Eine Begegnung mit der Vergangenheit – Oder: Kochen kann manchmal frustrierend sein

Heute war ich bei meinen Eltern. Ich hatte eigentlich schon letztes Wochenende hinfahren wollen. Meine Eltern wohnen etwa 20 Kilometer entfernt von mir, aber wir sehen einander nicht so oft, und in der letzten Zeit hatte ich wiederholt das Gefühl, ich sollte mal öfter vorbeifahren, zumal ich meine Eltern sehr mag, jeden der beiden auf seine ureigene Weise. 😊

Aber letztes Wochenende war ich derart erschlagen, dass ich lieber einfach zu Hause bleiben wollte. Meine Mutter klang ein wenig enttäuscht, als ich ihr das am Telefon sagte, und das tat mir leid. Und mein Vater rief aus dem Hintergrund, sie würden gerade Altlasten verklappen, und da wären einige Sachen von mir, die ich doch bitte mal in Augenschein nehmen solle – ob man die gegebenenfalls wegwerfen könne. Oder ob ich die behalten und mitnehmen wolle. Nachdem wir das Telefonat beendet hatten, kam mir eine Idee. Und ich rief erneut an und meinte zu meiner Mutter: „Ich komme nächstes Wochenende, und dann koche ich für euch ein Stifado!“ – „Dieses griechische Schmorgericht, von dem du mir neulich so begeistert erzählt hast?“ – „Genau!“ rief ich selbstbewusst, und meine Mutter meinte, das sei ja eine nette Idee. Dann müsse sie an dem Tag ja gar nicht selber kochen – das sei doch mal eine nette Abwechslung.

Heute fuhr ich hin, und eigentlich hatte ich die Zutaten selber besorgen wollen, aber meine Mutter meinte: „Nee, lass mal, das mache ich schon.“ Und so lagen die wesentlichen Zutaten auch schon bereit, als ich um 14:15 Uhr eintraf. Sogar die Schalotten hatte meine Mutter schon abgezogen, und ein Kilogramm Rindfleisch aus der Hüfte lag bereit. Ich musste es nur noch schneiden, und zwar in Stücke, die etwas größer als die Größe bei einem „normalen“ Gulasch sind.

Doch zunächst wollte ich einmal mehr Montys Wischwassertank auffüllen – die letzte Befüllung auf dem Parkplatz meines Arbeitgebers war im Grunde nur eine „Notbefüllung“ gewesen, da der Tank komplett leer war. Meine Mutter meinte zu meinem Vorhaben: „Du machst das selber?“ – „Ja, klar – wer sonst?“ – „Naja, bei meinem Auto macht das immer Papa.“ Ich sah sie an und staunte. Denn meine Mutter ist ein sehr patenter Mensch, und mehrfach hatte ich sie auf Fahrten gen und in Franken ziemlich tough über die geöffnete Motorhaube ihres jeweiligen Autos gebeugt stehen sehen. Einmal hatten wir auf der Fahrt dorthin ein Problem mit dem Kühlwasser gehabt – der Motor stand wohl kurz vor dem Kochen. Meine Mutter fuhr an der nächsten Raststätte heraus, parkte schwungvoll vor einer der Zapfsäulen und öffnete die Motorhaube, über die sie sich dann kurz darauf beugte. Ich gestehe, meine Mutter war die erste Frau, die ich in dieser Position – über einer geöffneten Motorhaube – wahrnahm und konzentriert in den Motorraum starren sah. Als sie sah, dass sie da wohl nichts machen konnte, meinte sie: „Ali, aussteigen. Du gehst jetzt mal in die Tankstelle und fragst dort jemanden, ob er helfen könne. Wir können so nicht weiterfahren. Das Kühlwasser scheint zu kochen.“ Ich rannte in die Tankstelle und holte Hilfe. Der freundliche Mann riet uns, in die nächste Werkstatt zu fahren – so könnten wir nicht weiterfahren. Meine Mutter meinte: „Das war mir auch klar, aber danke.“ Und wir fuhren in die nächste Werkstatt am Platze. Dort grinste man und meinte: „Ja, der Fiesta hat halt noch einige Mängel. Sie sind nicht der erste Fall, der mit einem Fiesta von der Autobahn kommt und exakt dieses Problem hat. Also machen Sie sich keine Gedanken, gute Frau!“ Ich war erst zehn Jahre alt, aber ich verzog mein Gesicht peinlich berührt – ganz falscher Ansatz … Meine Mutter meinte sehr kühl: „Die ‚gute Frau‘ können Sie sich sparen – ich bin nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen gekommen!“ Der KFZ-Mechaniker entschuldigte sich sogleich, und immerhin wurde der Schaden, offenbar eine „Kinderkrankheit“ bei diesem Auto, behoben, und wir konnten weiterfahren.

Meine Mutter war es, die mir als Kind beibrachte, wie man den Ölstand richtig messe („Der Wagen darf nicht kalt sein – merk dir das!“). Wie man dynamisch und vorausschauend Auto fährt. Und nun wundert sie sich, dass ich in der Lage bin, Wischwasser nachzufüllen? Liegt es an mir, oder liegt es daran, dass sie sich manche Dinge nicht mehr zutraut? Ich fragte sie, und da meinte sie: „Ali, manche Dinge werden schwieriger, je älter man wird. Es liegt nicht an dir, denn du bist ja immer recht unerschrocken gewesen – wieso sollte ich daran zweifeln, dass du so einfache Dinge wie das Nachfüllen von Wischwasser könntest? Mir selber traue ich das nicht mehr so zu. Und ganz ehrlich: Ich war eigentlich immer froh, wenn dein Vater das machte. Ich fand das immer recht lästig, wenn auch notwendig, zu wissen, wie das gehe.“ – „Ja, aber du hast solche Dinge doch immer so pragmatisch angepackt!“ – „Manche Dinge muss man einfach tun, Ali – gefallen hat mir das nie so recht. Oder brichst du in Entzücken aus, wenn du unter eine Motorhaube guckst?“ Nee, kann ich nun wirklich nicht behaupten – es reicht, wenn die Jungs in meiner Vertragswerkstatt sich des Motorraums meines Autos annehmen, sofern nötig.

Nach getaner Arbeit widmete ich mich dem Kochen. Ich machte alles so, wie ich das hinsichtlich des Rezepts kannte. Aber irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas Essentielles fehle. Ich briet das Fleisch an, gab die Schalotten dazu, würzte und löschte dann mit Rotwein ab. Und dann schob ich das wunderbare Ofengericht in den vorgeheizten Backofen. Alle Gewürze waren drin, auch Zimt.

Ich ließ das Ganze erst einmal eine Stunde im Ofen. Dann wollte ich eigentlich nachsehen, ob sich alles richtig entwickle, aber meine Mutter meinte: „Mach dir nicht so viel Stress – das Zeug schmort da ganz allein vor sich hin.“ Hätte ich nachgesehen, wäre mir wahrscheinlich aufgefallen, dass etwas Entscheidendes fehlte … 😉

Nach eineinhalb Stunden holte ich den Topf aus dem Ofen und stellte fest, dass zwar das Fleisch gar war, sich aber erstaunlich wenig Sauce im Topf befand. Nicht zu wenig, aber weniger, als ich angenommen hatte. Meine Mutter kam dazu und sagte nach einem Blick in den Topf: „Irgendwie erinnert mich das Ganze an das Gulasch von Oma K.“ Und sie probierte, sah mich an und meinte: „Es schmeckt auch so ähnlich.“ Mit Oma K. war ich nie so auf einer Wellenlänge gewesen, und nun sollte ich etwas gekocht haben, das ihrem „Gulasch“ ähnelte? Ich probierte selber und stellte fest, dass meine Mutter Recht hatte. Und schon fiel mir der Fehler auf: „O Gott – es hätten noch geschälte Tomaten aus der Dose hineingehört! Weil die fehlen, gibt es auch vergleichsweise wenig Sauce! Wie konnte ich nur die Tomaten vergessen?“ Ich raufte mir die Haare, und meine Mutter lachte und meinte: „Immerhin! Dafür, dass du mit Oma K. nie so gut ausgekommen bist, hast du das, was sie immer als ‚Gulasch‘ bezeichnete, sehr gut nachgekocht!“

Hervorragend! Aber ich lachte auch und dachte mir: „Manchmal kommen sie wieder!“ (Das ist der Titel einer Geschichte von Stephen King.) Und als wir uns dann zum Essen hinsetzten und mein Vater probierte, meinte er: „Das schmeckt so ähnlich wie das, was meine Mutter immer als Gulasch gekocht hat!“ Na, danke! Da stehe ich stundenlang in der heißen Küche, gebe mir Mühe – und heraus kommt etwas, das jeder schon einmal gegessen zu haben wähnt! 😉

Ich war zerknirscht – noch nie hatte ich eine Zutat vergessen. Aber meine Mutter meinte, es sei doch gut, und das Einzige, worüber sie etwas verärgert war, war die langfaserige Qualität des Fleischs. Danach verkündete sie, sie wolle ohnehin Vegetarierin werden …

Muss ich mir jetzt Gedanken machen? 😉 Immerhin war das Fleisch so schön weich, dass man es mit der Gabel zerteilen konnte … Und ich habe obendrein etwas gelernt: Oma K. war viel weltoffener, als ich dachte: Sogar Stifado konnte sie! 😉

Mein Tipp: Kocht immer nur für andere, wenn ihr nicht völlig und komplett durch den Wind seid. Kochen bedarf der Konzentration. 😉

„Irgendeine(r) heulte immer …“

Gestern hatten wir anlässlich des Geburtstages einer Kollegin ein kleines Frühstück. Wir saßen zusammen, redeten über alles Mögliche, und irgendwann erzählte eine der Kolleginnen von einem Kindergeburtstag, den sie demnächst ausrichten und überleben müsse, wie sie sagte. Eine andere Kollegin, ebenfalls Mutter, meinte nur: „Mein herzliches Beileid!“ Und alle lachten. Auch die Nichtmütter, denn jede hatte wohl Erinnerungen an eigene Geburtstagsfeiern, die von ihren unerschrockenen Müttern organisiert und trotz aller möglichen Widrigkeiten immer irgendwie gut und vor allem tapfer „gestemmt“ wurden.

Auch ich erinnerte mich an diverse Geburtstagspartys meiner Kindheit und meinte grinsend: „Im Grunde gab es immer ein festes Schema bzw. einen festen Ablauf. Irgendeine(r) heulte immer. Oder – mit Verlaub – kotzte.“ Alle lachten, und die eine der beiden Mütter nickte und meinte: „Ja, das kenne ich auch. Entweder muss man trösten, schlichten, oder man wischt Erbrochenes auf.“ Erneut lachten alle, und alle waren sich einig, dass so ein Kindergeburtstag zwar nach außen als fröhliches Event gelte, aber im Grunde eher einem Pulverfass gleiche und somit eine echte Nervenprobe sei. Für die ausrichtenden Eltern, hier vornehmlich: Mütter. 😉

Ich habe keine Kinder, aber – wie gesagt – ich habe ein sehr gutes Gedächtnis. Und ich erinnerte mich, dass es bei uns damals bisweilen schon vor der eigentlichen Party zu Unstimmigkeiten kam. Nicht bei mir, ich war nicht betroffen, aber zwei Nachbarsmädchen, davon die eine meine damals beste Freundin Britta, hatten beide am selben Tag im Mai Geburtstag. Nur war die eine, Babette, ein Jahr älter und beabsichtigte, just an ihrem Geburtstag eine Party zu veranstalten. Britta protestierte, denn eine ähnliche Idee hatte sie ihrerseits schon gehabt. Und wir luden auch immer die Nachbarskinder mit ein (was die Anzahl der Gäste auf einer der beiden Partys ziemlich schrumpfen lassen würde). Zumindest die, mit denen wir uns im Allgemeinen gut verstanden.

Was mich noch heute vor die Frage stellt, warum ich dann eigentlich Babettes Bruder Christoph immer miteinladen musste – mit dem gab es immer Zoff, und bei einer Geburtstagsparty seiner Schwester hatte er nicht nur sämtliche Mädels dauernd attackiert, sondern – quasi als Höhepunkt der Feier – mich auch noch mittels einer Schaufel, die er mir über die Rübe zog, niedergestreckt, so dass ich eine kurze Zeit bewusstlos auf dem Rasen lag, während Christophs Mutter zunächst einmal Britta und Christoph trennte, da sich zwischen beiden eine Prügelei androhte, da er Britta auch noch attackiert hatte, wenn auch „nur“ mit den Fäusten. Dabei machte sich die Mutter eigentlich nur Sorgen um ihren Sohn – und sicherlich gab sie auch mir die Schuld an meinem KO auf dem Rasen, obwohl Christoph seit jeher als jähzornig und Störenfried bekannt war. Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, erschien es der Mutter besser, mich nach Hause zu schicken. Nicht etwa, dass sie Christoph ins Haus geschickt hätte, nein!

Babette und Britta gerieten in Streit, und sie keiften einander furchtbar an, während ich zu schlichten versuchte und den Vorschlag machte, eine von beiden könne ja einen Tag nach ihrem Geburtstag feiern – die Party würde dadurch sicherlich nicht schlechter. Erst wollten sie davon nichts wissen, und wir mussten abzählen, wer als erste würde feiern dürfen, als sie sich schließlich mit der Lösung auseinandersetzten. Und so feierten wir erst bei Babette, am nächsten Tag bei Britta (da dröhnte mein Kopf auch nicht mehr so sehr, denn just in jenem Jahr hatte Christoph während Babettes Feier seine „Charmeoffensive“ gestartet … 😉 )

Ich bekam als Kind immer eingetrichtert, mich bloß nicht zu sehr vollzustopfen, mich eher bescheiden zu verhalten, damit ich nicht als Vielfraß gälte. Ich vermute jedoch, meine Mutter sagte dies aus Gründen der Vorsicht, da ich seit jeher einen etwas empfindlichen Magen habe, der bei allzu viel kalter Limo oder gar O-Saft – egal, ob kalt oder warm – zu streiken begann. Das dann noch in Kombination mit Kuchen, Flips, Chips und später den obligatorischen Würstchen mit Kartoffel- und Nudelsalat hätte durchaus zu einer Katastrophe ausarten können. Das überließ ich dann doch lieber anderen … 😉

Eine meiner Geburtstagspartys artete auch aus. Eigentlich war es nicht nur meine Geburtstagsparty, sondern die meiner Schwester und mir. Unsere Geburtstage liegen nur zweieinhalb Monate auseinander, und an meinem im August waren wir ohnehin in Franken gewesen. Ergo feierte ich nach, während Stephanie an ihrem Geburtstag selber feiern konnte.

Eingeladen waren vergleichsweise viele Kinder, und meine Patentante hatte zugesagt, ebenfalls zu kommen und meiner Mutter in der Betreuung der „Wilden“ zu helfen. Außerdem war noch die Mutter von Stephanies Sandkastenfreund da, um den wir beide immer konkurrierten, wer ihn mal heiraten würde. Einmal sogar, als er dabei war, und meine Schwester meinte gebieterisch, sie habe immerhin die älteren Rechte, da sie ihn länger kenne. Und so fragte sie ihn direkt, welche von uns er heiraten wolle. Daraufhin sagte er zu Stephanie, dass er, wenn es überhaupt dazu käme, wohl mich nehmen würde. Stephanie wurde zickig und fragte, warum, und da meinte er: „Weil Ali nicht so zickig ist und mich nicht dauernd herumkommandiert.“ – „ICH BIN NICHT ZICKIG!“ zickte Stephanie, und er grinste nur. Ich sagte lieber nichts. Merkwürdigerweise war Stephanie danach nur auf mich sauer … irgendwie ungerecht. 😉

Gernots Mutter war eigentlich nur dabei, weil meine Mutter und sie einander gut verstanden – soviel Aufsicht war nun auch nicht vonnöten, und meine Mutter kam im Grunde auch immer allein klar mit der ganzen Bande, aber ich glaube, sie fand es selber netter, nicht nur von schreienden Kindern umgeben zu sein … 😉

Als Christoph und Babette eintrafen, fragte Christoph sofort, ob man nicht einmal den Fernseher einschalten könne. Er war bei jedem Besuch total fixiert auf dieses Gerät, da seine und Babettes Eltern aus ideologischen Gründen keines hatten. Im Prinzip eine gute Methode, ihn in Schach zu halten … Aber meine Mutter meinte, es sei doch schöner, würde er mit den anderen spielen (meine Mutter ist manchmal wirklich todesmutig … 😉 ). Ich hätte Christoph lieber die ganze Zeit vor dem Fernseher gewusst … 😉

Das Geburtstagsgeschenk meiner Tante für Stephanie wurde lieber umgehend aus dem Verkehr gezogen, damit es seine Ruhe haben konnte, denn es handelte sich um einen Goldhamster nebst Käfig und Hamsterzubehör. Meine Mutter brachte den Käfig lieber gleich in Stephanies und mein Zimmer, als zahlreiche Kinder sich darum scharten und einige Hände schon hineingriffen, um den friedlich pennenden „Ulli“ aus seinem Schlaf zu reißen, was bei Hamstern im Allgemeinen keine so gute Idee ist – allein schon angesichts ihrer Zähne … 😉

Dann ging es ans Auspacken der Geschenke, und das dauerte ein bisschen, da es so viele waren. Britta schielte da schon dauernd zum sehr liebevoll dekorierten Esstisch hinüber, auf dem diverse Kuchen standen … Und endlich gab es dann auch Kuchen und im Anschluss viele Spiele. Topfschlagen stand damals auf der Beliebtheitsskala sehr weit oben … 😉

Gegen 6 gab es dann Abendessen – natürlich Würstchen mit Kartoffel- und Nudelsalat; das war von allen Kindern gewünschter Standard.

Und da kam es zum Eklat, denn Babette meinte zu meiner Mutter: „Kann man die Würstchen auch mit der Gabel schneiden? Meine Mami kauft nur Würstchen, die man auch mit der Gabel schneiden kann!“ Und sie mühte sich ab, mit dem Messer ein Stück von ihrer Wurst abzuschneiden, die genauso war, wie Würstchen für meinen Geschmack sein sollten: knackig. 😉

Gernot, der eher ein Gemütsmensch ist, neben ihr saß und den ihre teils recht hysterische Art – mehrfach hatte sie bereits wegen Bagatellen in den höchsten Tönen geheult – schon mehrfach genervt hatte, reichte es. Und er sagte: „Die Würstchen hier sind klasse, und die kann man auch mit der Gabel schneiden!“ Und schon nahm er seine Gabel und zerteilte mit Nachdruck Babettes Würstchen in zwei Hälften. Leider spritzte dabei von der Wurstflüssigkeit etwas auf Babettes Arm und in ihr Gesicht … Und schon verwandelte sie sich erneut in eine Sirene und kreischte hysterisch in den höchsten Tönen, während Christoph, der einige Plätze weiter entfernt gesessen hatte, wutentbrannt aufsprang, dabei erst sein volles Glas, dann seinen Stuhl umwarf und zu Gernot stürmte. „Was hast du mit meiner Schwester gemacht?!?“ brüllte er und fing an, auf Gernot einzuschlagen, untermalt vom sirenenartigen Gekreisch seiner Schwester, die schrie, als wäre sie nicht von ein bisschen lauwarmem Wurstwasser benetzt worden, sondern als würde sie mit glühenden Feuerzangen gefoltert. Eine Stimmung wie im Tollhaus …

Meine Mutter, meine Tante und Gernots Mutter sprangen ihrerseits auf und überwältigten Zerberus Christoph. Meine Mutter donnerte: „Christoph, du setzst dich jetzt sofort wieder auf deinen Platz und gibst Ruhe! Was soll denn das?“ (Ich grinste leise in mich hinein.) Derlei Behandlung war Christoph nicht gewohnt, und offenen Mundes starrte er meine erzürnte Mutter an, schlich dann aber lieber wieder auf seinen Platz. Später wollte er nicht mehr gar so gern zu uns kommen, und seine Mutter fragte meine vorwurfsvoll, was sie denn ihrem kleinen „Toffi“ angetan hätte – der hätte gesagt: „Nee, ich will nicht mehr zu B.s.“ – „Warum denn nicht, Toffi?“ – „Ich habe Angst vor Frau B.!“ – „Was haben Sie mit ihm gemacht, Frau B.?“ – „Ich habe ihm lediglich ein paar passende Worte gesagt, weil er einen Anfall von Jähzorn hatte und einen anderen Jungen geschlagen hat. Übrigens haben einige Kinder Angst vor Ihrem ‚Toffi‘!“ Ich muss sicherlich nicht dazusagen, dass das Verhältnis zwischen Toffis und meiner Mutter danach temporär nicht ganz so herzlich war … 😉

Babette bekam von Gernots Mutter ihr Fett weg: „Ein bisschen Wurstwasser, und du kreischst hier herum, dass das Haus fast zusammenstürzt – du bist doch kein Baby mehr. Mal ehrlich: War das so schlimm?“ Babette war ebenfalls wie vom Donner gerührt und sofort still. Meine Mutter begutachtete sie und fand keinerlei schlimme Brüh- oder Brandverletzungen. Sie fand gar nichts und lenkte dann mittels eines Spiels von dem Vorfall ab.

Später gab es dann eine wirklich Verletzte. Und schon wieder war Gernot involviert, in den sich eine von Stephanies Freundinnen spontan verliebt hatte, was jedoch nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Und auch Britta schien ein Auge auf ihn geworfen zu haben – immerhin hatte er die Würstchen-Affäre so gelassen gehändelt und konnte ja nichts für den hysterisch-jähzornigen Ausbruch der beiden Geschwister aus dem Nachbarhaus … Und irgendwie kam es zu einer Rangelei zwischen Gernot, der sich die beiden Grazien vom Hals halten wollte, Marie und Britta. Marie war recht groß und etwas kräftiger gebaut, und im Wahn, die Konkurrenz von „ihrem Gernot“ fernhalten zu müssen, gab sie Britta einen heftigen Stoß. Britta knallte mit dem Kopf auf den Wohnzimmerteppich und blieb – wie nur wenige Monate zuvor ich auf dem Rasen der Nachbarn – benommen liegen. (Ihr seht: Irgendwie war bei uns regelmäßig jemand kurzzeitig bewusstlos oder benommen, nachdem er ausgeknockt worden war. Wie? Das gehörte bei euch nicht zum festen Programm? 😉 ) Das Ganze war so schnell gegangen, dass niemand rechtzeitig hatte eingreifen können. Meine Mutter war gerade nur kurz in die Küche gegangen, und Gernots Mutter und meine Tante waren auch nicht schnell genug im Zentrum des Wahnsinns gewesen, weil alles zunächst noch harmlos gewesen und sich dann ganz plötzlich in einen Kampf um den offenbar von mehreren Mädels präferierten Gernot gewandelt hatte, schneller, als man „Hallo“ sagen kann. Mama kam sofort herbeigerannt, als sie mich Marie anschreien hörte: „Na, toll! Jetzt ist Britta tot!“ – „Was?“ rief meine Mutter und kam alarmiert angerannt, während Gernots Mutter und meine Tante sich um die hingestreckte Britta kümmerten, die gerade wieder zu sich kam. Meine Tante fuhr dann sicherheitshalber mit ihr ins Krankenhaus, aber zum Glück fehlte ihr nichts Ernsthaftes, wenn man von einer kleinen Platzwunde absah.

Das war der Moment, da meine Mutter aussah, als dächte sie: „Lieber über glühende Kohlen laufen, als einen Kindergeburtstag organisieren …“ Aber sie riss sich zusammen, und wir spielten noch einige Spiele, und Mama regte sich auch gar nicht über eine Vase auf, die dabei zu Bruch ging. Wahrscheinlich hatte sie sich einfach der Tollhaus-Atmosphäre ergeben und dachte sich: „Völlig egal – Hauptsache, es gibt keine Toten!“ 😉

Und daher widme ich den Beitrag allen Müttern und Vätern, die sich diesem Vergnügen aussetzen (müssen). Nicht immer ist es so turbulent, aber manchmal eben schon. Vor dieser Leistung ziehe ich meinen Hut. Außerdem kenne ich ähnliche Situationen – ich habe längere Zeit ehrenamtlich auf der Kinderstation des Krankenhauses von D. gearbeitet, sonntags. Da lernt man einiges … 😉

Ein schönes Wochenende! 😊

Ali bringt Mädels zum Weinen und schämt sich … Aber nur ein bisschen …

Ich gestehe, der Plural „Mädels“ ist ein bisschen übertrieben, denn ich hatte heute und auch jemals zuvor in meiner derzeitigen Position nur ein weinendes Mädel am Telefon. Aber dieses Mädel weinte so heftig, dass es gleich für mehrere gilt …

Gestern um 24 Uhr lief die Bewerbungsfrist für einen bestimmten Aspekt meiner – seit Anfang Oktober – bisherigen Arbeit aus, und ich machte schon gestern zum Feierabend drei Kreuze – obwohl ich damit rechnete, dass der auf dieses Angebot meines Arbeitgebers abgestimmte Mailaccount sicherlich heute explodieren würde. Und ich rechnete auch mit postalisch zugesendeten weiteren Anträgen, obwohl doch explizit gewünscht wurde, diese per Mail zu schicken … (Denn derzeit ist es ja so, dass ich – eher unfreiwillig – stellentechnisch „auf zwei Hochzeiten tanze“, auf denen ich quasi bis dato die Anwesenden und Gepflogenheiten nur rudimentär kenne.)

Heute täuschte mich Outlook zunächst, indem es auf diesem speziellen Account zunächst gar keine neuen Mails anzeigte. Aber ich traute dem Braten nicht. Und kaum klickte ich den Account an, explodierte er auch schon! -zig neue Anträge, die noch zu bearbeiten wären …

Meine neue Kollegin Jana meinte mit einem Blick auf mich: „Ali, ich wollte gerade in die Poststelle – ich könnte Hilfe beim Tragen gebrauchen!“ Und sie winkte mir verstohlen mit ihrer Schachtel „Lucky Strike“ zu. Ich grinste und meinte: „Ich helfe dir gern beim Tragen – ich brauche ja auch noch einiges, vor allem Ordner.“ Und ich winkte mit meiner eigenen Schachtel „Lucky Strike“ zurück. Sehr sympathisch – Jana raucht nicht nur, sondern sie raucht auch noch „meine“ Sorte! 😉 Und schon schritten wir von dannen, erst zur Poststelle, dann zu Janas speziellem Rauchplatz, wo ich auch schon früher mal zum Rauchen war. Dort sagte sie mir: „Boah, ich beneide dich nicht. Von einer neuen Stelle auf die nächste, und dann quasi zweigeteilt. Als ich sah, dass du dir vorhin in die Haare gegriffen hast, und als ich deinen Blick sah, dachte ich, frag Ali, ob sie nicht mitgehen möchte. Tragen können hätte ich das Ganze auch allein. Aber ich finde das schon krass.“ – „Ach, es wird schon gehen.“ – „Ja, sicher. Aber entspannend ist das sicher nicht.“ – „Entspannend ist anders.“ Und schon kamen wir ins Plaudern. Und Lachen.

Zurück am Arbeitsplatz, harrten die zahlreichen neuerlichen Anträge noch immer meiner. (Was hatte ich auch erwartet?) Und eine Mail, in der stand: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich gern bewerben – welche Unterlagen brauche ich? Schicken Sie mir die doch bitte zu!“ Abgeschickt um kurz vor 22 Uhr gestern, und ich fragte mich, was die junge Dame – denn eine solche war es – sich dabei wohl gedacht hatte. Die Bewerbungsfrist von Anfang Januar bis gestern – und just gestern um kurz vor 22 Uhr kommt sie auf die Idee … Während mein Schreibtisch unter der Last von Anträgen fast zusammenbricht …

Und ich fragte mich, warum immer die mangelnde Digitalisierung der Gesellschaft beklagt werde. Gerade solch junge Leute wie die junge Frau, die da anfragte, können doch kaum ohne ihr Smartphone, Tablet etc. pp., und sie kennen sich – so die landläufige Meinung – mit derlei Medien erheblich besser aus als ältere Menschen. Warum nur kommen sie nicht auf die Idee, mal rechtzeitig auf Seiten zu gehen, die offenbar wichtig sind? Warum fragen sie um kurz vor 10? Und was erwarten sie – dass der Account 24/7 bedient werde? 😉

Ich schrieb eine freundliche, aber eindeutige Mail an die junge Dame, in der ich ihr erklärte, dass sie leider zu spät dran sei, nachdem die Frist Anfang Januar begonnen und gestern Schlag 12 nachts geendet habe. Ich teilte ihr auch noch mit, wo sie das Antragsformular hätte finden können (das erschreckend viele Antragsteller auch ohne diese Hilfestellung ganz normal gefunden hatten). Sicherlich würde sie das verstehen. Und ich widmete mich den rechtzeitig eingetroffenen Anträgen.

Doch da klingelte mein Telefon, und ich ging dran und meldete mich fröhlich-optimistisch. Und natürlich mit meinem Namen. 😉 Erst hörte ich nichts, obwohl ich merkte, da war jemand am anderen Ende. Es war, als stutzte jemand. Und mit einiger Verzögerung hörte ich ein Schniefen. Und eine etwas piepsige Stimme fragte: „Frau B.?“ – „Ja.“ – „Frau B., ich habe gerade Ihre Mail bekommen. Sie sagen, dass ich mich nicht mehr bewerben könne …“ – „Ja, und das meine ich auch so. Denn die Bewerbungsfrist endete gestern.“ – „Aber – ich habe doch vor Mitternacht angefragt!“ – „Ja, eben. Angefragt.“ – „Aber das gilt dann doch noch! Ich habe mich ja bei Ihnen gemeldet!“ Ich griff mir an den Kopp. (Sorry, aber die letzten Tage waren anfragetechnisch etwas heftig …) Dann sagte ich: „Ja, aber eine Anfrage oder Meldung ist kein Antrag. Ihren Antrag hätten Sie einreichen müssen.“ – „Ich hatte doch kein Formular – das müssen Sie mir doch schicken!“ In sehr forschem Tonfall, und ebenso forsch gab ich zurück: „Nein, das muss ich durchaus nicht, denn es ist alles hübsch auf unserer Webseite zu finden, und ich will auch nichts von Ihnen, sondern Sie von uns. Andere haben das auch gefunden – entschuldigen Sie, bitte, wenn ich das so sage.“ Erneutes Schniefen war die Antwort, und wenn ich auch ein durchaus mitfühlender Mensch bin, war ich hier genervt. Man hatte wohl darauf abgezielt, mich weich zu stimmen. Offenbar hatte man auch mit einem Mann gerechnet, wie man im weiteren Verlauf des Gesprächs erklärte. Ja, tut mir leid – damit konnte ich nicht dienen … 😉

„Ja, aber ich habe doch vor Mitternacht eine Mail geschickt!“ – „Ja. Eine Mail. Aber keinen Antrag.“ – „Frau B. – bitte machen Sie doch eine Ausnahme!“

Erst vor zwei Tagen sagte meine Kollegin Gina, die ein Telefonat mitbekommen hatte, das ich mit einem potentiellen Antragssteller geführt hatte, ich sei zu freundlich und zu lieb. Sie meinte, sie hätte meine Art total schön gefunden und sich sicherlich als Antragssteller sehr wohlgefühlt – aber die sollten doch, bitte, auch noch etwas selber machen! Sie hatte es sehr freundlich gesagt, aber ich hatte sofort verstanden. Je freundlicher, desto mehr Gefahr, ausgenutzt zu werden. Das hatte ich mir zu Herzen genommen.

Und so sagte ich: „Liebe Frau […], ich verstehe Sie durchaus. Aber verstehen Sie auch, bitte, mich! Ich kann und möchte keine Ausnahme machen. Denn wenn ich hier eine Ausnahme mache, haben alle anderen, die sich zu spät um die Dinge kümmern, um die sie sich durchaus eher hätten kümmern können, weil die Frist lang genug war, auch ein Anrecht auf Ausnahmen. Und das sehe ich, ehrlich gesagt, gar nicht ein. Denken Sie bitte auch ein bisschen an die Menschen, von denen Sie erwarten, Ausnahmen zu machen. Ich sitze hier ganz allein und habe einen Haufen Anträge, die rechtzeitig eingereicht wurden. Und da erwarten Sie von mir, eine Ausnahme zu machen. Warum sollte ich das tun? Das sehe ich nicht ein – das würde einen Rattenschwanz anderer Ausnahmen nach sich ziehen!“ – „Sie kennen meine Situation nicht!“ – „Sie meine auch nicht. Also verbleiben wir so: Sie haben sich leider zu spät gerührt, und ich mache keine Ausnahmen.“ Da legte sie auf, allerdings noch mit einem extralauten Schluchzer …

Ich sah Jana an und fragte: „Jana? War ich unfreundlich?“ – „Nein. Du hast nur klipp und klar erklärt, dass das so nicht gehe. Das war gut!“

Na, immerhin. So richtig toll fühlte ich mich dabei nicht. Ich wollte nie ein „Bürokratenhengst“ werden. Aber das war ich ja auch gar nicht … 😉 Es reicht einfach nur irgendwann. 😉 Vor allem nach all den anderen Telefonaten der letzten Tage und Wochen, da ich immer mehr den Eindruck gewann: „Das Bildungsniveau ist nicht unbedingt gestiegen. Wohl aber die Ansprüche derer, die hier anrufen und dich wie Karl Arsch behandeln.“

Immerhin rief dann heute noch eine Bewerberin an, mit der ich auch schon mehrfach telefoniert hatte und ihr heute erneut erklären musste, ihr nicht weiterhelfen zu können. Sie ist aber sehr freundlich, und so sagte ich: „Es tut mir wirklich sehr leid, Frau K. – ich würde Ihnen gerne etwas anderes sagen.“ Da meinte sie: „Ach, Frau B., machen Sie sich keinen Kopp! Es wäre schön, wenn es klappen würde, aber ich weiß, dass es schwierig ist. Aber ich möchte mich bei Ihnen bedanken: Sie sind immer so freundlich und hilfsbereit!“

Ich war fast überwältigt und bedankte mich herzlich. Nicht lange zuvor hatte ich immerhin jemanden zum Weinen gebracht … (Obwohl es ziemlich aufgesetzt klang. So nicht! 😉 )

Kleiner Nachtrag: Weinen hilft nicht immer, auch wenn dieser Irrglaube weitverbreitet ist. Richtig doof wird es, wenn man a priori und aufgrund eines Namens glaubt, gleich mit einem Mann zu telefonieren – und dann meldet sich eine Frau, die ohnehin von Ausreden schon genervt ist und auf Weinen gar nicht so recht anspringen mag. Warum?

Weil sie die Tricks alle selber kennt … 😉 Bisweilen ohne jeglichen Nutzen schon höchstselbst eingesetzt hat. 😉

Euch ein schönes Wochenende – und mir auch. 😉

„Mein Name ist ‚Undzwar‘! ‚Hallo Undzwar‘!“

Ja, ich weiß – das liest sich ziemlich bescheuert. Eine kleine Entlehnung von: Mein Name ist Bond. James Bond. Aber diejenigen unter euch, die oft dienstlich telefonieren müssen, telefonieren mit externen, nicht betriebszugehörigen Menschen, die ratsuchend bei euch anrufen, wissen sicherlich sofort, was ich meine.

Ich habe noch gelernt, meinen Namen zu nennen, wenn ich irgendwo anrufen muss, weil ich eine Frage habe. Eine Auskunft wünsche. Mit einem anderen menschlichen Lebewesen fernmündlich kommuniziere, wie das in grauer Vorzeit so hübsch hieß. 😉

Als ich noch klein war, ziemlich klein im Sinne von sehr jung, hatte ich immer ein bisschen Schiss vor dem Telefon. Vielleicht auch wegen des sehr lauten Klingelns, denn ich bin ein sehr ausgeprägtes Geräuschsensibelchen, und vielleicht war die Klingel des elterlichen Telefons auch etwas sehr laut eingestellt, obwohl keiner von uns je schwerhörig war. Drangehen? Ich? Niemals! Und selbst wenn schon jemand anderes drangegangen war und der Anrufer dann mich sprechen wollte – zum Beispiel an meinem Geburtstag -, nahm ich den Hörer stets derart vorsichtig und zögerlich an mich, als könne er jeden Moment explodieren. Und obwohl ich eigentlich ein sehr sprechfreudiger Mensch bin, war ich als Kind – etwa bis zu meinem sechsten, siebten Lebensjahr – stets knapp mit Worten, wenn ich einen Telefonhörer am Ohr hatte.

Das hat sich grundlegend geändert, und mindestens mein Vater bereute sicherlich spätestens seit meiner Pubertät und solange ich bei meinen Eltern lebte, mir immer wieder gesagt zu haben, ich solle am Telefon ruhig lebhaft sein. Denn das habe ich irgendwann hinreichend verinnerlicht und setze es seither mit Fleiß um. Ich bin eine begnadete Telefoniererin (selbst flirten kann ich da begnadet 😉 ) – und manchmal auch Telefonistin.

Im Dienst, zum Beispiel. Denn ich werde oft angerufen. Spätestens seit Anfang Oktober, da ich meine Stelle nach vielen Jahren intern wechselte. Ich bin seither zuständig für mehr oder minder junge Leute, die sich bildungstechnisch weiterentwickeln oder verändern wollen.

Wann immer mein Telefon klingelt, melde ich mich brav mit dem Namen meines Arbeitgebers, dem ich meinen eigenen hinterherschiebe, und das Ganze in einer fröhlich-optimistisch klingenden Manier. Wir sind ein Dienstleister, und so bin auch ich Dienstleisterin. Und da muss der Ansprechpartner auch einen Namen haben. Ich finde jedoch, das gelte auch für andere nicht-dienstleistende Telefonate. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch, aber ich finde, es schade nie, wenn man wisse, mit wem man spreche. Wichtig auch, weil man sich ja durchaus bisweilen verwählen kann …

Meine Schwester Stephanie hat da mal ein einschlägiges Erlebnis gehabt. Sie wollte meine Oma väterlicherseits anrufen und wählte, wie sie glaubte, Vorwahl und Anschluss (in Wirklichkeit wählte sie – da sie meiner Mutter simultan unbedingt noch von einem Erlebnis erzählen wollte – zweimal den Anschluss). Es meldete sich eine ältere Dame mit dem Namen „Wilser“. Meine Oma hieß Ilse, und meine Schwester plauderte, wie es ihre Art ist, wild drauflos: „Hallo, Oma! Wie geht es dir? […] […] […]“ Frau Wilser kam gar nicht zu Wort. Stephanie meinte hinterher, ein wenig habe sie sich schon gewundert, dass meine Oma väterlicherseits, sonst gar nicht so progressiv, sich mit ihrem Vornamen gemeldet habe, und so habe sie zwischendurch auch gefragt, ob es Oma denn gut gehe, was diese jedoch bejaht habe, obwohl ihre Stimme gar nicht so fröhlich und überhaupt so gar nicht wie die ihre geklungen habe. Und Stephanie plauderte und plauderte, und die arme Frau Wilser fragte, ob es der Mama und dem Papa und Stephanie selber denn auch gut gehe, was Stephanie bejahte. Dann jedoch fragte „Oma“ nach „Jacqueline“. Stephanie fragte irritiert, wen „Oma“ denn damit meine, und da meinte „Oma“ wohl: „Aber Kind! Deine Schwester!“ – „Aber Oma! Meine Schwester heißt Ali!“ – „Wer spricht denn da?“ – „Oma! Ich bin es doch, Stephanie!“ – „Ich kenne keine Stephanie!“ So klärte sich alles auf, und Frau Wilser lachte sich halb kaputt und fand das Ganze sehr sympathisch. Meine Schwester habe ich noch nie derart rot angelaufen gesehen, und damals – es war während meiner Pubertät – fand ich das mal ganz lehrreich. 😉

Allein, um solche Situationen zu vermeiden, wenn Frau Wilser sich wohl doch gefreut hatte, dass ihre Familie sie vermeintlich angerufen hatte, sollte man doch gleich, wenn sich jemand meldet, seinen Namen nennen. Oder nicht?

Vermutlich sehe ich das völlig falsch, denn ich habe heute mindestens sechs bis sieben Anrufe entgegengenommen, da man sich nach meinem fröhlich-optimistischen Abnehmen und meinem Spruch wie folgt meldete: „Hallo! Und zwar habe ich ein Problem/eine Frage/viele Probleme/viele Fragen …“

Es ist kein gänzlich neues Phänomen. Ich habe das schon vor einiger Zeit bemerkt, und „Und zwar“ klingt in meinen Ohren wie ein Reizwort, seit es mir erstmalig unangenehm auffiel. Mal im Ernst – was für eine bescheuerte Einleitung zu einem Telefonat ist das? Noch dazu ohne Nennung des Namens … Ich bin ja schon froh, wenn wenigstens ein „Hallo“ vorgeschoben wird – ich habe aber auch schon Telefonate geführt, die ganz ohne „Hallo“, „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ abliefen, sondern bei denen nahtlos an meinen Begrüßungsspruch „Und zwar“ angeschlossen wurde … Frage ich nach einem Namen, klingt der Gesprächspartner nicht selten vorwurfsvoll, nennt er diesen dann, als hätte ich das doch per se wissen müssen …

Mit Verlaub – ihr könnt mich gern engstirnig nennen -, wenn ich dieses „Und zwar“ höre, sehe ich schon rot, und meine Schläfenadern fangen leise zu pochen an. Meist jedoch erst nach dem sechsten, siebten, achten Mal in Folge. Wenn man oft telefonieren muss, fallen einem bestimmte Dinge eher auf als jemandem, der nur selten oder privat telefoniert. (Und mir ist auch bewusst, dass jeder irgendeine nervende Angewohnheit hat. Aber eben jeder irgendeine – das Und-zwar-Phänomen hingegen scheint inzwischen flächendeckende Ausbreitung erfahren zu haben … 😉 )

Ich scheine irgendetwas verpasst zu haben – man meldet sich inzwischen mit „Und zwar“ und nennt um Himmels willen nicht mehr seinen Namen! Offenbar habe ich den Moment verpasst, da dies geschah. (War sicherlich gerade eine rauchen …) Wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Wegfall von Bindestrichen, wo sie durchaus sinnvoll sind, mit dem Erstarken dessen, was allgemein als Deppenapostroph bezeichnet wird – und wozu überhaupt Präpositionen? 😉

Nein, ich bin nicht immer so kleinkariert, aber es nervt, wenn man derart unkultiviert und im Grunde unhöflich wieder und wieder angesprochen wird – unter Umständen auch noch unfreundlich. Und das merkt man besonders stark, wenn man viel dienstlich telefoniert. Ich telefoniere übrigens privat großenteils auch ganz anders, aber dann doch nicht so, wie viele meiner Anrufer sich bei meinen Diensttelefonaten artikulieren.

Der oder die Nächste, der oder die mich anruft und sich mit „Und zwar …“ meldet, wird von mir aufs Höflichste und durchgängig mit „Herr/Frau Undzwar“ angeredet. Mal sehen, wie er – oder sie – reagiert … 😉

Ali – très énervée

Ja, auch ich habe schlechte Phasen in meinem Leben, und heute meinte meine (Ex-)Kollegin Kerstin zu mir: „Boah, du redest seit deinem Wechsel nur noch über die Arbeit – ich fange an, mir Sorgen zu machen!“ Ich starrte sie bewusst irre grinsend an und meinte: „Woran könnte das wohl liegen? Zwei komplett neue Stellen binnen etwa viereinhalb Monaten, -zig neue Portale, die ich kennenlernen muss, -zig neue Themengebiete – und erst die ganzen Passwörter! Aber sieh mal, wie fröhlich ich lächle!“ Und ich grinste noch irrer, bis sie – für gewöhnlich hart im Nehmen – rief: „Bitte hör sofort damit auf! Das ist nicht die Ali, die ich kennengelernt habe!“ Und dann lachten wir beide dreckig, ich noch dreckiger als Kerstin. 😉

Denn ich bin derzeit wirklich ein bisschen „fratze“. Es ist nicht nur so, dass ich mich nun binnen kurzer Zeit in ein erneut völlig unbekanntes Gebiet einarbeiten müsse, was keine Probleme bereitet. Nein, ich muss auch noch das Aufgabengebiet der „alten“ „neuen“ Stelle mitmachen, da diese nicht so schnell neu besetzt werden kann. Und bezüglich dieser Aufgaben war oder bin ich ja auch noch in der Einarbeitungsphase … Derzeit fühle ich mich bisweilen wie auf einem Dreimaster, dessen Steuermann plötzlich ins Koma gefallen ist, und der unerwartet in einen Hurrikan geraten ist … 😉

Gestern Abend hatte ich nach Feierabend dann auch noch einen zünftigen Auffahrunfall, an dem ich auch noch schuld bin. Nicht, dass ich geschlafen hätte – beileibe nicht! Es war nur eine sehr hektische Situation auf einem engen Supermarkt-Parkplatz, und ich setzte in meiner matschigen Verfassung auch nur ein Stück zu weit zurück, um einen Idioten durchzulassen, der mich schon bei Einfahren auf den Parkplatz bedrängt hatte, viel zu dicht auffuhr. Ich fuhr eine halbe Runde vor ihm her und fand eine Parklücke, in die ich rückwärts einparken wollte. Hinter mir stand ein anderes Auto. Hatte ich alles gesehen, und so setzte ich an, einzuparken. Aber der Idiot, der zuvor hinter mir gewesen war, kam vor mir nicht vorbei und fing wie ein Bescheuerter zu hupen und aufzublenden an – dazu gestikulierte er in einer Weise, die sogar mir zu obszön vorgekommen wäre. Ich – ohnehin schon „um“ und „in der Wurst“ – wollte den blöden Kerl vorbeilassen, um ihn loszuwerden, und ich drehte mich noch um und befand, da sei noch viel Platz zwischen mir und dem bis dato unbeteiligten Dritten, der in der Parklücke hinter mir stand. Aber es war bereits dunkel, und ich verschätzte mich – und dann machte es bumm!

Ich hatte das Glück, einen netten Unfallgegner zu haben, der sofort meinte: „Der Typ hat Sie genötigt und bedrängt – ich konnte das genau sehen!“ – „Ja, aber der ist nun weg, und im Endeffekt bin ich Ihnen in die Karre gefahren und ganz eindeutig schuld. Ich hätte mich einfach so verhalten sollen wie sonst und mich nicht irritieren lassen sollen. Die Schuld liegt bei mir, das ist ganz klar.“ Und wir riefen vorschriftsmäßig die Polizei, aber der Motorradpolizist, der dann auftauchte, lachte nur und meinte: „Was erwarten Sie nun von mir?“ – „Dass Sie den Unfall aufnehmen?“ meinte ich ein wenig irritiert, aber da lachte er schon und meinte: „Ich bin gerade hierhergefahren, weil ich von der Zentrale darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es einen Unfall auf diesem Parkplatz gebe, bei dem die Parteien offenbar nicht einig seien. Ganz ehrlich: Ich bin hierhergekommen in dem Bewusstsein, dass sich hier zwei Parteien die Köppe einschlügen und ich einen Platzverweis, eine Verwarnung aussprechen sowie ein Verwarngeld erheben müsse! Und ich komme hier an und sehe die beiden Beteiligten dastehen, freundlich plaudern, lachen und zusammen eine rauchen! Merken Sie sich: Wir kommen im Grunde zu Unfällen nur noch raus, wenn es hart auf hart kommt.“ Der Unfallgegner und ich starrten einander irritiert an, und ich meinte: „Jahrzehntelange Indoktrination, bei einem Unfall ja sofort die Polizei zu rufen, für die Wurst!“ Der Unfallgegner lachte sich scheckig und meinte: „Sie und ich stammen offenbar aus derselben Zeit.“ So sah es aus. 😉

Die Sache läuft nun, seitdem ich gestern noch meine Versicherung in Kenntnis gesetzt habe.

Heute hatte ich einen Termin bei meinem Bis-dato-Chef, der aber immer noch irgendwie mein Chef ist, da ich ja auch die Sachen aus seiner Abteilung noch voll bearbeite. (Die ich auch zum allerersten Male mache …) Es ging um Klärung des weiteren Prozesses. Ich kam mit einer hübschen Liste und hatte alles im Griff. Ehrlich gestanden, wunderte es mich, dass ich den Termin überhaupt hatte – es lief doch alles.

Man erklärte mir jedoch, dass ich ja so wenig Rückfragen gehabt hätte – offenbar erwartete man Chaos und das Schlimmste. Aber ich hatte ja meine hübsche Liste, und ich konnte auch alle Fragen beantworten. Der Chef starrte mich überrascht an und meinte: „Warum hat Frau N. mich dann angesprochen, dass sie die Befürchtung hätte, irgendetwas laufe nicht so gut?“

Ich sah den Chef an, mit sehr großen Augen, und ich meinte: „Ja, das kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Da müssen Sie Frau N. fragen.“ Er sah noch einmal auf meine Unterlagen, rief das Ganze auf dem Server ab und meinte: „Ist doch alles prima! Was will sie denn?“ Ich lächelte und meinte: „Wie gesagt – ich kann Ihnen das nicht beantworten.“ – „Sie meinte, Sie hätten kaum Rückfragen gehabt, und das sei doch nicht normal.“ – „Ach, ich finde, dass der Begriff normal ohnehin über- und bisweilen ganz falsch strapaziert werde.“ – „Ich werde Frau N. darauf ansprechen. Frau B. – mir tut das mit Ihrem Unfall sehr leid. Ich befürchte, dass die von uns induzierte Doppelbelastung daran einen großen Anteil habe – Sie fahren doch immer so umsichtig.“ – „Äääh …“ – „Ich bin mehrfach hinter Ihnen gefahren, als Feierabend war, und Sie waren immer sehr umsichtig.“ – „Ja, das bin ich normalerweise auch. Gestern wohl nicht.“ – „Ja, wahrscheinlich ist diese Mehrfachbelastung schuld.“ – „Aber nein!“ rief ich, obwohl ich ein ähnliches Gefühl hege. 😉 „Ich hätte halt besser aufpassen müssen!“ – „Aber das tun Sie sonst doch. Es tut mir sehr leid!“ – „Jetzt hören Sie aber auf! Sie können nichts dafür – immerhin bin ich gefahren! Ich möchte davon jetzt auch nichts mehr hören.“ – „Na gut.“

Mit Frau N. werde ich auch noch sprechen und mich bedanken, dass sie mich unnötigerweise in eine für mich unangenehme Situation gebracht hat. Ich kenne sie ja nun schon recht lange, wenn wir auch nie direkte Kolleginnen waren. Ich werde jegliche Frage nach ihrem Befinden vermeiden, da ich die Antwort aufgrund jahrelanger Erfahrung ohnehin schon kenne: Seufzen. Stöhnen. Und dann der Satz: „Es geht mir nicht gut …“ Das kenne ich nun schon seit vielen Jahren und staune immer wieder, dass es einem Menschen geschlagene 15 Jahre am Stück nicht ein einziges Mal gut gehen könne …

Da bin ich mit meinem mutmaßlichen 1000-Euro-Schaden am Auto doch noch gut bedient! Und auch, wenn es teurer wird, werde ich auf die Frage, wie es mir gehe, gewiss nicht mit: „Es geht mir nicht gut …“ antworten. 😉 Zumal ich ja nicht Opfer, sondern Täter bin. 😉

Morgen muss ich Zahlungsanweisungen machen und buchen. Drückt mir die Daumen … 😉

Neunzehn Uhr vierzig

Wenn es so weitergeht, wird exakt diese Uhrzeit mein künftiger gewöhnlicher Feierabend sein. Zumindest für die nächsten Wochen – ich hoffe nicht, dass Monate daraus werden …

Denn derzeit gehöre ich zu jenen, die „zween Herren“ dienen. Seit Anfang der Woche sitze ich an meinem neuen Arbeitsplatz – seit der Mittagszeit habe ich einen funktionsfähigen Arbeits-PC (ich ging eigentlich davon aus, dass dieser bereits zu meinem gestrigen Arbeitsbeginn bereitstehen würde – aber ich hatte mich geirrt 😉 ), und es ist immer wieder erstaunlich, worüber man sich freuen kann, wenn es zuvor nicht funktionierte … Ich freute mich heute wie ein Schneekönig, als ich auf meinem Arbeitsdrucker auch endlich drucken konnte … 😉 Zwar funktioniert ein bestimmtes Tool noch nicht, aber ich habe bereits den Zuständigen alarmiert, der hoffentlich morgen Abhilfe leisten wird.

Dabei muss ich jedoch auch noch die Dinge bearbeiten, die ich seit Anfang Oktober auch erst lerne. Kein Wunder, wenn man da etwas länger im Büro sitzt. Schon jetzt fühle ich mich etwas zweigeteilt, tröste mich jedoch mit dem Gedanken, dass vom klassischen Vierteilen betroffen zu sein sicherlich noch schlimmer wäre. 😉 (Ähnlich beliebt in früheren Zeiten wie Teeren und Federn sowie der Scheiterhaufen.)

Gestern stempelte ich mich um 19:40 h aus. Heute desgleichen, und der freundliche Pförtner meinte, als er meiner ansichtig wurde: „Frau B.! Sie gehen aber immer spät in letzter Zeit!“  Ich lächelte, wie ich glaubte, fröhlich, und da meinte er: „O je – so schlimm?“ – „Aber nein, Herr da Silva – alles bestens!“ – „Wirklich? Sie sehen ein bisschen gestresst aus.“ – „Das kommt Ihnen nur so vor. Aber danke der Nachfrage.“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht nur Herrn da Silva so vorkomme, dass ich irgendwie gestresst wirke. Mir kommt das auch so vor. 😉 Nein, eigentlich habe ich sogar das starke Gefühl, dass dem wirklich so sei. Mein Tipp: Beklagt euch nie über Langeweile am Arbeitsplatz! Denn diese Klagen – wenn auch berechtigt – haben mich erst an diesen 19:40-h-Punkt geführt. 😉

Und im Gefühl, irgendwie zweigeteilt und in beiden Teilen noch recht unzulänglich zu sein, eierte ich zum Parkplatz. Im Dunkeln gekommen, im Dunkeln gegangen. Kenne ich noch aus meinem ersten Semester – Wintersemester – von den Dienstagen, da die erste Vorlesung um 08:15 h begann, die letzte von vier Lehrveranstaltungen um 18:30 h endete. Auch da: Im Dunkeln zur Fron gegangen, im Dunkeln von der Fron heimgekehrt. 😉 Unvergessen.

Und ich hatte heute wieder das typische und übliche Erlebnis, als ich Wischwasser beim kleinen Monty, meinem dunkelblauen Ford Fiesta, nachfüllen wollte, da der Tank heute früh nach dem Enteisen meiner Frontscheibe ganz plötzlich leer war – es hatte sich schon angekündigt. Ich war zwar schon fertig und hatte gerade die Motorhaube wieder einrasten lassen, ja, ich saß sogar schon im Auto, die Tür noch offen, als ein jüngerer Mann des Weges kam, grinste und fragte, ob denn alles in Ordnung sei. Offenbar hatte er mein Tun zuvor schon beobachtet. Und wie üblich äußerte ich meinen bekannten Sermon: „Alles bestens. Ich habe nur Wischwasser nachgefüllt. Sah ich irgendwie hilflos aus?“ – „Nein, aber Sie hatten die Motorhaube geöffnet!“ – „Ja. Sicherlich. Wie sonst sollte ich wohl den Wischwassertank auffüllen? Oder sitzt der bei Ihrem Wagen irgendwo anders als bei anderen Autos?“ Ich klang, glaube ich, ein bisschen nickelig. Es mag daran liegen, dass das Auffüllen des Wischwassers heute eine der wenigen Aktionen war, die mir wirklich perfekt und aus dem Handgelenk gelungen waren – und schon kommt jemand und zweifelt an der Expertise! 😉 Und das nur, weil eine Frau (!) die Motorhaube ihres eigenen Autos geöffnet hat! Ist das etwa Sexismus? 😉 Ich bin mir dessen inzwischen nicht mehr ganz so sicher – bei diesen inflationären Sexismus-Aspekten … (Und teils an ganz falschen Stellen angesetzt …)

Aber ich lenkte rasch ein, als ich den entsetzten Blick des jungen Mannes sah. Ich bin ja kein Unmensch. 😉 Und so riet ich ihm dringend von dem Scheibenreinigungskonzentrat eines Mineralölunternehmens ab, dessen Name an einen sehr großen, jedoch sukzessive schrumpfenden und zwischenzeitlich in mehrere Teile zerfallenen See in Zentralasien erinnert, jedoch damit gar nichts zu tun hat, sondern eher eine Art Akronym chemischen Ursprungs ist. „Wenn Sie das in dem Mischungsverhältnis benutzen, das auf der Flasche empfohlen wird, haben Sie ständig Schlieren auf der Front- und Heckscheibe!“

Der junge Mann lachte und meinte: „Sie gefallen mir! Ich dachte, Sie wären in Schwierigkeiten, als ich Sie da mit offener Motorhaube stehen sah, aber Sie wissen ja genau, was Sie tun!“ – „Und das als Frau,“, ergänzte ich, aber er winkte ab und meinte: „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber meine …“ – „… Freundin weiß nicht einmal, wo der Wischwassertank ist. Oder?“ – „Ja, genau! Woher wissen Sie das?“ – „Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf diesem Parkplatz Hilfsangebote bekam, wenn ich mit offener Motorhaube dastand. Aber wenn ich zu Hause die Motorhaube öffnen würde, würden gleich diverse Nachbarn mutmaßen, ich hätte wohl ein Problem und direkt angerannt kommen. Demnächst fahre ich am besten in den Wald, wenn ich Wischwasser auffüllen will. Aber bei meinem Glück kommt dann sicher ein Hirsch, so ein Zwölfender, an und fragt, ob ich vielleicht Hilfe brauche. Nehmen Sie es mir nicht übel – ich bin ein Frotzelkopp!“ – „Nee, nehme ich Ihnen nicht übel – ich finde das witzig. Und gleich sage ich meiner Freundin, dass sie das demnächst …“ – „Sagen Sie’s nicht,“, warf ich ein, „das habe ich nun auch schon mehrfach gehört.“ Und wir lachten beide und verabschiedeten uns voneinander.

Danach war ich gleich viel fröhlicher, und so fuhr ich dann auch nach Hause. Und auch morgen werde ich sicherlich wieder um 19:40 h Feierabend machen, vermute ich.

Inzwischen ist immerhin unsere Reinigungskraft eingeweiht, die mich gestern im „alten“ Büro antraf, heute im neuen. In keinem von beiden hatte sie noch jemanden erwartet – nicht um diese Zeit. Sie war extrem überrascht und rief heute aus: „Sie sind offenbar überall!“ – „Nein, keine Sorge. Ich sitze von nun an immer hier.“ Denn inzwischen habe ich ja wenigstens einen funktionsfähigen Rechner auch an meinem neuen Arbeitsplatz! 😉

Bei all dem Stress gibt es jedoch auch einen Vorteil, denn jede Medaille hat ja zwei Seiten: Wenn es so weitergeht, bin ich in wenigen Tagen im Plus, was meine Arbeitsstunden anbelangt. Aber das ist auch eine meiner Lebenseinstellungen: Man muss allem auch etwas Positives abgewinnen können! Und – wer weiß? – vielleicht bin ich auch bald wieder in der Lage, Überstunden abzufeiern. Derzeit sieht es zumindest so aus … 😉

Dieser Abschied fällt wirklich schwer

Morgen ist mein letzter Tag in meinem Büro, in dem ich seit Anfang Oktober sitze. Also noch gar nicht so lange. Aber dieser Abschied fällt mir fast schwerer als der von meinem vorherigen Büro.

Noch bevor ich Kerstin kennenlernte, hörte ich über sie, dass sie „hart, aber herzlich“ sei. Mir rutschte das Herz in die Hose, und ich war froh, dass mein erster Arbeitstag an neuer Stelle gleichzeitig ihr letzter Urlaubstag war. So konnte ich mich erst einmal ganz bescheiden einrichten, und es würde nicht gleich zu einer Klopperei kommen … 😉

Am nächsten Tag war ich ein wenig nervös, als ich meine neue Arbeitsstätte betrat. Als ich das Büro meines Chefs passieren wollte, sah ich, dass die Tür offenstand. Ich trat hinzu und wollte meinem neuen Chef einen guten Morgen wünschen. Aber da stand schon jemand … 😉 Und so schmetterte ich ein lautes: „Guten Morgen!“ von meiner Position aus in sein Büro. Mein Chef rief: „Ah! Frau K. – da lernen Sie Ihre neue Kollegin gleich kennen! Frau K. – das ist Frau B.! Frau B. – das ist Ihre neue Bürogenossin, Frau K.!“ Und „Frau K.“ drehte sich um. Ich sah eine Frau, die um einiges größer als ich ist, keine Kunst – und ich sah sofort: „Das wird entweder total gut- oder völlig in die Hose gehen.“ Sehr herausfordernder Blick, und ich glich meinen gleich an – ich war ja ohnehin schon „vorgewarnt“. Aber freundlich, und wir zogen gleich in unser Büro ab und beschnupperten einander zunächst. Die Wände sind recht dünn, und wenn wir auch heute immer hören, wenn der Chef Besuch hat, sogar einzelne Stimmen unterscheiden und Personen zuordnen können, so herrschte doch in diesen ersten Momenten absolute Stille aus seiner Kemenate. Ich frage mich, womit er gerechnet hatte: katzenartiges Kreischen bei Nichtgefallen, wüstes Knurren und finstere Kampfgeräusche, wie man sie von rivalisierenden Hunden kennt? 😉

Wir saßen die ersten Tage freundlich, aber noch ein bisschen fremdelnd einander gegenüber, aber da wir beide Raucherinnen sind, ging die Gewöhnung aneinander recht schnell, da Kerstin in regelmäßigen Abständen meinte: „Was meinst du – sollen wir eine rauchen gehen?“ – „Na klar- wieso nicht?“ rief ich dann immer. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, in den allerersten Tagen das Heft an mich zu reißen und zuerst zu fragen. 😉 Das war ja ihr Büro – sie dort die Dienstältere. Ich die biologisch Ältere – es liegen durchaus ein paar Jahre zwischen uns. 😉

Und da wir beide gern und viel reden, außerdem noch ganz ähnliche Einstellungen vertreten und ähnlich impulsiv sind, verstanden wir einander schnell recht gut. 😊

Inzwischen so gut, dass ich Kerstin eine „Knalltüte“ nennen kann, wenn sie allzu impulsiv ist, ich aber keineswegs böse bin, wenn sie mir sagt: „Boah! Du bist manchmal echt krass in dem, was du so sagst! Alles in Ordnung? Obwohl … ich verstehe dich!“ Ich verstehe sie auch. Daher die „Knalltüte“. Ich kenne das alles. 😊

Gestern, am Mittwoch, rührte sie mich sogar, als sie sagte: „Noch drei Tage.“ – „Was dann?“ – „Dann bist du nicht mehr hier … Ehrlich, Ali – ich hatte Angst vor deiner Ankunft! Der Chef meinte, du seiest ein paar Jahre älter als ich, und ich hatte Angst, du würdest mir deswegen Vorschriften machen wollen! Aber du bist ja ganz anders, und mir tut es total leid, dass du gehst!“ – „Mir auch,“, gab ich zurück, und da meinte sie: „Wir wollen uns die letzten drei Tage aber richtig schön machen! Oder?“ – „Ja, klar,“, rief ich zurück und kniff ihr ein Auge zu. Und ich fügte hinzu: „Was meinst du – sollen wir eine rauchen gehen?“ Sie grinste und meinte: „Klasse Idee – hätte von mir sein können!“ Was die Frage nach dem Rauchen anbelangt, sind wir inzwischen gleichberechtigt. 😉
Ich werde jedenfalls nie vergessen, wie nett sie reagierte, als ich nach meinem MRT-Termin anrief, mich unter Umständen sogar abholen und nach Hause fahren wollte – das fand ich richtig klasse! Dabei kannten wir einander damals erst knapp sechs Wochen lang.

Und ganz besonders nett war das erste Mitarbeitergespräch mit unserem Dezernenten, den ich ja schon sehr lange kenne. Er meinte: „Ihr beide scheint ja recht gut zusammenzupassen. Oder? Kommst du mit Kerstin gut klar?“ – „Ja, tue ich.“ – „Dachte ich mir schon. Ihr habt beide eine große Klappe.“ – „Ja, danke!“ – „Ganz ehrlich: Ich habe Kerstin neulich auch schon gefragt, ob sie mit dir klarkomme.“ – „O je – was hat sie gesagt?“ – „Sie meinte: ‚Passt super. Sie redet nur sehr viel.‘“

Ich brach in apokalyptisches Gelächter aus, und der Dezernent meinte, ebenfalls lachend: „Aber da meinte sie auch schon: ‚Auf der anderen Seite: Das tue ich ja auch!‘“ Da lachte ich noch mehr, denn das stimmt – wir reden beide sehr gern. Und schnell. Und ich fand es einfach nur sympathisch, dass sie gleich gestand, dasselbe Laster – neben dem Rauchen – zu haben. 😉

Als ich vom Gespräch zurückkam, saß Kerstin da ein wenig unsicher, und sie legte auch gleich los: „Ali, ich habe unserem Chef gesagt, ich käme hervorragend mit dir klar. Das stimmt ja auch. Aber ich habe gesagt, du würdest viel reden. Dabei tue ich das auch. Hat er dir sicher gleich auf die Nase gebunden, oder?“ – „Nein. Hat er nicht. Ist mir völlig neu! Aber interessant …“ gab ich vermeintlich gekränkt von mir. „Ali, ich meinte das nicht böse – es ist einfach nur so, dass ich nicht gewohnt bin, dass andere auch so viel reden …“ – „Ja, ist schon okay …“, gab ich zurück. Aber dann konnte ich nicht mehr und brach in lautes Gelächter aus. Kerstin saß da, starrte mich irritiert an, und dann schrie sie: „Boah! Du Arschloch! Der hat dir das sofort gesagt, ne?“ – „Nicht sofort – wir haben vorher noch zwei oder drei andere Sätze gewechselt.“ – „Und ich mache mir hier Gedanken! Boah, du bist ja echt arschig! Und lachst dann auch noch!“ – „Ja, soll ich weinen?“ – „Nee, bitte nicht!“ Und dann lachte sie noch lauter als ich.

Ja, wir raunzen einander manchmal an – sie bezichtigt mich öfter, nicht ganz gar zu sein, während ich ihr vorwerfe, einen an der Murmel zu haben. Das übrigens immer dann, wenn wir einander im Grunde spiegeln, es aber um Himmels Willen nicht wahrhaben wollen. 😉

Morgen ist der letzte Tag mit Kerstin im Büro. Ich kenne sie noch nicht lange, aber sie wird mir fehlen. Sie ist so herzerfrischend ehrlich und geradeheraus. 🙂

Von Ausständen und Umzügen

Heute war mal wieder ein interessanter Tag. Um kurz vor 7 stand ich bereits senkrecht im Bett, als direkt neben mir – zumindest klang es so – eine Kettensäge, die Bohrmaschine des Grauens oder ein vergleichbares Folterinstrument in Betrieb genommen wurde. WROOOAAAAM! Es klang wie der grässliche Laubbläser eines besonders ordnungsliebenden Nachbarn aus dem Nebenhaus, der sogar seine Garage – gefliest – jeden Samstag feucht wischt.

Unsere Wände hier scheinen recht dünn zu sein, denn eigentlich wird derzeit die Wohnung unter meiner renoviert, da die alte Dame, die unter mir wohnte, inzwischen alleine nicht mehr zurecht- und in ein Pflegeheim kam.

Fluchend stand ich auf – bei dem infernalischen Lärm wollte nicht einmal ich im Bett liegenbleiben. Muss man mit derart lauten Arbeiten um kurz vor 7 beginnen? Dann, wenn ich gerade einen so wunderschönen, fluffigen Traum habe? Fand ich unverschämt, wenn ich natürlich auch Verständnis dafür habe, dass die Arbeiten gemacht werden müssen. Aber um kurz vor 7 gleich so viel Lärm? Knurrend begab ich mich ins Bad, dabei den Blick in den Spiegel meidend. 😉 Weiterhin knurrend, was jedoch durch den ohrenbetäubenden Lärm von unterhalb meines Fußbodens übertönt wurde, machte ich mich zurecht, und alsbald verließ ich die Stätte des (akustischen) Grauens. Ich bin ein Geräuschsensibelchen – laute Geräte, laute Geräusche finde ich grauenhaft; so grauenhaft, dass ich am letzten Samstag – ich musste zu meinen Eltern – schon viel früher dorthin fuhr, als ich geplant hatte. Genauer: Es handelte sich eher um eine Flucht. 😉

Es erinnerte mich an eine Begebenheit von vor diversen Jahren, als ich einmal meine damalige Wohnung in der Nähe von Düsseldorf fluchtartig verließ, weil ich sonst unter Umständen einen Doppelmord begangen hätte. 😉  Ich beherbergte damals ein Wellensittichpärchen, Julius und Jakobine, die just an jenem Tage beschlossen hatten, sich völlig verstrahlt zu benehmen und extrem enervierend dauerzuschreien, und das in einer Art, die selbst geduldigere Menschen als mich zu mordlüsternen Gewaltphantasien bewogen hätte. Nun, so werdet ihr jetzt sagen, was will die dumme Nuss! Da legt man einfach ein Tuch oder eine Decke drüber – schon herrscht Stille! Jaaa – in der Theorie und durchaus auch oft in der Praxis funktioniert das auch, und die treuen Tiere glauben dann, es wäre Nacht … Nicht so an jenem Tage, denn natürlich hatte ich bereits längst der beiden Nervensägen Decke über den Käfig geworfen, die leider nicht dick genug war, das schrille und nervenzerreißende Gekreisch dieser beiden gefiederten Sargnägel merklich zu dämpfen. Ich sprach mit lieblicher Stimme zu den beiden türkisfarbenen bzw. blauen Wechselbälgern, ich schimpfte, ich flehte – nichts half. Nach etwa eineinhalb Stunden raffte ich meine Sachen zusammen und floh aus der Wohnung – Mordgedanken hatten sich meiner bemächtigt. Obwohl … Sicherlich hätte man auf Totschlag, Tötung im Affekt plädieren können, wäre es soweit gekommen … 😉

Garantiert würden sich die beiden kleinen Landplagen schämen, sobald sie sähen, was sie angerichtet hatten! Ihre Futterverdienerin und -geberin vertrieben durch impertinentes Gekreisch, dessen Ursprung sicherlich nur langjährigen – möglicherweise schwerhörigen – Ornithologen plausibel war. Als ich drei Stunden später wieder heimkehrte – ich hatte zwischenzeitlich eine Freundin besucht oder Asyl gefunden -, war Ruhe im Karton. Herrlich! (Von jedweder Scham leider nichts zu bemerken …) Was dann – später – half, ist bezeichnend für die Lernfähigkeit von Papageien, egal, wie groß oder klein sie sind. Denn wann immer die beiden kleinen Stinker mal wieder über die Stränge schlugen – lärmtechnisch gesehen -, musste ich nur noch laut und streng: „Bierteig!“ rufen – schon waren sie weitgehend still. „Bierteig“? Ja, richtig. Denn ich war eines Tages in einem chinesischen Takeaway gewesen und hatte dort gesehen, wie gerade Garnelen in Bierteig zubereitet und ausgebacken bzw. frittiert wurden. Alles in diesen Teig gehüllt, nur die Schwanzspitze lugte aus dem Teig heraus – sofort assoziierte ich Julius‘ und Jakobines Schwanzfedern … 😉 Und als die beiden eines Tages mal wieder auf die Kacke hauen wollten, schnauzte ich sie an: „Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr in Bierteig getunkt und frittiert! Hier ist jetzt Ruhe! Verstanden? Merkt euch ‚Bierteig‘!“ Ich gebe zu, ich hatte nicht an einen Erfolg geglaubt – aber irgendwie funktionierte es. Sobald ich laut und streng dieses Wort rief, war Ruhe im Puff. Wahrscheinlich lag es an jenem besonderen Klang, den meine Stimme dabei annahm … 😉 (Und für alle tierlieben Menschen: Niemals hätte ich so etwas gemacht! Aber es half, die beiden zur Räson zu bringen. Und man sagt, im Krieg und in der Liebe seien alle Mittel erlaubt. Wobei ich bei meinen beiden kleinen Hausgenossen nie so recht wusste, ob das nun Liebe oder nicht vielleicht doch schon Krieg sei. Die Grenzen sind ja manchmal fließend. 😉 )

Schnell ins Auto gestiegen, und ab zur Arbeit. Sogar dort wollte ich lieber sein als in diesem akustischen Inferno, das sich Zuhause nennt!

Da man sich morgens immer erst akklimatisieren muss, trifft man bei der Arbeit ein, gingen Kerstin und ich erst einmal eine rauchen, und ich nahm die Kanne meiner Kaffeemaschine mit, um im Anschluss Wasser für den morgendlichen Retter, den einzig wahren Wecker, zu holen.

Auf dem Weg zur Küche trafen wir auf Frederick, den Systemadministrator, und er grinste und meinte: „Ali, ich weiß, was du heute Abend machst!“ Ich starrte ihn irritiert an. Er wusste, was ich am Abend machen würde? Spontan fiel mir der Titel eines älteren Films ein, der da lautet: „Ich weiß, was du letzten Sommer gemacht hast“, und ich meinte zu Frederick: „Hast du dir inzwischen eine Kristallkugel zugelegt? Oder eine Fortbildung gemacht? Wie errate ich die privaten Pläne meiner Kollegen?“ Frederick lachte und meinte: „Hast du dir denn schon für morgen einen Tag Urlaub genommen?“ – „Wie meinen?“ – „Naja, ich weiß, dass du heute Abend mit Lydia Cocktails trinken gehst!“ – „Einen Cocktail – ich wollte mich nicht abschießen! Und woher weißt du das schon wieder?“ – „Ich habe vorhin mit Lydia gesprochen, als die etwas in der Personalabteilung abgeben wollte, und da erwähnte sie es.“

Da ich mich mit Lydia, meiner langjährigen Arbeitskollegin, die vor zwei Jahren intern die Stelle wechselte, öfter treffe, ahnte ich etwas, und ich grinste und meinte: „Dann wird sie wohl heute Abend etwas zu erzählen haben.“ – „Ja, das denke ich auch,“, meinte Frederick, „und sicherlich habt ihr sehr viel Spaß, wie ich euch kenne!“

Kurz darauf kam dann eine Mail von Lydia, in der sie verkündete, heute sei ihr allerletzter Arbeitstag bei unserem Arbeitgeber, und sie bedanke sich für die gute Zusammenarbeit. Ich grinste und freute mich für sie. Sie hatte schon längere Zeit andere Pläne gehabt, und mich freute, dass diese nun wohl in Erfüllung gehen würden.

Und vorhin saßen wir zusammen, lachten viel, laut und ein bisschen dreckig bei einem Aperol Spritz und einem Lillet Wild Berries (mit Himbeeren – ich hätte mich hineinlegen können …). Ich hatte von Lydias Plänen gewusst, und ich freute mich für sie. Auf der anderen Seite ist mir ein wenig wehmütig ums Herz – sie wird fehlen. ☹ Aber da es ein fröhlicher Ausstand sein sollte, tranken wir noch einen zweiten Aperol Spritz und Lillet Wild Berries und lachten danach noch viel dreckiger. 😉

Lydias Einstand habe ich damals – 2005 – nicht mitbekommen, da ich im Krankenhaus lag. Dafür habe ich aber schon zwei Ausstände von ihr miterlebt. Und mir steht am kommenden Montag der dritte Umzug bei meinem Arbeitgeber bevor, zwei davon binnen recht kurzer Zeit. Ich hasse Umzüge, und sei es auch nur beim Arbeitgeber und nur von einem Büro in ein 20 Meter weiter entferntes. Ich bin nun einmal kein Nomade. 😉

Auf alle Fälle haben Lydia und ich heute beschlossen, uns bald wieder zu treffen – wir bleiben in Kontakt. 😊

„Just one more minute, Mrs B., please!”

Heute ist eine große Last von mir abgefallen. Denn heute habe ich nicht nur meinen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet, nein, es fand auch noch die Abschlussklausur meines Seminars an der Uni einer der Nachbarstädte statt!

Das bedeutet, dass ich künftig montags nicht mehr mit den Hühnern aufstehen muss (was mir heute nicht einmal gelang – böse Minusstunden zusätzlich zu denen, mit denen ich nun ohnehin schon seit geraumer Zeit ringe, und sie werden mal weniger, dann wieder mehr …), sondern wie jeder normale Mensch bis 7 Uhr schlafen kann – wenn ich das denn will. (Und das will ich auf alle Fälle – wenn nicht darüber hinaus!) Ich tue mich doch so schwer mit dem frühen Aufstehen! 😉

Schon beim Fertigmachen im Bad festgestellt, dass es ein schwieriger Tag werden würde – meine blöden Haare wollten nicht so, wie ich wollte, und wenn ich mich jetzt so betrachte, frage ich mich, wieso sich die Spitzen nach außen statt nach innen biegen. Liegt es an der Feuchtigkeit, die draußen herrscht? Bekomme ich endlich die seit meiner Kindheit heißbegehrten Locken? Oder habe ich einfach einen bad hair day? Obwohl – das sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus. Ich sollte morgen früh versuchen, das gleich so … Stop! Wenn ich versuche, das, was höhere Mächte bzw. das Wetter – was aufs Gleiche herauskommt – aus meiner Frisur gemacht haben, künstlich herzustellen, wird es garantiert nicht gelingen. Und wenn ich dann versuche, den misslungenen Versuch wieder zu korrigieren, komme ich garantiert erst um 10 Uhr bei der Arbeit an. Geht ja gar nicht! 😉

Als ich bei meiner Hauptarbeit ankam, bin ich zuerst zur Pförtnerin gestürzt, denn ich hatte am Samstag festgestellt, dass ich ein Päckchen von einer bekannten Parfümeriekette irrtümlich nicht zu mir nach Hause, sondern an den Arbeitsplatz hatte schicken lassen. Der Paketdienst hatte mir gemeldet, am Samstag komme mein Päckchen an! Und da kam nichts … Ich wollte erst auf den Paketdienst schimpfen, beschloss dann jedoch, lieber noch einmal nachzusehen. Und da dann die Erkenntnis, dass ein hellblaues Päckchen mit dem Parfümerie-Logo wahrscheinlich gerade bei meinem Arbeitgeber abgeliefert wurde! Hoffentlich war Herr Filipowski nicht im Dienst, wenn ich es abholen müsste! Denn Herr Filipowski ist sehr streng und schimpft stets, wenn man sich private Päckchen an den Arbeitgeber schicken lässt. Das mag Herr Filipowski gar nicht – wie er so vieles andere nicht mag und immer meint, die Menschen, deren Chef er nicht ist, erziehen zu müssen. Und ich hatte keine Lust auf eine erneute Standpauke von Herrn Filipowski – zu viele hatte ich schon über mich ergehen lassen müssen. Zwar „funktioniere“ ich noch immer nicht so, wie Herr F. sich das vorstellt – aber gelernt habe ich doch daraus: Ich vermeide nach Möglichkeit, damit konfrontiert zu werden. Und seit ich die Stelle gewechselt habe, habe ich mit Päckchen und sonstigen Sendungen so gut wie gar keine Last mehr. Nur eben heute …

Zum Glück hatte heute früh Liselotte, die nette Pförtnerin, Dienst, und sie lachte, als ich meinte: „Liselotte, ich habe mir versehentlich ein Päckchen hierherschicken lassen, das eigentlich …“ – „Ja, ich hatte dich auch schon angerufen, aber du warst noch nicht da. Ich dachte: ‚Ruf sie mal lieber früh an, damit sie das Päckchen abholt, bevor sie wieder eins aufs Dach bekommt!‘ Denn mein Kollege Filipowski hat heute Nachmittag Dienst.“ – „Danke, Liselotte – wo muss ich unterschreiben?“ – „Hier, auf der ersten Seite.“ Und Liselotte sah mich neugierig an und fragte: „Was ist denn drin?“ – „Nix Revolutionäres – nur ‚Roberto Cavalli‘. Der letzte Flakon ist kürzlich leer geworden.“ Und ich unterschrieb, und wir verabschiedeten uns voneinander.

Der Arbeitstag war durchwachsen. Am Freitag hatte ich die Kasse gemacht, sogar ein aktuelles Kassenbuch angelegt, und als Erstes brachte ich das Ergebnis in die Finanzabteilung. Ich hatte sogar alles richtig gemacht! 😉

Gegen Mittag verschwand ich dann Richtung Nachbarstadt, und das im Bewusstsein, dass ich heute noch später nach Hause kommen würde, als ich dies montags ohnehin schon tue. Oder – seit heute – tat. Kurz: Ich war schon genervt, als ich hinfuhr … 😉

Aber die Studis waren nett, und als ich eintraf, saßen sie schon alle brav im Seminarraum. Einige Englisch-Englisch-Wörterbücher sah ich daliegen – das einzige Hilfsmittel, das sie benutzen dürfen. Und schon nahm die Abschlussklausur ihren Lauf.

120 Minuten sollte sie dauern, wobei ich mich selber frage, wozu die lange Zeit … Es geht nicht um Raketenwissenschaft, auch wenn es ein fachsprachliches Seminar ist. 😉 (Denn Raketenwissenschaft und ich sind zwei Welten, die aufeinanderprallen würden. 😉 )

Nun sollte man meinen, dass ich bei der ganzen Sache einen lauen Lenz hätte. Doch nein. Denn der erste der drei Aufgabenbereiche ist eine Hörverständnisaufgabe, bestehend aus zwei Teilen und zwei Texten. Da ich bei der diesmaligen Klausurrecherche und -vorbereitung keinen geeigneten Podcast gefunden hatte, nur zwei blanke Texte, musste ich wohl oder übel selber vorlesen. Und ich war heute offenbar schwach bei Stimme …

Der erste Aufgabenteil erstreckte sich insgesamt über eine etwas zu lange Zeit, was daran lag, dass die Vorleserin, von jedwedem Studi seit 2008 nur „Ms B.“ bzw. „Mrs B.“ genannt, bei der ersten Vorleserunde des ersten Texts einen eklatanten Hustenanfall erlitt, sich wieder fing, dann aber in der zweiten Runde des zweiten Texts mit dem zu kämpfen hatte, was umgangssprachlich als „Frosch im Hals“ bekannt ist. „Ms“ bzw. „Mrs B.“, ergo ich, sank erleichtert auf den Stuhl hinter dem Dozentenpult, als das anstrengende Vorlesen endlich sein Ende gefunden hatte. Ab da musste sie nur noch ein genaues Auge auf die Studis haben – nicht, dass da einer spickte! 😉

Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ihnen Spicken ohnehin nicht genutzt, und so saß ich an meinem Dozentenplatz, warf ab und an einen mehr oder minder strengen Blick in die eifrig schreibende Runde (keiner spickte!) und spielte die meiste Zeit „Exchange“ auf dem PC im Seminarraum, hatte aber immer einen Blick auf die Studis und war stets bereit, Fragen zu beantworten.

So auch die von Tobias gestellte: „Was würden Sie empfehlen: Wann sollen wir mit der dritten Aufgabe anfangen?“ Ich stutzte. Wie meinen? Und dann grinste ich und meinte: „Rein rational würde ich empfehlen: dann, wenn Sie mit der zweiten Aufgabe fertig sind.“

Die Studis – bis auf Tobias und die nicht-deutschsprachigen Erasmus-Studenten – lachten, und Stina schrie begeistert: „Eine echte Frau-B.-Antwort! Boah, Tobias! Was soll sie denn darauf antworten? ‚Fangen Sie exakt um 17:17 h damit an‘?“ Und sie schüttete sich vor Lachen fast aus.

Ich lenkte dann ein, obwohl ich schon öfter hatte feststellen müssen, dass Stinas und mein Humor Hand in Hand gehen, und meinte: „Tobias, ich habe für die dritte Aufgabe maximal eine halbe Stunde vor Augen gehabt. Man kann sie aber auch in 20 Minuten lösen.“

Und die Zeit tat das, was sie immer so zuverlässig tut: Sie schritt voran. Netterweise waren diverse Studis tatsächlich schon vor 18 h fertig. Aber einige saßen noch da und sahen aus, als bissen sie auf Hühnerkacke. Ich schlug großzügig noch zehn Minuten drauf. Wie gesagt: Es ist keine Raketenwissenschaft, und ich bin nicht päpstlicher als der Papst. Es geht darum, dass sie fachsprachliches Englisch können, dass sie sich in ihrem Fach ausdrücken können. Ich bin ja keine Lehrerin in dem Sinne. Ich freue mich, wenn sie sich trauen, das, was ich ihnen fachsprachlich beibringe, aktiv und ohne Scheu anzuwenden. 😉

Gegen Ende der draufgeschlagenen zehn Minuten hörte ich hie und da noch verzweifelte Schreie: „Just one more minute, Mrs B., please!“ Eine Minute, ja, die gab ich auch noch drauf, aber dann ordnete ich an, dass nun alle „Schreibgeräte“, wie mein Deutschlehrer das immer genannt hatte, niedergelegt werden müssten, und „brutal“ sammelte ich alle Klausuren ein. Ich bin mir ohnehin sicher, dass sie alle bestanden haben – es war ein sehr guter Kurs, und niemand muss sich ernsthafte Sorgen machen. 😊 (Obwohl ich allen Ernstes auf einem Tisch „Bachblüten-Rescue-Bonbons“ entdeckte … So schlimm bin weder ich, noch sind es meine Klausuren, dass man dafür „Rescue-Bonbons“ benötigte! 😉 )

Nett war, wie sich just die, von denen ich es nicht erwartet hätte, von mir verabschiedeten. Und wie jedes Mal war es so, dass ich einerseits froh war, das Semester geschafft zu haben, es mir aber auch leidtut, die Leute nicht mehr zu sehen. Da bin ich halt ein bisschen sentimental. Wie sonst auch. 😉

Und nun muss ich die Klausuren korrigieren. Das macht keinen Spaß, wenn man auch manchmal Überraschungen erlebt – negativ wie positiv.

Euch eine schöne Woche! 😊

„Willkommen beim Glücksrad!“

So dachte ich heute, als ich – ich hatte es mir im Prinzip selber ausgesucht – an einem Infotermin meiner künftigen Abteilung für andere Abteilungen teilnahm und sogar schon an einer Präsentation beteiligt war. Auch dies hatte ich selber gewählt. Dabei kämpfe ich gerade an zwei Fronten, da ich im Grunde noch in der Einarbeitungsphase meiner bisherigen Stelle bin, bald aber schon wieder wechseln werde. Und parallel werde ich auf der neuen Stelle eingearbeitet. Ich kämpfe an zwei Fronten, die mir beide noch nicht wirklich vertraut sind – nicht so vertraut, dass ich blind handeln könnte.

Und so bestand mein Part der Präsentation heute darin, liebreizend zu lächeln, überzeugt dreinzublicken und Aspekte zu verbalisieren, die der Beamer an die Wand projizierte. 😉 Allerdings garnierte ich das Ganze noch mit einigen Bonmots und netten Überleitungen. Ich bin ja zum Glück nicht auf den Mund gefallen. 😉

Es war eine gelungene Veranstaltung, aber, ich bin ehrlich zu mir, das lag gewiss nicht an meinem Part, und hinterher meinte ich zu meinen künftigen Kolleginnen: „Ihr könnt mich übrigens Maren nennen, wenn euch Ali nicht gefällt.“ – „Ist das dein Zweitname?“ – „Nee. Aber ich hatte während meiner überwiegend rezitierenden Darbietung irgendwann an eine Sendung denken müssen, die in den 80ern auf einem der Privatsender Erfolge feierte: Glücksrad. Da gab es eine Assistentin, Maren G., die nur abgestellt war, die Buchstaben an der Ratewand umzudrehen. Ich habe sie nie sprechen hören – gut, das hatte ich ihr heute voraus. Aber vom Prinzip her war es heute ähnlich. Ich hatte mehr darstellende denn Expertenfunktion.“ Meine künftigen Kolleginnen lachten sich schlapp und versprachen, mich niemals Maren zu nennen. Sie meinten, es sei doch prima gelaufen, und ich wäre doch gerade erst in den ersten Zügen der Einarbeitung. Und sie fänden gut, dass ich trotzdem schon im Teamverbund mitgemacht hätte. Nun ja – so wissen die Teilnehmer wenigstens auch schon mal, mit wem sie künftig rechnen müssen … 😉

Ich bin es gewohnt, vor vielen Leuten zu sprechen und bin meist nicht sehr nervös. Das gilt allerdings für Veranstaltungen, deren Thematik mir vertraut ist. Und so war ich heute unangenehm überrascht, dass ich, als ich vorne stand, plötzlich von etwas angefallen wurde, das ich sonst nicht so kenne: Lampenfieber. Zum Glück fiel es recht schnell von mir ab, und ich blickte sehr selbstbewusst in die überschaubare Runde. Zumindest kam es mir so vor. Aber man kann sich so leicht täuschen … 😉 Aus der Zuschauerperspektive sah es sicherlich anders aus. Und da sich das Ganze länger hinzog, als ich gedacht hatte, fiel mir auf einmal auf, dass ich zwei Arme und Hände besitze. Nein, das war mir zuvor schon klar gewesen, nur: Wohin mit den Dingern, wenn man nicht – wie ich es gewohnt bin – mit der Thematik so vertraut ist, wie man mit seinen Lieblingsschuhen vertraut ist?

In meinen Seminaren an der Uni einer der Nachbarstädte bin ich viel mobiler, auch meine Hände, die ohnehin oft recht lebhaft beim Reden sind. Ein Studi meinte mal: „Die meisten anderen Dozenten, die ich kenne, sitzen nur vorne und machen Frontalunterricht. Sie aber sind mal hier, mal dort, und doch haben Sie alles im Griff. Bei Ihnen würde ich mich nicht trauen, zu spicken.“ Ich gab zurück: „Und ich hoffe, ich gebe Ihnen auch keinen Anlass, spicken zu müssen!“

Ein ziemlicher Unterschied zum heutigen Termin. Da hilft nur eines: Ranklotzen und mich schnell einarbeiten! 😉 Schon jetzt fühle ich mich wie durch die Mangel gedreht, zumal meine jetzige Stelle und deren Aufgaben auch nach dem Wechsel noch von mir bearbeitet werden müssen. Wie gesagt: Ich kämpfe an zwei mir mehr oder minder bekannten Fronten … Derzeit eher minder. 😉

Und wie viele Portale ich inzwischen kennengelernt habe, von deren Existenz ich bis Oktober nicht einmal ahnte! 😉 Inzwischen bin ich bei den meisten registriert – wenn auch bis dato als staunender Newbie. Morgen muss ich erst einmal meine Vorgängerin anrufen – ich komme mit einem Tool noch nicht hundertprozentig klar …

Ich warte auf den Tag in der nächsten Zeit, da ich beide Stellen miteinander verwurschtele … 😉 Bis jetzt geht alles noch – aber ganz ehrlich: Ich glaube, ich brauche Urlaub! 😊

Euch einen schönen Bergfest-Abend! 😊

Alis erstes Mal …

… im Kino. (Also, das erste Mal, dass ich einen Film im Kino sah … 😉 )

Ich habe mir vorhin erstmalig einen Film auf einem Kanal angesehen, den ich sonst nie auswähle: den Disney Channel. Es hatte historische Gründe. 😉

Mein erster Film in einem Kino war Das Dschungelbuch von Disney. Da war ich noch reichlich klein. Ziemlich klein. Also etwa drei Jahre alt oder so. Und man hatte überlegt, dass die Zeit reif wäre, mich mit dem, was man Kino nennt, vertraut zu machen. Meiner Mutter, die nie eine Helikoptermutter war, was ich noch heute an ihr sehr schätze, weswegen wir – zumeist – auch gut miteinander klarkommen, war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, der den süddeutschen Teil meiner Familie überfiel, als wir gerade dort waren. Denn sie wusste, dass ich mich nicht nur im Dunkeln fürchtete, sondern auch bei anderen Dingen bisweilen eine kleine Bedenkenträgerin war.

Besichtigung des Münsteraner Doms? Da, wo eine überlebensgroße Statue des Heiligen Christophorus steht? Man hatte es einst mit Magenschmerzen ausprobiert, war ich doch bei vergleichbaren Gelegenheiten zuvor schon mal in Tränen ausgebrochen, hatte jedoch beschlossen, dass Kinder am besten frühzeitig mit den Dingen des Lebens konfrontiert werden müssten, auch wenn es nicht immer angenehm sei – allzu Großes, Übernatürliches überforderte mich offenbar in dem Sinne, dass es mir Angst einjagte.

Der Heilige Christophorus damals in Münster schien mich auch zu faszinieren, wie auch immer, denn ich stand wie festgetackert davor, die Statue sehr skeptisch betrachtend. Meine Mutter sah es und kam lieber schnell zu mir, bevor ich mich in eine Sirene verwandeln konnte, was in einer Kirche nicht immer so gut ankommt. Und ich – so sagt sie – hätte sie gefragt: „Was ist das da?“ – „Das ist der Heilige Christophorus mit dem Jesuskind auf dem Arm.“ – „Was hat der da in der Ha-hand?“ – „Einen Baum.“ Langes Schweigen von meiner Seite, aber wohl mindestens eine hochgezogene Augenbraue. Dann, so meine Mutter, die inbrünstige Frage von meiner Seite: „Kaputt, ne?“ Bis heute weiß keiner, was ich damit meinte: den Baum, den Heiligen Christophorus oder das Jesuskind. Wie ich mich einschätze, wenn ich so zurückdenke, wollte ich wohl wissen, ob diese drei Gestalten, der Heilige, das Kind und der Baum nicht gleich zum Leben erwachen und von ihrem Standort herunterkommen würden … Allzu bedrohlich wirkte es auf mich. 😉

Da ich schon mehrfach an Orten, die ich als verunsichernd betrachtete, zu weinen begonnen hatte – und kleine Kinder können erschreckend laut weinen -, hatte meine Mutter ziemliches Muffensausen vor dem erstmaligen Kinobesuch. Da sie aber zum Glück immer sehr natürlich mit meiner Schwester und mir umging, erklärte sie mir möglichst beiläufig, dass es im Kino dunkel sei, aber dann ein total schöner Film gezeigt werde – schöne Bilder, die mir sicherlich gefallen würden. Ich nahm es wohl recht gelassen zur Kenntnis. 😉

Man brachte mich ohne Probleme in den Kinosaal – erstes Aufatmen. Aber da war es ja noch hell. Dann wurden die Türen geschlossen, und das Licht ging aus. Meine Mutter muss Blut und Wasser geschwitzt haben … Aber kein Ton von mir, auch während des Vorfilms nicht.

Dann begann der Hauptfilm, und auch da zunächst kein Piep von mir. Meine Mutter saß auf heißen Kohlen – schon im nächsten Sekundenbruchteil könnte sich die trügerische Ruhe in ein Inferno von Geheul, Schluchzen, als garte ich am Bratspieß, und Geplärr wandeln …

Aber konsequentes Schweigen von meiner Seite, obwohl es zuvor schon einige Szenen gegeben hatte, da im Kino gelacht wurde. Nicht ein Ton von mir …

Und dann eine völlig unspektakuläre Szene, da es im Kinosaal still war. Da muss ich wohl irgendetwas Lustiges entdeckt haben, denn plötzlich wurde die Stille von einem hellen Kleinkindlachen unterbrochen, das gar nicht abreißen wollte. Zunächst herrschte wohl erstauntes Schweigen – und dann lachte der ganze Kinosaal.

Ab diesem Moment war der Bann gebrochen, und meine Mutter atmete auf und konnte – sie hat ein Faible für gute Comics und Zeichentrickfilme – den Film auch genießen. Ihre kleine Heulboje zum Glück selber begeistert … 😉

Viele Jahre später, ich war Erstsemester in Aachen, wurde der Film im Bavaria am Holzgraben gezeigt. Seit vielen Jahren das erste Mal, dass ich diesen allerersten Film meiner „Kinokarriere“ sehen konnte. Die 20-Uhr-Vorstellung war bereits ausverkauft, und meine damals beste Freundin Sonja und ich mussten auf die 17-Uhr-Vorstellung ausweichen. Die Kindervorstellung. Aber da wir „Erstis“ waren, waren ja auch wir irgendwie noch „Kinder“. 😉

Und es war so süß! Außer uns und einigen wenigen versprengten mehr oder minder Erwachsenen ohne Familienanhang saßen nur Mütter und Väter mit ihren kleinen Kindern im Kinosaal. Rechts neben mir eine Mutter mit ihren zwei kleinen Söhnen. Der jüngere etwa so alt wie ich damals bei meiner „Dschungelbuch-Premiere“. Und offenbar recht frühreif, denn er flirtete heftig mit mir. Seine Mutter sah mich, grinste und meinte: „Ach, du Scheiße – der fängt schon früh an und steht ganz eindeutig auf Blond! Aber er hat Geschmack!“ Ich grinste zurück und bedankte mich.

Dann ging das Licht aus, und der Film nahm seinen Lauf. An der Stelle, da Balu, der Bär, mit Shir Khan kämpft, um Moglis Leben zu retten und dabei getötet worden zu sein scheint, herrschte atemlose, gelähmte Stille im Saal. Man hätte wohl eine Stecknadel fallen hören können, und als es wirklich unumkehrbar schien, hörte man von rechts, links, vorn und hinten lautes Schluchzen. Balu war halt der Held aller Kinder – und nun sollte er tot sein? Sogar mir stahlen sich angesichts der so echten Trauer der kleinen Kerlchen einige Tränen in die Augen, obwohl ich es doch besser wusste: Balu war nicht tot – doch nicht Balu, dieser liebenswerte Spinner! 😊

Und als der Film dann zu Ende war – Balu lebend und Shir Khan verjagt -, lachten wieder alle: Das Gute hatte gesiegt!

Heute Abend rief Mama mich an und meinte: „Ali, auf dem Disney Channel kommt Das Dschungelbuch. Falls du es sehen möchtest … Ich werde mir den Film auf alle Fälle ansehen – den ersten Teil habe ich damals ja gar nicht richtig sehen können. Blut und Wasser habe ich geschwitzt! Und danach hatte ich nie wieder Gelegenheit … Manche Dinge kann man im Leben nachholen.“

Ich lachte und habe mir den Film dann auch angesehen, diesen Film, der noch heute so nett ist. 😊 Zumindest steht er bis heute bei mir sehr weit oben auf meiner persönlichen Liste der beliebtesten Filme. 😉

Euch ein schönes Wochenende! 😊

Knapp am Nasenbeinbruch vorbei – Oder: Zum Glück ist heute „Bergfest“

Wie? Ihr wisst nicht, was Bergfest bedeutet? Dabei ist es so einfach! Bergfest ist der alternative Name für den Tag in der Woche, den ihr als Mittwoch kennt. So heißt der Tag auch offiziell. Bei mir nur Bergfest.

Warum? Weil man von Montag bis zu jenem Bergfest vom Tiefpunkt der Woche, von rock bottom, eben Montag, bis zum Höhepunkt kraxeln musste, dann aber den Gipfel oder die Kuppe erreicht, von der aus alles wieder bergab geht. (Obwohl es auch dabei einige Überraschungen geben kann …)

Bergab bedeutet hier aber nur: Richtung Wochenende. 😉 Und das ist eine feine Sache, so ein Wochenende. Ausschlafen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen – eigentlich könnte das Wochenende viel länger dauern. 😉

An meiner früheren Stelle war der Mittwoch, also das Bergfest, ein noch schlimmerer Tag als an meiner neuen Stelle. Obwohl: Heute war wohl eine Ausnahme …

Denn als ich heute früh aus dem Haus trat, war mein Auto speziell im Bereich der Windschutzscheibe von etwas überzogen, das ich nur als „Schnee, zwischenzeitlich getaut, von Regen überrascht und erneut gefroren“ bezeichnen kann. Es dauerte einige Momente, untermalt von Fluchen, das jedoch vom Brummen des Motors und der Lüftung meines Wagens übertönt wurde, bis ich eine eisfreie Frontscheibe hatte.

Auf der Fahrt zur Arbeit vor mir viele Leute, die offenbar noch nicht wach waren. Und wer – zum Henker – ist hier eigentlich für die Straßenplanung zuständig? An einer Stelle, da vor wenigen Monaten noch heftig baugearbeitet wurde, weswegen wir zum Teil einspurig fahren mussten, ist es nun noch schlimmer als zuvor, was die Spurführung anbelangt.

Etwas genervt langte ich bei der Arbeit an, um zu sehen, dass auf dem Mitarbeiterparkplatz die attraktivsten Parkplätze schon besetzt waren. Ich parkte dann in der Walachei – irgendwo ganz hinten.

Immerhin fing es erst zu schneien an, als ich aus dem Auto ausstieg. Das war doch mal was! 😉 Und Petrus schien sich nicht entscheiden zu können, ob er es nun regnen, schneien oder nicht doch lieber hageln lassen sollte … Ich kam – der Schirm war ganz unten in meiner Tasche – relativ durchnässt an meinem Arbeitsplatz an, wo ich meine Kollegin Kerstin mehr oder minder fröhlich begrüßte.

Sie schien sich in ähnlicher Stimmung zu befinden wie ich, grüßte mich zwar, wie immer, freundlich, meinte aber sofort: „Findest du nicht auch, dass das heute ein Scheißtag sei?“ Ich gab ihr Recht – ich sah es genauso. Ein Tag, an dem man am besten im Bett geblieben wäre. Und schnell stellte ich meine Sachen ab, wurschtelte mich aus meinem schwarzen Parka mit Kunstpelzbesatz an der Kapuze (seit ich ihn besitze, hasse ich Druckknöpfe …), und schon setzte ich mich auf meinen Bürostuhl und stützte meinen rechten Arm auf die Armlehne, als ich meinen Arbeitsplatzdrucker starten wollte.

Es machte nur laut Crack!, und schon segelte ich mit dem Gesicht ganz knapp an der Kante meines Schreibtisches vorbei! Zwischen meiner empfindlichen slawischen Nase und der Tischkante fehlten nur wenige Millimeter, und fast wäre ich zur Gänze vom Stuhl gestürzt und konnte mich gerade eben noch abfangen. Ich nahm noch ein liebliches Klingen wahr, mit dem das offenkundig metallene Teil, das die rechte Armlehne bis dato fest mit dem Stuhl verbunden hatte, irgendwo im Nirgendwo unter Kerstins und meinen Arbeitsplätzen verschwand, wo sich so viele elektrische Leitungen und ein ganzer Kabelsalat die Ehre geben. Ein Wunder, dass noch keine von uns sich darüber zu Tode gestürzt hat! 😉

Da die ganze Aktion etwas lauter vonstattenging, rief Kerstin von jenseits unserer insgesamt vier Bildschirme – jede von uns hat zwei, weil arbeitstechnisch notwendig – laut: „Um Himmels willen – was machst du da?“ Ich wusste es auch nicht so genau, war genauso überrascht wie sie, und als Antwort fiel mir nichts Besseres ein, als die abgebrochene Armlehne zu ergreifen, mich mühsam wiederaufzurichten, um ihr meine Trophäe mit lautem Lachen zu zeigen. Dabei fiel mein Blick auf Kerstins Telefon …

Genau wie ich, verfügt auch Kerstin über ein veraltetes Telefonmodell – dahingehend habe ich mich mit meinem Stellenwechsel eindeutig verschlechtert. Und unsere beiden Outdated-Telefonmodelle haben ihre Besonderheiten: Beide mit einem aufstellbaren Display versehen, wird Kerstins Display nur noch durch ein mehrfach in kleinstes Format geknicktes Blatt Papier aufrecht gehalten, während bei meinem Telefon zwar das Display wie eine Eins steht, dafür aber der Lautsprecher nicht mehr funktioniert, weswegen ich bei einigen Websessions, mit deren Hilfe ich mich in ein mir völlig neues Serviceverfahren einarbeiten sollte, jeweils über eine Stunde lang mit ans linke Ohr gepresstem Hörer dasaß und danach meinen linken Arm erst einmal kaum benutzen konnte, weil ich so eifrig gepresst hatte. 😉

Als Kerstins esels-und-papierbrückengehaltenes Telefon in mein Sichtfeld geriet, lachte ich hemmungslos und kriegte mich kaum mehr ein. Kerstin meinte besorgt: „Und du hattest noch gar keinen Kaffee – wie soll das bloß weitergehen, wenn du welchen getrunken hast?“ So genau wusste ich das auch nicht, nur, dass ich mich künftig ganz vorsichtig auf meinen Bürostuhl setzen müsse – eine völlige Neugewöhnung ist vonnöten, da ja nun die rechte Armlehne fehlt. 😉 Und mit Sorge blickte ich gen Decke: Ob die Neonleuchtenträger auch alle wirklich festinstalliert waren? Wie leicht kann einem ein solches Ding den Schädel spalten!

Kerstin lachte dann auch, als ich meinte: „Sollte mir noch einmal jemand sagen, Arbeiten im Öffentlichen Dienst sei ja völlig sorgenfrei möglich und ohne Risiko, zerre ich den in dieses Büro hier! Wir sind im Grunde von lauter Gesundheitsrisiken umgeben! Sieh dir allein den ganzen Kabelsalat an! Die eine Kollegin stürzt fast zu Tode, weil sie einen offenbar Jahrzehnte alten Bürostuhl hat! Wie leicht hätte ich mit der Nase auf die Tischkante prallen können – und ich muss nicht erklären, was passiert, wenn sich das Nasenbein ins Gehirn bohrt! Spontaner Exitus! Und über dein Telefon müssen wir gar nicht erst reden! Über meines übrigens auch nicht. Ob wir neue bekommen, wenn wir sie mit Schmackes an die Wand werfen?“

Kerstin lachte und meinte: „Gott sei Dank! Du siehst es genauso wie ich und verstehst auch nicht, warum wir mit solch altem Material arbeiten müssen! Die meisten hier finden das ja völlig normal. Aber die haben auch von Anfang an im ÖD gearbeitet – die kennen es nicht anders. Und: Nein, wir bekommen sicherlich keine neuen Telefone, wenn wir diese hier mit Schmackes gegen die Wand werfen. Höchstens zwei ‚neue‘ alte Modelle mit anderen Schwächen. Und nun haben wir uns doch an diese beiden gewöhnt … Aber außer uns beschwert sich auch keiner – die sind das nicht anders gewohnt.“

Ich schon. In der freien Wirtschaft tätig gewesen, wurde mir jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Schade nur, als dann Insolvenz angemeldet werden musste … Zum Glück war ich zuvor schon im ÖD tätig gewesen. So war der Kulturschock dann doch nicht ganz so groß.

Aber nachdem ich die Abteilung gewechselt habe, ist der Kulturschock wieder da – wir haben wirklich die ganz alten Klamotten. Immerhin lockerte es die Stimmung auf – wenn das nix ist! 😉

Ich muss jetzt halt nur immer dran denken, mich vorsichtig auf meinen Bürostuhl zu setzen. Denn einen neuen bekomme ich wegen einer solchen Bagatelle sicherlich nicht. 😉 Völlig ausgeschlossen. 😉

Und in diesem Bewusstsein kann ich nun ganz beruhigt auf das Wochenende hinarbeiten. 😉

Arbeiten im Öffentlichen Dienst hat eindeutig große Vorteile. Wenn man es denn überlebt. 😉

Ja, ich weiß – es gibt erheblich schlimmere Arbeitsplätze. Aber über den ÖD wird immer gesagt, es sei alles so rundherum sorglos abgesichert. Ist es nicht, wie Ihr seht. 😉 Aber – im Vertrauen – mein Beitrag ist nicht so ganz ernst gemeint. Ich habe es wirklich gut – mal abgesehen von den baufälligen Ein- und Vorrichtungen. 😉

Steht da was auf meine Stirn geschrieben, das ich nicht sehe …?

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich habe manchmal ein kleines Problem mit den lieben Mitmenschen. Beileibe nicht allen, behüte!

Es ist eher eine spezielle Art Mitmensch, und das ist keineswegs böse oder abträglich gemeint. Meist begegne ich ihr in öffentlichen Verkehrsmitteln …

Vergangenen Montag, als ich von meiner Dozentenfron kam und an meinem Umsteigebahnhof auf die S-Bahn wartete, müde und froh, endlich nach Hause zu fahren, passierte es erneut: Ein jüngerer Mann, der mir schon vorher aufgefallen war, weil er wie ein Tiger im Käfig – oder Rainer Maria Rilkes Panther – auf dem Bahnsteig hin und her schlich, fing an, mich zu umkreisen. Und ich wollte doch einfach nur da stehen … Mich irritierte das Gekreise, und ich nahm meine Tasche und entfernte mich einige Meter. Kurz darauf wurde ich erneut umkreist. Ich entfernte mich zum zweiten Male, aber es war wie beim ersten Mal nicht von Erfolg gekrönt.

Und so erhob ich meine Stimme und sagte: „Können Sie mir sagen, warum Sie mir folgen und mich umkreisen, wie die Erde die Sonne umkreist? Es stört mich, und ich hätte gern meine Ruhe. Kreisen Sie, bitte, woanders.“ – „Ich darf sein, wo ich will.“ – „Und ich habe durchaus Anspruch darauf, hier zu stehen, ohne dass man mir folgt und um mich herum zirkuliert. Hören Sie: Es stört mich. Zirkulieren Sie an einer anderen Stelle, bitte. Der Bahnsteig ist lang und breit genug.“

Daraufhin erklärte mir der jüngere Mann, der einen etwas verwirrten Ausdruck sein eigen nannte, er fände mich aber nun einmal sympathisch, und damit hätte ich mich nun abzufinden. Ob er sich in der S-Bahn neben mich setzen dürfe. Man könne sich doch so schön unterhalten. Ich sagte: „Ich hätte gern meine Ruhe, und ich möchte mich nicht unterhalten. Ich hatte einen anstrengenden Tag. Nein, ich möchte mich nicht mit Ihnen unterhalten.“ – „Haben Sie etwas gegen mich?“ – „Nein. Warum sollte ich? Ich kenne Sie nicht.“ – „Ja, aber wir könnten das doch ändern …“ – „Nein, ich bin müde, ich will mich nicht unterhalten. Lassen Sie mir einfach meine Ruhe.“ Aber auch das nutzte nicht, und der merkwürdige junge Mann klebte an mir wie Pech. Zum Glück kam die S-Bahn, und ich galoppierte quasi hinein und suchte mir einen Sitzplatz dort, wo es besonders voll und kein weiterer Sitzplatz frei war. Der junge Mann postierte sich dann an der nächstgelegenen Tür und fixierte mich fortan. Ich fand das extrem nervend und war froh, als er endlich ausstieg. Aber er blieb noch vor dem Fenster stehen, hinter dem ich saß, bis der Zug abfuhr …

Einmal mehr fragte ich mich, warum ich mich eigentlich gerechtfertigt hatte. Eigentlich hätte ich nur ein deutliches: „Nein! Schluss jetzt!“ sagen müssen. Ich ärgerte mich über mich selber – es war ja nicht das erste Mal …

Seit vielen Jahren ist das so. Wiederholt fand ich mich in Situationen wieder, in denen Menschen sich ähnlich verhalten wie der junge Mann. Meist in Bussen und Bahnen, wo die räumliche Situation beengt ist. Einmal saß ich im Zug von Oberhausen nach Aachen, und ein Mann, einige Jahre älter als ich, setzte sich neben mich. Er hatte, wie er erzählte, aufgrund eines Motorradunfalls eine physische Behinderung, und er sagte, er wolle gern neben mir sitzen, weil ich ihm sofort aufgefallen sei – ich sei offenbar ein netter Mensch. Es tat mir leid, dass er einen Unfall mit solchen Folgen gehabt hatte, und das sagte ich ihm auch. Das war ein Fehler. Denn schon fing er an, mich anzufassen, nahm meine Hand, streichelte mich ständig, wenn auch an nicht „heiklen“ Stellen, aber es war extrem unangenehm und ebenso übergriffig. Was fiel ihm ein? Ich sagte, er solle das unterlassen, aber er meinte, ich sei doch so nett – ob wir uns nicht einmal in Aachen treffen könnten. Ich sagte nein. Er fragte, warum – ob mich seine Behinderung stören würde. Ich sagte erneut nein, dass ich aber sein Verhalten zu vertraulich fände und überdies einen Freund hätte. Daraufhin meinte der Mann: „Der muss das ja nicht erfahren! Und wer weiß? Vielleicht ist der Freund dann ja schon bald Geschichte …“

Es reichte, und ich schrie den Kerl an: „Lassen Sie mich sofort in Ruhe! Das ist ja unverschämt – was bilden Sie sich ein!“ Daraufhin schrie er zurück, was für eine dumme Kuh ich sei, dass ich ihn seiner Behinderung wegen diskriminierte! Ich war fast sprachlos, was selten vorkommt. Dann aber riss ich mich zusammen und schnauzte: „Sie lassen mich jetzt sofort hier durch – neben Ihnen will ich nicht sitzen! Und Sie wissen genau, dass das nicht mit Ihrer Behinderung zu tun hat!“  Unvergessen. Und extrem unangenehm.

Diverse andere Ereignisse dieser Art folgten, die meisten in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo man sich dem Ganzen nur schwer entziehen kann. Wurde ich energisch, wurde ich in 99 von 100 Fällen laut beschimpft, weil mir angeblich das Mitgefühl und die Empathie fehle. Was mache ich falsch? 😉

Das einzig Positive: Ich habe mal von einer Frau, die eindeutig verwirrt war, in Aachen die Funktionsweise des Busses, der damals auf der Linie 4 fuhr, en détail erläutert bekommen. Es war ein sogenannter Midibus, etwas kleiner als ein herkömmlicher Bus, und die Dame hatte sich wohl eingehend damit befasst und erklärte mir ungefragt dessen Besonderheiten von Aachen Markt bis Hanbruch. Der Bus war brechend voll. Aber klar, dass es mich traf … 😉

Warum nur? Ich fragte eine gute Freundin – sie ist Psychologin. „Stimmt vielleicht mit mir etwas nicht?“ fragte ich sie besorgt, aber sie lachte und meinte: „Mit dir stimmt alles. Du hast aber offenbar eine Ausstrahlung, die diese Leute anzieht. Und dann passiert, was ich durchaus als emotionale Erpressung bezeichne, sobald du dich verständlicherweise diesen Übergriffen entziehen willst.“

Hui – da habe ich ja noch einmal Glück gehabt! Mit mir stimme alles, sagte sie. 😉

Ich werde nun aber doch mal im Bad nachsehen, ob ich nicht einen Spruch auf meiner Stirn stehen habe: „All diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer irgendwie Hilfe suchen: Kommt alle zu mir!“ Bis dato konnte ich dort nichts finden …

Übrigens bin ich durchaus hilfsbereit. Aber ganz freiwillig. Ich mag nur keine Übergriffe und unterhalte mich doch lieber mit Leuten, die mir erlauben, das ganz allein zu entscheiden. Dann umso lieber. 😊

Von einem Extrem ins andere

Diesen Beitrag widme ich meiner Ex-Kollegin Janine, obwohl sie ja noch immer meine Kollegin ist, wenn wir nun auch in völlig unterschiedlichen Gebäuden sitzen und ganz unterschiedliche Themengebiete bearbeiten. 😉

Aber hier geht es um etwas ganz anderes. Es geht darum, dass unterschiedliche Abteilungen offizielle Feste ganz unterschiedlich begehen. Es ist eine Sache von: „Ganz oder gar nicht“, „Overknee oder barfuß“, „Sekt oder Selters“.

Kurz: Früher war keineswegs mehr Lametta an meinem Arbeitsplatz. Eher weniger. Weihnachtsfeier? Was ist das? Ich war es so gewohnt, und wir organisierten etwaige Weihnachtsfeiern dann auf meinem ehemaligen Flur lieber selber. Die Chefs waren selbstverständlich eingeladen.

Und nun das! Anfang Oktober wechselte ich in eine völlig andere Abteilung, und es war eine immense Umstellung. Nicht nur, dass ich so viele Dinge völlig neu lernen musste, nein! Auch, was das Thema sozialer Umgang, hier im Besonderen „Weihnachtsfeier(n)“, anbelangte, hatte ich hinzuzulernen, denn ich habe inzwischen den Eindruck, dass ich vor dem erst kürzlich vergangenen Weihnachtsfest all die Feiern nachgeholt habe, die mir in der Zeit auf dem anderen Platz versagt geblieben waren. Gefühlt war es so. Dauernd hieß es, wir würden uns hier und da treffen, und dann wurden Kaffee, Tee und Plätzchen kredenzt! Fast überforderte mich das, weil ich das ja so gar nicht gewohnt war. 😉 Am 22. Dezember aß ich bei einer erneuten Zusammenkunft selbstgemachten Lebkuchen – und war begeistert. Zwar war die Konsistenz etwas sehr locker, aber der Geschmack stimmte. Und ich hatte selber mal versucht, Lebkuchen zu backen und wusste um die Klippen und Untiefen, die sich dabei auftun können, was von vornherein einen Riesenbonus gab. Allein schon für den Willen. 😉

Aber das war ja noch nicht unsere echte Weihnachtsfeier! Beileibe nicht. Denn diese trug sich gestern zu – mitten im Januar, aber umso schöner. Denn mein gesamtes Dezernat traf sich zu einem Kochkurs in einer hiesigen Familienbildungsstätte, einer katholischen, in die sogar ich eingelassen wurde, obwohl ich konfessionslos bin. Und völlig ungläubig (Ersteres ergibt sich aus Letzterem … 😉 ) Es spricht für die Bildungsstätte. 😉 Auf der anderen Seite finanzieren ja auch Konfessionslose kirchliche Einrichtungen mehr oder weniger freiwillig via Steuern und Sozialabgaben mit … 😉 Dann werde ich da doch wohl auch kochen dürfen! 😉 (Ich habe lange in einem von der evangelischen Kirche getragenen Chor mitgesungen, obwohl ich früher katholisch gewesen war, und das zu diesem Zeitpunkt auch schon lange nicht mehr … 😉)

Als wir eintrafen, waren in der großen Küche mit von mir ungezählten Herden und Backöfen – es gab aber leider nur zwei Spülmaschinen – neun Stationen aufgebaut, die ich eine nach der anderen abschritt, um zu entscheiden, wo ich was kochen wolle.

Auf 1 war eine Vorspeise aus der Kategorie Bistroküche angesagt: „Überbackene Lauch-Croissants“. Nicht meins, obwohl das Ergebnis sehr lecker war.

Nr. 2: Kartoffeln, in relativ dicke Stifte geschnitten und mit Olivenöl und Zitrone im Ofen gegart? Klang toll, schmeckt auch toll, aber es erschien mir nicht wie eine Herausforderung, da ich ja schon viele Jahre koche, und das sehr gern. Tsatsiki? Bauernsalat? Nee – da musste man auch nur schnippeln, raspeln und zusammenrühren. Das Dessert, eine Kokoscreme mit Ananas, war auch nicht meins, da ich Desserts und süße Sachen nicht gern zubereite – das entspricht nicht meinen Vorlieben. Ich mag es eher herzhaft. 😉

„Chili-Erdnuss-Mie-Nudeln“ interessierte mich schon mehr, nachdem ich die Station „Pastinaken-Cremesuppe“ passiert hatte, auf die sich gleich die einzigen beiden esoterisch-homöopathisch interessierten Kolleginnen gestürzt hatten. Ich mag die beiden wirklich gern, aber unsere Ansichten divergieren sehr stark – und irgendwie war mir vorher schon klar gewesen, dass diese beiden die Suppe zubereiten würden, denn Suppe hat so etwas … Meditatives. Und sie ist stets eine Zusammenkunft völlig unterschiedlicher Elemente. Nicht wahr? Und hat auch stets etwas Mystisches an sich, wie man da in einem großen Topf etwas anrührt, das andere auslöffeln müssen. 😉

Die Nudeln konnten mich aber auch nicht recht überzeugen, und so blickte ich zu den Stationen 8 und 9. Auf 8 war Winterkabeljau auf einem Tomaten-Knoblauch-Bett angesagt. Auf 9 Stifado, eine griechische Variante des allgemein bekannten Gulaschs. Obwohl ich von klein auf mit meinem Onkel angeln ging und keine Panik vor der Zubereitung von Fisch haben sollte, habe ich mich nach langem Schwanken für das Fleisch-Schmorgericht entschieden. Und so kochte ich zusammen mit Kollegin Larissa, während Gina und Marion zum Fisch kamen wie die Jungfrau zum Kind. Zu lange gezaudert, wollten sie, als Larissa und ich gerade nach dem notwendigen Handwerkszeug für die Zubereitung des Stifados Ausschau hielten, unsere Station vereinnahmen! 😉 Aber Larissa verjagte sie mit den Worten: „Hey – nee! Das hier ist schon besetzt!“ – „Aber hier stand doch keiner!“ – „Nee, weil Ali und ich schon nach den Instrumenten suchten! Ali! Einer von uns muss hier Wache halten, wie es scheint!“ – „Ich kann nur eines! Soll ich jetzt die Gewürznelken suchen oder Wache schieben? Du stehst doch gerade da!“ Aber Gina und Marion hatten es schon eingesehen und waren zum Winterkabeljau weitergezogen. (Um es vorwegzunehmen: Sie haben die Aufgabe hervorragend gelöst! 😊 )

Voller Inbrunst zogen Larissa und ich ein Kilogramm Zwiebeln ab und teilten diese in Viertel, brieten dann zwei Kilogramm Rindfleisch in Würfeln an, als gäbe es kein Morgen, würzten es dann mit Salz und Pfeffer, warfen dann die Zwiebeln dazu, vier Lorbeerblätter, mindestens 10 Pfefferkörner und zwei Zweige Rosmarin, vier Gewürznelken, danach Tomatenmark und eine große Dose geschälter Tomaten. Und dann flossen noch vier Tassen Rotwein in den Topf. Wir probierten mehrfach – es schmeckte im Ansatz natürlich nicht besonders gut. Nicht so, wie ich das Gericht kannte. Es fehlte etwas, und Larissa meinte dann irgendwann: „Ich könnte es auch so schon essen, aber irgendwas fehlt. Da sind Nelken drin – und Pfeffer. Irgendwas fehlt zum Weihnachtlichen.“ – „Zimt,“, sagte ich, muss aber auch zugeben, dass ich das Gericht schon kannte. Zumindest passiv. Larissa stutzte, sah mich an und meinte: „Ja! Du hast Recht! Zimt! Wie kommst du darauf?“ Ich grinste und meinte: „Ich kenne das Gericht. Zimt gehört da standardmäßig hinein.“ – „Ah!“

Wir hatten aber keinen Zimt zur Hand, und so schoben wir das Eintopfgericht, das mindestens eineinhalb Stunden schmoren musste, ohne diesen in den Ofen – es würde auch so sicher schmecken. Die Zeit drängte.

Zwischendurch aßen wir peu à peu die anderen Gerichte. Unerreicht: Der Winterkabeljau, den Gina und Marion zubereitet hatten. Der war wirklich hervorragend. Danach dann das Stifado, das die Kursleiterin besonders lobte, zumal ich zweimal in der Küche verschwunden war, um abzuschmecken. Die Kursleiterin wusste das zu schätzen und meinte: „Sie kochen nicht zum ersten Mal! Ich habe schon vorhin gesehen, dass bei Ihnen alles zack-zack geht. Sie wissen, was Sie tun!“ Ich lachte und meinte: „Beim Kochen schon!“ Und dann schmeckten wir das Stifado ab. Die Kursleiterin meinte: „Das ist nicht mein Rezept – das ist nicht so, wie ich das kenne! Da fehlt etwas! Da fehlt …“ – „Zimt!“ rief ich, und sie strahlte mich an und meinte: „Wie ich schon sagte: Sie kochen nicht zum ersten Mal!“ – „Ich kenne das Gericht, da ist es kein Wunder.“ – „Ja, aber trotzdem! Sie waren die Einzige von denen, die wirklich gearbeitet haben, die dabei gelächelt hat. Einige haben so ausgesehen, als würden sie auf Hühnerkacke beißen, während sie kochten. Und ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, aber die beiden Kolleginnen, die die Suppe gemacht haben, haben fast eine Wissenschaft daraus gemacht! Ich bin von Beruf Köchin und finde, dass man da pragmatisch herangehen müsse. Und so lange, wie die an der Suppe laborierten, hätten andere ein Kind ausgetragen! Entschuldigen Sie, bitte, dass ich das so sage!“

Ich kniff der Kursleiterin ein Auge zu – ich hatte den Suppenkochprozess ja vor Augen gehabt, da die beiden Kolleginnen an dem Arbeitsplatz standen, auf den ich stets blickte, hob ich meine Augen von den zu schälenden Zwiebeln. 😉 Und ich kenne beide Kolleginnen und wusste, was die Kursleiterin meinte … 😉 Eine von beiden wurde auch plötzlich von einer Übelkeit angefallen, bekam von ihrer Suppenkoch-Kollegin sogleich ein Homöopathikum verabreicht, musste dennoch von ihrem Partner abgeholt werden, nachdem alle ihre Suppentassen ausgelöffelt hatten und ihre Mit-Verursacherin ihr Resultat gelobt und als „politisch korrekt“ gepriesen hatte … 😉 So macht Kochen richtig Spaß! 😉

Nachdem ich mich mit der Kursleiterin länger über küchentechnische Fragen unterhalten hatte, fragte diese mich: „Jetzt mal ehrlich: Wo haben Sie Kochen gelernt?“ Ich sagte: „Bei meiner Mutter und meiner Oma. Ich habe mich immer so gern mit beiden unterhalten, und das oft in der Küche. Offenbar habe ich vieles einfach so übernommen, durch Zusehen. Und durch Ausprobieren dann später, als ich auf mich gestellt war. Aber bei Ihnen mache ich gerne noch einen Kurs!“ Die Kursleiterin freute sich, und inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich bei ihr einen weiteren Kurs mache. 😉

(Und es führte immerhin dazu, dass sie und ich uns ohne jegliche Abmachung quasi verbrüderten, sie dann voller Elan die Küche durchforstete und tatsächlich noch zwei Zimtstangen zutage förderte … 😉 )

Nachdem wir dann noch Schrottwichteln gemacht haben und ich mit noch Schlimmerem nach Hause ging, als ich mitgebracht hatte, war diese Weihnachtsfeier dann beendet. Eine sehr schöne Weihnachtsfeier. Ich bin gespannt, wann die nächste kommt. Bei der bisherigen Schlagzahl kann es nicht mehr lange dauern … 😉

Ein schönes Wochenende! 🙂

Wenn das Jahr so weitergeht …

… bin ich über kurz oder lang – eher über kurz – ergraut. 😉

Es fing bereits Silvester an, als ich mich am späten Nachmittag mit dem Auto auf den Weg machen wollte. Ich war eingeladen zu einem Fondue und einem netten Abend.

Hektisch wie immer, wenn ich einen Termin habe, schloss ich den kleinen Monty auf – ich war schon etwas spät dran -, und ich warf meine Klamotten hinein, darunter diverse pyrotechnische Objekte. 😉 Mich selber warf ich auf den Fahrersitz, und dann startete ich den Motor. Besser gesagt: Ich wollte den Motor starten. Denn alles, was ich hörte, war ein sehr greises Geräusch, eine Art Stottern, ein Todesröcheln, das alsbald erstarb … Nicht so mit mir! Und erneut startete ich. Zumindest den Versuch, zu starten. Röcheln, altersschwach, in den letzten Zügen liegend, war die Antwort.

O Gott! Ausgerechnet jetzt! Was sollte das? Warum? Und wieso ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Etwas unbeherrscht schnauzte ich den arglosen kleinen Monty an: „Was soll der Scheiß, bitte? Du bist eineinhalb Jahre alt!“ Zum Glück kam mir recht schnell der Gedanke, dass ich mit einem unbelebten Gegenstand – zum damaligen Zeitpunkt sogar im doppelten Sinne – sprach, und so riss ich mich zusammen.

Ich atmete tief ein und wieder aus. Hier war Besonnenheit gefragt. (Ja, auch ich bin deren durchaus bisweilen mächtig! 😉 ) Und so versuchte ich mit ganz besonnener rechter Hand und insgesamt völlig entspannt, die Karre ans Laufen zu bekommen. Sachte trat ich nach dem etwa dritten Versuch zusätzlich aufs Gas. Ganz sachte.

Beim etwa zwanzigsten Versuch (zwei Fenster des Hauses, vor dem ich stand, waren zwischenzeitlich zweimal geöffnet und wieder geschlossen worden – beim zweiten Mal mit etwas mehr Schwung) klang das Röcheln nicht mehr ganz so moribund, und beim zweiundzwanzigsten Startversuch dann endlich sprang der Motor an! „Halleluja!“ dachte ich laut, als der Motor auch schon heftigst aufheulte – ich hatte in meiner Freude das Gaspedal wohl doch etwas fester getreten, als beabsichtigt. Sofort ging wieder eines der beiden Fenster im Haus, vor dem ich stand, auf, und ein erboster Mann blickte heraus. Ich lächelte und winkte fröhlich, und der Mann knallte das Fenster noch erboster zu. „Hehe,“ dachte ich fröhlich für mich hin, „Knallen erst ab Mitternacht, bitte schön.“

Und ich habe sogar die ganze Strecke bis zu meinen Gastgebern problemlos bewältigt. Und am nächsten Tag sprang der Wagen auch relativ zügig an. (Im Geiste notierte ich: „Dringend Termin in der Werkstatt machen!“) Mein einziger ernstgemeinter Vorsatz für 2018 – zumindest bis jetzt. 😉

In der Werkstatt war ich am Freitag und wurde vom Meister so richtig dämlich abgebügelt, als ich das Szenario von Silvester beschrieb. „Dann kann es ja wohl kaum an der Batterie liegen, gute Frau!“ – „Die ‚gute Frau‘ habe ich jetzt zu Ihren Gunsten mal überhört! Und ich hatte auch gar nicht von der Batterie gesprochen, als ich den Termin vereinbarte. Ihr Mitarbeiter sprach von der Batterie. Dem hatte ich alles genauso geschildert wie Ihnen jetzt eben.“ Brummelnd zog der Meister mit meinem Autoschlüssel ab. Es war dann letzten Endes nichts zu finden. Aber die Batterie hatte ich mit keinem Wort erwähnt, nur, um das noch einmal zu betonen. 😉

Meine Wochenendeinkäufe hatte ich getätigt, während der launische Wagen durchgecheckt wurde, und so konnte ich danach direkt nach Hause fahren. Monty sprang ganz problemlos an, als wollte er mir eins auswischen … 😉 So ein kleines Arschloch! 😉

Zu Hause packte ich gerade die Einkäufe weg, als mich ein menschliches Bedürfnis heimsuchte. Ich ließ alles stehen und liegen und eilte gen Bad. Aber irgendwie scheint auf der Region um mein Bad herum irgendein böser Fluch zu lasten, denn nicht nur habe ich mir einst am Türrahmen einen kleinen Zeh gebrochen, sondern bin auch einmal so heftig umgeknickt, dass es mich zu Boden riss. Und so auch nun. Mein linker Knöchel knickte mittig, und ich konnte mich gerade noch abfangen, aber es knackte im Knöchel, und ich dachte nur: „Bitte nicht! Bitte keinen gebrochenen Knöchel!“ Aber er ist wohl nicht gebrochen, sieht aber auch heute noch immer ein wenig anders aus, als er dies für gewöhnlich tut. Nur ein bisschen, denn ich habe ihn sofort gekühlt. Und ich musste an meinen früheren Orthopäden denken, der mir schon zu meiner Jugendzeit erklärt hatte, dass meine Bänder wohl nicht die Glanzleistung seien, die derjenige, der mich schuf, vollbrachte. Wahrscheinlich bin ich bändermäßig ein Montagsprodukt. 😉 Und zahnmäßig. Zum Glück funktionieren die meisten anderen Dinge an mir (mal abgesehen von den Augen – die sind zwar, wie ich selber finde, das Schönste an mir, was jetzt auch nicht so doll klingt -, aber leider auch kurzsichtig und hornhautverkrümmt) einwandfrei. Vor allem meine Ohren – ich habe ein sehr gutes Gehör! Es ist so gut, dass ich manchmal sogar das Gras wachsen höre! 😉

Der Samstag war vergleichsweise ruhig, und nur einmal geriet ich in Aufregung. Ich hatte gerade das Wohnzimmer ver- und die Balkontür zum Lüften offengelassen. Ich wollte eigentlich nur kurz etwas in der Küche machen. Tat ich auch. Als ich die Wohnzimmertür auf meinem Rückweg öffnete, hörte ich ein merkwürdiges Rascheln. Nun bin ich es ja fast schon gewohnt, dass Rotkehlchen und Kohlmeisen, entweder singulär oder im Paarverbund, wie auch Amselmännchen auf Freiersfüßen mein Wohnzimmer von Zeit zu Zeit heimsuchen, und so dachte ich zunächst: „Es wird wieder einer dieser Vögel sein. Hoffentlich kapiert er schnell, wo es wieder hinausgeht.“ 😉 (Denn wenn sie auch den Weg hinein ganz leicht zu finden scheinen, haben sie offenbar ein kurzes Gedächtnis: Die Luke zu finden, durch die sie hineinkamen, scheint – geht es um den Auszug – erheblich schwieriger zu sein. 😉 )

Doch weit gefehlt! Es war kein Vogel! Es war ein Kleinsäuger! „Mein“ Eichhörnchen, das mich öfter auf dem Balkon besucht, der kleine Pit, wie ich ihn getauft habe, schoss bei meinem Betreten durchs Wohnzimmer! Die Tür! Der Ausgang! Wo war er nur? Und wie „zielgerichtet“ raste der kleine Pit, der ganz offenbar nicht die hellste Kerze auf der Torte ist (ich mag ihn aber trotzdem – ich habe auch so einen bescheidenen Orientierungssinn), da er sich kürzlich sogar von einer winzigen Blaumeise vom Futter vertreiben ließ (das wäre mir an seiner Stelle nie passiert!), stets rechts und links an der weitgeöffneten Tür vorbei! (So ähnlich ergeht es mir übrigens beim Lottospielen: Ich liege immer dicht an den schließlich gezogenen Zahlen dran. Entweder rechts oder links daneben auf dem Lottoschein … Wirklich! Wie ferngesteuert. 😉 Wie der kleine Pit auf der Suche nach dem Ausgang! 😉 )

Ich humpelte in seine Richtung und versuchte, ihn nach draußen zu treiben, ihm den Weg zu weisen. Der kleine Pit jedoch geriet in Panik und raste in bemerkenswerter Geschwindigkeit die Wand hoch (ich habe Rauhfasertapete an den Wänden – das ist für ein Eichhörnchen quasi ein Boulderparadies) … Dann hechtete er in eines meiner Bücherregale und richtete dort Chaos an … Über meine Couch ins DVD-Regal, was ihm auch nicht sehr viel Platz bot. Aber was nicht passt, wird passend gemacht – und schon flogen die DVD-Hüllen aus dem Regal … Binnen kurzem machte der kleine Pit eine Achterbahn aus meinem Wohnzimmer … Und ich stand mittendrin wie ein Dompteur, der seinen Beruf verfehlt hat, jedoch mit liebreizender Stimme auf das unartige Tier einspricht: „Pittilein, ich tue dir doch nichts! Ganz ruhig! Es passiert dir nichts!“ Irgendwann hat „Pittilein“ sich dann todesmutig an mir vorbeigestürzt, und das sogar über den Boden! Und er fand die Tür! Das Letzte, das ich – wahrscheinlich für längere Zeit – von ihm sah, war sein buschiger Schweif, als er kopfüber an der Hauswand herab flüchtete. 😉 Armes Kerlchen! Ich konnte trotz des Chaos‘ nicht einmal böse auf ihn sein. 😉

Ich vermute, der kleine Pit muss sich erst noch an mich gewöhnen. 😉

Gestern dann quasi im „Kundendienst“ bzw. Servicebereich meiner Dienstabteilung. Auch da können einem die Haare schnell ergrauen. Denn unter den Menschen, an denen meine Kollegen und ich Dienst leisten, sind auch einige, die einfach nur dreist sind. Gestern kamen mehrere davon an. Zwei davon werde ich sicherlich in der nächsten Zeit nicht vergessen, denn einer meinte: „Ah! Ich will mein Fach wechseln!“ Ich lächelte zuvorkommend und meinte: „Sehr schön! Am einfachsten ist es, gehen Sie auf unsere Homepage. Unter Punkt […] finden Sie alles, was Sie wissen müssen, ebenso das Antragsformular. Am besten wird sein, Sie lesen sich das erst einmal durch, und wenn dann noch Fragen bestehen sollten, wenden Sie sich gern wieder an mich.“ Und ich verschluckte, was ich eigentlich sagen wollte: „Das ist alles selbsterklärend. Sie müssen es sich halt nur ansehen, durchlesen und verstehen … wollen.“ Ich verkniff es mir, obwohl mir sehr danach war – die Kundschaft zuvor hatte zwar zu nicht geringem Teil schon ungläubiges Staunen bei mir verursacht, aber ich gehöre ja dem Servicebereich an. 😉

Daraufhin meinte der junge Mann: „Aberrr ich brrrauche doch wohl keine Crrredits, wenn ich wechseln will?“ Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte und starrte ihn überwältigt an. Durch meinen Kopf schossen diverse sehr spontane Antwortmöglichkeiten, darunter auch: „Aber nein! Wozu Leistungsnachweise! Die Angabe Ihrer Schuhgröße reicht völlig!“ Leistungsnachweise! Credits! Werden im Allgemeinen doch völlig überschätzt … 😉 Ich sagte mit ins Gesicht gemeißeltem freundlichen Lächeln: „Ja, sicher brauchen Sie Leistungsnachweise – das ist die Voraussetzung für einen Wechsel …“ – „Ja, wissen Sie – ich habe verrrgessen, mich zu den Prrrüfungen anzumelden.“ – „Wie bitte?“ – „Ja, habe ich gedacht, da können Sie etwas machen!“ – „Nein, das ist nicht meine, sondern Ihre Aufgabe. Wenn Sie – wie auch immer – vergessen, sich zu Ihren Prüfungen anzumelden, bin ich dafür nicht zuständig. Klären Sie das, bitte, selbst – und auch nicht hier. Das hier ist der falsche Ort.“ Und ich nannte ihm den richtigen Ort, aber er schätzte sich selber wohl als so unwiderstehlich und mich offenbar so dumm ein, dass er mich angrinste und meinte: „Aberrr … Sie sind doch eine so nette Frrrau …“ – „Ja. Bin ich. Aber nicht zuständig. Wir sind hier der falsche Ansprechpartner, und es kommt hinzu, dass das Ihre eigene Aufgabe ist.“ Maulend zogen der junge Mann und sein Begleiter ab, und ich blickte zu meiner Kollegin Kerstin hinüber und griff mir an den Kopp. Die grinste nur und meinte: „Ja, ich fand die auch interessant. Aber sieh nur – da kommen schon die Nächsten …“

Ziemlich weich in der Birne nach all diesen Fällen, bisweilen sogar so etwas Ähnliches wie fassungslos, fuhr ich dann zu meiner Dozentenfron an die Uni in einer der Nachbarstädte, und zum Glück war Tobias im Seminar nicht anwesend … Tobias weiß alles besser, kann alles besser und hält sich für sehr kritisch und die Welt hinterfragend. Er sollte Journalist werden … Nein! Tobias ist nett, aber extrem nervig und nervend. Ein wirklich netter Kerl – aber irgendwie war das Seminar gestern erheblich entspannter als sonst. 😉

Trotzdem war ich erst spät zu Hause – die Bahn hatte mal wieder beschlossen, für Überraschungsmomente zu sorgen und einige Bahnen nicht nur zu spät, sondern gar nicht fahren zu lassen. Natürlich ohne Hinweis – es wäre ja auch sonst nur halb so lustig für die, die in eisiger Kälte am Bahnsteig ausharren und auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten – was sie aber noch gar nicht wissen … Mangels eines entsprechenden Hinweises … 😉

Das klingt alles recht harmlos. Zu harmlos, darüber zu ergrauen. Aber ihr wisst ja: Kleinvieh macht auch Mist. 😉

Auf ein angenehmes Jahr 2018!  Es kann nur besser werden. Hoffe ich. 😊

Auch eine Klosterschülerin ist nur ein Mensch …

Immer wieder stolpere ich über den falschen Einsatz des Begriffs Klosterschülerin. Er ist im Grunde nicht selten als Beleidigung gedacht, zumindest jedoch als mehr oder minder freundlicher Rüffel. Als Kritik, wenn jemand nicht wagemutig genug erscheint. Im Grunde rangiert er im landläufigen Verständnis irgendwo zwischen Blaustrumpf und Mauerblümchen.

Ich kann nur sagen: Wer den Begriff so verwendet, kann ganz furchtbar falsch liegen … 😉 Woher ich das weiß? Nun … man erwirbt mit der Zeit eine gewisse Lebenserfahrung. Vor allem als Ex-Klosterschülerin. Da bisweilen besonders nachhaltig. 😉

Ich habe mein Abi auf einem Gymnasium gemacht, das eine solche Klosterschule ist, und es ereignete sich wieder und wieder Geläster seitens des städtischen Gymnasiums. „Ja, ach, die Nönnekes da! Bei denen lernt man sicher nur Kochen und solche Dinge! Und von morgens bis abends wird gebetet!“ wurde da behauptet, ohne dass auch nur irgendjemand eine Ahnung hatte, was hinter den Klostermauern gelehrt wurde.

Ja, sicher, es herrschte die Pflicht, bis 13.1 Religionsunterricht zu haben, den man erst mit Beginn der 13.2 abwählen konnte (was ich sofort getan habe) – also kurz vor dem Abitur. Ich hatte ein längeres Gespräch mit unserer damaligen Direktorin, einer Nonne, aber ohne Tracht, die auch meine Deutsch- und Literaturlehrerin war, und sie war eine sehr, sehr gute Lehrerin, wenn auch bisweilen etwas sehr von sich überzeugt. Wir sprachen, da ich wissen wollte, ob ich nicht doch irgendwie dem Religionsunterricht entfleuchen könne. Da sagte sie: „Kein Problem, Ali – Sie müssen halt die Schule wechseln!“ Klar, in der 12 wechselt man auch besonders gern … 😉  Ich zog eine Fresse, und sie sagte: „Ja, aber warum haben Sie diese Schule ausgesucht?“ Ich platzte heraus: „Als hätte ich irgendeinen Einfluss darauf gehabt! Ich wurde hier angemeldet, weil diese Schule einen sehr guten Ruf hat – nur halt nicht beim Augustinum [dem städtischen Gymnasium], denn die haben ja immer was zu kamellen!“ – „Sie wollten also gar nicht hierher?“ – „Ich war 10, als ich hier angemeldet wurde. Ich hatte keine Wahl. Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin sehr gern hier, und ich weiß den fundierten Unterricht zu schätzen! Allein der religiöse Aspekt …“ – „Ja, aber Sie sind doch katholisch …“ – „Noch!“ entfleuchte mir. „Aber das gedenke ich, zu ändern.“ – „Ah, Sie möchten lieber in den protestantischen Religionskurs?“ – „Nein, auch nicht. Ich möchte gar keinen Religionsunterricht! Ethikunterricht wie an manch anderen Schulen fände ich toll!“ – „Ja, Ali, dann müssen Sie wechseln. Oder Sie beißen in den für Sie sauren Apfel … Ich kann nachvollziehen, was Sie bewegt, wenn ich persönlich es auch nicht verstehe. Aber das ist nicht Ihr Ding, und Sie werden mich auch nie sagen hören, dass eines Tages …“ – „Danke. Das ist schon mal gut, zu wissen,“, unterbrach ich schnell, und ich biss dann in den sauren Apfel und hielt mich mit Referaten über Marx, Feuerbach und Sartre sowie als Advocata diaboli im Religionsunterricht über Wasser. 😉 Nicht nur dort, sondern auch im Französisch-LK wurde ich bisweilen angefeindet, weil ich eher atheistische oder zumindest agnostizistische Perspektiven vertrat. Eine Mitschülerin riet mir im LK Französisch sogar mal aufs Heftigste, ich solle doch gefälligst die Schule wechseln, wenn ich mehr auf so „gottloses Zeug“ wie Sartre stünde! (Interessanterweise hielt die Schulleitung das „gottlose Zeug“ für durchaus lernenswert – es stand zwar ohnehin auf dem „Spielplan“ bzw. im Curriculum, aber die Schulleitung fand das überdies völlig okay, da sie der Meinung war, ein jeder müsse ein möglichst weitgefächertes Weltbild haben, wozu auch „gottloses Zeug“ gehöre – bzw. Sartre. Und auch Camus … Denn nur so entwickle sich die Weitsicht, sich für dieses, jenes oder welches zu entscheiden – mit der jederzeitigen Möglichkeit, zu einer anderen Überzeugung zu kommen.)

Und genau dafür, für die Weltoffenheit trotz der Klostersache, habe ich meine Schule immer so geschätzt! 😊

Von diesem Aspekt abgesehen, war es eine mehr oder minder gewöhnliche Schule. Oder nicht? Ich habe zumindest nie davon gehört, dass am Augustinum auf dem Schulhof Nacktfotos von einer Schülerin vertickt wurden. 😉 Bei uns schon. 😉

Bei uns war immer mehr los. Denn trotz aller Weltoffenheit war unsere Schule schon immer etwas anders als andere – etwas familiärer. In dem Sinne, dass die lieben Kinder sich nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollten. Ergebnis: Sie lehnten sich zu weit aus dem Fenster. 😉

Lange vor meinem Abi, lange vor jedweder Wende fand einst eine Oberstufenfahrt nach Prag statt – zu Zeiten des Kalten Krieges, des Eisernen Vorhangs. Und da haben wohl einige Schüler etwas zuviel vom wunderbaren tschechischen Bier genossen. Sie vertrugen es nicht, denn sie kamen auf die unglaublich schlaue Idee, vor einem offiziellen Gebäude eine Fahne abzumontieren. Was für eine Mühe sie sich dabei gaben, und das mit dem Kopp voll Bier! Einer kletterte den Fahnenmast hoch, die anderen standen Schmiere. Und wie groß die Überraschung, als die, die Schmiere standen, plötzlich von der český policie nicht nur umstellt waren, sondern – unter Zuhilfenahme und Vorhalten von Schusswaffen – zu Boden gerungen wurden und man ihnen Handschellen anlegte, während der auf dem Fahnenmast mittlerweile ganz oben Angekommene fröhlich: „‘ch hab sie!“ brüllte. Er hatte dort oben im besoffenen Kopp noch gar nicht mitbekommen, was seinen Kumpels passiert war, und die Polizei ließ ihn auch noch in seinem Triumph mitsamt der Fahne den Abstieg vom Mast vervollkommnen, bis man ihm dann, als er unten angelangt war und sich über den ausbleibenden Jubel wunderte, die Fahne entriss und auch ihn zu Boden drückte.

Es geht die Sage, dass mein späterer Klassenlehrer, Herr Zuhoff, damals seinen zweiten Herzinfarkt erlitten habe … Zumindest kurz nach der Stufenfahrt … Dem war jedoch einiges vorausgegangen, denn man hatte die Herren Fahnendiebe, die ein bisschen zu viel pivo, ergo Bier, zu sich genommen hatten, kurzerhand festgenommen und in Einzelhaft verfrachtet. Der restliche Kurs habe umgehend das Land zu verlassen, so hieß es. Ohne die Inhaftierten. Die beiden Begleitlehrer, einer davon Herr Zuhoff, sahen sich in einer schwierigen Situation: Sie konnten doch nicht einfach abreisen und drei Schüler ihrem Schicksal in einem Prager Knast überantworten! Herr Zuhoff soll da schon geschwächelt haben, und so bot sich Frau Hau-Böhmer als Geisel an, im Austausch gegen die drei Schüler. Einem sehr gutmütigen Dolmetscher, so hieß es, sei zu verdanken gewesen, dass schließlich alle gemeinsam überstürzt nach Hause reisen muss…, ääh, durften.

Im Folgejahr gab es keine Oberstufenfahrt. (Einmal mehr hatten völlig Unschuldige bzw. Schuldlose auszubaden, was andere versiebt hatten, die wahrscheinlich noch heute bei jedwedem Abitreffen sagen: „Weiße noch, damals? Im Knast in Prag? Hahaha!“ …)

Erst einige Jahrgänge später gab es wieder eine Oberstufenfahrt nach Prag. Auf der entstanden auch die später auf dem Schulhof vertickten Nacktfotos von Marceline, einer ziemlich coolen Schülerin, zwei Stufen über meiner. Marceline musste zur Direktorin kommen und bekam eine Abmahnung. Noch so etwas, und sie würde von der Schule fliegen. Marceline war ziemlich locker, und doch hat sie ein Jahr später – ohne von der Schule zu fliegen – ihr Abi bestanden. Es gab auch keine Nacktfotos mehr. (Interessanterweise wurden die, die – ohne Marcies Wissen – die Fotos vertickt hatten, nicht bestraft … 😉 )

Der Jahrgang über meinem fuhr trotz alledem nach Prag, und es wurde auch nur eine Schülerin dort schwanger. 😉

Trotz all dieser Unbilden durfte auch in meinem Jahrgang wieder eine Reise nach Prag angetreten werden. Drei Leistungskurse reisten hin, und immerhin musste nur ein Schüler daraus mit einer Alkoholvergiftung in ein dortiges Krankenhaus. Es wunderte uns nicht, als wir den Namen hörten. 😉 Zwei weitere Kurse waren nach Rom gefahren, wo eine Mitschülerin fast im Tiber ertrunken wäre, eine andere halbnackt in der Fontana di Trevi tanzte. Ein Mitschüler soll das Sechserzimmer im Jugendhotel mittels billigen Chiantis bzw. dessen Resten, die er sich noch einmal durch den Kopf gehen ließ, annähernd unbewohnbar gemacht haben. Und ein weiterer hatte ein Tête-à-tête mit einer rassigen Römerin, die nur einen Nachteil mit sich brachte: ihren Ehemann, der die beiden in flagranti erwischte. Der Mitschüler konnte seiner physischen Bestrafung nur dadurch entgehen, dass er Fersengeld gab. Kein Problem – er war im Sportkurs mit Schwerpunkt Leichtathletik und ein recht guter Sprinter. Leider nur war sein Orientierungssinn weniger gut ausgeprägt als seine Sprintfähigkeit, und so irrte er bis zum nächsten Tag durch Rom und musste zuvor auf einer Bank übernachten … 😉

Wie harmlos verhielt sich dagegen unser Kurs in Berlin! Fast schämten wir uns, hinterher erzählen zu müssen, dass es bei uns keinen „Skandal“ gegeben habe … (Bis auf ein paar mehr oder weniger Angetrunkene, die nächtens vor dem Jugendhotel laut obszöne Lieder sangen und am nächsten Tag zum Rapport zu beiden Begleitlehrern gebeten wurden – ich erinnere mich noch heute ungern daran … 😉 Beide Begleitlehrer hatten ihr Zimmer zur Straße hinaus … Das hatten wir … ääh … die, die da gesungen hatten, wohl nicht bedacht.)

Immerhin ist bei uns keine schwanger geworden! (Was wohl aber auch daran lag, dass wir nur drei Jungs dabeihatten: einer stand nicht auf Mädels, der andere war nur mitgefahren, weil auch seine Freundin in dem Kurs war, denn eigentlich hätte er nach Prag mitfahren sollen, und der Dritte im Bunde war irgendwie schräg …) Und auch nicht halb ertrunken. Unsere einzigen Sünden waren, dass viel billiger Wein und viel Bier konsumiert wurde, geraucht bis zum Abwinken, und es gab ein zusammengebrochenes Bett. Wie langweilig. 😉

Aber trotzdem passierte bei uns immer wesentlich mehr als auf dem Augustinum. Wehe, wenn sie losgelassen – und das geht halt am besten bei Klosterschülern. Und hält offenbar auch ein Leben lang an … 😉

Mir hat man jedenfalls noch nie geglaubt, wenn ich sagte: „Ich war auf einer Klosterschule.“ Die meisten lachen sich dann schlapp und tippen sich gegen die Stirn. Man stellt sich unter einer solchen Absolventin wohl etwas anderes vor als jemanden wie mich. 😉

Dazu – wie zu so vielen anderen Aspekten des menschlichen Miteinanders – fällt mir nur eine englische Redensart ein: Don’t judge a book by its cover … 😉

Harmonie und Einklang pur? Von wegen! Hauen und Stechen …

Gestern unterhielt ich mich zum Thema Musik. Ich bin ja des Klavierspielens mächtig, und ich liebe Musik. Passiv wie aktiv. Da ähneln meine Kollegin Kerstin und ich einander sehr, und es ist – an Tagen, an dem im Büro wenig los war – sogar schon vorgekommen, dass wir neue oder alte Songs von allen möglichen Interpreten auf YouTube hörten und laut mitsangen. Wir haben damit sogar unseren stets unerschrockenen SysAdmin verschreckt, der zwischenzeitlich hereinkam, um meine beiden neuen Monitore zu installieren. Als die Tür aufging, rief ich: „Hey, Frederick, komm rein! Du kannst gleich mitsingen!“ Frederick, ansonsten ziemlich cool, starrte mich entgeistert an, und als ich eine leicht freche Bemerkung machte, schüttelte er nur sein weises, dreißigjähriges Haupt und meinte: „Ali, was ist passiert? Du warst ja immer schon ein wenig … frech. Aber seit du hier in diesem Büro sitzst, ist es noch heftiger geworden. Wo soll das noch hinführen?“ Und zu Kerstin gerichtet: „Ich glaube, du übst einen schlechten Einfluss auf Ali aus!“ Kerstin protestierte und meinte: „Klar, ich soll es wieder gewesen sein! Ich glaube, wir sind einander nur recht ähnlich, was das anbelangt.“ Ich protestierte, ich sei nicht frech, und Frederick sagte schnell, nein, aber sehr direkt. Und schon sangen Kerstin und ich laut und fröhlich Ironic von Alanis Morissette, auch schon älter, aber ein Lied, angesichts dessen Texts ich immer behaupte, es sei exakt für mich geschrieben worden. Ich hatte den Eindruck, Frederick arbeitete schneller als sonst – er wollte auch gar keinen Kaffee, und er verabschiedete sich schnell, er habe so viel zu tun … 😉

Zunächst ging es im gestrigen Gespräch um einfache Dinge, zum Beispiel, dass ein Klavier leichter wiege als ein Flügel, und ich streute noch einige Aspekte ein, die sich zwischen dem Spielen auf einem Klavier und einem Flügel (ich hätte immer gern einen eigenen Flügel gehabt, aber wohin mit dem Monster? 😉 ) unterschieden. Schließlich kenne ich beides, denn ich spielte zu Hause auf einem Klavier, gehörte damit zu den Unglücklichen, die im Musikunterricht an der Schule vor jedweden Ferien den „nicht instrumentalisierten“ und feixenden Mitschülern etwas vorspielen mussten, zur Feier der beginnenden Ferien … Dort spielte ich auf einem Flügel, den der ein wenig sonderlich-versponnene Musiklehrer, Herr Lenz, zur Feier des Tages sogar öffnete! (Damit man die eventuell auftretenden falschen Töne möglichst laut und donnernd hörte … 😉 ) Ich muss zugeben, ich habe exakt dreimal als Solo-Pianistin dort vorgespielt, und alles klappte gut, aber meine Hände waren vor Nervosität klatschnass. Danach suchte ich mir – geteiltes Leid ist halbes Leid! – immer eine Mitspielerin. Mehrfach spielte ich mit meiner Freundin Gunilla, die Geige, Verzeihung, Violine spielte, zweimal auch mit meiner Freundin Nicola, deren Instrument mein Lieblingsinstrument und damit die Querflöte war. So ließ sich die grässliche Zwangsvorführung leichter ertragen, und wir bekamen sogar noch Lob, weil wir uns besonders viel Mühe gegeben hatten … 😉 Immerhin mussten wir uns mehrfach treffen und zusammen proben, bis alles saß. Die Treffen fanden nachvollziehbarer Weise stets bei mir statt – eine Violine und eine Querflöte lassen sich leichter transportieren als ein Klavier. 😉 (Einziger Nachteil bei meiner Querflötistinnen-Freundin Nicola: Ihr Flötenlehrer bestand darauf, dass wir ihm das Ganze in der Musikschule in D. noch einmal vortrugen. Was für ein Mist – ein Vor-Vorspiel und erneute Nervosität! Ich gurkte also hin und setzte mich dort nervös an den Flügel, und Nicola und ich trugen unser Stück vor. Der Flötenlehrer war sehr angetan, und er ließ mir durch Nicola später auch noch ausrichten, ich könne aber sehr gut Klavier spielen. Hach – ich wuchs gleich gefühlt um diverse Zentimeter! Hatte sich das zähe Üben doch gelohnt … 😉 )

Dann ging das Gespräch in Richtung Singen. Ich habe in meinem bisherigen Leben in zwei Chören gesungen: im Unter- und Mittelstufenchor meines Gymnasiums bei einer sehr rabiaten Chorleiterin und im Zweiten Sopran. Später dann in Aachen in einem durchaus renommierten Chor und dort – meine Stimme war ziemlich nachgedunkelt – im Zweiten Alt. Tiefer geht für Frauen nicht. 😉

Das machte – fast – immer Spaß, und viele Menschen denken bei Chören: „Was für eine wunderbare Harmonie! Einklang pur!“

Ich denke da etwas anders – ich kenne die Situation hinter den Kulissen. 😉 Einklang pur? Ha! Bisweilen Hauen und Stechen! Auf alle Fälle sehr viel Konkurrenzkampf und Rivalität. Und das wohl nicht nur in den beiden Chören, denen ich meine Stimme lieh.

Man muss als Außenstehender wissen, dass die einzelnen Stimmen im Chor zwar im Endergebnis optimaler Weise harmonieren, aber zwischenmenschlich bzw. -stimmlich gibt es – zumindest so meine Erfahrungen – nicht selten durchaus Rivalität. So war bei uns der gesamte Sopran eine Ansammlung von Diven – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sopranistinnen waren die „lieben Mädchen“, die mit silber- und glockenhellen Stimmen herausragten. Die drei Tenöre, die wir hatten – nein, die Rede ist nicht von den prominenten Drei Tenören – waren zu zwei Dritteln ähnlich wie die Sopranistinnen, weil sie ihre höheren Stimmen für eine besondere Gabe Gottes hielten. Einzig Christoph fiel aus dem Raster, der immer in Motorradklamotten mit seinem Moped zu den Proben kam und in der Pause immer mit den anderen Rauchern – alle aus dem Alt und dem Bass, denn man muss ja die Tiefe der Stimme irgendwie „fördern“ – eine rauchen ging, was Chorleiter Peter mit missmutigem Ausdruck betrachtete. Interessanterweise aber hatte Christoph trotz des Rauchens die klangreinste und schönste Stimme im Tenor … 😉 Seine beiden Tenorkollegen betrachtete er stets mit ironischem Grinsen: Vor allem Gernot Gottwald, ein etwas spilleriges Männchen mit einem weichgespülten Prinz-Eisenherz-Haarschnitt und ebenso spillerigem Stimmchen, der stets ein seidenes Tüchlein um seinen kostbaren Kehlkopf geschlungen hatte. Und auch die Sopranistinnen kamen großenteils nicht so gut weg, speziell Serena, die ab und an mal ein Solo singen durfte, dabei aber immer gar furchterregend grimassierte und entsetzliche Fratzen zog, was auf falsche Sing- und Atemtechnik hinweise, wie Christoph grinsend anmerkte. Dabei war sie Logopädin und Sprachtherapeutin – hätte es eigentlich besser wissen müssen. Aber sie bildete sich nicht wenig auf ihre gottgleichen Soli ein.

Ich gebe zu, wir waren einmal entsetzlich unfair, aber das nicht mit Absicht. Wir sangen in einer Ostersonntagsmesse oben auf der Orgelempore. Das Fass mit dem Weihrauch wurde geschwenkt, der sich – hervorragend! – aufs Possierlichste auf unsere Stimmbänder legte, weswegen wir zunächst alle husten mussten, aber – vorbildlich und im Chor darauf getrimmt – alle zeitversetzt und möglichst leise, damit es nicht so auffalle. Dann trat Serena für ihr Solo vor uns, und leider, leider wandte sie uns ihr edles Antlitz zu. Hätte sie mal lieber nach vorn ins Kirchenschiff geblickt! Denn als sie loslegte und ihre Grimassen schnitt, von denen ich annahm, frau würde solche, ohne sich zu schämen, höchstens unter den Presswehen im Kreißsaal offenbaren, wo einem – Erzählungen vieler Mütter zufolge – ohnehin alles scheißegal sei, sogar das Abbrennen von Haus und Hof, starrten wir sie zunächst fasziniert an, und dann breitete sich ein zwar sehr, sehr leises und unterdrücktes Kichern aus – natürlich zeitversetzt. Ute, meine Alt-Kollegin zu meiner Linken, flüsterte mir frotzelige Dinge ins Ohr, die grimassierende Darbietung betreffend, und ich rammte ihr mit Nachdruck den Ellbogen in die Seite – aufhören, sofort! Ein Lachanfall drohte. Gemein, das alles, ich weiß, aber es ließ sich leider nicht umgehen. Und für eine Sache zog ich meinen Hut vor Grimassen-Serena: Sie sang einfach weiter und ließ sich nicht irritieren. Möglich jedoch, dass sie gar nichts mitbekam, da sie ihre Augen derart zusammenkniff, dass sie uns gar nicht sehen konnte … Und sie sang sehr laut und hörte uns wohl auch nicht …

Dem Alt stand der Sopran stets mit einer gewissen Überheblichkeit gegenüber. Wir hatten ja alle nur so tiefe Stimmen und konnten nicht einmal das hohe C! Und auch der Chorleiter hatte ständig etwas auszusetzen. Wir waren – zusammen mit dem Bass – die Stiefkinder des Chors. Und so fühlten wir uns auch. Ute meinte nach einer besonders kritikreichen Probe mal zu mir: „Ich habe schon keine Lust mehr, überhaupt noch zur Probe zu kommen! An uns wird ja sowieso immer nur herumgemeckert.“ Ich pflichtete ihr bei, während die schlimmsten zwei Sopran-Diven uns hämisch angrinsten. Sie erinnerten mich irgendwie an die beiden Siamkatzen im Disney-Film „Susi und Strolch“ … 😉

Eines Tages, eine der letzten Proben fand statt, bevor wir ein „Gastspiel“ in einer Essener Kirche hatten, wurde erneut heftig an uns herumgemäkelt, als wir einmal mehr Schiffbruch an einer besonders heiklen Partie der Johannes-Passion erlitten: „Jetzt reißt euch doch mal zusammen! So geht das nicht! Verdammt nochmal – wie oft muss ich euch noch sagen …“ Hämisch-triumphales Grinsen aus dem Sopran, während wir Altistinnen bedrückt und frustriert dasaßen, mit gesenkten Köpfen. Aber da muss Chorleiter Peter wohl ein schlechtes Gewissen bekommen haben, denn er fing sich und meinte: „Naja, mal im Ernst! Ich bin vielleicht zu euch immer etwas strenger, aber ihr müsst bedenken, ihr seid zusammen mit dem Bass das Fundament, ohne das nichts geht! Ohne euch klingt der Sopran nur wie ein Haufen hoher Stimmchen – ihr gebt dem Ganzen doch erst die Fülle. Ohne euch ist der Sopran und auch der Tenor so gut wie nichts. Deshalb bin ich mit euch etwas strenger.“ Na, toll! Benachteiligt wegen tieferer Stimme – wo war der Antidiskriminierungs-Beauftragte? 😉

Sofort regte sich der gesamte Sopran auf: „Frechheit! Wir können singen – die machen dauernd Fehler!“ Doch Peter fuhr den kreischenden Künstlerinnen sofort über den Mund: „Ruhe jetzt! Ja, ihr denkt, ihr könntet hier als Einzige singen! Das ist Unsinn. Ihr habt oft die einfachsten Partien von allen, und ohne die tiefen Stimmen klingt ihr nach nichts! So sieht das aus – und jetzt ist hier Ruhe! Weitermachen!“

Danach war eine ganze Zeit wirklich Ruhe im Karton. Und das war auch gut so. Und Christoph, der Tenor, meinte irgendwann, als mal wieder der Sopranstolz sich durchsetzen wollte: „Das nervt! Bis auf einige sehr nette Ausnahmen nur Zicken im Sopran, die ständig die Besten sein müssen, sonst Zoff! Eins muss ich sagen: Im Alt sind die cooleren Mädels.“ Und darauf tranken er, Ute und ich erst einmal ein lecker‘ Pilsken! 😉 Die Stimmen mussten geölt werden. 😉

Musik ist toll, Chöre wirken sehr harmonisch.  Jedoch nicht mehr ganz so, wenn man hinter die Kulissen blickt … 😉 Es sind halt alle nur Menschen. 😉

Nachtrag: Es gibt natürlich auch nette Sopranistinnen. Die, die – anders als ihre Stimmen – auf dem Boden geblieben sind. Und es gibt auch blöde Altistinnen, Tenöre und Bassisten. Ich gebe hier nur wieder, was ich erlebte … 😉

Der vorletzte Tag des Jahres …

… fing sehr gemächlich an, zumindest bei mir. Ich schlief länger als gewöhnlich, setzte mich dann an den PC, beantwortete einige Mails, drückte mich erfolgreich darum, eine Hörverständnisübung für meine Studis – selbst vorgelesen – in ein Audiofile zu fassen (meine Stimme klingt immer so blöd bei so etwas, und ich konnte mich heute nicht überwinden). Ich mache es entweder morgen, was ja – blicke ich auf die Uhr – im Grunde schon ist, oder ich mache es im neuen Jahr … 😉 Erschreckender Weise ist das ja auch schon ganz bald …

Dann beging ich den Fehler, in einer überregionalen Tageszeitung bzw. deren Online-Version zu lesen. Ich hätte es vielleicht lassen sollen, denn was ich las, bereitete mir keine Freude: Nahe Stuttgart am Vortage eine junge Frau von einem Mann an den Haaren zur Bahnsteigkante gezerrt und fast ins Gleisbett gestoßen, kurz bevor der Zug einfuhr. Messerattacke in Hamburg – wie ein Déjà vu. „Was sich für Autofahrer 2018 ändert“ – sicherlich nichts Erfreuliches.

Und dann las ich von einem grandiosen Plan für die Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin! Dahin kommen immer sehr viele Menschen, und Massenveranstaltungen sind dieser Tage bisweilen ein bisschen problematisch, wie man leider auch immer wieder lesen mu…, äh, kann. Doch in Berlin hat man eine ganz tolle Idee gehabt! Man hat eine Schutzzone für belästigte und angegrabschte Frauen geplant! Ein Schutzzelt! Dorthin sollen sich bedrängte Frauen flüchten. Vor meinem geistigen Auge erschienen UN-Blauhelm-Soldaten, die den Bedrängten, die da mühsam und beladen Richtung rettende Zone flüchteten, Zutritt zum Schutzzelt gewährten, einige vielleicht sogar aus der brodelnden Menge zerrten und ihnen dann Wasser und Schutz zukommen ließen …

Dann brach das Lachen aus mir heraus, und mir schoss durch den Kopf, dass der Begriff Schutzzelt doch vielleicht besser durch Gemeinschafts-Burka ersetzt werden solle – eine riesige Burka halt, unter der alle Bedrängten, Begrabschten, ergo die, die tatsächlich Schutz suchen, verschwinden könnten, somit für etwaige „Interessenten“, völlig wurscht, welcher Herkunft, unattraktiv würden. Und der Gedanke brachte mich zu einem sehr dreckigen Lachen. Ich bitte um Verzeihung dafür, dass das politisch sicherlich nicht korrekt ist, aber ehrlich gesagt: Ich pfeife darauf, denn ich halte eine solche Frauen-Schutzzone für unsäglich, da sie die Freiheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe empfindlich beschneidet. Und was für ein Signal wird da gezeigt? Ich schüttelte meinen Kopf und lachte entfesselt. Es gibt Momente, da lacht man, weil eine Situation derart grotesk ist, nicht aus Freude. Mehr, weil man kaum für möglich hielt, was einem Tag für Tag von neuem so vorgesetzt wird.

Mit Staunen sah ich, wie sich unter dem soeben publizierten Artikel die Kommentare binnen kürzester Zeit vervielfältigten. Als ich vorhin das letzte Mal nachsah, aus Neugier, wie viele Kommentare da wohl nun stehen würden, sah ich die respektgebietende Zahl 914 … Und die meisten davon in dem Tenor, dass man diese Idee für fehlgeleitet halte. Nun ja …

Nachdem ich noch einige Beiträge zu zumeist unerfreulichen Themen gelesen hatte – es gab leider kaum erfreuliche, und dennoch möchte man ja auf dem Laufenden bleiben -, gab ich die frustrierende Lektüre lieber dran und widmete mich anderen Aufgaben. Mein Bad blitzt und blinkt seither, mein Schlafzimmer desgleichen; morgen kommt die Küche dran, in der ich heute noch fleißig tätig war und unter anderem Sizilianische Balsamico-Schalotten zubereitet habe, die ich zur morgigen Silvestereinladung mitnehmen werde (es gibt Fondue), ebenso einen Salat für mich, den ich heute zu mir nahm. 😉 Die Balsamico-Schalotten klangen harmlos, aber mein Herd bedarf nach der heutigen Spontan- noch einer gründlicheren Rundumreinigung. Ich finde, man sollte in Kochbüchern vermerken, dass manche harmlos und unkompliziert zu erstellen scheinenden Gerichte einen höheren Spritzfaktor mit sich bringen. 😉 Und aceto balsamico hat die wunderbare Eigenschaft, recht klebrig zu sein. Ich reinigte heute grund und beschloss, die gründliche Reinigung auf morgen zu verschieben, da noch das Fenster im Treppenhaus geputzt werden musste, obwohl ich mit der Treppenhausreinigung gar nicht dran war. Nur sah das Fenster inzwischen verboten aus, und Herr Einhorn, mein etwas sonderlicher Nachbar, ignoriert das Fenster hartnäckig. Das Treppenhaus besteht für ihn halt nur aus: Treppe.

Alles in allem ein total spannender Tag! 😉

Vorhin stellte ich auch noch fest, dass ich keine Zigaretten mehr hatte – auf zur Tanke! Ich trat aus dem Haus – und erschrak zu Tode! Ein schwarzes Etwas kam auf mich zugeflogen und sprang mir fast ins Gesicht! Hatte der Teufel Besitz von meiner schwarzen Seele genommen und wollte diese nun abholen?

„Aaaaaaah!“ schrie ich gepeinigt. „Hinfort!“ (Wo war die verdammte Schutzzone?) Doch da eine neuerliche Attacke des schwarzen Dings, obwohl eine etwas rauhe Stimme aus dem Hintergrund mahnend rief: „Aus! Nicht springen!“ Das schwarze Ding pfiff auf den Einwand und begann einen weiteren Sturm nicht auf die Bastille, aber auf mich, wobei es merkwürdig quietschende Geräusche von sich gab. Da endlich ging das Licht vor dem Hauseingang an – es ist leider ein bisschen unzuverlässig -, und ehe ich mich versah, hatte ich das fluffige, kleine schwarze Ding schon auf dem Arm! Dank Beleuchtung erkannte ich gerade noch, worum es sich handelte, als auch schon mein Gesicht abgeknutscht wurde. Es war die kleine Bella aus dem Nachbarhaus, ein schwarzer Kleinspitz, gerade ein halbes Jahr alt und zum Niederknien süß! (Und sie ist so klein, dass man sich – normalerweise und wenn sie einem nicht gerade auf den Arm springt, was ich angesichts ihrer geringen Größe kaum für möglich gehalten hatte – in der Tat meist niederknien muss, wenn man sie streicheln und knuddeln will … 😉 ) Hinter ihr stand Frau Sieling, die sich sogleich entschuldigte: „Frau B., das tut mir total leid! Entschuldigen Sie, bitte! Bella hat Sie offenbar ins Herz geschlossen, weil Sie immer so nett mit ihr spielen, wenn wir Ihnen begegnen. Normalerweise darf sie nicht springen, aber sie ist noch klein und etwas impulsiv …“ – „Guten Abend, Frau Sieling! Kein Problem, ist wirklich nicht schlimm. Ich wusste nur zunächst nicht, wie mir geschah, weil ich nichts sehen konnte.“ – „Ja, das tat mir leid, weil Sie so geschrien haben. Bella mag Sie sehr.“ – „Ich mag Bella auch sehr, nein, Bella, aus!“ rief ich, als das putzige Tierchen mir über die Nase leckte. Sie unterließ es auch sofort und machte sich lieber über mein linkes Brillenglas her – zur Feier des wahnsinnig spannenden Tages trug ich heute meine Brille und weiß nun wieder, warum ich Kontaktlinsen bevorzuge … 😉

Ich setzte Bella wieder auf den Boden, aber sie sprang erneut an mir hoch, und ich meinte: „Frau Sieling, haben Sie mal nachgeschaut, ob Bella Spiralfedern unter ihren Füßen hat? Wie kann es sein, dass ein so kleines Hündchen so hoch springen kann?“ – „Bei uns in der Wohnung kommt sie bis an die Türklinken …“ – „Na, super, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis sie Türen öffnen kann!“ – „Das fehlte noch! Obwohl … Sie ist sehr intelligent und lernt schnell.“ – „Tja, sie ist ein Spitz!“ rief ich, ein erklärter Spitz-Fan, fröhlich, und Frau Sieling erzählte mir dann, dass Bella bereits gelernt habe, dass sie vor jedem Wechsel der Straßenseite „Sitz“ zu machen und abzuwarten habe, bis es weitergehe. Dafür bekomme sie stets ein Leckerchen zur Belohnung. „Und, Frau B., Sie werden mir das nicht glauben, aber binnen kürzester Zeit hatte sie das heraus, und inzwischen will sie, nachdem sie das Leckerchen bekommen hat, unbedingt noch auf die andere Straßenseite. Und wenn wir dann wieder wechseln müssen, setzt sie sich ganz brav hin und guckt mich total herausfordernd an: Na, wo bleibt das Leckerchen? Ich habe doch alles richtig gemacht! Sie provoziert den Wechsel der Straßenseite! Aber das glauben Sie mir sicherlich nicht. Oder?“ – „O doch!“ rief ich lachend und meinte: „Ich bin quasi mit Hunden großgeworden – ich kenne diese Tricks, und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die Hunde für dumm halten. Das sind sie ganz gewiss nicht, und gerade Spitze kriegen sehr schnell Dinge spitz. Daher wahrscheinlich auch der Ausdruck.“ Bella fand das wohl nett und kam direkt wieder zu mir und sprang erschreckend hoch an mir hoch … 😉 Ich packte sie und meinte: „Na, du kleines Schlitzohr?“ Das fand sie so nett, dass sie auch noch über mein rechtes Brillenglas leckte. Schlieren nun nicht nur links, sondern auch rechts – herrlich … 😉 Aber ich bin sehr hundeaffin und verzeihe solche Dinge, die aus Zuneigung entstehen, obwohl ich doch noch ein mahnendes „Aus!“ von mir gab, was Bella auch gleich akzeptierte und befolgte. Sie leckte mir dann doch lieber wieder über die Nase. Sofort kapiert, dass „Aus!“ sich auf das Brillenglas bezog und das nächstliegende Objekt genommen. Halt ein echter Spitz und damit spitzfindig. 😊

Mit ziemlich verschmierten Brillengläsern kaufte ich dann die Zigaretten. Egal – Frau Sieling und Bella begegne ich immer wieder gern. 😊

Euch wünsche ich einen guten Rutsch und alles Liebe und Gute für 2018! 😊

„Jäädrr nur einen wänzigen Schlock!“

Wie den Menschen, die mich kennen, bekannt ist, vertrage ich Rotwein nicht wirklich, und das wegen meiner leider ebenso eklatanten wie unfreiwilligen Neigung zu Migräneattacken, weswegen ich auch keinen trinke. Es gibt exakt zwei Gegebenheiten, da ich Ausnahmen mache. Beide fallen in die Vorweihnachtszeit. Zum einen ist es der Gemeine Glühwein, den ich – auf dem Weihnachtsmarkt – trinke. (Zum Glück gibt es ja auch weißen Glühwein – aber ich trinke tatsächlich ab und an auch roten. Ich vermute, das Weihnachtsmarktgebräu stelle keine Gefahr dar, weil es ohnehin meist stark verdünnt ist … 😉 )

Zum zweiten handelt es sich um eine Zubereitungsart von Rotwein, die ich zuletzt vor drei Jahren zu mir nahm. Auf dem Christkindlesmarkt in Nürnberg. (Ich bekam zwar keine Migräne davon, aber ich erinnere mich, anderntags durchaus heftigere Kopfschmerzen gehabt zu haben. 😉 ) Es handelt sich um etwas, das noch viel besser schmeckt als jeglicher Glühwein: Feuerzangenbowle.

Meine allererste Feuerzangenbowle trank ich im zarten Alter von 16 Jahren auf einer Party. Sie schmeckte so gut, dass ich noch mehr davon trank (damals litt ich noch nicht unter Migräne … 😉 ). Wahrscheinlich habe ich das Ganze nur deswegen so gut überstanden, weil ich die meiste Zeit in Bewegung war und die ganze Nacht durchtanzte. 😉

Im Grunde ist Feuerzangenbowle ein sehr unmodernes Gebräu, hat dafür aber Tradition. Und ich freue mich immer, wenn sie irgendwo angeboten wird. Scheiß auf die Migräne! Allemal besser, ich bekomme sie von Feuerzangenbowle, als von Stress – und letzteres ist meist der Grund. 😉

Heiligabend gestern verbrachte ich bei meinen Eltern in D. Nein, es gab keine Feuerzangenbowle, aber irgendwann wurde der gleichnamige Film im Fernsehen ausgestrahlt. Altmodisch bis dorthinaus, aber ich besitze ihn auf DVD. Ich liebe diesen Film!

Warum? Denn er ist wirklich altmodisch, und gegen Ende kommen mir sogar grundsätzlich die Tränen. In dem Moment, da gesagt wird, dass alles gar nicht wahr sei und dass man sich mit den Wünschen und Träumen, ergo nicht Realem, bescheiden solle. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass der Film in einer sehr dunklen Zeit dieses Landes hier entstand.

Im Grunde also eher ein Film, um den man einen weiten Bogen machen sollte. Aber ich liebe ihn, denn ich habe einst in Aachen studiert, und wer sich in Aachen etwas auskennt, weiß, dass Anfang, Mitte November vom Filmstudio der RWTH, in dieser Hinsicht engagierten Studenten, ein Event stattfindet, das sämtlichen Kneipiers, die näher oder weiter von den zentralen Einrichtungen der Uni entfernt ihr Gewerbe betreiben, viel Umsatz und damit auch Gewinn beschert.

Denn dann – jedes Jahr von neuem – wird im Audimax, der Aula und diversen anderen größeren und großen Hörsälen Die Feuerzangenbowle ausgestrahlt. Der Film ist aus den 1940ern, und doch rennen noch heute die Studis hin. Auch viele Ehemalige, sowie Dozenten. Und es wird in den meisten mehr oder weniger nahegelegenen Kneipen an jenem Abend neben dem normalen Angebot sowohl Feuerzangenbowle, als auch Heidelbeerwein ausgeschenkt. Wenn ein Film wirklich als Kult bezeichnet werden kann, dann in jedem Falle dieser. (Neben einigen anderen ausgewählten Filmen und Dingen.)

Ich war als Studentin wiederholt dabei und dachte immer: „Gut, dass das Ganze meist an einem Freitagabend stattfindet!“ 😉

Einmal war ich erneut im Besitz einer Karte für das Event, zusammen mit einigen Freunden. Ich hatte mehrere Freikarten für die Vorstellung bekommen, da ich einen Bekannten hatte, der beim Filmstudio mitarbeitete. Gut – es war nicht zur besten Zeit, denn die Vorstellung, für die die Freikarten galten, begann bereits um 18:30 h im Fo1 des Kármán-Auditoriums, einem sehr großen Hörsaal. 18:30 h und Fo1 – ich hätte den Film lieber um 20:00 h im Audimax oder der Aula gesehen – aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. 😉

Schon vor dem Kármán-Auditorium wie auch den anderen Vorführungsstätten waren Stände aufgebaut, an denen Glühwein verkauft wurde – Feuerzangenbowle gab es dort nicht, da deren Herstellung etwas aufwändiger ist, als Glühwein aus Flaschen zu erhitzen. 😉 Und somit war auch das Publikum in Teilen etwas angeheitert, als wir uns alle in den Fo1 begaben. Irgendwann, fast alle Plätze waren bereits besetzt, wobei wir – meine Freunde und ich – ziemlich weit hinten und erhöht saßen, entstand mitten in der Hörsaalbestuhlung, wirklich fast mittendrin, eine Art Loch, und das in atemberaubendem Tempo! Menschen, die ihre Plätze bereits eingenommen hatten, sprangen plötzlich auf – teils unter spitzen Schreien – und strebten zum rechten bzw. linken Rand der Bestuhlung. Fast entstand so etwas wie Panik – aber nur fast.

Und irgendwann gab es dann in der Tat ein großes Loch aus nichtbesetzten Klappsitzen mitten im Fo1. Nur ein einzelner Mensch hockte da noch, vornübergeneigt, auf den sich viele Augen richteten. Warum nur? Er saß doch da ganz still …

Jedoch nicht lange, und dann war auch recht schnell klar, warum die Umsitzenden geflohen waren, denn in die lethargisch wirkende Gestalt kam plötzlich Leben. Ja, sie schien sich gewissermaßen aufzubäumen, wobei sie merkwürdige, jedoch eindeutige Geräusche und leider nicht nur das von sich gab. Letzteres in hohem Bogen … 😉 Dieser Student würde nach der Vorstellung sicherlich nicht mehr in eine der feuerzangenbewehrten Kneipen einkehren, da er bereits zuviel Glühwein konsumiert hatte. Kein Ersatz für Feuerzangenbowle – wahrscheinlich ein Erstsemester. (Wer das Gefüge an einer Uni je mitbekommen hat, weiß, dass die Erstsemester, auch „Erstis“ genannt, zumeist mit einem immensen Selbstbewusstsein aufgrund des – bisweilen haarscharf – bestandenen Abiturs an die Uni drängen und demgemäß erst einmal „eingenordet“ werden müssen, damit sie wissen, dass sie im Grunde nichts wissen. 😉 Ja, Hackordnung gibt es nicht nur auf dem Hühnerhof. 😉 Jetzt seht mich nicht so strafend an! Ich habe das auch durch- und mitmachen müssen! 😉 )

Ich war froh, dass wir hinten und damit erhöht saßen. Hätte ich in der Nähe des Studenten gesessen, der den Slogan des Kurbades Aachen (das eigentlich „Bad Aachen“ heißt) – „Sprudelnde Vielfalt“ – wohl allzu wörtlich genommen hatte, hätte der sich sicherlich noch einiges anhören dürfen … 😉 Nix dagegen, etwas zu trinken – aber doch bitte mit Verstand, solange noch vorhanden. Und man betrinkt sich bei einem solchen Angebot doch nicht schon vorher bis zur Besinnungslosigkeit! 😉 Wohl wirklich ein Ersti! 😉

Den Rest des Abends haben zumindest wir mit Feuerzangenbowle und Heidelbeerwein verbracht. Die meisten von uns stiegen jedoch alsbald auf Bier um. Das erschien harmloser. 😉

Das ist der Grund, weswegen ich diesen Film so mag, dass ich ihn sogar auf DVD besitze. 😊

Ich hatte immer vor, mal wieder nach Aachen zu reisen, Mitte November, um dann an diesem Event teilzuhaben, nachdem ich zuvor mit dem Filmstudio Kontakt aufgenommen hätte. Aber inzwischen hat die Studentenkneipe, in die wir damals immer einkehrten, in der ich lange neben dem Studium als Tresenfrau gejobbt habe, final geschlossen.

Ich plane es trotzdem mal fürs kommende Jahr. Und zum Glück habe ich noch Kontakt zu einigen Weggefährten. 😊

In diesem Sinne: „Jäädrr nur einen wänzigen Schlock!“ 😉 (Hätte es der Studi mitten im Fo1 nur wörtlich genommen … 😉 )

Eine Frage der Kreativität

Vorhin – ich machte gerade eine kleine Pause von meinen noch zu erledigenden Aufgaben – las ich einen Artikel über eines meiner Lieblingsspielzeuge meiner Kindheit. Aus Dänemark stammend, ein echter Verkaufsschlager in der Welt: Lego.

Ich liebte Lego heiß und innig, und mein Vater baute einen sehr schönen, großen Holzkasten mit Innenfächern und einem Deckel, den er in meiner damaligen Lieblingsfarbe Rot lackierte. (Meine Schwester Stephanie besaß quasi das „Schwestermodell“ in Blau. Für ihre Fischertechnik-Bauteile. 😉 ) Darin bewahrte ich die vielen Legosteine und -bauteile auf, denn es wurden immer mehr, und meist spielten Stephanie und ich beide mit den Steinen aus meiner roten Holzkiste. 😉

Schon damals gab es diese Lego-Sets, mit denen man dann ein bestimmtes Haus oder anderes Objekt bauen konnte. Das habe ich genau zweimal gemacht, da ich zwei solch spezieller Sets geschenkt bekam. Viel konnte man mit dem Bungalow und der Villa jedoch nicht anfangen, nur betrachten, und so kam es zum Rückbau, und die Steine wanderten zu ihren Brüdern und Schwestern in den Holzkasten. Herumliegenlassen war nicht. (Denn: Seit meine Mutter einst barfuß auf einen herumliegenden Legostein getreten war, bestand sie darauf, dass die kleinen Dinger, sofern unbenutzt, stets sofort wieder ihrer Lagerstätte zuzuführen seien. Nachdem ich dann auch einmal barfuß auf eines der unflexiblen Dinger getreten war, sah ich es auch sofort ein … 😉 )

Nun las ich also den Artikel, da die Verfasserin beklagte, Lego fördere die Kreativität nicht, da alles haarklein beschriftet und in einzelne Tüten verpackt nach einer sehr präzisen Bauanleitung zusammenzubauen sei, was die Kinder auch brav machten, deren Eltern hinterher die Kreativität der Kinder priesen. Das sei doch nicht kreativ!

Nein, das ist es wirklich nicht. Ich würde jedoch nicht Lego beschuldigen – es liegt doch mehr an den Kindern. Niemand zwingt sie, ausschließlich das zu bauen, wozu die Steine laut Set vorgesehen sind. Es reicht doch, wenn überhaupt, das Objekt einmal nachzubauen, wenn man Spaß daran hat. Danach kann man die Steine mit anderen kombiniert zu anderen Gebäuden oder Objekten verbauen.

Ich habe als Kind stundenlang voller Begeisterung Phantasiehäuser gebaut, einmal mit Stephanie zusammen sogar eine Art Puppenhaus, mit dem man ganz toll spielen konnte. Ich vergaß die Zeit, musste mindestens dreimal zum Essen gerufen werden – ich konnte mich kaum losreißen. Es kam immer etwas Kreatives heraus. 😊

Die Kritik geht meiner Meinung nach an der Sache vorbei: Nicht Lego ist etwas anzulasten, sondern eher den Kindern, die offenbar gar nicht auf die Idee kommen, die Steine quasi zweckentfremdet zu benutzen. (Zum Glück kenne ich auch heute noch andere Fälle. 😊 ) Nicht der Hammer ist schuld, wenn sich jemand damit auf die Finger haut … 😉

Liebe Kinder, die ihr heute unter dem Weihnachtsbaum irgendein Themenset von Lego vorfinden solltet: Ihr werdet nicht verhaftet, wenn ihr die Steine anderweitig verwendet. Seid kreativ, lasst euch nicht alles vorschreiben. 😉 Und: Lego ist einfach klasse!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! 😊