Pünktlich zum Jahresausklang: „Glück“ à l’Ali

Ach, ja – da ist er wieder. Der Tag, den ich neben meinem Geburtstag am meisten fürchte: Silvester. Nicht nur, dass mich an diesem Tag immer irgendeine komische Art von Endzeitstimmung überfällt, dem Gefühl nicht unähnlich, an einem Abgrund zu stehen. Klingt schlimmer, als es ist, ist dennoch immer irgendwie ein bisschen unangenehm. So ähnlich müssen sich die Menschen zu Zeiten gefühlt haben, da man noch glaubte, die Erde sei eine Scheibe, nur halt im räumlichen Sinne empfunden, was bei mir eher zeitlich gelagert ist: „O Gott, wir haben uns so weit voranbewegt – gleich muss der Abgrund kommen.“ 😉 Ich gebe zu, das klingt etwas albern, aber ich kann es nicht besser beschreiben. 😉

Und dann immer dieses Gefühl, vor einem liege eine schier unüberwindbare Hürde. Wieder ein ganzes Jahr zu bewältigen. Ich glaube aber, ich gehe einfach falsch an die Dinge heran. Vielmehr sollte ich es so sehen: „Hurra! Ein neues Jahr voller Überraschungen liegt vor mir!“ Allerdings muss ich mir selber zugestehen, dass die Überraschungen des gerade zu Ende gehenden Jahres durchaus nicht immer positiv waren – und da ist man doch ein bisschen verhaltener mit der Euphorie. 😉

Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Auch da bin ich zwiegespalten. Mein erster Vorsatz für den zweiten Januar: dringend zum Friseur gehen. Ihr wisst schon: Das, was ich so gern vor mir herschiebe, weil ich so ungern zum Friseur gehe – ich berichtete. Ansonsten plane ich nicht so lange im Voraus.

Heute früh wachte ich auf der Couch im Wohnzimmer auf. Ich hatte gestern noch zwei DVDs gesehen, genauer: eineinhalb, denn während die zweite lief, muss ich wohl eingeschlafen sein. (Guter Vorsatz fürs neue Jahr: Fernsehen nur noch in sitzender Position, auch wenn es auf der Couch noch so gemütlich ist, eingekuschelt in eine Fleecedecke – leider ein absoluter Einschlafgarant.) Blöd an der Sache ist, dass ich anschließend immer irgendwie komplett verspannt bin. Neulich konnte ich drei Tage lang meinen rechten Arm und die Schulter nur unter Schmerzen bewegen. Aber ich lerne offenbar nicht dazu. Heute hingegen wurde ich wach und hatte ganz andere Probleme: Meine Nase total zu, Halsschmerzen, aber nicht wie bei einer normalen Erkältung. Ich hatte ein ungutes Gefühl und probierte testhalber und nur für mich selber meine Stimme aus. Doch – welche Stimme? Das, was ich hörte, schien annähernd geeignet, ein bekanntes Trinklied formvollendet zu intonieren: „Im tiefen Keller sitz ich hier bei einem Fass voll Reben …“ Wohlgemerkt: Das ist eine Bass-Partie, sehr tiefer Bass, ergo für eine tiefe Männerstimme. Allerdings saß ich nicht im tiefen Keller – und wo war das Fass mit den Reben? Ich klinge so furchtbar, und mein Kopf fühlt sich an, als wäre ich gegen den Vier-Uhr-Bus gelaufen – vielleicht wäre das Fass mit den Reben gar nicht so verkehrt, um mich in den Zustand seligen Vergessens zu bringen. 😉 Eigentlich klinge ich so, als hätte ich das Fass bereits gestern geleert. Dabei nichts dergleichen – ich hatte den ganzen Tag nur Tee und Kaffee getrunken.

Ganz toll und wieder typisch. Ich kann mich an etliche Silvester erinnern, da ich angeschlagen bzw. krank war. Letztes Jahr, zum Beispiel. Und von einem Silvester – da war ich noch klein und etwa sieben Jahre alt – existieren sogar noch Fotos. Ali steht um Mitternacht pünktlich zum Feuerwerk im Bademantel im Hausflur ihres Elternhauses, mit dicken Socken an den Füßen und einem Schal um den Hals. Auf dem Arm hat sie das damals jüngste Familienmitglied, dem sie beide Schlappöhrchen zuhält: einen zehn Wochen alten Rauhhaardackelwelpen, den man eigentlich an einem ruhigeren Ort hatte belassen wollen, der sich aber – typisch Dackel! – standhaft weigerte und immer wieder kläffend mit in den Hausflur wollte. Nun ja, er gehörte ja auch zur Familie, und wenn er unbedingt beim Feuerwerk dabei sein wollte … Aber nur mit zugehaltenen Ohren. Und so standen da die beiden Kleinsten und Schwächsten vereint (wobei sich der Dackel als alles andere als schwach entpuppte – er war eher so etwas wie ein Tyrann, ein echter Gauner und Schlitzohr …). 😉 Die Fotos sehe ich doch immer wieder gern. 😉

Dieses Jahr habe ich zwar keinen Dackel, aber dafür schon wieder ein Gebrechen an Silvester – es ist irgendwie typisch für mich. Meine Stimme scheint sich temporär verabschieden zu wollen. Möglich, dass mich die Ereignisse des Jahres 2015 in letzter Konsequenz auch nur sprachlos machen. 😉 Her mit dem Salbeitee! Ich hasse Salbeitee, ich hasse Salbei. Der geht nur im Zusammenhang mit Saltimbocca … Und das gehört nicht zu meinen Lieblingsgerichten, und ich esse es nur alle Jubeljahre.

Meine Familie, mit der ich dieses Jahr Silvester verbringe, wird auf diese Weise jedoch geschont. Ich glaube nämlich, die findet, ich rede manchmal zu viel, zu schnell und überhaupt … 😉

Noch ein Vorsatz fürs neue Jahr: Immer Salbeitee im Hause haben, die nächsten Tage am besten nicht sprechen und in dieser Zeit immer einen Schreibblock und einen Stift bei mir tragen, damit ich wenigstens schriftlich zum Ausdruck bringen kann, wenn mich etwas stört oder ich sonstwie etwas anmerken möchte.

Und da habe ich neulich meiner Kollegin Andrea noch gute Tipps gegeben, wie sie am besten vorzugehen habe, da sie offenbar an einer Kehlkopfentzündung litt. Und ich dachte noch: „Wie gut, dass ich das nicht habe.“ So schnell kann es gehen. Und ich weiß genau, ich werde mich selber nicht an die Tipps halten, die ich Andrea gab. 😉 Ich bin nämlich konsequent inkonsequent. 😉 Manchmal jedenfalls.

Drückt mir die Daumen, dass ich das neue Jahr nicht mit einer Krankschreibung beginnen muss – darauf habe ich so gar keine Lust.

Euch, die ihr hier so nett lest, wünsche ich jedenfalls einen guten Rutsch und ein tolles Jahr 2016. Und schont Eure Stimme! 😉

3 Gedanken zu „Pünktlich zum Jahresausklang: „Glück“ à l’Ali

  1. Heide sagt:

    Lass den Salbei weg
    Das ist zwar ein kurz desinfizierender Aspekt
    Aber die austrocknenden Nebenwirkungen sind bei Stimmbänder Entzündungen absolut kontraproduktiv
    Zitronenmellissentee, Süßholz und Fliederbeere ist gut
    Tonsiopret und Klappe halten
    Viel trinken und evtl Paracetamol
    Liebe grüße aus der Heide

  2. ali0408 sagt:

    Ah, der Tipp kommt zur rechten Zeit. 🙂 Noch bevor ich den Salbeitee gekocht habe. Süßholz habe ich nur in Form von Lakritz im Haus, Holunder gar nicht. Ganz zu schweigen von Tonsiopret – da muss ich gleich wohl noch eine Apotheke stürmen. Klappe halten? Du weißt doch, wie schwer mir das fällt … 🙁 So ein Mist zum Jahreswechsel! Obwohl: Das wäre auch zu jeder anderen Zeit Mist. 😉

    Vielen Dank für den Tipp und liebe Grüße in die Heide! 🙂

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.