Ali shoppt online

Ich bin ja oft ein wenig skeptisch – zumindest in manchen Fällen -, was Online-Shopping anbelangt. Klar, bei namhaften Firmen kaufe auch ich ab und zu und habe bis dato nur geringfügig das zu verzeichnen gehabt, was man als Schuss in den Ofen bezeichnet.

Blöd ist, wenn man beim Surfen im Internet immer wieder Werbung vor die Nase gehalten bekommt, zumal eine meiner Schwächen – ich muss es leider zugeben – darin besteht, dass ich der Traum des Gemeinen Marketingspezialisten bin. Der Traum jedes Werbers und damit der Traum diverser Kunden von Werbeagenturen. 😉 Ja, ich weiß … Das ist nicht klug, vor allem, wenn man schon, wenn auch selten, der Ernüchterung anheimgefallen ist. Aber wir haben ja alle irgendwelche Schwächen. 😉 Man muss halt nur über sich selber lachen können – dann geht alles gleich viel leichter. 😉

Seit einiger Zeit wurde ich nun beim Surfen im Internet bereits von einer Firma quasi „bombardiert“. Egal, was ich gerade tat: Dauernd tauchte Werbung dieser Firma auf! Normalerweise ignoriere ich dergleichen standhaft, zumindest zunächst, aber hier knickte ich irgendwann ein, denn es ging um Klamotten

Was für schöne Tops, im früheren Leben auch einfach Oberteile genannt – die waren wirklich klasse. Auf den Bildern auf alle Fälle. Und wirklich nicht teuer …

Da ich seit einiger Zeit etwas im Stress bin, gelang es den Werbetreibenden irgendwann in einem schwachen Moment meinerseits: Ich bestellte zwei Oberteile. Die Firma ist in England beheimatet, und was kann es Besseres geben? 😉

Nun, da ich etwas schlauer bin, weiß ich: Die Firma gibt ihren Hauptsitz als in England befindlich an! Wahrscheinlich hat sie einen Briefkasten dort gemietet … Denn in Wirklichkeit sitzt die Zentrale in Asien, genauer: in China. Seit ich das weiß, seit ich irgendwann recherchiert hatte – relativ früh, wenn auch nicht früh genug, da ich ja bereits aus mir zwischenzeitlich und generell absolut nicht nachvollziehbaren Gründen bestellt hatte -, war mir klar, womit ich zu rechnen hatte, rein qualitativ; vor allem, nachdem ich im Internet gelesen und herausgefunden hatte, dass diverse Kundinnen – aber auch Kunden – sich geprellt fühlten. Entweder hatten sie die völlig falsche Ware bekommen. Oder die Größe stimmte nicht. Oder – diverse weitere Fälle – sie wären froh gewesen, auch nur einen Wischlappen zu bekommen. Aber: Sie bekamen gar nichts. Abgesehen von der Tatsache, dass sie eifrig Geld überwiesen hatten, hatten sie rein gar nichts bewirkt, und wahrscheinlich warten sie noch heute auf die Ware – obwohl sie sogar lange vor mir bestellt hatten … 😉

Zum Glück gibt es aber einen customer service, der offenbar dazu da ist, die Kunden hinzuhalten. Warum auch nicht und völlig normal – es geht ja um den Vorteil der Firma, nicht wahr? Ich wandte mich recht früh an diesen und monierte, die Ware sei noch nicht da – etwa drei Wochen nach Bestellung. Man schrieb mir eine sehr blumige Mail, fast poetisch wirkte sie, was daran lag, dass man wohl auf Mandarin schrieb und das Ganze per Translator übersetzen ließ. Solch blumiges Englisch hatte ich von keinem einzigen Muttersprachler erfahren – und ich kenne mich damit aus. Man beschied mir wiederholt, ich solle mir bitte, bitte keine Sorgen machen, und es sei eine Schande für die Firma, dass Wünsche offen geblieben seien …  (Ich rate übrigens dringend von automatisierten Übersetzungen ab – möglich, dass der Kunde sich zu allem anderen Ärger auch noch verarscht fühlt. Zumindest dann, wenn er mit der englischen Sprache wirklich vertraut ist. 😉 )

Ich machte mir zwar keine Sorgen, war aber sehr verärgert – auch über mich selber, denn was um alles in der Welt hatte mich nur bewogen, da zu bestellen und derart naiv zu handeln? Ich pflücke mein Einkommen ja nicht vom Baum und bin normalerweise kritischer – ich war enttäuscht von mir selber. 😉

Die nächste Mail schrieb ich testhalber auf Deutsch, und der Ertrag war noch viel witziger, denn das Ergebnis war noch schriller als das, was im „Englischen“ herausgekommen war: Man sei untröstlich, dass ich trotz aller Anstrengungen nicht befriedigt worden sei – man habe alles darangesetzt, zumal man inzwischen mitbekommen habe, dass ich in „gewisser Hinsicht“ sehr anspruchsvoll sei und gerne vor Vergnügen jauchzte! (Da habe ich in der Tat gejauchzt, und ich pries einmal mehr den menschlichen Faktor beim Übersetzen – ich habe lange genug als Übersetzerin gearbeitet und weiß, was bei Einsatz billiger Übersetzungssoftware herauskommen kann … Nicht selten Dinge, die immerhin als Partygag geeignet sind. 😉 )

Man beschied mir – zumindest verstand ich es so -, dass meine Bestellung alsbald bei mir eintreffe, und man schickte mir eine Trackingnummer und den Namen des Transportunternehmens. Ein chinesisches war es, und alsbald erfuhr ich, dass meine Bestellung am Flughafen Schiphol in Amsterdam gelandet sei, den Zoll passiert habe und nun „auf direktem Wege“ mittels eines LKW nach Deutschland und zeitnah zu mir transportiert werde.

Der LKW muss unterwegs mehrfach liegengeblieben sein, denn nachdem nach einer Woche noch immer derselbe Status zu lesen war, informierte ich die Fa. Bloomy Days Forever darüber, dass ich – würde ich mich gleich ins Auto setzen – in etwa zweieinhalb Stunden in Amsterdam sein könne. Ob sich der Fahrer verfahren habe – ich könne gern kostengünstig ein Navi anbieten. Und ich nannte die Summe, die ich für die Bestellung aufgewendet hatte.

Daraufhin sandte man mir eine Nachricht, die da besagte, ich solle mir bitte, bitte keine Sorgen machen, und ich bekam eine DHL-Trackingnummer. Ich war gar nicht sehr überrascht, dass diese ins Nirwana führte, zumal der von China aus gedungene LKW noch immer im Niemandsland zwischen Deutschland und den Niederlanden umherzuirren schien.

Ich muss gestehen, ich rechnete gar nicht mehr damit, den von mir in einem Akt von Wahnsinn und mangelnder Vorsicht bestellten Tand noch zu bekommen – ich wollte ihn auch gar nicht mehr haben. Doch inzwischen war ich von der Kommunikation mit dem fernen Unternehmen irgendwie fasziniert, und ich probierte aus, was passieren würde, würde ich eine Beschwerde auf des Unternehmens Homepage posten, nachdem ich bereits versucht hatte, meinen Auftrag zu stornieren. (Ich muss zu diesem billigen Versuch sicherlich nicht viel sagen: Man beschwor mich, mir um Himmels willen bitte keine Sorgen zu machen – aber die Ware sei unterwegs, und leider und zu des Unternehmens größtmöglicher Pein sei da ein Storno nicht mehr möglich. Damit hatte ich gerechnet – ich hätte es ja nicht anders gehalten.)

Es hatte zur Folge, dass man mich komplett ignorierte. Und so schrieb ich eine Rezension auf einem Verbraucherportal … Und – zack! – nach Tagen kompletter Funkstille bot man mir einen Tag nach Posten der Rezension per Mail eine „top solution“ an! Man wollte mir einen vergleichsweise kleinen Teil des von mir aufgewandten Kaufbetrages („including tax and customs“!) erstatten! Sollte die Ware noch eintreffen (man war sich offenbar selbst nicht sicher), dürfe ich diese natürlich behalten! Das alles natürlich nur, würde ich meine miese Bewertung aus dem Verbraucherportal entfernen. Erpressung in Reinform – darauf fahre ich ja total ab! 😉

Ich schrieb eine recht harsche Mail – diesmal wieder auf Englisch – zurück, in der auch der kurze, aber prägnante Satz: „Enough is enough!“ Anwendung fand, den ich einst so liebenswert in Irland von einer irischen Mutter in dialektaler Aussprache gehört hatte, als ich gerade zum Rock of Cashel hinaufstieg, während Mummy mit einem Kleinkind im Buggy hinter ihrem ungebärdigen Erstgeborenen her schrie: „James! Enough is enough!“ (Es hörte sich an wie: „Dschaims! Inuff is inuff!“ Ich habe es nie vergessen … 😉 )

Und „inuff is inuff“ sowie einige andere sehr deutliche Worte, die auch die Begriffe solutionabsolutely inacceptable, full und refund sowie sehr autoritär wirkende Anweisungen enthielten, führten dann dazu, dass man mir eine weitere „top solution“ anbot! Den gesamten von mir aufgewandten Betrag wolle man mir erstatten! Und sollte die Ware noch eintreffen, solle ich diese, bitte, behalten. Okay – das war ein Angebot, das ich annahm. Ich rechnete ja nicht damit, dass überhaupt etwas eintreffen würde, werde nun aber meine Kontobewegungen sehr genau beobachten.

Aber wie erstaunt war ich, als ich nach Hause kam! Da war in meinem Briefkasten etwas, das ich erst für Müll hielt – eine zusammengeknüllte DHL-Transporttüte! Ich nahm sie heraus, grinste und ging damit in meine Wohnung, wo ich das Gebinde öffnete. Ein Oberteil war darin. Und es passt sogar und sieht aus wie auf den Bildern. Ich sollte es nur nicht bei hohen Temperaturen tragen – nicht, dass sich das Material untrennbar mit meiner Haut verbindet! 😉 Aber mal im Ernst – „für umme“ ist das doch okay. 😉 Und ich soll es ja – komme, was wolle – unbedingt behalten, trotz der Erstattung des vollen Betrages! Ich bin gespannt, wann er auf meinem Konto eingeht – und ob überhaupt. Und meine Rezension werde ich nicht löschen …

Dennoch bin ich noch immer schockiert über mich selber. Wie konnte ich je so verstrahlt sein, überhaupt etwas zu bestellen? Vermutlich hatte ich noch nicht genug Stress, denn: „Wer keine Probleme hat, schafft sich welche.“ Nicht wahr? 😉

Die Firma heißt übrigens ganz anders … 😉

„Hast du das Spiel gesehen?!?“ Oder: Warum ich möglicherweise als WM-Orakel tauge …

Es findet gerade eine Party bei meinem Arbeitgeber statt, und eigentlich wollte ich auch just dort sein. Zumindest wollte ich dort das Fußballspiel Südkorea : Deutschland sehen. Zumindest hatte ich dies heute im Laufe des Tages beschlossen.

Eigentlich wäre heute ja die letzte Niederländischstunde gewesen, aber im Laufe des Arbeitstages wurde Jana und mir immer klarer, dass wir nicht dort anwesend sein würden. Immerhin gab es das Fest, aber – noch viel wichtiger! – dort auch das obengenannte Spiel! Und so schrieben wir eine sehr nette Mail an Thijs und entschuldigten unser Fernbleiben.

Da ich ja heute früh noch wildentschlossen war, nach M. zum Niederländischkurs zu fahren, war ich mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Nachdem wir uns so reizend entschuldigt hatten, dachte ich, dass dieses Fußballspiel ja wohl ohne zumindest ein Bierchen gar nicht ginge, und ich beschloss, um kurz vor 3 den kleinen Monty nach Hause zu fahren und dann mit dem ÖPNV zum Arbeitgeber zurückzufahren. Und fast wäre das auch gutgegangen …

Um kurz vor 3 eilte ich gen Mitarbeiterparkplatz und enterte mein Auto, fuhr auch vom Hof und Richtung Heimstatt. Aber schon zwei Kilometer weiter wurde mir plötzlich total schwindelig, und ich musste mein Tempo drastisch reduzieren. Man möchte ja nicht an der Leitplanke oder einem Baum enden, wenn man es doch noch irgendwie verhindern kann.

Zu Hause angekommen, wollte ich noch einmal kurz in die Wohnung und ins Bad. Dort wurde mir ziemlich schwarz vor Augen – diese dämlichen Wetter- und Temperaturwechsel! Das vertrage ich offenbar einfach nicht. Aber wieso ausgerechnet heute? Es würde doch wohl kein böses Omen sein …

Ich blieb dann doch lieber zu Hause und musste das Spiel invalide von der Couch aus verfolgen. Lieber wäre ich bei meinen Kolleginnen und Kollegen gewesen, denn Schmach allein ansehen zu müssen, ist noch schlimmer als in Gesellschaft. Und während ich auf Kerstins und Janas WhatsApp-Nachrichten antwortete, die da: „Huhu, wo bist du?“ und „Wo bleibst du denn?!?“ lauteten, fing das Spiel an. Und es war nicht schön …

Wie es endete, muss ich wohl niemandem erklären. Es war einfach nur grauenvoll … Von Südkorea mit 2:0 geschlagen und aus der WM ausgeschieden! Geht es noch irgend grauenhafter?

Während das Spiel lief, chattete ich über ein Soziales Medium mit Jeannette, meiner Auffrisch-Fahrlehrerin, mit der ich mich morgen Abend treffe. Sie, ebenfalls fußballinteressiert oder -begeistert, war noch im Dienst und konnte das Spiel des Grauens nur per Radio verfolgen. Unsere Kommunikation sah dann wie folgt aus: „Was ist das für ein grauenhaftes Spiel?“ (Ich) – „Wie gut, dass ich es nur hören muss!“ (Jeannette) Und dann im Wechsel (ich begann): „[…]!“ – „[…]!!!“ – „Ah, nein!“ – „O Gott!“ – „Nein!“ – „NEIN!“ – „NEIN!!“ – „NEIN!!!“ – „Kann nicht wenigstens mal jemand abpfeifen?!? Das ist ja nicht auszuhalten!“ – „[…]!“ – „[…]!!!“ – „Endlich ist es vorbei!“ – „Ja!“ Und dann schrieb Jeannette: „Wir sollten morgen kein Eis essen, sondern ein Bierchen trinken …“ Schauen wir mal – ich fahre jedenfalls nicht mit dem Auto zum Lokal unseres Zusammentreffens … 😉

Kaum war das Spiel vorbei, begannen auch schon die Interviews und Erklärungsversuche. Und da klingelte mein Handy. Ich meldete mich mit meinem Nachnamen, und da hörte ich auch schon die Stimme meiner Mutter: „Hast du dieses Spiel gesehen?!?“ Sie meldete sich nicht einmal mit Namen, aber aus ihrer Stimme war das blanke Entsetzen zu hören. (Nein, eigentlich war es eher die blanke Entrüstung …) Dabei hatte sie erst kürzlich noch geschworen, diesmal kein WM-Spiel anzusehen! (Den „Hang“ zu konsequentem Handeln habe ich ganz eindeutig von meiner Mutter geerbt … 😉)

Interessanterweise schrie ich völlig synchron zu meiner Mutter den Satz: „Hast du dieses Spiel gesehen?!?“ Und – beide erneut synchron: „Das war ja grauenhaft!“ Und schon ergingen wir uns in Äußerungen, die glauben machen könnten, wäre auch nur eine von uns Bundes-Coach, wären wir garantiert Weltmeister geworden. Zumindest Vize-Weltmeister. 😉 Wir waren kein Jota besser als die Kerle, über die ich so gerne frotzle, die mit Pilsken und Chips auf der Couch sitzen und, bräsig über ihre Plauze hinwegsehend: „Lauf, du faule Sau!“ gen TV brüllen … 😉 (Abgesehen davon, dass meine Mutter und ich keine Plauzen haben und niemals: „Lauf, du faule Sau!“ brüllen würden … 😉)

Nachdem das Telefonat voller Entrüstung beendet war, fragte ich mich einmal mehr, warum in meiner Familie ausgerechnet meine Mutter und nicht mein Vater der Fußballfan sei, der sich über solche Dinge aufregen kann. Dann jedoch fiel mir ein, dass meine Mutter schon mit knapp eineinhalb Jahren Halbwaise geworden, nachdem ihr fußballbegeisterter Vater im Krieg gefallen war. Sie hat ihn nie richtig kennengelernt – aber das Fußball-Gen hat er ihr wohl vererbt. 😊 Er habe von klein auf immer begeistert Fußball gespielt, erzählte mir meine Oma einst, und der jüngere Bruder meiner Mutter hat dies wohl übernommen. Er spielte Fußball, bis sein Meniskus hin war. Danach verfolgte er das Geschehen eher passiv, aber nicht weniger enthusiastisch. Seinen Lieblingsverein nenne ich lieber nicht – sonst hagelt es Tomaten … 😉

Irgendwie muss ich es schon gespürt haben; zumindest schwächelte ich ja bereits auf der Heimfahrt, obwohl ich doch nur kurz mein Auto abstellen und wieder losrasen wollte … 😉 Ich gestehe, ich bin nicht so niedlich wie das WM-2010-Kraken-Orakel Paul aus Oberhausen, aber vielleicht habe ich ja eine ähnliche Befähigung wie der leider verstorbene nette kleine Krake … 😉

„Irgendwie passieren dir immer so außergewöhnliche Dinge …“ –

So meinte eine Kollegin heute zu mir, als ich ihr erzählte, was mir gestern kurz vor dem Betreten der Liegenschaften unseres gemeinsamen Arbeitgebers widerfahren war. Ich kam gerade von der zahnärztlichen Prophylaxe, genauer: der professionellen Zahnreinigung, einer echten IGEL-Angelegenheit, die bei meinem Zahnarzt rund 50,- € kostet. (Immerhin gab es gestern einige Warenproben dazu, weil ich mich darüber beschwerte, dass der Zahn 1-2, der obere kleine Frontzahn neben dem zentralen Schneidezahn rechts, bisweilen herumzicke. Genauer: weniger der Zahn, mehr das ihn umgebende Zahnfleisch.)

Ganz offenbar war die professionelle Zahnreinigung unter Zuhilfenahme einer Kürette noch nicht schmerzhaft genug gewesen, obwohl man sowohl Zähne, als auch Zahnfleisch ob ihres Topzustandes lobte (aber unangenehm ist es halt doch immer irgendwie …). Denn als ich meinen Wagen auf dem Mitarbeiterparkplatz geparkt hatte und auf das Gebäude 2 zuschritt, in dem sich der Kollegin und mein Wirkungsort befindet, ereilte mich ein weiteres schmerzhaftes Ereignis.

Kurz vor dem Eingang wollte ich meine Zigarette in einem der Abfallbehälter verklappen, die unten aus einem Müllbehälter, oben aus einem Aschenbecher bestehen. Schon beim Näherkommen sah ich Merkwürdiges: Der im unteren Müllbehälter befindliche Plastiksack flatterte. Ich wunderte mich noch und dachte: „So windig ist es doch aber gar nicht!“ Aber was sollte es – erst einmal die Zigarette ausdrücken und im oberen Teil des Behälters verklappen …

So dachte ich. Als ich mich gerade dazu anschickte und meine Hand mit der Zigarette zum Kippenbehälter ausstreckte, kam Leben in den unteren Teil des Müllbehälters! Und schneller, als ich „Hallo!“ sagen kann, stürzte etwas in Panik aus dem Mülleimer und raste flatternd in meine Richtung! Und obwohl es im letzten Moment wohl wahrnahm, was Sache war, konnte es nicht mehr abdrehen, sondern prallte mit Impetus gegen mein Brustbein …

Ich schrie wie am Spieß, als das schwarzweiße Ding gegen mich flog und ein spitzes Objekt sich in mein Brustbein zu bohren trachtete, es zum Glück nicht durchdrang … 😉 Im ersten Moment sah ich – nicht unbedingt sonderlich typisch für mich – nur Schwarzweiß, realisierte jedoch nicht, worum es sich handelte … Aber die unfreiwillige – von beiden Seiten! – Kollision schmerzte doch recht stark, und nicht nur ich schrie. Auch das schwarzweiße Ding war in heller Panik und schrie ebenfalls, flatterte panisch und schaffte es dann, die Kurve zu kriegen, während ich noch nach Luft rang. Es landete auf dem Dach des Gebäudes, in dem ich arbeite, und es schrie von dort, offenbar verärgert: „Tschack-tschack!“ Zusammen mit einigen Artgenossen, die ebenfalls auf dem Dach saßen: eine Elster war es!

Ich warf einen Blick in meinen Ausschnitt – blutete etwa etwas? So ein Elsternschnabel ist sehr spitz! 😉 Nein – zum Glück war alles soweit in Ordnung. Erst gestern Abend sah ich, dass ich tatsächlich ein kleines Hämatom habe – genau mittig. 😉

Als ich es meiner Kollegin erzählte, äußerte diese obigen Satz. Ich grinste und meinte: „Ja, ich verstehe es auch nicht so ganz und würde gern auf solche Erlebnisse verzichten.“ – „Mach dir nix draus. Mir ist zwar noch nie eine Elster gegen die Brust geprallt, aber mir passieren auch bisweilen komische Dinge.“ – „Wahrscheinlich verstehen wir einander deswegen so gut!“ – „Das glaube ich auch. Du verstehst auch immer, was ich erzähle – das passiert mir nicht oft.“

Ich habe ihr dann lieber nicht mehr erzählt, dass ich bereits einmal von einer Taube auf ähnliche Weise angeflogen worden war, die nach der Kollision schockiert, schwer atmend und irritiert gurrend auf dem Boden gesessen und um die ich mich noch gekümmert hatte, bis sie wieder flugfähig war … (Ich glaube, Tauben sind da etwas schlichter als Elstern.)

Jana habe ich dann auch davon erzählt, als wir gestern im NL-Kurs waren. Die lachte sich schlapp und meinte: „Finde ich total sympathisch. Ich dachte, nur mir würden so schräge Dinge passieren!“ – „Nein! Mir passieren öfter solch merkwürdige Sachen – mach dir keinen Kopp! Wir sind völlig normal!“ Sie meinte gerade: „Ja, klar“, als Thijs fragte, worüber wir uns da unterhielten, obwohl wir doch gerade de chchrrrammatica behandelten. Jana und ich wurden etwas rot, dann fasste ich mir ein Herz und erzählte, worüber wir gesprochen hätten, und ich fragte, was Elster auf Niederländisch heiße. Nicht sonderlich spannend: Es heißt ekster. Und ich hatte mit zwart-witte kakvogel gerechnet!

Thijs lachte sich halbtot, und er meinte: „Ich wusste von Anfang an, dass du irgendwie bijzonder bist!“ Ich starrte ihn entsetzt an und fragte: „Wie ist das genau gemeint?“ – „Niet zo, wie du es offenbar verstehst. Du hast immerrr gute Laune, wenn der cursus ist, du lachst vielll. Das ist bijzonder. Das ist ein Kompliment!“ – „Okay – danke! Dann ist es ja gut! Aber im Vertrauen: Ich habe nicht immer gute Laune …“ – „Aberrr hierrr immerrr – das ist nett!“ Na, dann! Warum sollte ich im NL-cursus auch schlechte Laune verbreiten? 😉

Und ich lerne dort auch viel. Als Thijs gestern erzählte – wir sprachen noch immer über das Thema Essen und Trinken -, einst habe eine niederländische TV-Wettermoderatorin versehentlich gesagt, am nächsten Tag würden regen – [re:xe] – en hagelslag fallen, lachte ich, rief: „Lekker weertje!“ („Schönes Wetter!“) und sagte, wenn tatsächlich hagelslag falle, würde ich sämtliche Gefäße wie Schüsseln und Eimer nach draußen stellen, um möglichst viel hagelslag aufzufangen. „Maar alleen van volle melk!“ rief ich noch, und Thijs lachte und meinte: „Du scheinst ein Fan von Schokostreuseln zu sein!“ Denn das ist mit hagelslag gemeint – echter Hagel heißt schlicht hagel, mit langem A und einem CH wie in lachen. Und ich rief: „Ja! Maar alleen van volle melk!“

Für den Fortgeschrittenenkurs bin ich inzwischen fest angemeldet, und irgendwann wird es mir auch gelingen, echte Sätze zu sprechen, inklusive aller grammatischen Zeiten. Und trotz der Tatsache, dass Elster leider nicht zwart-witte kakvogel heißt, obwohl das soviel schöner wäre. 😉

Und von meinem Physiotherapeuten konnte ich heute auch lernen: Er meinte, Kroatien würde heute 2:0 gegen Argentinien spielen, und wir stellten übereinstimmend fest, dass wir Argentinien beide nicht mögen. Hätte ich in puncto Kroatien doch mal auf ihn gehört! Die mag ich auch lieber, aber ich habe sie unterschätzt, denn ich hatte 2:2 getippt … 😉 Zwar haben sie nun 3:0 gespielt, aber da hätte ich wenigstens noch Punkte gemacht …

Euch einen schönen Abend! 😊

Epilog (einen Tag später):

Heute rief mein Physiotherapeut mich völlig überraschend an. Ich dachte, er wolle den nächsten Termin verlegen und fragte nach seinem Anliegen, nachdem ich mich gemeldet hatte. Ob es eine Terminverschiebung gebe.

„Aber nein, liebe Frau B.! Ich wollte nur nachfragen, ob Sie meinen Tipp beherzigt haben!“ – „Wie jetzt? In echt?“ – „Ja. Ich hoffe, Sie haben …“ – „Nee, leider nicht – ich kam nicht mehr dazu,“, schwindelte ich ein bisschen, da ich ja niemanden verletzen wollte. Außerdem hatte der Physiotherapeut auch noch – fast – Recht gehabt … – „Dann wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende!“ rief der Physiomann fröhlich, und ich sagte: „Wie – Sie haben jetzt ernsthaft angerufen, nur, um sich nach meinem Ergebnis zu erkundigen?“ – „Ja!“ Ich war verblüfft. Ist euch schon mal so etwas passiert?

Und wie dumm von mir, nicht gleich nach weiteren Tipps zu fragen – der Physiomann scheint tippmäßig Ahnung zu haben … 😉

Von Revolutionen, Bahnsteigkarten … und Umfragen

Gestern und heute, ergo am zweiten Spieltag, habe ich beim Tippspiel exakt 9 (in Worten: neun) Punkte erzielt und befinde mich derzeit auf Platz 8 (in Worten: acht), was morgen schon wieder ganz anders aussehen kann. Wahrscheinlich, wie ich mich kenne, mehr nach unten versetzt. Doch anders als bei der EM vor zwei Jahren suche ich keinen Tippberater mehr, da ich inzwischen begriffen habe, dass auch die treuesten Fußballkenner und Eingeweihten derzeit fast alle ganz weit unten in der Tabelle stehen, während ich auf derzeit Platz 8 eher einem Greenhorn gleiche, das nicht einmal weiß, was Abseits ist. Im Grunde bin ich daher ohnehin ganz falsch so weit oben plaziert (nein, ich schreibe nicht „platziert“ – nein!) … 😉

Fußballtechnisch lief es heute also ganz geschmeidig, und BEL:PAN lief – wie auch SWE:SKOR – völlig ungesehen von mir, denn um 14:00 h schwitzte ich über diversen Buchungen und einem zu stellenden Antrag, und um 17:00 h befand ich mich gerade auf dem Weg zur Physio. Danach raste ich nach Hause, denn wenigstens TUN:ENG wollte ich sehen, und da habe ich immerhin 3 von 4 möglichen Punkten eingeheimst, und vielleicht war der Elfmeter, der für Tunesien gegeben wurde, doch gar nicht so verkehrt gewesen. Ich hatte 0:1 für England getippt, und mit diesem Elfmeter endete das Spiel schließlich 1:2. Ohne diesen hätte England vielleicht noch viel früher aufgedreht … oder auch nicht.

Dann surfte ich ein wenig im Internet und geriet auf eines der Sozialen Medien und dort irgendwie auf eine Seite einer „politischen“ Jugendorganisation, deren Name auf besondere Haltbar-, Strapazier- und Widerstandsfähigkeit hinwies, nein: hinweisen sollte. Dort wurden wahrhaft weltbewegende Dinge diskutiert …

So gab es dort eine Umfrage, ob es legitim sei, wm-typischen Autoschmuck wie Deutschlandfähnchen abzureißen …

Ich musste zweimal hinsehen, um zu glauben, was ich dort las! Und dann konnte ich es noch immer nicht glauben … Eine diametral zum rechten Spektrum ausgerichtete Organisation startet eine Umfrage, ob es okay sei, würde man … Offenen Mundes – ich vermute es zumindest – saß ich vor meinem Lappy!

Es gibt einen schönen Spruch: „Wer in jungen Jahren nicht links ist, hat kein Herz. Wer es im Alter noch immer ist, hat kein Hirn.“ Man kann darüber streiten, und auch ich bin – nicht parteipolitisch gesehen, wohlgemerkt, mehr gefühlsmäßig – auch eher in die linke Richtung geneigt. Aber eben nie parteipolitisch – mehr vom Grundgefühl her – vom Idealistischen her. Das habe ich mir zumindest aus meiner Jugend bewahrt – und damit wohl auch mein Herz. 😉 Ich finde den Spruch oben witzig, interpretiere ihn jedoch so, dass man mit zunehmendem Alter meist (!) etwas oder viel realistischer denkt. Bei mir halten sich Idealismus und Realismus einigermaßen die Waage, obwohl ich vom Herzen und Gefühl dann doch eher eine Idealistin bin. Man muss sich aber eben nach der Decke strecken und stellt früher oder später fest, dass es eines ausgewogenen Verhältnisses bedürfe. 😉

Aber bis etwa 25 war ich auch eher spontan-impulsiv geartet. Manchmal merkt man es heute noch. Hinzu kam, dass ich in einem sehr liebevoll-wohlbehütenden Elternhaus aufgewachsen bin. Das kann gefährlich sein, denn: Wehe, wenn sie losgelassen …  Anders als meine Schwester, war ich öfter in Schwierigkeiten verwickelt. Nicht in schlimme, aber manchmal war es ein wenig unangenehm, zumal meine Eltern – zumindest mein Vater – sich nie erklären konnten, wie es dazu kommen konnte. 😉 Meine Mutter sah mich immer nur mit einer hochgezogenen Augenbraue an und meinte dann: „Die ist im Herzen eine Rebellin.“ Ja, das hat sich auch nicht geändert, und bei solch einer Konstellation ist es gut, wenn auch noch mehr oder minder viel Verstand hinzukommt, der einen zumindest nicht immer übers Ziel hinausschießen lässt. 😉

Als ich mein Elternhaus verließ (einen Tag nach der Abifeier, aber mit durchaus viel Heimweh), war es aufregend: Endlich tun und lassen können, was man wollte! Und so kletterte ich nachts über die Zäune mehrerer Freibäder, zusammen mit einer ganzen Gruppe, machte die Nacht generell gern zum Tage (ich bin eher ein „Nachtmensch“ 😉), rauchte wie ein Schlot (nicht nur herkömmliche Zigaretten) und hatte bisweilen wechselnden Übernachtungsbesuch. Trotz allem schaffte ich irgendwie – wenn auch bisweilen mit Ringen und Schatten unter den Augen – mein Pensum. Und das, obwohl gleich im ersten Semester ein Riesenstreik die gesamte Uni lahmlegte und ich mehr auf Demos war als im Hörsaal (was aber eh sinnlos gewesen wäre, da keine Vorlesungen und Seminare stattfanden – es war ja Streik). Und obwohl ich rein gar nichts dafür konnte, meinte meine Mutter: „Das ist ja typisch: Kaum fängt Ali zu studieren an, ist dort Streik, und keine einzige Veranstaltung findet statt!“ Das war ungerecht – ich konnte gar nichts dafür! 😉 Im Gegenteil – man wollte damals die philosophische Fakultät abschaffen, die Grundlage meines dortigen Seins! Dagegen musste man doch protestieren – und das tat ich, zusammen mit ganz vielen anderen Studis, auch aus allen anderen Fakultäten, denn die hatten sich solidarisch erklärt (bis auf die Physiker – die bekamen allzu Weltliches erst mit Verspätung mit, wenn überhaupt, wenn es sie denn überhaupt tangierte …). Das tat ich so gründlich, dass ich einige Tage keine Stimme mehr hatte. 😉 Ich unterschrieb Petitionen, ich schrieb einen eigenen Brief an die Bildungsministerin in Düsseldorf (wahrscheinlich landete er im Papierkorb oder gleich im Aktenvernichter, aber egal!) – es war cool, weil wir das Gefühl hatten, etwas Sinnvolles bewirken zu können – den Erhalt einer bildungstechnischen Einrichtung. 😉

Ich bin der dringenden Ansicht, dass ziviler Ungehorsam, wenn notwendig, unbedingt geleistet werden müsse. Aber alles mit Verstand.

Und da lese ich eine Umfrage, ob es legitim sei, Deutschlandfahnen abzureißen! Ich finde das Scheiße, auch wenn ich keine Fähnchen am Auto habe, aber das Argument fand ich schon so peinlich … Noch „scheißer“ finde ich jedoch diese Rundum-sorglos-abgesichert-Einstellung – man macht doch keine Umfrage, wenn man meint, im Recht zu sein (auch wenn man es im Zweifel nicht ist)! Mir wurde wirklich schlecht … Man macht, was man für richtig hält. Man muss dann aber im Zweifel auch den Kopp hinhalten. Das kann peinlich sein, wie ich weiß, denn es macht keinen Spaß, wenn man vor der Polizei wegrennen muss, die zufällig in der Nähe des Freibades Streife fährt, in das man gerade bei Nacht widerrechtlich eingedrungen ist, um fern des Tagesansturms in Ruhe ein paar Bahnen – oder Runden – zu schwimmen. 😉

In welcher Welt, so fragte ich mich vorhin fassungslos, lebe ich eigentlich? Sich im Recht wähnende Wohlstandsgören, wie ich auch eines war, starten im Internet eine Umfrage, um sich Straftatbestände, und seien sie noch so gering, legitimieren zu lassen – quasi qua vox populi! Das ist peinlich! Macht es, wenn ihr es für richtig haltet, steht dann aber auch dazu, und seid doch, bitte, nicht immer so entsetzlich peinlich-saturiert und krampfig auf Applaus aus, wenn ihr doch Rebellen sein wollt, Kämpfer für – irgendein – Recht!

Ausgerechnet ein Idol dieser Wohlstandskinderchen fiel mir ein: Lenin, der wohl einst gesagt hatte: „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas; wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“ Das Zitat wird ihm zumindest zugesprochen. Und er hatte wohl Recht, wenn man auch Bahnsteigkarte durch Umfrage ersetzen muss.

Als ich meinen besten Freund Fridolin in diesem Sozialen Medium online sah, schickte ich ihm den Link zur Umfrage und räsonierte haareraufend, das sei ja wohl das Grauen, und ich fragte ihn, woran dieses Grauen wohl liege.

Seine Antwort war typisch Fridolin, denn er schrieb in bemerkenswerter Geschwindigkeit: „Ich kann dir das nicht erklären. Als ich ein kleiner Bub war, war die Drohung, jemanden so zu verdreschen, dass er nicht mehr wisse, ob er Männchen oder Weibchen sei, ultimativ. Heute gibt es viele, die das ganz ohne Schläge nicht mehr wissen und stattdessen hunderte Geschlechter erfinden oder ihre sexuellen Interessen mit dem biologischen Geschlecht verwechseln. Der Wahn nimmt zu. In jeder Form. Wir verblöden (die Spezies, ich natürlich nicht).“

Man muss diese Aussage nicht en tout teilen, aber ich schüttete mich vor Lachen aus – eine vergleichsweise kurze, knackige Aussage, typisch Fridolin. Der ist sich übrigens über die Jahre treu geblieben – diese Aussage hätte er auch schon vor Jahren in Aachen tätigen können – zumindest in großen Teilen. 😉

Manche Dinge ändern sich zum Glück nicht – auch wenn seit neuester Zeit gern Umfragen getätigt werden, und das sogar von wackeren Verteidigern vermeintlicher Gerechtigkeit und Toleranz. 😉

Euch einen schönen Abend! 😊

Kurz nach der Halbzeitpause doch lieber zur Tanke …

Heute war es soweit. Das Auftaktspiel für Deutschland stand an: Deutschland gegen Mexiko.

Zuvor das Spiel Costa Rica versus Serbien. Ich hatte 0:1 für Serbien getippt, mir das Spiel auch angesehen und tatsächlich mitgefiebert. Ich gestehe, es lag auch ein bisschen an meiner Position in der Tipprunde, denn ich gehöre irgendwie zu denen, die nie so konstant in einer „Region“ der Tabelle verharren, sondern eher wie beim Tischtennis pingpongmäßig hin und her schießen, und das in erstaunlich hoher Frequenz. 😉

Von Platz 1 auf Platz 11, dann auf Platz 5, stürzte ich kürzlich auf Platz 21, und das binnen kürzester Zeit. Zwischenzeitlich war ich gar auf Platz 27, und da dachte ich noch: „Die Letzten werden die Ersten sein!“ Dabei war ich nicht einmal Letzte. Denn: Als ich dann auf Platz 29 fiel, dachte ich: „Pech im Spiel – Glück in der Liebe!“ Und da war ich immer noch nicht Letzte. Und ich dachte, dass demnächst großes Liebesglück über mich hereinbrechen werde, als ich auch schon wieder auf Platz 16 gerissen wurde! Und im Zuge des CRC-SER-Spiels gleich schwindelerregende sieben Plätze höher auf Platz 9! Eine einstellige Zahl! Hurra! 😉

Nun werden Uneingeweihte sagen, dass es daran liege, dass ich von Fußball keinen Plan hätte, aber da liegen sie nicht richtig, denn die echten Fußball-Cracks liegen auch ziemlich hinten. Es ist halt ein Vabanque-Spiel … 😉

Für das deutsche Auftaktspiel hatte ich den absolut „feigen“ Tipp 2:1 gewagt, obwohl der – wie sich herausstellte – in der Tat gewagt war. Dabei war mir – ich schwöre, es war so! – mehr nach 0:1 für Mexiko. Ja, schimpft mich nur eine Nestbeschmutzerin, aber ich fand das recht realistisch. Ich hatte Testspiele gesehen. Aber irgendwie überkam mich doch ein wenig Scham, und ich dachte, es könne ja nicht wirklich schaden und niemandem wehtun, würde ich doch pro „Die Mannschaft“ tippen.

Als die Tippzeit abgelaufen war und das Spiel begann, sah ich, dass meine Tippbrüder und -schwestern wohl ähnlich gedacht und gehandelt hatten wie ich. 😉 Zumindest war ich nicht allein.

Während der ersten Halbzeit gingen mir die Zigaretten aus, als gerade die Mexikaner ihr Tor schossen, und ich beschloss, in der Halbzeitpause mal eben zur Tanke zu titschen, denn für Fußballspiele brauche ich Zigaretten, speziell bei der WM, ich gestehe es. Aber ein Anruf hinderte mich am rechtzeitigen Aufbruch, und so beschloss ich, erst nach dem Spiel loszuziehen, zumal ich auch noch eine angebrochene Schachtel eines „Notkaufs“ fand, vor einiger Zeit getätigt, als es meine Marke – Luckies – nicht gab.

Doch obwohl noch einige Zigaretten in der Schachtel waren, schaltete ich irgendwann enerviert aus. Das Spiel ging an meine Nerven. Ich ertrug kaum, es anzusehen, und so dachte ich: „Du gehst jetzt zur Tanke. Und du solltest dich auch nicht beeilen.“ Denn: Zeichnet sich ab, dass das Grauen Einzug halten werde, muss man – ich zumindest – nicht auch noch jede Millisekunde miterleben. Es ist ähnlich, wie wenn man in absolut ungünstiger Situation gezwungen ist, einen Schwangerschaftstest machen zu müssen, wobei die modernen ja wenigstens sehr schnell anzeigen, was Sache ist. Ich jedoch musste als Studentin mal einen machen, der im Vergleich zu seinen moderneren, schnelleren  und damals sehr teuren Kollegen zu seiner Entfaltung ganze fünf Minuten brauchte, bis der Teststreifen anzeigte, was nun genau anliege (zwei blaue Streifen = nicht schwanger, zwei blaue und ein rosa Streifen mittig = schwanger). Ich gestehe, auch da musste ich das Haus verlassen – unmöglich, allein mit dem Test nebst Teststreifen in der Wohnung zu bleiben, ohne einen Herzinfarkt zu erleiden, weil man alle paar Sekundenbruchteile hinrennen und draufstarren muss, als ändere sich das Ergebnis dadurch. 😉 Und letzten Endes gab es dann zwei blaue Streifen und sonst nix …

Und so schaltete ich den Fernseher aus und machte mich kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit auf den Weg zur Aral-Tankstelle. Und ich ließ mir viel Zeit.

Als ich zurückkehrte, schaltete ich den Fernseher wieder ein. Ich muss gestehen, dass es mich nicht gewundert hätte, hätte es inzwischen 0:2 gestanden. Dem war aber nicht so – im Grunde war alles noch offen. Theoretisch zumindest. Praktisch beherrschten jedoch die Mexikaner das Spielfeld, und so ging es dann auch aus …

Keiner der Tippbrüder und -schwestern hat bei diesem Spiel auch nur einen Punkt gemacht, und ich habe beschlossen, mich künftig doch wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu verlassen. 😉

Und nun hoffe ich, dass die Brasilianer und Schweizer wenigstens so spielen, wie ich getippt habe … 😉

Euch einen schönen Abend und – wenn ihr Fußball mögt – viel Spaß bei der WM! 😊

Auf ein Neues!

„32 Kollegen (und Kolleginnen, selbstredend, aber ich benutze – stur, wie ich bin – immer die althergebrachte Pluralform und fühle mich dabei rein gar nicht benachteiligt) müsst Ihr sein!“

So die Devise des WM-Tippspiels bei meinem Arbeitgeber, bei dem immerhin die genannten 32 Kollegen mitmachen. Ich selbstredend auch, denn mir war vor knapp drei Wochen aufgefallen, dass ja trotz „drohender“ WM noch keine offizielle Anfrage bezüglich einer Tipprunde ergangen sei. Und so schrieb ich an einem Samstagabend meinen Kollegen Alexander per WhatsApp an, der derlei Dinge stets organisiert. Und ich erhielt Antwort: Die Tipprunde sei in Arbeit, jedoch seien zuerst die, die auf die Buli-Tipprunde abonniert seien, angeschrieben worden. Aber gut, dass ich fragte, so schrieb Alex und nahm mich gleich in die Runde auf. Gern dürfe ich auch noch andere Kollegen „keilen“ (nicht „keulen“, wohlgemerkt! 😉 )

Und es bedurfte nur geringer Überzeugungskraft, Jana dazu zu holen. Und Kerstin. Und Gina. Inzwischen sind wir besagte 32 Personen, die alle mittippen.

Heute war ich recht aufgeregt – heute war doch das Eröffnungsspiel. Russland gegen Saudi-Arabien. Um 17 Uhr ging es los. Um 16 Uhr hatte ich einen Physio-Termin, der aufgrund einer Verzögerung später begann … Nein! Ausgerechnet heute! 😉

Um 16:45 Uhr schloss ich in großer Eile mein Auto auf, warf mich hinein und sauste heimwärts. Beziehungsweise: Ich wäre gern gesaust, aber vor mir waren – der Arbeitstag war wohl lang gewesen – erneut und wie morgens einige Rote-Ampel-Nickerchen-Halter, die teilweise überhaupt nicht reagierten, als die entsprechenden Ampeln auf Grün schalteten. Einmal musste ich sogar hupen, denn der Herr vor mir wollte so überhaupt nicht anfahren, wie es schien … Und ich wollte dringend nach Hause – mir erschien mein 1:0-Tipp für Russland doch etwas zu „zahm“. Man wusste ja nie … (Ich muss jedoch gestehen, dass ich den Tipp auf das im Grunde noch „zahmere“ 2:1 abändern wollte – ein Tipp, noch feiger als 1:0 … 😉 Ein Tipp für Sicherheitssüchtige. 😉 )

Als dann endlich alles im Fluss war, gab es zwei abrupte Bremsmanöver, als ein Radfahrer, von links kommend, völlig „blind“ quer über die Straße schoss. Beim zweiten Mal latschte ein Ömchen mit Hund – ebenfalls ohne jedwede Blicke nach links und rechts – einfach auf die Straße. Wildes Hupen war in beiden Fällen die Folge; verständlich, denn solche Leute muss man wirklich energisch darauf hinweisen, dass sie durchaus nicht die Einzigen auf dem Erdenrund seien. Auch nahm ich an, dass die empört Hupenden sich ggf. in ähnlicher Lage wie ich befanden: Der Drang nach Hause war groß – das Eröffnungsspiel hatte bereits begonnen! 😉

Als ich schließlich zu Hause ankam, parkte ich so schnell, wie möglich, und dann rannte ich im strömenden Regen zu „meinem“ Haus, brach beim Aufschließen der Haustür fast den Schlüssel ab und rannte dann die Treppe bis in den ersten Stock hoch, als seien Hunde hinter mir her … 😉

Schnell den Fernseher eingeschaltet, den meine Patentante mir vor vier Jahren geschenkt hat, nachdem mein alter Fernseher pünktlich zu Beginn der damaligen WM den Geist aufgegeben hatte. Sie hatte gesagt: „Dass du ohne Fernseher dasitzst, geht doch nicht! Es ist Fußball-WM!“ Und immerhin zum Viertelfinale konnte ich dann selber zu Hause die Spiele verfolgen. 😉

Als ich eingeschaltet hatte, sah ich, dass es in der Tat 1:0 für Russland stand. Und sogleich dachte ich: „Nichts gegen euch, liebe russische Nationalmannschaft, aber würde es euch etwas ausmachen, bis zum Abpfiff kein Tor mehr zu schießen? Und natürlich müsst ihr jedweden Versuch der Saudis, ein Tor zu schießen, irgendwie abwürgen!“ Nun, Letzteres gelang dann auch, aber dann fiel das 2:0. Ich stürzte – zusammen mit diversen Mitstreitern – von Platz 1 auf Platz 11, dies aber in der beruhigenden Gewissheit, dass ich nicht auf dem letzten Platz für heute landen würde, denn drei Kolleginnen hatten allen Ernstes 1:1 getippt. Allerdings blieb das Restrisiko, dass die Saudis aufholen und gleichziehen würden. Aber das geschah nicht, und als das 3:0 fiel, hatte ich mich mit den nur 2 Punkten, die ich bis dato hatte, bereits abgefunden. Beim 4:0 hob ich kaum noch meine Augenbrauen, war jedoch mit den meisten meiner Weggefährten von Platz 11 immerhin auf Platz 5 hochgeschnellt. Allerdings erstaunte mich das 5:0 dann doch – ich war sicherlich nicht die Einzige. Und seitdem bin ich zusammen mit 28 Weggefährten erneut auf Platz 1! 😉 Nur Anne, Wiebke und Marina sind auf Platz 30 – das 1:1 war wirklich unvorsichtig gewesen. 😉

Und so machte es gar nichts, dass ich meinen leichtfertigen 1:0-Tipp doch nicht mehr auf den 2:1-Sicherheitstipp hatte ändern können – all diejenigen, die per se so getippt hatten, sind zusammen mit mir auf Platz 1 … 😉 Cool – mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. 😉

Morgen geht’s weiter …

Ali und Zahlen

Zugegeben, der Titel klingt etwas wie Malen nach Zahlen. Kennt ihr sicher vom Hörensagen und kam irgendwann in meiner Kindheit auf. Malen nach Zahlen, nicht ganz so kreativ wie Schreiben nach Gehör, aber mit ähnlich schrillen und sehr bunten Ergebnissen verbunden. 😉 Rassige Pferdeköpfe, putzige Kätzchen, die mit Wollknäulen kämpften, mehr oder minder edle Jagdhunde und Landschaftsszenen wie Stillleben mit Hummern, Weintrauben und Äpfeln in einer dekorativen Schale waren bei diesem Hobby sehr angesagt, dessen Kreativitätsgrad noch in den Kinderschuhen steckte. Selbst Schreiben nach Gehör ist erheblich kreativer – und wie!

Menschen malten nach Zahlen, die sich irgendwann als Kind voller Empörung ob der Stumpfsinnigkeit von Malbüchern – „Aber nicht über den Strich malen!“ – abgewandt hatten, nun nach einer Vorgabe, einem Aufbügel-Stickmuster nicht unähnlich („Hier Kreuzstich!“), in der die zu benutzenden Farben numeriert waren. (Nein, ich schreibe nicht „nummeriert“, und wenn ihr mich steinigt! 😉 ) Und die Bilder hingen dann – bestenfalls – in Kinderzimmern und Kellerbars.

Malen nach Zahlen hat mich nie gereizt. Ich malte und zeichnete lieber selber, ganz ohne Vorlage, und wenn mir eine Schattierung danebengeriet, war sie wenigstens von mir selber falsch gemacht und klaffte nicht blutrot im edlen Antlitz eines Pferdes, das meine frühere Schulfreundin Annabell so schön nach Zahlen ausgemalt hatte, aber leider statt der 6 und der 9 zweimal Nummer 6 in ihrem Malen-nach-Zahlen-Gebinde hatte, weswegen der eigentlich als rauchgrau geplante (normalerweise serienmäßig im hier fehlenden Farbtöpfchen Nr. 9 befindlich) Schatten nun in Blutrot (Napf Nr. 6) erschien, als habe jemand dem Pferd mit einer Machete ins Gesicht geschlagen! 😉

Nein, das war nichts für mich. Ich fiel damals nur auf Ministeck herein. Ihr mögt gern selber googeln, worum es sich dabei handelt, und ihr werdet herausfinden, dass das nur etwas für ganz besonders geduldige und in sich gekehrte Menschen sein kann. Also nichts für mich, aber ich hatte es mir zu Weihnachten gewünscht (alle Mädchen aus meiner Klasse hatten sich das gewünscht …) und auch bekommen, und so wollte ich meine Eltern nicht enttäuschen. Meine Eltern liefen recht schnell mit Mundwinkeln herum, die sie gewaltsam hinunterdrücken mussten, auf dass ich, die fluchend mit diesem blöden Zeug, winzig kleinen Mosaik-Stecksteinchen, dasaß, das ich mir gewünscht hatte und das – im Optimalfalle – Dinge hervorrief, die an Petit-point-Stickerei erinnerten, die ich schon immer als grauenhaft spießig empfand, nicht völlig von meiner Geschmacksverirrung frustriert werden sollte. Beherrschte man Ministeck, sah das Ergebnis aus wie ein mosaikhaftes Ergebnis, das man anders und eher flächig mit Malen nach Zahlen erzeugte. Und auch bei dieser Methode, Geschmacksverirrungen herzustellen, musste man offenbar das Raster, das dazu notwendig war, bereits im Kopp haben. Als Kind fand ich noch einigermaßen mangelhaft, dieses Raster eben nicht im Kopp zu haben. Je älter ich wurde, umso besser fand ich mein rasterloses Gedankendasein. 😉

Mein Metier waren eigentlich immer eher Buchstaben, Laute und alles, was man daraus bilden konnte …

Und nun sitze ich da und habe derzeit massiv mit rasterhaften Dingen zu tun. Rasterhaft. Nicht lasterhaft, wohlgemerkt. 😉 Und mit Zahlen – ganz grauenhaft … 😉 Im Moment bearbeite ich Zwischen- und Abschlussberichte. Da ich in der Einarbeitungsphase bin, alles so, wie es kommt. Das ist nicht immer angenehm, aber heute hatte ich – obwohl der Tag sich eher überraschend anließ und es ja auch unangenehme Überraschungen gibt – einige Erfolgserlebnisse! 😉 Und sogar einige Fehler, die ich nicht einmal selber erzeugt hatte, fielen mir auf. Ich mache offenbar Fortschritte. 😉

Und ich musste feststellen, dass einem Zahlen – nachdem man sie gefühlt etwa zweihundertundeinundvierzig (ich übertreibe!) Male angestarrt hat, um einen Buchungsfehler zu finden – auch ans Herz wachsen können. 😉 Vor allem dann, wenn man sie mit Namen verbinden kann, nämlich den Namen der Klienten, die hinter dieser zunächst anonymen Zahl stehen. Und ich ertappte mich dabei, wie ich urplötzlich Zusammenhänge erkennen konnte. Da fehlten doch exakt 43,- €! Und die schienen offenbar im Kontext zu dem und dem Klienten zu stehen! Oha, da hatte es wohl eine Fehlbuchung gegeben! Das musste behoben werden. Und schon behob ich, und das hoffentlich so, dass es nicht heißt: „Wir buchen – Sie fluchen“ …

Ich muss gestehen, diese eher detektivische Arbeit macht mir sogar Spaß. Noch. Allerdings nicht, weil ich nun auf einmal mit Zahlen per Du sei. Nein, ich brauche ja den Rückschluss über Namen, Gesichter und Geschichten, die hinter den Zahlen stehen. Trainiert aber in jedem Falle das Gedächtnis. 😉

Mein Fazit daher: Zahlen und ich sind einfach nicht kompatibel – wenn ich mit ihnen umgehe, brauche ich offenbar noch immer Zusatzinfos. Dann aber läuft es prima, und ich entdecke die kleinsten Fehler. Als ganz neutrale Buchhalterin daher nicht geeignet. Aber zum Glück ist das ja auch nicht mein Job. Nur eine Art Begleiterscheinung, die aber nicht schaden kann. 😉

Malen oder Denken in Zahlen bleibt mir wohl weiterhin relativ fremd. Macht aber auch nix. Jeder, wie er kann.

Euch einen schönen Abend! 😊

Von „slaatje“, „koelkastjes“ und „silveruitjes“

Gestern war ich nach zwei Wochen Auszeit – einmal fiel der Kurs wegen der Pfingstferien aus, letzte Woche hatte ich am Mittwoch bis Viertel nach 7 abends im Büro zu tun – wieder bei meiner mittwöchlichen Lieblingsbeschäftigung – dem Niederländischkurs. Jana war letzte Woche anderer Verpflichtungen wegen auch nicht dagewesen, und so waren wir ob der Tatsache, dass wir völlig „außen vor“ zum Kurs fahren sollten, ein wenig verunsichert. Für gewöhnlich ist zumindest eine von uns dort anwesend und kann dann die andere auf dem Laufenden halten.

Normalerweise wären wir zusammen gefahren, aber ich hatte noch einiges im Büro zu tun, und so meinte ich zu Jana: „Ich fahre ausnahmsweise selber direkt von hier nach M. – wir treffen uns dann dort.“ Und so fuhr ich dann auch gegen Viertel nach 5 los – und war viel zu früh da. Aber ich kalkuliere lieber großzügig, denn ich kenne mich und meinen Orientierungssinn. Den sogenannten, denn wenn ich auch einige erfreuliche Sinne habe, gehört der Orientierungssinn leider nicht dazu. Daher benutze ich ja auch auf ungewohnten Strecken immer mein Smartphone, mich zu leiten – und inzwischen habe ich diverse und ganz verschiedene Wege nach M. erkundet und war stets sehr erstaunt, aus welcher Richtung und über welch verschlungene Pfade ich am Zielpunkt eintraf. Viele Wege führen nach Rom – die Richtigkeit dieser Redensart kann ich nur bestätigen. Immerhin bin ich vor drei Wochen auf der Rückfahrt aufgrund des leeren Akkus meines Smartphones ganz eigenständig gefahren – und war sogar schneller zu Hause als mit dem Navi. Vielleicht bin ich orientierungsmäßig doch begabter, als ich dachte … 😉

Wie auch immer: Gestern war ich zu früh da, und das führte dazu, dass ich nun ein Paar neuer Ohrringe besitze, ein neues Armband und einen neuen Armreifen, denn irgendwie muss man sich doch die Zeit vertreiben, und da die VHS von M. in einem zu großen Teilen etwas deprimierenden Einkaufscenter beheimatet ist – in einer Mall -, flanierte ich dort ein bisschen und fand zielsicher eine Filiale von Pierreries Pierrette. Und was ich da im Schaufenster sah, fand ich einfach nur reizend … Und als ich wieder herauskam, hatte ich drei neue Teile an Modeschmuck – und wenn man die Ohrringe einzeln zählt, sogar vier! 😉

Bevor ich noch weiteren Talmi und Tinnef kaufen konnte – dieses Einkaufscenter bietet diesbezüglich viele Möglichkeiten -, begab ich mich lieber in den Außenbereich, wo ich zwei Zigaretten rauchte. Und dann war es auch schon Zeit für den NL-Kurs, doch als ich vor dem Kursraum eintraf, saß dort nur eine Kurskollegin, Jackie, die mich gleich nett begrüßte und meinte: „Außer uns ist noch niemand da. Habe ich beim letzten Mal viel verpasst?“ Ich lachte und meinte: „Gerade wollte ich dich das Gleiche fragen – ich war auch nicht da.“ – „O je. Ich tue mich ohnehin noch so schwer – dabei ist meine Mama Holländerin. Aber weil wir immer hier in Deutschland gewohnt haben, haben wir immer auf Deutsch miteinander gesprochen. Ich muss sicherlich viel aufholen, und erst neulich, als ich bei offenem Fenster Sprechübungen machte, rief ein Nachbar herüber, ob denn alles in Ordnung sei!“ Ich lachte mich fast schlapp. Jackie lachte auch und meinte: „Bei dir fragt sicher niemand, oder?“ Ich lachte noch mehr, denn ich musste daran denken, wie kürzlich meine Nachbarin gefragt hatte, was ich da eigentlich übte und ob ich übte oder nicht vielmehr Bauchschmerzen gehabt hätte … (Da hatte ich gerade einige Übungen hinsichtlich des heiklen ui-Lautes gemacht, und das leichtsinnig bei geöffneter Balkontür, und es klingt nun einmal so wie die Laute, die Seelöwen oder -hunde von sich geben, wenn sie das tun, was man bei diesen Tieren euphemistisch als „bellen“ bezeichnet. Es klingt im Grunde so, als übergebe sich gerade jemand. Und die Nachbarin sah mich so richtig zweifelnd an, als ich ihr sagte, dass ich gerade Niederländisch lernte. Genauer: Sie sah mich derart misstrauisch an, als hätte ich ihr erklärt, dass ich das nur lernte, um in NL ganz professionell Drogen käuflich erwerben zu können. Manche Leute verbinden mit den Niederlanden, vulgo: Holland, eben nur eines …)

Als ich Jackie das erzählte, lachte sie noch lauter als ich und war dann beruhigt. 😉

Kurz darauf kamen auch die anderen an, auch Jana, und schon ging es los. Inzwischen sind wir bei les drie angelangt, Lektion 3, und im Laufe der eineinhalb Stunden wurde mir klar, dass ich besser zuvor noch etwas Essbares zu mir genommen hätte, denn es ging um Essen und Trinken, ebenso darum, wie man in einem Lokal etwas bestelle. Wir lernten, dass ein großer Salat, ein Salat als Hauptgang, salade heiße, ein Beilagensalat hingegen slaatje, und den gab es gemäß Lehrbuch mit ganz verschiedenen Zutaten, sowohl mit tomaat oder tomaten (das N bitte nie artikulieren, sonst erkennt man euch gleich als Deutsche und könnte euch beim Drogenkauf infolgedessen über den Tisch ziehen … 😉 ), als auch wortels oder wortelen („Möhren“ bzw. „Wurzeln“) bzw. augurken (Gewürzgurken – Schlangengurken heißen schlicht komkommers, und wer Englisch und/oder Französisch sprechen kann, hat hier eindeutig Vorteile, da er zumindest cucumber und concombre kennt … 😉 ).

Wir lasen diverse Dialoge, in denen im Restaurant Bestellungen aufgegeben werden sollten – und immer war ich beim slaatje an der Reihe, das an mir klebte wie hondenpoep aan de schoen, wie (Hunde-)Scheiße am Schuh! Und het slaatje wurde stets abwandelnd angeboten, met wortels oder met rucola oder met garnalen, was sich mit diesem reizenden Ccchhhh im Anlaut spricht. Und als ich glaubte, über het slaatje erhaben zu sein, war ich erneut an der Reihe, als im Dialogverlauf jemand just dieses kalorienarme Gericht bestellte. Und als Krönung dann mit einer Zutat, die ich niemals in einen Salat, auch nicht in einen Beilagensalat, befördern würde: Denn dieses letzte slaatje um 19:42 h, das erneut bestellt werden musste, als ich mit Lesen (lezen) dran war, wurde met silveruitjes serviert! Ich bitte euch: Silberzwiebeln in einem Salat! Oder Salätchen! Die isst man doch so und dann gleich das ganze Glas leer! 😉 Mache ich zumindest so – die wären schon vernichtet, bevor sie auch nur ein Salatblatt erblickt hätten! 😉 Und wenn es sich um frische Perlzwiebeln handelte, würde ich im Handumdrehen Balsamicozwiebeln daraus kochen! 😉 Niemals kämen sie in einen salade und auch nicht in een slaatje. 😉

Im Verlauf dieser Stunde fing mein Magen empfindlich zu knurren an, und um das Ganze zu übertönen, fragte ich, wann denn nach der Sommerpause der A2-Kurs beginne. Thijs freute sich und meinte: „Immerhin eine Interessentin! Es ist immer etwas frustrierend mit die Kurse in het Nederlands. Die meiste komme und finde het Nederlands so süß! Und dann merke sie, dass das gar nicht so süß ist – und dann komme sie gar nicht mehr. Es freut mir, dass du fragst, wann die A2-Kurs anfängt!“ – „Ja, klar – ich möchte die Sprache wirklich lernen – und das ganz ernsthaft, obwohl ich sie auch irgendwie süß finde. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel!“ – „Nee – helemaal niet! Es freut mich, dass die Kurs dann stattfinde kann.“

Na, immerhin habe ich gestern jemandem eine Freude gemacht. 😉

Und gerade überlege ich mir, wie meine gruselige Datenschutzerklärung wohl auf Niederländisch klingen würde … Wahrscheinlich auch irgendwie knuffig. Würde besser zu meinem Blog passen als das, was da seit dem 25. Mai zu lesen ist und worin Dinge stehen, bei denen ich mich frage, ob ich sie überhaupt und wirklich nutze oder nicht aus Vorsicht lieber alles angab, um auf der sicheren Seite zu sein. Vielleicht sollte ich diesen juristischen Wust mal ins Niederländische übersetzen lassen – das läse sich sicherlich netter. 😉

Einen schönen Abend! 😊

Nachtrag: Und wenn man het slaatje nicht zur Gänze aufisst, stellt man es in de koelkast. Oder – so typisch niederländisch – in het koelkastje. In den Kühlschrank. Oder in den kleinen Kühlschrank. Und wenn ihr in einem niederländischen Hotel seid, das nicht alles auf Englisch gepolt hat, ist het koelkastje das, was anderswo als Minibar bezeichnet wird. Koelkastje hat aber viel mehr Charme. Finde ich zumindest. 😉

Die Schlinge zieht sich zu …

Heute hatte ich einen Tag frei – ein klassischer Brückentag. Das war auch günstig so, denn um 13:00 h fand meine allererste Physio statt, bestehend aus den Fraktionen Allgemeine Krankengymnastik und Traktionsbehandlung. Ich war erstaunlicherweise zu früh da, komme sonst eher auf dem letzten Drücker an, aber so konnten die Formalitäten noch bequem erledigt werden, was bedeutete, dass ich einen Anmeldebogen ausfüllte und unterschrieb sowie knapp 25,- € Rezeptgebühr und Eigenbeteiligung berappen musste.

Inzwischen sitze ich zu Hause und fühle mich so, wie man sich fühlt, wenn man bereits erahnen kann, dass am nächsten Tag der ohnehin eingeschränkte Bewegungsradius noch einmal zusätzlich limitiert sein könnte. 😉

Zunächst wurde ich in einen Raum mit einer Liege geschickt und sollte mein Oberteil ausziehen. Den BH durfte ich anbehalten, sah allerdings auch keinen Grund, ihn mir vom Leib zu reißen, denn es geht ja nur um die Schultern bzw. Halswirbelsäule. Daher erschien mir der Hinweis des Physiotherapeuten auf den anzubehaltenden BH zunächst redundant, doch dann dachte ich, dass er das sicherlich nicht grundlos gesagt hatte, nachdem möglicher- und unnötigerweise schon einige Patientinnen, die verunsichert zum ersten Mal dagewesen waren, blankgezogen hatten. 😉 Vielleicht ja sogar absichtlich, denn der Therapeut sah nicht schlecht aus. Ich schätzte ihn auf Ende 30, Anfang 40.

Also saß ich da in Jeans und einem Spitzen-BH mit floralem Muster und wartete. Da kam auch schon der Therapeut herbeigeeilt, in der Hand meine ärztliche Verordnung, und er meinte: „Frau B. – Herr Dr. L., den ich sehr schätze, hat sich etwas vage ausgedrückt, indem er von ‚mehreren Bereichen‘ schrieb. Welche Bereiche tun weh? Beschreiben Sie mir bitte die Schmerzphänomene.“ Und ich beschrieb die Phänomene, indem ich sagte: „Ich fühle mich, als hätte ich ein Ochsenjoch auf beiden Schultern, daran eine große Last. Es fing rechts an, hat inzwischen aber auch auf die linke Seite übergegriffen. Schmerzen, wie ich sie meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde, und nachts weiß ich nicht mehr, wie ich überhaupt liegen soll. Schlafen kann ich daher auch nicht gut.“ – „Hat sich in Ihrem Leben kürzlich etwas geändert? Sport? Oder sonst etwas? Denn manchmal liegen solche Dinge auch in Stress begründet – das darf nicht unterschätzt werden. Viele tun so etwas ab und so, als würde nur körperliche Anstrengung auf Bandscheiben, Muskeln, Knochen und Gelenke schlagen, aber dem ist nicht so.“ Wie sympathisch – der Mann sah die Thematik auch eher ganzheitlich. 😉 Ich beschrieb ihm meine Situation, die sich ja im letzten Dreivierteljahr massiv und gleich zweifach geändert habe, zumindest beruflich. Er wollte wissen, was ich arbeitete, ich grinste und erläuterte, dass ich im Büro arbeitete. „Also viel Umstellung und viel Neues in der letzten Zeit, Einarbeitung und Stress, und das zweifach.“ – „Ich kann über die Abwesenheit der genannten Faktoren nicht klagen.“

Und schon stellte sich der Therapeut hinter mich, hieß mich die Schultern straffen und den Kopf heben. Im nächsten Moment schnellte ich beinahe wie eine Rakete senkrecht hoch, dabei hatte er rechtsseitig nur einen ganz bestimmten Punkt an meiner Schulter gedrückt, und das gar nicht einmal fest … Ich gestehe, ich hätte ihm am liebsten eine geknallt! 😉

„Ah, ich sehe schon, Frau B.,“, meinte er, „und ich bin froh, dass Sie mir nicht gleich eine geknallt haben, so, wie Sie darauf reagierten. Ich hätte es Ihnen nicht einmal verdenken können. Da scheint ja einiges im Argen zu sein.“ – „Aber nein! Wie kommen Sie denn darauf, dass ich Ihnen am liebsten eine geknallt hätte?“ – „Berufserfahrung.“ – „Aber nein. Aus zweierlei Gründen wäre das nie passiert: a) können Sie ja nichts dafür, b) standen Sie hinter mir – und soweit kann ich mich derzeit so schnell gar nicht drehen, ohne mich selber massiv zu verletzen!“ Herr M. lachte sich scheckig und meinte: „Sehr schön! Das gefällt mir! Eine Patientin mit Selbstironie – das sind immer die Besten. Die jammern nicht.“ – „Wieso auch? Sie tun ja nur Dinge, die auf lange Sicht helfen sollen.“ – „Hoffentlich auch auf mittlere Sicht, Frau B. – ich sehe Sie hier allerdings öfter als die sechs Male, die auf Ihrer Verordnung stehen. Aber in den 18 Sitzungen, die die KV in manchen Fällen genehmigt, kriegen wir Sie schon wieder flott.“ – „O Gott – so schlimm ist es?“ – „Nein, Sie sind keine Ausnahme! Das geht ganz vielen Leuten so. Keine Sorge.“

Und schon begann die Behandlung: „Haben Sie ein Handtuch dabei, Frau B.?“ Hatte ich. Wie gut, dass ich zuvor noch einmal gegoogelt hatte … 😉 Und ich breitete das Handtuch über die Liege und legte mich darauf. Meine Füße wurden hochgelagert, dann sollte ich mein Haupt anheben, und der Therapeut, der hinter dem Kopfende der Liege saß, schob seine Hände darunter. Und schon wurde meine HWS nebst Schultern in Nähe des Kopfes behandelt. Doof war, dass ich meinen Kopf nicht ablegen konnte, trotzdem „ganz entspannt“ liegen sollte. Hätte ich ganz entspannt gelegen, hätte der Therapeut seine Hände nur mehr erschwert bewegen können, weil das Gewicht meines Kopfes darauf gelagert hätte … 😉

Immerhin war es ansonsten ähnlich wie beim Friseur, und der Therapeut war recht gesprächig. Aber auf nette Weise, denn offenbar ist er Sarkastiker. Gute Wahl. Er erzählte von seinen Kindern, von seiner „Großen“ und den beiden „Kleinen“, und ich fragte, wie alt die „Große“ denn sei. Ich rechnete mit 12, 13 Jahren, aber Herr M. meinte: „20 ist sie gerade.“ – „Nein!“ – „Doch. Frau B. – ich bin derselbe Jahrgang wie Sie.“ – „Was?“ rief ich – zwar nicht das, was meine Eltern mir beigebracht haben, die immer darauf hinwiesen, dass es: „Bitte?“ heiße, aber wir sind hier im Pott, und da darf man auch: „Was?“ rufen, finde ich. Oder: „Wat?“ 😊 Herr M. lachte und meinte: „Ja, und ich kann das Kompliment auch erwidern. Wir sind derselbe Jahrgang, wie ich Ihrem Anmeldeformular entnahm. Sie und ich haben uns sehr, sehr gut gehalten.“ – „Bis auf meine Bandscheiben.“ – „Das haben wir auch bald wieder im Griff, und Sie springen umher wie ein junges Reh. Sind Sie ja im Grunde auch, wenn im Moment auch physisch nicht ganz so, aber im Kopp und von außen betrachtet.“ Mein Tag war gerettet. 😉

Nach dieser Erstbehandlung wurde ich in einen anderen Behandlungsraum und auf eine andere Liege gebeten, hinter deren Kopfende ein elektrisches medizinisches Gerät stand, das ein wenig an das Gerät erinnerte, das mein Zahnarzt verwendet, um im Rahmen einer Wurzelbehandlung die individuelle Tiefe bzw. Länge der zu behandelnden Wurzeln zu ermitteln. Ich beschloss, einfach nur den Anordnungen meines „Schleifers“ zu folgen und mir keinerlei Gedanken um Sinn und Zweck dieses Elektrogerätes zu machen. Und schon legte ich mich auf die Liege, die Füße wurden hochgelagert. Und der Therapeut legte eine Schlinge zwar nicht um meinen Hals, aber um meinen Kopf und um mein Kinn herum und fixierte sie. (Ich erinnerte mich an die hunderte von Malen, da ich früher, als ich noch ritt, diversen Pferden eine Trense angelegt hatte – immerhin hatte ich nun erstmalig einen Eindruck davon, wie sich das in etwa so anfühlt, obwohl man mir nicht einmal ein metallenes Gebiss zwischen die Zähne klemmte … 😉 )

„Keine Angst, Frau B. – es kostet Sie nicht den Kopf,“, sagte der Therapeut, und ich meinte: „Zum Glück bin ich nicht ängstlich.“ – „Das ist gut. Es zieht jetzt gleich ein bisschen bzw. wird gleich ein bisschen an Ihnen gezogen. Wenn Sie es nicht aushalten sollten, rufen Sie. Ansonsten drücken Sie auf diesen Knopf hier.“ Und er drückte mir eine Alarmknopfvorrichtung in die Hand. Ich bin das ja schon gewohnt – kenne ich ja aus dem MRT … 😉

Das Gerät hinter mir fing zu summen und zu brummen an (das macht das Gerät beim Zahnarzt nicht – das gibt nur eine interessante Melodei von sich, wenn es die ultimative Zahnwurzelspitze erreicht hat, während sich der Patient/die Patientin in kaltem Schweiß ganz woandershin wünscht), und recht schnell merkte ich, wie es arbeitet, denn die Schlinge um mein liebliches Antlitz und den Kopf zog sich in intermittierender Weise mehr und mehr fest und zu und schien meinen Kopf aus den Angeln heben zu wollen. Bzw. schien es meinen Hals etwas verlängern zu wollen. Es war nicht schlimm, aber auch nicht ganz schmerzfrei, und die ganze Zeit wartete ich auf das befreiende Knacken, das sich stets äußert, wenn eine Verspannung sich löst. Es knirschte und krachte zwar durchaus im „Gebälk“, aber das befreiende Knacken blieb aus …

Zehn Minuten musste ich in dieser Schlinge ausharren, dann wurde ich „abgetrenst“. Ich muss gestehen, dass ich darüber nicht ganz unfroh war, denn wenn ich auch ein bisschen größer und meine Beschwerden los sein wollte, so doch nicht über Gebühr – und wer will schon einen Schwanenhals? 😉 Und nun stehen mir noch 5 bzw. 17 weitere Traktionsbehandlungen bevor. Wenn es so weitergeht, werde ich die 1,70-m-Marke nicht nur erreichen, sondern sprengen. Ich sollte vielleicht aber meinen Therapeuten in diesem Falle noch darauf hinweisen, dass er auch meine Beine ein wenig strecken möge … 😉

Man entließ mich mit zwei Übungen, die ich dreimal am Tag machen solle. „Geht auch prima im Büro, Frau B.!“ hatte Herr M. mir noch gesagt und hinzugefügt: „Aber immer schön morgens, mittags und abends, egal, was passiert.“ (Vor meinem geistigen Auge sah ich, wie ich mitten in einer Beratung aufspringen und rufen würde: „Behalten Sie, was Sie fragen wollten! Ich muss gerade mal meine Physio-Übungen machen!“)

Und als ich die Praxis verließ, hielt ich meinen Kopp schon viel höher. Bis mir nach etwa 50 Metern etwas schwummrig wurde. Offenbar zu schnell gestreckt …

Nach einem kleinen Zwischenstopp am Finanzamt und nach dem Einkaufen langte ich zu Hause an. Vor dem Nachbarhaus stand Frau Sieling mit der kleinen Bella, einem schwarzen Kleinspitz. Da sie beide mich nicht sahen, als ich näherkam, da sie gerade in einer Gehorsamsübung befindlich waren, meinte ich gedämpft: „Nicht erschrecken.“

Frau Sieling drehte sich um, lachte, und wir begrüßten einander. Sie meinte: „Gut, dass ich Sie treffe, Frau B.! Ich hätte aber auch ohne das mit Ihnen Kontakt aufgenommen. Sind Sie noch immer an einem Stellplatz für Ihr Auto interessiert? Ich gebe meinen nämlich auf, und da habe ich sofort an Sie gedacht!“ – „Wirklich? Ja, klar – das wäre toll! Wie teuer ist der Stellplatz denn?“ – „20 Euro pro Monat habe ich bezahlt.“ – „Nehme ich sofort, auch für 30. Ab wann wäre das? Und geben Sie Ihr Auto denn ganz auf?“ – „Ja, ich schenke mein Auto meiner Enkelin zu ihrem Geburtstag, wenn sie bis dahin ihren Führerschein hat. Aber zum vierten August wird der Platz voraussichtlich frei.“ – „Zum vierten August? Das wäre ja ein echtes Geburtstagsgeschenk!“ – „Ja, ist es auch – woher wissen Sie das?“ – „Woher weiß ich was?“ – „Meine Enkelin hat am vierten August Geburtstag!“ – „Echt? Das ist sehr sympathisch – ich auch.“ – „Ach! Das ist ja nett! Das freut mich, Frau B. – dann wäre das ja in der Tat ein doppeltes Geschenk. Ich muss halt nur noch mit Frau G. sprechen, der der Platz gehört. Ich denke aber, dass es kein Problem sein wird – sie hat kein Auto.“

Das war doch mal eine nette Wendung dieses schmerzhaften Streck- und Foltertages – ich hoffe, Frau G. mag mir den Stellplatz auch überlassen und schafft sich zwischenzeitlich nicht noch ein Auto an! 😊 Ich fand es auf alle Fälle nett, dass Frau Sieling direkt an mich dachte. Klar, sie will die Last auch schnellstmöglich loswerden, aber es gibt hinreichend Menschen hier, die einen Stellplatz haben wollen. 😉

Und nun bin ich gespannt, ob ich mich morgen zumindest einigermaßen normal bewegen kann. Im Moment bestehen einige Zweifel …

Es geht doch nichts über charmante Männer …

Vorgestern war mal wieder einer jener Tage, an denen man sich denkt: „Warum bin ich nicht einfach im Bett geblieben! Ach, ja – da war doch was …“

Ja, genau. „Was“ nennt sich sozialversicherungspflichtige Werktätigkeit, und da ich nunmehr auf einer Stelle sitze, die mir – wenn ich mir ihr Spektrum irgendwann komplett angeeignet habe – sehr gefällt, zumal ich mit vielen Menschen arbeite, quasi als Dienstleisterin, fahre ich durchaus gern zur Arbeit, denn es handelt sich um eine Aufgabe, die mir wirklich Freude macht.

Bei der Arbeit war es prima, wenn auch ziemlich warm, und nur meine blöden Schultern trübten das Gesamterlebnis, denn die tun nach wie vor spätestens nach vier Stunden so weh, dass ich mich stets frage, ob es nicht irgendwo Ersatzteile gebe – zur Not auf dem Schwarzmarkt. 😉 Doch zum Glück beginnt am kommenden Freitag meine Krankengymnastik inklusive Traktionsbehandlung. Da das vom lateinischen Verb trahere kommt, was soviel wie ziehen bedeutet, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht doch noch die 1,70-m-Marke vom Scheitel bis zur Sohle zu erreichen … 😉 Hoffentlich zieht man recht tüchtig an mir. 😉

Als mir mein Orthopäde sagte, dass „Streckübungen“ gemacht werden würden, rief ich freudestrahlend: „Super! Seit ich dieses akute Schulterproblem habe, habe ich meine Kollegin schon mehrfach gefragt, ob sie nicht zufällig eine Streckbank zur Hand habe oder mal an mir ziehen könne. Offenbar merkt man doch selber, woran es fehlt.“ – „Ja, das stimmt – aber so schlimm wie mit einer Streckbank wird es sicherlich nicht, keine Sorge!“ – „Ich mache mir keine Sorgen – ich möchte einfach diese Scheißschmerzen loswerden – ich warte nun seit geraumer Zeit auf das erlösende Knacken, das die Verspannung löst. Aber da kommt nichts!“ Daraufhin meinte er: „Verständlich. Wir sollten uns allerdings auch noch einmal Ihre Rotatorenmanschetten genau ansehen – die Röntgenbilder legen nahe, dass Sie ggf. unter einem Impingement-Syndrom leiden oder ein solches erleiden könnten.“ – „Sie haben freie Hand – Hauptsache, diese Schmerzen gehen weg, denn die machen mich bald wahnsinnig!“ – „Sie gehen jetzt erst einmal zur Physio, und dann sehen wir weiter, ob das ohne OP zu händeln ist.“ – „Wie – OP?“ – „Ja, möglicherweise, aber wir bzw. Sie fangen jetzt erst einmal mit der Physio an. Gibt es in Ihrer Familie jemand mit dem Impingement-Syndrom?“ Ich holte tief Luft und sagte: „Danke, Papa …“ – „Ah, alles klar. Liegt wohl bei Ihnen in der Familie.“  Ja, fand ich auch total rührend … 😉

Meine Stimmung bei der Arbeit verschlechterte sich in dem Maße, wie meine Schultern ihre Sperenzchen steigerten. Trotzdem blieb ich nach außen fröhlich, und nachdem ich alles, was ich hatte erledigen wollen, erledigt hatte, schnappte ich meine Sachen, eilte gen Mitarbeiterparkplatz und stieg in den Backofen, den ich gemeinhin als Auto bezeichne. Verbrannte mir die sensiblen Fingerchen („Frau B., haben Sie auch schon Taubheitsgefühle in den Fingern, die durch Ihre angegriffenen Bandscheiben und mutmaßliches Impingement-Problem ausgelöst sein könnten?“ Danke, Herr Dr. L., dass Sie mir noch weitere unschöne Symptome nannten, von denen ich bis dato nichts ahnte … 😉 ), zuerst am Lenkrad, dann am Schalthebel. Wie gesagt: Backofen …

Einkaufen musste ich auch noch, und so fuhr ich zu einem Discounter in der Nähe. Ich brauchte unter anderem Mineralwasser (natürlich das mit Kohlensäure und nicht etwa medium). Warum – so fragte ich mich – lagert man bei diesem Discounter die 1,5-Liter-Flaschen des sprudelnden Mineralwassers im obersten Regal? Nicht nur, dass meine Bandscheiben, Rotatorenmanschetten und damit Arme einmal mehr Arien sangen, nein. Zu allem Überfluss stürzte auch noch eine 0,5-Liter-PET-Flasche mit Malzbier unerwartet auf meinen linken Fuß. Von ganz oben. Die hatte wohl dort gelegen, wo ich sie mit meinen – noch! – 1,65 m nicht hatte sehen können, nachdem ein Kunde, der zu faul gewesen war, sie dorthin zurückzustellen, wo all die anderen PET-Malzbierflaschen standen, klammheimlich neben die großen Mineralwasserflaschen gelegt hatte. Merkt ja keiner. Nicht wahr? 😉

Als die Flasche auf meinen linken Mittel- und Vorderfuß prallte, um dann davon zu reflektieren – der Einfallwinkel entspricht dem Ausfallwinkel – und danach gewissermaßen mit Effet auf die Zehen zu knallen, erlebte ich einmal mehr einen jener Momente, in denen man erfährt, dass simultanes Lachen und Weinen durchaus möglich ist. Inklusive Fluchen, denn das tat ich, und das nicht nur innerlich. Es tat aber auch wirklich heftig weh, und heute musste ich entdecken, dass sich einer meiner Zehennägel blau verfärbt hat. Ich warte also nun darauf, dass er schwarz wird – es führt kein Weg daran vorbei. Immerhin spare ich so den Nagellack. 😉

Nicht allerbester Stimmung fuhr ich nach Hause, die Kupplung mit größerer Vorsicht händelnd – oder heißt das in diesem Falle füßelnd? –, denn mein linker Fuß schmerzte aufs Possierlichste, ergatterte den vorletzten freien Parkplatz, parkte ein, stieg aus dem Auto und schlug die Fahrertür zu. Dann streckte ich mich erst einmal, um im nächsten Moment vor Schreck gefühlt einen Meter hochzuspringen! Denn ich war unerwartet angesprochen worden, nachdem ich mich ganz allein gewähnt hatte.

Und ich drehte mich um. Erneut erfolgte die unerwartete Ansprache: „Miau!“ Da stand eine Katze, wie aus dem Boden gewachsen!

Sofort waren alle Misshelligkeiten vergessen. 😊 Und ich ging in die Knie und säuselte mit leicht erhobener Stimme: „Was bist du denn für eine süße Kitty?“ Die „Kitty“ kam näher, sehr nah und dengelte ihren Kopp gegen meinen linken Arm. Wäre ich mit Katzen nicht vertraut, hätte ich es fast für eine gewaltsame Aktion gehalten, denn es geschah recht kraftvoll. 😉 Dabei schnurrte das Tier so laut, dass es fast ein vorüberfahrendes Auto hinter uns übertönte. Und es umkreiste mich, dass es enger kaum ging, schnurrte so sehr, dass es wie ein Nähmaschinenmotor klang und knallte alle paar Zentimeter seinen Kopp gegen mich. 😊

Als es rechts an mir vorbeistrich, sagte ich: „Oh! Ich sehe gerade, du bist gar keine ‚Kitty‘! Du bist ja ein ‚Tom‘! [Von tomcat, dem englischen Wort für Kater. 😉]“ Das Schnurren wurde daraufhin noch intensiver, und mit besonderer Verve knallte das Tier seinen Kopf gegen meinen rechten Unterarm.

Knapp zehn Minuten verharrte ich so in Hockstellung, umkreist von dem freundlichen Tier. Es mag bescheuert wirken, dass ich da so lange ausharrte, aber ich liebe Tiere sehr, und es ist für mich immer ein Kompliment, wenn sie zeigen, dass sie mich offenbar als vertrauenswürdig und sympathisch einstufen. (Mein Ex Giacomo meinte vor einiger Zeit mal: „Mit Ali spazieren zu gehen, ist bisweilen eine echte Herausforderung. Garantiert kommt auf dem Spaziergang von irgendwo eine Katze her. Oder ein Hund. Und dann hängt man erst einmal eine Weile fest, weil die Tiere sie so begeistert begrüßen, dass sie immer meint: ‚Wie könnte ich jetzt weggehen?‘ Wildfremde Katzen kommen auf sie zugelaufen, und sobald sie in die Knie geht, klettern sie ihr auf den Arm! Und dann wird man die Tiere nicht mehr los! Ich habe mehrere Katzen wie Hunde neben ihr herlaufen sehen, als hätte sie den Befehl Bei Fuß! gegeben. Und vor Pferden ist man auch nicht sicher!“)

Der freundliche Kater hat mich dann vom Auto – als hätte ich: „(Bei) Fuß!“ gesagt – noch bis zu meiner Haustür begleitet, ununterbrochen schnurrend. Als ich meinen Haustürschlüssel in die Hand nahm, haute er mir seinen Kopf gegen das Schienbein, sprang noch kurz an meinem Bein hoch, ließ sich knuddeln und ging dann seiner Wege. Ich war gerührt – offenbar hatte das Tier gemerkt, dass ich einen nicht ganz so tollen Tag gehabt hatte. Und als ich mich umdrehte, nachdem ich die Tür aufgeschlossen hatte, sah ich, wie er auf eine Dreiergruppe Menschen auf der anderen Straßenseite zuschritt. Dazu gehörte ein Kind, das gleich begeistert rief: „Oh! Eine Katze!“ Sogleich beschleunigte sich der Schritt des kleinen „Tom“, und ich sah, wie er zu dem kleinen Mädchen rannte, das bereits in die Knie gegangen war. 😊

Ich liebe Tiere wirklich sehr. Bis auf Insekten und Spinnen. Denen will ich zwar auch nichts, aber ich wünschte, sie würden instinktiv begreifen, dass ich ein Problem mit ihnen habe, das ich selber nicht erklären kann. Es muss irgendein urzeitliches Problem sein, wie ich heute meiner Mutter erklärte, als ich zum Rasenmähen zu meinen Eltern gefahren war, wir auf der Terrasse Kaffee tranken und ich mittendrin laut und reflexmäßig schrie und aufsprang. Eine riesige schwarze Libelle hatte mich angesteuert … 😉 Das geht ja gar nicht! 😉

Libellen und anderen Insekten fehlt einfach dieser Kuschelfaktor, und sie tauchen – anders als der charmante Kater – grundsätzlich in den ganz falschen Momenten auf. 😉

Euch ein schönes Wochenende!

Manche Dinge scheinen ganz plötzlich zu geschehen … Oder: Ali hektisch

In der Tat scheinen manche Dinge, obwohl sie regelmäßig erscheinen oder länger zuvor angekündigt waren und damit quasi wie ein Damoklesschwert über den künftig Betroffenen schwebten, ganz plötzlich auf den Plan zu treten. Bestes Beispiel: die Bahn. Völlig überraschend für das Unternehmen gibt es 4 (in Worten: vier) Jahreszeiten! Mit mindestens dreien hat die Bahn bisweilen ganz große Probleme: dem Sommer, dem Herbst und dem Winter. Im Sommer funktioniert das, was im Winter bisweilen nicht funktioniert – die Heizung in den Bahnen –, unter Umständen hervorragend. Ich selber habe bis dato zwei Fahrten dieser Art mitgemacht, und natürlich geschahen diese im Fernverkehr, als ich von Bayern nach NRW unterwegs war – stundenlang … Wie sehr habe ich die alten Züge vermisst, in denen man noch Fenster hatte, die man öffnen konnte! Dafür funktioniert die Klimaanlage im Sommer dann eben nicht – nur eines scheint zu gehen. Das muss man einsehen. 😉 Und im Herbst fallen Blätter, auch auf die Gleise, und dann, da das immer wieder völlig unerwartet geschieht, auch die eine wie die andere Bahn aus.

Jedoch gibt es auch Dinge, die explizit lange zuvor angekündigt wurden – ganz anders als die Jahr für Jahr völlig überraschend auftretenden Jahreszeiten -, und trotzdem wird man doch aufs Unangenehmste davon eingeholt.

Zumindest geht es mir derzeit so, denn ich muss mein Blog hier um jeden Preis irgendwie datenschutztechnisch korrekt (mit mindestens drei R und hübsch preußisch artikuliert) gestalten, da ja ab übermorgen diese wunderbare DSGVO ihren Einfluss geltend macht. Da ich bis vor wenigen Tagen ziemlichen Stress hatte – und das seit etwa einem Dreivierteljahr -, kam ich eher nicht dazu. Oder so. Denn wenn ich Zeit gehabt hätte, war ich so unvorsichtig, lieber zu entspannen, statt mich der Aufrüstung meines Blogs zu widmen. Selber schuld, nicht wahr? Aber immerhin bin ich gut im Improvisieren und in schnellen, hektischen, letzten Endes aber befriedigenden, Lösungen …

Mein erster Impuls vor zwei Wochen: „Alles klar, ich lösche mein Blog lieber!“ Dann dachte ich: „Geht’s noch? Auf keinen Fall! Ich habe ja noch zwei Wochen …“ Wie schnell zwei Wochen vergehen können, muss ich in derlei Fällen immer wieder genauso überrascht feststellen, wie die Bahnbetriebe jedes Jahr von neuem erstaunt über die Existenz ganz verschiedener Jahreszeiten und damit einhergehenden ganz typischen Witterungsverhältnissen zu sein scheinen. Ich bin mir sehr sicher, dass sehr nahe Verwandte meiner Wenigkeit nun den Vergleich mit der Grille ziehen würden, die im Sommer sang … (Und dies ausschließlich tat.) Oder mit einem meiner Lieblingskinderbücher: „Frederick“, dem kleinen Mäuserich, der, anders als seine Mäusekollegen, keineswegs Getreidevorräte für den Winter anlegte, sondern – aus Sicht der Mäusekollegen – in den Tag hineinlebte (was ich nicht einmal tue). Sie schimpften mit ihm und verstanden nicht, wie man so sorglos sein könne, und sie schalten ihn einen Spinner. 😉 Aber dann kam der Winter, und die Mäuschen, die Frederick trotz seiner vermeintlichen Faulheit an ihren Essensvorräten teilhaben ließen, froren und langweilten sich gar furchtbar in ihrem Bau, als die Vorräte zur Neige gingen. Und da trat der kleine Frederick auf den Plan, der im Sommer keineswegs gefaulenzt, sondern Wörter, Sonnenstrahlen und Farben gesammelt hatte, an denen er nun im Gegenzug die frierenden und sich langweilenden Mäusekollegen teilhaben ließ, die daraufhin gar nicht mehr froren. Und von Langeweile war auch nicht mehr die Rede, zumal Frederick zum Schluss noch ein persönliches Gedicht vortrug. Daraufhin riefen die Mäuschen: „Frederick, du bist ja ein Dichter!“ Und Frederick verneigte sich verlegen und meinte: „Ich weiß es, ihr lieben Mäusegesichter.“ Das ist doch süß, nicht wahr?

Meine Mutter fand dieses Kinderbuch auch immer ganz reizend. Angesichts meiner derzeitigen Situation jedoch denke ich, sie hätte es mir besser nicht so oft vorgelesen, als ich noch klein war. 😉 Irgendwie muss sich das in meinem Hinterkopf festgesetzt haben, und nun arbeite ich im Akkord an der Umsetzung dieser wunderschönen Verordnung in Bezug auf diese Seite hier. Und ich kann euch nicht einmal ein persönliches Gedicht präsentieren, wiewohl ich über Farben sicherlich eine Menge erzählen könnte. 😉

Und auch darüber, wie ich den morgigen Abend verbringen werde. Wahrscheinlich auch die Nacht … 😉

Wenn es so weitergeht, werden wir bald eingebürgert …

Derzeit habe ich ein paar Tage Urlaub, was ich noch immer nicht ganz fassen kann. Mein letzter richtiger Urlaub war vor einem Jahr – exakt heute vor einem Jahr saß ich vormittags im Flieger von Düsseldorf nach Glasgow … Darüber hinaus hatte ich zwar mal einzelne Tage Urlaub, aber weniger zur Erholung, mehr, um Termine wahrnehmen zu können, die mit Erholung wenig zu tun hatten. Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich auch ein paar Tage frei, aber da musste die Klausur für die Nebentätigkeit erstellt werden. Wie auch immer: Mein letzter erholsamer Urlaub begab sich vor exakt einem Jahr – und sogar der fing wenig erholsam an. 😉

Heute früh erwachte ich und erschrak nach einem Blick auf die Uhr: O Gott – viel zu spät dran! Und schon wollte ich aus dem Bett hechten, als die Erkenntnis, dass ich ja Urlaub habe, sich allmählich in meinem Brägen manifestierte. Mit einem erleichterten Seufzer sank ich wieder zurück in die Kissen und auf meine ramponierten Schultern (mein Orthopäde hat vorgestern einen Bandscheibenschaden in der HWS diagnostiziert und mir Physiotherapie verschrieben …) – wie herrlich, im Bett liegenbleiben zu können, während andere bereits der Fron nachkommen müssen. 😉

Und ich schlief noch eine Runde, soweit es die schmerzenden Schultern zuließen, denn aufgrund der Bandscheibenproblematik walte – so der Orthopäde – dort eine Entzündung ihres Amtes. Nachdem er es gesagt hatte, habe ich auch akzeptiert, dass ich mir diese Schmerzen beileibe nicht – wie zuvor geglaubt – eingebildet hatte. Nach dem vorgestrigen Ersthelfertraining war es besonders schlimm gewesen, aber zum Glück war danach der Termin beim Arzt, der mir zwei Spritzen gab, nachdem er mich geröntgt und mir ein Rezept für die Physio ausgestellt hatte. Und nachdem er, hinter mir stehend, meinen Kopf erst nach rechts, dann nach links gedreht und zu seiner Helferin gesagt hatte: „Rechts 80. Links 80.“ Da er nichts erklärte, meinte ich frotzelnd: „Wenn Sie den Kopf einseitig mit Schwung bis 100 oder darüber hinaus drehen, habe ich danach sicherlich gar keine Probleme mehr.“ Der Arzt lachte und strich mir über die Schultern: „Ich mag Ihren Humor, Frau B.!“ Es machte mich nicht gerade froh, dass er zum Abschied zu mir sagte: „Wir sehen uns in der nächsten Zeit öfter, Frau B.!“

Den weiteren heutigen Tag vertrieb ich mir eher gemächlich, und am frühen Nachmittag ließ ich mir ein schönes, warmes Bad ein – das würde sicherlich auch meinen Schultern guttun. 😊 Ich nahm ein Buch mit, als ich mich in die Eckbadewanne begab. Ich hatte viel Zeit – erst um Viertel vor 6 sollte ich bei Jana sein, denn heute stand ja unser Niederländisch-Kurs wieder an, und wir fahren meist zusammen.

Gegen kurz vor 5 wurde ich wach. In der Badewanne – ich war vor lauter Entspannung eingeschlafen! Mein Buch hat es leider nicht überlebt … Aber zum Glück war es ein Paperback.

Ich schickte Jana eine WhatsApp-Nachricht: Ich würde aufgrund der Umstände, die ich ihr beschrieb und wofür ich mehrere Tränen lachende Emojis erntete, von hier aus direkt mit meinem Auto nach M. fahren. Das tat ich auch, mit Hilfe meines Smartphones, denn ich bin orientierungsmäßig bekanntermaßen komplett unbeleckt.

Ich kam sogar noch vor Jana im Parkhaus an. Als ich gerade zurücksetzte, um einen der Frauenparkplätze zu ergattern (ja, lacht nur, aber dieses Parkhaus ist wirklich spooky!), an denen ich vorbeigefahren war, sah ich gerade noch, wie ein silbergrauer Volvo exakt auf den Platz fuhr, den ich einnehmen wollte! 😉 Ich sah das Nummernschild – Jana! 😉 Und so fuhr ich auf den nächstgelegenen Männerparkplatz, in einer dunkleren Ecke gelegen. Ppphhhh! Ich stieg aus, und da sah ich, dass Jana schon im Weggehen begriffen war. Sie hatte offenbar gar nicht gesehen, wem sie da zuvorgekommen war, und so rief ich ihren Namen. Sie drehte sich um und rief: „Hey! Cool! Wir kommen gleichzeitig an!“ Und schon machten wir uns auf zum Kurs. Jana meinte: „Du musst kurz vor mir angekommen sein – ich habe dich gar nicht gesehen!“ – „Ich war die, die vor dir zurücksetzte, um den Frauenparkplatz noch zu bekommen.“ – „Oh! Du warst das? Sorry, das tut mir leid – ich war so froh, den Platz zu bekommen, denn das Parkhaus ist echt etwas gruselig.“ – „Ich war ja auch schon vorbeigefahren und schon ein Stück entfernt.“ – „Ja, ich hatte zwar gesehen, dass da jemand zurücksetzte, aber du warst in der Tat ein Stück entfernt. Tut mir leid.“ – „Unsinn. Alles in Ordnung.“ Und schon eilten wir gen NL-Kurs.

Als wir den Kursraum betraten, saßen nur zwei Teilnehmerinnen da. Und natürlich Thijs, der sich freute, dass doch noch zwei Leute kamen. Und da heute alles so leger war, sprachen wir über niederländische Bräuche. Wusstet ihr, dass man, wenn man bei Niederländern zum Kaffee ist, exakt nur einen Keks oder exakt ein Stück Kuchen bekommt? Sabrina, die eine der beiden zuvor Anwesenden, sprach mich gleich an: „Ali, du kennst das sicher auch, oder?“ – „Äh, eigentlich ist mir das nicht so bewusst. Obwohl … Moment! Ich glaube, ich habe das schon einmal gelesen – es gibt wirklich nur einen Keks oder ein Stück Kuchen. Ich kann das aber nicht beurteilen, da ich in den Niederlanden selten Kuchen gegessen habe, weil ich nicht so der ‚süße Typ‘ bin.“ (Kekse hatte ich schon gegessen, meist tatsächlich singulär. Auch solche, da mehr als einer unvorbereitet ohnehin weniger ratsam sein könnte. Aber das ist schon länger her … 😉 )

Kurz darauf traf dann noch Birte ein, und der Unterricht ging los. Wir haben heute weniger gelernt als sonst – Thijs schien weniger gesammelt als sonst, was mir schon zu Anfang aufgefallen war, lange bevor er sagte, er habe gestern Nacht schlecht geschlafen. Kenne ich noch aus meiner eigenen Dozententätigkeit. Man wirkt dann etwas fahrig und lässt sich leichter dazu hinreißen, Anekdoten zu erzählen (über Kekse und Kuchen, zum Beispiel 😉 ).

Immerhin lernten wir heute einiges über Personalpronomina, was wir noch nicht wussten. Dann einige Hörverständnisübungen und nette Dialoge. Ebenso einige landeskundliche Aspekte. Sabrina wollte wissen, was der Unterschied zwischen Holland und den Niederlanden sei. Thijs blickte in die Runde und meinte: „Kennt jemand den Unterschied?“ Ich grinste leider ein wenig und war prompt dran. Zum Glück kannte ich den Unterschied, und zum Dank durfte ich dann die ganzen zwölf Provinzen aufzählen, aus denen die Niederlande bestehen. Nach einigem Nachdenken fielen sie mir auch alle ein – die hatte ich alle vor Jahren im ersten NL-Kurs auswendiglernen müssen. So etwas prägt, und dann vergisst man nie wieder Flevoland oder Drenthe. Ganz zu schweigen von Noord-Brabant oder Overijssel. 😉

Ich lernte heute, dass die meisten Niederländer nicht wirklich böse würden, bezeichnete man sie als Holländer. Das kannte ich noch anders, und ich erwähnte, dass einer meiner Bekannten sich noch vor einigen Jahren dagegen verwahrt hätte, als Holländer bezeichnet zu werden. Thijs grinste und meinte: „Ja, das mögen Limburger nicht so gern.“ (Ich stellte fest, dass ich offenbar seit meinem ersten Auftreten und der Bekenntnis, diverse Jahre in direkter Nähe zu Limburg gelebt zu haben, als limburglastig gelte … 😉 ) Aber ich meinte: „Nee! Der kam gar nicht aus der Provinz Limburg – der kam aus Gelderland!“ – „Oh, das ist eher selten.“ – „Ja, aber er reagierte ziemlich angepieselt, wenn er mal wieder als Holländer bezeichnet wurde und hob stets hervor, er sei Niederländer.“ – „Ist ja eigentlich so auch korrekt.“ – „Ja, und dieser Niederländer war stets sehr, sehr korrekt! Wehe, jemand sprach das ui falsch aus!“ Thijs lachte und meinte, derlei Verhalten kenne er eigentlich nur von Limburgern. Ich warf ein, der Gelderlandse jong habe zum damaligen Zeitpunkt immerhin auch schon länger an der südniederländischen Grenze, ergo im Limburger Einzugsbereich, gelebt, woraufhin Thijs noch mehr lachte und meinte, das färbe sicherlich ab. Die Limburger würden ja auch frieten und frietjes zu dem sagen, was im großen Restbereich der Niederlande als patat bezeichnet werde und hierzulande als Pommes oder Fritten bekannt sei.

Als wir dann mehrere Dialoge lesen mussten, meinte Thijs zu mir: „Eigentlich gehörst du in den A2-Kurs. Jana auch.“ – „Um Himmels willen – mir fehlen die notwendigen Kenntnisse in der Grammatik. Ich hoffe, ich darf hierbleiben!“ Und Jana meinte: „Das gilt auch für mich! Ali und ich sind einfach niederländischverrückt, und sie hat auch noch Jahre an der Grenze gelebt – aber uns beiden fehlt das Grammatikfundament. Dürfen wir bleiben?“ Thijs lachte einmal mehr und meinte: „Ja, klar – das ist doch ohnehin selbstverständlich. Ich wollte euch eigentlich nur ein Kompliment machen.“

Wenn es so weitergeht, werden Jana und ich demnächst in den Niederlanden – vielleicht auch in Holland – eingebürgert. 😉

„Du spielst … was?“ – Eine Theorie zum Thema „Erlernen von weniger populären Musikinstrumenten von klein auf“ …

Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Klavier, in Musikerkreisen und gehobener Gesellschaft auch Piano genannt, was vom italienischen Namen dieses Instrumentes kommt, der da Pianoforte lautet. Ein sehr populäres Instrument, mit dem – abgesehen von echten Fans – Generationen von Kindern und Jugendlichen gequält wurden. Keine Frage, ich finde gut, ein Musikinstrument spielen zu können. Auch das Pianoforte, obwohl es – wenn es auch ein sehr schönes Instrument ist – niemals mein Lieblingsinstrument gewesen ist. Lieber wäre mir die Querflöte gewesen, mein Lieblingsinstrument seit früher Kindheit. Schuld daran trägt ein Nachbar meiner frühesten Kindheit, der Erster Geiger in einem Sinfonieorchester war, aber neben der Violine auch Klavier, Klarinette, Saxophon und Querflöte hervorragend spielte. Da sage noch einmal jemand etwas gegen frühkindliche Prägung! 😉

Jenem Nachbarn – abgesehen von meinem Vater, der klassische Musik liebt und auch dafür Verantwortung trägt, dass ich Klavier zu spielen in der Lage bin – ist zu verdanken, dass ich erste Einblicke in das erhielt, was als symphonische – wahlweise auch sinfonische – Musik bekannt ist. Dafür gibt es ein probates Mittel. Es heißt Peter und der Wolf und ist ein sogenanntes symphonisches bzw. Musikmärchen und wurde von seinem russischen Komponisten, Sergej Prokofjew, dazu geschaffen, Kindern die Instrumente eines Sinfonieorchesters spielerisch vorzustellen und sie mit einem Orchester vertraut zu machen.

Ich habe erst kürzlich eine ältere Version davon auf einem Ableger eines Hauptsenders im TV gesehen. Sie war aus den ausgehenden 90ern und vom Orchester der Deutschen Oper Berlin nebst Loriot als Erzähler gestaltet. Ich war durch Zufall auf diesen Kanal geraten, als das Werk gerade begann, indem das Orchester die Instrumente stimmte und der Kammerton a‘ in der Luft hing, anhand dessen die Instrumente gestimmt werden, und ich blieb prompt hängen. Allein das Stimmen der Instrumente des Orchesters erzeugte bei mir Spannung. Kindheitserinnerungen kamen auf, und so blieb ich die ganze gute halbe Stunde dabei, denn es ist ein wirklich auf auch noch kleine Kinder abgestimmtes Werk und daher entsprechend kurz. 😊 Wer das als kleines Kind durchhält, hat gute Chancen, als Erwachsener eine drei- oder vierstündige Oper ohne größere Schäden durchzustehen. Wenn er denn will. 😉

Als Herr Wuttke Stephanie, seinen Sohn Gernot und mich, damals fünf Jahre alt, damals zu der Aufführung von Peter und der Wolf mitnahm, an der er selber als Bestandteil der Streicher teilhatte, die das Motiv und Thema des kleinen, tapferen Peters spielten, der mit Hilfe seines Freundes, des kleinen, ebenso tapferen Vogels, dargestellt durch – na, was wohl? – eine Querflöte, den Wolf mit einfachen, aber cleveren und garantiert nicht tödlichen Mitteln besiegt, war ich ganz aufgeregt. Mein erster offizieller Konzertbesuch! 😉 (Das dachte ich damals zwar nicht so, war aber dennoch aufgeregt.)

Bis die Vorstellung begann, war noch einiges an Zeit, und Herr Wuttke musste noch an einer Vorabprobe teilnehmen. Er meinte zu uns: „Seht euch das Musiktheater an. Aber macht keinen Ärger. Und um 17 Uhr seid ihr pünktlich hier und auf euren Plätzen.“ Und Stephanie, Gernot und ich rannten durchs Musiktheater und sahen uns alles an. Gernot war nicht zum ersten Mal dort – er kannte sich aus, und wir landeten dank seiner Kenntnisse im Großen Haus sogar hinter der Bühne, wurden mehrfach fortgejagt, aber es gab auch Mitarbeiter, die Gernot erkannten und uns dann einiges zeigten, was mit ihrer Arbeit zu tun hatte. Ich war ja noch klein und fand damals die vielen Türen, die in den Konzertraum des Großen Hauses, ins Parkett und die beiden Ränge führten, am interessantesten. Es war für mich wie ein Ausflug in eine andere, spannende Welt. Viel zu schnell mussten wir ins Kleine Haus, wo Peter und der Wolf beginnen sollte.

Das Kleine Haus war erheblich weniger spektakulär, doch dort harrten andere interessante Dinge. Denn das Orchester stimmte gerade seine Instrumente. Eine gewisse Kakophonie, aber gerade dadurch interessant – es lag Spannung in der Luft. Und schon ging es los. Der Erzähler hob an, die Geschichte zu erzählen, dann wurden die verschiedenen Charaktere vorgestellt – ergo die verschiedenen Instrumente. Und die Geschichte nahm ihren Lauf. Ich fand es spannend, aber als der Wolf, von drei Hörnern intoniert, erschien, wäre ich vor Furcht am liebsten unter dem Vordersitz verschwunden. Drei Hörner, untermalt von anderen Instrumenten und Schlagwerk, die ein sehr unheilschwangeres und unheimliches Motiv spielten. Und schon verzog ich mein Gesicht, aber da tönte von rechts: „Wehe, du heulst! Da ist kein Wolf! Das ist nur Musik.“ Es war Stephanie, die mich da warnte, sie nicht zu blamieren. Dabei hatte ich mich schon beim Motiv des Großvaters, der von einem Fagott dargestellt wird, ein wenig verunsichert gefühlt. Auch das Fagott hatte für mich einen etwas dräuenden Klang … 😉

„Nur Musik“! Ich sah Stephanie an – was sagte sie da? Das ist doch nicht „nur“! Das waren für mich keine drei Hörner – das war ein Wolf, der drohend nahte! Und das Fagott war kein Fagott, sondern ein knorziger, Pfeife rauchender Großvater, bei dem man auch nicht so recht wusste … Die Klarinette eine Katze, die auf samtenen Pfoten einherschlich oder -lief, die so nasal klingende Oboe eine Ente, die Querflöte ein munter zwitschernder Vogel, die so heiter schrammelnden Streicher der kleine, fröhliche Peter, und die Pauken und die Große Trommel waren Gewehrschüsse! „Nur Musik“! Ha!

Auf der Rückfahrt im Auto „fachsimpelte“ ich mit Herrn Wuttke und pries Peter, den Vogel und die Katze – alles Instrumente, die ich mochte. Um die Ente, die vom Wolf gefressen worden war, tat es mir leid (da hätte ich während der Aufführung fast zu weinen begonnen – immerhin war ich passionierte Entenfütterin … 😉 ), und ich war sehr beeindruckt von diesem musikalischen Werk. 😉 Herr Wuttke freute sich, und er meinte zu Stephanie und Gernot: „Wenigstens eine, die offenbar Freude daran hatte – der kleinen Ali hat es wohl gefallen.“

Seit damals frage ich mich jedoch, wie man auf die Idee komme, Instrumente wie Horn, Oboe oder Fagott von klein auf freiwillig zu erlernen. Keine Frage: Sie werden in klassischen Orchestern stets benötigt. Aber – freiwillig?

Mein Ex Richie hat mir mal vor vielen Jahren ein altes Tonband vorgespielt, das er als Kind aufgenommen hatte („Ich wollte damals Toningenieur werden!“). Man hörte ihn – als Kind – sprechen, im Hintergrund seine Eltern. Doch da waren noch andere Laute, die sehr merkwürdig klangen. Und so fragte ich: „Was ist das da im Hintergrund? Es klingt wie ein Nebelhorn oder wie ein Elefant mit schlimmen Verdauungsproblemen.“ – „Das ist mein Bruder Benno. Er hat da gerade Fagott geübt.“ Ich kannte Benno bereits. Er war Fotograf, und ein wirklich guter, ein echter Künstler. Und so fragte ich: „Benno? Fagott? Nun ja, er ist in der Tat ein wenig exzentrisch … Dennoch: Hat er das freiwillig gespielt?“ – „Nee. Er wollte eigentlich Trompete lernen.“ – „Warum dann der Schwenk vom Blech- zum Holzblasinstrument?“ – „Meine Eltern dachten, es sei nur ein Strohfeuer, und so wollten sie ihm keine Trompete kaufen, aber er meinte, in der Musikschule gäbe es Leihinstrumente. Aber alle Trompeten waren bereits verliehen, und es gab nur noch ein freies Fagott.“ – „Das wundert mich nicht!“ – „Was?“ – „Dass das Fagott noch frei war. Wer sucht sich das freiwillig aus? Ich meine … Hör doch mal hin! Das klingt wirklich nach Verdauungsproblemen. Aber gut – es ist sicherlich eine seiner ersten Übungen.“ – „Nee, da hatte er schon ein Jahr Unterricht.“ Ich schluckte. O Gott! Schlimmer als jeder Geigenschüler in der Anfangszeit. Aber – zu Bennos Verteidigung – Fagott ist sehr schwer zu spielen. „Tapfer,“, meinte ich, „wie lange hat er denn durchgehalten?“ – „Danach nur noch knapp ein Jahr – er hatte halt immer noch auf die Trompete gehofft, denn man hatte ihm gesagt, er würde die erste freiwerdende Leihtrompete bekommen, wenn einer der Trompetenschüler aufgäbe. Zunächst solle er doch mit dem Fagott beginnen …“ – „Es wurde aber keine Trompete frei, nehme ich an?“ – „Richtig. Benno selber hätte aber noch länger als die knapp zwei Jahre durchgehalten – er war wirklich fixiert auf die Trompete.“ – „Aber?“ – „Mein Vater hat ihm Geld geboten, wenn er nur mit dem Fagottspielen aufhöre.“ – „Okay, angesichts dieser Foltertöne aus der Kammer des Schreckens oder dem Zoo kann ich deinen Vater verstehen.“ – „Wir haben alle gelitten.“ – „Glaube ich sofort. Wusstest du, dass manche Orchestermusiker das Fagott auch als ‚Furzröhre‘ bezeichnen?“

Mit der Oboe, die mit dem Fagott verwandt ist, verhält es sich ähnlich. Ich habe mal eine Gruppe Oboenanfänger – auch die hatten schon fast ein Jahr Unterricht gehabt – gehört und kann nur sagen: Ja, Übung macht den Meister … Hier muss viel Übung her – extra viel Übung. Aber es sind wirklich schwierig zu spielende Instrumente mit einem heiklen Mundstück – das Erzeugen von Tönen generell, ganz zu schweigen von sinnstiftenden und beabsichtigten solchen, ist nicht von Pappe. Daher frage ich mich auch immer, ob Kinder und Jugendliche Instrumente wie Oboe und Fagott wirklich freiwillig auswählen … Auf diese Idee wäre ich nie verfallen.

Ob sie von den Eltern gezwungen werden? Ob das eigentlich gewünschte Leihinstrument in der Musikschule vergriffen war und man sie mit der Aussicht auf das erste freiwerdende Wunschinstrument in die Doppelrohrblatt-Mundstück-Falle lockte, worunter dann die gesamte Familie zu leiden hat, ebenso die Nachbarn? 😉

Oder ob sie – wie ich – als Kinder in Peter und der Wolf gebracht wurden, wo sie dann die Ente bzw. den Großvater zu ihren Lieblingscharakteren erwählten und die die beiden Figuren darstellenden Instrumente unbedingt erlernen wollten? 😉

Dennoch habe ich mir diese Neunziger-Aufführung sehr gern angesehen. Sehr niedlich, was man beim Kameraschwenk ins Publikum sehen konnte: gebannt auf die Bühne starrende Kinder mit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Nett auch die Kommentare, das Lachen – und einmal hörte man Weinen (das tat mir etwas leid), als die Ente, die doch selber schuld war, vom Wolf verspeist wurde … Ich habe mal im Fernsehen einen Orchestermusiker lachend erzählen hören, das lebhafteste Publikum habe man stets bei Peter und der Wolf. Laute Zwischenrufe der Begeisterung oder des Bedauerns, der Sorge und Lachen seien an der Tagesordnung. Aber deswegen sei man als Musiker dabei eigentlich immer gut gelaunt, denn es sei schön, die Begeisterung und das Mitfiebern der Kinder zu erleben.

Das kann ich aus Publikumsperspektive nur bestätigen. 😊 Und wer weiß? Vielleicht sind ja einige künftige Oboisten und Fagottisten im Publikum … Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. 😉

Euch ein schönes, harmonisches Wochenende! 😊

Vielleicht sollte ich einfach wieder in mein Elternhaus ziehen …

Ich habe inzwischen das Gefühl, nach der Arbeit oder am freien Wochenende jeden Tag gen D. zu rasen, wo mein Elternhaus steht. In Wirklichkeit fahre ich nur jeden zweiten Tag. Aber das reicht auch, da ich derzeit wirklich sehr viel zu tun habe. Irgendwie reißt es nicht ab …

Heute war es ziemlich warm, und so strich ich gegen kurz nach 5, als ich im Büro meine Sachen packte, das Rasenmähen. Mochte der Rasen alles andere überragen – nicht bei diesem Wetter und nicht nach diesem Arbeitstag! Aber hin musste ich – der Garten musste gewässert werden. Außerdem musste ich mich erneut als Pest Control betätigen, da ja alle zwei Tage gegen die Plage des asiatischen Zünslers Maßnahmen ergriffen werden müssen, wie man mir im Gartencenter erklärte, als ich aus dem Bereich der ABC-Waffen die C-Variante kaufte (obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob nicht auch B mit hineinspielt – zumindest wurde dies behauptet;  A jedoch auf keinen Fall – das wäre dann doch etwas übertrieben 😉) Außerdem wollte ich endlich diesen vielgepriesenen Algenkalk kaufen, um nach meinen bisherigen Bemühungen den Buchsbaum noch für die Nachbrut zu vergällen. Einen Sack hatten sie im Gartencenter noch übrig, und der freundliche Inhaber des Centers meinte auch, er würde ihn mir durchaus verkaufen, wenn ich darauf bestünde. „Jedoch“, so sein fachmännisches Profigärtner-Urteil, „sind inzwischen schon zahlreiche Kunden angekommen und haben gesagt, dass das überhaupt nichts bringe. Es wurde in der letzten Zeit ein großer Hype betrieben. Es mag nutzen, wenn man vor dem Einfallen der Tiere die Sträucher damit präpariert, aber wenn die Tiere schon da sind, würde ich es nicht empfehlen. Und letzten Endes wirkt sich Kalk auch mehr auf die Bodenqualität aus. Hätten Sie noch kein Vorkommen, würde ich sagen: ‚Probieren Sie es aus!‘ Da Ihre Pflanzen jedoch schon befallen sind … Ich verkaufe Ihnen den Algenkalk, keine Frage – aber ich hatte jetzt schon so viele Reklamationen, dass ich das guten Gewissens nicht machen könnte.“ – „Es erübrigt sich ohnehin – an dem Sack hebe ich mir ja einen Bruch! Vielen Dank für die ehrliche Beratung. Dann kaufe ich doch lieber noch ein bisschen Gift.“ Der Gärtner lachte und meinte: „Klingt toll – dann kaufe ich doch lieber noch ein bisschen Gift! Sind Sie verheiratet?“ – „Mitnichten. Auch nicht verwitwet – ich vermute, Ihre Frage zielte darauf und auf die Tatsache ab, dass Giftmorde überproportional von Frauen begangen werden. Mir geht es aber wirklich nur um die Zünsler … Obwohl … Vielleicht nutzt dieser zentnerschwere Sack ja auch im einen wie anderen Falle. Wirft man ihn auf das, was man nicht oder nicht mehr mag, ob nun nörgeliger Ehemann oder Zünsler, kommt man vielleicht auch ans Ziel!“ Der Gärtner lachte heftig und meinte: „Jetzt weiß ich wieder, wer Sie sind! Sie waren in den letzten Tagen schon einmal hier und haben mich auch da zum Lachen gebracht. Kann man Sie für Veranstaltungen engagieren?“ – „Ich überlege mir das und teile Ihnen dann das Resultat meiner Überlegungen mit – sicherlich komme ich noch öfter vorbei, wenn meine Eltern nicht bald selber wieder für ihren Garten sorgen. Inzwischen gewöhne ich mich beinahe an diesen Zwei-Tage-Rhythmus, in dem ich nach der Arbeit immer nach D. fahren muss, um erneut als Blumenpflegerin, Bewässerungsexpertin wie Schädlingsbekämpferin, in größeren Abständen auch als Rasenmäherin tätig zu werden. Und das, obwohl ich Gartenarbeit nicht sonderlich mag – das geht nicht gegen Sie! Erschreckend, dass ich inzwischen über Buchsbaum und Zünsler besser Bescheid weiß als meine gartenbegeisterte Mutter, die sich mit Botanik und Gartenarbeit ziemlich gut auskennt!“ – „Können Ihre Eltern sich nicht um ihren Garten kümmern?“ – „Im Moment nicht, weil sie nicht vor Ort sind. Sie haben einen Zweitwohnsitz in der Heimat meiner Mutter und sind zweimal im Jahr für längere Zeit dort. Im Herbst-Winterhalbjahr ist das für mich entspannter – da muss man nur Blumen gießen und nach Post sehen. In der warmen Jahreszeit ist es meist stressiger, vor allem, wenn gierige Raupen sich marodierend über einen größeren Pflanzenbestand hermachen …“

Ich kaufte noch eine Portion Gift, das jedoch bienen- und vogelverträglich sei, wie auf der Packung stand, obwohl die Inhaltsstoffe furchterregende Namen hatten. Nun gut, ich bin keine Chemikerin … Dies hier war zum eigenhändigen Anmischen und von einem anderen Hersteller. Dann raste ich zu meinem Elternhaus – es war schon kurz nach 6, und irgendwann wollte ich auch endlich mal zu Hause sein.

Zunächst einmal stand das Wässern der Pflanzen an – einige Rhododendren hingen schon wie ein Schluck Wasser in der Kurve … Zunächst war der Vorgarten dran. Dazu musste ich in die Garage und hatte wohlweislich den kleinen Monty so geparkt, dass er nicht mit dem Garagentor in Konflikt geriete, das  selbstverständlich über einen Elektro-Antrieb verfügt, zumal  mein Vater Ingenieur ist. Und weil er das ist, ist er ein Bedenkenträger und hat grundsätzlich stets sämtliche Ventile sämtlicher Wasserleitungen in Haus und Garage sehr, sehr fest zugedreht, wenn er und meine Mutter längere Zeit nicht da sind – mit Überschwemmungen ist jederzeit zu rechnen. 😉 Ich kämpfe schon immer mit dem Hauptventil im Haus – das in der Garage war noch fester zugedreht …

Ich erinnerte mich prompt an eine Gegebenheit, die etwa drei Jahre zurückliegt. Ich sollte im Haus irgendetwas prüfen, musste dazu auf eine Leiter steigen und ein Ventil über Kopf öffnen. „Kein Problem, Alilein,“, hatte mein Vater gesagt, „du steigst einfach auf eine Leiter, und dann öffnest du das rote Ventil über Kopf – unten im Keller, du weißt schon …“ Das Ventil zu finden, war kein Problem, das mit der Leiter auch nicht. Aber dann – ich hatte das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt – bekam ich das Ventil nicht auf, und ich sagte zu meinem Vater: „Wo ist eine Rohrzange? Das Ding geht nicht auf!“ – „Nein, Kind, lieber keine Rohrzange – Laien sollten keine Rohrzange benutzen. Am Ende ist das Ventil hin!“ – „Sonst noch irgendwelche Tipps, wie ich das Ding öffnen kann?“ – „Dreh einfach dran.“ – „Ja, für wie blöd hältst du mich? Was mache ich hier die ganze Zeit? Ich versuche, zu drehen! Das Ding ist wie einbetoniert! Hast du es vielleicht mit einer Rohrzange festgezogen? Mit bloßen Händen doch sicher nicht!“ Ich durfte dann zwar keine Rohrzange benutzen – ich hätte das Ventil ja beschädigen können! -, aber immerhin ein anderes Werkzeug zu Hilfe nehmen. Damit klappte es irgendwann auch, aber ich schnaubte in den Hörer: „Das ist echt eine Zumutung! Nächstes Mal schraubst du das Ding nicht so fest zu, bitte! Du bist doch immer derjenige gewesen, der sich mokierte, wenn Leute Schrauben doll drehten oder Wasserflaschenverschlüsse wie die Berserker festzurrten, dass kaum jemand sie ohne Werkzeug öffnen konnte!“

Dann wollte meine Mutter mich sprechen. Und während wir sprachen, rief mein Vater etwas aus dem Hintergrund – ich sollte noch irgendetwas kontrollieren. „Was denn jetzt?“ – „Papa möchte dich noch einmal sprechen.“ Und schon war mein Vater dran, und giftig fragte ich: „Was nun? Würde ich dir eine Freude bereiten, indem ich noch ein paar Ventile auf- und zudrehe? Oder soll ich nachsehen, ob die Garage noch da ist?“ Das war es dann nicht. Aber etwas ähnlich „Spektakuläres“ … 😉 Ich liebe meinen Vater sehr, aber die Ingenieure seiner Generation sind nicht immer einfach in ihrem Bedenkenträgertum … 😉

Das Wässern des Vorgartens heute stellte – nachdem das Ventil endlich offen war – dann kein Problem dar, und ich ging sehr großzügig vor. Als ich gerade den Schlauch zum linken Teil des Vorgartens zerrte, um dort die Pflanzen zu bewässern, hörte ich hinter mir auf der Straße einen Knall, und kurz darauf schrie ein Kind und weinte bitterlich …

Ich drehte mich um – o Gott, hatte das Ganze mit meiner Turbo-Bewässerung zu tun? Nein, niemand war über den Schlauch gestürzt, der Unfall außer Reichweite geschehen. Aus dem Augenwinkel hatte ich kurz vor dem Knall eine sehr schnelle Bewegung wahrgenommen, und nun sah ich, was es gewesen war: Ein kleiner Junge, etwa sechs, sieben Jahre alt, war voller Übermut mit dem Fahrrad die Straße entlanggerast, wohl seitlich weggerutscht und dann gestürzt, und das so richtig mit Schmackes. Nun lag er da, das Fahrrad halb auf ihm, und er schrie zum Steinerweichen. Ich stellte sofort den Schlauch ab und rief: „Ganz ruhig! Liegenbleiben!“ Und ich rannte zu dem Kleinen, der bitterlich weinend bäuchlings auf dem Boden lag. Im ersten Moment hatte ich mit Kopfverletzungen, hohem Blutverlust und sonstigen Katastrophen gerechnet – es hatte wirklich laut geknallt. Und mein alle zwei Jahre stattfindendes Ersthelfertraining steht doch erst am nächsten Montag wieder an … Und es ist dringend nötig …

„Ganz ruhig liegenbleiben – warte, ich helfe dir,“, sagte ich zu dem Kleinen. Und ich hob das kleine Fahrrad auf und legte es an die Seite. „Ich kann nicht aufstehen,“, jammerte der kleine Kerl, während ich ihn begutachtete. Am Kopf, von hinten und seitlich war keine Verletzung erkennbar, und so sagte ich, die ich weiß, dass Kinder oft – wie auch hier – im ersten Schrecken gar nicht schreien, dies danach umso lauter tun – auch aus Schreck: „Komm, ich helfe dir aufstehen, das kriegen wir hin.“ Und ganz vorsichtig packte ich dem kleinen Kerl unter die Achseln und hob ihn auf, wobei er aktiv mithalf. Dann sah ich ihn mir genauer an, und ich sah, dass zwar nichts Dramatisches passiert war, er aber einige Schürfwunden hatte, von denen ich weiß, dass sie zwar harmlos sind, aber richtig fies wehtun. An beiden Knien, obwohl da nur oberflächlich und ohne Blut, aber an einem Arm eine kleine blutige Schürfwunde, am anderen Ellbogen auch.

„Das tut jetzt sehr weh, das weiß ich, aber es ist nicht so schlimm. Wo wohnst du?“ – „Da hinten,“, jammerte der Kleine, und ich fragte: „Schaffst du es bis dahin?“ Der Kleine nickte. „Deine Mama oder dein Papa sollen das desinfizieren, und dann heilt das auch ganz schnell.“

Ich erschrecke noch jetzt ein bisschen über mich – ich war wohl im Ali-als-Kind-Modus. Ich hätte den kleinen Fratz nach Hause begleiten müssen, obwohl er sagte, er schaffe das allein. Eine tolle Ersthelferin bin ich! Lässt das Kind allein nach Hause gehen! Es tut mir jetzt noch leid – ich kannte das so aus meiner eigenen Kindheit, hätte hier aber doch anders reagieren müssen.

Mein Gedanke war jedoch nicht böse oder unachtsam gewesen: Ich habe – auch im Ersthelfertraining – gelernt, dass Kinder meist viel gelassener auf kleine (!) Verletzungen reagieren, wenn man kein so großes Brimborium macht, sondern ruhig und ganz normal mit ihnen umgeht. Warum mache ich mir jetzt Sorgen? Ach, ja – weil ich den kleinen Fratz nicht allein hätte gehen lassen sollen … Am besten, ich spreche das Ganze im Ersthelfertraining in sechs Tagen an. Sicherlich werde ich verbal in der Luft zerfetzt …

Zur Strafe musste ich dann noch den hinteren Garten bewässern – es wäre alles einfacher gewesen, hätte mein Ingenieurvater mich zuvor mit der Funktionsweise des wasserführenden Systems vertraut gemacht, das er in den letzten Jahren offenbar mehrfach geändert hat … 😉

Als ich zu Hause eintraf, war es nach 21 Uhr, und meine Frisur war etwas zerzaust. Ich hatte mir wohl einmal zu häufig die Haare gerauft … 😉

Zum Glück kommen meine Eltern am Donnerstag zurück. Wäre ich gläubig, würde ich meinem Schöpfer auf Knien danken … 😉

Und noch etwas habe ich gelernt: Nie wieder werde ich unmündige Opfer ihres eigenen überhöhten Fahrverhaltens allein nach Hause gehen lassen. Das spukt mir noch immer im Kopp herum … 🙁

„Ich sehe tote Raupen …“

Ich muss hier ein Zitat aus einem US-amerikanischen Film mit Bruce Willis ein wenig verfremden. Ich bin ein wirklich tierlieber Mensch, und mir tat es ja auch leid, aber diesen gefräßigen und zahllosen Zünslerraupen, die ich zu meinem Entsetzen kürzlich in meiner Eltern Garten entdeckte, wie sie sich völlig hemmungslos über den Buchsbaum, den Ort ihrer Geburt, hermachten, konnte nur Einhalt geboten werden. Und leider helfen da keine liebevoll-energischen Ansprachen. Wäre mir ja auch lieber gewesen, aber hier mussten andere, schwerere Geschütze aufgefahren werden. Nicht einmal ein Wutanfall hätte genutzt. Und so nebelte ich sämtlichen Buchsbaumbestand mit einer Brühe ein, die verboten riecht, aber immerhin gebrauchsfertig in Flaschen mit einer Sprühpistole erhältlich ist. Nicht besonders günstig, man muss Handschuhe tragen, sollte darauf achtgeben, dass man nicht gegen den Wind sprühe – aber sie sei nützlingsfreundlich. Sprich: Sie killt weder Vögel, noch Bienen, noch andere nützliche Insekten.

Vorgestern war die Erstanwendung gewesen, und der freundliche Herr im Gartencenter hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich alle zwei Tage tätig werden müsse, und das am besten abends. Ergo fuhr ich heute gegen 17:30 Uhr los und raste gen D., parkte schwungvoll vor der Garage meiner Eltern und hechtete voller Spannung aus dem Auto, denn im Vorgarten stehen auch drei Buchsbaum-Kugeln, die ich am Freitag behandelt hatte. Wie mochten sie wohl aussehen?

Ich mache es kurz: Sie sahen noch immer ziemlich scheiße aus … Aber aus jeder wuchsen hellgrüne Blättchen! Ich ging erst einmal ins Haus, zog mir die Pest-Handschuhe an und eilte auf die Terrasse, wo ich die Zerstäuber mit Zünslerkiller deponiert hatte. Ich machte mich gleich ans Werk, re-imprägnierte die eine der beiden kleinen Zierhecken. Beim letzten Mal war daraufhin wilde Bewegung in das zuvor ruhige Blattwerk gekommen – so noch Blattwerk vorhanden war. Heute: nichts. Auch bei der anderen kleinen Hecke: nichts. Und ebenso verhielt es sich mit den anderen Buxus-Objekten. 😉 Entweder waren die kleinen Plagen wirklich tot, oder sie hatten hinzugelernt und verhielten sich einfach nur ruhig.

Sogar im Vorgarten. Doch ich entdeckte diverse tote Raupen, die mir zwar nicht alle Viere, aber all ihre Extremitäten – ich habe keine Ahnung, wie viele Stummelfüßchen Raupen so haben – entgegenstreckten.

Einerseits war ich geneigt, laut: „Strike!“ zu rufen, als ich die kleinen Leichen sah, von denen einige sich bereits im Zustand der Zersetzung befanden. Andererseits dachte ich: „Schöne Scheiße, wenn man als Zünsler zur Welt kommt. Zum Abschuss freigegeben.“ Ein bisschen tat es mir leid. Aber die neuen Triebe des Buchsbaums, ja auch ein Lebewesen, die so ganz ohne Verbissspuren aus dem gemarterten Buchsbaumgesträuch wuchsen, trösteten mich.

Ich hoffe, sie trösten auch meine Mutter! 😉

Und wenn ich am Dienstag zum Rasenmähen nach D. fahre, werde ich garantiert Algenkalk über das zwischenzeitlich raupenbefreite Gesträuch schütten. 😉 Als längerfristige Lösung.

Wenn es so weitergeht, entwickle ich – ausgerechnet! – mich noch zur Gartenexpertin. Oder Schädlingsbekämpferin. Aber wie alles im Leben fällt wohl auch das unter die Rubrik: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.“ Meine Mutter war zumindest zwischenzeitlich bass erstaunt, wie viel ich über Buxus sempervirens und alles, was damit zu tun hat – ergo auch den Buchsbaumzünsler – wisse. Und das binnen weniger Tage! Nun ja – sie hat ihren Garten noch nicht gesehen … Hier war rasches Handeln gefragt. Rasches, aber nicht kopfloses Handeln. 😉

Am Donnerstag kommen meine Eltern aus Franken zurück. Ich sollte wahrscheinlich Urlaub nehmen und ohne Angabe meines Ziels verreisen … 😉

„Caterpillar Killer“

Heute war ich einmal mehr in D. in meinem Elternhaus bzw. in dessen Garten. Ich kam nicht unbewaffnet.

Eine Schachtel mit annähernd zahllos scheinenden Einmal-Handschuhen hatte ich dabei, falls ich doch die nicht sonderlich einladend aussehenden Larven oder Raupen des Buchsbaumzünslers manuell würde einsammeln müssen. Aber ich hatte auch noch ein anderes Mittel bei mir. Auf der Fahrt zu meinem Elternhaus in einem am Wege gelegenen Gartencenter gekauft. Gebrauchsfertig. Drei Flaschen mit Sprühpistole für knapp 33,- €, insgesamt fast zweieinhalb Liter hochwirksamer – so hieß es! – Flüssigkeit, die neben diversen anderen Schädlingen auch dem gefräßigen Zünsler das Mundwerk legen soll. So hieß es, und ich war wild entschlossen, dem Ganzen Glauben zu schenken.

Meine Eltern haben einen großen Garten, und in diesem befinden sich diverse Vorkommen der Gattung Buxus sempervirens, in deutscher Sprache: Gewöhnlicher Buchsbaum. Eine wunderschöne immergrüne Pflanze, die man ebenso wunderschön zu hübschen Kugeln, Kegeln oder sonstigen Figuren schneiden kann, ohne dass sie es übelnähme. (Als Kleinkind hatte ich im nahegelegenen Schlosspark einen Buchsbaum-Teddybären in mein noch kleines Herz geschlossen. Zwei davon gab es, und der auf der rechten Seite des Französischen Gartens „gehörte“ meiner Schwester, der auf der linken Seite mir. Wahrscheinlich „gehörten“ die beiden in Bärenform gekappten Buchsbäumchen außer uns noch ganz vielen anderen kleinen Kindern … 😉 )

Edward mit den Scherenhänden hatte auch ein Händchen oder – „naturgegeben“ – Faible für Buxus sempervirens. Leider nicht nur er. Auch der sogenannte Buchsbaumzünsler, eine qua Globalisierung aus Ostasien unfreiwillig importierte Art bzw. Neozoon – ähnlich wie der erheblich niedlichere Waschbär hierzulande auch ein Neozoon ist -, ist auf Buchsbaum spezialisiert. Denn seit einiger Zeit fällt er jedes Jahr erneut die von stolzen Gartenbesitzern gehegten und gepflegten Buchsbaumbestände in marodierender Absicht an, obwohl er wahrscheinlich gar nicht marodieren, sondern sich einfach nur ernähren und wachsen möchte, auf dass noch viel mehr Zünsler das Licht der Welt erblicken mögen … Er weiß und kann es nicht anders. Er agiert qua Instinkt. 😉

Es handelt sich um einen vergleichsweise unscheinbaren Kleinschmetterling, der seine Eier in Buchsbaum ablegt und die daraus geschlüpften Raupen ab einer gewissen Lufttemperatur – vergleichsweise niedrig, was viele Gartenbesitzer, meine Mutter eingeschlossen, offenbar nicht wissen, denn sonst hätten sie knapp diesseits der Bodenfrostgrenze schon etwas unternommen  (ich wusste es bis vor einigen Tagen auch nicht, habe mich inzwischen aber schlau gemacht, da ich dem Inferno entgehen möchte, das zwangsläufig ausbrechen würde, würde meine derzeit in Franken befindliche Mutter ihren komplett kahlgefressenen Buxus-Bestand nach ihrer Rückkehr entdecken – der Schock wird so oder so erfolgen …) – aktiv werden, deren Aufgabe darin besteht, ihren Geburtsort kahl- und, wenn kein Laub mehr vorhanden ist, auch die Rinde abzufressen und fressend bis ins Pflanzeninnere vorzudringen, bis sie – leider tun sie das nicht – umfallen. Zwischenzeitlich erfolgt die eine oder andere Häutung, und dann verpuppt sich der grünschwarze Raupenvielfraß, um schließlich – die klassische Metamorphose – als Schmetterling erneut zu schlüpfen, der alsbald neue Eier legt. Und so geht es immer weiter …

Wären es wenigstens schöne und bunte Schmetterlinge, was ja zumindest einen kleinen Ausgleich schaffen könnte! Aber nicht einmal das – es ist wirklich schmachvoll … (Obwohl meine Schwester Stephanie, die erst kürzlich – vor ihrem Urlaub auf einer berühmten nordfriesischen Nordseeinsel, der offenbar alles Ungemach vergessen lässt – heftigen Zünslerbefall in ihrem Garten öffentlich kund- und zu wissen gab, dass die Viecher nun sogar ihre Koniferen angefallen hätten – , mir gegenüber dreist behauptete, das seien „wunderschöne Schmetterlinge“! Ich dachte: „Es stimmt! Schönheit wird offenbar sehr subjektiv beurteilt.“ Immerhin: Offenbar passen sich die subjektiv beurteilten Tiere inzwischen in der nicht heimischen Umgebung an das Nahrungsangebot an … 😉)

Und um den mütterlichen Buchsbaumbestand zu retten oder zumindest Schadensbegrenzung zu betreiben, raste ich heute nach der Arbeit gen D. und machte kurz nach dem Ortseingangsschild nur kurz halt, um die bereits erwähnten drei Sprühflaschen mit – garantiert bienen- und vogelfreundlichem, generell Nützlinge schonendem „Schädlingskiller“ im Gartencenter zu kaufen. Der Herr an der Kasse gab mir Tipps: „Ziehen Sie Handschuhe an, sprühen Sie niemals gegen den Wind, atmen Sie das Zeug nicht ein.“ – „Sind Sie sicher, dass das Bienen, Vögeln und anderen nützlichen Tieren nicht schade, wenn Sie mich schon warnen?“ – „Nein, keine Sorge! Sie sollten es halt nur nicht einatmen. Und die Hände waschen, wenn die damit in Kontakt gekommen sind. Aber ansonsten ist das Produkt biologisch abbaubar.“ – „Nun, das bin ich auch. Mal abgesehen von meinem Zahnimplantat.“ Der Mann lachte und meinte: „Am besten, Sie sprühen ins Zentrum der Pflanzen. Sie müssen die Zweige ein bisschen auseinanderbiegen …“ – „Ach, ich glaube, das wird nicht nötig sein, nachdem ich kürzlich sah, dass da schon zu größeren Teilen Kahlschlag herrscht. Der Vorteil: Da, wo bereits Lichtungen sind, kann man bequem und ohne irgendetwas auseinanderbiegen zu müssen, direkt in medias res sprühen, wo die Viecher sitzen.“

Der Kassierer lachte sich fast schlapp und meinte: „Na, Sie scheinen aber einen goldigen Humor zu haben! Erst das Zahnimplantat, nun noch die ‚Lichtungen‘! Das ist wohl Galgenhumor – das ist ja klasse!“ – „Ich mache mir nur ein bisschen Mut. Sie haben die Pflanzen nicht gesehen.“ – „Auch, wenn sie schon kahl sind, kann das Mittel helfen!“ – „Na, dann beten Sie schon mal für mich! Denn das ist nicht mein Garten und damit auch nicht mein Buchsbaum …“ – „Ich bete für Sie – und denken Sie daran: Alle zwei Tage müssen Sie sprühen!“

Alles klar. Ich muss also auch am Sonntag nach D. … Danke auch! Das zum Thema „entspanntes und ungestörtes Wochenende“!

Im Garten angelangt, zog ich mir sogleich Handschuhe an, packte eine der drei Flaschen mit der Sprühpistole und ließ sie wie einen Colt um meinen rechten Zeigefinger rotieren: „So, ihr kleinen Scheißer! Eure Tage sind gezählt!“ Und schon nebelte ich die beiden kleinen Zierhecken, die ein Beet vor der Terrasse säumen, ein, die da so still und friedlich standen und in denen sich nichts regte. Doch kaum ging der erste Niederschlag auf die kleinen Hecken nieder, begann es, sich in ihnen zu regen, zu winden und zu wuseln – echt eklig! Ich imprägnierte die beiden Hecken, als imprägnierte ich ein neues Paar Schuhe, das ich mir vom Munde abgespart hätte … Dann ging es weiter, quer durch den Garten, und erstaunt nahm ich zur Kenntnis, wie viel Buchsbaum dieser beheimate. Alsbald musste ich die zweite Flasche in Betrieb nehmen.

Angenehmer Geruch hatte ich durch Zufall darauf gelesen, und grimmig dachte ich: „Wenn das hier angenehmer Geruch sein soll, möchte ich nicht wissen, was der Hersteller als unangenehmen Geruch bezeichnen würde! Wäre ich eine Zünslerlarve, würde ich, so schnell meine Stummelbeinchen mich trügen, das Weite suchen!“ Es erinnerte vom Geruch her an das Marder-Abwehrspray, mit dem ich mein Auto imprägniert hatte, als wir hier in der Siedlung gehäuft Marderbefall gehabt hatten … Kein Marder, der etwas auf sich hält, würde in ein Auto eindringen, das derart widerlich riecht. Nachteil: Auch der Fahrer fühlt ähnlich. 😉

Sogar im Vorgarten hat meine Mutter drei kugelförmig geschnittene Buchsbaumpflanzen unterschiedlicher Größe! Die sahen besonders schlimm aus, waren annähernd kahl, und dort sprühte ich besonders intensiv. Als eine Raupe zu Boden stürzte, besprühte ich sie zu Testzwecken besonders heftig mit der stinkenden Brühe und merkte mir den Ort, an dem sie zu liegen gekommen war, bevor ich mich den anderen Objekten zuwandte.

Zehn Minuten später lag die Raupe noch immer dort, wand sich heftigst – offenbar (hoffentlich) in Agonie! Eine zweite Raupe lag daneben und wand sich ebenfalls …

Da tat es mir dann doch ein wenig leid – es sind doch immerhin Lebewesen, die nix dafür können, dass sie derart penetrant sind. Das ist halt ihr Instinkt, und niemand hat sie gefragt, ob sie überhaupt als Ei gelegt werden wollten … Moment! Was dachte ich denn da?!? „Ali, das sind Schädlinge!“ rief ich mir in Gedanken ins Gedächtnis, und wenn es auch nicht schön war, so war es doch vonnöten, um zu retten, was zu retten war.

Nach der Rundum-Intensivimprägnierung fuhr ich dann nach Hause. Meiner Mutter erstattete ich noch Bericht und erwähnte auch die beiden in Agonie befindlichen Raupen, die ich nach dem Effizienztest beobachtet hatte. Und was sagt meine Mutter? „Ali! Die armen Tiere!“

Was hatte ich erwartet? Vor vielen Jahren, als ich noch klein war und zur Schule ging und naturgemäß in meinem Elternhaus lebte, hatten wir mal Mäuse im Haus gehabt. Eine davon im Schlafzimmer meiner Eltern, und meine Mutter hatte zu meinem Vater gesagt: „Karl-Heinz! Stell bitte eine Falle auf – ich kann nicht schlafen, weil diese Maus nachts dauernd herumrennt und irgendwo nagt!“ Mein Vater, der auch keine Mäuse im Haus, geschweige denn: Schlafzimmer, haben wollte, stellte eine konventionelle Falle auf. Fast eine Woche tat sich nichts, obwohl ein Stückchen Speck als Köder in der Falle klemmte und täglich minutiös von meinem Vater ausgewechselt wurde. Das Mäuschen war wohl zu schlau, dranzugehen, wie auch meine Mutter voller Bewunderung mitteilte. Fast klang es, als triumphierte sie.

Doch eines Nachts schnappte die Falle zu, und das so laut, dass meine Mutter davon erwachte. Und sie weckte meinen Vater: „Karl-Heinz! Wach auf! Ich glaube, die Maus ist in die Falle gegangen! Kannst du sie bitte entfernen?“ Mein Vater erhob sich schlaftrunken, machte das Licht an und ging zur Falle. Ja. Das Mäuschen lag darin – tot, mit gebrochenem Genick. Es hatte sich den Speck holen wollen, da es wohl Hunger gehabt hatte.

Mein Vater musste selber schlucken, als er das niedliche kleine Tierchen da so sah, aber er nahm die Falle und wollte sie entsorgen. Doch da erscholl die Stimme meiner Mutter: „Ooch  – das arme, kleine Ding! Du … Mörder!“ – „Kathrin! Du selber hast angeordnet, dass ich eine Falle aufstellen solle! Keiner von uns will Mäuse im Haus! Und trotzdem tut es mir immer leid – es sind ja doch sehr niedliche Tiere. Aber sie machen Dreck, sind unhygienisch, fressen alles an und vermehren sich sprunghaft. Lass nur eine andere Maus im Haus sein – wenn sich dann ein Paar findet, haben wir hier bald Hundertschaften!“

Meine Mutter wusste das selber, wollte auch keine Mäuse im Haus, aber irgendwie war ihr das kleine Ding in all den Nächten, die sie nicht ungestört hatte schlafen können, wohl ans Herz gewachsen. 😉

Doch am nächsten Tag wurde es noch schlimmer, denn beim Frühstück fragte ich nach der Maus. Und da sagte meine Mutter mit Blick auf meinen Vater, dass die Maus tot sei. Sogleich schnellte mein Kopf zu meinem Vater herum, und ich rief ihm empört zu: „Na, toll! Das arme Mäuschen! Wie kann man nur?!?“ Mein Vater seufzte nur resigniert und meinte: „Offenbar bin ich von Irren und Sozialromantikern umgeben – was aufs Selbe herauskommt …“

Inzwischen kann ich meinen Vater verstehen. 😉

Der wichtigste Satz für jede Gelegenheit

Heute bin ich schon relativ früh von der Arbeit aufgebrochen – denn ich musste ja noch nach M., eine der Nachbarstädte, wo Janas und mein Niederländisch-Kurs stattfindet. Heute war der vierte Termin, und ich hatte an den Terminen 1 und 3 nicht teilnehmen können, was mich sehr wurmte, denn einmal muss es doch klappen und ich diese Sprache, die ich seit Äonen authentisch zu erlernen wünsche, wirklich from scratch, von der Pike an lernen. Aber es war nicht zu ändern gewesen.

Heute musste ich allein hin, denn Jana ist im Urlaub. Da ich meinen sogenannten Orientierungssinn kenne – und das trotz eines Navis -, fuhr ich nicht auf dem letzten Drücker los. Das führte dazu, dass ich zu früh vor Ort war. Dabei hatte ich mich sogar einmal ein wenig verfahren, weil das Navi übereifrig gewesen war und die sehr freundliche weibliche Stimme mich an einer Stelle hieß, jetzt links abzubiegen, obwohl die richtige Stelle erst einen halben Kilometer später kam, wie ich feststellte, als ich eine mehr oder minder große Schleife fahren musste und mich dann entgegen den Anordnungen der „Dame“ auf dem linken Geradeausstreifen einordnete, als ich an die Stelle kam, an der ich zuvor auf der Linksabbiegerspur gestanden hatte (bevor ich links abbog und dann die redundante Schleife zu fahren gezwungen war).

Ich vertrieb mir die Zeit damit, dass ich in dem Einkaufszentrum, in dem sich die VHS von M. befindet, ein wenig herumflanierte, mir eine Flasche Mineralwasser kaufte und mir das Einkaufscenter, das ich zuletzt besucht hatte, als ich 15 Jahre alt war, genauer ansah. Es war noch deprimierender, als es damals auf mich gewirkt hatte. Manche Dinge werden einfach nicht besser. Inzwischen sind dort in der Hauptsache Läden, die ihre Waren für 1 Euro oder nur geringfügig mehr verticken – aber immerhin auch zwei Drogeriemärkte, in dessen einem ich das Mineralwasser kaufte. Lebensmittelgeschäfte gibt es dort nämlich nicht; zumindest nicht in der Form von Supermärkten.

Danach ging ich auf den größeren Platz vor – oder hinter – dem Einkaufscenter, um erst einmal eine zu rauchen. Auch das deprimierte mich ein bisschen, und so ging ich zurück ins Einkaufscenter und in den Trakt, da sich die VHS befindet. Ich war noch immer viel zu früh, und da der Seminarraum noch nicht aufgeschlossen war, nahm ich im Wartebereich Platz. Alsbald kam Thijs des Weges, grinste und grüßte. Ich grinste ebenfalls und meinte: „Ich neige zu Extremen: Entweder komme ich gar nicht, oder ich bin viel zu früh!“ Er meinte: „Keine Sorge – du hast nicht viel verpasst!“ Und er schloss den Seminarraum auf und ließ mich sowie eine Teilnehmerin, die heute zum allerersten Mal da war, hinein.

Alsbald kam eine weitere Teilnehmerin, die die Neue und mich irritiert ansah und meinte: „Entschuldigung – ich suche meinen Niederländisch-Kurs …“ Ich rief fröhlich: „Dann bist du hier richtig – hier findet der Kurs statt!“ Sie sah mich noch irritierter an (klar, ich war zweimal nicht dagewesen), aber ich meinte: „Ich war zweimal nicht da! Wahrscheinlich erinnerst du dich nicht an mich. Habt ihr hier eigentlich feste Sitzplätze?“ – „Ja, da drüben sitzen immer die beiden Arbeitskolleginnen [ich hatte mich frevelhafter Weise auf einen anderen Platz gesetzt …] …“ – „Ah! Okay, dann setze ich mich mal um, denn ich bin die eine der beiden Arbeitskolleginnen!“ – „Ach, jetzt sehe ich es! Ja, klar! Du bist Ali! Sorry, ich habe ein ganz grauenhaftes Personengedächtnis! Aber deinen Namen habe ich mir gemerkt, weil man ihn oft für einen Männernamen hält.“ – „Ist doch kein Problem, und ich habe bis jetzt ja auch zu zwei Dritteln gefehlt! Wie soll man sich da ein Gesicht merken?“

Allmählich trudelten auch die anderen Teilnehmer ein, und dann kam auch Thijs dazu, und der Unterricht begann.

Beim letzten Mal hatten sie besondere medeklinkers behandelt, Konsonanten, die umgangssprachlich im Deutschen auch Mitlaute heißen, im Niederländischen eben medeklinkers, „Mitklinger“. 😉 Heute stand Grammatik an, genauer: die Konjugation oder Beugung von Verben. Damit habe ich im Allgemeinen kein Problem, und auch hier funktionierte es – obwohl es im Niederländischen einige Besonderheiten in der Schreibweise zu beachten gilt. Aber einmal mehr stellte ich fest, dass man schon „unbewusst“ viel lernt, wenn man nur lange genug in einer Grenzregion lebt. 😉

Dann lernten wir das niederländische Alphabet, und da kamen Erinnerungen hoch …

Einst, in den Neunzigern, besuchte ich meinen besten Freund Fridolin in seiner neuen Wohnung. Als ich eintraf, lief der Fernseher und dort – eher ungewöhnlich für Fridolin – der „Juniorensender“. Soeben sangen etwa zwanzig Kinder das „Alphabetlied“, wie als Untertitel eingeblendet wurde. Und ich hörte: „Aah, bej, sssej, dej, ej, eff, chchee …“ Hätte es sich um „Die Sendung mit der Maus“ gehandelt, hätte ich sofort geschaltet, aber so sah ich Fridolin an und meinte: „Der ‚Juniorensender‘ ist aber wirklich sehr sozial – das finde ich gut!“ – „Wie meinst du das?“ – „Nun ja, hör doch hin! Sie lassen auch sprachbehinderte Kinder ein nettes Lied singen! Die gehören doch auch dazu – ich finde das klasse, dass man nicht-sprachbehinderten Kindern gleich klar macht, dass andere Kinder, die da ein leichtes Handicap haben, genauso schön singen können!“

Fridolin sah mich lange und ungläubig an. Dann fragte er: „Sag mal, Alilein – wie lange lebst du schon in Aachen?“ – „Wieso fragst du mich das? Vier Jahre!“ – „Welche Länder grenzen hier in der näheren Umgebung an Deutschland?“ – „Was soll das denn? Wir leben hier bekanntermaßen im Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande! Warum fragst du mich das? Hältst du mich für doof?“ – „Das nicht, aber für ein wenig geistesabwesend, wenn du meinst, diese Kinder hätten ein sprachliches Handicap. Wo leben wir hier?“ – „In Aachen. Im Drei…länder…eck…,“, sagte ich mit ersterbender Stimme. Und es fiel mir wie Schuppen aus den Haaren, als Fridolin auch schon meinte: „Das sind kleine Holländer! Das ist das Alphabet auf Niederländisch!“ – „Tu mir einen Gefallen – erzähl das niemandem! O Gott – wie konnte ich so begriffsstutzig sein! Natürlich sind das kleine Holländer! Und wie süß sie singen! Aah, bej, sssej, dej, ej, eff, chchee …“

In Erinnerung an diese Peinlichkeit fing ich gleich zu grinsen an. Dummerweise hielt Thijs das wohl für eine Wortmeldung, und so musste ich das gesamte Alphabet auf Niederländisch aufsagen … Beim G hätte mich fast ein Lachanfall ereilt, aber ich hielt tapfer durch. Bis zu dem, was Niederländer als het lange ij bezeichnen, das Ypsilon, das sich im Grunde genauso ausspricht wie het korte ei, das ei …

Glücklicherweise hatte keiner mehr zum Alphabet Fragen, nachdem wir dann noch unsere Namen und Mailadressen mit jedem punt, apenstaartje, streep und streepje  hatten buchstabieren müssen.

Nachdem wir diese Hürde überwunden hatten, galt es, zusammenhängende niederländische Texte zu lesen, und da fiel mir auf, dass keiner so recht wollte und alle auf ihre Unterlagen auf dem jeweiligen Tisch vor sich starrten, mich eingeschlossen. Mir fiel jedoch aus dem Augenwinkel auch auf, dass Thijs‘ Blick stets auf mich gerichtet war, wenn es darum ging, dass eine(r) den Anfang machen sollte. Und so gab es mehrere Situationen, da ich anfing, denn ich kenne die Situation, wenn man als Dozent vorne sitzt oder steht und wünscht, dass jemand sich einfach traue. Und schon legte ich los.

Das werde ich künftig nicht mehr machen, egal, wie Thijs guckt! Denn mein Sitznachbar meinte: „Jetzt traue ich mich nicht mehr.“ – „Wieso?“ – „Du kannst das ja schon.“ – „Nee, nur die Aussprache – den Rest kann ich auch nicht.“ – „Ja, aber …“ – „Dann melde dich doch mal – ich will auch nicht dauernd!“ – „Ja, wahrscheinlich hast du Recht.“ – „Ja, dann hup-hup, Holland!“

So richtig wohl fühlte ich mich danach nicht mehr – bis wir dann jenen Satz lernten … Den Satz, der einfach nur klasse ist und zu jeder unliebsamen Situation passt, die es im Leben gibt.

Dat is niet mijn pakkie-an.

Diesen Satz merke ich mir, und wenn demnächst jemand eine Frage an mich hat, die mit meiner eigentlichen Aufgabe nichts zu tun hat, werde ich ihm lächelnd: „Dat is niet mijn pakkie-an!“ entgegenschleudern. „Das ist nicht meine Aufgabe!“ bzw. „Das ist nicht mein Sachgebiet!“

Umso schöner, als ich heute den letzten Einschreibwilligen eingeschrieben habe. Wer nun noch kommt, hört von mir nur noch diesen magischen Satz. Nicht auf Deutsch. Auf Niederländisch, denn da klingt er so niedlich, dass kaum jemand böse sein kann. 😉

Und eines meiner Lieblingsverben habe ich im Niederländischen auch schon gefunden: aaien. Seit ich weiß, was das heißt, frage ich nicht mehr nach, was an: Schacklin, mach dat Mäh mal ei so witzig sein soll. 😉 Denn aaien heißt streicheln. Das ist doch wirklich süß. 😊

Und so lerne ich im Niederländisch-Kurs auch noch ganz eigene Eigenheiten meiner Muttersprache. 😉 Wie ich auch schon vor geraumer Zeit lernen musste, dass einer der Lieblings-Brotbeläge meiner Kindheit auch aus den Niederlanden stamme, wo er als hagelslag bekannt ist: Kenne ich von klein auf, wusste aber bis vor ein paar Jahren nicht, dass diese Angewohnheit aus Holland kommt. Man nehme eine Scheibe Graubrot, bestreiche sie mit Butter und streue danach Schokostreusel darüber. Aber ganz besondere Schokostreusel, die wie winzige Würmer aussehen: hagelslag eben. 😉

Ich bin gespannt, was ich in dem Kurs noch so alles kennenlerne, was ich für deutsch hielt … 😉

Meine Schultern singen Opernarien oder: Die Rückkehr des „Zünslers“ …

Irgendwie wusste ich schon zuvor, dass es eine Scheißidee sein würde, zum Rasenmähen nach D. zu fahren, da ich derzeit massive Probleme mit meiner rechten Schulter habe. Nachts weiß ich kaum, wie ich mich betten solle, da diese blöde Schulter widerliche Schmerzen erzeugt, die sonstwohin strahlen und derart impertinent sind, dass es einem gleich die Stimmung verschlägt. Lege ich mich linksgelagert: Schmerz. Drehe ich mich auf die rechte Seite: Schmerz. Liege ich platt auf dem Rücken – ich kann in Rückenlage hervorragend schlafen: Schmerz; und so kann ich selbst in Rückenlage nicht schlafen, obwohl diese Schlafposition erst kürzlich gepriesen wurde, da sie der Faltenbildung entgegenwirke. 😉 Fast glaube ich, die Bauchlage wäre derzeit am schonendsten für mich. Aber in Bauchlage kann ich per se nicht schlafen …

Eigentlich hätte ich am Donnerstagnachmittag einen Termin bei meinem Orthopäden gehabt, da es so ja nicht weitergehen kann. Selbst eine Spritze in Elefantengröße hätte mich nicht geschreckt, wenn nur diese Schmerzen endlich abgestellt sein würden. Doch als ich gerade auf dem Weg zur Praxis war, klingelte mein Handy: Die Praxis war dran und teilte mir mit, es tue ihnen furchtbar leid, aber Herr Doktor habe einen Notfall in der Familie und daher überstürzt die Praxis verlassen und die Sprechstunde beenden müssen. Dafür hatte ich selbstredend Verständnis, aber glücklich war ich nicht. Habe nun aber einen neuen Termin am nächsten Donnerstag.

Da meine Eltern derzeit in Franken weilen und ihr Garten in D. sich selbst überlassen ist – keine gute Idee, da die Natur ja frech einfach macht, was sie für richtig hält -, war mir klar, dass das so nicht gehe. Ich fahre zwar regelmäßig hin, aber die letzten beiden Male war ich nach der Arbeit zu spät da, den Rasen zu mähen: Die Nachbarn hätten sich recht herzlich bedankt. Und so sah ich nur nach der Post und goss die Pflanzen, die gegossen werden mussten, während ich mit Sorge das Wachstum des elterlichen Rasens betrachtete, der sich einen Spaß daraus zu machen schien, annähernd vor meinen Augen binnen Minuten an Höhe zuzulegen. (Wahrscheinlich habe ich mir dieses Turbowachstum nur eingebildet, aber ich fand doch erschütternd, wie sehr das grüne Zeug binnen weniger Tage an Länge zugelegt hatte …)

Es führte kein Weg daran vorbei: Ich musste heute hin und mähen – Schulter hin, Schulter her. Das ist so, wie wenn frau sich die Beine rasiert: Einmal damit angefangen, muss man in hoher Frequenz wieder zu Werke schreiten, denn ansonsten droht Wildwuchs. Und wer will das schon? 😉

Nicht allerbester Stimmung, raste ich heute am frühen Nachmittag gen D., vor meinem geistigen Auge das Grauen von in den letzten vier Tagen übersprungartig gewachsenen Grases, denn vor vier Tagen war ich letztmalig in D. gewesen, da irgendein Zähler in meinem Elternhaus abgelesen werden musste und der Ableser netterweise auch am späten Nachmittag des Ablesens willens und mächtig war (ich habe schon anderes erlebt).

Schwungvoll parkte ich vor der Garage, schwungvoll schloss ich die Haustür auf. Weniger schwungvoll betrat ich das Wohnzimmer, und mit angehaltenem Atem trat ich an die Terrassentür: Was würde mich erwarten?

Allzu sehr war das Gras in den vier Tagen nicht gewachsen, da wir einen Temperatursturz erfahren hatten, aber es sah dennoch beängstigend hochgewachsen aus – da musste dringend jemand ran! Doof war, dass jemand ich war. Aber durch Warten würde es nicht besser werden, und so eilte ich gen Garage und holte alles, was ich brauchte, schloss den Rasenmäher, ein Elektrogerät, sorgfältig an, um kurz darauf festzustellen, dass dieser reizende „Abstandhalter“ für die Schnur nicht mit dem Gegenstück zusammenpasste – offenbar war das Originalteil, das ich noch von vorherigen Mähaktionen kannte, defekt und von meinem Vater durch etwas ersetzt worden, mit dem er – aber auch nur er! – hervorragend klar kommt …

Schnaubend warf ich mir die Schnur über die linke Schulter und mähte los … Die elterliche Rasenfläche ist – wenn man es realistisch betrachtet – wahrscheinlich gar nicht so riesig, dafür aber mit vielen mehr oder minder sanften Bögen und diversen Winkeln versehen. Das bedeutet häufigen Schnur- bzw. Schulterwechsel. Fluchend mähte ich meiner Wege …

Zweimal signalisierte mir der Rasenmäher: „Ich kann nicht mehr! Keinen Bock mehr, blöde Trine! Hätteste halt eher gemäht!“ Und er schaltete sich aus … (Ja, toll – ich hätte auch gern eher gemäht, aber zeitlich ging es nicht – blöder Mäher! 😉 ) Überhaupt schien er zu schwächeln, da er nicht den gesamten Schnitt in den Auffangbehälter zu schaufeln gewillt war. (Vermutlich war das Ausmaß des Schnitts einfach zu groß, und zudem hatte es in den letzten Tagen mehrfach geregnet … 😉 ) Und während sich der Mäher ausruhte, ging ich mit einem Rechen daran, den nicht aufgefangenen Schnitt zusammenzuharken. Ein selten blöder Rechen von anno Pief – er bohrte sich aufs Impertinenteste in die Grasnarbe, und das Zusammenfassen des Schnitts war ein ziemlicher Kraftakt. Meine Schulter meldete sich ebenso impertinent, aber ich beschloss, die Einwände zu ignorieren. Es musste die gesamte Fläche gemäht werden – Stückwerk ging bei der Höhe des Grases gar nicht! 😉

Und so mähte ich, bis alles, was höher als vier, fünf Zentimeter war, eliminiert war. Keine Ahnung, wie oft ich den Auffangbehälter ausgeleert habe – ich habe nicht mitgezählt. Aber als ich fertig war, sang mein rechte Schulter vor Freude. Doch nicht nur sie – auch die linke Schulter! Und ich hatte den Eindruck, dass es sich um eine Opernarie handelte. Um eine ganz bestimmte. Genauer: Es kann sich nur um Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen aus Mozarts Zauberflöte gehandelt haben, eine Sopranarie mit ganz vielen Koloraturen – sehr anspruchsvoll und schwer zu singen, zumal der Tonumfang über zwei Oktaven geht. In etwa so äußerten sich meine Schultern, und ich bin gespannt, ob ich mich morgen normal bewegen kann. Es zahlt sich nicht aus, wenn man die letzten Wochen und Monate hauptsächlich an den Schreibtisch gefesselt war … 😉

Als ich gerade alles wieder in die Garage gebracht hatte, klingelte mein Handy: Meine Mutter war dran, und sie bat mich, doch mal einen Blick auf ihren Buchsbaum-Bestand zu werfen: ob da alles in Ordnung sei, wollte sie wissen. Da ich botanisch-gärtnerisch wohl beim Verteilen der diesbezüglichen Qualitäten entweder vernachlässigt wurde oder nicht anwesend war, war mir zunächst nicht klar, warum ich nachsehen sollte. Aber man lernt ja dazu, und schon fiel mir ein, dass es letztjährig bereits ein Problem gegeben hatte, das sich Zünsler nannte. Beim Zünsler handelt es sich um einen Schmetterling, dessen Larven, vulgo auch als Raupen bekannt, sich auf Buxus spezialisiert haben: den Gemeinen Buchsbaum.

Ich ging hin und begutachtete den Bestand: Vor der Haustür sah ich kahles Gewächs, nur aus einer Buchsbaumkugel ragte oben grünes Blätterwerk – alles andere war kahl. Im hinteren Garten ein ähnliches Szenario, und als ich mich über eine der beiden kleinen Zierhecken beugte, schrak ich zurück: Eklige Raupen bahnten sich ihren Weg – gerade riss eine quasi ihr Maul auf, biss in ein Buchsbaumblatt, und binnen Sekunden hatte sie es bereits aufgefressen!

Ich erstattete Bericht, und meine Mutter meinte: „Du musst sie einzeln mit der Hand einsammeln!“ Bitte was? Igitt! Nee! Niemals! Nicht ohne Handschuhe! Ich bin normalerweise nicht so fies vor den meisten Dingen, aber diese Raupen sahen eklig und fleischig aus – nicht ohne Handschuhe … Und – zum Glück sah meine Mutter es nicht – ich trat mit Schmackes gegen die kleine Zierhecke, worauf zahlreiche grünschwarze Raupen gen Boden stürzten. Da ich Handfeger und Kehrblech zur Hand hatte, fegte ich sie rasch auf und verklappte sie im Gartenteich. Nicht nett, aber zumindest freuten sich die Fische … Noch jetzt kribbelt es überall, wenn ich an diese sich windenden Raupen denke – bah!

Als ich dann noch die Terrasse fegte, da einiges an Schnitt daraufgeweht worden war, sprach mich eine Nachbarin an: „Hallo, Frau B. junior!“ – „Hallo, Frau S.! Ich hoffe, ich habe Sie nicht allzu sehr mit dem Rasenmäher gestört! Tut mir leid, wenn doch – das Gras war schon sehr lang. Ich habe leider nicht die Zeit, öfter herzukommen.“ – „Kein Problem, Frau B.! Und Sie haben es jetzt auch geschafft. Mir tat leid, dass Sie so viel Arbeit hatten. So ein Garten macht ja wirklich viel Arbeit. Meine Familie und ich sind auch schon seit geraumer Zeit damit beschäftigt – und immer kommt etwas Neues hinzu. Aber es macht ja auch Spaß.“ – „Ja, wenn man zusammen im Garten arbeitet, macht das wirklich Spaß!“

So hörte ich mich sagen. Und schon dachte ich: „Was, zum Teufel, redest du da?“ Denn Gartenarbeit hat mir noch nie Spaß gemacht, weder im Verbund, noch allein! 😉 Das ist einfach nicht mein Ding. Im Garten sitzen – toll! Im Garten grillen, ein Bierchen dabei – supertoll! Aber im Garten arbeiten? Gar nicht toll! Ich arbeite gern – aber nicht im Garten! 😉

Und doch werde ich alsbald wieder hinmüssen. Mit Gummihandschuhen, um die letzten Reste des Buchsbaums zu retten – sofern möglich …

Euch ein schönes Wochenende! Meine Schultern „singen“ immer noch … 😊

„Herr, wirf Hirn – bitte!“

Ich bin zwar nichtgläubig, aber es gibt Tage, da ich kurz davor bin, zu rufen: „Herr, wirf Hirn vom Himmel – und bitte schnell und reichlich!“

Wir haben sicherlich alle mal Tage, da nicht alles so geschmeidig und reibungslos läuft, und es gibt auch Tage, da wir vielleicht nicht ganz so geistesgegenwärtig sind. Ich ertappte mich an Tagen, an denen es mir selber so erging, ergeht, ergehen wird, schon dabei, wie ich: „Herr, wirf Hirn, bitte!“ vor mich hin- und dabei an mich selber dachte. Ich bin ja nicht sakrosankt – ganz im Gegenteil. 😉

Solange es dabei nur um mich selber geht, ist ein etwaiges Fail-Syndrom zwar ärgerlich, aber es schadet niemand anderem. Sollten andere involviert sein, sehe ich zu – und das zack-zack! -, dass ich meinen Fehler ausbügle und eine Lösung anbiete.

Zum Glück habe ich noch nie etwas verursacht, das schwerwiegende oder gar tödliche Folgen hatte. Zumindest weiß ich von nichts Derartigem.

Am vergangenen Wochenende las ich in einer überregionalen Zeitung in der Onlineversion etwas, das mir fast das Herz zerriss. Ich bin sehr tierlieb, und ich finde furchtbar, wie manche Menschen mit Tieren – aber auch Mitmenschen – umgehen. So gedankenlos – Bosheit muss nicht immer im Spiel sein. Ich nenne es mal Gedankenlosigkeit, obwohl es so viele andere Begriffe gibt, die hier passen würden. Einer fängt mit einem D an und hört mit –heit auf, der andere beginnt mit einem I und lautet auch auf I aus. Wird auch gern kombiniert mit einem Adjektiv: dem Gegenteil von leer oder unbefüllt.

Da war ein dreifacher Hundehalter mit seinem Kleintransporter zu einem Termin gefahren – die Hunde hatte er bei sich, denn diese – so seine später erfolgte Auskunft – hätten mitgewollt. Ja, klar – Hunde möchten immer bei ihrer Bezugsperson sein … Nichts Neues unter der Sonne. Nur ist schade, wenn die Bezugsperson wenig oder gar nicht mitdenkt.

Da er sie wohl nicht mitnehmen konnte und/oder wollte, ließ er die Hunde – alle drei kapitale Burschen – in dem bei fast 30 °C Lufttemperatur in der Sonne geparkten Wagen zurück. Kam auch erst fast zwei Stunden später zurück. Und dann: Großes Erstaunen, denn die armen Tiere kamen ihm gar nicht wie sonst fröhlich entgegengesprungen, sondern lagen apathisch hechelnd in Seitenlage in der mutmaßlich über 60 °C aufgeheizten Todesfalle, die doch bei Abfahrt nur ein konventionelles Auto gewesen war. Ein konventionelles Auto mit drei kapitalen Hunden auf der Ladefläche, die nun gar nicht mehr so kapital, sondern eher arm und klein wirkten. Einer hatte sich erbrochen, und er hatte Blut erbrochen, wie es hieß.

Immerhin war „Herr Hundehalter“ so schlau, die Tierrettung zu rufen, die sofort kam, und schnell schleppte man die armen drei Kerle aus dem Wagen in den Schatten, verabreichte Infusionen, versuchte, die Tiere mit Wasser zu kühlen. Anwohner schleppten eimerweise Wasser an den Tatort, Schläuche kamen zum Einsatz, und völlig Unbeteiligte maßen bei den völlig apathischen Hunden die Temperatur. Als die Infusionen nicht reichten, wurde die Feuerwehr alarmiert, die umgehend mit einem ganzen Karton Infusionen ankam und sogar dafür sorgte, dass ausnahmsweise dem Wagen der Berufstierrettung von der Feuerwehr mit Sonderrechten der Weg zur nächstgelegenen Tierklinik freigemacht wurde, als die drei Hunde dann kreislaufstabil waren.

Genutzt hat all das dennoch nicht: Ein Hund nach dem anderen starb innerhalb weniger Stunden. Aber – so der schlaue Halter – sie hatten ja mitgewollt …

Mitgegangen – mitgefangen – mitgehangen, so heißt es. Immerhin ist der völlig gedankenlose Halter (ich vermeide andere Adjektive, die besser passen würden) inzwischen wegen Tierquälerei angezeigt worden. Aber was bringt das, wenn Tiere doch noch immer als Sachen gelten. Ist doch nur Sachbeschädigung …

Das alles zu lesen, hat mich ziemlich aufgebracht. Fast noch mehr jedoch die Reaktionen mancher Kommentatoren unter dem Artikel, denn einige waren sich weder zu schade, noch zu schlau, sich zu beschweren, dass in Deutschland die Tierliebe doch wohl kranke Formen annähme. Und sie verglichen die beschriebene Situation mit der, da vor kurzem ein Hund seine zwei Halter getötet habe, was – da der Hund tierquälerisch gehalten wurde – eine Petition ins Leben gerufen hatte, den Hund am Leben zu lassen, da er lange genug gelitten habe. Ich habe sie nicht unterschrieben. Ich fand die Situation tragisch, und mir taten Mensch und Tier leid. Ich war mir jedoch nicht sicher, wie man sicher sein könne, einen solchen, über Jahre hinweg offenbar misshandelten, Hund resozialisieren zu können, wenn er nicht einmal vom Grunde her sozialisiert war. Mich störte die Tatsache, dass jeder Hinz und Kunz – ganz neutral gemeint – sich ohne jedwede Vorkenntnis einen Hund anschaffen könne.

Dennoch nervte mich die Gleichsetzung im Kommentarbereich sehr. Ja, es gibt sicherlich Menschen, die Tiere verhätscheln, vermenschlichen, womit Tieren ganz sicher nicht gedient ist. Aber es gibt auch Menschen, die mit Tieren umgehen, wie es sich gehört, weil sie sich mit den Bedürfnissen des jeweiligen Tieres zuvor auseinandergesetzt haben. Und dazu gehört meines Erachtens auch Mitgefühl, wenn ein Tier schlecht behandelt wird. Mitgefühl ganz ohne Zuckerguss, ohne swarovskibesetzte Halsbänder, putzige „Hundekleidung“ (gruselig!) – einfach für ein Lebewesen, das ebenfalls in der Lage ist, zu fühlen.

Nachdem ich den Artikel, jedoch auch die Kommentare gelesen habe, mache ich mir um meine in vielen Jahren anstehende Rente noch mehr Sorgen … Und um Denk- und Differenzierungsvermögen, die doch eigentlich vorausgesetzt werden können sollten. Oder nicht? 😉 Klingt vielleicht arrogant, ist aber gar nicht so gemeint. Ihr habt die Kommentare nicht lesen müssen … 😉

Fazit: Nie, niemals Kinder und/oder Tiere bei höheren Außentemperaturen allein im Auto lassen. Immer mitnehmen. Oder zu Hause lassen und jemanden abstellen, der auf sie achtgeben kann.

Es wird Jahr für Jahr in den Medien gewarnt. Dabei sollten doch schon der normale Menschenverstand oder zumindest eigene Erfahrungen ausreichen: Sicherlich hat jeder von uns schon einmal im Spätfrühling oder Sommer in einem stehenden Auto gesessen und am eigenen Leib verspürt, wie heiß das da drin ist. Ich erst letzte Woche, nach dem Arbeitstag, als mein Auto über acht Stunden Zeit hatte, sich derart aufzuheizen, dass ich erst gar nicht einsteigen konnte und mir – als Motor und Klimaanlage schon liefen – die Hand am Schalthebel verbrannt habe. Dabei reicht schon eine Viertel-, eine halbe Stunde, um ein Auto für ein kleines Kind oder einen Hund zur Todesfalle werden zu lassen. Aber viele Menschen scheinen es – trotz aller medialen Warnungen – nicht zu begreifen. Von gesundem Menschenverstand gar nicht erst zu sprechen.

Sorry – kein netter Text. Aber ich war wirklich fassungslos, als ich den Zeitungsartikel las.

Trotzdem: Euch einen schönen Abend! 🙂

 

„Prettig met u kennis te maken!“

Heute fuhren Jana und ich nach der Arbeit gemeinsam los. Der zweite Termin des Niederländisch-Kurses stand an, und diesmal konnte ich problemlos teilnehmen. 😉

Es ist ein kleiner Kurs, denn es gibt nur 7 Teilnehmer, obwohl mehr auf der Liste standen, die heute wohl erstmalig zur Verfügung stand und auf der man die einzelnen Termine abhaken muss. Offenbar hatte die Liste auf mich gewartet. 😉

Während die anderen Teilnehmer alle ihre Haken oder Kreuzchen machten, verkündete Thijs, der Dozent, heute komme noch ein Mann dazu. Wie zu erwarten, waren – abgesehen von Thijs selber – fast nur Frauen im Kursraum. Bis auf einen versprengten Mann, der mit seiner Freundin Niederländisch lernen möchte, da sie beide mit dem Gedanken spielen, sich in „het kikkerlandje“ dauerhaft niederzulassen.

Jana raunte mir zu: „Wahrscheinlich fühlt sich Thijs wohler, wenn noch ein weiterer Mann anwesend ist,“, und ich lachte gedämpft, da man ja nicht gleich durch eine dreckige Lache auffallen möchte. Offenbar jedoch war der Mann verspätet. Und nicht nur das – er tauchte gar nicht auf! Dafür aber hörte ich von Thijs ein erstauntes: „Ach!“, als ich ihm die Liste zurückgab, und da fiel der Groschen. Er hatte mich meines Vornamens wegen, den er wohl für einen männlichen gehalten hatte, völlig falsch eingeschätzt. 😉 Ich grinste ihn an und hob meine Schultern, und er grinste zurück.

Dann wurde wiederholt, was letztmalig behandelt worden war, und Thijs meinte zu mir: „Versuch es einfach – wir sind ja noch ganz am Anfang.“ Ich war ratz-fatz mit dem Übungszettel fertig. Ich hatte ja schon einen halben Niederländisch-Kurs vor vielen Jahren gemacht – offenbar war viel hängengeblieben. Sogar die Uhrzeiten, die meine frühere Aachener NL-Dozentin Marjolein so schmählich vernachlässigt hatte, hauten hin. Es ist nicht so schwer. Und ich bin hier besonders lernwillig, weil ich diese Sprache schon immer lernen wollte – schon von Kindesbeinen an, da ich sie so mag.

Dann ging es – wie Jana mir schon von der letzten Stunde zu berichten gewusst hatte – an die Aussprache. Da hatte ich schon gegrinst, denn noch immer hatte ich ganz plastisch vor Augen, wie Mike, ein Bekannter aus Aachen, der mit meiner damaligen Kurskollegin und guten Freundin Marilu verheiratet und darüber hinaus Niederländer ist, nach den jeweiligen Kursstunden das „ausbügelte“, was uns seiner Meinung nach dort nicht optimal beigebracht worden war. Speziell an unserer Aussprache des für Nicht-Niederländer sehr, sehr heiklen Lautes ui hatte er vieles zu meckern, und es stellte sich heraus, dass er ein echter „Schleifer“ sein konnte. Als ich nach etwa zweistündigem – gefühlt längerem – Üben sämtlicher UI-Wörter, die ihm einfielen, schließlich das Wort uien, Zwiebeln, authentisch aussprechen konnte, hatte ich fast Tränen in den Augen stehen, in etwa so, als hätte ich diese Scheiß-Zwiebeln allesamt geschält und kurz und klein geschnitten. Und an Marjolein hatte er auch zu meckern: „Was hat die euch als Beschwerde im Restaurant beigebracht, wenn das Hähnchengericht nicht schmeckt? De kip is niet lekker? Sagt das nie, niemals, nicht einmal dann, wenn es stimmt, in den Niederlanden! Denn dann könnte man euch für niet lekker halten, denn das heißt auch nicht ganz dicht sein. Ich sehe schon, was Idiome anbelangt, besteht hier großer Aufbesserungsbedarf.“ Wir versprachen und schworen, dass niemals derartige Formulierungen unseren Sprechwerkzeugen entfleuchen würden. Ich zumindest habe mich seither immer daran gehalten, und lieber hätte ich behauptet, jegliches noch so wenig genießbare Gericht wäre eine wahre Offenbarung gewesen, nur um die Wendung niet lekker zu vermeiden. 😉
Auch lernte ich, dass man niemals sagen dürfe, man sei satt. Denn den Begriff gibt es auch im Niederländischen, und er schreibt sich zat. Heißt aber etwas ganz anderes als im Deutschen, nämlich be- oder sturztrunken.

Mike war in der Hinsicht zwar ein echter Einpeitscher, aber offenbar im besten Sinne. Niemals würde ich in Holland äußern, das Essen sei zwar niet lekker gewesen, ich aber trotzdem zat. 😉

Thijs machte es spannend, als es um die korrekte Aussprache ging, und schon präsentierte er uns eine Liste von Wörtern, die wir der Reihe nach laut aussprechen sollten, dazu entscheiden, ob ein Laut lang oder kurz ausgesprochen werde – die Regeln hatte er kurz zuvor erklärt. Und er begann auf der anderen Seite der U-förmig aufgestellten Tische. Ich zählte die Begriffe ab – bei der Nummer 7 würde ich dran sein. O Gott! Passend zu meiner unvergleichlichen Fähigkeit, ständig die Arschkarte, das kürzere Streichholz zu ziehen, stand hinter der Nummer 7 in de tuin, was, so wusste ich noch, im Garten heißt. Ich war die Einzige, die einen Begriff mit diesem für Neusprachler undurchdringlichen ui-Laut hatte! Das war extrem unfair, wie ich fand. 😉 Alle anderen hatten so schöne Wörter und Begriffe, und es half mir auch nicht, dass Thijs auf meine vorherige Frage, wie man den ui-Laut am besten isoliert und nachhaltig übe, gesagt hatte: „Stell dir die Geräusche vor, die Seehunde machen, und dann machst du die nach!“ Sehr schön! Ich finde ja immer, dass der typische Ruf von Seehunden (zeehonden) immer ein wenig so klinge, als übergebe sich gerade jemand. „Ah, ja“, sagte ich und fügte hinzu: „Die Nachbarn werden sich freuen!“ Dann aber dachte ich: „Kopp hoch – nur die Harten kommen in de tuin!“

Gespannt blickte Thijs mich an. Ich räusperte mich, hängte meinen Unterkiefer aus, um einen seehundartigen Laut zu produzieren, und dann fing ich zu sprechen an. Ich bin mir sicher, dass Mike mich noch mindestens eine halbe Stunde lang tuin, uit, uien und weitere Wörter, die, von Muttersprachlern artikuliert, immer so charmant klingen, monoton hätte wiederholen lassen.

Thijs hingegen war begeistert! Er sah mich an, als hätte ich soeben das Rad erfunden, und dann rief er: „Das war perfekt!“ Ich staunte nicht schlecht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Thijs aus Den Haag stammt, Mike hingegen aus Arnhem. Man muss die unterschiedlichen Dialekte, Akzente und Mundarten beachten. 😉

Als wir dann noch in unserem Lehrbuch, das Wat leuk! heißt, was in etwa mit Wie schön/nett/lustig/toll! zu übersetzen ist, obwohl ich der Ansicht bin, dass man dieses Wort gar nicht mit dem Gefühl, das dahinter steht, ins Deutsche übersetzen könne, seit ich Mascha kenne, die insgeheim bei mir auch Leukje heißt (sie sagt es immer mit derartiger Inbrunst, dass selbst toll dieser Inbrunst nicht gerecht wird), mehrere Dialoge per Lückentextauffüllung stemmen sollten, wobei wir den Text von einer CD hörten, muss ich wohl Zweifel bei Thijs ausgelöst haben. Denn als ich mich freiwillig zum Vorlesen des zweiten – sehr formellen – Dialoges meldete und sogar alles richtig hatte, sah er mich nachdenklich an und bat mich nach der Stunde zu sich.

„Das ist nicht deine erste Niederländischstunde gewesen, oder?“ meinte er in seinem reizenden niederländischen Akzent. „Nee,“, sagte ich, „ich hatte mal einen Kurs angefangen, aber der war nicht so gut wie dieser hier, und da habe ich ihn wieder abgebrochen – es machte einfach keinen Spaß. Und sich hinzuzwingen, bringt ja nichts. Aber das ist viele Jahre her.“ – „Wo war das? Kann es sein, dass du an der niederländischen Grenze gelebt hast – oder in der Nähe?“ – „Ja, mittendrin im Dreiländereck. In Aachen. Quasi am drielandenpunt.“ – „Ha! Lag ich doch richtig! Das habe ich sofort gehört! Da sind einige Besonderheiten in deinem Akzent!“ – „O je, das ist sicherlich schlecht.“ – „Nein. Man hört halt nur den Einfluss. Man hört aber auch, dass du offenbar ein annähernd natürliches Gespür für die Sprache hast. Das ist sehr gut. Unbedingt weitermachen.“

Super. Da ich in nächster Nachbarschaft der Provinz Limburg gelebt habe, klinge ich für jemanden, der Hoch-Niederländisch spricht (klingt irgendwie auch ein bisschen bekloppt: Hoch-Niederländisch), sicherlich so, wie es für einen Norddeutschen klingt, der ins tiefste Bayern zieht. Ich grinste Thijs an, der grinste zurück und meinte: „Man hört es ein bisschen an den Vokalen. Aber alles wunderbar und authentisch! Unbedingt weitermachen!“

Ich war überrascht: Ich lebe doch schon so lange nicht mehr in Aachen und sehe auch Mascha nur selten. Was einem alles ganz unbewusst so anhaftet! Sogar in Fremdsprachen …

Offenbar hat der sprachliche Einfluss aus Vaals, Maastricht und Umgebung mehr hinterlassen als die Bemühungen von Mike, der aus der Provinz Gelderland stammt. Glücklicherweise lebt er, denn sonst würde er im Grab rotieren – er fand die Limburgse Mundart immer ziemlich furchtbar … Armer Mike – da hatte er sich solche Mühe gegeben … 😉

Ich werde mich künftig bemühen, doch mehr die Hochsprache zu lernen. 😉 Spaß macht es allemal! 😊