Über Regionalzeitungen – Oder: Bei uns in Schilda

Ich nehme an, die Geschichten der Schildbürger unter dem Titel: „Bei uns in Schilda“ sind euch bekannt. Falls nicht: Die Schildbürger, die Bewohner Schildas, sind im Allgemeinen dafür bekannt, ziemlich schräge und nicht eben durch Intelligenz begründete Dinge getan zu haben. Zum Beispiel bauten sie ein dreieckiges Rathaus – ganz ohne Fenster! Erst nach Fertigstellung stellten sie fest – quelle surprise! -, dass es drinnen zappenduster war. Eine Lösung musste her. Und da bot sich doch an, das Dach wieder abzudecken! Nun war es zwar hell oder wenigstens heller, aber es regnete und schneite hinein. Irgendwie nicht so ganz die optimale Lösung. Aber die Schildbürger waren ganz erfinderisch, und so versuchte man, das Licht in Säcken, Körben und sonstigen Behältern ins Rathaus zu tragen. Es kam, wie es kommen musste: Auch diese geistsprühende Aktion zum Scheitern verurteilt. Wie auch die vielen anderen Aktionen derer zu Schilda. 😉

Als Kind fand ich die Schilda-Schilderungen recht amüsant und lachte darüber. Es war klar, dass es so etwas ja gar nicht geben könne. So blöd konnte doch keiner sein! Das lag ja wohl auf der Hand.

Doch inzwischen bin ich eines Besseren belehrt worden. Vor allem, seit ich täglich die Online-Ausgabe einer hier sehr verbreiteten Regionalzeitung mit drei Buchstaben lese, die als „Deutschlands größte Regionalzeitung“ für sich wirbt. Mir von klein auf vertraut, wenn auch meine Eltern sie irgendwann abbestellten und lieber die „Emscher-Nachrichten“ abonnierten. Seitdem ich die Online-Ausgabe von „Deutschlands größter Regionalzeitung“ lese, kann ich sie etwas besser verstehen. Obwohl die „Emscher-Nachrichten“ auch nicht wirklich besser sind. 😉

Andererseits möchte ich nicht meckern, denn die Lektüre verheißt neben mehr oder minder politisch gefärbter Information auch viel Amüsement. Man erführe ja sonst gar nicht, was für scheußliche Dinge sich in direkter Nachbarschaft abspielen – und damit meine ich an dieser Stelle nicht Mord und Totschlag. Das gibt es auch in dieser Zeitung, die inzwischen schon zaghaft davon berichtet, dass es durchaus so etwas Ähnliches wie „No-Go-Areas“ hier im Pott gebe – erst kürzlich las ich einen Artikel über Ückendorf, einen südlich gelegenen Stadtteil meiner Stadt, der schon seit geraumer Zeit „das Viertel der fliegenden Messer“ genannt wurde, aber eher unter der Hand. Wer es laut sagte, wurde gleich in eine bestimmte Ecke gerückt. Inzwischen macht sich sogar oben genannte Zeitung leise Sorgen.

Aber das meine ich gar nicht. Nein, ich staune vielmehr immer wieder darüber, was sonst so alles in dieser Zeitung steht. Erst kürzlich musste ich lesen, dass in Schalke ein Mann von der Feuerwehr gerettet werden musste, der kopfüber in einem Altkleider-Container stak. Es war sogar ein Foto vorhanden: Man sah die Beine des in der Altkleider-Containerfalle Gefangenen wie Streichhölzer in die Luft ragen – es sah sehr albern aus, und ich versuchte, mir vorzustellen, wie man sich als kopfüber in einem Altkleider-Container Steckender, der von der Feuerwehr geborgen werden muss, wohl so fühle. Nicht gut, wie ich feststellte. 😉 Was um alles in der Welt hatte er da gesucht – wie war er in diese groteske Situation geraten? In der Zeitung stand, Alkohol habe keine Rolle gespielt. Ja, aber was denn sonst, wenn nicht Alkohol? 😉

Im weiteren Verlauf des Artikels wurde es aber noch schildaesker, denn bei der Bergung der hilflosen Person stellte sich heraus, dass sich noch ein weiterer Mann in dem Altkleider-Container befand: das eigentliche Opfer. Denn der, dessen Beine gen Himmel ragten, war derjenige gewesen, der dem Ursprungs-Opfer aus dem Container hatte heraushelfen wollen, dann aber selber kopflastig wurde … So kann es gehen. 😉

In meinem direkten Wohnumfeld wurde kürzlich eine große Cannabis-Plantage ausgehoben – Donnerwetter! Ich vermute, dass in der Zeit, da die Polizei die gefährliche Plantage entdeckte und mit viel Aktionismus den Betreiber bzw. Züchter festnahm, anderswo mindestens fünf Autos aufgebrochen wurden, mehrere Messerstechereien und versuchte Vergewaltigungen, zumindest Belästigungen stattfanden. Sorry, wenn ich so zynisch klinge, aber ihr wohnt nicht hier. Man kann es nur mit gesteigertem Sarkasmus sehen, und manchmal denkt man sich: „Wozu die Cannabis-Plantage ausheben und dieser Region noch das entziehen, was das alltägliche Leben einigermaßen erträglich macht?“ Nein, ich gehöre nicht zu den Konsumenten, aber ich habe sehr viel Verständnis. Ich war ja auch mal Studentin. Und ich lebte in Aachen. 😉

Nach dem Wochenende im letzten November, an dem dieses furchtbare Massaker in Paris stattgefunden hatte, stand in der Zeitung, an einem Gymnasium dieser Stadt hätten mehrere Jugendliche – und ich hoffe inständig, es waren keine Schüler des Gymnasiums! – den Schulhof gestürmt, und das mit täuschend echt aussehenden Waffen, die gebrüllt hätten, sie verträten den IS, und es gäbe jetzt ein Massaker. Wahnsinnig einfallsreich und komisch! Und diese Zeitung verharmloste das Ganze als „Dumme-Jungen-Streich“ … Hätte ich sie als Printausgabe abonniert, wäre spätestens das der Grund gewesen, das Abo zu kündigen.

Manchmal steht auch von der Rettung von Schwänen, Enten und Gänsen in der Zeitung – das erfreut mein Herz. 🙂 Oder von Schäferhundwelpen, die im Garten ihrer Halter ihren Kopf in dort herumliegende, kitschige Deko-Amphoren gesteckt haben und nun darin gefangen sind. Zum Glück gibt es die Feuerwehr, und der Artikel war richtig süß. Ich bin mir sicher, der kleine Schäferhund werde seinen Kopf nie wieder in einen krugähnlichen Behälter stecken. Und süß sah der kleine Wicht aus, denn auch da gab es ein Foto. Nein, zwei. Vorher, mit dem Kopf in der Deko-Amphore. Sehr kopflastig der kleine Körper mit den vier kleinen Pfoten und dieser Amphore als Kopf … 😉 Und nachher, als er glücklich befreit worden war, was mich aufatmen ließ.

Heute las ich wieder etwas, das mich aufmunterte, denn der Artikel war etwas für die Kategorie „Kurioses“, die in der Online-Ausgabe der Zeitung gepflegt wird und die ich speziell an schlechteren Tagen gerne lese. 😉

Diesmal sogar überregional, denn die Nachricht kam aus Bonn. „Trickbetrüger verkaufen in Bonn Smartphones aus Stein“ hieß sie. Und was da berichtet wurde, ließ mich laut lachen. Ein junger Mann hatte abends in einem Gewerbegebiet zwei ihm gänzlich Unbekannten zwei Smartphones „der neuesten Generation“ abgekauft, die ihn nur schlappe 400,- Euro gekostet haben. Man hatte ihm zwei neuwertige Smartphones gezeigt, und – Geiz ist geil! – er war dann sofort losgehechtet, das Geld abzuheben. Man händigte ihm dann im Tausch zwei „Smartphones“ aus, die in ledernen Etuis steckten. Erst nachdem die Verkäufer weg waren, stellte der Shopping-Fuchs fest, dass die beiden vermeintlichen Smartphones aus Stein und Attrappen waren … 😉

Ich gebe zu, Schadenfreude ist eine ganz fiese Sache, und ich mag sie eigentlich auch nicht. Aber es gibt Ausnahmen für mich, und das stets dann, wenn absolute Idiotie im Spiel war. Sorry, ich erscheine euch sicherlich fies, aber wie sagt man so schön? „Dummes Fleisch muss ab!“

Manchmal rettet diese: „Bei uns in Schilda“-Zeitung den Tag. Danke, Zeitung mit drei Buchstaben! 🙂 Irgendwie mag ich dich. Manchmal. Und morgen gehe ich nach meiner Übungs- und Auffrischfahrstunde in den nächsten Baumarkt. Steine kaufen. Das nächste Gewerbegebiet ist nicht weit entfernt. 😉

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