Tücken und Fallstricke im Büroleben – aber manchmal ist es auch nett …

Mein Urlaub ist noch etwas entfernt, steht aber vermutlich Anfang September an. Bis dahin schwitze ich noch ein bisschen im nicht klimatisierten Büro (Südlage), zusammen mit meiner Kollegin, die zum Glück ein Glücksgriff ihres Chefs war. (Denn da hatte es neben ihr und anderen auch noch die Bewerberin gegeben, die sich von allen anderen dadurch unterschied, dass sie einen zackig-militärischen Kurzhaarschnitt hatte und mich, als sie sich bei mir vorstellte, bevor es ins Bewerbungsgespräch ging, auf meine freundlich gemeinte Frage: „Ah, dann sind Sie Frau Meier?“ nur unfreundlich anpöbelte: „Ja, sicher! Wer sonst?“ Die ging gar nicht, und meiner jetzigen Kollegin Janines Chef mit dem glücklichen Händchen war nach dem Bewerbungsgespräch wohl derselben Ansicht – sie hatte sich dort wohl ähnlich verhalten. Ich vermute, sie würde sich besser als Thekenfrau in einer Eckkneipe machen, in der „hundert Jahre Knast“, auf fünf bis zehn Leute verteilt, am Tresen stehen und Stammgäste sind, wo aufgrund der Stammkundschaft öfter mal renoviert werden muss und das dienstliche Auftreten der Polizei ebenfalls zum ganz normalen Alltag gehört, man eher vermutete, die Kneipe sei abgebrannt oder vom Ordnungsamt geschlossen worden, wenn man nicht dauernd Blaulicht und Martinshörner wahrnimmt, die dann vor dem Etablissement verstummen, während die Besatzung mehrerer Streifenwagen die Pinte stürmt. Vielleicht auch als Schließerin im Knast, da es ihr an „natürlicher Autorität“ keineswegs gebrach.)

Kollegen sind ja so eine Sache. Ähnlich wie Verwandte. Meist schon vorhanden, wenn man selber in das Arbeitsverhältnis einsteigt, manche kommen auch nach einem. Ich habe ebenso viel oder so wenig Grund, mich zu beschweren wie andere Arbeitnehmer auch. Aber es juckte mich heute in den Fingern, mal ein paar „Bürotypen“ zu charakterisieren.

Fangen wir an.

1. Der/die Unkomplizierte

Ist meist pünktlich, nett, unauffällig. Hat immer einen freundlichen Spruch parat, auch immer ein helfendes Händchen, wenn Not am Mann ist. Macht, was von ihm/ihr erwartet wird, aber auch Dinge darüber hinaus – z. B. in der Not-am-Mann-Situation. Spricht meist ruhig und gelassen. Probleme? Kennt der/die Unkomplizierte zwar sicher auch, aber verhält sich ruhig. (Leider gehöre ich nicht in diese Kategorie … ;-))

2. Die Stimmungskanone

Meist weithin zu hören. In zwei Unterkategorien verfügbar: nette Stimmungskanone und nervende solche. Tipp: Lernt frühzeitig, schon ohne Sicht auf den entsprechenden Kollegen oder die Kollegin, Stimmen zuzuordnen, bevor ihr die Person von Angesicht zu Angesicht seht, denn das bietet euch die Chance, schnell und ungesehen zu verschwinden, wenn Typ „nervende Stimmungskanone“ naht. Der Vorteil an beiden Typen, siehe oben: Man hört sie schon von weitem.

Die Stimmungskanone hat immer den neuesten Witz parat. Oder das, was sie für den neuesten Witz hält. Rammt einem gern den Ellbogen in die Seite oder haut einem auf die Schulter, speziell die nervende Variante. Ist bei Betriebsausflügen und Weihnachtsfeiern gern die- oder derjenige, die/der sich darum reißt, die Moderation zu machen, was nicht selten die Freude an der jeweiligen Veranstaltung drastisch schmälert. Tipp: Ohropax mitnehmen. Hat zwar den Nachteil, dass ihr dann auch nicht mehr hört, was die netten Kollegen zu euch sagen, aber Schwund ist immer.

3. Die/der Unauffällige

Ist so unauffällig, dass man sich manchmal fragt: „Ooops, haben wir eine/n Neue/n?“, obwohl der- oder diejenige bereits seit zwei Jahren Kollegenstatus innehat. Denn meist sitzt er/sie abgeschottet im Büro mit geschlossener Tür, und bei einem etwaigen Zusammentreffen auf dem Flur oder der Toilette muss man dann nach anfänglicher Verwirrung, wer das eigentlich sei, oft lernen, dass er gar nicht „Jürgen“ und sie nicht „Sabine“ heißt, zwei Namen, die so oft vorkommen und so unauffällig sind, dass man sich bei der Flur-/Toilettensituation dann wundert, dass er oder sie gar nicht so heißt, sondern vielmehr „Dieter“ oder „Gabi“. Nun gut … Meist entpuppt sich dieser Kollegentyp aber als sehr nett, nur jedes Mal von neuem zu „knacken“. Das ist aber allemal besser als …

4. Der/die Allwissende

Meist präpotent, drängt einem dauernd Tipps auf. Kann alles, weiß alles, und natürlich alles besser als der jeweilige Gesprächspartner. Weiß auch in des Gesprächspartners Fachgebiet alles besser, obwohl sich dem Gesprächspartner bisweilen die Zehennägel hochrollen, wenn er oder sie mal wieder im ihm oder ihr eigenen Spezialgebiet belehrt werden soll – und das auch noch falsch. Sehr schwer zu ertragende Kollegenspezies. Nicht hinhören hilft nicht, da der/die Allwissende auch noch sehr beharrlich ist – schließlich will er der dumpf-unwissenden Umwelt ja durch seine oder ihre Allwissenheit nur helfen. Oder? Nein. Eigentlich will er der vermeintlich dumpf-unwissenden Umwelt beweisen, dass sie dumpf und unwissend sei, er oder sie jedoch alles wisse. Typ: „Herr Lehrer, ich weiß was! Und ich weiß alles besser als Sie und der Rest der Welt!“ Immer wieder frage ich mich nach der Motivation solcher Menschen. Ist es ein Komplex? Zu kurz gekommen? Zu früh vom Töpfchen geholt, als das Kind den Eltern gerade zeigen wollte, dass es einen perfekt geformten Violinschlüssel oder seinen Vornamen hineindefäkiert hatte, die ihm aber nur grobmotorisch den kleinen Hintern abwischten und das perfekt geformte Exkrement ungesehen und damit unbewundert in die Toilette kippten und die Spülung betätigten? Ich gebe zu, es geht gerade die Phantasie mit mir durch, aber ich begreife die Motivation solcher Menschen einfach nicht und versuche natürlich, Erklärungen zu finden. 😉

5. Der Wachhund

Typ „pünktlicher und aufrechter Steuerzahler“. Dagegen habe ich gar nichts, mache ich ja selber so, aber nicht mit der Attitüde, zu glauben, dadurch ein besserer Mensch zu sein. Ich mache es einfach, und gut ist es. Ich denke, ihr wisst, wo der Unterschied liegt. 😉

Dieser Typus hingegen hält seine eigene Lebensweise und Wertmaßstäbe für das Maß aller Dinge, und er kann es nicht ertragen, wenn andere anders handeln. Rauchen während der Arbeitszeit? Pfui Spinne! Geht ja gar nicht! Wird sofort registriert und notiert, ungeachtet der Tatsache, dass die Kollegen, die zum Rauchen nach draußen gehen, keine halbstündige Mittagspause am Stück machen, sondern sich diese aufteilen und dann hinausgehen, wenn gerade rein gar nichts anliegt und sich eine kurze Abwesenheit vertreten lässt. Problem: Der „Wachhund“ ist viel zu sehr mit Aufpassen beschäftigt, um zu begreifen, dass andere Leute durchaus mitdenken und nicht einfach – „Oi! Let’s party!“ – nach Lust und Laune und trotz klingelnder Telefone ihren Arbeitsplatz verlassen. Meist fehlen dem „Wachhund“ dazu jegliche Rezeptoren. Er ist halt ein Mensch mit ausgeprägtem Obrigkeitsdenken, dafür ohne jegliche Phantasie. Ich habe zumindest noch nie jemanden dieses Typus‘ kennengelernt, der in der Lage war, mal etwas flexibel zu denken und zu handeln. Eigentlich hatte ich bis dato immer Mitleid, aber manchmal geht es auch mir zu weit. 😉 Ich hatte mal einen Chef, der so war – ich erinnere mich nur ungern. Stets stand seine Tür offen, damit er auch alles beobachten und mithören konnte. Einen Arzttermin vom Diensttelefon vereinbaren, obwohl private Gespräche gestattet sind? Ging gar nicht, da vom Chef stets registriert und man Bedenken haben musste, Nachteile zu haben. Der Chef hatte zwar kein Obrigkeitsdenken, dafür aber eine ebenfalls erschreckende Denkungsart, da Untergebene für ihn im Grunde gar keine Menschen, sondern mehr Besitz waren. Und damit kann man ja umgehen, wie es einem beliebt, nicht wahr?

6. Der/die Futterneidische

Auch ein schlimmes Exemplar, da von ihm keineswegs geduldet wird, dass andere gegebenenfalls Spaß während der Arbeitszeit haben. Nicht sonderlich klug, da jeder denkende Mensch weiß, dass Arbeit viel leichter und effizienter erledigt wird, wenn die Mitarbeiter gute Laune haben. Aber wenn der oder die Futterneidische selber keinen Spaß hat, dürfen auch andere nicht. Als Vorgesetzte/r das Grauen, da er/sie gerne mit rigiden Maßnahmen droht, wenn er oder sie sieht, dass andere keineswegs so verbissen bei der Arbeit sind, als würden sie auf Hühnerkacke beißen.

7. Der/die Laute, Fröhliche

Nicht zu verwechseln mit der Stimmungskanone, da die laute, fröhliche Stimmung nicht aus dem Wunsch heraus entsteht, einen Wettbewerb gewinnen zu wollen. Gemeinsamkeit: Beide sind weithin zu hören. Treffen zwei Laute, Fröhliche in einem Büro aufeinander, kann es – zugegeben – für die Umwelt bisweilen anstrengend werden. Bestenfalls wirkt die Stimmung ansteckend, kann aber auch Nachteile mit sich bringen. Zum Beispiel dann, wenn ein „Wachhund“ oder ein/eine „Futterneidische/r“ auf demselben Flur sitzt.

8. Die Zicke

Auch hier gibt es zwei Unterkategorien, ganz anders als beim „Wachhund“, dem oder der „Allwissenden“ et al.: Die Dauerzicke und die Teilzeitzicke. Ich gebe zu, ich bin eine echte Teilzeitzicke. Je nach Tagesform oder Vorlage muss auch ich leider zugeben, bisweilen zum Zickentum zu tendieren. Jedoch nie grundlos. Aber ich meine es nie böse, und meist ist der Anfall auch relativ schnell vorbei.

Die Dauerzicke ist das kalte Grauen. Kommt man mit einer Dienstanweisung zu ihr, wird sogleich gezickt, und das unabhängig davon, ob die Zicke männlich oder weiblich ist, als habe man verlangt, dass sie oder er sich den rechten oder linken (je nach Ausrichtung) Arm abhacken lasse! Oder als ob man bereits das Beil zur Vollstreckung dabei habe! Oft gehört dann: „Als hätte ich nicht ohnehin schon bis über beide Ohren zu tun!“, gepaart mit einem Gebaren, als handle es sich keineswegs um einen zum Arbeitsbereich der Dauerzicke gehörenden Tatbestand. Im schlimmsten Fall grüßt die Dauerzicke einen dann auch längere Zeit nicht. Da bleibe ich lieber Teilzeitzicke. Ist auch wesentlich spannender. 😉

9. Die/der Esoteriker/in

Hierzu habe ich bereits anderweitig viel geschrieben. Ganz schlimme Kategorie. Lieber arbeite ich in einem Areal, das angeblich auf einem Wasserader-Vorkommen, dem Mississippi-Delta nicht unähnlich, stehe, als mit einem/einer Esoteriker/in in einem Büro.

10. Die/der stets vermeintlich Überarbeitete

Klagt stets über Überarbeitung, macht dann aber zweistündige Mittagspausen (ohne sich auszustempeln) und spannt dann, weil er termintechnisch in die Bredouille gerät, völlig Unbeteiligte ein, sofern die das mit sich machen lassen. Belegt gern esoterische Seminare, die er dann antritt, wenn er gerade einen Vorgang angeleiert hat, der Besprechungstermine auch mit ihm enthält, die er dann aber nicht wahrnehmen kann, weil gerade zur Entspannung und Selbstfindung im Kloster. Sollen doch andere einander die Köppe einschlagen! Bekommt erstaunlicherweise dennoch immer alles, was er will. Ob Magie im Spiel ist? 😉

11. Die/der Kollegin/Kollege, den jeder mag

Richtet einem das Smartphone ein, ist immer freundlich, weiß aber genau, was er will und was geht und nicht. Eindeutig positiv.

12. Der/die Gelassene, Freundliche

Hat immer ein freundliches Wort. Wirkt beruhigend auf Leute, die bisweilen impulsiv sind. Rettet so manchen grauenhaften Arbeitstag und sorgt für gute Stimmung, bisweilen durch reine Anwesenheit. Ist stets hilfsbereit und klug, da er sich von etwaigen Zickereien gar nichts annimmt.

Ich habe das Dutzend voll – aber es gibt noch viele andere Typen. Natürlich sind nicht immer alles ganz „artreine“ Typen. Manchmal gibt es auch Abweichungen und/oder Kombinationen. Ganz schlimm ist die Kombination aus folgenden Typen: „Allwissende/r“, „Wachhund“ und „Futterneidische/r/m“. Gibt es nicht? O doch! 😉 Und: Nein, ich bin es nicht. Ich erfreue mich nur derzeit mal wieder an einer solchen Kombination. 🙂

Alles Gute im Büroalltag mit seinen Freuden, aber auch Fallstricken! 🙂 Und merkt euch eins unbedingt: Nie unterkriegen lassen! 🙂 Und noch eine kleine Wahrheit: Es ist nie, wirklich niemals, gut, wenn zu viele Frauen in einer Abteilung sind. Ich sage das voller Überzeugung, obwohl bzw. weil ich selber eine Frau bin. In solchen Abteilungen herrscht nicht selten Hauen und Stechen, und das ist einer der Gründe, warum ich viel lieber mit Männern zusammen arbeite. Ausnahmen bestätigen die Regel. 🙂

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.