„Liebe Kinder – macht das nicht nach!“ Oder: Der Freiwillige wird auch noch bestraft …

Heute ist der 29. Februar – ein Tag, der ohnedies schon irgendwie schräg wirkt. Ehrlich gestanden, ich fände den 29. Februar für mich als Geburtstag eigentlich ganz passend – ich habe einen Hang zu Schrägem und zu Spinnern. Nicht jedoch zu Veranstaltungen mit Überlänge, die aufgrund von Redundanzen überlang werden. Da bin ich recht ungnädig, ich gebe es zu.

Ich habe neben dem Hang zu Schrägem und Spinnern auch eine Neigung dazu, mich ehrenamtlich zu betätigen – wahrscheinlich habe ich eine Art Helfersyndrom, obwohl ich das lieber positiv ausgedrückt sehen möchte. Sagen wir so: Ich tendiere zu sozialen Tätigkeiten, auch unentgeltlichen. Das mache ich keineswegs, weil ich denke, auf diese Weise mal ein besonders güldenes Stühlchen im Himmel zu bekommen – daran glaube ich eh nicht. Auch nicht, um mir dann selber auf die Schulter klopfen zu können und mich als besserer Mensch zu fühlen. Die Wahrheit ist: Es scheint mir einfach im Blut zu liegen. Und ich mache es immer wieder, trotz aller Nachteile, die einem daraus entstehen können. 😉

Und die sind zahlreich und nicht selten ganz profan …

Ich bin bei meinem Arbeitgeber bereits Ersthelferin und habe anno 2012 eine Erstunterweisung sowie zwei Jahre später einen Auffrischungslehrgang mitgemacht. Im Juni steht die nächste Auffrischung an, und ich hoffe, wir haben nicht wieder einen derart sadist…, nein, von naturalistischen Darstellungen begeisterten Ausbilder … Der letzte zeigte uns nämlich eine ganze Serie Fotos, eines schrecklicher als das andere. Abgetrennte Gliedmaßen, darunter ein Arm mit gezackten Abrisskanten – da war wohl jemand bei der Arbeit in eine Maschine geraten, und der Not-Aus-Knopf war leider zu spät betätigt worden … Man muss ja auch die Schrecksekunde und die dadurch folgende Verzögerung berücksichtigen. Offene Beinfrakturen, Augenverletzungen, Verbrennungen zweiten und dritten Grades – und das alles vor dem Mittagessen! Tränen standen in meinen Augen, als er ein Foto eines winzigen Säuglings zeigte, dessen kleiner Rücken krebsrot und mit Brandblasen übersät war: Die Mutter hatte es zu gut gemeint – vielleicht hatte sie auch einen geschnasselt -, denn sie hatte das kleine Kerlchen, wie der Ausbilder erzählte, auf eine kochendheiße Wärmflasche gelegt, ohne eine Decke oder ein mehrfach gefaltetes Handtuch auf die Wärmflasche zu legen, die offenbar ohnehin viel zu heiß für das winzige Kerlchen gewesen war. Als der Ausbilder sagte, der kleine Wicht habe nicht überlebt, liefen mir zwei, drei Tränen übers Gesicht, die ich jedoch geschickt hinter einem Dreiecktuch verbarg, das man für Armschlingen benötigt und just in diesem Moment von mir intensiv begutachtet werden musste, und meine Mitstreiter reagierten ähnlich betroffen. Einige wollten sich gleich am liebsten die Mutter vorknöpfen. Ich gebe zu, auch in mir regte sich dies Bedürfnis, aber wem nützt so etwas? Wahrscheinlich war der Mutter inzwischen auch klar, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Es war eben ein furchtbares Foto, das sofort Mitgefühl mit dem kleinen, krebsroten Kerlchen auslöste.

Zum Glück habe ich mit den meisten alltäglichen Verletzungen schon aufgrund meiner Krankenhaustätigkeit vor -zig Jahren kein Problem und kann auch Blut sehen. Schön ist zwar anders, aber ich habe kein Problem damit – ich bin ja nicht aus Zucker, und einer muss doch helfen können, wenn Not am Mann ist. Gut, angesichts einer abgetrennten Gliedmaße würde ich wahrscheinlich auch erst einmal schlucken, und nach der Versorgung könnte mich der RTW sicherlich auch gleich mitnehmen, aber Hauptsache, es wurde erst einmal geholfen.

Da nicht jeder sofort begeistert: „Hier!“ schreit, wenn es um derlei freiwillige Tätigkeiten am Arbeitsplatz geht, meldete ich mich auch noch halbwegs freiwillig, als händeringend Evakuierungshelfer für den Brandfall gesucht wurden, und erstaunlich rasch bekam ich vom zuständigen Dezernat meine Bestellungsurkunde. Bei meiner Ersthelfer-Bestellung hatte das viel länger gedauert. Lieber wäre ich Brandschutzhelferin geworden, aber das war meine Kollegin Lydia bereits für unseren Flur. Dabei hatte ich doch anno 2008 bereits einen Brandschutz-Lehrgang mitgemacht, in dem wir auch den Umgang mit verschiedenen Arten von Feuerlöschern erlernt hatten; ich hatte mich offenbar so anstellig in der Benutzung von Wasser-, Schaum- und Co2-Löschern gezeigt, dass einer der beiden Ausbilder von der Freiwilligen Feuerwehr gesagt hatte: „Frau B. – Sie kann man gut um sich haben, auch im Brandfall! Sie sind hier mit Abstand die Coolste.“ (War ich nicht. Ich sah nur so aus. Es gehört bei vorheriger absoluter Unkenntnis schon eine gewisse Überwindung dazu, einen Feuerlöscher zu benutzen – so doof das klingen mag.) Die Kollegin H. aus einem der Prüfungsämter hatte das gar nicht gemocht – sie hatte die ganze Zeit wimpernklimpernd mit den beiden Ausbildern geschäkert, was diese bestmöglich ignoriert hatten, und nun das! Mir ging es aber wirklich nur ums Löschen, nicht um das Legen von Bränden, auch nicht im übertragenen Sinne. 😉 Den beiden Ausbildern wohl auch.

Nach meiner Bestellung zur Evakuierungshelferin tat sich ganz lange nichts. Keine Unterweisung, und ich hoffte, es möge nicht brennen, zumindest, bis die Unterweisung erfolgt sei, auch wenn ich denke, ich könnte auch ohne eine solche zumindest einen Flur, eine Etage, evakuieren. Ich kann bisweilen ziemlich autoritär sein, vor allem dann, wenn es ans Eingemachte geht, und ich habe eine durchaus durchdringende Stimme. Nicht ganz so durchdringend wie die der Kollegin Brigitte, die ebenfalls Evakuierungshelferin auf unserem Flur ist, da tiefer, aber durchaus respektgebietend im Notfall, wie mir einige meiner ehemaligen Studis aus Mülheim bestätigten, die ich wider meine eigentliche Überzeugung doch einmal ganz zünftig anschreien musste. Die waren danach zahm wie sedierte Kaninchen, und einige kamen auf mich zu und meinten: „Frau B. – Respekt! Wir hatten nicht damit gerechnet, dass Sie so laut brüllen können – und das ganz ohne Mikrophon!“ – „Wenn es sein muss, geht das durchaus. Ich mache es aber nicht gern, denn Sie sind erwachsen und freiwillig hier! Ich möchte künftig nicht mehr brüllen müssen. Wir sind doch nicht im Kindergarten!“ Danach lief es prächtig. 😉

Vorletzte Woche ereilte mich eine Mail, die darauf hinwies, eine Unterweisung für Evakuierungshelfer stehe an. Ich meldete mich für heute an, aber am Wochenende ging mir wiederholt durch den Kopf, dass es doch günstiger sei, ich würde der scheidenden Kollegin Lydias Brandschutzhelfertätigkeit übernehmen, zumal wir Brigitte als Evakuierungshelferin haben. Und so schrieb ich heute früh Herrn Grethel, dem Brandschutzbeauftragten, der den Lehrgang leitete, eine Mail und bat darum, lieber zur Brandschutzhelferin ausgebildet zu werden. Brigitte hatte ich bereits in Kenntnis gesetzt, dass ich wohl nicht teilnehmen, da sich mein Betätigungsfeld ändern würde, und irgendwie hatte ich den Eindruck, sie fände das gar nicht so schlimm. Wollte wohl ihren verantwortungsvollen Job nicht teilen – es kam mir zumindest so vor. 😉

Kaum hatte ich meine Mail abgesendet, klingelte auch schon mein Diensttelefon: Herr Grethel war dran! Und er erläuterte mir, seines Erachtens seien Evakuierungsbeauftragte ohnehin redundant, und das Ganze gehe mehr in Richtung Brandschutz … Herr Grethel sprach viele Worte, das tut er immer. Ich mag ihn sehr, aber er neigt zu Redundanzen (wie ich beim Schreiben … 😉 ). Als er sagte, das Ganze gehe ohnehin mehr Richtung Brandschutztätigkeit, wusste ich: Ich hatte verloren. Keine Ausrede mehr. 😉

Brigitte wirkte etwas angepisst, als ich ihr mitteilte, ich würde nun doch mitkommen: Offenbar passte ihr nicht, nun nicht die alleinige Herrschaft über den Flur zu haben. Unterwegs zum Seminarraum teilte sie mir mit, auf keinen Fall werde sie überhaupt irgendwelche Löschversuche starten, denn ihre Aufgabe sei es, die Kollegen aus dem Gebäude zu schaffen. Ich meinte, das treffe sich wunderbar, denn ich sei durchaus bereit, sofern nicht a priori aussichtslos, auch Löschversuche zu unternehmen. Sie hat offenbar mehr Rette-sich-wer-kann-Gene als ich, bei der die Wenn-noch-was-zu-retten-ist-versuche-ich-es-zumindest-Gene vorherrschen, bevor ich dann die Leute mit autoritärem Gebaren, aber geordnet aus dem Gebäude bringe. Ich wusste es doch: Ich bin beim Brandschutz besser aufgehoben. 😉

Die Unterweisung sollte etwa eine Stunde dauern. Da ich unseren Brandschutzbeauftragten jedoch kenne, und das seit meinem vierten oder fünften Lebensjahr, wusste ich, es gebe einen gewissen Faktor, mit dem zu multiplizieren sei. Herr Grethel wirkt zwar bisweilen etwas linkisch, redet aber gern. Gewiss würde es, so war ich mir sicher, eine halbe Stunde länger dauern.

Doch es kam schlimmer. Bis auf zwei Kolleginnen aus der Verwaltung und einige Kollegen aus den Fachbereichen saßen lauter Leute im Lehrgang, die alles – wirklich alles! – kommentieren mussten, sich ganz originell vorkamen und sich auch noch triumphierend in die Runde umdrehten, wenn sie mal wieder einen – bisweilen verunglückten – Witz gerissen hatten. Ich bin auch nicht immer lustig, nur: Ich weiß das. Ich habe heute für Sünden gebüßt, von deren Existenz ich bis dato gar nichts geahnt hatte! 😉

Wir fingen bei Adam und Eva an, und das hätte eigentlich recht schnell abgehandelt werden können. Denn im Seminar saßen lauter erwachsene Menschen, die nicht auf den Kopp gefallen waren. Aber schon bei ganz eindeutigen Fragestellungen, für deren Beantwortung es keiner Diskussion, sondern des gesunden Menschenverstandes bedarf, meldeten sich einige und kamen mit Problemstellungen, die sogar ich, die bisweilen das Gras wachsen hört, für extrem unwahrscheinlich hielt. Und so bewegten wir uns nur schleppend von der Brandschutzverordnung in den Teilen A und B, die ich einst ganz unentgeltlich für mein frugales Salär und ohne zusätzliches Honorar ins Englische übersetzt hatte, weg zu anderen Aspekten. Ich habe nur wenig notiert – das Meiste lag im Grunde auf der Hand. Und es wurde auch alles nur etwa vier- oder fünfmal wiederholt … (Kollegin Brigitte erklärte mir hinterher, dies sei aus didaktischen Gründen notwendig. Ich erklärte ihr daraufhin, in meinem Studium auch ohne Notwendigkeit ein Didaktik-Seminar absolviert zu haben, und da habe man uns gesagt, Wiederholungen seien zwar sinnvoll, aber nicht überzustrapazieren, denn das bewirke das Gegenteil: Die Zuhörer schalteten irgendwann komplett ab. Oder rissen sich bei der vierten Wiederholung an den Haaren. So wie ich heute. Ich hatte allerdings auch noch nichts gegessen und nur drei Schlucke Kaffee zu mir nehmen können, als wir uns zur Unterweisung aufmachten … 😉 )

Einige interessante Neuigkeiten erfuhr ich – man sagt nicht mehr „Sammelplatz“, sondern „Sammelstelle“ -, aber das Meiste bestand aus Wiederholungen, und mehrfach war ich kurz davor: „Ja, bin ich denn der Leo?“ zu rufen. Ich weiß, das klingt total arrogant, aber mal im Ernst: Ist es so schwer, eine PowerPoint-Präsentation durchzugehen, ohne alles, was doch offensichtlich ist, drei- bis viermal durchzukauen? Ich frage mich, wie solche Leute im Brandfall agieren – wollen die dann auch diskutieren, was ganz offensichtlich ist? Zwei Wiederholungen, damit hätte ich leben können. Aber nicht vier!

Eine Kollegin aus dem Fachbereich Informatik schlug mit vielen Worten vor, man könne doch für den Notfall an den Fenstern nach außen sichtbar die Raumnummern anbringen. Mit sehr, sehr vielen Worten. Das war nach zweieinhalb Stunden, und vor meinem geistigen Auge erschien ein Szenario, das ich lange ad acta gelegt zu haben glaubte: Ali fährt nach dem Wochenende im Heimatort mit dem Zug zurück nach Aachen, an den Studienort. Bei Ausfahrt aus dem Hauptbahnhof in Düsseldorf passiert der Zug ein schmuckloses, mehrstöckiges Gebäude, in dessen Fenstern leichtbekleidete Frauen in eindeutiger Absicht wie Pose sitzen. An jedem Fenster eine Nummer, damit bei Einfahrt in den Hauptbahnhof etwaige Geschäftsreisende oder sonstige Männer auch schon wissen: „Ich will die Nummer 43! Die mit der gelenkigen Zunge und den Riesenmöpsen!“ Denn bei dem mehrgeschossigen Gebäude handelt es sich um einen Puff. Die haben auch Nummern an den Fenstern, die weithin sichtbar sind. Ich vermute wirklich, es lag an der Tatsache, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nichts gegessen und kaum Kaffee zu mir genommen hatte, dass mir diese Assoziation kam. Zum Glück konnte ich im letzten Moment meine bisweilen lose Zunge im Zaum halten. 😉 Viel fehlte aber nicht.

Als dann immer phantastischere Szenarien Erwähnung fanden – den Kollegen, die diese äußerten, hätte ich derart viel Phantasie gar nicht zugetraut! -, schnappte ich energisch meinen Schal, wickelte ihn mir um den Hals, obwohl es im Raum recht warm war. Dann griff ich nach meiner Jacke. Inzwischen saßen wir seit drei Stunden in der vorgeblich einstündigen Einweisung! Ich zog sehr energisch meine Jacke an, und Herr Grethel hatte dann auch ein Einsehen. Wahrscheinlich hält er mich jetzt für unhöflich, aber ich finde unhöflich, Menschen mit einem gewissen Restverstand drei Stunden festzuhalten, wenn wirklich nur eine Stunde ausgereicht hätte.

Belohnt wurde ich immerhin mit einer neongelben Warnweste mit reflektierenden Streifen, auf deren Rückenteil Evakuierung steht. In XXL.

Als ich mir draußen eine Zigarette anzündete, meinte Kollegin Brigitte abschätzig zu mir: „Was für eine furchtbare Sucht!“ Ich meinte grinsend: „Da du ja keine Löschtätigkeit übernehmen willst, fühle ich mich relativ sicher. Und, ja: Es ist eine Sucht. Aber wir haben ja alle irgendwo eine Macke, nicht wahr, Brigitte? Und Rauchen scheint mir im Vergleich zu anderen relativ harmlos.“ Und ich grinste Brigitte ein wenig diabolisch an.

Liebe Kinder – macht das nicht nach! Freiwillige Tätigkeiten sind ehrenvoll, werden aber nicht selten bestraft. Manchmal durch überlange Veranstaltungen, bei denen ein Drittel gereicht hätte.

Immerhin hat mein Chef mich heute gelobt: „Sie bringen hier wirklich sehr viel Einsatz, Frau B.!“ Ich habe nur mit den Schultern gezuckt.

Ein Hoch auf technische Errungenschaften! Oder?

Ich gebe zu, ich habe mich schon mit meinem ersten Handy schwergetan – und das war zu Zeiten, da die einzige Funktion außer Telefonieren, der Weck- und anderen vorsintflutlichen Funktionen nur zaghafte SMS waren. Ich musste mir allerdings wider meinen Willen ein solches Gerät anschaffen, da es beziehungstechnische Gründe dafür gab, über die ich ungern spreche. Dinge, die ich immer abgelehnt hatte, denn einer meiner ehernen Grundsätze früher war, niemals etwas mit verheirateten Männern anzufangen. Und doch ist es passiert – manche Dinge lassen sich schwer ausschließen. Das zumindest habe ich gelernt. Auch, dass der Grundsatz an sich sehr, sehr richtig ist … 😉 Und noch eines: Auch wenn die Ehe wirklich schon kaputt ist – die Ehefrau hat dennoch das Sagen. Erst recht, wenn ein Kind involviert ist. Das Kind mochte mich von klein auf, und vor zwei Jahren habe ich nach all den Jahren, die ich von seinem Vater glücklich getrennt bin, mit ihm seinen 17. Geburtstag gefeiert. In einem alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der nun dem AZ, dem Autonomen Zentrum in Aachen gehörte. Das allein schon der Witz in Tüten! Ich im Autonomen Zentrum! 😉 Meine stark linksgerichtete Zeit hatte ich spätestens ab dem Studium an den Nagel gehängt. Und so stark, wie die da linksgerichtet waren, eher schon vor dem 18. Lebensjahr. Ich will mich keineswegs darüber lustig machen, aber irgendwie kam mir das alles sehr bekannt vor – wie einer unter so vielen Entwicklungsschritten. 😉

Lina musste irgendwann simultan mit mir zur Toilette, und fast entschuldigend meinte sie zu mir: „Das ist hier alles ziemlich schlimm. Das ist nicht das, was du wahrscheinlich gewohnt bist.“ Ich sah mich einem kargen, grauen und traurigen Toilettenraum mit mehreren Kabinen ausgesetzt, an dessen Decke eine trübe Funzel vor sich hin glomm, auf dem Boden stand partiell Wasser- zumindest verlieh ich meiner Hoffnung Ausdruck, es handle sich nur um Wasser -, und es gab viele abgesprungene Fliesen an der Wand und auf dem Boden. Es war in der Tat recht unschön, aber ich bin nicht aus Zucker. Und ich musste lachen. Die kleine Lina, die ich seit ihrem knapp zweiten Lebensjahr kannte, wusste ja nicht, was man zu meiner Zeit als Studentin als völlig normal, wenn auch nicht schön, akzeptierte. Da war solch ein WC doch völlig in Ordnung, auch wenn ich das heute nicht mehr haben müsste. Jedenfalls nicht jeden Tag. Und so meinte ich zu ihr: „Linalein, ich möchte hier nur eines: pinkeln. Nicht mehr. Und dafür ist das doch völlig okay. Und es erinnert mich an meine Studentenzeit. Also – keine Sorge!“

Als ich aus der Toilette kam, strahlte sie mich an und meinte: „Du bist echt cool! Papa hätte dich heiraten sollen, nicht Sylvana! Die hätte total herumgezickt, wenn sie das Klo hier gesehen hätte!“ Ach, sie kam Jahre zu spät! 😉 Und so meinte ich nur cool: „Nein. Wenn das passiert wäre, wäre dein Vater tot und ich im Knast.“ Da sah sie mich mit großen Augen an. Dann lachte sie schallend und schlug mir auf die Schulter. Ich wusste schon, dass sie mich verstehen würde, als sie noch ganz klein war. 😉

Das zum Beginn meiner „Technologisierung“. Ich habe mich immer gesträubt. Nicht, weil ich zu doof für den jeweils nächsthöheren Level wäre, das nun wirklich nicht. Aber irgendwie schwante mir stets Böses, wann immer irgendeine „total tolle“ Neuerung auf den Markt kam. Mir war klar, dass die stets angepriesenen Vorteile einen ganzen Arsch voll Nachteilen mit sich bringen würden.

Es fing damit an, dass ich an meinen Nägeln zu knabbern begann, wenn ich nicht fünf Minuten nach Absenden einer Kurznachricht eine Antwort bekam. Was war da? Was war passiert? Warum antwortete der nicht? O Gott – was war passiert?

Ich muss zugeben, ich war nicht immer so alarmiert. Der Anfang war sogar ziemlich plausibel. Ich hatte eine SMS abgeschickt, eine in einer Folge diverser solcher. Und auf diese besonders liebevolle solche war keine Antwort mehr erfolgt. Am späten Abend. Und ich hatte danach die ganze Nacht kein Auge zugetan. Was hatte ich angestellt?

An den Folgetag erinnere ich mich höchst ungern. Selten war ich ein solches Nervenbündel bei der Arbeit gewesen. Den ganzen Tag keine Nachricht, und ich wusste nicht, was passiert war. Hatte ich etwas falsch gemacht? Wenn ja, was?

Als ich am frühen Abend nach Hause kam, endlich die erlösende SMS auf meinem Handy, das ich den ganzen Tag in Reichweite liegen gehabt hatte!

Giacomo war am Abend zuvor kollabiert und mit Verdacht auf Lungenentzündung ins Aachener Uniklinikum eingeliefert worden! Fast erstickt, da er ja Asthmatiker war. Ich atmete zunächst auf. Dann dachte ich darüber nach, wie erschreckend meine Reaktion war. Ich war allen Ernstes erleichtert, weil das Fehlen einer Antwort nicht auf einen Fehler meinerseits zurückzuführen war, stattdessen am Beinahe-Ableben meines Freundes gelegen hatte. Ich war kurz davor, mein schickes Siemens-Handy wegzuwerfen. Wenn das solche Folgen hatte, wollte ich lieber darauf verzichten. Allerdings waren Handys damals noch sehr teuer … 😉

Leider blieb es nicht nur dabei – immer mehr technische Möglichkeiten taten sich auf. Und wie gesagt, die haben nicht nur Vorteile. Ich sträubte mich lange gegen ein Smartphone. Ich saß ohnehin schon oft viel zu lange am PC. Und nun würde ich auch noch pausenlos die Möglichkeit haben, auf einen Rechner zuzugreifen. Ich bin da sehr selbstkritisch, ich wusste, ich würde die Möglichkeit nutzen. Irgendwie macht man sich ja doch abhängig, und das ist etwas, das ich im Grunde nicht mag.

WhatsApp war dann einerseits ganz besonders klasse. Super – man konnte wunderbar chatten, auch unterwegs. Allerdings hatte es einen Nachteil. Als es in der Beziehung zu meinem letzten Ex bereits kriselte, wurden die neckischen Nachrichten weniger, und oft bekam ich nur lahme Reaktionen – er hätte viel zu tun und keine Zeit. Und dennoch war er immer erstaunlich lange online. Warum? Wollte ich das wirklich wissen? Ich verdrängte den Gedanken, aber wie wir alle wissen: Verdrängen ist niemals gut. Wann immer ich WhatsApp öffnete, war ich nervös, ganz egal, wem ich schrieb. Irgendwie landete ich – natürlich – auch wieder bei meinem damaligen Noch-nicht-Ex, und das machte mich dann noch nervöser. Nun ja, irgendwann habe ich ja erfahren, warum er so oft online war. 😉 Seitdem stehe ich WhatsApp eher gespalten gegenüber.

Auch mit anderen technisch fortschrittlichen Dingen holt man sich nicht nur den technischen Fortschritt ins Haus, sondern auch zusätzliche Fehlerquellen, deren Kauf – haben sie sich als echte Fehlerquelle entpuppt – man dann haareraufend verflucht. Ich erinnere mich an eine nicht wirklich billige Kaffeemaschine. Lief wunderbar. Zunächst. Dann: nur noch Fehler, der superteure Kaffee schmeckte nicht. Und nach erstaunlich kurzer Zeit gab das blöde Ding seinen Geist dann zur Gänze auf. Dabei gehe ich mit technischen Geräten wirklich alles andere als wurschtig um, da man mit solchen und auch anderen Dingen unbedingt nur mit Gefühl und nicht mit Gewalt umgehen darf. Ich hatte nach dem Kauf die Bedienungsanleitung genau studiert, um nicht gleich etwas kaputtzumachen. Und wie dankte mir das blöde Gerät das Ganze? Ich ließ es – es war noch Garantie drauf – reparieren. Aber auch danach hielt es nicht lange. Der Reparateur hatte mir bereits gesagt, ich sei nicht die Einzige mit dem Problem. Immerhin. Ich hatte schon gedacht, der Maschine passe meine Nase nicht. Oder ich hätte ein Montagsprodukt erwischt. Beides wohl nicht zutreffend. Zähneknirschend schrieb ich die Maschine ab. Inzwischen benutze ich eine „Bodum Original French Press“. So kann es gehen. Manch einer mag das als Rückschritt sehen, ich sehe es als Fortschritt. An dem Ding kann höchstens der Glaszylinder kaputtgehen. Und der Kaffee schmeckt mir persönlich besser.

Mit Staubsaugern habe ich auch interessante Erfahrungen gemacht. Je mehr Hightech, desto mehr Probleme. Inzwischen habe ich einen stinknormalen Staubsauger. War nicht teuer. Funktioniert hervorragend.

Ich bin gespannt, was für ein Auto ich bekommen werde – es steht ja noch nicht fest. Hoffentlich nicht mit zuviel modernem technischem Equipment, denn das führt nur zu nervösen Anfällen, auch Wutanfälle genannt, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Und das braucht wirklich kein Mensch. 😉

Aber nun muss ich Schluss machen. Mein Smartphone hat mich gerade aufs Energischste darauf hingewiesen, dass ich mir heute anders, als geplant, nicht etwa einen faulen Lenz mache. „Mehr Sport!“ hat es mich vorhin angeherrscht, und sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich werde mich gleich also entweder aufs Fahrrad schwingen oder einen Gewaltmarsch absolvieren. Oder mein Smartphone aus dem Fenster werfen. Dabei verschaffe ich mir auch Bewegung. 😉

Manches klebt an einem wie Scheiße am Schuh … ;-)

Ich bitte, den unflätigen Ausdruck im Titel zu verzeihen – ich bin manchmal so, und manche Ausdrücke verdeutlichen gewisse Dinge auch ganz besonders gut. Und wer von uns ist noch nie in das getreten, was im Englischen so nett als „dog poop“ bezeichnet wird? Wer weiß nicht, wie hartnäckig diese Exkremente an der Sohle kleben, besonders gern in Profilsohlen – und wer kennt nicht diesen durchdringend-unangenehmen Geruch, den sie verströmen? (Wer je einen Hundewelpen mit Durchfall betreut hat, wird sich sein ganzes restliches Leben an diesen „Odeur“ erinnern, denn der lässt sich immer wieder abrufen, so erschütternd und umwerfend scheußlich ist er … 😉 Und man fragt sich stets: „Wie kann ein so süßes und niedliches – vor allem so kleines! – Wesen solch infernalische Gerüche produzieren?“ Gilt auch für menschliche Babys …) Nur Katzenexkremente sind noch schlimmer. Vertraut mir – ich kenne mich wirklich aus, sowohl mit Hunden, als auch mit Katzen und mag jede Tierart gleich gern, jede auf ihre ihr eigene Weise.

Wie komme ich jetzt darauf, obwohl ich über etwas ganz anderes schreiben will? Ach ja, klebt an einem wie Scheiße am Schuh …

Zwei Tage bin ich jetzt krank gewesen, nachdem ich seit Wochen schon mit einer On-/Off-Erkältung laboriere, die nie richtig herauskommt, anders als bei einigen meiner Kollegen, die es richtig hingehauen hat, mit zünftigem Husten und allem, was zu einer Grippe dazugehört. So etwas aber doch nicht bei mir! Nein, meine Erkältung ist zwar latent vorhanden, aber hat sich bis dato nicht zum echten Kracher entwickelt, wenn sie auch dafür sorgte, dass ich binnen 6 Wochen zweimal krank zu Hause war, was ich nicht mag, aber auch nicht ändern konnte, denn die Symptome hatten wohl beschlossen, diesmal nicht alle in kurzer Abfolge aufzutreten, sondern doch lieber zur Abwechslung mal über den Zeitraum einiger Wochen ihr hässliches Haupt zu heben. Vor einigen Wochen Halsschmerzen, als hätte ich Rasierklingen geschluckt, dazu Fieber. Am Mittwochmorgen, ergo gestern, Fieber, Schüttelfrost (zum Glück habe ich zwei Wärmflaschen, die allerdings auch nicht viel halfen), Kopf- und Gliederschmerzen. Ich war genervt bis zum Anschlag. Seit heute früh huste ich immer mal wieder dezent, und als ich gegen Mittag dreimal hintereinander niesen musste, geschah dies auf derart apokalyptische Weise, dass es mir fast das Gaumensegel gesprengt hätte. Tat ziemlich weh. Tut immer noch ziemlich weh.

Diese Erkältung scheint auch an mir zu kleben. Aber noch etwas anderes, denn gegen Mittag ereilte mich ein Anruf meiner Mutter, die zu meiner großen Überraschung fragte, ob ich im Büro sei. Ich starrte irritiert mein Telefon an. Meine Mutter hatte meine Festnetznummer zu Hause gewählt … Ich gehe davon aus, dass sie sie in ihrem Telefon abgespeichert hat und einfach „blind“ auf „Ali“ gedrückt hat. Immerhin habe ich drei verschiedene Nummern, zwei private, eine dienstliche. Alles andere würde mich sehr irritieren. 😉

Sie bedauerte, dass ich erkrankt sei, um dann, wie bei allen weiblichen Mitgliedern meiner Familie üblich, in einem kaskadenartigen Wortschwall loszulegen und zu erklären, sie hätte mal interessehalber bei ihrem Autohändler angerufen. Schließlich sei ich auf der Suche nach einem Auto. Sogleich überfiel leise Scham mich, denn in der Tat: Ich bin auf der Suche nach einem Auto. Meine Mutter hat schon eines. Sie meinte aber sogleich, das sei doch in Ordnung – sie hätte gute Erfahrungen mit dem Autohändler, und sie würde mir gern helfen. (Hinzu kommt, dass sie mir einen Kredit angeboten hat, damit ich, die ja nicht wie Onkel Dagobert einen Geldspeicher besitzt, in dem sie regelmäßig im Geld badet, nicht etwa auf eine Finanzierung bei einem Autohändler angewiesen sei – das sei so günstiger für mich mit der Abzahlung. Ich habe eine wirklich coole Mutter, überhaupt prima Eltern, auch wenn es manchmal „Differenzen“ gibt. Wo gibt es die nicht?) Sie meinte, die Angebote, die ich von verschiedenen Internetplattformen bekommen hätte, seien bis dato alle zwar nett gewesen, aber nett sei nun einmal die kleine Schwester von Scheiße, und einen Wagen, der über 100.000 km gelaufen sei, solle ich lieber vergessen. Und da ich einen Automatikwagen haben möchte, sei es ohnehin etwas schwieriger – Schaltwagen gäbe es wie Sand am Meer.

Sie zögerte ein wenig, als sie sagte: „Du weißt ja, dass unser Autohändler eine Ford-Niederlassung hat?“ Klar wusste ich das. Meine Familie fährt, seit ich denken kann, Ford. Einer meiner Onkel war ein sehr erfolgreicher Verkäufer in einer Ford-Niederlassung, was dazu führte, dass die ganze Familie quasi dazu verdonnert war, Ford zu fahren. Meine Mutter knirschte oft mit den Zähnen und meinte: „Warum kann Hans-Jörg nicht bei Mercedes, BMW oder Audi arbeiten? Die bauen wenigstens schöne Autos!“ Mein Onkel ist zwar leider anno 2013 verstorben, aber irgendwie sind meine Eltern dennoch an Ford hängengeblieben, denn speziell mein Vater ist ein sehr treuer Kunde, und er findet Ford ganz klasse, während Muttern und ich immer gierig gen VW und Audi starrten … Und mir schwebte nun, da ich mir einen Audi nicht leisten kann, auch eher ein VW vor – ein Golf. Da lag auch ein tolles Angebot vor, allerdings viel zu teuer. Dafür aber mit einer Ausstattung, die ich mir als Erstwagen nie hätte träumen lassen. Aber ich war schon in mich gegangen, das musste wirklich nicht sein. Und – typisch Frau – die Farbe war auch nichts, was ich mir bei einem Neuwagen ausgesucht hätte: silber! Sorry an alle Fahrer und Liebhaber silberner Autos, aber Silber wirkt irgendwie … spießig. Aber ich bin ja nicht doof, und wäre der Wagen etwas günstiger gewesen, hätte ich sicherlich nicht drauf gespuckt. Ein Vorteil von Silber übrigens: Man sieht nicht ganz so schnell, wenn der Wagen staubig ist. Eigentlich – abgesehen vom Spießerfaktor – die ideale Farbe für mich. 😉

Nun meinte Muttern: „Ich habe um Angebote gebeten, und ich habe gesagt, es müsse auch nicht zwingend ein Ford sein, weil ich weiß, du magst Ford genauso wenig wie ich. Und die haben da etwas gefunden, aber das dürfte deinen Vorstellungen nicht so entgegenkommen.“ Mir schwante Böses, und ich rief: „O Gott! Es ist ein Opel!“ Das einzige Opel-Modell, das ich einigermaßen ansprechend finde, ist der Astra … Aber Muttern lachte und meinte: „Nein, nein! Aber ähnlich beliebt bei dir und mir. Die haben einen Fiesta gefunden, Erstzulassung 2010, 60.000 km gefahren, Automatikgetriebe, für 8000,- €! Opel und Ford sind ja beide irgendwie nicht so der Brüller, irgendwie die gleiche Kategorie Auto. Aber wenn der Wagen in Ordnung und gut in Schuss ist, wäre es blöd, das Angebot zu ignorieren.“ Das sah ich genauso. Weder meine Mutter, noch ich sind blöd – überdies sind wir beide sehr kompromissfähig. 😉 Dennoch konnte ich mir die frauentypische Frage nach der Farbe des Wagens nicht verkneifen … Meine Mutter zögerte erneut und sagte dann kleinlaut mit leicht brüchiger Stimme: „Ali, er ist weiß.“ Weiß! Das ist noch schlimmer als silber! Hätte sie gesagt, er sei schwarz, hätte ich gejubelt. Obwohl man auch auf schwarzem Lack jeden Staubfussel, ganz zu schweigen von Dreck, sieht. Rot oder blau – ganz wunderbar. Aber nun das. Weiß!

Ich schluckte ein wenig. Dann dachte ich: „Ali, du bist eine dumme Nuss! Wen interessiert die blöde Farbe? Das Angebot klingt gut. Also – wenn dein erstes Auto weiß ist, ist es doch prima. Weiß ist herrlich neutral. Es hätte alles schlimmer sein können – Ockergelb oder Orange, zum Beispiel. Oder Neongrün.“ Zum Glück bin ich meist vernünftig, und da ich gerade an meinem PC saß, googelte ich nach „Ford Fiesta 2010 weiß“. Und was ich da sah, sah – für Ford – doch recht schnittig aus! Gar nicht schlecht. Nicht zu vergleichen mit den alten Fiesta-Modellen – der kleine Fratz sah aus wie ein richtiges Auto! 😉 Und ich meinte zu meiner Mutter: „Ist doch alles prima, trotz Ford. Mir ist doch klar, dass ich mich nach den Gegebenheiten richten muss – und das sieht doch gar nicht schlecht aus. Auch in Weiß. Gar nicht schlecht.“ Sie meinte, die Dame von der Ford-Niederlassung habe auf ihren Hinweis, sie seien Kunden des Autohauses, zufriedene bisher, lachend gesagt, das solle auch so bleiben, und sie würden, da der Wagen nicht in ihrem Haus stehe, hinfahren und ihn genau unter die Lupe nehmen, als würden sie ihn für sich kaufen. Dennoch wollte sie nach weiteren Angeboten schauen, da man ja nicht nur auf ein Angebot setzen solle.

Klang gut, und ich bedankte mich ganz stürmisch bei meiner Mutter, die meinte: „Da nich‘ für. Wird ja Zeit, dass du motorisiert wirst.“ Und sie habe mehr Erfahrung beim Kauf von Autos. Das stimmt. Meine Mutter ist der absolute Verkäuferschreck, egal, ob es sich bei dem zu kaufenden Objekt um Wohnungen, Autos oder Wintermäntel handelt. Sternzeichen Jungfrau, sieht jeden kleinen Mangel und scheut sich auch nicht, darauf hinzuweisen und zu verhandeln. Als sie dabei war, als ich auf der Suche nach einer Eigentumswohnung war (ihre Idee, ich hätte weiter zur Miete gewohnt, bin aber sehr zufrieden), hatte der Makler, glaube ich, im Laufe der Verhandlungen regelrecht Angst vor ihr. Ich fand es klasse. Ich bin da leider viel wurschtiger und nachlässiger.

Zum Abschluss unseres Telefonats meinte sie grinsend: „Ich weiß, du magst Ford nicht. Geht mir ja genauso. Diese Marke klebt irgendwie an uns …“ Und sie suchte nach Worten. Ich ergänzte: „… wie Scheiße am Schuh.“ Sie lachte und meinte: „Die beste Ergänzung meines Satzes, die ich mir vorstellen kann. So anschaulich. Hätte von mir sein können.“ Ja, klar, Muttern und ich ähneln einander in mancher Hinsicht sehr. Zum Beispiel im Gebrauch eher drastischer Worte. 😉

Nun bin ich gespannt, ob es wirklich der weiße Fiesta werde. Wenn ja, könnte ich schon in zwei Wochen ein eigenes Auto haben … Mein erstes. Und das in meinem Alter! 😉 Aber besser spät, als nie … 😉

Was auch immer es wird, ich weiß schon jetzt, dass es nicht das ist, was mir vor meinem wunschtraumvernebelten Auge erschien. Das ist bei mir immer so. Aber ich bin zum Glück ein wirklich kompromissfähiger Mensch, und meist kommt es dann so, dass ich den Kompromiss niemals missen wollte. Mal abgesehen von meiner Arbeit – das ist die einzige Ausnahme … 😉

„Jumpy, frantic, all messed up“

Heute war mal wieder einer jener Tage, an denen ich mir selber manchmal rechts und links eine knallen könnte. Zünftig und mit Vor- und Rückhand. In fliegenden Wechseln. (Ich bin früher geritten, daher die „fliegenden Wechsel“, die ich jedoch mangels Klasse im Galopp nie gelernt habe – ich konnte maximal einfache Galoppwechsel. 😉 )

Noch immer verstört und enttäuscht ob der wundervollen Zulage statt gerechter Höhergruppierung, wobei sich letztere wenigstens rententechnisch bemerkbar gemacht hätte, erstere hingegen jederzeit widerrufbar ist und sich auf die Rente in -zig Jahren nicht auswirken wird, empfand ich den heutigen Tag als völlig irre. Vor allem, je weiter er fortschritt.

Morgens um 8 hatte ich einen Termin beim hiesigen Straßenverkehrsamt – mein neuer Führerschein harrte seiner Abholung. Mein alter war mir abhandengekommen – schade um das Foto, auf dem ich eigentlich ganz süß aussah, so mit 17 Jahren -, und ich hatte einen neuen beantragen müssen. Einen im Scheckkartenformat – endlich ein netteres Format! Allerdings hatte das Stück Kunststoff einen ziemlich hohen Preis gehabt: 65,- € hatte ich in den Zahlautomaten des Hauses, sprich: Straßenverkehrsamt, werfen bzw. von meiner EC-Karte abbuchen lassen müssen. Okay, im Preis inbegriffen war der vorläufige Führerschein, ein schlecht bedrucktes amtliches Formular mit Siegel und Unterschrift, das nur im Kontext mit dem Personalausweis gültig war, da kein Foto darauf prangte. Aber mit Fotos von mir bin ich ja ohnehin heikel. 😉 (Auf dem Foto auf meinem Personalausweis sehe ich total bräsig aus. Ganz zu schweigen von der Versichertenkarte meiner Krankenkasse – da sehe ich aus wie „Herman, the happy hamster“ und als wöge ich eineinhalb Zentner mindestens. Grauenhaft!) Der neue Führerschein hat ein Foto, das einigermaßen anständig aussieht, und künftig werde ich mich nur noch mit dem Führerschein ausweisen. Interessant ist die Rückseite: Mir war gar nicht klar, wie viele verschiedene Fahrzeugtypen  bzw. -gespanne ich fahren dürfte, wenn ich denn wollte! Ich gebe zu, ich würde es als unbeteiligter Dritter als wenig ratsam erachten, mich mit einem PKW plus Anhänger fahren zu lassen, obwohl ich es dürfte. Ich dürfte, wenn ich denn wollte, sogar kleinere LKW fahren. Mein Favorit jedoch: der Gemeine Trecker!  😉 Den dürfte ich auch fahren. Wenn ich denn wollte. Ich würde mir selber jedoch dringend davon abraten – wie auch von allen anderen Fahrzeugen außer einem stinknormalen PKW, auch wenn erschreckend viele auf der Rückseite der „Scheckkarte“ als für mich erlaubt vermerkt sind. Die ausstellende Behörde kennt mich ja nicht persönlich. Ich kenne mich hingegen sehr wohl. Zumindest in puncto Führen von Fahrzeugen. 😉

Als ich vor dem StVA ankam, auf die Minute pünktlich, war die Außentür der Behörde nicht einmal aufgeschlossen! Und das alles von unseren Steuergeldern! 😉 Endlich kam eine blonde Maid mit einem Zopf, der an Rapunzel gemahnte, und schloss die Tür auf, vor der sich bereits eine Schlange gebildet hatte. Einige der Wartenden hatten Nummernschilder unter dem Arm. So weit war ich noch nicht. Aber ich wusste wenigstens, wo die Führerscheinstelle war. Im Keller. Und da ich entgegen meinem allgemeinen Erscheinungsbild ein Mensch mit einem gutmütigen Herzen bin, wies ich auch gleich einer Mutter mit einer Teenager-Tochter den Weg dorthin. Ich hatte ja meine Aufruf-Nummer schon – so etwas mache ich immer online. Im Keller blinkte mir die „3001“, meine Nummer, auch schon hektisch auf der Anzeigetafel entgegen. „Platz 2“ stand dahinter. Ich pochte artig an die Tür – endlich einmal pünktlich! Die Tür erwies sich als abgeschlossen, und das bis acht Uhr fünf! 😉 Aber wehe, ich wäre verspätet eingetroffen! 😉 Die Dame, die mich schließlich in Empfang nahm, wirkte schlechtgelaunt, und völlig unempfänglich für humoristische Anmerkungen meinerseits händigte sie mir meinen neuen Führerschein aus, kassierte den vorläufigen ein, fragte völlig humorbefreit, ob ich den alten wiedergefunden hätte, was ich verneinte. Dann musste ich noch einen amtlichen Wisch unterschreiben und entschwebte nebst „Scheckkarte“ froh den heiligen Hallen. Ich hasse Behördenbesuche!

Knapp nach meiner Bürogenossin Janine kam ich im Büro an. Da herrschte schon dicke Luft. Ein Fahrzeug des Arbeitgebers war auf dem arbeitgebereigenen Parkplatz ausgebrannt, letzte Nacht. Man vermutete Brandstiftung. (In der Tat – das war wahrscheinlicher als eine Selbstentzündung, obwohl auch technische Defekte bisweilen zu Bränden führen können. Nachdem aber auch anderweitige Spuren von Vandalismus aufgetreten waren, schien dies weniger wahrscheinlich.)

Schon zuvor, bei Betreten unserer Etage, hätte ich eigentlich wissen müssen, dass ich am besten hätte umkehren sollen, als mir – ich hatte zwei Stöpsel in den Ohren und hörte Musik, weil es die Nerven beruhigt, vor allem bei Betreten des Arbeitsplatzes – meine bisweilen hektische Kollegin Andrea entgegenkam, die irgendwie anders tickt als der Durchschnitt. Ich mag Andrea sehr, sie ist ein sehr lieber Mensch, und käme es hart auf hart, würde ich sie mit Zähnen und Klauen verteidigen, aber manchmal macht sie mich wahnsinnig!

Ich gebe zu, ich hatte wenig Lust, die Stöpsel aus den Ohren zu nehmen, als ich sie wild gestikulierend und redend auf mich zukommen sah … Ich bin Kummer gewohnt. Ich ging einen Kompromiss ein und nahm den rechten Stöpsel aus dem rechten Ohr, und da quollen mir auch schon Wortfetzen entgegen: „Farbdrucker! […] Fixierer! […] Toner!“ Da wir vor Andreas Urlaub zusammen mehrere Bildtrommeln und Tonerkartuschen ausgetauscht hatten und bereits angezeigt wurde, auch die Cyan-Bildtrommel müsse alsbald – wenn wirklich aufgebraucht, was nicht der Fall ist – ausgetauscht werden und ich Andrea erklärt hatte, ich hätte keinen Fixierer und sei überdies nicht Druckerbeauftragte, dachte ich, das Thema sei durch. Und so hob ich defensiv meine Hand und meinte nur: „Ich bin gerade zur Tür herein, Andrea – Gnade! Komm am besten in einer Viertelstunde zu mir, und dann sprechen wir darüber. Dann habe ich Ruhe. Wenn ich eigentlich auch für den Drucker nicht verantwortlich bin.“ Wer nach einer Viertelstunde nicht kam, war Andrea. Ich gebe zu, ich war nicht böse darüber.

Der Vormittag gestaltete sich hektisch. Ich kam nicht dazu, etwas zu essen. Gegen Mittag gingen Janine und ich vor die Tür, um eine oder zwei Zigaretten zu rauchen. Bei der zweiten Zigarette sahen wir den Kollegen Chuck nahen, dessen letzter Arbeitstag heute war. Das auch noch. Ich bin schlecht in Abschieden.

Chuck hatte einen gigantischen Kuchen zu seinem Ausstand dabei! Er hatte ihn zwar nicht selber gebacken, sondern seine Mutter, aber ich habe Ehrfurcht vor dieser mir gänzlich unbekannten Frau. Ich liebe Kochen, koche auch recht gut, wie mir wiederholt erklärt wurde (sogar ganz ohne Druck meinerseits! 😉 ), aber ich hasse Backen! Mir fehlt die Geduld, Plätzchen zu backen, sie gar noch zu verzieren, und ich bin ohnehin keine „Süße“. Dieser Kuchen war bombastisch! Ich hätte niemals Geduld und Begeisterung aufgebracht, so etwas herzustellen. (Denn ich koche so gerne, weil man ja immer abschmecken muss und jegliches Rezept wunderbar abwandeln kann – beim Backen ist man irgendwie viel mehr an die Vorgaben gebunden, weil der Kuchen sonst nicht gelingt, und die Kreativität bezieht sich in der Hauptsache dann auf die Verzierung, wofür mir wieder das Händchen, die Begeisterung, Geduld und die Präzision fehlen. Ich ziehe meinen Hut vor Konditoren und Pâtissiers – dafür muss man geboren sein. Ich bin viel zu hektisch.) Dieser Kuchen hatte einen Fondantüberzug in Grün und Weiß, und das „Firmenlogo“ war auf der oberen Hälfte originalgetreu abgebildet, was mich förmlich umwarf. Von Konditoren kannte ich das, nicht aber von Privatpersonen. Ich stellte mir meine Mutter vor, wie sie diesen Kuchen herstellen sollte – wahrscheinlich wäre ich im Zuge des Herstellungsvorgangs enterbt worden. Das Ergebnis hätte sicherlich ähnlich perfekt ausgesehen, nur würden meine Mutter und ich kein Wort mehr miteinander wechseln, meine Mutter sich an den Haaren reißen und noch Wochen später räsonieren, dass ihr diese eine, spezielle Linie im Logo nicht perfekt gelungen sei. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie mir a priori gesagt hätte: „Das ist dein Ausstand, also sieh selber zu!“ Der Unterschied zwischen Töchtern und Söhnen … 😉

Zwischendurch klingelte ständig das Telefon, von meinem Chef gewünschte Telefontermine wurden nicht eingehalten, während ich die Anrufer hinhalten musste – mir ist so etwas ohne triftigen Grund immer peinlich, und ich hasse es wie die Pest, wenn ich meinen Chef für einen vereinbarten Telefontermin aus einem anderen Termin holen soll, er aber sagt: „Ich komme gleich. Wir rufen zurück.“ Obwohl er derjenige ist, der den Termin überhaupt haben wollte, auf den der andere Gesprächspartner bestimmt nicht gewartet hat. Aber ich werde ja fürstlich für derlei Peinlichkeiten entlohnt, inzwischen zumindest „bezulagt“.

Bis nachmittags hatte ich gerade ein halbes Stück Kuchen gegessen, sonst nichts. Und dann noch diese Abschiedssituation! Ich hasse Abschiede wie die Pest! Bei Menschen, die ich mag, zerfließe ich entweder in Tränen, oder ich bin ruppig. Heute war ich ganz besonders ruppig. Mir ist Möglichkeit 1 eigentlich lieber, aber nicht immer angebracht. Wer bricht schon gern in Tränen aus? 😉

Nachdem Chuck gegangen war, fragte mein Chef allen Ernstes: „War hier heute ein Abschied?“ Und er sah mich an, als hätte er etwas verpasst. Ich sagte etwas schnippisch: „Ja. Hier war ein Abschied – Herr M. ist gegangen.“ – „Herr M.?“ – „Ja, der Kollege aus der Abteilung […].“ – „Kenne ich gar nicht, aber hier herrscht eine recht niedergedrückte Stimmung. Daher fragte ich.“ Mein Chef kannte Herrn M. nicht. Janines Chef kannte ihn auch nicht. Aber die beiden kennen ihre eigenen Mitarbeiterinnen nicht. 😉

Eigentlich hätte ich anders reagieren und sagen sollen: „Aber nein, Chef! Wir hier auf dem Flur verabschieden uns immer so voneinander, wenn wir nach Hause gehen! Wir nehmen einander immer in den Arm! Nur die Chefs nicht, ansonsten aber jeden Tag! Wider die Ignoranz und die soziale Kälte!“ Ich wollte aber den Bogen nicht überspannen. Ich bin ja keine Beamtin, ergo nicht unkündbar. 😉

Dann wurde meine Bürogenossin noch zum Rapport zum Chef gerufen, und sie kam ziemlich verunsichert zurück. Man hatte ihr allen Ernstes angelastet, dass sie seit der Verkündigung, man wolle uns nicht höhergruppieren, aber uns mit einer Zulage abspeisen, distanzierter als sonst reagiert hatte. Da hatte ich dann den Kaffee für heute total auf! Ab 17 h war ich zu nichts mehr zu gebrauchen, und ich ging dann nach Hause.

Wollen wir hoffen, dass der morgige Tag besser werde! Immerhin weiß ich, wie er enden wird, denn um 21:45 h habe ich eine Übungsstunde mit „Matt“. 😉 Immerhin etwas Erfreuliches. 😉

Pas un coup de foudre

Heute früh bin ich um Viertel nach sechs aufgestanden, und das richtig fröhlich. Ich war – was zu dieser für mich persönlich frühen Stunde ungewöhnlich für mich ist – sehr gut gelaunt. Endlich einmal früher bei der Arbeit sein! Ich ging, ein fröhliches Liedchen trällernd, unter die Dusche, machte mich fertig, und mir gefiel sogar, was ich dann als Resultat im Spiegel sah. Das ist nicht jeden Tag so. Ich bin da aber auch extrem kritisch. 😉

Und beschwingt begab ich mich zur Straßenbahn- und Bushaltestelle. Was war das? Auf der Anzeige stand, die nächste Bahn werde in 13 Minuten kommen. Was für eine krumme Zahl! Die Bahnen fahren alle zehn Minuten – wenn man dem Plan Glauben schenken will. Und so stand ich eine halbe Stunde, bis der 98er Bus kam, den ich dann wutschnaubend nahm – die gute Laune weg. Naja, zumindest temporär, weil ich eiskalte Hände und Füße hatte, was ich gar nicht mag. Aber wer mag das schon?

Im Bus hörte ich die ansonsten in dieser Linie besonders lauten Gespräche über die neuesten Streiche der Enkelchen der Erzählenden nicht – allesamt Genies. Also: die Enkel. 😉 Nein, ich finde ja selber nett, wenn sich Omas und Opas ganz stolz über ihre Enkel austauschen. Nur: Ich glaube nicht so ganz, dass die alle ausnahmslos kleine Genies seien. 😉 Ich habe früher viel mit Kindern gearbeitet und damit auch mit den stolzen Eltern und bisweilen Großeltern. Die tendieren bisweilen etwas zu Übertreibungen. Nein, das ist zu negativ. Ich meine es nicht böse – meine Eltern waren ja wohl ähnlich, was meine Schwester und mich betraf, und hätte ich Kinder, wäre ich sicherlich nicht viel anders. Eltern und sonstige Anverwandte sehen die Gegebenheiten einfach per naturam eher subjektiv. 😉

Ich hörte die Gespräche nicht, da ich Musik hörte. Mir war heute nach französischer Musik, nach Zaz und ihrem Album „Paris“. Alles altbekannte Chansons verschiedener Interpreten, nur sehr jazzig interpretiert; die meisten Chansons sehr schwungvoll, und fast hätte ich mitgesungen. 😉 Zumindest bei den Chansons, die ich kannte. Erstaunt war ich, dass ich selbst bei den mir weniger bekannten Liedern die Texte sehr gut verstand, denn abgesehen von meinem letztjährigen Sommerurlaub habe ich fast nie Gelegenheit, meine französischen Sprachkenntnisse anzuwenden, die ich – Frau Vosskühler und Monsieur Faubourg sei Dank! – ab der neunten Klasse im Rahmen der dritten Fremdsprache nach Englisch und Latein und ab Jahrgangsstufe 11 sogar als Leistungskurs erworben habe.

Ich gebe zu, meine LK-Wahl war schon ein wenig gewagt: zwei Fremdsprachen, Englisch und Französisch – ich war die Einzige in meiner Jahrgangsstufe mit 116 Schülern, die so wahnsinnig gewesen war. (Ähnlich wahnsinnig wie die, die Mathe und Physik oder Mathe und Chemie oder Physik und Chemie gewählt hatten.) Und meine Mitschüler sahen mich auch immer so an, als wäre ich nicht ganz dicht, wenn ich meine Leistungskurs-Kombination erwähnte. 😉 (Ich muss gestehen, dass ich auch etwas Angst vor der eigenen Courage hatte, als nichts mehr an den Gegebenheiten zu ändern war. Was Sprache und Sprachen anbelangt, bin ich erschreckend genau, was ansonsten gar nicht zu meinem Wesen passt. 😉 )

Frau Vosskühler war immer sehr überzeugt von meinen Fähigkeiten gewesen, und ich beherrschte das Ganze wohl auch recht gut. Aber ich hatte gerade einmal zwei Jahre Kenntnisse in dieser Sprache, als es dann mit dem LK losging. Und Monsieur Faubourg war ein sehr strenger Muttersprachler! 😉 Meine Schwester Stephanie hatte auch einen LK Französisch bei ihm gehabt, und ich hörte sie immer mit den Zähnen knirschen, obwohl sie durchaus gute Noten hatte. Auch von anderen Eingeweihten hörte ich Schauerliches: „Der Typ honoriert nichts, ist arrogant. Außerdem ist er immer so sarkastisch. Speziell dann, wenn man Fehler macht.“ Ich steuerte munteren Zeiten entgegen. Aber als ich das hörte, war schon nichts mehr zu ändern.

Die erste Stunde im Franz-LK war schneller da, als mir lieb war, denn ich war inzwischen selber etwas nervös geworden. Und ich kannte mich ja: Schon damals war meine Fertigkeit, ins Klo zu greifen, recht ausgeprägt. Wir saßen, da der Franz-LK nicht sehr groß war – nur wenige aus der Jahrgangsstufe waren dem Wahnsinn anheimgefallen –, in einem netten Halbkreis vor dem Tisch unseres Lehrers, der die, die seit der siebten Klasse Französisch gehabt hatten, allesamt wiedererkannte. Klar, denen hatte er ja höchstselbst die Grundlagen eingehämmert. Plötzlich fragte er: „Wer ist Mademoiselle B.?“ Und er nannte meinen Namen. Ich hob meine Hand, und er sah mich an und meinte: „Sie sehen ja ganz anders aus als Stéphanie. Sie sind doch die `sœur cadette‘ von Stéphanie B., nicht wahr? La petite sœur, n’est-ce pas?“ Ich gab zu, schuldig und die kleine Schwester von „Stéphanie“ zu sein – eine Rolle, die ich schon immer geliebt hatte! -, und er sah mich an, als wolle er mir bis auf den Grund meiner schwarzen Seele blicken. Dann schüttelte er leicht den Kopf und meinte: „Gar keine Ähnlichkeit. Spannend.“ Und er brabbelte: „L’une a les yeux bleus et les cheveux châtains, l’autre a les yeux verts et les cheveux blonds.“ Ich war etwas sauer – was sollte das denn, und was hatten Haar- und Augenfarbe hier zu suchen? Und so meinte ich: „Ich hoffe aber doch, dass Sie mich nicht gleich aus dem Raum weisen, weil ich keine Ähnlichkeit mit meiner Schwester habe!“ Da sah er mich an, grinste und meinte zu sich selber: „In der Tat. Keine Ähnlichkeit.“ Ich war so schlau wie zuvor.

Die nächsten Wochen zeigten, dass in diesem Kurs wirklich gelernt wurde, obwohl unsere allererste Lektüre eigentlich nett war: „Le petit Nicolas“ – „Der kleine Nick“, ein nettes, harmloses Buch. Da dachte ich noch: „Was haben die denn alle für einen Aufriss gemacht? Das hier ist doch harmlos!“ Doch dann schwenkten wir um auf Eugène Ionesco, und Monsieur Faubourg entpuppte sich als wirklich sehr strenger Lehrer. Am liebsten quälte er uns mit den französischen Nasallauten, die seiner Meinung nach besonders schwer, das Schwerste des Schweren, seien. (Der Mann hat noch nie versucht, Niederländisch zu lernen und das Wort „uien“, „Zwiebeln“, authentisch auszusprechen … 😉 Aber wozu sollte er das auch tun, nachdem seiner Meinung nach Französisch die Königin der Sprachen sei … 😉 ) Und so saßen wir da in unserem trauten Halbkreis und mussten der Reihe nach: „fond“, „bon“, „Saint Germain“, „J’ai dix-sept ans“, „enfin“, „bien“, „un“, „En Besançon, on chante des chansons très souvent“ und weitere Repräsentanten der jeweiligen Nasale laut artikulieren.

Auch nervte ihn, den französischen Schöngeist, unsere deutsche Aussprache des Adverbs „naturellement“. „Ah! Sie sagen immer `natürlemo‘! Das ist so deutsch, das ist nicht gut! Es heißt `natürell(e)mo‘!“ (Natürlich mit dem entsprechenden Nasal im Auslaut … 😉 )

Immer mehr stellte sich heraus, dass das kein Leistungs-, sondern ein Hochleistungskurs war. Wir wurden – neben der literaturwissenschaftlichen Seite nebst Lektüren von und Diskussionen über Camus, Sartre, Zola, Molière, Voltaire, Montesquieu, Balzac und Konsorten – sprachlich geschliffen, als hätte Monsieur Faubourg bereits Erfahrung als Feldwebel gesammelt. Und immer sagte er mit leisem und sarkastischem Grinsen: „Es wird der Tag kommen, an dem Sie mir dankbar sein werden.“ Den Satz kannte ich. Und ich mochte ihn nicht. Den hatte mein Vater auch immer geäußert, wenn ich mich beschwerte, dass ich doch eigentlich nie Klavierunterricht hatte haben wollen … 😉 Nichts gegen ein Instrument, aber dann doch eines meiner Wahl, und das war nicht das Klavier, sondern die Querflöte. Die wurde mir in Aussicht gestellt, wenn ich immer fleißig Klavier üben würde – eine tolle Motivation, wenn man beachtet, dass ich eigentlich gar nicht Klavier spielen wollte … 😉

Da so vieles nervte, fing ich zu rebellieren an. Es begann leise, steigerte sich aber stetig. Auf dem Höhepunkt war die Rebellion, als wir die Zeit des Zweiten Weltkrieges thematisierten und Monsieur Faubourg dreist behauptete: „Toute la France était dans la Résistance!“ Ah, ja. Ich fragte mit frechem Ausdruck, was denn mit den Kollaborateuren gewesen sei. Da schwenkte er rasch auf ein anderes Thema um und war auch nicht auf das Ursprungsthema zurückzubringen. Das ärgerte mich, und ich fragte meinen Lehrer, der aus Lille, also dem äußersten Norden Frankreichs kam, ob er denn eigentlich wirklich Franzose und nicht vielmehr Belgier sei – die Grenzsituation sei da doch stets etwas heikel und unklar gewesen. Er sah mich erst ziemlich konsterniert an, grinste dann aber und nannte mich „une fille très méchante“; und er bemerkte, „Stéphanie“ hätte so etwas sicherlich nie gesagt. Ich gab zurück: „Ganz sicher nicht, aber ebenso sicher hätte sie sich Ähnliches gedacht, weil ihr wohl auch ziemlich auf die Nerven ging, wie einseitig patriotisch Sie sind! Ich frage mich ja schon manchmal, warum Sie in einem Land leben, das Sie offenbar gar nicht mögen, was Sie uns hier im Kurs dauernd vorbeten und uns dabei das Gefühl vermitteln, und das zum Teil sehr deutlich, dass wir Abkömmlinge eines erheblich schlechteren Systems seien. Warum leben Sie dann eigentlich hier?“ Da erklärte er, seine Frau sei Deutsche und wie er Lehrerin. Ich meinte: „Ah, jetzt ist alles klar.“ Er fragte: „Wie meinen Sie das?“ Ich gab zurück: „Ihre Frau ist doch sicherlich verbeamtet?“ – „Ja.“ – „Würden Sie beide in Frankreich leben, dem Land ewigen Sonnenscheins, auch in Lille, selbstverständlich, wären Sie beide Angestellte, und das wäre sicherlich nicht so attraktiv. Ich glaube, in Frankreich bekommen Lehrer nicht so viel Geld, oder? Hier sind nur Sie angestellt, und Ihre Frau ist Beamtin.“ Da sah er mich lange an – und fing dann zu grinsen an. Nach der Stunde bat er mich zu sich und meinte: „Sie rauben mir auch noch den letzten Nerv, Mademoiselle Ali! Vous êtes un clou de cerceuil d’une certaine manière. In gewisser Weise sind Sie ein Nagel zu meinem Sarg. Manchmal habe ich schon Bedenken, überhaupt etwas zu sagen, weil ich stets mit Ihrem Widerspruch rechne, weil sich erwiesen hat, dass ich unbedingt damit rechnen muss. Sie sind so ganz anders als Ihre Schwester. Aber das war mir schon in der allerersten Stunde klar. Sie hatten so etwas Aufmüpfiges im Blick. Und ich war auch schon vorgewarnt worden.“

Das interessierte mich. „Wer hat Sie vorgewarnt? Vor mir?“ – „Ja.“ – „Wer war das?“ – „Frau Vosskühler. Die hat sich immer beschwert, ich sei ihr zu sarkastisch und allzu patriotisch, obwohl wir einander gut verstehen. Und dann kam sie eines Tages an und meinte, nun würde ich ja bald meine Meisterin finden.“ – „Wie bitte?“ – „Ja, da hatte sie wohl erfahren, dass Sie in meinen Leistungskurs kommen. Und sie hat sich darüber sehr gefreut. Und in der ersten Stunde habe ich dann Ausschau nach jemandem gehalten, der wie Stéphanie aussieht. Ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass Sie ganz anders aussehen. Und Sie sehen nicht nur ganz anders aus. Haben Sie wirklich dieselben Eltern?“ Ich versicherte ihm, dass dies so sei, und er schüttelte nur seinen Kopf und meinte: „Faszinierend.“

Und obwohl meine Sprüche nicht abrissen, wenn Monsieur Faubourg – und das tat er oft – Gelegenheit dazu bot, muss er mich wohl gemocht haben. Offenbar so sehr, dass er mehrfach rief, meine französische Aussprache sei so reizend, als sei ich „une vraie Parisienne“. Ich fand das immer übertrieben, aber er meinte, ich klänge in der Tat so reizend wie eine Pariserin, speziell dann, wenn ich „oui“ oder Vergleichbares sagte – das klänge so nett und authentisch. (Das änderte sich schlagartig, nachdem ich über Ostern zwei Wochen in Südfrankreich gewesen war, denn da kehrte ich zurück und klang wie ein Straßenjunge. Von reizendem „oui“ keine Spur mehr, so rotzte ich das allenthalben übliche „ouais“ in die Gegend. Monsieur Faubourg war entsetzt, aber ich meinte nur, er müsse sich auch mal entscheiden, was er wolle: Er selbst habe uns zu vielen Frankreichaufenthalten geraten, um die Sprache „ganz authentisch“ zu sprechen. Und genau das täte ich, denn kein Mensch würde so geschliffen-niedlich „oui“ sagen. Das müsse er als waschechter Muttersprachler aber doch wissen – oder ob er doch eher Südbelgier sei und kein Nordfranzose, was aber ja im Grunde aufs selbe herauskäme … 😉 ) Das zog bei ihm immer, und erneut brabbelte er „Vous êtes une fille très méchante!“ in seinen Schnäuzer …

Doch egal, was ich tat – Monsieur Faubourg mochte mich. Wir haben einander nach meinem Abi sogar mehrfach geschrieben, als ich bereits in Aachen studierte, und das, obwohl er meine Fächerauswahl bis auf eine Ausnahme nicht goutierte. Anglistik! Ihm wäre lieber gewesen, hätte ich Romanistik studiert, da die erste Sprache dabei Französisch war … 😉 Die Königin aller Sprachen. 😉

Daran musste ich heute denken, als ich Zaz hörte und sogar die Texte der mir unbekannten Chansons weitestgehend verstand. Ohne Monsieur Faubourgs Drill wäre mir das sicherlich nicht gelungen. Und noch immer beherrsche ich die französischen Nasale hervorragend, ganz zu schweigen vom französischen R, welches besonders guttural klingt, sehr hart.

Nur nach Frankreich wollte ich lange Zeit nicht reisen, bezeichnete mich sogar als „nicht frankophil“. Alles Monsieur Faubourgs Schuld. 😉 Bis letzten Sommer. Seitdem bin ich Frankreich-Fan. 😉

Und tatsächlich bin ich ein wenig dankbar gewesen, als ich im Urlaub bisweilen nach Worten rang, aber dafür die Höflichkeitsform beim Bestellen im Restaurant beherrschte. Merci, Monsieur Faubourg! Wenn Sie mich hätten sprechen hören, wären Sie sicherlich manchmal in Tränen ausgebrochen, aber ich bin mir sicher, bei der Höflichkeitsform hätten Sie wieder gelächelt, sich selber auf die Schulter geklopft und gesagt: „Wenigstens etwas hat Mademoiselle Ali behalten!“ 😉

Frankreich und mich verbindet keineswegs ein „coup de foudre“, Liebe auf den ersten Blick. Es ist eher Liebe auf den zweiten bis dritten Blick gewesen … 😉 Aber sowas ist meist nachhaltiger.

Mein Date mit Matt

Heute hatte ich ein Date mit einem coolen Typen. Für 15:45 h waren wir verabredet. Ich war furchtbar nervös. Ein solches Date hatte ich schon sehr lange nicht mehr gehabt, war morgens auch in Sorge gewesen, wie das Ganze wohl zwischen uns funktionieren würde, denn Typen wie Matt sagt man nach, bei gewissen Witterungsbedingungen nicht ganz so angenehm zu reagieren. Nicht, dass sie wetterfühlig oder gereizt reagierten, aber sie sind da ein wenig sensibler und heikler im Umgang als andere, bodenständige Typen. Und als ich heute früh aus dem Fenster geblickt hatte, hatte mich fast der Schlag getroffen: Draußen glitzerte alles silbrig, und silbrige Flocken fielen vom Himmel. Exakt das Wetter, bei dem die Matts dieser Welt nicht ganz so angenehm sind.

Ich hatte vor vielen Jahren schon Kontakt zu einem solchen Typen gehabt – allerdings nur bei wärmerem, trockenerem Wetter, und da war der Typ einfach wunderbar gewesen. Tat, was ich wollte, schnurrte wie eine Katze dabei – was will man mehr? 😉 Leider waren wir dann getrennt worden – der Lauf der Welt. Und ich hatte nach der Trennung sehr unter dem Typen zu leiden, der folgte, denn der folgte meinen Vorstellungen leider überhaupt nicht, war eher total bockig, und oft war ich den Tränen nahe. Manchmal weinte ich auch und rief, nie wieder würde ich mich mit derartigen Typen überhaupt einlassen. 😉 *

Um 15:45 h stand ich heute am vereinbarten Treffpunkt. Das Wetter war zum Glück besser geworden, es schneite nicht mehr, und die Temperaturen waren oberhalb des Gefrierpunktes. Von Matt, dessen Namen ich bis dato gar nicht, da ich ihn nur vom Hörensagen kannte, dennoch keine Spur. Ein eher dunkler Typ sei er, hatte es geheißen. Ich stand da und wartete, mit meinem Smartphone Musik hörend. Und ich blickte in die völlig falsche Richtung. Denn plötzlich hupte es rechts neben mir – Matt kam aus Richtung Schaffrath. Eine recht durchdringende Stimme hatte Matt, die sogar meine sehr laute Musik übertönte. Tatsächlich war er ein dunkler Typ. Und dann fuhr er auch schon links neben den Bordstein. Gut, allzu groß war er nicht – aber das ist gar nicht immer so verkehrt. Ich grinste und ging zu ihm. Mit immensem Herzklopfen.

Dann stieg meine Fahrlehrerin aus, begrüßte mich fröhlich. Ebenso die Fahrschülerin, die sich gleich nach hinten rechts setzte. Ich warf meinen Plunder hinten links hinter den Fahrersitz und mich selber auf den Fahrersitz des Golf 6. Zu meiner Fahrlehrerin meinte ich: „Ah, der hier scheint etwas handlicher zu sein als ‚Fluffy‘, obwohl ich Fluffy mag und fast etwas vermisse.“ – „Der hier heißt ‚Matt‘,“, meinte meine Fahrlehrerin. – „Warum ‚Matt‘?“ staunte ich. – „Weil er ein ‚automatic gear‘ hat!“ Ah! Nachvollziehbare Namensherleitung! 🙂 Ich finde sehr schön, dass die Fahrlehrerin den Fahrschulwagen Namen gibt. Wäre ich Fahrlehrerin, was wer auch immer verhüten möge, würde ich es genauso machen. Ist auch für die Fahrschüler netter, zumal man umgehend ein persönliches Verhältnis zu dem Vehikel aufbaut – speziell als Frau – und sich gleich noch mehr Mühe gibt, den lieben „Fluffy“ oder „Matt“ möglichst nicht in Klump zu fahren. 😉 (Das ist so ähnlich wie beim Reiten mit den Schulpferden, und selbst der sehr, sehr eigenwillige „Scotty“ wurde von mir mit großer Liebe und Achtung behandelt, obwohl er bisweilen biss und schlug und alles in allem eine große Herausforderung war, die dafür sorgte, dass ich bis heute pferdetechnisch Schimmeln gegenüber kleinere Vorbehalte habe. Es hat sich aber ausgezahlt, denn „Scotty“ schien mich zu mögen, was dazu führte, dass ich ihn dann auch sehr mochte. Ihn reiten? Gott oder wer auch immer behüte – das konnte ich nie gut. Aber er liebte mich heiß und innig, und wann immer ich achtlos an ihm vorbeigehen wollte, hielt er mich mit den Lippen, nicht den Zähnen, wohlgemerkt, an meinem damals obligatorischen Pferdeschwanz fest, und dann musste erst einmal geschmust werden. Netter Kerl, denn unter seiner sehr rauhen Schale verbarg sich ein weicher Kern. Offenbar ähnelten wir einander in gewisser Weise. 😉 )

Noch viel länger als mit einem Schaltwagen war ich nicht mit einem Automatikwagen gefahren. Das letzte Mal am Tage meiner praktischen Fahrprüfung, einen Tag nach meinem achtzehnten Geburtstag, und der liegt schon eine ganze Weile zurück. (Wer mich kennt, weiß sofort, dass zwar meine Gäste an meinem Geburtstag Spaß hatten, ich hingegen nicht ganz so viel, da ich dauernd die dräuende Prüfung vor Augen hatte und in regelmäßigen Abständen ein apokalyptisch klingendes: „O Gott!“ absonderte, wenn ich erneut an die Prüfung denken musste, die einfach alles überschattete. Es ging dann alles prima und geschmeidig am nächsten Tag – aber so etwas weiß man ja vorher nicht … Ich schon gar nicht. 😉 )

Ich stellte Sitz und Lenkrad ein, sämtliche Spiegel, schnallte mich an, dabei die ganze Zeit den rechten Fuß auf der Bremse – damit kann man bei einem Automatikwagen gar nicht früh genug anfangen, fand ich. Mehrere Kontrollleuchten leuchteten mir vom Armaturenbrett entgegen. Da war doch jemand in diesem Wagen nicht angeschnallt! Die Fahrlehrerin, die meine etwas dynamischere Fahrweise schon kannte, war es nicht, und so drehte ich mich nach hinten in den Fond um. Die sehr nette türkische Fahrschülerin saß da ganz sorglos und nicht angeschnallt, und so sagte ich zu ihr: „Sie sollten sich aus zweierlei Gründen lieber anschnallen.“ Sie grinste mich an, legte den Sicherheitsgurt an und meinte: „Und was sind die zwei Gründe?“ Ich grinste ebenfalls und meinte: „Zum ersten fahre ich leider meist etwas schneller, und Frau B. versucht gerade, mich zu entschleunigen. Zum zweiten bin ich seit vielen Jahren nicht mehr mit einem Wagen mit Automatikgetriebe gefahren. Und aus diesen beiden Gründen ergibt sich, dass ich gar nicht erst losfahre, wenn hier irgendeiner nicht angeschnallt ist. Ich würde aber auch ohne diese beiden Gründe vorher nicht losfahren.“ Sie grinste mich fröhlich an und kniff mir ein Auge zu, ich grinste und zwinkerte zurück.

Die zweite Kontrollleuchte besagte, dass die Handbremse noch zu lösen sei. Eine herkömmliche Handbremse, mit der ich ratz-fatz fertig war. Die Fahrlehrerin meinte: „Frau B. – denken Sie daran, dass Sie den linken Fuß nicht brauchen.“ Daran hatte ich schon gedacht und mir feste mit einem Hammer draufgeschlagen … 😉 Nein, nicht wirklich. Aber es gibt ja Dinge, die man nie verlernt oder vergisst, und so hatte ich meinen linken Fuß schon ganz weit nach links gestellt, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, das nichtvorhandene Kupplungspedal treten zu wollen, und meinte grinsend zur Fahrlehrerin: „Welchen linken Fuß? Der, mit dem manche Leute aufstehen? Sicher alles Schaltwagenfahrer. Sowas habe ich gar nicht.“ Sie lachte laut und amüsiert. Mit dem rechten Fuß trat ich ohnehin die ganze Zeit aufs Bremspedal. Dann ließ ich den Motor an. Matt brummte freundlich, er ist ein netter, kleiner Diesel und mir von daher schon sympathisch. 😉

Die Fahrlehrerin wollte mir gerade sagen, was zu tun sei, hatte auch schon zuvor abgefragt, ob ich mich denn noch an alle Automatik-Stufen erinnerte, als ich auch schon – fast könnte man es so nennen – routiniert den Knauf des Automatik-Wählhebels ergriff, den seitlichen Knopf drückte und von „P“ auf „D“ schaltete. Sie meinte: „Okay, dann parken Sie jetzt mal hier aus und drehen– aber nehmen Sie erst einmal nur den Fuß von der Bremse und geben kein Gas.“ Ich schlug das Lenkrad stark nach links ein, blickte in sämtliche Spiegel und wackeldackelmäßig nach links und rechts. Es kam niemand, und ich ließ das Bremspedal los. Ah! Wunderbar! Der Wagen rollte langsam los, wir drehten uns in die gewünschte Fahrtrichtung, und als wir geradestanden, gab ich Gas und fuhr bis zur Einmündung in die Devesestraße, wo ich etwas abrupt anhielt – in der Hoffnung, die Fahrlehrerin würde sagen: „Wir biegen nach rechts ab.“ Denn ich hasse die Devesestraße! Auch als Fußgängerin auf dem Weg zur Bushaltestelle des 396ers Richtung Buer. Denn es ist nicht ganz einfach, diese Straße zu überqueren, da dauernd von beiden Seiten Autos kommen. Nach rechts abzubiegen, hätte logischerweise bedeutet, es nur mit den von links Kommenden zu tun zu haben, und ich hoffte … Aber falsch! Ich sollte links abbiegen, nicht Richtung Schaffrath, sondern Richtung Buer. Und wir standen erst einmal und warteten. Und warteten …

Endlich eine Lücke! Ich nahm den Fuß von der Bremse, gab Gas und bog ab. Hach, schön, zu spüren, wie die Getriebeautomatik vom ersten in den zweiten und dritten Gang schaltete! 😉 So lange nicht mit einem Automatikwagen gefahren, das Gefühl aber sogleich als sehr angenehmes wiederempfunden. (Nicht, was ihr denkt: Ich bin nach meiner Fahrprüfung ausschließlich Schaltwagen gefahren und kann das durchaus! 😉 Aber offenbar bin ich – all die Jahre verschüttet – ein verkappter Automatik-Fan. 😉 )

Leider musste ich recht schnell wieder bremsen – Feierabendverkehr. Auch der ganz besonders schön auf der Devesestraße … Ein ewiges Stop and Go. Immerhin – mit „Matty“, dem Automatik-Golf, war das weniger stressig, wenn ich auch das Bremspedal noch etwas besser dosieren muss, denn mir kamen meine Bremsmanöver noch viel zu abrupt vor (ich wurde im Anschluss an meine Übungsstunde eines Besseren belehrt). Kurz vor der Einmündung in die Kreuzung an der Vinckestraße hieß es: „Bei der nächsten Möglichkeit biegen wir rechts ab.“ Und so fuhren wir die Vinckestraße entlang, und ich musste dann auf die Kurt-Schumacher-Straße abbiegen, Richtung GE-Stadtmitte.

Überall Baustellen, verengte Fahrspuren, und ich fuhr mal wieder viel zu schnell. Die Fahrlehrerin lachte aber nur und meinte: „Das ist normal, Frau B. – bei einem Automatikwagen kann man die Geschwindigkeit schlechter einschätzen, aber achten Sie, bitte, auf den Tacho. Vor allem, da dort hinten ein Blitzer kommt.“ Ich fuhr langsamer, musste sogar auf die Bremse treten, weil ich erheblich zu schnell war, und die Fahrlehrerin meinte lachend: „Und das Lächeln nicht vergessen!“ Ich lächelte und meinte: „Jetzt verstehe ich, warum ich immer lächeln soll! Man sieht sonst noch blöder aus, wenn man geblitzt wird! Besser zumindest, wenn man auf diesen hässlichen Fotos wenigstens lächelt!“ Da meinte sie: „Ich mag Ihren Humor! Sie können über sich selber lachen.“ – „Das ist wohl auch nötig, so, wie ich fahre!“ – „Da muss ich Ihnen ganz entschieden widersprechen, Frau B.! Sie machen das doch gut, und Sie sind heute fast so etwas Ähnliches wie entspannt.“ Da musste ich dann lachen. „Fast so etwas Ähnliches wie entspannt“ – sie hatte mich durchschaut und mein Wesen relativ präzise erfasst. 🙂

Dann setzten wir die türkische Fahrschülerin ab, nachdem ich an einer Straße – rechts vor links – in meinem inzwischen fröhlichen Überschwang einer ältlichen Rollerfahrerin fast die Vorfahrt genommen hätte! Wehe, wenn sie losgelassen, denn die vergleichbaren Straßen zuvor war ich ganz vorsichtig und verzögert angefahren, nur diese nicht. Die Rollerfahrerin sah mich so kiebig an, dass ich mich bis aufs Knochenmark schämte und gleich noch viel mehr lächelte, wohl, um einen Ausgleich zu schaffen und mich zu entschuldigen.

Nachdem wir die Fahrschülerin abgesetzt hatten – ich hatte noch gefragt, ob sie Angst gehabt hätte, mit mir zu fahren, was sie sehr überzeugend verneinte -, fuhren wir durch Bismarck, und ich hoffte, wir würden zur dortigen Fahrschulfiliale fahren. Aber es ging weiter, und zu meiner Überraschung sah ich irgendwann die Linie 107 Richtung Essen an uns vorbeifahren, denn wir fuhren durch Feldmark, und dann waren wir schon in Nähe des Musiktheaters in GE-Stadtmitte. Da sollte ich rechts abbiegen, aber von links kam eine unendlich scheinende Kolonne an Wagen – zum Teil viel zu schnell! 😉 -, und so mussten wir warten.

Endlich konnte ich fahren! Die Fahrlehrerin meinte, ich solle sachte fahren, denn wir müssten wenige Meter dahinter rechts abbiegen. Die einzige Möglichkeit, dort rechts abzubiegen, war eine sehr, sehr enge Einfahrt in einen sehr, sehr engen Hof, durch ein sehr, sehr schmales Gittertor hindurch!
Ach, du Scheiße! Ich war noch nie die Meisterin der Engpässe gewesen, und so nahm ich lieber den Fuß vom Gas und agierte nur mit wechselweisem Treten und Loslassen des Bremspedals. Und mit sehr pointiertem Lenken. 😉 Mit Bravour schaffte ich es durch das Nadelöhr – doch dann ging es scharf nach rechts, um eine Häuserecke herum! Da hatte ich gerade wieder ein wenig Gas gegeben, da ich den Innenhof größer eingeschätzt hatte … Und da meinte die Fahrlehrerin: „Jetzt heftig nach rechts einschlagen!“ Ich schlug nach rechts ein, als täte ich den ganzen Tag nichts anderes, als auch schon das Kommando kam: „Und jetzt geradeziehen!“ Ich zog gerade, als hinge mein Leben davon ab. „Und jetzt parken Sie da ganz rechts vor der Mauer ein, wo das Schild ‚Fahrschule‘ hängt!“ Ich parkte, war aber noch nicht ganz zufrieden mit unserer Position und rangierte hin und her, bis ich fand, dass es in Ordnung sei.

„Und jetzt machen Sie den Motor aus.“ Ich machte, den Fuß auf der Bremse, stellte den Wählhebel auf „P“ – und atmete auf. „Haben Sie nicht noch etwas vergessen?“ – „Ich? Wieso?“ – „Was ist mit der Handbremse?“ Ooops! Komisch, die hatte ich in meiner mehr oder minder aktiven Fahrperiode nie vergessen. Ausgerechnet heute doch? Ich zog sie dafür mit Nachdruck an, ließ auch das Lenkradschloss extra einrasten. Denn nach mir kam eine brandneue Automatik-Schülerin. Erste Automatikstunde, und meine Fahrlehrerin hatte gemeint, wenn es mir nichts ausmache, dass sie noch eine kleine Einführung in die Geheimnisse eines Automatikwagens gebe, könne mich die neue Schülerin auch nach Hause fahren. Ich dachte mir, eine kleine Einführung in die Mysterien des Automatikgetriebes könne nicht schaden, auch wenn ich mich nach den vielen Jahren erstaunlich gut an Funktionsweise und sogar Fahrgefühl erinnerte, und so blieb ich sitzen. Die junge Dame, die dann fuhr, war sehr nett, und als sie hörte, ich hätte seit vielen Jahren den Führerschein, sei aber lange nicht gefahren und würde Übungsstunden nehmen, meinte sie: „Das finde ich ganz klasse! Gerade heutzutage, wo sich so viele Leute völlig überschätzen!“ Da meinte meine Fahrlehrerin: „Das passiert Frau B. nicht. Sie ist eher das Gegenteil. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie heute wirklich Spaß hatten – oder?“

Ich grinste und meinte voller Überzeugung: „Zwar nicht auf der Kurt-Schumacher-Straße, aber ansonsten: ja! Und meine Entscheidung ist gefallen – das Auto, das ich mir kaufe, wird ein Automatikwagen sein. Und mir ist ganz egal, was irgendwelche Schaltknüppel-Marodeure dazu sagen, die ja gerne meinen, wer Automatik fahre, sei zu doof zum Schalten!“ Meine Fahrlehrerin lachte und meinte: „Wer so etwas meint, hat keine Ahnung und kann nur eines. Sie können beides. Sie können auch mit einem Schaltwagen fahren, und das ganz ohne Zweifel! Die Frage ist, womit Sie sich wohler fühlen. Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich persönlich liebe es, Automatikwagen zu fahren. Und Sie sind heute viel entspannter und fröhlicher gewesen. Und wenn Ihnen das irgendwann nicht mehr gefällt, können Sie ganz entspannt auf einen Schaltwagen umsteigen, denn Sie können beides.“ Ich meinte: „Dann kann ich es ja zugeben: Zweimal habe ich versucht, die Kupplung zu treten. Aber zum Glück neben dem Bremspedal.“ – „Ich sagte ja: Sie haben ein Gespür für beides.“

Dann fuhr die Fahrschülerin mich nach Hause. Und sie bremste noch erheblich abrupter ab als ich, entschuldigte sich aber jedes Mal total nett. 😉

Jetzt freue ich mich richtig auf den nächsten Montag – mein nächstes Date mit „Matt“.

* Und falls ihr wissen wollt, wer der Typ war, der mich nach der Trennung so derart enttäuschte: Es war der Wagen meiner Mutter, ein Benziner mit manuellem Schaltgetriebe, mit dem ich direkt nach meiner Fahrprüfung auf einem Automatik-Diesel fahren sollte. Das Schalten war kein Problem, da ich vor den Automatik-Stunden sieben Schaltwagen-Stunden gehabt hatte – Vorschrift damals. Dennoch war alles grauenhaft! In meiner gesamten Fahrschulzeit hatte ich niemals so oft einen Wagen abgewürgt wie den meiner Mutter, der mich wirklich fast zur Verzweiflung trieb … Aber ich habe ihn doch irgendwann bezwungen … 😉

Die lieben Nachbarn

Es gibt da ein schönes Sprichwort: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Mit meinen jetzigen Nachbarn habe ich insoweit Glück gehabt, als die meisten freundlich sind – ich bin es ja auch zu ihnen. Mein direkter Nachbar ist zwar manchmal etwas schräg, und wir haben einen – wahrscheinlich selbsternannten – „Hausvorsteher“, was ich erst etwas nervend fand, aber inzwischen ist es völlig okay, und mit dem „Hausvorsteher“ unterhalte ich mich ab und an ganz nett, drücke immer die Daumen, wenn Schalke spielt. Er war auch so freundlich, sich um mein Fahrrad zu kümmern, das ich erst mit in den Urlaub nehmen wollte, dann aber feststellen musste, dass wir beide nicht kompatibel waren, und mir lieber ein neues Fahrrad zulegte.

Also hier keine Klagen. 🙂 Davor jedoch hatte ich öfter mit ganz charmanten „Exemplaren“ von Nachbarn zu tun. Dabei war ich immer freundlich gewesen, hatte getan, was jeder Mieter tun musste – Hausordnung, Mülltonnen nach draußen bringen, wenn ich an der Reihe war, was ja alles auch ganz selbstverständlich ist.

In meiner ersten Aachener Wohnung war eigentlich alles okay mit den Nachbarn, in der zweiten auch. Als ich erneut umzog, weil Wohnung Numero 2 nur aus einem Zimmer bestand und das Bad nebst Toilette auf dem Flur war und ich es mir obendrein mit dem direkten Nachbarn teilen musste, geriet ich jedoch in ein Haus, in dem ein sehr, sehr strenges Regiment herrschte, und dies in Gestalt zweier Damen. Mit der einen verstand ich mich allerdings im Laufe der Zeit gar nicht einmal so schlecht, sie war immer freundlich zu mir, obwohl ich schreckliche Geschichten über sie gehört hatte; zum Beispiel beschwere sie sich dauernd, dass der unter ihr wohnende Nachbar nachts zu laut pinkelte. Hmmm …

Die echte Herrscherin dieses Hauses jedoch war Frau Stelzmann, die im Hochparterre wohnte. Sie war diejenige, die am längsten in diesem Haus lebte, und da war es für sie ganz klar, dass sie auch das Sagen hatte und die Regeln festlegte. Eine echte selbsternannte Hausmeisterin, die allen Mietern auf den Senkel ging, aber keiner sagte etwas.

Ich war die Jüngste im Haus und wohnte in der Dachgeschosswohnung im vierten Stock. Meiner Wohnungstür gegenüber der Dachboden – ich hatte den vierten Stock für mich allein. Unter mir wohnte Frau B., und ich hoffe, sie störte sich nicht daran, wenn ich nachts zur Toilette musste … 😉 Zumindest hat sie nie etwas gesagt.

Stand die Kellerreinigung an, bekam der entsprechende Mieter von Frau Stelzmann höchstselbst eine Karte an die Tür gehängt. Nur ich nicht, denn sie vertrat die Meinung, dass junge Leute diese hochwichtige Karte ja ohnehin nicht wieder herausrücken würden. Vielleicht würden sie sogar Joints daraus basteln – wer wusste das schon? 😉 Junge Leute waren Frau Stelzmann ein Dorn im Auge, und so warf sie mir immer einen Zettel in den Briefkasten: „Fräulein B.! Sie sind in der kommenden Woche mit dem Keller dran!“ Mit Ausrufezeichen, denn junge Leute verstehen die Dringlichkeit der Aufgabe sonst gar nicht und brauchen eine harte Hand … 😉 Und sie nannte mich stets „Fräulein B.“, und das in einer Zeit, da diese Anrede auch für unverheiratete Frauen lange völlig veraltet und überholt war. Allerdings sagte sie nicht „Fräulein“, sondern „Frollein“ – aber das machte die Sache keineswegs besser.

Ich putzte stets samstags den Keller, aber das passte Frau Stelzmann nicht. Es hätte ihr in meinem Falle jedoch auch nicht gepasst, hätte ich an jedem anderen Wochentag geputzt. Bei jungen Leuten war Frau Stelzmann stets in Opposition. Ich hätte sämtliche Winkel des Kellers so akribisch mit einer Zahnbürste reinigen können, dass man vom Boden hätte essen können – es wäre nicht gut genug gewesen.

Und ich putzte sehr gründlich, da ich keine Lust auf Konfrontationen mit der Dame hatte. Dennoch: Auch das reichte nicht, denn eines Tages, als ich gerade mit meinem Putzeimer, Aufnehmer und Schrubber in der linken Hand vor der Kellertür stand, die ich mit der rechten aufschloss, entdeckte ich auf der Kellertreppe senkrechte Kreidestriche. Total subtile Methode von Frau Stelzmann, mich zu überführen, da sie stets annahm, ich putzte nicht, obwohl sie mich mehrfach „ganz zufällig“ im Keller überrascht hatte, wenn ich dort den Feudel schwang.

Im ersten Moment ärgerte ich mich, denn ich hasse ungerechtfertigte Unterstellungen. Dann aber grinste ich und ging noch einmal in meine Wohnung hinauf. Kreide hatte ich auch. Und damit malte ich nach dem Putzen des Kellers ebenfalls Striche auf jede Treppenstufe – nur waagerecht, damit ein Unterschied zu sehen war. Denn Frau Stelzmann war nach mir mit Putzen dran. Danach gab es nie wieder Kreidestriche …

Einmal hielt sie mich sogar auf der Straße am Ärmel fest, als sie mich in der Robensstraße traf, um mich an den zu putzenden Keller zu erinnern. Das war an einem Montag, und ich hatte gerade den obligatorischen Zettel im Briefkasten gefunden, also noch die ganze Woche Zeit. Als sie mich erneut „Frollein B.“ nannte, und dies in einem Tonfall, als sei ich ein schwererziehbares Kind, sagte ich mit schneidender Stimme: „Frau Stelzmann! Ich habe noch die ganze Woche Zeit, ich bin auf dem Weg zur Arbeit und werde jetzt ganz sicher nicht putzen! Außerdem zu Ihrer Kenntnis: Ein Fräulein bin ich schon lange nicht mehr! Daher bitte ‚Frau B.‘!“ Ich hatte laut gesprochen, einige Passanten, die den peinlichen Auftritt Frau Stelzmanns mitbekommen hatten, grinsten amüsiert und etwas schadenfroh in der selbsternannten Hausmeisterin Richtung. Die war erstmalig um Worte verlegen und ging dann auch schnell ihrer Wege.

Immerhin war sie stets um unser aller Sicherheit besorgt. Denn um 22:00 Uhr wurde penibel die Haustür unten abgeschlossen. Doof, wenn man Besuch bekam oder hatte und dann eine Pizza bestellt hatte. Keine Ahnung, wie oft ich mit dem Schlüssel aus dem vierten Stock ins Parterre rennen musste, um Besuch und/oder Pizzaboten die Tür aufzuschließen … Einmal hatte mich ein guter Freund besucht, und wir hatten zusammen drei Bier getrunken. Stefan wollte Nachschub an der nahegelegenen Tankstelle am Europaplatz holen, und sicherheitshalber gab ich ihm meinen Schlüssel mit. Als er nach einer halben Stunde zurückkehrte, wirkte er völlig verstört, und ich fragte, was denn passiert sei. Da sagte er: „Als ich unten die Haustür aufschloss, kam mir eine Xanthippe entgegen, in einem hellblauen Bademantel und mit Lockenwicklern auf dem Kopp. Die fragte mich im Befehlston, wer ich denn sei – ich sei kein Mieter. Und woher ich den Schlüssel hätte. Da habe ich gesagt, ich sei ein Bekannter von Frau B. im vierten Stock, und da wollte sie meinen Ausweis sehen! Man müsse ja schließlich wissen, mit wem man zu tun hätte! Ali, was ist das denn für eine furchtbare Person?“ Ich schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn, aber dann musste ich lachen. Wie absurd war denn, bitte, das wieder gewesen?

Allerdings rannte ich auch mal gegen die verschlossene Haustür, als wir einen wunderschönen und sonnigen Hochsommernachmittag hatten. Samstag, 16:00 Uhr – und die Tür abgeschlossen. Als ich kopfschüttelnd meinen Schlüssel aus der Tasche zog, weil ich das Haus verlassen wollte, näherten sich mir von hinten eifrige Schritte. Frau Stelzmann erklärte mir, das Abschließen der Tür sei wichtig, da uns sonst Einbrecher heimsuchen und „totmachen“ würden. Ich deutete wortlos auf das Schild neben der Tür, auf dem stand, die Tür sei ab 22 Uhr abzuschließen, wies darauf hin, dass dies brandschutzrechtlich bedenklich sei, aber Frau Stelzmann beharrte auf ihrer Meinung. Ich sah, dass jedes Wort von mir eines zuviel gewesen wäre, und so schloss ich lächelnd die Tür auf, öffnete sie, verließ das Haus, drehte mich vor der Tür um und zog die Tür zu, während Frau Stelzmann noch eifrig plapperte. Dabei nickte ich ihr eifrig und lächelnd zu und schloss die Tür von außen wieder ab, obwohl Frau Stelzmann noch immer auf mich einredete. Ich hatte meine Ruhe und sie, was sie wollte. Sie nicht so ganz, denn ich hatte sie einfach stehenlassen, aber doch fast.

Wie froh war ich, als ich umzog – nach Ratingen. Dort gab es dann zwei selbsternannte Hausmeister … Einen männlichen und einen weiblichen, die auch noch liiert waren. Er sprach mich mal auf der Treppe an und machte mir Vorwürfe, weil ich für seine Begriffe zu spät zur Arbeit ginge. Bei uns ging es aber erst um 09:00 Uhr los, und im Übrigen ging ihn das Ganze rein gar nichts an, was ich ihm auch erklärte. Da nannte er mich eine „unverschämte Person“, aber ich meinte nur, erheblich unverschämter sei, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, wann diese was zu tun hätten. Und ich fragte ihn, ob er aus der DDR komme. Das war zwar frech, aber ich war sauer. Ein anderes Mal waren meine Eltern zu Besuch gewesen, als ich gerade an der Reihe war, die riesige Papierabfalltonne aus dem Keller auf die Straße zu stellen. Das war immer ein elender Mist – es gab mehr als zehn Mietparteien, und die Blaue Tonne war stets höllenschwer. Und so hatte mein Vater gemeint, das sei ja für mich viel zu schwer, und so wuchtete er die Tonne auf die Straße.

Gleich am nächsten Tag wurde ich vom reizenden männlichen „Hausmeister“ zur Rede gestellt. Es sei meine Aufgabe, die Abfalltonnen auf die Straße zu stellen, und so gehe das doch nicht, junge Leute, verantwortungslos – die ganze Litanei. Ich sagte: „Es ist völlig egal, wer die Tonne auf die Straße stellt. Hauptsache, sie wird auf die Straße gestellt! Alles andere ist dogmatisch und unklug. Guten Tag!“ Da sagte er nichts mehr, grüßte auch nicht mehr zurück, wenn ich ihn – ich wollte mir nicht vorwerfen lassen, ich sei unhöflich – im Treppenhaus grüßte. Er sprach gar nicht mehr mit mir, und ich wertete dies als Vorteil.

Dann zog ich aus Ratingen weg. Zunächst wohnte ich mit meinem damaligen Freund Henrik in einem Stadtteil im Westen dieser Stadt hier. Keine gute Gegend. Als Henrik dann nach Ratingen zurückzog, zog ich in eine Wohnung in dem Stadtteil, in dem ich auch jetzt noch lebe (zum Glück jedoch in einem anderen Haus und einer anderen Straße). Und dort gab es das Ehepaar Ratzentaler! Die wussten immer genau, wann ich das Haus verließ, wann ich zurückkam, wussten sogar Dinge über mich, die mir selber noch gar nicht bekannt waren! 😉 So erzählten sie jedem, dass ich Musiklehrerin sei und an der Musikschule arbeite. Andere Nachbarn sprachen mich jedenfalls auf meinen vermeintlichen Beruf an. Wie Ratzentalers darauf kamen, habe ich bis heute nicht herausfinden können, zumal es keinerlei Anzeichen dafür gab, denn Musiklehrer spielen doch selber ein oder mehrere Instrumente – ich hatte kein einziges im Haus und übte demzufolge auch nie. Aber ich ließ sie in dem Glauben, denn mir war ganz recht, dass diese neugierigen Menschen nicht meinen gesamten Lebenslauf kannten.

Öfter hatte ich Zettel an der Wohnungstür kleben: Ich würde zu oft waschen, das Treppenhauslicht zu oft anmachen und weitere Dinge dieser Art. Ganz entzückend. Das Treppenhauslicht war ein einziger Witz, denn die Leuchtphase war derart kurz eingestellt – von Herrn Ratzentaler -, dass sich auch alle anderen Hausbewohner aufregten, weil man dauernd im Dunkeln stand. Ein Bewohner, der im Parterre wohnte, und Herr Ratzentaler lieferten sich in der dunklen Jahreszeit jeweils echte Duelle: Der Parterrebewohner stellte die Leuchtphase stets viel länger ein, und sobald Herr Ratzentaler das merkte, „korrigierte“ er das Ganze wieder. Und dann trat wieder der Bewohner aus dem Parterre auf den Plan … Herr Ratzentaler beschwerte sich einmal bei mir, dass das alles viel zu teuer sei, und der unverschämte junge Mann aus dem Parterre würde die Stromkosten unverschämt hochtreiben. Ich grinste nur – klar, die Kosten fürs Treppenhauslicht gehen wirklich ganz empfindlich ans Eingemachte – und meinte mit deutlichem Sarkasmus: „Möchten Sie, dass ich mir künftig eine Kerze auf den Briefkasten lege, die ich dann bei Betreten des Hauses im Dunkeln anzünde, um das Treppenhauslicht zu schonen?“ Da meinte mein Nachbar allen Ernstes und sarkasmusresistent: „Das wäre doch eine Lösung!“

Danach fiel es mir noch schwerer, ihn ernstzunehmen. Und dann zog ich zum Glück aus.

Ich frage mich nur immer wieder, wie einzelne Menschen auf die schräge Idee kommen, sie hätten das Recht, Maßstäbe zu setzen, und seien diese auch noch so doof, an die sich alle anderen gefälligst halten sollen. Ob es da eine Therapie gibt? 😉

Mit Fluffy „on tour“: Die Entschleunigung der Ali B. … ;-)

Möglicherweise fragt ihr euch, wer „Fluffy“ sei. Es klingt nach einem Hund. Nach einem langhaarigen, wuscheligen Hund, Typ „langhaariger Bombenleger“, einem „Hippie“ mit braunen Kulleraugen, dem man im Grunde nicht einmal dann böse sein kann, wenn er gerade die halbe Couch auseinandergenommen und zerfetzt hat, einen aber mit einem derart treuherzigen Blick ansieht – Vorsicht: alles Kalkül! -, dass einem die strafenden Worte glatt in der Kehle steckenbleiben und man sich wirklich überwinden muss, sie mit der gebotenen Strenge und Energie auszusprechen, auf dass der Hund diese finstere und kostenintensive Angewohnheit nicht etwa künftig dauernd praktiziere. (Auf treuherzige Blicke falle ich sowieso bisweilen herein, nicht nur bei Hunden – und nicht nur bei braunen Augen … 😉 Die Blicke sollten allerdings nicht ganz so plakativ sein, denn da streike sogar ich. ;-))

Aber „mein“, genauer: dieser „Fluffy“ ist kein Hund. Nicht einmal ein Lebewesen (manche Männer mögen das anders sehen … ;-)). Fluffy funktioniert von alleine nicht. Ich gebe zu, bis dato auch nicht optimal, wenn ich mit ihm umgehe, aber das wird schon. 😉 Denn Fluffy ist ein Auto. Ihr kennt ihn schon von letzter Woche – Fluffy ist ein Audi A3 in der Stufenheck-Variante in Brillantschwarz mit einem grünen und blauen Streifen, dem Corporate Design der Fahrschule, bei der er seinen Dienst tut. Und das tut er sehr tapfer, zuverlässig und treu, wie ich zu betonen nicht müde werde. Ich habe im Zuge meiner zweiten Auffrisch-Fahrstunde bereits mein Herz an Fluffy verloren, den meine sehr nette und ruhige Fahrlehrerin so getauft hat, nachdem er – brandneu – von einem Fahrschüler gefahren wurde, der nach dem Einsteigen gemeint hatte: „Der ist ja noch ganz neu – alles so fluffig hier.“ Schon hatte der Wagen seinen Namen.

Heute war also Auffrisch-Fahrstunde Numero 2. Ich war den ganzen Tag erheblich ruhiger als letzte Woche, bis ich dann meinen Arbeitsplatz verlassen musste, um mich mit Bus und Straßenbahn auf den Weg nach Bismarck zu machen. Da war ich dann doch recht nervös, fühlte mich quasi wie nicht von dieser Welt und ging vorher lieber noch einmal zur Toilette. Als ich im Vorraum der Damentoilette stand und mein Blick in den Spiegel fiel, dachte ich: „Du siehst auch aus, als kämst du aus einer anderen Welt.“ Denn meine Augen waren – die Nervosität! – so groß wie Untertassen. „Ali’s saucers“ hatte ein Ire, den ich in meiner Ratinger Zeit kannte, meine Augen genannt, denn ich habe schon von Natur aus relativ große Augen. Jetzt, kurz vor der neuerlichen Fahrt, waren sie noch größer – fast bekam ich Angst vor meinem eigenen Spiegelbild. 😉 Letzte Woche war zwar alles gut gegangen, aber wer konnte wissen, was heute passieren würde? 11 Jahre nicht gefahren zu sein, hatte Spuren hinterlassen, und ein angeknackstes Selbstvertrauen war schon zuvor dagewesen.

Zum Glück gibt es meine Fahrlehrerin, auch eine „Frau B.“. 🙂 Als sie mich heute aus der Fahrschule abholte, meinte sie: „Na, wollen wir ein bisschen arbeiten?“ – „Klar!“ rief ich. Zwar nicht sonderlich euphorisch, aber wild entschlossen. Und als wir im strömenden Regen um die Ecke bogen und Fluffy dort stand, dachte ich: „Wird schon werden.“ Fast freute ich mich, das Vehikel, das bei mir nur „Wuchtbrumme“ heißt, wiederzusehen.

Ich schaffte es in weit weniger als vier Minuten (ja, ich habe zwischenzeitlich auf die Uhr gesehen), Sitz und Lenkrad sowie sämtliche Spiegel einzustellen – eine echte Steigerung, wenn ich bedenke, dass ich letzte Woche in Fluffy Platz genommen hatte und am liebsten fluchtartig wieder ausgestiegen wäre, als ich sah, mit welcher Ausstattung ich es zu tun hatte. 😉

Und dann ging es auch schon los. Ich musste – wir waren wieder in der Sackgasse – wenden und fuhr dann einigermaßen versiert los. „Wir biegen rechts ab,“, sagte „die andere Frau B.“, und ich bog brav rechts ab, während die Scheibenwischer ihrer monotonen Aufgabe folgten, ab und an ein etwas klagendes Geräusch absondernd. Etwas schwieriger war es heute, denn es war schon wieder dunkel, und die Straßen waren nass – manche Fahrbahnmarkierungen waren extrem schlecht zu sehen. Zumindest von mir.

Wir kurvten erneut durch Bismarck und Schalke. In Schalke durch einige sehr, sehr enge Straßen, und die andere Frau B. fragte mich mehrfach, warum ich da eigentlich unbedingt so schnell fahren müsse. Gute Frage, und zur Strafe und vor Schreck – ich wollte eigentlich in den nächsttieferen Gang schalten – verschaltete ich mich komplett, und nun weiß ich auch, woher der Ausdruck „schlagartig“ kommt: sicherlich vom Autofahren, denn mit einem Schlag standen wir völlig unbeabsichtigt, und der Motor war aus. Abgewürgt.

„Ich schaffe es sogar, einen Fahrschulwagen abzuwürgen und fahre wie jemand, der noch nie gefahren ist,“, würgte ich zerknirscht hervor. Die andere Frau B. lachte und meinte: „Kein Grund, sich zu grämen. Und der zweite Teil stimmt auch überhaupt nicht, also vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Weitermachen wie bisher – nur etwas mehr piano. Es läuft doch alles. Sie machen sich viel zu viele Gedanken und erlauben sich wohl gar keine Fehler – kann das sein? Sie sind zu streng mit sich. Sie sind elf Jahre nicht gefahren!“ Ich grinste, nickte und ließ den Motor wieder an. Dann fuhr ich weiter, und das so piano, wie es ging. (Ich gebe zu, Piano fällt mir generell etwas schwerer. Es liegt wohl an meiner Mentalität. ;-)) Dennoch: Seit heute hasse ich Schalke. Nicht den Fußballverein, nur die teils sehr engen Straßen, und ich motzte: „Warum muss hier in GE alles so eng sein?“ Die andere Frau B. lachte und meinte: „Auf großen Straßen zu fahren, ist ganz einfach. Sie absolvieren gerade Ihren Wiedereinstieg, und da schulen so elend enge Straßen weit mehr – glauben Sie mir!“ Ich glaubte ihr sofort. Sie hat ja recht. 🙂

Ansonsten achtete ich heute von selber genau auf meine Geschwindigkeit, merkte sofort, wenn ich zu weit rechts fuhr und korrigierte das sofort. Gewisse Fortschritte sind zu erkennen, und man kann zumindest in Ansätzen erahnen, dass ich – generell – des Fahrens nicht völlig unkundig bin. 😉

Dann musste ich sogar noch eine Strecke fahren, auf der die Straßenbahn fährt. Und vor der habe ich einen Heidenrespekt. Glücklicherweise kam gerade keine, nur ein Bus kreuzte meinen Weg. Fluffy fuhr seinerseits wie auf Schienen – ich begann leise zu ahnen, warum viele Leute so gern Auto fahren. 😉 Schräg – das war mir zuvor nie so gegangen.

Dann holten wir eine reguläre Fahrschülerin ab, und ich musste vor dem Haus ihrer Eltern auf den Bordstein fahren, weil die Straße sehr eng ist. Auch das schaffte ich irgendwie, parkte einigermaßen gerade auf dem für Autos vorgesehenen Streifen, und dann gab es ein Feedback. Ich muss ziemlich zerknirscht ausgesehen haben, aber die andere Frau B. lachte und meinte: „Sie sehen mich an, als erwarteten Sie Schlimmes.“ Ich grinste nur. Sie sagte: „Es ist doch alles in Ordnung, ein paar kleine Sachen, die mit ein bisschen mehr Übung sofort wieder reibungslos klappen – und das sind wirklich kleine Dinge, Frau B.! Oberste Priorität allerdings hat die Entschleunigung der Frau B. – also Ihre Entschleunigung. Sie sind weder auf der Flucht, noch lassen Sie sich von wem auch immer hetzen oder drängen. Sie fahren so, wie es vernünftig ist, hechten niemandem hinterher, nur weil der wie ein Wahnsinniger beschleunigt und hinter Ihnen einer drängelt. Achten Sie auf sich, nicht auf die anderen. Entschleunigung – das ist das, was Sie lernen müssen, sonst nichts. Den Rest können Sie, müssen nur wieder Übung haben. Und daran arbeiten wir gerade. Okay?“ Ich grinste erneut und meinte: „Danke. Mit Ihnen fahre ich sehr gern – Sie sind eine tolle Fahrlehrerin! Ich gebe zu, richtig Spaß macht mir das Fahren noch nicht, aber mit Ihnen fahre ich gern. Mein Fahrlehrer, bei dem ich auch die Prüfung gemacht habe, war sehr nett, aber ein Hektiker und fuhr selber sehr schnell. Und das hat er wohl auch auf die Schüler übertragen, wenn ich auch sonst gar nichts auf ihn kommen lasse. Ein wirklich supernetter Mensch – aber mit Ihnen fahre ich lieber.“

Dann wurde ich – ich musste noch einkaufen – an der Cranger Straße herausgelassen, worum ich gebeten hatte. Natürlich nicht, bevor die nächste Übungsstunde vereinbart worden war. Am Montag ist sie, ich werde sogar von der Arbeit abgeholt – und das im Hellen! 😉 Diesmal nur leider nicht mit Fluffy, sondern mit einem VW Golf. Einem Automatikwagen, denn ich hatte darum gebeten, auch mindestens eine Automatik-Stunde machen zu können. Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie das läuft. Ich bin noch viel länger als elf Jahre nicht mit einem Automatikwagen gefahren … 😉 Daher habe ich auch vereinbart, dass ich nicht direkt vor meinem Arbeitsplatz abgeholt werde.

Sicher ist sicher. 😉

Kleine Glücksbringer

Ich bin keine Freundin von Esoterik. Noch weniger, seitdem ich neun Jahre lang mit einem Kollegen ein Büro teilen musste, der zwar von sich selber behauptete, Esoterik nicht zu mögen, da er ja ein guter Christ sei, sich aber erstaunlicherweise auf jeden neuen Mist vom Esoterikmarkt stürzte. Ganz schlimm, als er mit seinem ebenso weisen Busenfreund einst über Quantenphysik fachsimpelte (die Betonung liegt hier auf „simpel“), denn die wurde auch von der Esoterikfront annektiert, wobei ich davon ausgehe, dass kein Mitglied dieser Fraktion auch nur ansatzweise in der Lage ist, zu begreifen, worum es dabei wirklich geht. Ich begreife es zwar auch nicht, aber selbst ich war in der Lage, zu erkennen, dass das, was die beiden Herren der Schöpfung da fabulierten, kompletter Unsinn war. Offenbar habe sogar ich zumindest in Ansätzen mehr Ahnung von der Thematik – und das will was heißen! Zumindest habe ich Respekt vor Quantenphysik und Wissenschaft generell. 😉

Dennoch habe auch ich eine kleine Schwäche, und das gebe ich auch zu. Eine völlig unwissenschaftliche. Ich bin nämlich abergläubisch. Nicht über Gebühr, und ich wechsle nicht die Straßenseite, renne davon oder fange zu hyperventilieren an, wenn eine schwarze Katze meinen Weg zu kreuzen droht. Im Gegenteil. Ich mag Katzen, ich mag Tiere generell. Unter Leitern gehe ich zwar nicht hindurch, was allerdings eher darin begründet liegt, dass möglicherweise jemand darauf steht, der etwas fallenlassen könnte – und ich will nicht unbedingt ein Loch im Kopf oder einen zur Gänze eingeschlagenen Schädel haben.

Dennoch kann ich mich manchmal nicht gegen leichte Anfälle von Aberglauben wehren. 😉 So habe ich kürzlich dem Kollegen Chuck einen Kaffeebecher weggenommen, der meinem Ex Dirk, dem Brachialjuristen, gehört hatte und noch bei uns in der Teeküche im Schrank gewesen war. Ich konnte, ehrlich gesagt, nicht ertragen, zu sehen, wie jemand, der nett ist, daraus trank. Am Ende würde Dirks bisweilen arschige Art abfärben, und Chuck wollte unbedingt diese Tasse haben, warum auch immer, denn sie war obendrein potthässlich und kackbraun. Ich habe ihm dann eine andere Tasse mitgebracht, kitschig zwar, aber wenigstens in einer vernünftigen Farbe (blau). Die Ex-Tasse des Ex habe ich schließlich mit Schmackes in den Mülleimer geworfen.

Ich gebe zu, das ist schon ein wenig mit Aberglauben verbunden. 😉 Vielleicht sogar ein winziges bisschen neurotisch. Aber es gibt Schlimmeres. 😉

Immerhin ist positiv anzumerken, dass ich nicht nur negative „Zeichen“ sehe. 😉 Das zeigte sich einmal anno 2012, genauer: am 14. August 2012 – ich habe es nie vergessen, denn es war schon ein wenig außergewöhnlich, was da passierte. Nichts Sensationelles, aber doch ungewöhnlich.

Ich hatte gerade Urlaub, war am Vortag aus Dresden zurückgekehrt, wo ich meine Schwester Stephanie und meinen Schwager besucht hatte. Es war eigentlich eher eine Flucht gewesen, denn nur knapp drei Tage vor meinem Geburtstag Anfang August hatte der oben genannte Ex mir verklickert, dass er leider meinen Geburtstag nicht mit mir feiern könne, da es da „jemand anderen“ gäbe. Mit der Information hatte er sich – wohl aus Feigheit – einen halben Monat Zeit gelassen, bis es nicht mehr anders ging. Gut, ich habe dann auch nicht mehr gefeiert, sondern den Tag in einer Stimmung verbracht, die an Hoffnungslosigkeit grenzte. (Wenn ich heute darüber nachdenke, würde ich mir am liebsten höchstselbst den Hintern versohlen – verschwendete Energie.)

Der 14. August war ein recht warmer, sonniger Tag – das weiß ich noch. Ich hatte noch eine Woche Urlaub, dennoch aber an diesem Tage einen dienstlichen Termin an der TU in der Nachbarstadt, wo ich als Dozentin tätig war. Mein Fachbereichsleiter und ich wollten mein Seminarprogramm für das kommende Wintersemester besprechen. Als er gehört hatte, dass ich Urlaub hätte, wollte er den Termin verschieben, aber ich meinte, es sei kein Problem. Besser, ich beschäftigte mich sinnvoll. 😉

Mühsam – ich bin kein Morgenmensch – quälte ich mich aus dem Bett. Ich hatte Kopfschmerzen und wollte nur eines: unter die Dusche.

Ich schleppte mich Richtung Bad, und das ohne Kontaktlinsen oder Brille – ich bin leider kurzsichtig. Und so sah ich alles nur verschwommen. Doch als ich an meinem türlosen Wohnzimmer vorbeikam, fiel mir etwas auf. Zunächst hauptsächlich akustisch. Meine beiden inzwischen verstorbenen Wellensittiche, Julius und Jakobine, kreischten laut und flatterten aufgeregt im Käfig auf und ab. Abgesehen davon war es ohnedies recht laut, und ich dachte: „Die Schwalben hört man heute aber besonders intensiv.“ Denn unter dem Dachvorsprung, der sich über meinen beiden Wohnzimmerfenstern befand, waren in einer Reihe diverse Schwalbennester, die jedes Jahr von neuem von Mehlschwalben zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen genutzt wurden. Ich mochte die Schwalben, auch wenn sie meine Außenfensterbänke vollkackten und ich die Bescherung dann immer entfernen musste. Aber es sind sympathische Vögel, finde ich, und ich bewundere immer wieder ihre Flugkünste. Niedlich war es, wenn die Jungen flügge wurden und zunächst noch etwas ungelenk durch die Gegend taumelten, aber sehr schnell ihre Flugfähigkeiten perfektionierten. Auch zuvor waren sie schon niedlich gewesen, denn manchmal beugte ich mich weiter aus dem Fenster und drehte mich dann um, um einen Blick auf die Schwalbennester zu werfen – und dann sah ich die Schwälbchen immer zu zweit oder zu dritt nebeneinandergedrängt aus dem Einflugloch ihrer Nester blicken. Wirklich süß, und sie wirkten auch gar nicht schüchtern.

Nun, an jenem Tage schien es bei den Vögeln besonders hoch herzugehen – die Lautstärke war außergewöhnlich intensiv. Doch da! Was war denn das da im Wohnzimmer? Da hatte sich doch etwas bewegt, und das, wie es schien, durch die Luft! Ich rieb mir die kurzsichtigen Augen und starrte genauer hin: Da sauste etwas Schwarzweißes um die Wohnzimmerlampe, dabei ein lautes, zirpendes Geräusch absondernd! Ich holte lieber meine Brille …

Als ich – zu den Sehenden zurückgekehrt – ins Wohnzimmer trat, flatterte da ein kleines, schwarzweißes Ding vor dem rechten Wohnzimmerfenster auf und ab. Es wollte wohl hinaus. Eine kleine Schwalbe!

Wie war sie hereingekommen? Beide Fenster waren lediglich gekippt, bei einem das Rollo ganz, bei dem anderen zur Hälfte hinuntergelassen. Sie hatte sich wohl oben durch den schmalen Spalt des gekippten Fensters gezwängt und schrie nun nach Eltern und Geschwistern. Meine Sittiche unterstützten sie dabei – leider nicht ganz so dezent zirpend wie die Schwalbe. Meine Kopfschmerzen intensivierten sich sogleich.

Ich holte ein altes Küchenhandtuch, ging zum Fenster, vor dem das aufgeregt zirpende Tierchen auf und ab flog und immer wieder gegen die Scheibe stieß. Mit etwas höherer Stimme redete ich sanft auf das hektische Tier ein: „Ganz ruhig, armes Kerlchen. Warte, ich lasse dich hinaus!“ Und vorsichtig schloss ich das Fenster erst, um es dann ganz zu öffnen. Die kleine Schwalbe schoss blitzschnell ins Freie und kreischte draußen in den höchsten Tönen. Wahrscheinlich berichtete sie Eltern, Geschwistern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen von ihrem großen Abenteuer! Ich musste lächeln, und dann schloss ich das Fenster lieber ganz. Das linke Fenster war noch gekippt, aber irgendwie musste ja Luft herein.

Nachdem ich ein paar Schwalbenhaufen weggewischt hatte, ging ich endlich unter die Dusche …

Danach ging es mir doch gleich viel besser. Ich ging am Wohnzimmer vorbei und nahm grinsend wahr, dass die Schwalben noch immer ganz aufgeregt waren – das Geschrei war noch immer sehr laut. Doch da! Was war das? Aus dem Augenwinkel sah ich etwas durch das Wohnzimmer sausen …

Ich sah genauer hin: Eine kleine Schwalbe schoss in einer eleganten Linkskurve durch das Zimmer! Aber … ich hatte sie doch in die Freiheit entlassen! Und es war nur eine Schwalbe im Wohnzimmer gewesen – zwei wären mir aufgefallen. Wie war das möglich? Sollte sie sich wider besseres Wissen durch den Spalt im noch gekippten linken Fenster gezwängt haben, zurückgekehrt sein? Innerhalb so kurzer Zeit? Offenbar war dem so, und ich war sprachlos. Entweder gefiel es dem Tierchen in meiner Wohnung, oder es war nicht ganz so helle …

Die Zeit drängte, ich musste mich für meinen Termin fertigmachen. Und so versuchte ich erneut, das Tier an die Luft zu setzen. Doch diesmal war das nicht so leicht. Genauer: Es war unmöglich. Immer, wenn ich das Fenster öffnete, flog das Schwälbchen weit weg, war im wahrsten Sinne weg vom Fenster. Als wollte es nicht nach draußen. War da etwas Schlimmes? Streit? Häusliche Gewalt? Schwalbenmobbing? Man weiß ja nie …

Schnell wurde mir klar, dass ich das Tier wohl in der nächsten Zeit nicht loswerden würde. Alleinlassen wollte ich es auch nicht, denn es flog überall hin und klinkte in hoher Frequenz Haufen aus! Ich wollte es auf keinen Fall unbeaufsichtigt in meiner Wohnung lassen. Und so griff ich zum Telefon und rief an der TU in der Nachbarstadt an. Mir war nicht ganz wohl, denn mir war klar, wie es klingen würde, wenn ich sagte: „Ich kann nicht kommen. Ich habe eine Schwalbe in der Wohnung.“ Ich hatte schon einmal einen Termin absagen müssen, als ich – bereits unterwegs – in einer überfüllten Straßenbahn, in der auch zwei Schulklassen mitfuhren, bei einer Vollbremsung einen der Schüler quasi ins Gesicht bekommen hatte, der sich schlauerweise nicht festgehalten hatte und mit voller Wucht auf mich gestürzt war, genauer: auf meine empfindliche Nase. Ich hatte dabei eine Kontaktlinse verloren und heftiges Nasenbluten. (Der zuständige Lehrer wollte sich davon übrigens nichts annehmen – ein weiterer Minuspunkt auf meiner Lehrer-Beliebtheitsskala … Und ich war so geschockt, dass ich nichts weiter unternahm und lieber stante pede nach Hause fuhr – hinterher habe ich mich geärgert.) Schon das war mir unangenehm gewesen. Und nun dieses!

Die Sekretärin des Sprachenzentrums aber hatte Verständnis, als ich kleinlaut den Grund meines Fernbleibens mitteilte, und sie sagte: „Frau B., keine Sorge – ich kann die Schwalbe selber deutlich schreien hören. Ich würde an Ihrer Stelle auch nicht kommen.“ Na, immerhin!

Ich verbrachte einen sehr, sehr langen Tag in der Wohnung, an die ich quasi gefesselt war. Immerhin nutzte ich ihn, um schon einmal ein paar Recherchen für meine neuen Seminare zu tätigen, saß an meinem PC am Schreibtisch. Schwälbchen saß auch: auf meinem Bücherregal, von wo es mich keck ansah und mir ab und zu etwas entgegenzirpte, wobei es das Köpfchen schieflegte. Wurde ihm langweilig, und war ihm nicht genug Stimmung in der Bude, sauste es laut kreischend durch das Wohnzimmer, einmal in einer so scharfen und steilen Rechtskurve am Käfig meines leider auch schon verstorbenen Zwergkaninchens Muffin vorbei, dass der kleine Kerl vor Schreck mit allen Vieren gleichzeitig zurücksprang und in sein Schlafhäuschen floh, wo er seinem Unmut Ausdruck verlieh, indem er heftig mit den Hinterläufen auf den Boden klopfte. Er wollte mich vor dem komischen Ding da draußen warnen. Aber was sollte ich tun? Mir war ja auch klar, dass der kleine Kerl, der in seinem Äußeren an einen evangelischen Pfarrer erinnerte, nicht so recht zu uns passte. Nur: Er wollte nicht gehen!

Meist saß er jedoch auf dem Bücherregal, drehte sich mehrfach – das fand ich sehr nett, weil ich es so wenigstens sah – um 180 Grad, um vom Regal bemerkenswert riesige Haufen auf den Fußboden davor fallenzulassen und blickte zu mir herüber. Er erinnerte mich in seiner Pose an eine meiner Lieblingsballaden von Edgar Allan Poe: „The Raven“. Dort kommt ein Rabe gegen Mitternacht in das Wohnzimmer des unter Liebeskummer leidenden Protagonisten, setzt sich auf die Büste der Pallas Athene und wirkt alles in allem sehr prophetisch und damit unheimlich. Nun, bei mir hatte es nicht einmal für einen Raben gereicht … 😉

Im Laufe des Tages kam das Schwälbchen immer näher an mich heran, bis es dann am späten Nachmittag vor mir auf dem Schreibtisch saß und mich von dort keck anblickte, als wollte es mir etwas mitteilen. Wahrscheinlich, dass es Hunger hatte. Aber ich hatte nichts Schwalbengerechtes im Haus, hatte ihm nur ein Schälchen mit Wasser hinstellen können, aus dem es dann und wann auch trank. Meine Wellensittiche beäugte es übrigens mit Argwohn und latenter Abneigung … Albern bunte und plumpe Konkurrenz … Clowns!

Am frühen Abend erst gelang es mir, den kleinen pastoral wirkenden Gesellen wieder nach draußen zu entlassen. Offenbar hatte das Heimweh ihn übermannt, und er setzte sich auf die Fensterbank und sah sehnsüchtig nach draußen. Von der Herumfliegerei und Mangelernährung war er jedoch wohl ziemlich erschöpft, und als ich das Fenster öffnete, sah er mich nur müde an, als sei er zu schwach, selber hinauszuklettern. Ich hielt dem kleinen Fratz meine Hand vor den Bauch, und er kletterte tatsächlich hinauf! 🙂 Vorsichtig setzte ich ihn auf die Außenfensterbank, und ganz leise und behutsam schloss ich das Fenster. Zur Gänze. Kein Risiko mehr.

Ich war noch immer sehr verwundert ob dieses Ereignisses – wirklich ungewöhnlich. Dann fiel mir etwas Schönes ein: Schwalben gelten als Glücksbringer! Und Glück konnte ich wirklich brauchen. Nun ja, ich gebe zu, etwas Exorbitantes ist nicht eingetreten, aber wer weiß, was mir vielleicht auf der Fahrt zur TU passiert wäre, die ich ja nun nicht hatte antreten können? Vielleicht wäre wieder jemand in der Straßenbahn auf mich gestürzt, oder man hätte mir mein Portemonnaie gestohlen … Fragen über Fragen, abergläubische Fragen.

Es hat sich danach übrigens nie wieder eine Schwalbe in meine Wohnung verirrt. Aber an meinen kleinen Freund hätte eh keine zweite herangereicht. 🙂

„Wackeldackel“ oder: Ich habe überlebt! :-)

Ich weiß, für diejenigen unter euch, die jahrein, jahraus täglich Auto fahren, mag es sehr befremdlich wirken, wenn jemand gesteht, ein echter Schisshase zu sein, was Autofahren anbelangt. Noch befremdlicher, wenn jemand in meinem Alter gesteht, noch nie ein eigenes Auto besessen zu haben. Es hatte aber zunächst damit zu tun, dass ich lange Zeit kein Auto brauchte und nie wirklich gern gefahren bin, wovon ich ja bereits berichtet hatte.

Ich fasse zum Jahreswechsel normalerweise nie gute Vorsätze, weil ich weiß, dass die – wie Namen – Schall und Rauch sind, meist zumindest. Diesmal war es anders – meine unbequeme Mobilitätssituation ging mir mehr und mehr auf die Nerven, die Situation in Bussen und Bahnen wird auch nicht besser, und es nagte seit vielen Jahren an mir, dass ich wirklich Schiss vor dem Fahren hatte. (Und habe.) Wann immer mich jemand mitnahm, dachte ich mir: „Ali, du bist eine feige Sau!“ Sorry, aber das dachte ich ganz genau so, und ich schreibe immer, wie mir der Schnabel gewachsen ist. (Leider spreche ich auch oft so. 😉 ) Da war ein Makel. Zwar nicht nur einer an mir, aber der hier störte wirklich ganz besonders, denn diesen Makel hätte man leichter abstellen können als manch anderen. Allein – es fehlte der Mut.

Und so beschloss ich zum Jahresende, dass es nun wirklich reiche. Seit elf Jahren war ich gar nicht mehr Auto gefahren. Eine Schnapszahl, die doch zu irgendetwas gut sein musste, und wenn es nur darum ginge, sie zu begrenzen.

Da ich aber eine gewisse Restsicherheit benötige, beschloss ich, Auffrischfahrstunden in einer Fahrschule zu machen, statt – wie man mir wiederholt anbot – mit Bekannten oder Verwandten in deren Autos zu üben, während sie danebensitzen würden. Mir war lieber, mit jemandem zu fahren, der zur Not wirklich eingreifen könnte, zumindest für den Wiedereinstieg. Mit jemandem, der ein echter Profi darin ist.

Heute war der große Tag. Ich hatte nachts sehr schlecht geschlafen und war bei der Arbeit einem Nervenbündel sehr nahe. Um kurz nach 16 h stieg ich in den Bus und fuhr nach Buer, wo ich noch zur Sparkasse musste – das Honorar für die Fahrlehrerin musste ja auch noch am Automaten gezogen werden, denn ich hatte zu wenig Bargeld bei mir.

Um kurz vor halb fünf saß ich in der Straßenbahn, die mich in den Stadtteil bringen sollte, der den schönen Namen Bismarck trägt und um den ich sonst einen großen Bogen mache. 😉 Aber dort war die meinem Wohn-Stadtteil nähergelegene Filiale der Fahrschule, bei der ich mich angemeldet hatte. Hätte man mir vor einem halben Jahr erzählt, ich würde je an der Haltestelle Trinenkamp die Straßenbahn verlassen, hätte ich demjenigen einen Vogel gezeigt. Die Gegend dort ist nicht die angenehmste. 😉

Ich stieg aus und eilte Richtung Bismarckstraße. Zunächst ging ich in die falsche Richtung – ich gehöre zu den Menschen, die sogar als Fußgänger ein Navi gut brauchen könnten. Zum Glück stellte ich meinen Irrtum schnell fest und drehte um. Ebenso schnell fand ich die Fahrschule, aber ich wollte lieber noch ein bis zwei Zigaretten rauchen, bevor ich die heiligen Hallen beträte. 😉

Als ich dies schließlich tat, hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit der Büroangestellten, in dessen Verlauf diese sicherlich die arme Fahrlehrerin bedauerte, da ich, wenn ich aufgeregt bin, zu Logorrhoe tendiere und viel und schnell rede. Noch mehr, noch schneller als sonst. 😉

Die Fahrlehrerin, die mir empfohlen worden war und mit der ich bereits einmal telefoniert hatte, verspätete sich, was kein Problem für mich war. Nur wurde es draußen peu à peu immer dunkler. Egal – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Aktiver statt passiver Erstkontakt mit KFZ seit vielen Jahren, und das im Dunkeln, vielleicht war es besser so. 😉

Und ich wusste zumindest, mit was für einem Fahrzeug ich fahren würde: einem Audi A3. Ich hatte am Telefon noch zur Fahrlehrerin gesagt: „Au, super – einen Audi habe ich noch nie gefahren, wollte das aber immer schon einmal!“ (Aus unerfindlichen Gründen habe ich seit sehr vielen Jahren ein Faible für Audi – nehmt es hin, denn über Geschmack lässt sich nicht streiten. Oder doch? 😉 ) Die Fahrlehrerin, die sehr nett ist, hatte gemeint: „Na, sehen Sie! Da bekommen Sie zu Ihrem Mut noch eine Belohnung dazu!“

Nun muss ich gestehen, dass sämtliche A3, die mir je besonders ins Auge gefallen waren, allesamt über ein Fließheck verfügten. Und fast alle Autos, die ich je gefahren habe, hatten ein Fließheck, waren wunderbar übersichtlich und relativ kurz. Bis auf das „Schiff“ meines Ex-Freundes Freddy, ein potthässlicher 70er/80er Opel Rekord. (By the way: Ein Opel käme mir nie ins Haus – höchstens geschenkt … 😉 ) Ehrlich gesagt: Ich staune noch heute, dass ich mit dem wiederholt gefahren bin, aber das habe ich tatsächlich gemacht, sogar innerhalb Aachens, kam mir allerdings immer vor wie eine Laus auf dem Rücken eines Elefanten.

Als die Fahrlehrerin eintraf und mich aus den Geschäfts- und Unterrichtsräumen der Fahrschule abholte, war ich sehr nervös. Sie wirkte aber sehr beruhigend auf mich – nichts schien sie umhauen zu können, als ich ihr erzählte, ich sei ein Schisshase. Sie meinte nur: „Keine Angst – das kriegen wir hin!“ (Ich sagte lieber nicht, dass bei mir Zweifel bestünden.)

Dann bogen wir um die Ecke, wo der Fahrschulwagen stand, und ich prallte zurück! Was da stand, war erheblich „umfangreicher“ als sämtliche Fließheck-A3, die ich immer so schön gefunden hatte. Denn dieser A3 hatte ein Stufenheck und wirkte damit erheblich wuchtiger! Und natürlich war er um einiges länger. Und das mir mit meiner Fahrphobie! 😉

Ich glaube, mein Zeigefinger zitterte ein wenig, als ich mit diesem auf den Wagen deutete und meinte: „Das ist der Wagen, mit dem ich gleich fahren soll?“ – „Ja!“ rief die Fahrlehrerin fröhlich. „Gibt es etwas auszusetzen? Sie sagten doch, Sie mögen Audi!“ – „Ääh, ja.“ Ich beschloss, die Gegebenheiten einfach hinzunehmen, statt vorzugeben, dass ich doch leider einen ganz wichtigen Zahnarzttermin vergessen hätte, weswegen ich nun auch ganz schnell – mit der Straßenbahn – weg müsse. 😉

Und ich riss mich zusammen und warf schwungvoll meine Tasche auf den Rücksitz, zerrte aber schnell noch meine Lesebrille heraus, die ich so auf die Nase setzte, dass ich bequem darüber hinwegblicken konnte, aber auch die Bedienelemente klar sehen konnte. Nah- und Fernsicht also hervorragend gegeben. 😉

Und dann – bloß keine Feigheit vor dem Feind – warf ich mich schwungvoll auf den Fahrersitz, der erschreckend weit nach hinten gefahren war. Offenbar war der vorherige Fahrschüler ein Riese gewesen. Dann sah ich mich etwas im Wagen um …

Ach, du Scheiße!

Da ich so lange nicht selber gefahren war, war die weitgehende Computerisierung von Autos zwar nicht unbemerkt an mir vorbeigegangen, nur hatte ich nie als Fahrerin mit derlei Gegebenheiten Kontakt gehabt und diese daher zwar bisweilen bestaunt, aber eher als Zaungast. Handbremse – wo war die Handbremse? Ach, diese kleine Klappe da! Hatte ich schon mehrfach bestaunt, aber vor der Zeit meiner persönlichen Weiterentwicklung in puncto Autofahren, da ich dieses kleine Ding nicht selber betätigen musste. Wie zum Henker ging man damit um?!?

Aber erst musste ich meinen Sitz einstellen, dann das Lenkrad. Geiles Lenkrad, übrigens, und als alles auf meine geringe Körpergröße justiert war, musste ich sämtliche Spiegel einstellen. Der Innenspiegel war kein Problem. Die beiden Außenspiegel schon eher, und ich verfluchte meine Unfähigkeit, sofort und auf Kommando alles problemlos handhaben zu können. Ich fühlte mich in doppelter Hinsicht zu doof zum Fahren. 😉

Dann ging es los. Ich hatte nach 11 Jahren Komplettabstinenz auch das letzte Fitzelchen Fahrgefühl und Gespür für ein Auto fast verloren. Und dann mit dieser – für meine Begriffe und im Vergleich zu den vorherigen Gegebenheiten – Wuchtbrumme losfahren! Und wir befanden uns in einer Sackgasse … Es kam mir irgendwie symbolhaft für mein Leben vor, aber meine Fahrlehrerin meinte nur: „Sie fahren jetzt bis zu den beiden Pollern, und dann wenden Sie.“ Ja! Klar! Mache ich doch! Mache ich doch jeden Tag mindestens dreißigmal! 😉

Ich warf einen prüfenden Blick auf den Schalthebel, aber meine Lehrerin meinte grinsend: „Nicht ohne Grund haben wir eine Socke drübergezogen, denn Sie gucken da bitte nicht drauf, sondern schalten nach Gefühl.“ Ah, ja. Ein Sechsganggetriebe, wie sie mir zumindest verriet, und ich schaltete erstaunlich schnell treffsicher in den Rückwärtsgang, als ich die Poller erreicht und gebremst hatte. „Geht doch!“ freute sich meine Fahrlehrerin, monierte jedoch, dass ich zunächst das Gaspedal nicht malträtieren solle. Ich solle zunächst nur mit der Kupplung arbeiten. Ja, klar – bei Fahrschulwagen ist das Standgas so hoch eingestellt, dass man das Gaspedal bei solchen Manövern fast nicht braucht. 😉

Fast nur mit Hilfe der Kupplung manövrierte ich den Wagen erstaunlich schnell in die richtige Richtung. Erneute Freude bei meiner Fahrlehrerin. Bei mir übrigens auch. „So. Wir fahren jetzt erst einmal aus dieser Straße heraus und biegen bei der nächsten Möglichkeit rechts ab!“ Ich folgte, wie mir vorgegeben, und rasch befanden wir uns auf einer der Hauptstraßen in Bismarck.

Überall verengte Fahrspuren, da viele Baustellen. Meine Fahrlehrerin, von mir schon vorab darauf aufmerksam gemacht, dass ich einen gewissen „Rechtsdrall, aber ganz und gar nicht politisch“ mein eigen nenne, wies immer wieder geduldig darauf hin, dass ich mehr in der Mitte fahren und in den linken Außenspiegel blicken solle – da sei noch viel Platz bis zur Mittellinie. Auch solle ich offensiver fahren.

Ich fuhr dann offensiv, als ich wieder etwas mehr Gefühl fürs Fahren hatte. Nur leider fahre ich, wenn ich offensiv fahre, bisweilen etwas schneller. 😉 Wiederholt tönte die Stimme meiner Fahrlehrerin an mein Ohr: „Frau B. – piano! Wir sind nicht auf der Flucht!“ Nicht? 😉 Außerdem fuhr sich die „Wuchtbrumme“ ziemlich angenehm, und das Lenkrad hätte ich nach der Stunde am liebsten mitgenommen! 😉

„Beim Abbiegen die Kurven nicht zu eng nehmen. Ach, aber, Sie kriegen das schon hin! Fahren Sie weiter geradeaus, ich muss da eben mal drangehen!“ meinte meine Fahrlehrerin, deren Handy klingelte. Großer Gott! Sie telefonierte, während ich vor mich hin fuhr! Mir war zwar klar, dass sie dennoch ein sehr genaues Auge auf mich und die Füße in Reichweite ihrer Pedale hatte, aber ich dachte mir: „Weiß sie, mit was für einer Fahrphobikerin sie unterwegs ist?“ 😉 Und ich heizte durch Schalke und das Industriegebiet, das schon zu meinem Einzugsbereich, Erle, gehört.

Immer wieder wies sie mich darauf hin, dass ich offenbar einen Bleifuß hätte. Und sie meinte: „Da Sie ja bereits den Führerschein haben, darf ich rein rechtlich eigentlich gar nicht eingreifen, bremsen oder sonstwas machen – das Fahrzeug unterliegt allein Ihrer Verantwortung. Denken Sie dran.“ Ab da achtete ich auf den Tacho, als handelte es sich um ein eigenes Kind. 😉

Irgendwann, die Gegend kam mir sehr bekannt vor, gebot sie mir, links abzubiegen. In eine Sackgasse. Unseren Ausgangspunkt. Ich bog ab und sollte dann parallel zum Bordstein in eine Lücke fahren. Da sie mich während der Fahrt darauf getrimmt hatte, durchaus größere Abstände zu halten, tat ich dies auch, wollte gerade aufatmend den Wagen definitiv parken, den Zündschlüssel abziehen und wem auch immer auf Knien danken, dass ich ohne Blessuren aus der Fahrstunde hervorgegangen sei, als sie meinte: „Sie sollten aber schon noch ein paar Meter zurücksetzen.“ Ich setzte zurück, aber es war inzwischen ziemlich dunkel, und hinter uns stand ein weiteres Auto. Sagt es nicht weiter, aber so richtig habe ich nach hinten die Abstände nicht schätzen können … 😉 Doch als sie ausstieg und nachsah, meinte sie: „Super, Frau B.! Und Sie sagten, Sie hätten kein Gespür bei so etwas!“ Offenbar habe ich das schon. Durch Sehen hatte ich das jedenfalls nicht so hübsch einschätzen können – dazu war es zu dunkel. 😉

Ich war fürs Erste heilfroh, als ich die Handbremse betätigen, den Motor deaktivieren und aussteigen durfte. 😉 Ich setzte mich nach hinten, denn der nächste Fahrschüler würde nach Erle fahren müssen, da meine Fahrlehrerin meinte, man könne mich bequem zu Hause absetzen. Armer Kerl – über die vergleichsweise schmale Cranger Straße, auf der die Straßenbahn fährt! 😉 Er erzählte, er habe inzwischen 20 Fahrstunden hinter sich, aber dafür fuhr er bemerkenswert langsam. So langsam, dass die Fahrlehrerin sich beschwerte. Und sie meinte: „Unglaublich! Da habe ich zwei Extreme im Auto! Der eine eiert nach 20 Fahrstunden daher wie eine schwangere Bergente auf Urlaub, die andere heizt durch die Gegend, als täte sie nichts anderes – nach 11 Jahren Abstinenz! Frau B. – Sie müssen viel ruhiger werden und sind mir noch zu hektisch, aber das ist ja auch kein Wunder nach der langen Zeit. Aber Sie haben das wirklich recht ordentlich gemacht.“ Ich atmete auf … 😉 „Und du“, wandte sie sich an den Fahrschüler, „solltest dir in puncto Geschwindigkeit etwas von Frau B. abschneiden! Wo sie zu schnell ist, bist du zu langsam! Aber – und das muss ich Frau B. zugute halten – du bist in Übung!“

Dann setzte man mich zu Hause ab. Und nächste Woche ist meine nächste Auffrischfahrstunde … Jetzt bin ich erst einmal erleichtert! 😉

Einen Spruch meiner Fahrlehrerin werde ich mir merken: „Frau B. – Sie müssen so eine Art Wackeldackel sein: Statt einmal lang zu gucken, werfen Sie künftig wiederholt kurze Blicke. Also so wie ein Wackeldackel!“ Ich wusste sofort, was sie meinte und bin jetzt schon auf nächste Woche gespannt … 😉

Zyniker, Streber, „explodierende“ Babys und eine Menge netter Menschen – mein Alltag als Dozentin

Meine Berufswünsche waren im Grunde schon recht ausgeprägt, als ich ein Kleinkind war, und immer aufs Soziale ausgerichtet. Von meinem dritten Lebensjahr an wollte ich Tierärztin werden. Eigentlich wäre das eine absolut geeignete Mischung für mich gewesen, denn ich habe nicht nur ein Faible für soziale Berufe, sondern bin überdies auch noch sehr tierlieb. Man redete es mir aber mehr oder minder subtil aus, und ich könnte mich heute noch ohrfeigen, dass ich selber irgendwann einknickte. Aber so kann es gehen, und es war durchaus gut gemeint, was ich durchaus auch verstanden habe. Das würde ich jedoch niemals so deutlich sagen, auch wenn ich es denke. 😉

Danach interessierte ich mich für Psychologie und Logopädie – und beides passt sicherlich auch gut zusammen. Logopädin für Kinder war lange Zeit mein Wunschberuf. Ging aber auch nicht. 😉

Meine Mutter meinte, ich solle auf Lehramt studieren. Aber das wollte ich nicht – ums Verrecken wollte ich das nicht. Sie erklärte, ich sei dann aber irgendwann verbeamtet, könne mir das Pferd, das ich mir von Kindesbeinen an immer gewünscht hatte, locker leisten, ein Haus, Kinder, Hunde, Katzen, ein schönes Auto, Reisen und, und, und …

Klang verlockend. Aber ich wollte ums Verrecken nicht Studienrätin oder gar Primarstufenlehrerin werden, und das Beamtensystem fand ich schon als Kind irgendwie ungerecht – obwohl ich selber davon profitierte. (Aber mein Vater ist ein Beamter, der seine Privilegien immer als solche wahrnahm und wirklich hart arbeitete.) Mein Motto seit jeher: „Sekt oder Selters. Ganz oder gar nicht.“ Und ich habe viele Lehrer in meiner Verwandtschaft. Das kann abschreckend wirken. Nichts gegen meine Familie und die Verwandten, aber manche von ihnen gebärdeten sich, als sei ihr Beruf der intellektuell anspruchsvollste der Welt – das ging mir auf die Nerven, und bei der Vorstellung, tagein, tagaus im Lehrerzimmer auf solche Leute zu treffen, die von der Schule an die Uni und dann an die Schule zurückgegangen waren, Herren in einer erschütternd realitätsfernen Welt, da sie diejenigen sind, die das Wissen für sich gepachtet zu haben glauben, nur mit Menschen zu tun haben, die noch weniger Erfahrung im Leben außerhalb der Schule haben (obwohl ich glaube, viele Schüler haben mehr davon als ihre Lehrer, aber ich werde boshaft … ;-)), graute es mir in etwa so wie jemandem, dem man mit fünfzig Jahren Verbannung droht.

Mein Vater erklärte mir, Zahnarzt sei ein herausfordernder Beruf. Mein Vater ist Professor für Elektrotechnik, und seine Erfahrung mit Zahnmedizin beschränkt sich darauf, dass er zahnmedizinischer Patient ist. Ich machte um des lieben Friedens willen den Medizinertest, den man damals noch machen musste, war in allen Disziplinen gut, bis auf zwei, in denen ich leider nicht ganz so gut war. Die Warteliste stand an …

Ich habe mich dann frech für Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaften eingeschrieben, in Aachen, auf Magister. Anglistik gesplittet in Sprachwissenschaft als Hauptfach und Literaturwissenschaft als erstes Nebenfach. Komparatistik als zweites Nebenfach. Im Studium nervten viele Lehrämtler, die zwar nicht so viele benotete Scheine wie die Magisteraspiranten machen mussten, aber stets über ihr „extrem anspruchsvolles“ Studium klagten – keiner hatte so viele schlimme Dinge zu tun wie sie. Meine Sympathie diesem Berufszweig gegenüber schrumpfte noch mehr, aber ich sah auch drei wunderbare Ausnahmen unter meinen Lehramtskommilitonen, mit denen ich öfter einen Kaffee trinken ging. Die beklagten sich selber über ihre weniger ernsthaft engagierten Kommilitonen. Für diese drei war ihre Studien- und Berufswahl eine echte Berufung, und die machten die Scheine, die sie eigentlich gar nicht benotet hätten machen müssen, durchaus benotet und mit einem erheblichen Mehraufwand an Arbeit – die Möglichkeit bestand damals. So machte ich vice versa auch einen benoteten Schein in Didaktik, den ich als M.A.-Aspirantin gar nicht hätte machen müssen, und ich nahm an mehreren Pädagogikveranstaltungen für Lehrämtler teil, bis es mir zu doof wurde – Ringelpiez mit Anfassen wäre sinnvoller gewesen. Ich bin keine Freundin von Stuhlkreisen und ab initio redundanten Diskussionen. Ehrlich gestanden, vertrete ich sogar die frevelhafte Ansicht, dass man zwar im Bereich Didaktik einige Techniken erlernen könne, in Pädagogik hingegen nicht. Entweder hat man ein Händchen dafür, oder man hat es eben nicht. Ich bin normalerweise auch keine Freundin einfacher oder Patentlösungen – hier mache ich eine Ausnahme. Und ich habe inzwischen etwa zwanzig Jahre Erfahrung als Dozentin, nachdem ich während meines Studiums bereits als Lehrkraft in einer privaten Förderschule, wie man das damals noch nennen durfte (bis man das, was zuvor als „Sonderschulen“ bekannt war, in „Förderschulen“ umbenannte – ungeachtet der Tatsache, dass auch der politisch korrekte neue Begriff sich alsbald abschleifen würde und ein neuer her müsse …), arbeitete.

Nach meinem Studium arbeitete ich als EU-Projektkoordinatorin an meiner Alma mater, wenn auch fachfremd in einem ingenieurwissenschaftlichen Bereich, wo ich mich sehr wohlfühlte, danach als technische Redakteurin, „Technical Writer“ in einer Firma, die Telekommunikations-Software produzierte, bis diese aufgrund exorbitant „guter“ Geschäftsführung Insolvenz anmelden musste. Ab 2008 dann als Dozentin im Bereich Fremdsprachen an der TU einer der Nachbarstädte.

Ich hatte mich Mitte September beworben und vorgestellt, mein erstes Seminar sollte Mitte Oktober beginnen. Ich hatte vier Wochen Zeit, ein brandneues Konzept zu erarbeiten, denn mein Seminar war ebenso brandneu – das hatte es vorher nicht gegeben. Ein fachsprachliches noch dazu. Ich gestehe, es gab zwei Abende innerhalb dieser vier Wochen, da ich weinend vor meinem Rechner saß, mir die Haare raufte und mich fragte, wie ich nur so irrsinnig hätte sein können – das Fach, in dem ich kurz darauf ein Seminar leiten sollte, mir inhaltlich völlig neu, die Fachsprache aufgebläht bis dorthinaus. Meine Abende waren mit Lesen angefüllt. Ich kann mich zum Glück immer sehr gut selber „auf den Topf setzen“, und so schaffte ich es auch, ein Konzept zu erstellen, das meine neue Chefin gut fand und mit der Fachsprache klarzukommen, als ich dann Mitte Oktober meine erste Doppelstunde leitete.

Ich war nervös wie tausend Mann! Ich war eigentlich immer schüchtern gewesen, Referate während meines Studiums hatten schon zuvor ihren Tribut gefordert – ich schlief vor Referaten eigentlich nie. Sprechen vor einer Gruppe Menschen, und sei sie noch so klein? Der blanke Horror! Meine Kommilitonen meinten hinterher immer, man habe mir meine Nervosität nie angemerkt. Ich selber fühlte mich grauenhaft.

Was soll ich sagen? Binnen kurzem mutierte ich zu dem, was wohl schon länger in mir geschlummert hatte, denn: Ich bin ganz offenkundig eine Rampensau! 😉 Ich stehe gern auf einem Podium, einer Bühne, ich rede gern, ich unterhalte gern. Aber immer im Sinne meiner Tätigkeit, und ich vergesse die Studis nicht, da die ja lernen müssen. Aber ein bisschen nette Showeinlage muss auch sein – dann lernt es sich leichter. Und ich kann gut improvisieren. Ganz ungeahnt. Einmal hatte ich die falschen Unterlagen eingepackt, was mir in der Bahn auffiel. Leichter Panikschub. Zum Umkehren zu wenig Zeit. Also musste ich irgendwie so durch, hatte nur mich und meine noch auszusprechenden Worte. Es war eine meiner besten Veranstaltungen, und die Studis klopften hinterher Beifall. Ich freute mich sehr. Ich bin nicht über Gebühr eitel, und für mich ist so eine nette Reaktion kein Selbstverständnis – es freute mich wirklich sehr, und das sagte ich ihnen auch. Einer der Studis rief: „Miss B. – we love you!“ Ich gestehe es: Da hatte ich ein bisschen „Pipi“ in den Augen stehen. 😉

Nicht alle Studis waren so nett. Als ich einmal einige Wochen vor Weihnachten wegen einer heftigen Bronchitis ausfiel und meinen Studis eine Mail mit dem Betreff: „Caution! Biohazard!“ schrieb, in der ich mein Bedauern kundtat, auszufallen, schrieb mir ein Studi zurück, er bedauere das keineswegs – so toll sei ich ja nun wirklich nicht. Ich musste heftig schlucken, hatten mich doch sonst nur nette Wünsche ereilt. Dann dachte ich nach, führte mir den Studi vor Augen. Griesgrämig hatte er bisher in jeder Stunde dagesessen, hatte maximal zynische Bemerkungen gemacht, nicht eine konstruktive. Ich beantwortete seine Mail gar nicht, im Gegensatz zu den anderen, die mir nett gute Besserung wünschten. Nach meiner Genesung ging ich in der ersten Stunde hin, bedankte mich noch einmal persönlich bei den netten Studis. Den Zyniker bat ich beiläufig zu einem kurzen Gespräch nach der Stunde. Da habe ich ihm dann verklickert, dass ich seine deutlichen Worte durchaus schätzte, aber etwas enttäuscht sei, dass er offenbar schon zu Anfang nicht hingehört hätte, denn ich hätte doch gesagt, dass, wann immer Grund zur Kritik gegeben sei, ein offenes Ohr meinerseits bestünde. Auch per Mail – das dann aber bitte höflich, wenn auch deutlich. Was es denn auszusetzen gebe. Da wurde er knallrot und meinte: „Ach, eigentlich nichts.“ – „Ja, nun haben Sie die Möglichkeit, mir zu sagen, was Ihnen fehle – nun nutzen Sie sie doch, bitte, auch!“ – „Nein, eigentlich ist alles okay …“ – „Dann lassen Sie doch bitte den verbalen Baseballschläger demnächst auch stecken, ja? Sie können mit mir ganz normal sprechen, und das habe ich von Anfang an klargemacht.“ Seitdem klappte es prima.

Ich habe es eigentlich immer gut geschafft, die völlig verschiedenen Studis in den bis zu 30 Personen starken, bisweilen aber auch größeren Gruppen unter einen Hut zu bringen, und meine Arbeit machte mir Spaß. Einzig Streber, die es vereinzelt gab, waren nicht so angenehm, denn sie brachten durchaus lebhafte Diskussion mit ihren besserwisserischen und haarspalterischen Anmerkungen bisweilen zum Stocken. Nicht zum Erliegen – das hätte ich nicht zugelassen. 😉

Im Laufe der Zeit bekam ich immer mehr Seminare, sowohl fach-, als auch allgemeinsprachliche. Einer meiner Lieblingskurse war bis zum Schluss: „English Skills: Listening and Speaking“ auf B2-Niveau mit Ziel C1. Da konnte man sich richtig austoben, war nicht an Grammatikübungen gebunden, sondern konnte tagesaktuelle Themen behandeln, dazu Videos vorführen und besprechen. Und die Studis mussten zum Bestehen des Scheins unter anderem ein Referat halten.

In einem dieser Kurse war Evita, Evi genannt. Evi war eine sehr sympathische junge Frau, hatte bereits ein Kind und saß nun hochschwanger in meinem Kurs. Bisweilen hatte ich Bedenken, sie könne in demselben niederkommen, so hochschwanger war sie, verpasste aber keine Stunde. 🙂 Irgendwann dann fehlte sie, und eine Kommilitonin berichtete, Evi habe zwischenzeitlich ihre zweite kleine Tochter bekommen, komme aber in der folgenden Woche wieder.

In der Woche darauf saß Evi tatsächlich wieder da. Aber nicht allein. Gut, das war nun nichts Ungewöhnliches, denn Evi war ja auch zuvor schon immer „zu zweit“ anwesend gewesen. 😉 Aber nun war die kleine Maja nicht mehr in Evis Bauch, sondern auf deren Arm. Ich war hingerissen! Ein winziges kleines Wesen, stets friedlich schlummernd, bisweilen im Schlaf vermeintlich grinsend – das Kind gefiel mir. Anders als manch andere Mutter, fragte Evi mich auch, ob ich die kleine Maja mal halten wolle. Ja, klar! So ein süßes, kleines Ding – das wollte ich gerne mal auf den Arm nehmen. Es lag da in meinem Arm, winzig und im Schlaf Grimassen schneidend, und ich meinte zu Evi: „Nehmen Sie sie schnell wieder, bevor ich mit ihr abhaue!“ Evi lachte und meinte: „Jetzt ist sie lieb – aber wenn sie schreit, würden Sie sie sicherlich gern wieder loswerden.“ Ich meinte: „Ich bin hart im Nehmen, das wissen Sie doch.“

In der Seminarveranstaltung zwei Wochen später war die kleine Maja dann gar nicht so still, schlief auch gar nicht so niedlich und friedlich wie ein Blümchen bei Nacht, sondern machte sich schon von Beginn der Stunde an durch temporär energisches Geknötter und Geheul bemerkbar. Ich fragte Evi: „Ach, herrje – was hat sie?“ – „Sie hat wohl Blähungen, Frau B.! Soll ich lieber gehen?“ Ich bin kinderfreundlich, und ich wollte Evi keineswegs eines bisweilen knötterigen Babys wegen des Raumes verweisen. „Nein, nein, Sie bleiben hier! Mir tut die Kleine nur leid – sie hat sicherlich schlimme Bauchschmerzen. Aber die wären zu Hause oder sonstwo sicherlich genauso schlimm. Sie bleiben auf jeden Fall hier.“

Ein Maschinenbau-Student sollte sein Referat halten, und es ging um etwas, das mich auch interessierte: neuartige Gussmaterialien in der Automobilbranche. Ich hatte an der RWTH Aachen im Institut für Gießereikunde gearbeitet, mich trotz meines fachfremden Studiums in die Materie weitestmöglich eingearbeitet, und mich interessierte das Thema des Referats daher wirklich.

Der Studi stellte sich vorn vor den Kurs, wo ich sonst stand, hob an, referierte auch etwa fünf Minuten, während ich in einer der vorderen Stuhlreihen saß, direkt vor Evi und Maja.

Plötzlich hörte ich hinter mir ein sehr heftiges und ebenso eindeutiges Geräusch, und dann passierte alles auf einmal: Unglaublicher Gestank machte sich breit, und Evi und eine Kommilitonin sprangen auf, Evi mit Maja auf dem Arm, und alle drei verließen im Laufschritt mit Majas Wickeltasche den Seminarraum …

Sekundenbruchteile herrschte Schweigen, bis ich mühsam meinte: „Würden Sie da hinten bitte sofort die Fenster öffnen?“ Die Worte kamen nur mühsam zustande, da ich ein pelziges Gefühl auf meiner Zunge hatte und meine Augen tränten. Unglaublich, was sich im Magen-Darm-Trakt eines so winzigen Wesens, wie Maja es war, zusammenbrauen konnte! 😉 Die Kleine war quasi „explodiert“, und was sie dabei abgesondert hatte, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Das muss man selber miterlebt haben. Oder auch nicht. 😉

Mein Referent sah hilflos drein, nachdem er sich die Nase geputzt hatte und wieder etwas Luft in den Seminarraum gelangt war. Er meinte: „Naja, den Rest will jetzt sicher keiner mehr hören …“ Ich meinte energisch: „Martin, selbstverständlich wollen wir auch noch den Rest hören! Lassen Sie sich nicht abhalten! Sie halten Ihr Referat ganz normal bis zum Ende! Und es ist wirklich interessant – lassen Sie sich nicht verunsichern!“ Und mit diesen Worten wischte ich mir die letzten Tränen aus den Augen.

Und als Martins Referat gerade zu Ende ging, kamen auch Evi, Maggie und die kleine Maja zurück. Maja wirkte vergnügt, als sie uns da in den Stuhlreihen mehr hängen als sitzen sah. Sie war wieder ganz die Alte. 😉

Zwei Wochen später hielt Evi ihr Referat. Maja schlief völlig blähungsfrei und friedlich in ihrem Kinderwagen. Evi wirkte auch ganz normal, als sie referierte.

Als die Stunde vorbei war, verließen die Studis den Raum und wünschten mir eine schöne Woche. Auch Evi war weg, allerdings stand der Kinderwagen mit Maja noch immer da. Ich wartete. Und wartete. Evi kam gar nicht zurück, hatte ihr Kind mit mir alleingelassen.

Plötzlich drang klägliches Gewimmer aus dem Wagen – Maja war erwacht und vermisste ihre Mutter. Die kam und kam nicht zurück, und das klägliche Gewimmer steigerte sich zu anklagendem Geschrei. Ich ging zu Maja, die mit zornrotem Gesicht in ihrem Wagen lag und schrie. Ich bin immer wieder erstaunt, welch immense Lautäußerungen von solch kleinen Wesen ausgehen können! 😉

Kurz vor dem Platzen meiner Trommelfelle – und da Evi noch immer nicht aufgetaucht war – fasste ich mir ein Herz, griff in den Kinderwagen und holte die inzwischen vor Zorn fast violett angelaufene Maja heraus, nahm sie auf meinen Arm und redete babygerecht leise und mit weicher Stimme auf das kleine, schreiende Ding ein: „Ooch! Wer schreit denn da so? Die Mama kommt doch gleich wieder!“ Zumindest hoffte ich das. Aber von Evi weit und breit keine Spur. Ich wurde allmählich ungeduldig. Maja desgleichen, und als sie gerade eine kurze Pause einlegte, wohl, um Luft für eine noch lautere Schreiattacke zu holen, kam mir eine brillante Idee! Und so fing ich an, mit babygerechter, weicher Stimme mein eigenes Lieblings-Schlaflied aus meiner Kindheit zu singen: das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms. „Guten Abend, gut‘ Nacht, mit Rosen bedacht …“ Ehrlich gestanden, erhoffte ich mir inzwischen keine allzu große Wirkung mehr, nachdem schon meine liebreizend-babygerechte, freundliche Ansprache nicht gefruchtet hatte …

Aber – was für ein Wunder! Kaum waren die ersten Töne meiner Kehle entronnen, herrschte atemlose Stille! Die kleine Maja starrte mich gläubig an, als ich intonierte: „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt!“ Und als ich die Phrase  wiederholte: „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wie-hie-hie-der geweckt“, schien sie gar zu grinsen! 😉 (Nein, nicht was Ihr denkt – ich kann durchaus fehlerfrei singen! ;-))

Optimistisch stimmte ich die zweite Strophe an, mich dabei wiegenden Schrittes durch den Seminarraum bewegend, das grinsende Baby auf meinem Arm. „Guten Abend, gut‘ Nacht, / Vo-hon Englein bewa-hacht, / Die-hie zeigen i-him Traum / Di-hier Chri-hist-kindleins Baum. / Schlaf nun selig und süß, / Schau im Traum ’s Pa-ra-di-hies / Schlaf nun selig und süß, / Schau im Tra-ha-haum ’s Paradies.“

Die zweite Strophe war gerade beendet, als eine Stimme von der Tür her erklang: „Frau B.! Nein! Wer hätte das gedacht!“ Maja begann leise zu protestieren, und ich drehte mich um, hielt dabei einen Finger auf meinen Mund – das Kind war doch gerade eingelullt und still gewesen. Wer störte?

Es war eine Kollegin, die ganz entrückt und verzückt in den Raum kam. Sie meinte mit gedämpfter Stimme: „Herzlichen Glückwunsch, Frau B.! Das ist ja schön, dass Sie Ihr Baby mitbringen! Das ist ja noch ganz klein! Hat man Ihnen gar nicht angesehen!“ – „Äääh …“ – „Wie rührend das immer ist – kaum fängt die Mama zu singen an, ist das Kleine still! Das ist ein Zeichen für eine echte Bindung, Frau B.!“ – „Äääh!“ – „Toll, wie Sie das machen – ganz herzlichen Glückwunsch!“ Und noch bevor ich etwas erklären konnte, verschwand die Kollegin mit Tränen der Rührung in den Augen. Und ich bekam am selben Abend noch eine Mail von meiner Chefin. Man habe ja gar nicht gewusst … 😉 (Das kommt davon, wenn man als Lehrbeauftragte arbeitet und die eigene Chefin nur alle Jubeljahre bzw. -monate mal sieht! 😉 )

Evi habe ich dann die Leviten gelesen, als sie wiederkam. Sie hatte sich wohl – ich tippe auf eine nachgeburtliche hormonelle Missstimmung – eingebildet, ihr Referat sei Mist gewesen und auf der Damentoilette etwa eine halbe Stunde lang geweint, übrigens ohne jedweden echten Anlass. Sie war bestürzt und fing zu weinen an, als ich sagte, sie könne doch nicht einfach ihr Kind mit einer wildfremden Person alleinlassen, und so hatte ich dann auch noch Evi im Arm und musste trösten … Es gelang mir, ohne dass ich auch da noch singen musste, und zum Schluss meinte Evi: „Ich hätte Maja niemals mit einer wildfremden Person alleingelassen. Sie waren doch da, und Ihnen vertraue ich. Sie haben das ja auch ganz toll gemacht – danke, Frau B.!“

Das rührte mich dann wieder. 🙂

Und so lernte ich, dass ein Dozentenjob auch manchmal mit der Betreuung ganz kleiner Studenten zu tun hat. Manchmal muss man sogar singen … 😉

Die kleine Maja hat mich ein Sommersemester später dann noch einmal besucht. Da war Evi gar nicht mehr meine Studentin, und Maja konnte schon krabbeln. Evi hatte wohl dem Vorlesungsverzeichnis entnommen, wann ich wo meine Seminare leitete, und da kam sie nach Abschluss eines solchen zu Besuch. Im Schlepptau die kleine Maja. Ich freute mich sehr, als Evi meinte: „Frau B. – ich wollte Sie doch gerne einmal besuchen, nachdem ich mein Studium auf Eis gelegt habe. Sie habe ich in so schöner Erinnerung behalten. Ich hoffe, Sie freuen sich.“

Ich freute mich sehr. 🙂 Ich freute mich auch über die kleine Maja, die schon so groß war, dass sie krabbeln konnte. Evi sagte zu ihr: „Maja, sieh mal, das ist Frau B., bei der wir im Seminar waren. Du nur in einem, ich in mehreren. Frau B. hat dir mal ganz lieb etwas vorgesungen.“ Und da grinste die Kleine mich an und kam auf mich zugekrabbelt. Ich gebe zu, ich hatte sie auch freundlich angesprochen und dabei alberne Laute von mir gegeben. 😉 Bei mir angelangt, stand die Kleine wackelnd und schwankend auf, stützte sich an meinen Beinen ab und riss die kleinen Ärmchen hoch! Ich war gerührt – das kleine Ding schien mich zu mögen. 🙂 Und da nahm ich sie hoch, und sie drückte ihr Köpfchen an mich. Irgendwann wollte sie wieder hinunter, und als ich sie absetzte, erhob sie sich binnen kurzem auf ihre kleinen Füße und begann, schwankend und stets im Risiko, zu fallen, zu laufen. Evi war völlig erstarrt. Ich nicht. Mir war nicht klar, was das bedeutete, ich sah sie ja nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, aber da meinte Evi: „Die ist noch nie gelaufen! Und jetzt, gerade da wir bei Ihnen sind, fängt sie damit an! Frau B. – das muss an Ihnen liegen!“ Ich glaubte das zwar nicht, war aber ebenso hingerissen. Da lief das süße, kleine Ding schon. Ich gebe allerdings zu, dass ich mich ein wenig geehrt fühlte, dass es just in meiner Anwesenheit damit begonnen hatte. 🙂 Und ich war fast so stolz wie seine Mama, dass es ein sehr eigenwilliges kleines Mädchen war. 🙂

Mir fehlt meine Dozententätigkeit sehr. Erfreulicherweise aber hat meine ehemalige Chefin sich an mich gewendet und angefragt, ob ich nicht ab dem nächsten Semester zumindest ein Seminar leiten könne. Ich glaube, das möchte ich. 🙂

„Sähe iichchch soforrrt an Knochen!“ Oder: Offenbar kann ich meine Ahnen nicht verleugnen …

Wann immer ich als Kind und Jugendliche in den Spiegel sah, tat ich dies mit einer gewissen Skepsis, während meine ältere Schwester Stephanie dasselbe ganz anders tat: Mit großer Geste posierte sie vor dem Spiegel, strahlte sich selber an, studierte diverse Posen und Gesichtsausdrücke ein. Ihr gefiel offenbar, was sie sah. Sie war seit jeher eher der strahlende Mittelpunkt. Trat ich vor den Spiegel, so geschah dies stets mit sehr kritischem Blick. Ich bin eindeutig das Kind meiner Mutter. 😉 Schon als Kleinkind war ich irritiert davon, dass der Rest meiner Familie erheblich dunklere Haare als ich hatte, und noch bevor ich wusste, wie meine Haarfarbe korrekt heißt, fragte ich insistierend: „Warum habe ich gelbe Haare und ihr nicht?“ Meine Mutter lacht heute noch über die „gelben“ Haare und meine damals in skeptische Falten gezogene Stirn. Als Dreijährige.

Sie erklärte mir damals, ich hätte keineswegs „gelbe“, sondern blonde Haare, und sie selber, wie auch mein Vater hätten als kleine Kinder hellblonde Haare gehabt. Ich konnte das kaum glauben, kannte ich meine Mutter doch nur in sehr dunklem Dunkelblond, das mir eher braun erschien, meinen Vater nur in Dunkelbrünett, was ich als Kind als „schwarz“ bezeichnete. Und ich hoffte viele Jahre darauf, auch dunkelbrünett zu werden. Ich hoffte vergebens, ich blieb blond. Die Farbwahrnehmung kleiner Kinder scheint irgendwie anders zu sein als die Erwachsener, denn ich war auch jahrelang absolut überzeugt davon, ich hätte blaue Augen. Da waren meine Augen schon lange grün, zwar mit blauem Anteil, aber nicht dominant. „Blaugrün“ steht heute in meinem Personalausweis.

Ich sah nur, was ich sehen wollte oder wahrnehmen konnte, damals als Kind. Da hatte ich gelbe Haare und blaue Augen – offenbar hatte ich schon immer ein Faible für Schweden, ein Land, das ich sehr liebe und dessen Nationalfarben Blau und Gelb sind. 😉

Glücklicherweise wusste ich damals noch nicht, was viele Jahre später nicht wenige Menschen in oder an mir sehen würden, was ich als völlig herkömmlich und für einen Menschen deutscher Staatsangehörigkeit ebenfalls durchaus nicht ungewöhnlich ansah.

Ein Teil meiner Vorfahren kommt „aus dem Osten“, wie das so gern genannt wird. Genauer: Aus einer Region, einem Dreiländereck damals, vor dem Zweiten Weltkrieg, dessen Bestandteile über die Zeit mal deutsch, mal polnisch, mal tschechisch waren. Ein politisches Pulverfass wohl. Und in der Tat habe ich unter anderem auch slawische Vorfahren, polnische wie tschechische. Meinem Namen merkt man das nicht an. Und ich machte mir auch nie Gedanken darüber.

Bis ich eines Tages in Aachen bei einem Gang in die Stadt mal von einer älteren Dame, die den „Wachtturm“ anpries, am Ärmel meiner Kunstpelzjacke festgehalten wurde und sie in einer slawischen Sprache auf mich einredete, als gäbe es kein Morgen! Ich starrte sie aus zweierlei Gründen irritiert an:
A) Ich verstand kein Wort. B) Ich war immer davon ausgegangen, dass Jehovas Zeugen nur passiv werben dürften. Und nun wurde mir der „Wachtturm“ vor meine Augen gedrängt und Worte an mich gerichtet, von denen ich nicht eines verstand. Dass es sich um eine slawische Sprache handelte, war mir klar. Mich rührte auch der Eifer der älteren Dame, die mir offenbar etwas Gutes tun wollte, und so blieb ich stehen und erklärte ihr auf Deutsch, dass ich leider kein Wort verstünde, dass mich ihr Eifer rühre, ich aber nicht interessiert sei und dass sie eigentlich Leute auch nicht aktiv ansprechen dürfe. Sie starrte mich mitsamt meiner Kunstpelzjacke an, als hätte ich ihr soeben verkündet, ich sei ein Marsianer, und dann meinte sie mit reizendem slawischen Akzent: „Chabe iiichch gedacht, du Ruuussiiin! Wie iiichch. Siehst du so aaauus!“ – „Wegen der Jacke?“ – „Aaauuch.“ Und dann nannte sie mich ein „gutes Mädchen“, strich mir über den Arm und ging, während ich wie vom Donner gerührt dastand.

„Sehe ich aus wie eine Russin?“ fragte ich meinen besten Freund Fridolin, als ich kurz darauf auf einen Kaffee bei ihm vorbeischneite. Er sah mich nur kurz an und meinte: „Für mich siehst du aus wie Ali. Mit Russinnen kenne ich mich nicht aus.“ Keine Hilfe, aber ich starrte einmal mehr kritisch in seinen Badezimmerspiegel – diesmal besonders kritisch.

Wenige Wochen später arbeitete ich in der Studentenkneipe, in der ich einige Zeit als Thekenfrau jobbte. Ein eher lebhafter Abend, und irgendwann kam ein Paar, das selber eine Kneipe betrieb und setzte sich an den Tresen. Ich bediente die beiden sehr schwungvoll und freundlich, und irgendwann meinte der männliche Teil, der in seiner Freizeit malte, ganz begeistert: „Ali, würdest du mir Modell sitzen?“ – „Ich? Wozu?“ – „Wegen deines Gesichts! Du hast etwas an dir, was sonst nur Asiatinnen und Slawinnen haben – das würde ich gern malen! Bei dir tippe ich eher auf slawische Vorfahren – du hast so etwas reizend und latent Melancholisches an dir!“ Reizend-melancholisch erklärte ich ihm, dass ich sein Ansinnen zwar durchaus schmeichelhaft fände, aber viel zu ungeduldig zum Modellsitzen wäre – da sei ich eher mediterran.

Allmählich irritierte mich das Ganze, zumal ich auch in der Stadt gar nicht so selten von Polen und Russen in ihrer Muttersprache angesprochen wurde, teils nicht ganz unaufdringlich. Immer häufiger sah ich zu Hause in den Spiegel und versuchte, herauszufinden, warum mir das immer wieder passierte. Ich sah nichts Besonderes – ich sah mein Gesicht und fand daran nichts Außergewöhnliches.

Dann fuhr ich eines Tages von Aachen nach Ratingen, wo Giacomo, mein damaliger Freund, lebte, und da passierte etwas, das ich nie vergessen habe. Ich musste in Düsseldorf am Hauptbahnhof umsteigen, und ich telefonierte gerade mit Fridolin, meinem besten Freund, als ich an dem Gleis ankam, an dem die S6 Richtung Ratingen abfahren sollte. Nur war sie noch nicht da – verspätet, wie so oft. Und ich an einem abgelegenen Gleis. Im Winter am späten Nachmittag, es dämmerte bereits. Wie gut, dass ich Fridolin am Ohr hatte, und wir alberten herum, als ein Mann, der eher wie eine ziemlich „schmierige“ Erscheinung auftrat, sich mir näherte, mich einfach ansprach, obwohl ich auf mein Handy deutete, ihm bedeutete, er störe. Er redete mich ungeachtet dessen einfach an und behauptete, mich aus irgendeinem „Club“ zu kennen. Wir hätten doch neulich Sekt miteinander getrunken und noch so viel anderes gemacht. Ich sei doch diese reizende Russin …

Mir stockte der Atem. Wie bitte? Was sollte das denn, bitte? Ich sehe aus wie eine ganz normale Frau, sicherlich nicht wie eine, die in einem „Club“ arbeitet! Russin, Deutsche, Inuit – scheißegal! Das verklickerte ich dem schmierigen Typen auch, aber der meinte nur, ich sei halt jetzt nicht so geschminkt. Ich sagte in mein Handy: „Fridolin, auch wenn ich gerade nicht mit dir spreche: Bleib bitte dran, denn es könnte sein, dass ich einen Zeugen brauche! Hast du mich gehört?“ – „Ich bleibe dran, Alichen, keine Sorge! Was ist denn da los?“ – „Kann ich jetzt nicht en détail erklären, ich habe offenbar ein Problem, bleib bitte dran!“ Denn der Typ war immer näher gekommen, aufdringlich, und er behauptete, ich sei Russin und in einem Düsseldorfer „Club“ tätig und zu Willen. Mein Name sei Olga, denn den habe er sich gemerkt, da „ich“ ihm gefallen hätte. Ich erklärte, ich sei Deutsche, und das seit meiner Geburt, mein Name nicht Olga. Er meinte nur: „Das sagen sie alle. Keine von euch ist Deutsche!“ – „Im Gegensatz zu Ihnen bin ich das sehr wohl!“ schrie ich den Kerl an, der eindeutig eher aus orientalischen Gefilden stammte. Als er mich dann auch noch anfasste und meinte, Russinnen seien ja recht leicht zu haben, knallte ich ihm meine Reisetasche mit gewichtigem Inhalt zwar nicht dahin, wo es sich gehört hätte, aber doch immerhin empfindlich gegen die Kniescheibe, und ich schrie sehr laut und durchdringend nach der Polizei. Da rannte der Typ wie ein Hase, und im Wegrennen beschimpfte er mich als „Russenschlampe“ und „Scheiß-Olga“. Darüber kann ich heute lachen, und ich muss speziell über „Scheiß-Olga“ lachen. 😉 Damals schrie ich hinter ihm her, er sei ein ekelhafter und schmieriger Typ und solle sich mal überlegen, dass die armen Russinnen, die er da im Club kennengelernt habe, sicherlich nicht freiwillig dort arbeiten würden, weswegen sie mir auch von Herzen leidtäten, aber das sei das Einzige, was mich mit ihnen verbinde!

Weniger lustig fand ich, dass auf meinem Bahnsteig durchaus noch andere Leute standen, die gesehen hatten, dass ich belästigt und bedrängt wurde, aber keiner eingriff, sondern alle nur gebannt starrten, was wohl als Nächstes passieren würde. Nun, sie hatten ihre Vorstellung bekommen. Irgendwann fiel mir auch Fridolin wieder ein, als ich ein durchdringendes Pfeifen aus meiner Jackentasche hörte, wohin ich mein Handy gesteckt hatte, als mir klar war, dass ich unter Umständen zwei freie Hände würde brauchen können, mich zu wehren: Er war drangeblieben, hatte aber wohl gemerkt, dass ich ihn vergessen hatte und versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Er meinte: „Ali, kann man dich eigentlich nirgendwohin allein gehen lassen? Was war das denn, bitte? Und wieso hast du nicht schon viel eher nach der Polizei geschrien? Aber Hut ab: Du kannst wirklich sehr laut und durchdringend schreien. Ich war erleichtert, als du es endlich getan hast! Ich war selber schon kurz davor, die Polizei anzurufen und zum Düsseldorfer Hauptbahnhof zu schicken, als ich hörte, was der Ekeltyp dir da alles sagte! Aber du kamst mir dann zuvor.“ Giacomo, bei dem ich dann kurz darauf eintraf, immer noch total empört, fand „Scheiß-Olga“ total amüsant. Er lachte sich halb schlapp und meinte, ich hätte aber wirklich etwas Slawisches an mir. Ich war stinkwütend und meinte, ob ihm nicht klar sei, dass ich Angst gehabt hätte. Er meinte nur, ich sei doch in der Lage gewesen, mich zu wehren. Na, super!

Danach passierte lange Zeit nichts, keiner fragte mich, ob ich Russin, Polin, Sorbin, Tschechin oder Serbin sei, sprach mich gar in der zugehörigen Sprache an. Der Spuk schien vorbei. Bis es eines Abends, da wohnte und arbeitete ich auch schon in Ratingen und war erschöpft von der Arbeit heimgekehrt, an meiner Wohnungstür klingelte. Ich öffnete leicht genervt, und da stand ein jüngeres Paar und erklärte, sie kämen von einem Meinungsforschungsinstitut und hätten da mal ein paar Fragen. Sie wiesen sich sogar aus, aber ich winkte ab und meinte: „Sorry, aber ich bin gerade von der Arbeit gekommen und möchte einfach nur meine Ruhe. Bitte haben Sie Verständnis.“ Der junge Mann, der bei meinem Anblick zu strahlen begonnen hatte, meinte: „Kein Problem. Nur eine kurze Frage, Frau B.: Sind Sie zufälligerweise Polin?“ Ich verdrehte leicht meine Augen und meinte: „O nein, nicht schon wieder! Warum fragen Sie das? Das passiert mir nicht zum ersten Mal, und ich sollte schon so oft Russin oder Polin sein! Woran liegt das? Sagen Sie mir das bitte einfach. Wie kommen Sie darauf?“ Da lächelte der junge Mann und meinte: „Es ist Ihr Gesicht, Frau B.!“ – „Mein Gesicht?“ – „Ja. Sie sehen total slawisch aus. Die Wangenknochen – Sie haben ein klassisches slawisches Gesicht! Dazu noch die Augen – es wundert mich nicht, dass Sie öfter darauf angesprochen werden. Ich bin selber zur Hälfte Pole, und meine halbe weibliche Verwandtschaft in Polen sieht so aus wie Sie. Ich fand Sie gleich sympathisch, als Sie die Tür aufmachten.“ – „Danke. Dann weiß ich ja jetzt wenigstens Bescheid.“ Trotzdem bekamen die beiden kein Interview. 😉

In der letzten Zeit passierte es mir auf dem Rückweg von der TU der Nachbarstadt, an der ich als Dozentin arbeitete, zweimal, dass sich Männer neben mich setzten und ganz vertrauensvoll: „Вы говорите по-русски?“ fragten, „Wy gavarite pa-russki?“ Dabei griffen sie mir ebenso vertrauensvoll ans Knie bzw. legten mir den Arm um die Schulter. Ich verstand leider nur „russki“, aber ich habe gelernt, aus dem Textzusammenhang zu verstehen, und so erklärte ich auf Deutsch, dass ich kein Russisch verstünde, nachdem ich ihre Hände abgeschüttelt hatte, was in einem Falle auf komplettes Unverständnis stieß. Er beharrte darauf, dass ich doch eindeutig so aussähe! Ich stand lieber auf und setzte mich woanders hin. Es ist bisweilen etwas lästig, und immer noch sehe ich mich selber, wenn ich in den Spiegel blicke, verstehe die Reaktionen mancher Slawen wirklich nicht, die glauben, ich sei ebenfalls Polin, Russin wie sie selber.

Ein nettes Erlebnis hatte ich aber auch. Im Sommersemester 2012 hatte ich mein erstes allgemeinsprachliches Englischseminar neben den fachsprachlichen an der TU der Nachbarstadt zu leiten. Meine Chefin hatte mir eine Mail geschickt, dass eine Studentin erst zur dritten Veranstaltung kommen könne, sich aber ordnungsgemäß abgemeldet habe – ich solle sie nicht wie andere Zuspätkommer wegschicken. Sie leitete mir die Mail der Studentin weiter. Die Studentin hieß Jelena und schrieb bereits in ihrer Entschuldigungsmail, sie sei Russin und spreche sehr schlecht englisch.

In der dritten Stunde betrat ich wie üblich meinen Seminarraum, begrüßte die Studis und sah mich um: Da war ein mir unbekanntes Gesicht, eine ältere Studentin schon, die etwas besorgt dreinblickte. Ich beschloss, sie nach der Stunde zu mir zu bitten. Sie kam dann auch, und noch ehe ich zu sprechen beginnen konnte, meinte sie: „Frraaauu Bä. – darrf iichch Sie ätwaas frragen?“ – „Ja, sicher – fragen Sie nur, Jelena.“ – „Kaann es sain, daass Sie chaben slawische Vorrfahrren?“ – „Ääh? Wieso?“ – „Chaben Sie deutsche Name, sähen aberr aaauus wie Slawin! Bewägen siichch aaauuch so!“ – „Ääh … Ja, in der Tat. Ich habe slawische Vorfahren. Polnische und tschechische. Woran haben Sie das gesehen?“ – „Sähe iichch glaaiichch. Iist Ihr Gesiichcht! Chabe iich gesähen an Knochen! Chabe iichch glaaiichch kaiine Angst mähr gechabt und frreue miichch jätzt auf Engliischkurrs.“ Na, also.

Seitdem habe ich die Waffen gestreckt. Als mich neulich ein Professor, selber polnischer Abstammung, ansprach, ich sei doch sicherlich auch polnischstämmig, grinste ich nur und streckte meinen rechten Daumen hoch. Was mir nie auffiel, scheint anderen Leuten, die etwas davon verstehen, sofort aufzufallen. Offenbar erzeuge ich bei denen Heimatgefühle. Das ist doch etwas Schönes. 😉