag ist und ich kein Morgenmensch bin, fuhr ich – zumindest meiner Empfindung nach – zunächst wie der letzte Henker. Zu schnell, zu hibbelig. Aber nach 10 Minuten hatte ich nicht nur den Wagen im Griff, sondern weitestgehend auch mich. Nur nicht meine Worte, wie sich alsbald herausstellen sollte …

Denn Jeannette hatte sich heute in den Kopf gesetzt, besonders oft links abbiegen zu wollen. Ich gebe zu, ich tendiere dazu, Linkskurven nicht selten ein klein wenig zu schneiden – eine absolut blöde und ärgerliche Unsitte. Immer wieder höre ich Jeannettes stets ruhig bleibende Stimme: „Ali, schön groß fahren, die Kurve!“ (Ich bewundere Jeannette! Ich an ihrer Stelle hätte schon längst geschnaubt: „Wie oft muss ich das jetzt eigentlich noch sagen? Hä? Hä?!?“ 😉 Naja, vielleicht nicht ganz so drastisch. Denken würde ich es aber ganz bestimmt! Und das sicher noch viel drastischer. 😉 )

Erneut bekam ich die Anweisung: „Und an der nächsten Möglichkeit biegen wir links ab.“ – „Och, Jeannette! Warum denn immer links?“ – „Magst du das etwa nicht?“ – „Nicht andauernd, und dann sagst du auch noch immer: ‚Ali, schön groß fahren!‘“ – „Alles klar, dann weiß ich ja jetzt Bescheid.“ – „Ich wette, jetzt lässt du mich noch viel öfter links abbiegen!“ – „Nicht ganz unwahrscheinlich. Man mokiert sich meist über Dinge, die man nicht mag, weil sie nicht ganz so gut laufen wie andere, nicht wahr?“ Wir lachten beide.

Und tatsächlich! Bei der nächsten Möglichkeit hieß es wieder: „Und wir biegen links ab!“ Ich, die ich es immer besonders gut und dem „Auftraggeber“ recht machen will, meinte: „Alles klar! Ich weiß, und ich mache auch gleich groß! Auch für dich, damit du siehst, dass ich das wirklich kann!“

Und da schoss mir auch schon durch den Kopf, was ich da gesagt hatte, zumal Jeannette losprustete und sich kaum noch einkriegte. „Sollen wir lieber rechts ranfahren, Ali, und du suchst dir ein stilles Plätzchen?“ rief sie und lachte erneut los.

Gerne hätte ich meine beiden Hände vors Gesicht geschlagen, aber das ist beim Autofahren eher ungünstig und wenig zielführend. 😉 So wurde ich nur ein bisschen rot und meinte: „Mist! So hatte ich das eigentlich gar nicht sagen wollen …“ Dann platzte ich selber heraus – ich kann auch über mich selber lachen. Zum Glück. 🙂

Jeannette sah auf ihre Uhr und meinte: „Es ist jetzt 10:53 h, der Tag ist noch nicht alt, aber du hast bereits das Zitat des Tages gebracht! Hut ab, Ali! Darf ich das bei Facebook posten?“ Ich grinste schief und meinte: „Solange du nicht meinen Namen erwähnst, gern.“ – „Nein, das würde ich nie tun! Aber so ein schönes Zitat! Hatte ich schon lange nicht mehr.“ Ich konnte sie verstehen. Ich auch nicht. 😉

Und sofort nahm sie ihr Handy und postete das „Zitat des Tages“ unter dem Fahrschul-Account. Den werde ich natürlich gleich noch heimsuchen und als Antwort dazuschreiben: „Also wirklich! Wer sagt denn so etwas Dummes?“ 😉

Leider mussten wir danach immer wieder lachen, wenn ich Gefahr lief, eine Linkskurve zu schneiden, zumal Jeannette immer wieder sagte: „Versuch am besten, groß zu machen, Ali – dann kommt der Rest von ganz allein!“ Darunter musste dann auch die arme Fahrschülerin leiden, die wir in Bismarck hinter einer Litfaßsäule auflasen, wo sie wartend gestanden hatte. Die Fahrschülerin war allerdings Polin und verstand erst gar nicht, warum wir immer wie angestochen lachten, wenn Jeannette ihr, die sie auch gerne Linkskurven schnitt, sagte: „Hier bitte groß machen!“ Jedes Mal lachten Jeannette und ich albern los, und mir tat die arme Fahrschülerin schon leid: „Jeannette, du musst erklären, warum wir immer lachen!“ Jeannette erklärte, was man unter „groß machen“ auch verstehe. Die Fahrschülerin überlegte, dann ging ein Leuchten über ihr Gesicht, und sie meinte: „Jätzt värrrstähe iccchhh: Ihhrrr maaiiint Kacken!“

Na, also! So funktioniert Völkerverständigung! 😉

Vor der Fahrschule wurde ich abgesetzt – ich musste auch ganz schnell weiter. Denn meine beiden „Gläubiger“, liebevoller und treffender „Eltern“ genannt, die mir – wie immer sehr, sehr großzügig – einen Kredit zur Anschaffung eines Autos gewährt haben, zumal sie sich wohl auch freuen, dass ich nach all den Jahren einigermaßen freiwillig beschlossen habe, zum motorisierten Teil der Bevölkerung zu gehören, hatten ein Angebot aufgetan, und das wollten wir heute besichtigen. In Recklinghausen. Und so fuhr ich mit Tram und Bus zum Wohnort meiner Eltern, bekam dort sogar ein Mittagessen, und dann fuhren wir los.

Endlich angekommen, parkte meine Mutter auf dem Parkplatz des Autohauses, und da sah ich ihn schon stehen, den kleinen, netten Kerl, der nun – ich kann es kaum glauben! – mir gehört. 🙂 Ich hatte am Freitag noch mit dem Autoverkäufer telefoniert und den Termin heute ausgemacht. Der Autoverkäufer ein echter Pottmensch – wir verstanden einander auf Anhieb.

Als meine Eltern und ich heute das Autohaus betraten, wurden wir gleich quasi in die hinterletzte Ecke verwiesen. Dort harrte der Verkäufer unserer bereits, begrüßte mich gleich, als kennten wir einander von diversen Skatabenden, mit: „Da isse ja, die Ali!“ Meine Eltern wirkten etwas irritiert, aber ich lachte und meinte: „Ja, da isse! Mit ihren Eltern.“ Und ich stellte meine Eltern vor, aber nicht als „Kathrin“ und „Karl-Heinz“, sondern ganz brav als „Frau und Herr B.“. Ich fühlte mich, als wäre ich gerade 18 geworden – unbezahlbar. 😉 Herr F., der Verkäufer, duzte uns im Ruhrgebiets-Modus. Erstaunlich, dass meine fränkische Mutter weniger Probleme damit hatte als mein aus dem Ruhrgebiet stammender Vater. 😉 Ich fand es okay – ich kann damit umgehen und fand es eigentlich ganz nett. Mein Vater grinste dann auch irgendwann. Allerdings erst, nachdem wir das Auto besichtigt hatten. 😉

Der nette, kleine Kerl war sehr, sehr gut gepflegt. Er sei silbermetallic, hatte es geheißen, und meine Fußnägel hatten sich schon ein bisschen gerollt. Silber ist für mich die absolute Spießerfarbe. Aber das Silber hier ist eher bläulich und sieht gar nicht schlecht aus, auch nicht „körnig“ in der Struktur. Mein Vater sah sich den Motor an, den ganzen Wagen, mit kritischem Blick. Meine Mutter drückte den Verkäufer, dessen Vorfahren sicherlich vor Äonen Pferde verkauft haben, nicht ganz so sehr im Preis, wie sie es gehofft hatte – aber sie war sehr hartnäckig, während ich fragte: „Es ist aber kein Unfallwagen?“ Nein, um Himmels willen! Mir lag auf der Zunge, zu sagen: „Noch nicht.“ Aber wir wollen ja nicht das Schlimmste denken. 😉

Ich denke, die Macken, die dieser Wagen wie jeder andere sicherlich auch hat, werden sich ohnehin erst unter dauernder Nutzung herausstellen. Wir haben ihn jedenfalls gekauft, und ich hoffe, wir haben nichts falsch gemacht. Aber eine Garantie gibt es ja nie, obwohl es eine Garantie vom Händler gibt.

Jeannette hat mir angeboten, mit mir und meinem Wagen noch eine Übungsstunde zu machen. Ich meinte nur: „Bring dann schon einmal ein zweites Paar Pedale mit!“ Jeannette lachte und meinte: „Du schätzst dich dauernd viel zu niedrig ein – du kannst doch fahren! Aber ich fahre gern mit dir mit.“

Am Samstag hole ich den Wagen ab. Mir zittern jetzt schon die Knie. Aber ich denke, es wird schon werden. 🙂 Gratuliert mir! Ich habe mich überwunden, und doch täte ein wenig Zuspruch durchaus gut. 😉

Namensvorschläge für den Wagen werden gern entgegengenommen. Ich glaube, der Wagen ist männlich. 😉 Und es sollte ein englischer Vorschlag sein. 😉

Ich bin völlig überwältigt – nach all den Jahren ein eigenes Auto! Spätestens am Samstag hört bzw. lest ihr mehr … 😉

Nichts ist unmöglich: Toyota! Genauer: Toyota Auris. Oder eben „Aufriss“, wie meine Kollegin Janine heute sagte. 😉

Manchmal ist es gut, dass es WhatsApp gibt. Habe gleich diversen Leuten ein Foto vom „Kleinen“ geschickt. Und fast alle haben reagiert und mir gratuliert – das fand ich richtig nett, und ich habe mich sehr über den Zuspruch gefreut. Vielen Dank! 🙂

Mama und Papa – ich danke Euch beiden sehr, und ich hoffe, ich fahre den Wagen nicht gleich in Klump! 🙂

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