Farewell, Matt! Welcome, Walpurga! ;-)

Heute, mitten in meinem Urlaub, fand Übungsstunde No. 5 statt, und wenn ich weiterhin so fahre, wie es mir heute vorkam, brauche ich sicherlich noch die eine oder andere … aber lassen wir das. 😉 (Jeannette meinte, ich solle keinen Unsinn reden – ich würde mich viel zu schlecht einschätzen, und es sei doch alles in Ordnung. So können Selbst- und Fremdeinschätzung auseinanderklaffen. 😉 )

Ich fuhr gegen 14 Uhr gen Bismarck, da Jeannette mich gebeten hatte, zur Fahrschule zu kommen. Kein Problem, und ich war pünktlich. Die Fahrschule geschlossen und unbesetzt, da die Bürozeit am Mittwoch erst ab 16:30 Uhr beginnt. Die Sonne schien, und dazu wehte ein heftiger Wind. Weit und breit keine Spur von „meinem“ kleinen Matt. Doch da! Da nahte ein brillantschwarzes Auto mit einem grünen und einem blauen Streifen, die beide vom Heck übers Dach bis auf die Motorhaube des Wagens reichten – das Corporate Design der Fahrschule. Aber Matty sah irgendwie anders aus …

Der Wagen hier wirkte breiter, massiver und tiefer. Hatte ich etwas an den Augen? Hätte ich meine Kontaktlinsen mal wieder wechseln sollen? (Ich trage torische Monatslinsen. ;-)) Vorn am Kühlergrill prangte nicht das miteinander verschmolzene V und W, sondern vier nebeneinanderliegende und miteinander verbundene Ringe … Es war nicht Matt! Es war … ein Audi!

Normalerweise hätte ich laut: „Hurra!“ geschrien, denn – ich erwähnte es bereits das eine oder andere Mal – ich bin seit etwa meinem fünfzehnten Lebensjahr ein heimlicher Audi-Fan. Kein Wunder, wenn in der Familie stets Ford gefahren wird … 😉 Meine Mutter, aus dem Bundesland Bayern stammend, hielt meist mit BMW, aber – auch diese Fahrzeuge kommen immerhin aus Süddeutschland – auch mit Mercedes, ich mehr mit Audi. Keine von uns mag Ford, und so darbten wir all die Jahre gemeinsam, die ich, ab meinem achtzehnten Lebensjahr dann auch im Besitz des Führerscheins, bei meinen Eltern lebte. (Aus dem weißen Automatik-Fiesta, einem Angebot, das ich kürzlich erwähnte, ist nichts geworden – vielleicht wird es ja doch kein Ford. Es besteht eine gewisse Resthoffnung. ;-))

Heute sah ich es mit ein wenig Besorgnis, denn heute war nicht mein allerbester Tag, und der frag- und zweifellos schicke Audi wirkte irgendwie erheblich breiter als Matt. Erheblich massiver. Und so stand ich mit einem etwas unsicheren Lächeln am Straßenrand, als die Fahrschülerin sich abmühte, den Wagen parallel zur Bordsteinkante auszurichten. Endlich war Jeannette zufrieden, und dann richtete sie noch einige Worte an die Fahrschülerin, gestikulierte lebhaft, worauf mein Lächeln sicherlich noch drei Grad unsicherer wurde. Ich ziehe mir bisweilen Schuhe an, die gar nicht mir gehören oder passen, und Jeannettes lebhaftes Gestikulieren und ihre energische Art, mit der Fahrschülerin zu sprechen, erzeugte etwas in mir, das mich stark verunsicherte. Neuer Wagen, energisch sprechende und gestikulierende Fahrlehrerin – was würde mir erst blühen? 😉

Endlich stieg die Fahrschülerin aus, rief ein etwas schüchternes Hallo, Jeannette stieg auch aus, grinste mich an und meinte: „Na, dann mal los!“ Ich grinste ebenfalls und meinte: „Das ist nicht Matt!“ – „Prima beobachtet, Ali! Das ist nicht Matt. Du magst doch Audi.“ – „Aber der hier ist viel breiter.“ – „Keine Feigheit vor dem Feind! Einsteigen!“ Jeannette hat genau erfasst, wie man mit mir umgehen muss, wenn ich von Unsicherheit ergriffen bin. 😉 Kein langes Lamentieren, sondern Kommandieren! 😉 Nicht immer, aber in gewissen Situationen hilft das, hilft auch mir. Da ich das weiß, gehe ich umgekehrt auch mit anderen Menschen so um, wenn sie verunsichert sind und ich abschätzen kann, dass sie das vertragen.

Ich warf meine Tasche auf den Rücksitz und schwang mich hinters Steuer, während Jeannette stolz erklärte: „Das ist ein A3 Sportback!“ Ich parierte: „So, wie mein bisheriger Tag verlaufen ist und ich mich heute fühle, wäre ein ‚Hunchback‘ für mich eher geeignet. Aber wer weiß? Vielleicht kriege ich das ja hin …“ Jeannette sah mich an und meinte: „Du bist doch die Expertin für Englisch – was ist ein ‚Hunchback‘?“ – „Das heißt ‚Buckel‘, ‚Buckliger‘ oder auch ‚Buckelwal‘.“ Da lachte sie schallend los und meinte: „Humortechnisch ist ja schon mal alles auf einer Wellenlänge. Aber ich verbiete dir, einen Buckelwal aus dem Wagen zu machen – und das wirst du auch nicht tun, das weiß ich. Los jetzt!“ Und ich schnallte mich an, justierte die Spiegel, das Lenkrad passte, der Sitz nicht ganz. Ich gebe zu, ich feige Socke gab mir mit der Justierung besonders viel Mühe – ich hatte etwas Schiss, mit diesem mir schon wieder völlig neuen Wagen loszufahren, der so viel breiter als Matt wirkte, mit dem ich wunderbar herumrangiert hatte.

Als ich den Motor startete, stand auf der Kilometeranzeige auf dem Tacho: „801 km“. Ich sah Jeannette an und meinte: „Der ist ja wirklich flammneu!“ – „Ja, und?“ – „Und damit soll ich fahren?“ Es erschien mir fast wie ein Sakrileg. Der arme Kleine! (Obwohl er mir gar nicht so klein vorkam … 😉 ) Sollten nicht erst einmal Leute damit fahren, die wirklich in Übung sind und so richtig gut fahren können? (Diese Einstellung kommt wohl von meinem Vater, dem seine Autos stets heilig waren und sind – das habe ich von klein auf so vermittelt bekommen. Kein Wunder, dass mir ein bisschen die Düse ging, als ich sah, wie neu der Fahrschulwagen war. Wer wusste schon, wie er aussehen würde, wenn ich mit der Stunde fertig war!)

Jeannette lachte nur und meinte: „Ali, erstens ist das ein Fahrschulwagen, zweitens bist du durchaus in der Lage, damit zu fahren, und das weißt du auch. Also los jetzt! Keine Zeit schinden!“ Ich löste die Feststellbremse, das gleiche Modell wie in „Fluffy“, dem A3-Schaltwagen mit Stufenheck, denn auch der neue Automatikwagen ist auf neuestem Stand der Technik – anders als Matt, der eine „richtige“ Handbremse gehabt hatte.

Und dann sollte ich wenden, denn irgendwie mussten wir ja aus dieser mir schon bekannten Sackgasse heraus. Ich wollte eigentlich bis zu den Grenzpollern fahren, durfte aber nur ein kurzes Stückchen vorwärts und musste dann rückwärts in eine Einfahrt fahren, die mir unglaublich schmal vorkam und ebenfalls durch sehr massive Poller begrenzt war. Der Sportback ist recht schick, aber ich hatte etwas Mühe, da ich relativ klein bin, alles wirklich bis ins Letzte zu überblicken. Es gelang dann aber recht gut, und ich wendete, da ich etwas ungeschickt angesetzt hatte, in drei Zügen. Dabei war mir bereits aufgefallen, dass der Wagen etwas träger reagiert als Matt. Nahm ich den Fuß von der Bremse, die ich gar nicht so weit durchtreten konnte wie beim Golf 6, geschah erst einmal gar nichts. Mit einer Trägheit, die ich von mir morgens nach dem Aufstehen kenne, setzte sich der Wagen dann in Bewegung. Was macht man, wenn sich nichts tut? Man tritt aufs Gaspedal! Ganz einfach! 😉 Jeannette lachte und meinte: „Ja, sie reagiert da etwas langsamer als Matt, aber bitte nimm den Fuß vom Gas, tritt das Pedal zumindest nicht so durch – wir sind doch nicht auf der Flucht!“ – „Sie reagiert langsamer?“ fragte ich und meinte: „Also hat der Wagen schon einen Namen!“ – „Ja. Walpurga.“ – „Walpurga?“ – „Ja, ich finde, das passt zu dem Wagen. Ist halt eine Hexe.“ Ich starrte Jeannette von der Seite an, dann fing ich zu lachen an. Wie man diesem Wagen einen so biederen Namen geben konnte, erschloss sich mir nicht – erst, als ich zu Hause war und den Namen aus Interesse googelte: Es handelt sich um einen althochdeutschen Namen, der soviel wie „wehrhafte Burg“ bedeutet. Das passt! Der Wagen kam mir im Vergleich zu Matt auch vor wie eine Festung oder ein Panzer. 😉

Nach der Sackgasse bogen wir – wie üblich – nach rechts ab. Irgendwie hatte ich beim Beschleunigen den Eindruck, „Walpurga“ besitze mehr Gänge als Matt, da die Automatik viel schneller höher schaltete. Mir gar nicht unrecht. 😉 Wir fuhren bis zu einer roten Ampel, wo ich halten musste. Und da rief ich: „Huch! Was habe ich falsch gemacht?“ Denn der Motor schien ausgegangen zu sein! Ich Greenhorn! 😉 Denn Jeannette meinte: „Okay, das hätte ich dir sagen sollen: Der hat eine Start-Stopp-Automatik.“ Aha. Sorry, aber sowas hatte Matt nicht gehabt, der Verschwender und Geldverbrenner, und auch hier war ich wohl nicht auf der Höhe der Zeit. Aber man gewöhnt sich schnell daran, dass an jeder roten Ampel der Motor ausgeht. Man muss nur den Fuß von der Bremse nehmen – dann geht er wieder an. 😉

Unterwegs nach Feldmark, wo die Fahrschülerin wohnte, „stritten“ Jeannette und ich darüber, dass „Walpurga“ ja wohl um einiges breiter als „Matt“ sei. Sie ließ sich daraufhin von einem Kollegen die Maße beider Wagen per WhatsApp schicken. Beide in etwa gleich – das konnte doch nicht sein! 😉 Sie meinte: „Es ist wohl eine optische Täuschung, denn der Audi ist niedriger als der Golf und hat einen ganz anderen Querschnitt. Du kannst also genauso schwungvoll mit dem hier fahren wie mit Matt. Keine Ausreden mehr!“ – „Nee, ich dachte wirklich …“ – „Ja, ich wollte dir auch nur sagen, du kannst mit Walpurga genauso nett fahren, wie du mit Matt gefahren bist. Der kommt übrigens weg.“ – „Oooch!“ – „Ja, tut mir auch ein bisschen leid, aber er ist schon sieben Jahre alt. Wir halten die Automatikwagen immer länger als die Schaltwagen. Schaltwagen wechseln wir nach zwei Jahren aus. Aber jetzt mal ehrlich: Gefällt dir Walpurga etwa nicht?“ – „Doch, schon, aber sie reagiert bisweilen träger als Matt.“ – „Ja, dass dir das nicht gefällt, ist klar!“ Jeannette lachte erneut heftig und meinte: „Trägheit scheint nicht so deins zu sein!“ Ich grinste sibyllinisch: Jeannette hat mich noch nie auf der Couch herumlümmeln sehen. 😉 Ich bin offenbar ein sehr widersprüchlicher Mensch. Oder sagen wir es so: Ich tendiere zu Extremen. 😉

Wir fuhren durch Schalke, es durfte 70 km/h gefahren werden, was meinem Vorwärtsdrang sehr entgegenkam. Da meinte Jeannette plötzlich: „Und an der zweiten Ampel biegen wir links ab!“ Hieß soviel wie Spurwechsel – eine meiner größten Schwächen, denn ich bin nicht nur ein Gewohnheitstier, sondern bei Spurwechseln bisweilen etwas zu zögerlich und zaghaft. Ich setzte den linken Blinker, ein 7,5-Tonner rauschte links an mir vorbei, da rief Jeannette auch schon: „Warum wirst du jetzt langsamer? Fahren! Los, fahren! Geschwindigkeit halten! Du bist doch sonst, wie ich dich kennengelernt habe, ein sehr energischer Mensch! Also auch hier – gib Gas, sonst lassen die dich nicht rein!“ Ich gab Gas, blickte in sämtliche Spiegel und über meine linke Schulter – tatsächlich ließ der VW links mir eine Lücke, in die ich schwungvoll hineinrauschte. Geschafft!

Da Jeannette eine sehr gute Fahrlehrerin ist, musste ich das Ganze dann noch einmal wiederholen. Ich fürchte, wir werden das auch noch in der nächsten Stunde machen, und ich freue mich schon jetzt … 😉 Ich sagte ja, ich sei bisweilen schüchtern. 😉 Scheiß-Spurwechsel! Mit knapp 70 Stundenkilometern, der höchsten Geschwindigkeit, die ich seit 11 Jahren gefahren bin! 😉 Ja, ich weiß, ihr, die ihr jahrein, jahraus täglich fahrt, gar noch Autobahn, werdet darüber lachen, aber für mich Schisshasen bedeutet das wirklich immense Überwindung. 🙂

Ich weiß jetzt schon, wie die Übungsstunde am kommenden Freitag aussehen wird: Spurwechsel bis zum Erbrechen, und das mit Walpurga, der wehrhaften Burg, die an jeder roten Ampel in vorauseilendem Gehorsam, den ich per se nicht leiden kann, den Motor ausschaltet, träger als ein nasser Schwamm reagiert, wenn man nur den Fuß von der Bremse nimmt und spontanes Losrollen erwartet, wie man das im Allgemeinen von Automatikwagen kennt. Walpurga ist anders, und mir ist auch klar, warum Jeannette sie offenbar gleich als „weiblich“ einstufte und ihr einen weiblichen Namen gab.

Wir müssen uns offenbar noch ein wenig aneinander gewöhnen, zumal Walpurga auch erheblich schicker daherkommt als ich. 😉

Gegen Ende der Stunde, als ich Walpurga einparkte, ging ich in Sack und Asche – mir kam die heutige Stunde wirklich grauenhaft vor. Aber Jeannette meinte: „Ali, du scheinst eine völlig falsche Selbstwahrnehmung zu haben! Ich fand es gut!“ – „Ja, aber …“ – „‘Ja, aber‘ will ich nicht hören, es lief doch alles gut!“ – „[…] Spurwechsel […]!“ – „Keine Sorge, üben wir noch ein paarmal, und dann sitzt das!“

Das hoffe ich doch, und ich hoffe auch, mein loses Mundwerk beim Fahren etwas unter Kontrolle zu bringen, denn mir ist selber aufgefallen, dass ich beim Fahren besonders viel fluche, was ich ohnehin schon oft tue. Mir scheint, ich habe das Fluchen erfunden … 😉

Welcome, Walpurga! Farewell, Matt! Ich werde dich vermissen, obwohl wir nur zweimal das Vergnügen hatten, du Energieverschwender! 😉

Über Regionalzeitungen – Oder: Bei uns in Schilda

Ich nehme an, die Geschichten der Schildbürger unter dem Titel: „Bei uns in Schilda“ sind euch bekannt. Falls nicht: Die Schildbürger, die Bewohner Schildas, sind im Allgemeinen dafür bekannt, ziemlich schräge und nicht eben durch Intelligenz begründete Dinge getan zu haben. Zum Beispiel bauten sie ein dreieckiges Rathaus – ganz ohne Fenster! Erst nach Fertigstellung stellten sie fest – quelle surprise! -, dass es drinnen zappenduster war. Eine Lösung musste her. Und da bot sich doch an, das Dach wieder abzudecken! Nun war es zwar hell oder wenigstens heller, aber es regnete und schneite hinein. Irgendwie nicht so ganz die optimale Lösung. Aber die Schildbürger waren ganz erfinderisch, und so versuchte man, das Licht in Säcken, Körben und sonstigen Behältern ins Rathaus zu tragen. Es kam, wie es kommen musste: Auch diese geistsprühende Aktion zum Scheitern verurteilt. Wie auch die vielen anderen Aktionen derer zu Schilda. 😉

Als Kind fand ich die Schilda-Schilderungen recht amüsant und lachte darüber. Es war klar, dass es so etwas ja gar nicht geben könne. So blöd konnte doch keiner sein! Das lag ja wohl auf der Hand.

Doch inzwischen bin ich eines Besseren belehrt worden. Vor allem, seit ich täglich die Online-Ausgabe einer hier sehr verbreiteten Regionalzeitung mit drei Buchstaben lese, die als „Deutschlands größte Regionalzeitung“ für sich wirbt. Mir von klein auf vertraut, wenn auch meine Eltern sie irgendwann abbestellten und lieber die „Emscher-Nachrichten“ abonnierten. Seitdem ich die Online-Ausgabe von „Deutschlands größter Regionalzeitung“ lese, kann ich sie etwas besser verstehen. Obwohl die „Emscher-Nachrichten“ auch nicht wirklich besser sind. 😉

Andererseits möchte ich nicht meckern, denn die Lektüre verheißt neben mehr oder minder politisch gefärbter Information auch viel Amüsement. Man erführe ja sonst gar nicht, was für scheußliche Dinge sich in direkter Nachbarschaft abspielen – und damit meine ich an dieser Stelle nicht Mord und Totschlag. Das gibt es auch in dieser Zeitung, die inzwischen schon zaghaft davon berichtet, dass es durchaus so etwas Ähnliches wie „No-Go-Areas“ hier im Pott gebe – erst kürzlich las ich einen Artikel über Ückendorf, einen südlich gelegenen Stadtteil meiner Stadt, der schon seit geraumer Zeit „das Viertel der fliegenden Messer“ genannt wurde, aber eher unter der Hand. Wer es laut sagte, wurde gleich in eine bestimmte Ecke gerückt. Inzwischen macht sich sogar oben genannte Zeitung leise Sorgen.

Aber das meine ich gar nicht. Nein, ich staune vielmehr immer wieder darüber, was sonst so alles in dieser Zeitung steht. Erst kürzlich musste ich lesen, dass in Schalke ein Mann von der Feuerwehr gerettet werden musste, der kopfüber in einem Altkleider-Container stak. Es war sogar ein Foto vorhanden: Man sah die Beine des in der Altkleider-Containerfalle Gefangenen wie Streichhölzer in die Luft ragen – es sah sehr albern aus, und ich versuchte, mir vorzustellen, wie man sich als kopfüber in einem Altkleider-Container Steckender, der von der Feuerwehr geborgen werden muss, wohl so fühle. Nicht gut, wie ich feststellte. 😉 Was um alles in der Welt hatte er da gesucht – wie war er in diese groteske Situation geraten? In der Zeitung stand, Alkohol habe keine Rolle gespielt. Ja, aber was denn sonst, wenn nicht Alkohol? 😉

Im weiteren Verlauf des Artikels wurde es aber noch schildaesker, denn bei der Bergung der hilflosen Person stellte sich heraus, dass sich noch ein weiterer Mann in dem Altkleider-Container befand: das eigentliche Opfer. Denn der, dessen Beine gen Himmel ragten, war derjenige gewesen, der dem Ursprungs-Opfer aus dem Container hatte heraushelfen wollen, dann aber selber kopflastig wurde … So kann es gehen. 😉

In meinem direkten Wohnumfeld wurde kürzlich eine große Cannabis-Plantage ausgehoben – Donnerwetter! Ich vermute, dass in der Zeit, da die Polizei die gefährliche Plantage entdeckte und mit viel Aktionismus den Betreiber bzw. Züchter festnahm, anderswo mindestens fünf Autos aufgebrochen wurden, mehrere Messerstechereien und versuchte Vergewaltigungen, zumindest Belästigungen stattfanden. Sorry, wenn ich so zynisch klinge, aber ihr wohnt nicht hier. Man kann es nur mit gesteigertem Sarkasmus sehen, und manchmal denkt man sich: „Wozu die Cannabis-Plantage ausheben und dieser Region noch das entziehen, was das alltägliche Leben einigermaßen erträglich macht?“ Nein, ich gehöre nicht zu den Konsumenten, aber ich habe sehr viel Verständnis. Ich war ja auch mal Studentin. Und ich lebte in Aachen. 😉

Nach dem Wochenende im letzten November, an dem dieses furchtbare Massaker in Paris stattgefunden hatte, stand in der Zeitung, an einem Gymnasium dieser Stadt hätten mehrere Jugendliche – und ich hoffe inständig, es waren keine Schüler des Gymnasiums! – den Schulhof gestürmt, und das mit täuschend echt aussehenden Waffen, die gebrüllt hätten, sie verträten den IS, und es gäbe jetzt ein Massaker. Wahnsinnig einfallsreich und komisch! Und diese Zeitung verharmloste das Ganze als „Dumme-Jungen-Streich“ … Hätte ich sie als Printausgabe abonniert, wäre spätestens das der Grund gewesen, das Abo zu kündigen.

Manchmal steht auch von der Rettung von Schwänen, Enten und Gänsen in der Zeitung – das erfreut mein Herz. 🙂 Oder von Schäferhundwelpen, die im Garten ihrer Halter ihren Kopf in dort herumliegende, kitschige Deko-Amphoren gesteckt haben und nun darin gefangen sind. Zum Glück gibt es die Feuerwehr, und der Artikel war richtig süß. Ich bin mir sicher, der kleine Schäferhund werde seinen Kopf nie wieder in einen krugähnlichen Behälter stecken. Und süß sah der kleine Wicht aus, denn auch da gab es ein Foto. Nein, zwei. Vorher, mit dem Kopf in der Deko-Amphore. Sehr kopflastig der kleine Körper mit den vier kleinen Pfoten und dieser Amphore als Kopf … 😉 Und nachher, als er glücklich befreit worden war, was mich aufatmen ließ.

Heute las ich wieder etwas, das mich aufmunterte, denn der Artikel war etwas für die Kategorie „Kurioses“, die in der Online-Ausgabe der Zeitung gepflegt wird und die ich speziell an schlechteren Tagen gerne lese. 😉

Diesmal sogar überregional, denn die Nachricht kam aus Bonn. „Trickbetrüger verkaufen in Bonn Smartphones aus Stein“ hieß sie. Und was da berichtet wurde, ließ mich laut lachen. Ein junger Mann hatte abends in einem Gewerbegebiet zwei ihm gänzlich Unbekannten zwei Smartphones „der neuesten Generation“ abgekauft, die ihn nur schlappe 400,- Euro gekostet haben. Man hatte ihm zwei neuwertige Smartphones gezeigt, und – Geiz ist geil! – er war dann sofort losgehechtet, das Geld abzuheben. Man händigte ihm dann im Tausch zwei „Smartphones“ aus, die in ledernen Etuis steckten. Erst nachdem die Verkäufer weg waren, stellte der Shopping-Fuchs fest, dass die beiden vermeintlichen Smartphones aus Stein und Attrappen waren … 😉

Ich gebe zu, Schadenfreude ist eine ganz fiese Sache, und ich mag sie eigentlich auch nicht. Aber es gibt Ausnahmen für mich, und das stets dann, wenn absolute Idiotie im Spiel war. Sorry, ich erscheine euch sicherlich fies, aber wie sagt man so schön? „Dummes Fleisch muss ab!“

Manchmal rettet diese: „Bei uns in Schilda“-Zeitung den Tag. Danke, Zeitung mit drei Buchstaben! 🙂 Irgendwie mag ich dich. Manchmal. Und morgen gehe ich nach meiner Übungs- und Auffrischfahrstunde in den nächsten Baumarkt. Steine kaufen. Das nächste Gewerbegebiet ist nicht weit entfernt. 😉