Löwe mit Aszendent Widder – ich kann nichts dafür! Oder: Ein ganz „normaler“ Arbeitstag …

Gestern war ein wunderbarer Tag, denn ich ging gutgelaunt zur Arbeit. Warum, wusste ich auch nicht so recht, aber ich fühlte mich recht gut, mal abgesehen davon, dass ich nach der Arbeit noch zum Zahnarzt musste – eine Wurzelentzündung an Zahn No. 4-7. Und obwohl ich relativ sicher damit rechnete, dass der aufmüpfige, bereits überbrückte Molar unter Umständen gezogen werden müsste, war meine Stimmung recht gut, wenngleich ich, ich tendiere zu Ironie und Sarkasmus, und das auch noch gern, morgens mein schwarzes Strickkleid, schwarze Strumpfhosen und Stiefel aus dem Schrank zerrte und anzog: Mir erschien dies angemessen für den Abschied von einem Zahn.

Dumm war nur, dass ich seit einigen Tagen etwas mit dem Magen laboriere. Seit meiner Kindheit hieß es stets, ich hätte einen nervösen Magen, und tatsächlich ist es so, dass mir Stress, Kummer und Ärger grundsätzlich auf denselben schlagen. Hier war es aber eher so gewesen, dass ich zusätzlich zu Stress und Ärger oder Kummer offenbar auch noch etwas gegessen hatte, das wider Erwarten nicht mehr ganz so gut gewesen war.

Das hatte zur Folge, dass ich seit einigen Tagen kaum etwas Richtiges zu mir genommen hatte – ich hatte auch einfach keinen Hunger. Und so ein paar Pfunde abnehmen schadete sicherlich nicht. Nicht, dass ich dick wäre, aber in den letzten Jahren sind ein paar Pfündchen dazugekommen, an denen zwar mein Herz nicht hängt, sie aber an mir umso lieber. Und das an den völlig falschen Stellen. Finde ich jedenfalls.

Da meine direkte Kollegin derzeit Urlaub hat, arbeite ich quasi an zwei Fronten bzw. bin Diener zweier Herren. Gestern war nur mein Chef im Hause, aber der Kollegin Telefon klingelte dauernd, es gab Rückfragen, man wollte ihren Chef sprechen, der aber erst am Nachmittag die heiligen Hallen betreten wollte. Genau dann, wenn ich diese verlassen wollte bzw. musste – der Zahnarzttermin rief schließlich, und mit Wurzelentzündungen ist wirklich nicht zu spaßen.

Ich sauste hin, ich sauste her, brachte wichtige Vorgänge in die Postfächer, holte noch wichtigere heraus und apportierte sie gekonnt wie ein besonders eifriger Labrador (natürlich ein schwarzer solcher, denn ich trug ja ebenfalls diese Farbe) in das Büro des Kolleginnenchefs wie in das meines eigenen. Schrieb Briefe und Mails, telefonierte – ich war gut beschäftigt. Mein Chef, der absolut in Ordnung ist, rief mehrfach: „Frau B. – Sie sind heute aber besonders schwungvoll!“ O ja, das war ich. „Schwung“ war gestern mein zweiter Vorname. 😉

Nur kam ich nicht dazu, etwas zu essen. Als ich Zeit gehabt hätte, hatte ich absolut keinen Hunger, und als der Hunger dann kam, hatte ich absolut keine Zeit. Und das bis zum Nachmittag. Doch! Einen Keks habe ich gegessen, aber – wie sich später zeigen sollte – das war eindeutig zu wenig. 😉

Es ist bei mir nicht anders als bei anderen Menschen: Bisweilen sinkt der Blutzuckerspiegel, nämlich dann, wenn nicht „aufgefüllt“ wird, und zwei Tassen Kaffee mit ausnahmsweise viel Milch – ja, ich weiß, nicht gut für den Magen – sind auch nicht hinreichend geeignet, das Defizit auszugleichen. Sicherlich kennt ihr das Phänomen von Leuten, die von sich sagen, dass sie ungemütlich würden, wenn sie nicht in gewissen Abständen etwas zu essen bekämen. Ist bei mir nicht anders. Offenbar spielen hier metabolische Prozesse eine große Rolle. Ich jedenfalls stand gestern eindeutig unter dem Einfluss von Adrenalin … 😉 Und was das im Einzelnen bedeutet, wisst ihr sicher. 😉 Falls nicht, startet einfach einen kleinen Selbstversuch. Mein Tipp nur: Haltet euch von anderen Menschen fern. 😉

Heute kam meine geschätzte Kollegin Sybille an, als ich gerade – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – den Inhalt zweier Gläser Babynahrung („Schinkennudeln in Tomatensauce“), die ich des Magens wegen anderer, besser schmeckender Nahrung vorzog, in erwärmtem Zustand und, zugegeben, nachgewürzt zu mir nahm. Sie fragte, wie es denn beim Zahnarzt gewesen sei. Ich erklärte, ich hätte gestern den Beginn einer umfassenden Wurzelbehandlung hinter mich gebracht. Schon in der nächsten Woche sei der nächste Termin, gab ich schaudernd zu Protokoll.

Daraufhin brach Sybille in lautes Lachen aus. Ich fand die Wurzelbehandlung gar nicht so lustig, da mit Schmerzen verbunden, und so fragte ich sie, was denn konkreter Anlass ihres Gelächters sei, obwohl ich es bereits ahnte oder ganz genau wusste. Und so schauderte mir noch mehr. Da meinte sie: „Ich lache nicht wegen der Wurzelbehandlung, sondern wegen gestern. Das war grandios, Ali! Kannst du das bitte öfter machen? Das war einfach nur großartig! Das Highlight des gestrigen Tages!“ Ich grinste schief und meinte dann in einem Anflug von Selbsterkenntnis: „Keine Sorge – das wird gewiss nicht das letzte Mal gewesen sein. Du kennst mich inzwischen doch etwas.“ Sybille ist erst seit etwas über zwei Jahren bei unserem Arbeitgeber und auf unserem Flur. Heute meinte sie: „Im Ernst – ich fand das wirklich klasse, und du hast uns so zum Lachen gebracht.“ Ja. Hätte ich auch, hätte nicht ich im Zentrum gestanden.

Was war passiert? Nun, ich hatte gestern herumgewirbelt, fast nichts gegessen, bis auf den Keks belgischer Provenienz, und je näher der Zahnarzttermin rückte, desto mehr schauderte mir davor – es ist ja nicht meine erste Wurzelbehandlung, und so wusste ich genau, was an Ungeheuerlichkeiten erneut auf mich zukommen würde. Kurz: Ich war extrem hibbelig. Und ich habe ohnehin bisweilen eine etwas zu große Klappe, trage mein Herz auf der Zunge und bin dafür bekannt, dass ich manchmal Sprüche heraushaue, die manch genantem Menschen die Schamesröte ins Gesicht treiben, da einfach sehr direkt. Ein Erbe von meiner Mutter. Aber die ist doch etwas weniger heftig als ich, erschrickt aber auch immer so sympathisch über das, was sie manchmal so sagt, ohne es wirklich böse zu meinen. Ich staune ja nicht selten selbst, was mir bisweilen verbal so entfleucht. Und das leider auch noch in einer Geschwindigkeit, die schwindelerregend ist. Normalerweise pflege ich vor dem Reden zu denken – es gibt jedoch Momente, da ich eindeutig unter dem leide, was spöttisch als „Logorrhoe“ bezeichnet wird – dem  zu wenig reflektierten, dafür umso spontaneren, wasserfallartigen Absondern von Worten. Durchaus sinnstiftenden solchen. Leider, so muss ich sagen, sind sie durchaus sinnstiftend, denn würde ich lachend irgendeinen Unsinn faseln, wäre die Situation sicherlich weniger riskant. Es wäre zwar peinlich, und man würde mich für komplett bekloppt halten, aber man kann das besser entschuldigen und mit einem schwachen Kreislauf oder so etwas Ähnlichem tarnen. Zum Glück habe ich wenig Probleme damit, mich – und das zumeist aufrichtig – zu entschuldigen. Immerhin. Denn ich benötige diese Fähigkeit durchaus öfter. Es ist zwar unangenehm, aber zuweilen einfach zwingend nötig. Musste ich auch erst lernen, aber ich habe im Laufe der Jahre erkannt, dass es unumgänglich sei, wenn ich mich nicht komplett von rechts auf links oder umgekehrt drehen oder gezwungen sein wollte, eine Art Maulkorb zu tragen. Mir war klar, dass das ohnehin nicht funktionieren würde. 😉

Als ich gestern gerade gestiefelt, gespornt und mit meinem Gepäck zum Zahnarzt aufbrach, ging ich noch zum Büro, in dem Sybille und ein anderer netter Kollege sitzen, und ich meinte mit fatalistischer Gebärde: „So, ich mache mich jetzt auf den Weg. Seht mich noch einmal an, denn vielleicht erkennt ihr mich morgen, nach der Zahnbehandlung, gar nicht mehr.“ Und ich lachte ebenso fatalistisch.

Da bog der Chef meiner Kollegin um die Ecke, der zu seinem 16-Uhr-Termin kam. Und er rief: „Helau!“

Ich hasse das! „Helau“ war noch nie originell zur Begrüßung, und wenn man es zu oft hört und Geduld nicht zu den stärksten Eigenschaften gehört, die man so besitzt, reagiert man leicht gereizt, auch wenn man es sich nicht unbedingt nach außen anmerken lässt, sondern sich immer zusammenreißt. Ich lächelte also da schon etwas gezwungen – zu oft muss ich dieses: „Helau!“ hören. Dann aber beging der Chef einen richtig eklatanten Fehler, denn er sagte: „Frau B.! Der Tag hätte so schön werden können!“ Da ich ja ohnehin schon etwas angefressen war, mich obendrein in der letzten Zeit öfter über einige Dinge in dieser chefmäßigen Hinsicht geärgert hatte, noch dazu wirklich nervös und hibbelig war, spielte mir mein Gehirn einen Streich, indem es den Satz vervollständigte und daraus machte: „Der Tag hätte so schön werden können! Aber jetzt sehe ich Sie!“ Frechheit!

Und so nahm das Unglück seinen Lauf, denn wie ein Hund, der nur kurz nach der Seite schnappt und beißt, schnappte ich: „Ach, Herr F., ich habe jetzt gleich einen Termin beim Zahnarzt. Und der ist noch schlimmer als Sie!“ Immerhin, zumindest glaube ich das, habe ich dabei albern gelacht … Ich hoffe es wenigstens. Das Schlimmste war gewesen, dass ich in dem Moment, da ich herausplatzte, bereits begriff, dass es sich keineswegs um eine Beleidigung, sondern um ein – recht abgestandenes – „Kompliment“ gehandelt hatte. Aber ich konnte meinen Redefluss ums Verrecken nicht stoppen – was heraus musste, musste heraus! 😉 Wenn ich nur in manch anderen Situationen etwas eloquenter wäre, wo ich leider schüchtern bin … Ja, das gibt es bei mir auch.

Mir wurde siedend heiß, und als ich meine beiden geschätzten Kollegen in ihrem Büro ansah, sah ich zwei sehr große Augenpaare, beide blau, während Herr F. sich etwas perplex entfernte. Ich stammelte, zu meinen Kollegen gerichtet: „Habe ich das gerade wirklich gesagt?“ Kollegin Sybille meinte: „Ja, Ali, das hast du.“ Und sie fing zu lachen an, während ich voller Scham meine Hände vors Gesicht schlug. Dann sah ich den Kollegen an, als erwartete ich, er würde sagen: „Nein, keine Sorge – das hast du nicht gesagt!“ Aber der lachte auch nur, versuchte aber zumindest, das Ganze noch zu unterdrücken. Mir war ganz schlecht, und der kalte Schweiß stand mir auf der Stirn. Und das schon vor der Wurzelbehandlung!

Als die beiden dann noch mehr lachten, rannte ich zurück und ins Büro Herrn F.s. Dort entschuldigte ich mich, und er reagierte recht nett. Er kenne mich ja – was auch immer das heißen mag – und wisse, dass ich gern frotzle. O ja. Ich vermute aber, dass bei der verbalen Eruption von gestern auch mein Unterbewusstsein eine Rolle gespielt haben könnte – aber ich kann mich natürlich irren. 😉

Ich schlich zurück zum Zweierbüro, in dem Sybille und der andere nette Kollege noch immer lachten. Sybille rief: „Ach, Ali, du bist vielleicht `ne Marke!“ Ich schämte mich bis aufs Knochenmark.

Und beim Zahnarzt musste ich dann alles büßen … Da, wo andere Leute nur zwei Wurzelkanäle haben, habe ich drei, davon einer auch noch vital, was bei einer Wurzelbehandlung ganz besonders „angenehm“ ist. Noch angenehmer dann die Spritze direkt in den entsprechenden Nervenkanal – man musste mich zu zweit an den Schultern festhalten, damit ich nicht abhob. Ich wette, das war die Strafe für mein ungebührliches Benehmen … 😉

Ein anderer Kollege, der sich sehr für Astrologie interessiert und mal meinen Aszendenten berechnet hat, meinte heute, als ich es ihm erzählte, nur: „Du kannst nichts dafür, Ali. Als Löwe mit Aszendent Widder bist du einfach so – manchmal bist du einfach etwas impulsiv. Aber wir mögen dich!“

Na, das hat mich doch wirklich beruhigt. Und ich kann ja auch gar nichts dafür – als Löwe mit Aszendent Widder! Sollte ich je eine Abmahnung wegen Frechheit bekommen, werde ich exakt dies als Argument heranziehen … 😉

Für Mutti, die sich schon früher immer Sorgen machte, weil ich die Diplomatie nicht erfunden habe. Sie weiß genau, wovon sie spricht. 😉

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