Mit Fluffy „on tour“: Die Entschleunigung der Ali B. … ;-)

Möglicherweise fragt ihr euch, wer „Fluffy“ sei. Es klingt nach einem Hund. Nach einem langhaarigen, wuscheligen Hund, Typ „langhaariger Bombenleger“, einem „Hippie“ mit braunen Kulleraugen, dem man im Grunde nicht einmal dann böse sein kann, wenn er gerade die halbe Couch auseinandergenommen und zerfetzt hat, einen aber mit einem derart treuherzigen Blick ansieht – Vorsicht: alles Kalkül! -, dass einem die strafenden Worte glatt in der Kehle steckenbleiben und man sich wirklich überwinden muss, sie mit der gebotenen Strenge und Energie auszusprechen, auf dass der Hund diese finstere und kostenintensive Angewohnheit nicht etwa künftig dauernd praktiziere. (Auf treuherzige Blicke falle ich sowieso bisweilen herein, nicht nur bei Hunden – und nicht nur bei braunen Augen … 😉 Die Blicke sollten allerdings nicht ganz so plakativ sein, denn da streike sogar ich. ;-))

Aber „mein“, genauer: dieser „Fluffy“ ist kein Hund. Nicht einmal ein Lebewesen (manche Männer mögen das anders sehen … ;-)). Fluffy funktioniert von alleine nicht. Ich gebe zu, bis dato auch nicht optimal, wenn ich mit ihm umgehe, aber das wird schon. 😉 Denn Fluffy ist ein Auto. Ihr kennt ihn schon von letzter Woche – Fluffy ist ein Audi A3 in der Stufenheck-Variante in Brillantschwarz mit einem grünen und blauen Streifen, dem Corporate Design der Fahrschule, bei der er seinen Dienst tut. Und das tut er sehr tapfer, zuverlässig und treu, wie ich zu betonen nicht müde werde. Ich habe im Zuge meiner zweiten Auffrisch-Fahrstunde bereits mein Herz an Fluffy verloren, den meine sehr nette und ruhige Fahrlehrerin so getauft hat, nachdem er – brandneu – von einem Fahrschüler gefahren wurde, der nach dem Einsteigen gemeint hatte: „Der ist ja noch ganz neu – alles so fluffig hier.“ Schon hatte der Wagen seinen Namen.

Heute war also Auffrisch-Fahrstunde Numero 2. Ich war den ganzen Tag erheblich ruhiger als letzte Woche, bis ich dann meinen Arbeitsplatz verlassen musste, um mich mit Bus und Straßenbahn auf den Weg nach Bismarck zu machen. Da war ich dann doch recht nervös, fühlte mich quasi wie nicht von dieser Welt und ging vorher lieber noch einmal zur Toilette. Als ich im Vorraum der Damentoilette stand und mein Blick in den Spiegel fiel, dachte ich: „Du siehst auch aus, als kämst du aus einer anderen Welt.“ Denn meine Augen waren – die Nervosität! – so groß wie Untertassen. „Ali’s saucers“ hatte ein Ire, den ich in meiner Ratinger Zeit kannte, meine Augen genannt, denn ich habe schon von Natur aus relativ große Augen. Jetzt, kurz vor der neuerlichen Fahrt, waren sie noch größer – fast bekam ich Angst vor meinem eigenen Spiegelbild. 😉 Letzte Woche war zwar alles gut gegangen, aber wer konnte wissen, was heute passieren würde? 11 Jahre nicht gefahren zu sein, hatte Spuren hinterlassen, und ein angeknackstes Selbstvertrauen war schon zuvor dagewesen.

Zum Glück gibt es meine Fahrlehrerin, auch eine „Frau B.“. 🙂 Als sie mich heute aus der Fahrschule abholte, meinte sie: „Na, wollen wir ein bisschen arbeiten?“ – „Klar!“ rief ich. Zwar nicht sonderlich euphorisch, aber wild entschlossen. Und als wir im strömenden Regen um die Ecke bogen und Fluffy dort stand, dachte ich: „Wird schon werden.“ Fast freute ich mich, das Vehikel, das bei mir nur „Wuchtbrumme“ heißt, wiederzusehen.

Ich schaffte es in weit weniger als vier Minuten (ja, ich habe zwischenzeitlich auf die Uhr gesehen), Sitz und Lenkrad sowie sämtliche Spiegel einzustellen – eine echte Steigerung, wenn ich bedenke, dass ich letzte Woche in Fluffy Platz genommen hatte und am liebsten fluchtartig wieder ausgestiegen wäre, als ich sah, mit welcher Ausstattung ich es zu tun hatte. 😉

Und dann ging es auch schon los. Ich musste – wir waren wieder in der Sackgasse – wenden und fuhr dann einigermaßen versiert los. „Wir biegen rechts ab,“, sagte „die andere Frau B.“, und ich bog brav rechts ab, während die Scheibenwischer ihrer monotonen Aufgabe folgten, ab und an ein etwas klagendes Geräusch absondernd. Etwas schwieriger war es heute, denn es war schon wieder dunkel, und die Straßen waren nass – manche Fahrbahnmarkierungen waren extrem schlecht zu sehen. Zumindest von mir.

Wir kurvten erneut durch Bismarck und Schalke. In Schalke durch einige sehr, sehr enge Straßen, und die andere Frau B. fragte mich mehrfach, warum ich da eigentlich unbedingt so schnell fahren müsse. Gute Frage, und zur Strafe und vor Schreck – ich wollte eigentlich in den nächsttieferen Gang schalten – verschaltete ich mich komplett, und nun weiß ich auch, woher der Ausdruck „schlagartig“ kommt: sicherlich vom Autofahren, denn mit einem Schlag standen wir völlig unbeabsichtigt, und der Motor war aus. Abgewürgt.

„Ich schaffe es sogar, einen Fahrschulwagen abzuwürgen und fahre wie jemand, der noch nie gefahren ist,“, würgte ich zerknirscht hervor. Die andere Frau B. lachte und meinte: „Kein Grund, sich zu grämen. Und der zweite Teil stimmt auch überhaupt nicht, also vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Weitermachen wie bisher – nur etwas mehr piano. Es läuft doch alles. Sie machen sich viel zu viele Gedanken und erlauben sich wohl gar keine Fehler – kann das sein? Sie sind zu streng mit sich. Sie sind elf Jahre nicht gefahren!“ Ich grinste, nickte und ließ den Motor wieder an. Dann fuhr ich weiter, und das so piano, wie es ging. (Ich gebe zu, Piano fällt mir generell etwas schwerer. Es liegt wohl an meiner Mentalität. ;-)) Dennoch: Seit heute hasse ich Schalke. Nicht den Fußballverein, nur die teils sehr engen Straßen, und ich motzte: „Warum muss hier in GE alles so eng sein?“ Die andere Frau B. lachte und meinte: „Auf großen Straßen zu fahren, ist ganz einfach. Sie absolvieren gerade Ihren Wiedereinstieg, und da schulen so elend enge Straßen weit mehr – glauben Sie mir!“ Ich glaubte ihr sofort. Sie hat ja recht. 🙂

Ansonsten achtete ich heute von selber genau auf meine Geschwindigkeit, merkte sofort, wenn ich zu weit rechts fuhr und korrigierte das sofort. Gewisse Fortschritte sind zu erkennen, und man kann zumindest in Ansätzen erahnen, dass ich – generell – des Fahrens nicht völlig unkundig bin. 😉

Dann musste ich sogar noch eine Strecke fahren, auf der die Straßenbahn fährt. Und vor der habe ich einen Heidenrespekt. Glücklicherweise kam gerade keine, nur ein Bus kreuzte meinen Weg. Fluffy fuhr seinerseits wie auf Schienen – ich begann leise zu ahnen, warum viele Leute so gern Auto fahren. 😉 Schräg – das war mir zuvor nie so gegangen.

Dann holten wir eine reguläre Fahrschülerin ab, und ich musste vor dem Haus ihrer Eltern auf den Bordstein fahren, weil die Straße sehr eng ist. Auch das schaffte ich irgendwie, parkte einigermaßen gerade auf dem für Autos vorgesehenen Streifen, und dann gab es ein Feedback. Ich muss ziemlich zerknirscht ausgesehen haben, aber die andere Frau B. lachte und meinte: „Sie sehen mich an, als erwarteten Sie Schlimmes.“ Ich grinste nur. Sie sagte: „Es ist doch alles in Ordnung, ein paar kleine Sachen, die mit ein bisschen mehr Übung sofort wieder reibungslos klappen – und das sind wirklich kleine Dinge, Frau B.! Oberste Priorität allerdings hat die Entschleunigung der Frau B. – also Ihre Entschleunigung. Sie sind weder auf der Flucht, noch lassen Sie sich von wem auch immer hetzen oder drängen. Sie fahren so, wie es vernünftig ist, hechten niemandem hinterher, nur weil der wie ein Wahnsinniger beschleunigt und hinter Ihnen einer drängelt. Achten Sie auf sich, nicht auf die anderen. Entschleunigung – das ist das, was Sie lernen müssen, sonst nichts. Den Rest können Sie, müssen nur wieder Übung haben. Und daran arbeiten wir gerade. Okay?“ Ich grinste erneut und meinte: „Danke. Mit Ihnen fahre ich sehr gern – Sie sind eine tolle Fahrlehrerin! Ich gebe zu, richtig Spaß macht mir das Fahren noch nicht, aber mit Ihnen fahre ich gern. Mein Fahrlehrer, bei dem ich auch die Prüfung gemacht habe, war sehr nett, aber ein Hektiker und fuhr selber sehr schnell. Und das hat er wohl auch auf die Schüler übertragen, wenn ich auch sonst gar nichts auf ihn kommen lasse. Ein wirklich supernetter Mensch – aber mit Ihnen fahre ich lieber.“

Dann wurde ich – ich musste noch einkaufen – an der Cranger Straße herausgelassen, worum ich gebeten hatte. Natürlich nicht, bevor die nächste Übungsstunde vereinbart worden war. Am Montag ist sie, ich werde sogar von der Arbeit abgeholt – und das im Hellen! 😉 Diesmal nur leider nicht mit Fluffy, sondern mit einem VW Golf. Einem Automatikwagen, denn ich hatte darum gebeten, auch mindestens eine Automatik-Stunde machen zu können. Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie das läuft. Ich bin noch viel länger als elf Jahre nicht mit einem Automatikwagen gefahren … 😉 Daher habe ich auch vereinbart, dass ich nicht direkt vor meinem Arbeitsplatz abgeholt werde.

Sicher ist sicher. 😉

2 Gedanken zu „Mit Fluffy „on tour“: Die Entschleunigung der Ali B. … ;-)

    • ali0408 sagt:

      Du ahnst gar nicht, wie MICH das freut! 🙂 Damit hatte ich ja gar nicht gerechnet, obwohl Du mir immer gesagt hattest, sie sei so eine tolle und ruhige Fahrlehrerin. Das habe ich auch geglaubt, aber ich kenne mich selber ja recht gut – zumindest beim Thema „Autofahren“. 😉 Sie hat sich übrigens sehr über Eure Grüße gefreut, und ich soll schon wieder zurück grüßen. 🙂

      Auch von mir liebe Grüße in die Heide! 🙂

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