„Jumpy, frantic, all messed up“

Heute war mal wieder einer jener Tage, an denen ich mir selber manchmal rechts und links eine knallen könnte. Zünftig und mit Vor- und Rückhand. In fliegenden Wechseln. (Ich bin früher geritten, daher die „fliegenden Wechsel“, die ich jedoch mangels Klasse im Galopp nie gelernt habe – ich konnte maximal einfache Galoppwechsel. 😉 )

Noch immer verstört und enttäuscht ob der wundervollen Zulage statt gerechter Höhergruppierung, wobei sich letztere wenigstens rententechnisch bemerkbar gemacht hätte, erstere hingegen jederzeit widerrufbar ist und sich auf die Rente in -zig Jahren nicht auswirken wird, empfand ich den heutigen Tag als völlig irre. Vor allem, je weiter er fortschritt.

Morgens um 8 hatte ich einen Termin beim hiesigen Straßenverkehrsamt – mein neuer Führerschein harrte seiner Abholung. Mein alter war mir abhandengekommen – schade um das Foto, auf dem ich eigentlich ganz süß aussah, so mit 17 Jahren -, und ich hatte einen neuen beantragen müssen. Einen im Scheckkartenformat – endlich ein netteres Format! Allerdings hatte das Stück Kunststoff einen ziemlich hohen Preis gehabt: 65,- € hatte ich in den Zahlautomaten des Hauses, sprich: Straßenverkehrsamt, werfen bzw. von meiner EC-Karte abbuchen lassen müssen. Okay, im Preis inbegriffen war der vorläufige Führerschein, ein schlecht bedrucktes amtliches Formular mit Siegel und Unterschrift, das nur im Kontext mit dem Personalausweis gültig war, da kein Foto darauf prangte. Aber mit Fotos von mir bin ich ja ohnehin heikel. 😉 (Auf dem Foto auf meinem Personalausweis sehe ich total bräsig aus. Ganz zu schweigen von der Versichertenkarte meiner Krankenkasse – da sehe ich aus wie „Herman, the happy hamster“ und als wöge ich eineinhalb Zentner mindestens. Grauenhaft!) Der neue Führerschein hat ein Foto, das einigermaßen anständig aussieht, und künftig werde ich mich nur noch mit dem Führerschein ausweisen. Interessant ist die Rückseite: Mir war gar nicht klar, wie viele verschiedene Fahrzeugtypen  bzw. -gespanne ich fahren dürfte, wenn ich denn wollte! Ich gebe zu, ich würde es als unbeteiligter Dritter als wenig ratsam erachten, mich mit einem PKW plus Anhänger fahren zu lassen, obwohl ich es dürfte. Ich dürfte, wenn ich denn wollte, sogar kleinere LKW fahren. Mein Favorit jedoch: der Gemeine Trecker!  😉 Den dürfte ich auch fahren. Wenn ich denn wollte. Ich würde mir selber jedoch dringend davon abraten – wie auch von allen anderen Fahrzeugen außer einem stinknormalen PKW, auch wenn erschreckend viele auf der Rückseite der „Scheckkarte“ als für mich erlaubt vermerkt sind. Die ausstellende Behörde kennt mich ja nicht persönlich. Ich kenne mich hingegen sehr wohl. Zumindest in puncto Führen von Fahrzeugen. 😉

Als ich vor dem StVA ankam, auf die Minute pünktlich, war die Außentür der Behörde nicht einmal aufgeschlossen! Und das alles von unseren Steuergeldern! 😉 Endlich kam eine blonde Maid mit einem Zopf, der an Rapunzel gemahnte, und schloss die Tür auf, vor der sich bereits eine Schlange gebildet hatte. Einige der Wartenden hatten Nummernschilder unter dem Arm. So weit war ich noch nicht. Aber ich wusste wenigstens, wo die Führerscheinstelle war. Im Keller. Und da ich entgegen meinem allgemeinen Erscheinungsbild ein Mensch mit einem gutmütigen Herzen bin, wies ich auch gleich einer Mutter mit einer Teenager-Tochter den Weg dorthin. Ich hatte ja meine Aufruf-Nummer schon – so etwas mache ich immer online. Im Keller blinkte mir die „3001“, meine Nummer, auch schon hektisch auf der Anzeigetafel entgegen. „Platz 2“ stand dahinter. Ich pochte artig an die Tür – endlich einmal pünktlich! Die Tür erwies sich als abgeschlossen, und das bis acht Uhr fünf! 😉 Aber wehe, ich wäre verspätet eingetroffen! 😉 Die Dame, die mich schließlich in Empfang nahm, wirkte schlechtgelaunt, und völlig unempfänglich für humoristische Anmerkungen meinerseits händigte sie mir meinen neuen Führerschein aus, kassierte den vorläufigen ein, fragte völlig humorbefreit, ob ich den alten wiedergefunden hätte, was ich verneinte. Dann musste ich noch einen amtlichen Wisch unterschreiben und entschwebte nebst „Scheckkarte“ froh den heiligen Hallen. Ich hasse Behördenbesuche!

Knapp nach meiner Bürogenossin Janine kam ich im Büro an. Da herrschte schon dicke Luft. Ein Fahrzeug des Arbeitgebers war auf dem arbeitgebereigenen Parkplatz ausgebrannt, letzte Nacht. Man vermutete Brandstiftung. (In der Tat – das war wahrscheinlicher als eine Selbstentzündung, obwohl auch technische Defekte bisweilen zu Bränden führen können. Nachdem aber auch anderweitige Spuren von Vandalismus aufgetreten waren, schien dies weniger wahrscheinlich.)

Schon zuvor, bei Betreten unserer Etage, hätte ich eigentlich wissen müssen, dass ich am besten hätte umkehren sollen, als mir – ich hatte zwei Stöpsel in den Ohren und hörte Musik, weil es die Nerven beruhigt, vor allem bei Betreten des Arbeitsplatzes – meine bisweilen hektische Kollegin Andrea entgegenkam, die irgendwie anders tickt als der Durchschnitt. Ich mag Andrea sehr, sie ist ein sehr lieber Mensch, und käme es hart auf hart, würde ich sie mit Zähnen und Klauen verteidigen, aber manchmal macht sie mich wahnsinnig!

Ich gebe zu, ich hatte wenig Lust, die Stöpsel aus den Ohren zu nehmen, als ich sie wild gestikulierend und redend auf mich zukommen sah … Ich bin Kummer gewohnt. Ich ging einen Kompromiss ein und nahm den rechten Stöpsel aus dem rechten Ohr, und da quollen mir auch schon Wortfetzen entgegen: „Farbdrucker! […] Fixierer! […] Toner!“ Da wir vor Andreas Urlaub zusammen mehrere Bildtrommeln und Tonerkartuschen ausgetauscht hatten und bereits angezeigt wurde, auch die Cyan-Bildtrommel müsse alsbald – wenn wirklich aufgebraucht, was nicht der Fall ist – ausgetauscht werden und ich Andrea erklärt hatte, ich hätte keinen Fixierer und sei überdies nicht Druckerbeauftragte, dachte ich, das Thema sei durch. Und so hob ich defensiv meine Hand und meinte nur: „Ich bin gerade zur Tür herein, Andrea – Gnade! Komm am besten in einer Viertelstunde zu mir, und dann sprechen wir darüber. Dann habe ich Ruhe. Wenn ich eigentlich auch für den Drucker nicht verantwortlich bin.“ Wer nach einer Viertelstunde nicht kam, war Andrea. Ich gebe zu, ich war nicht böse darüber.

Der Vormittag gestaltete sich hektisch. Ich kam nicht dazu, etwas zu essen. Gegen Mittag gingen Janine und ich vor die Tür, um eine oder zwei Zigaretten zu rauchen. Bei der zweiten Zigarette sahen wir den Kollegen Chuck nahen, dessen letzter Arbeitstag heute war. Das auch noch. Ich bin schlecht in Abschieden.

Chuck hatte einen gigantischen Kuchen zu seinem Ausstand dabei! Er hatte ihn zwar nicht selber gebacken, sondern seine Mutter, aber ich habe Ehrfurcht vor dieser mir gänzlich unbekannten Frau. Ich liebe Kochen, koche auch recht gut, wie mir wiederholt erklärt wurde (sogar ganz ohne Druck meinerseits! 😉 ), aber ich hasse Backen! Mir fehlt die Geduld, Plätzchen zu backen, sie gar noch zu verzieren, und ich bin ohnehin keine „Süße“. Dieser Kuchen war bombastisch! Ich hätte niemals Geduld und Begeisterung aufgebracht, so etwas herzustellen. (Denn ich koche so gerne, weil man ja immer abschmecken muss und jegliches Rezept wunderbar abwandeln kann – beim Backen ist man irgendwie viel mehr an die Vorgaben gebunden, weil der Kuchen sonst nicht gelingt, und die Kreativität bezieht sich in der Hauptsache dann auf die Verzierung, wofür mir wieder das Händchen, die Begeisterung, Geduld und die Präzision fehlen. Ich ziehe meinen Hut vor Konditoren und Pâtissiers – dafür muss man geboren sein. Ich bin viel zu hektisch.) Dieser Kuchen hatte einen Fondantüberzug in Grün und Weiß, und das „Firmenlogo“ war auf der oberen Hälfte originalgetreu abgebildet, was mich förmlich umwarf. Von Konditoren kannte ich das, nicht aber von Privatpersonen. Ich stellte mir meine Mutter vor, wie sie diesen Kuchen herstellen sollte – wahrscheinlich wäre ich im Zuge des Herstellungsvorgangs enterbt worden. Das Ergebnis hätte sicherlich ähnlich perfekt ausgesehen, nur würden meine Mutter und ich kein Wort mehr miteinander wechseln, meine Mutter sich an den Haaren reißen und noch Wochen später räsonieren, dass ihr diese eine, spezielle Linie im Logo nicht perfekt gelungen sei. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie mir a priori gesagt hätte: „Das ist dein Ausstand, also sieh selber zu!“ Der Unterschied zwischen Töchtern und Söhnen … 😉

Zwischendurch klingelte ständig das Telefon, von meinem Chef gewünschte Telefontermine wurden nicht eingehalten, während ich die Anrufer hinhalten musste – mir ist so etwas ohne triftigen Grund immer peinlich, und ich hasse es wie die Pest, wenn ich meinen Chef für einen vereinbarten Telefontermin aus einem anderen Termin holen soll, er aber sagt: „Ich komme gleich. Wir rufen zurück.“ Obwohl er derjenige ist, der den Termin überhaupt haben wollte, auf den der andere Gesprächspartner bestimmt nicht gewartet hat. Aber ich werde ja fürstlich für derlei Peinlichkeiten entlohnt, inzwischen zumindest „bezulagt“.

Bis nachmittags hatte ich gerade ein halbes Stück Kuchen gegessen, sonst nichts. Und dann noch diese Abschiedssituation! Ich hasse Abschiede wie die Pest! Bei Menschen, die ich wirklich sehr mag, zerfließe ich entweder in Tränen, oder ich bin ruppig. Heute war ich ganz besonders ruppig. Mir ist Möglichkeit 1 eigentlich lieber, aber nicht immer angebracht. Wer bricht schon gern in Tränen aus? 😉

Nachdem Chuck gegangen war, fragte mein Chef allen Ernstes: „War hier heute ein Abschied?“ Und er sah mich an, als hätte er etwas verpasst. Ich sagte etwas schnippisch: „Ja. Hier war ein Abschied – Herr M. ist gegangen.“ – „Herr M.?“ – „Ja, der Kollege aus der Abteilung […].“ – „Kenne ich gar nicht, aber hier herrscht eine recht niedergedrückte Stimmung. Daher fragte ich.“ Mein Chef kannte Herrn M. nicht. Janines Chef kannte ihn auch nicht. Aber die beiden kennen ihre eigenen Mitarbeiterinnen nicht. 😉

Eigentlich hätte ich anders reagieren und sagen sollen: „Aber nein, Chef! Wir hier auf dem Flur verabschieden uns immer so voneinander, wenn wir nach Hause gehen! Wir nehmen einander immer in den Arm! Nur die Chefs nicht, ansonsten aber jeden Tag! Wider die Ignoranz und die soziale Kälte!“ Ich wollte aber den Bogen nicht überspannen. Ich bin ja keine Beamtin, ergo nicht unkündbar. 😉

Dann wurde meine Bürogenossin noch zum Rapport zum Chef gerufen, und sie kam ziemlich verunsichert zurück. Man hatte ihr allen Ernstes angelastet, dass sie seit der Verkündigung, man wolle uns nicht höhergruppieren, aber uns mit einer Zulage abspeisen, distanzierter als sonst reagiert hatte. Da hatte ich dann den Kaffee für heute total auf! Ab 17 h war ich zu nichts mehr zu gebrauchen, und ich ging dann nach Hause.

Wollen wir hoffen, dass der morgige Tag besser werde! Immerhin weiß ich, wie er enden wird, denn um 21:45 h habe ich eine Übungsstunde mit „Matt“. 😉 Immerhin etwas Erfreuliches. 😉

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